Altehrwürdig: Wissen ist Macht

Hörsaal
Hörsaal 8 der Humboldt-Universität in Berlin

Mir hat das Studieren immer Spaß gemacht. Damals war die Studienzeit auch nicht begrenzt. Ich habe acht Jahre an der Uni verbracht und in viele Fächer auch nur zum Spaß reingehört. Neben Germanistik, Philosophie (damals noch in einer romantischen Villa mit großem Garten, IMHO Gelfertstrasse 15), Geschichte, mehrere Vorlesungen in Geologie, sogar in Mathematik an der TU (ich war in ein Mädel verknallt, die dort studierte – ich bin auch heute noch sapiosexistisch).

Ich habe das Wissen nur so in mich hineingeschaufelt, aber das taten damals viele, vor allem diejenigen, die sich auch noch politisch engagierten. Freiwilliges Seminar mit Genossen um 22.00 Uhr über Marx und Feuerbach! Ich bin dabei! Das Hildebrandslied (ganz großartiges Thema! Gehört zum Bildungskanon!) Montag früh um 9.15 Uhr? Alles kein Problem. Kapitalkurse ohne Ende; dann wurde ich auch noch Tutor bei Haug und auch in Altgermanistik.

VVs (Vollversammlungen) ohne Ende. Kadertreffen des KSV. Und nach einem Seminar über das antike Rom mit dem Prof in eine Kneipe? War damals üblich. Wenn es damals schon Smartphones gegeben hätte, mit denen man alles hätte fotografieren können!

Ich wusste aber nicht, wie man lebt. Wer eine Sektenvergangenheit hat, muss das erlernen wie eine exotische Kulturtechnik. Das kam erst nach meiner ersten Südamerika-Reise, die mir auch das nötige Selbstbewusstsein verschaffte.

Was rede ich. Während meiner Nachschicht begegnete mir ein altes Ehepaar, beide gebildet und edel gekleidet, die sich unzulässigerweise auf dem hiesigen Baustellengelände verirrt hatte und die dich hinausgeleitete. Wir kamen ins Plaudern. Alles nett. Sie kamen von einer wissenschaftlichen Veranstaltung. Plötzlich raunte mir die Dame zu: „Free Palestine!“, als sei das ein geheimes Erkennungszeichen unter Mitverschworenen, die heimlich flüstern müssen, weil sie sonst verhaftete werden.

Da war sie an den Richtigen gekommen. Ich sagte ihr, was ich davon hielt, dass ich Israel unterstütze und dass Israelis natürlich auch Palästinenser seien, weil sie bekanntlich – zusammen mit Arabern – in Palästina leben. Das hatte die Dame nicht erwartet. Stammelte etwa von „alle sind Semiten“, worauf ich entgegnete, das klänge mir aber sehr nach Rommel (jemand anderes fiel mir gerade nicht ein), wonach sie zusammen mit ihrem Gatten wortlos die Flucht ergriff.

Man muss das marxistisch sehen. Die Lebenspraxis der Menschen bestimmt, was sie denken. Ideologie fällt nicht vom Himmel. Der tief verwurzelte Antisemitismus in Deutschland war nie weg, nur übertüncht.

Und jetzt kommt alles wieder hoch. Die Antisemiten suchten nur eine Ausrede, um den Hass auf Juden neu zu kostümieren. Der Antisemitismus hat genauso eine „positive“ Funktion wie Rassismus oder das Klimaapokalypische. Man erklärt sich damit die Welt, nur leider falsch: Eine fiktive bzw. gefühlte Gruppe konstituiert sich, in dem sie andere ausschließt – mit Hilfe irrationaler Kriterien. (Wer das Klima nicht rettet, kommt in die Verdammnis. Wir werden alle störben.) Die Deutschen haben sowieso eine Obsession für die armen Araber, denen man selbst dann noch den Arsch abputzen und sie finanziell alimentieren muss, wenn sie jüdische Frauen vergewaltigt haben und ein blutiges Massaker anrichten. No mercy!

Schade eigentlich, dass ich so selten live auf das Antisemitenpack treffe. Ich diskutiere so gern kontrovers. Aber vermutlich sind die einfach zu blöd und verbohrt, um irgendwelche Argumente auch nur anzuhören. Oder es handelt sich um Feigheit vor dem Feind.

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Hörsaal 10 der Humboldt-Universität in Berlin