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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 03.04.2003, 08:31 Antworten mit ZitatNach oben

Gut, dass es den Mond gibt, den wir anklffen knnen. Oder sogar deren zwei. So medienkritisch gesehen. Und um eine der abgedroschensten Metaphern loszuwerden, die uns auf der Zunge lag wie ein Tropfen Wasser, der das Fass ohne Boden zum berlaufen brachte. In der letzten Woche gab es Stress mit Focus Online wegen deren usserst grosszgigem Umgang mit dem Urheberrecht. Jetzt mssen wir der Gerechtigkeit halber und aus ganz anderem Grund Spiegel Online bekritteln bzw. auf einen geschtzten Kollegen eindreschen.

Der Anlass: ein Artikel, der die frisch montierte metallene Schreibtischkante, die extra fr das Thema "Journalisten und das Internet" angeschafft worden war, mit markanten Abdrucken der eigenen Zhne ausgestattet hat. "Jeder Internetsurfer zieht eine verrterische Datenspur hinter sich her." Wenn Sie jetzt denken, die Antwort wre: "Wer htte das gedacht?" irren Sie. Die Anwort ist: grober Unfug. Und ohne Frhstck ist man geneigt, den lange nicht mehr gebrauchten Begriff "Volksverdummung" loswerden zu wollen.

Der verehrte Kollege Christoph Siedler hat den Artikel verfasst: "Die digitalen Spurenverwischer" (www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,242786,00.html). Am 1. April - und schon ergab sich das Problem, ob es sich vielleicht um einen zum Datum passenden Scherz handelte. Die Pointe des Artikels: Das Landeszentrum fr Datenschutz Schleswig Holstein (www.datenschutzzentrum.de/ldsh/dienstst.htm) habe eine Software entwickelt, die es dem User ermgliche, zwischen mehreren Identitten zu wechseln. Dieses System sei besser als Microsoft Passport. Das knnte immer noch ein Aprilscherz sein, denn alle Systeme sind besser als Microsoft Passport. Im Artikel tauchen jedoch Namen auf von real existierenden Personen wie David Chaum (www.chaum.com), Sandra Steinbrecher (www.inf.tu-dresden.de/~ss64/) und Thomas Kriegelstein (www.inf.tu-dresden.de/~tk4/ich.html), und die arbeiten genau an dem Thema, das der Artikel anspricht.

Und jetzt erst, ganz unprofessionell im hektischen Tagesgeschft eines Online-Mediums, die eigentliche Aussage dieses kleinen kritischen Artikels. Wir bemngeln den Satz:

Zitat:
Anhand von IP-Adressen und Cookies lassen sich etwa umfangreiche Nutzerprofile erstellen, die oft mehr ber den einzelnen Surfer verraten, als sich dieser jemals trumen lassen wrde.

Ja noch mehr: wir bemngeln, dass Microsoft-Produkte im kritischsten aller kritischen Nachrichtenmagazine als eine Art Naturereignis beschreiben werden, dessen schicksalhafte Wucht einem Vulkanausbruch oder einem Hurrikan gleichzusetzen wre. Kein Nutzer zieht irgendeine Spur hinter sich her, der das nicht will. Nur der Dmmste anzunehmende Nutzer, der alles so lsst, wie es Kleinweich per Vorsehung auf die eigene Festplatte gebeamt hat.

Um eines hheren Wesens willen: Wer akzeptiert denn Cookies? Die dienen ausschliesslich der Datenspionage (www.heise.de/newsticker/data/fr-18.02.00-000/). Und warum sollte sich jemand freiwillig ausspionieren lassen? Stopp! Ich sehe Ihnen an, dass Sie das Wort "aber" schon mit den Lippen formen. Sie kennen doch als Stammleser dieses Forums meine gleichfalls ausgeleierte Metapher: Webdesigner haben zur Sicherheit ein Verhltnis wie Klaus Strtebeker zur Umsatzsteuer. Sie verweisen auf die Cookies-FAQ (www.rolf.haas.net/cookie_faq.html) und dass Profis ([url]groups.google.com/groups?selm=6b1e7g$crl$1@valiant.koehntopp.de[/url]) Cookies durchaus etwas Positives abgewinnen knnen.

Aber warum sollte ich ein Auto ohne Tren kaufen und mir dann im Baumarkt ein Schloss besorgen, das ich neben den Motor nagele? Und genau das schlgt der von uns bekrittelte Artikel vor. Und natrlich verbieten wir nicht nur Javascript und Cookies und das noch ekelhaftere ActiveX und andere fiese Tricks der Firma Kleinweich, um ein glsernes Surfer-und Kundenprofil zu erstellen, sondern benutzen, wenn es sein muss, den Java Anon Proxy ([url]anon.inf.tu-dresden.de/[/url]) - und kein Staatsanwalt und kein Echelon oder Otto Schily kann a priori und posteriori nachvollziehen, wo wir herumsurfen auf der Datenautobahn. Das ist doch selbstverstndlich, oder?

Merkwrdig, dass Spiegel Online keine Links zum Thema setzt. Liegt das daran, dass man mit dem Internet immer noch auf Kriegsfuss steht und sich frchtet, einen Link (igitt) womglich auf etwas zu setzen, das von der Justiz mit Stirnrunzeln betrachtet wird? Oder dass der volksbildende Aspekt, die Sicherheit beim Surfen betreffend, nicht gengend beachtet wurde?

Nein, die Antwort ist ganz einfach und steht im Impressum:
Zitat:
Verantwortlich fr Online-Werbung: Quality Channel...Quality Channel ist ein konzernunabhngiger Vermarkter, der sich bei seinen Aktivitten ausschlielich auf Premiumwerbetrger im Internet konzentriert.
Und die "Vermarkter" (das Wort kannte Karl Marx noch nicht) mchten natrlich nicht, dass der geneigte User und die wohlwollende Userin das beherzigen, was der Artikel empfiehlt. Die "Vermarkter" htten gern ganz viele Informationen ber sie und uns. Das knnte auch erklren, so vermuten wir ganz boshaft, warum Spiegel Online uns mit Cookies bombardieren will, also mit exakt dem, wovor der Artikel warnt. Irgendwie liegen uns jetzt, um mit einer ebenfalls verunglckten Metapher zu schliessen, die Reste unserer humanistischen Bildung auf der Zunge - der Artikel ist ein contradictio in adiecto.
03.04.2003
BurkS
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