Verdachtsmomente ohne ideologischen Bezug [Update]

computerspiel
A gritty and intense screenshot from a fictional Russian first-person shooter, showcasing a dark, industrial environment with rusted metal walls and flickering fluorescent lights. The player’s perspective shows a heavily armed character holding a futuristic weapon, aiming down a dimly lit corridor. The scene is filled with atmospheric details, such as broken pipes emitting steam, Soviet-era posters peeling off the walls, and a sense of looming danger as shadows hint at unseen enemies ahead. –ar 3:2, made by AI/Burks

Wenn ich mir die Textbausteine in den Qualitätsmedien anschaue, wird mir ganz anders. Man sucht nach etwas Unbestimmtem, was den Attentäter von Magdeburg „radikalisierte“. Früher war es einfacher: Man rief „Computerspiele“ und alle wussten Bescheid. Wer daddelt, greift irgendwann auch im realen Leben zur Waffe. Man darf also annehmen, dass der saudische „Facharzt“ zum Beispiel den obigen Ego-Shooter gespielt hat und deswegen die AfD gut findet.

magdeburg attentat

„…hat den Zentralrat der Ex-Muslime und die Säkulare Flüchtlingshilfe über mehrere Jahre hinweg terrorisiert. Allem Anschein nach teilte er Überzeugungen aus dem ultrarechten Spektrum der AfD und glaubte an eine großangelegte Verschwörung, die darauf abzielt, Deutschland zu islamisieren.“ (Zentralrat der Muslime, har har) – „Er fiel immer wieder auf, bedrohte Institutionen und einzelne Menschen. Mehrere Gerichte beschäftigten sich mit dem Täter von Magdeburg.“ – „…fiel wiederholt polizeilich auf, während er seine Facharzt-Ausbildung in Stralsund machte. Er drohte unter anderem mit Bezug zu dem Attentat beim Boston-Marathon.“

Mal eine ganz naive Frage: Wie kann jemand, der schon auf den ersten Blick einen ziemlichen Dachschaden hat, Facharzt für Psychiatrie werden?

In Wahrheit haben alle versagt: Kein Sperren, wo sie sein sollten. Er wurde nicht als Gefährder angesehen. Niemand interessierte sich für ihn. Marke: Wenn ich damit drohe, jemanden zu töten („er habe dabei Überlegungen angedroht, sich eine Pistole zu besorgen und im Zweifel Rache an den Richtern nehmen“), aber Araber bin, werde ich in Ruhe gelassen. Wenn ich aber einen Politiker „Schwachkopf“ nenne, gibt es eine Hausdurchsuchung. Gut zu wissen.

„Als Gefährder sei der Mann aber nicht eingestuft worden, sagte Pegel. Dazu brauche man normalerweise Verdachtsmomente mit ideologischem Bezug. Diese hätten bei ihm nicht vorgelegen.“

Jetzt kommen wir zu dem üblichen verdächtigen Textabausteinen. Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Union: „Es muss eine Mindestspeicherfrist für IP-Adressen zur Bekämpfung schwerer Kriminalität eingeführt werden, es braucht auch eine umfassende Befugnis zur elektronischen Gesichtserkennung. Moderne Software muss zur Analyse großer Datenmengen, polizeilicher Datenbanken, sozialer Netzwerke und zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung und Online-Durchsuchung eingesetzt werden dürfen.“

Erstens kann man gar nicht „onlinedurchsuchen“, wenn das Opfer es nicht will, und zweitens ist es genauso Bullshit-Bingo, wenn man das „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ nennt. Eigentlich hat der gute Mann gar nichts gesagt. Bei der Gesichtserkennung empfehle ich einen Bildungsurlaub in China, auch um die Fehlerquote abschätzen zu können.

Journalisten werden in drei Kategorien nach Ampelfarben Rot, Gelb und Grün eingeteilt – um die Dringlichkeit der Nachverfolgung zu kennzeichnen.

Ich kaufe Rot.

online-durchsuchung
Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Symbolbid), made by AI/Burks

[Update]: Die Mitteldeutsche Zeitung beantwortet vielleicht meine obige Frage: „Die Belegschaft nannte ihn „Dr. Google“: Ist der Attentäter von Magdeburg wirklich Arzt?“ Die russische Propaganda (also automatisch voll gelogen) fasst den Artikel auf Deutsch zusammen: „Er heißt bei uns Dr. Google.“ Diesen Spitznamen trage er, weil er „vor jeder gestellten Diagnose im Internet nachgucken musste“. Doch dies ist nicht das einzige seltsame Verhalten, das er an den Tag legte.

Der Mann, der als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie drei Therapiestationen leitete, soll seine Visiten grundsätzlich allein gemacht haben, Gespräche mit Mitarbeitern habe er grundsätzlich vermieden. Doch auch bei Patienten stieß der saudische Arzt offenbar auf Misstrauen. (…) Wenn neue Patienten ihn fragten, wie sie schnell von ihrer Rauschgiftsucht loskommen können, soll Taleb A. geantwortet haben: „Alkohol gut, Honig schlecht.“ Er soll zudem mehrfach Medikamente verschrieben haben, deren Einnahme die Patienten in Lebensgefahr gebracht hätte. (…)

Bei Hinweisen habe die Klinikleitung immer wieder abgewiegelt.“ Ich fasse es nicht…