Alarm!

alarmanlage

Ich bin jetzt schon bei Version 4 des fucking manuals für die f.. Alarmanlage in dem Objekt, wo ich jetzt arbeite (das mache ich als Service für die Kollegen). Die englische Version ist mehr als 90 Seiten lang und wurde offenbar von jemandem verfasst, der pedagogy noch nicht einmal buchstabieren kann. Der anwesende britischen Ingenieur, der selbige Anlage einrichtet, aber kein Deutsch spricht, aber dafür Walisisch, gab mir eine Kopie, weil er mich offenbar nett findet und die Idee, dass jemand das freiwillig ins Deutsche übersetzen will, zum Totlachen.

Gestern musste ich eine Kollegin anlernen. Es kam, wie es kommen musste: Kurz vor 22 Uhr – dem offiziellen Dienstende – kriegte ich die Alarmanlage nicht scharf geschaltet, weil ein Fehler einfach nicht verschwinden wollte. Man muss so lange bleiben, bis man das Problem gelöst hat und darf nicht einfach den Mittelfinger heben und nach Hause gehen.

Ich finde es als gelernter Altgermanist spannend, mich mit so etwas zu beschäftigen. Man muss in irgendeinem Untermenü der Anlage herumirren und herausfinden, welches Element (Fenster, Tür, Bewegungsmelder) nicht richtig funktioniert. Leider gibt es davon gefühlt mehrere Dutzend, und eine Liste ist noch nicht vorhanden. Also raten oder vermuten oder im ganzen vierstöckigen Gebäude nach einer winzig kleinen Nummer suchen, die nie an dergleichen Stelle einer Tür angebracht ist. Irgendwann hatte ich die Tür lokalisiert, aber obwohl diese verschlossen war, behauptete die Anlage stur, dem sei nicht so. Meine Kollegin stand schon am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil sie fürchtete, so etwas im folgenden Tag allein bewältigen zu müssen.

Eine halbe Stunde nach offiziellem Dienstschluss habe ich dann entnervt den Ingenieur auf seinem privaten Handy angerufen, der zum Glück noch wach war. Aber fernmündlich kriegten wir es auch nicht hin, und remote access gibt es nicht. Also kam er – er wohnt in demselben Stadtteil. Ich fürchtete schon, ich würde mich kläglich blamieren, weil ich irgendetwas Banales übersehen hatte. Zum Glück stellte sich heraus, dass die Tür kaputt war, irgendetwas mit dem Magnetschalter. Ich hatte also keine Chance gehabt (um mal das Plusquamperfekt korrekt zu benutzen). Er musste die Tür aus der Anlage temporär herausnehmen.

Ich muss immer lachen, wenn ich irgendwelche ahnungslosen Politiker von “Home Office” faseln höre. Und das Publikum kriegt einen kleinen Einblick dessen, was ein Security macht, wenn sein Job anspruchsvoller ist als eine Mauer zu bewachen. Letzeres ist eher etwas für die zahlreichen kleinen Firmen in Berlin, die mit türkischen und arabischen “Cousins” arbeiten, die Deutsch so sprechen so wie ich Arabisch und nicht wissen, was eine Gewerkschaft ist, und die die Preise bei denjenigen Unternehmen unterbieten, denen egal ist, wer ihr Objekt bewacht, weil sie die Sache ausschließlich aus versicherungstechnischer Sicht betrachten.

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Kommentare

6 Kommentare zu “Alarm!”

  1. flurdab am Januar 20th, 2021 9:11 am

    Klingt nach einem der häufigsten Waschmaschinenfehler.
    Da ist es zumeist die fehlende Rückmeldung des Bullaugenfensterschließmachanismus, die das gesamte Gerät abschaltet.
    “Smart Home”, das kann nur gut werden!
    Allein was man da an Energie spart…

  2. flurdab am Januar 20th, 2021 9:12 am

    Das mit dem Finger heben kommt noch, Lesson 12.

  3. flurdab am Januar 20th, 2021 9:17 am

    Vielleicht ist es aber auch wieder an der Zeit eine alte “Kulturtechnik” aus dem Grauen der Vergangenheit zu bergen.
    “Das Überbrücken mit Staniolpapier”
    Geschmolzene Haussicherung und keine Neue da?
    Alufolie hilft!

  4. Siewurdengelesen am Januar 20th, 2021 11:47 am

    Das mit der Alarmanlage kannst Du als Programm betrachten. Wenn sich in bevorzugt alten Gemäuern Temperatur und Luftfeuchte schwanken, ist das normal, weil die Toleranzen solcher Anlagen dem “Arbeiten – haha” solcher Gebäude nicht gewachsen sind.

    Was die Security- und Türsteherszene betrifft, so ist das in Berlin sicher wie anderswo. Für das Geld kannst Du es nicht selber machen und wer es sich halbwegs “leisten” kann, geht wie bei den Reinigungsfirmen als Sub- oder Subsubunternehmen nicht für solche Sklavenhändler buckeln.

    Für dieses Geld nicht und wenn es nicht ein “Geschäftsmodell” ist wie das Vermieten von Bruchbuden an Arbeiter aus Osteuropa etcpp., profitieren auch nur ein paar an der Spitze solcher “Firmen”.

  5. Wolf-Dieter Busch am Januar 20th, 2021 11:47 am

    @flurdab am Januar 20th, 2021 9:17 am

    Kronkorken, Büroklammern.

  6. Thomas am Januar 21st, 2021 8:10 am

    Ähm… nur mal so aus Neugier und an jemanden, der doch immer so viel Wert auf die korrekte Benutzung der deutschen Sprache legt…

    Ist “[…] kriegte ich die Alarmanlage nicht scharf geschaltet, weil […]” korrektes Deutsch? ;) :D

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