Fusion am Sankt Nimmerleinstag?

DJV Berlin

Gestern fand die Mitgliederversammlung des DJV Berlin statt.

Auf dem Podium der Vorstand des DJV Berlin: Thomas Leidel, Beate Fichtner, Bernd Lammel, Versammlungsleiter Dr. Peter Pistorius, Geschäftsführer André Gählert und der neue Schatzmeister Jens Schrader. Vorn erkennt man leider nur die Hinterköpfe Alexander Fritschs, Hans Ulrich Heusers (DJV Hessen) und Michael Konkens (Bundesvorsitzender des DJV)

Es ist natürlich schade, dass die von der Mitgliederversammlung verabschiedete Resolution – „Die Mitglieder des DJV lehnen die Autorisierung von O-Tönen und Interviews ab“ – auf der Website des DJV Berlin nicht erwähnt wird, obwohl ich die schon gestern über Twitter verbreitet hatte.

Der Grund ist vermutlich der: Jan Söfjer, der Vorsitzende des Fachausschusses Onliner des DJV Berlin, ist nach Trier gezogen. Er möchte aber weiterhin Vorsitzender dieses erlauchten Gremiums bleiben, zumal er als Redakteur der Website des DJV Berlin (vgl. Impressum) gut Geld verdient (der Honorarvertrag an ihn wurde im Vorstand ausgeguckt, wie im DJV oft üblich).

Ich hatte Söfjer darum gebeten zurückzutreten, da ein Fachausschussvorsitzender des Berliner Landesverbands in Berlin leben und arbeiten sollte. Söfjer hat das natürlich abgelehnt. Es ist Sitte und Brauch, dass ein Funktionär, sobald er einen aus Mitgliedergeldern bezahlten Posten ergattert hat, nicht mehr freiwillig zurücktritt, sondern aus dem Amt geschossen, geputscht oder abgewählt werden muss. „Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten“, sagte schon Lichtenberg.

Deswegen werden weder die Resolution zur Autorisierung erwähnt (ich habe sie mitverfasst) noch meine Kritik am Vorstand, die ich dem Auditorium vortrug: Der Vorstand möge bitte die Honoaraufträge und Werkverträge, die von den Geldern der Mitglieder bezahlt werde, verbandsintern ausschreiben.

Was Söfjer über die Diskussion zur Fusion der beiden Berliner Landesverbände schreibt, grenzt übrigens an groben Unfug – mit Journalismus hat das wenig zu tun (und mit gutem Deutsch noch weniger.)

Zitat: Im Anschluss wurde über die seit langem geplante Fusion mit dem Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) diskutiert. In Berlin existieren zwei DJV-Verbände, weil es 2004 nach fragwürdigen Vorstandswahlen zu einer Spaltung gekommen war. Die Missstände und Differenzen sind allerdings lange überwunden. (…)Auch die Rest-Schulden beider Verbände beim Bundesverband und anderen Landesverbänden seien kein Problem. Ein Großteil würde erlassen und der Rest könne über fünf Jahre verteilt abgezahlt werden.

Die Missstände und Differenzen sind mitnichten überwunden, sonst hätte man längst fusioniert. Der DJV Berlin hat beim Bundesverband mehr als 200.000 Euro Schulden, der JVBB hat mehr als eine halbe Million Euro Verbindlichkeiten bei einzelnen Landesverbänden des DJV. Die Schulden des Fritsch-Verbands hat der Bundesverband verursacht: Nach der Spaltung des Berliner DJV nach der Mitgliederversammlung am 05.06.2004 versuchte der Bundesverband, den Spalterband JVBB – der sich damals noch Verein Berliner Journalisten (VBJ) nannte – finanziell aufzupäppeln in der Hoffnung, die Mitglieder des DJV Berlin würden allesamt in den neuen Verband eintreten. Diese Hoffnung trog. Die Opposition gegen Kulpok mitsamt ihrem Unterhäuptling Alexander Fritsch, die sich in dem neu gegründeten Spalterverband versammelte, wird es mir und wenigen anderne KollegInnen nie verzeihen, dass wir uns der Spaltung verweigerten und – letztlich erfolgreich – versuchten, Kulpok in einem zweiten Anlauf als Vorsitzenden des DJV Berlin wegzuputschen.

