Mulinhusun im Brukterergau und die Embisccara
Gestern bin ich den ganzen Tag herumgedüst, mehr als 30 Kilometer, was mit einem E-Bike natürlich ein Klacks ist. Natürlich beobachte ich auch die Weltlage, aber aus der Perspektive landwirtschaflich genutzer Flächen im östlichen Ruhrpott etwas distanziert. (Die automatisch voll gelogene Russenpropaganda wird mir hier wegzensiert, so daß ich aufs Handy via VPN ausweichen muss – ich habe vergessen, wie man das beim Laptop per Linux aktiviert. Es funktionierte schon, es liegt also menschliches Versagen meinerseits vor. Kommt auf die To-Do-Liste und wird alsbald erledigt, wenn ich morgen nach Hause komme.)
Mühlhausen wurde erstmals urkundlich um das Jahr 890 als Mulinhusun in einem Abgabenverzeichnis der Abtei (Essen-)Werden zusammen mit anderen Orten am Hellweg erwähnt: Im Brukterergau im Dorf Mulinhusun hat Folkbracht für eine halbe Hufe jährlich 10 Scheffel Gerste, 10 Scheffel Roggen, 8 Denare Heerschilling, 2 Scheffel Mehl zu leisten. Hierfür ist Salz zu kaufen.
Zum Vergleich: „Taos Pueblo im Nordosten des US-Bundesstaates New Mexico gilt als der älteste dauerhaft bewohnte Ort der gesamten Vereinigten Staaten. Vorfahren der indigenen Menschen Indianer (…) haben diese Gegend seit mindestens 1000 Jahren besiedelt.“ – Um 850 n.Chr. führte Alfred der Große, König von Wessex, die Verteidigung gegen die dänischen Wikinger. Da gab es Mühlhausen schon ein paar Jahrhunderte.
Ich bin also vermutlich Brukterer, wenn es nach der „Logik“ der Araber in Gaza, Judäa und Samaria geht, die sich noch in der wasweißichwievielten Generation „Palästinenser“ nennen.
Im Milchhof der Familie Lategahn in Unna-Mühlhausen kaufte ich das, was ich immer kaufe und was auf dem Foto oben da duftend nach Fleisch und Blut vor sich hin liegt.
Anschließend radelte ich auf gewundenen Pfaden zur Emscher. (Ja, ich war plötzlich mitten auf der Baustelle unter der Liedbachtalbrücke, was vermutlich nicht erlaubt war. Ich winkte den Bauarbeitern huldvoll zu und radelte irgendwie wieder auf der anderen Seite hinaus.) Ich kam am Krüper vorbei, über den ich schon 2011 schrieb: „Der kleine Tunnel ist hier, meine Tante nannte ihn immer den „Krüper“, offenbar ein seltenes Wort für „kleiner Tunnel“. In meiner Kindheit bin ich immer im Winter den Abhang bis fast in den Tunnel hineingerodelt; Autos fuhren damals so gut wie nie.“
Die erste schriftliche Erwähnung der Emscher fand im 10. Jahrhundert als Embisccara statt. Der Name ist keltischer Herkunft und war vermutlich ursprünglich ein Ethnonym. Der erste Namensbestandteil stammt wohl von der keltischen Wurzel ambi- mit der Bedeutung ‚um, herum‘. Der zweite Bestandteil war vielleicht der ursprüngliche Flussname, also etwa *Skaria oder *Iskara. Demzufolge wäre der Name mit ‚die um die Skaria/Iskara Wohnenden‘ zu übersetzen.
Die Emscher ist ein armer Fluss,
die wie kein anderer leiden muß
Die Emscher
Am Hellweg wo sie hell entspringt,
ahnt sie noch nicht was man ihr singt…
Im Emscherquellhof kehrte ich ein und aß leckere Waffeln. Empfehlenswert!
Das war eine gute und nötige Grundlage, weil ich mich am Abend mit meiner Großcousine ins Nachtleben Unnas stürzte, bis man uns weit nach Mitternacht – als die letzen Gäste – aus der Bar komplimentierte, so dass ich heute am Morgen, als ich zum Geburtstagsbrunch meiner Urgroßcousine eintraf, ein wenig schlapp war.