Der DJV hatte dann auf dem ausserordentlichen Verbandstag am 16. Juli 2004 seine beiden Landesverbände Berlin und Brandenburg ausgeschlossen und am 8. November 2004 den Verein Berliner Journalisten als neuen Landesverband aufgenommen. Die Ausschlüsse wurden von allen Gerichten für nichtig erklärt, so dass es plötzlich zwei legitime Landesverbände des DJV in Berlin gab.

Im Jahr 2005 wurde Alexander Kulpok, der maßgeblich für die Missstände im DJV Berlin verantwortlich war, endlich abgewählt.

Der JVBB kann natürlich mit den wenigen Mitgliedern, die er hat, die „Aufbauhilfen“ nie zurückzahlen. Der DJV Berlin muss also darauf warten, dass Fritsch und & Co mit ihren Gläubigern neu verhandeln, bevor man in konkrete Fusionsverhandlungen treten kann. Einen gültigen Forderungsverzicht mit den anderen Landesverbänden gibt es nicht, obwohl der Bundesvorsitzende das versuchte zu suggerieren. Und so etwas dauert im DJV immer ewig – wegen des (von Günther Jauch zum Unwort des Jahren erklärten) „Gremienvorbehalts.“

By the way, Jan Söfjer: Wolf Siegert scherzte, als er sagte: „Ich wette, wir fusionieren, bevor der Bundesverband komplett nach Berlin gezogen ist“. Der Bundesverband wird nie komplett nach Berlin ziehen, obwohl das schon vor Äonen beschlossen wurde. (Wer den DJV kennt und dessen Geschichte und handelnden Personen, weiß warum.) Deshalb „gab sich“ Siegert nicht „optimistisch“, sondern pessimistisch.

What’s next? Auf meiner To-do-Liste stehen: Endlich einen Ausschlussantrag gegen Kulpok stellen. Abwahlantrag gegen Söfjer stellen. Nachfragen, welche Referenten beim Ostdeutschen Journalistentag wieviel Honorar bekommen und warum wer eingeladen wurde und welche Pappnase auf die Idee kam, an den unsäglichen zu Guttenberg oder Ulrich „Akte“ Meyer zu denken. Mich selbst als Moderator bewerben – irgendwas mit Rechtsextremismus oder Truecrypt et al vielleicht. Antrag an den Vorstand stellen, Honorare, Werkverträge usw. nur nach interner Ausschreibung zu vergeben.

(Entschuldigung für meine Transparenz – wem das nicht gefällt, der muss dieses Blog ja nicht lesen.)

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Resolution: Autorisierung von Interviews [Update]

Folgende Resolution werden wir der Mitgliederversammlung des DJV Berlin, 22.08.2012, zur Abstimmung vorschlagen:

Beate F. Neumann, Katharina Dockhorn, Burkhard Schröder

Die Mitglieder des DJV lehnen die Autorisierung von O-Tönen und Interviews ab. Der Vorstand wird aufgefordert, einen entsprechenden Antrag zur nächsten Mitgliederversammlung des Bundesverbandes zu stellen.

Begründung:
Es gibt keine Rechtsgrundlagen für diese nur in Deutschland übliche Praxis. Journalistinnen und Journalisten im DJV garantieren Qualität. Dazu gehört die wahrheitsgemäßge Wiedergabe des Gesagten. Wir lehnen nachträgliche Zensurversuche ab. Die Zeitschrift “Journalist” sprach zu Recht davon, dass diese Art der Zensur dem Sinn journalistischer Fragen und dem hiesigen Pressekodex widerspräche.

[Update] Die Resolution wurde bei nur wenigen Enthaltungen angenommen,

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Die Schulden des Journalistenverbands Berlin-Brandenburg aka JVBB

Aus dem Mitgliederbrief Gerhard Kothys, dem ehemaligen Vorsitzenden des Journalistenverbands Berlin-Brandenburg, auch bekannt als JVBB (2010):

„Die beiden neuen Verbände, die jetzt den JVBB bilden, haben in ihrer Anfangsphase erhebliche Aufbauhilfen vom Bundes-DJV und seinen Landesverbänden erhalten. Einerseits wurden diese Gelder – insgesamt rund 500.000 Euro – als ‚gute Investition‘ in die Zukunft angesehen. Andererseits wurden sie als zinsloses Darlehen gewährt. Der DJV Berlin seinerseits hat beim Bundesverband ebenfalls Verbindlichkeiten: fast eine Viertelmillion Beitragsrückstände aus der Zeit der Insolvenz. Unter all dies soll nun ein Schlussstrich gezogen werden. Alle Beteiligten haben sich darauf verständigt, den überwiegenden Teil der Verbindlichkeiten aus den Büchern zu streichen. Der fusionierte Verband wird insgesamt 200.000 Euro über einen Zeitraum von etwa sechs Jahren rückerstatten. Aus diesen Mitteln sollen insbesondere kleine Landesverbände unterstützt werden.“

Nun, wie jeder Buchhalter weiß, der Gewinn und Verlust auseinanderzuhalten vermag: Man kann Schulden, die man bei anderen hat, nicht einfach aus den Büchern „streichen“, wenn einem die Schulden nicht gefallen. Das wäre ja schön.

Der JVBB hat das auch nicht gekonnt. Wenn Alexander Fritsch in seiner E-Mail an zahlreiche DJV-Funktionäre von „ärgerlichen Gerüchten“ schreibt, ist das Unfug. Der so genannte „Journalistenverband Berlin-Brandenburg“ hat offenbar keine Idee und keinen Plan, wie er die vermutlich sechsstelligen buchhalterischen Verbindlichkeiten – die „Aufbauhilfen“ – wieder los wird. Man kann die Welt nicht als Wille und vorstellung sehen, sondern muss auch gewisse Realitäten anerkennen.

Und daran scheitert auch zur Zeit eine Fusion zwischen DJV Berlin und JVBB. Warum sollte der DJV Berlin sich die Schulden des unbedeuteren Verbands aufhalsen, der ja nur gegründet und damals vom Bundesverband und anderen Landesverbänden finanziell alimentiert wurde, um dem DJV Berlin zu schaden?

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Wer ist Alexander Fritsch?

Da Alexander Fritsch, der Vorsitzende des Journalistenverbands Berlin-Brandenburg (vormals JVBB – ein kleiner Verein, der sich vom DJV Berlin abgespalten hat), jüngst in einer E-Mail an zahlreiche Landesvorsitzende und andere Funktionäre des Deutschen Journalisten-Verband (DJV) gewohnt Unsinn und heiße Luft verbreitete, muss ich noch mal in meinen Kaderakten blättern.

Wer ist dieser Fritsch?

Die Quellen stehen online:

Udo Leuschner / Geschichte der FDP (33) – „Unfreundliche Übernahme„: „Stahl irrte indessen, wenn er glaubte, doch noch in eine führende Position zu kommen. Die vom Rexrodt-Flügel und vom Bundesvorstand aufgebaute Abwehrfront hielt. Allerdings wurde die Isolierung Stahls mit der Einbindung anderer, weniger prominenter „Nationalliberaler“ erkauft. So rückten gleichzeitig mit der Wahl von Matz zum Vorsitzenden die Stahl-Anhänger Axel Hahn und Alexander Fritsch in den Landesvorstand ein. Am ersten wußte Stahl gegenüber der „Jungen Freiheit“ zu rühmen, daß er ein Schüler des Historikers Arnulf Baring sei, am zweiten, daß er „mit beiden Füßen fest im rechten Lager“ stehe. Ein weiterer prominenter Vertreter des rechten Flügels war der Tempelhofer Bezirksvorsitzende Klaus Gröbig, der wie Stahl die Autorenliste der „Jungen Freiheit“ schmückte.“

Archiv Junge Freiheit (30.01.1998): „Stahl: Jeder macht seine Sache anders. Axel Hahn ist auf der einen Seite nicht so bekannt wie ich, auf der anderen Seite ist er als Politologe und Schüler von Arnulf Baring besser ausgebildet als ich. Auch Alexander Fritsch, der ebenfalls in den Vorstand gewählt wurde, darf nicht übersehen werden. Er ist ein guter Journalist, PR-Fachmann und politisches Naturtalent, und er steht mit beiden Füßen fest im rechten Lager.“

Fazit: Es sieht also so aus, als sei Fritsch mit einem ähnlichen Ticket in der Berliner F.D.P. gereist wie Torsten Witt, den der DJV als „Rechtsextremisten“ bezeichnen darf.

Die in der salonfaschistischen „Jungen Freiheit“ zitierten Sätze Alexander von Stahls über FDP-Mitglied Alexander Fritsch sind allerdings erklärungsbedürftig. „Rechtes Lager“ meint den damaligen innerparteilichen Streit der F.D.P.. Axel Hahn, 1998 – zusammen mit Fritsch – in den Landesvorstand der Berliner F.D.P. gewählt, sagt, Fritsch sei „kein politischer Überzeugungstäter“. Er habe seine „Karriere“ auf dem „linken Flügel“ der Berliner F.D.P. begonnen und sei dann zum „rechten Flügel“ gewechselt. Die Zugehörigkeit zu einem „Lager“ sei weniger eine Frage der politischen Meinung als eine der persönlichen Affinitäten gewesen.

Junge Freiheit (14.11.1997): „FDP-Parteitag: Berliner Liberale lehnen Verschiebung des Euro ab“ – „Erst die beherzte Rede des Chefdenkers der Nationalliberalen, Alexander Fritsch, brachte etwas Farbe in die bis dahin müde Veranstaltung. Er begründete den Antrag der rechten FDP-Kreisverbände Neukölln, Reinickendorf und Tempelhof auf Verschiebung des Euro. Die größte Hürde für einen stabilen Euro, so Fritsch, sei das wirtschaftliche Gefälle in Europa. Doch es sei ein Irrglaube zu meinen, die stärkste Währung präge den Charakter des Euro. „Ein Liter Wein in einem Faß Jauche gibt ein Faß Jauche. Aber ein Liter Jauche in einem Faß Wein gibt auch ein Faß Jauche“, sagte Fritsch unter dem Gelächter und Beifall der Euro-Skeptiker im Saal. Das schlimmste an allem aber sei der „Fanatismus“ und die „Selbstherrlichkeit“, mit der die Währungsunion verfolgt werde, erklärte Fritsch. Ausrechnet in Sachen Euro testeten die deutschen Politiker ihre Standhaftigkeit. Dabei hätten sie „einen Zweifrontenkrieg begonnen: gegen das wirtschaftlich Vernünftige und gegen das demoskopisch Durchsetzbare“. Die Mark sei für innere Gleichgewicht Deutschlands und für seine Stellung nach außen zu kostbar, um „damit zu spielen oder gar um damit persönliche Interessen einzelner zu befriedigen. Europäische Interessen und der Wohlstand von Millionen von Menschen dürften sich nicht nach dem Renteneintrittsalter von Helmut Kohl richten“, stichelte Fritsch. „Die Mark ist zu wertvoll, um als Baustoff für das Denkmal eines Bundeskanzlers verschwendet zu werden.“ Die Annäherung der Interessen in Europa sei eine politische und keine Währungsfrage. „Sie kann durch die Währung auch keinen Zentimeter vorangetrieben werden“, betonte er. Doch auch Fritsch vermochte die Mehrheitsverhältnisse im Saal nicht mehr umzudrehen.“

Am 28.März 2012 habe ich bei der Zentrale der Berliner FDP angefragt, ob Fritsch noch Mitglied der FDP und wie lange er im Vorstand gewesen sein. Wie zu erwarten war, bekam ich keinerlei Antwort.

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Auf ein Neues

Da ich dieses Blog aus gegebenem Anlass in Kürze reaktiviere, habe ich die Links der Blogroll gecheckt und erneuert.

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