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 Christian Worch ist ausgestiegen! Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 31.03.2003, 23:08 Antworten mit ZitatNach oben

Der Neonazi Christian Worch ist ausgestiegen. Worch gilt als einer der Drahtzieher des militanten braunen Milieus. Der gelernte Notargehilfe ist seit einem Vierteljahrhundert aktiv. Worch organisierte nicht nur unzhlige neonazistische Aufmrsche und andere Aktionen, sondern schrieb in seiner Freizeit Fantasy-Romane. Er definierte sich "bis zu einem gewissen ertrglichen Mae liberal" und "nicht im eigentlichen Sinne als Rassisten." In den letzten Jahren litt er unter Ischias und massiven psychosomatisch bedingten Schlafstrungen.

ber Christian Friedrich Worch sind unzhlige Artikel geschrieben worden. Seine Online-Kaderakte (www.idgr.de/lexikon/bio/w/worch-christian/worch.html) listet detailliert auf, wo er sich in den letzten Jahren aus welchem Grund herumgetrieben und wem er vermutlich die Hand geschttelt hat. Worch hat mit Gerhard Schrder etwas gemeinsam: Er ist ist ohne den leiblichen Vater aufgewachsen. Typisch fr eine derartige Biografie ist die Hybris, die eigenen Grenzen und Fhigkeiten nicht realistisch einschtzen zu knnen. Sein Adoptivvater war Truppenarzt bei der Waffen-SS, er wurde verurteilt, weil er dem Kriegsverbrecher Klaus Barbie zur Flucht verholfen hatte. Spter brannte dieser Herr, der nach dem Krieg in Hamburg weiter als Arzt praktizierte, mit einer Bildhauerin nach Italien durch. Der kleine Christian war damals sechs Jahre alt. Er wohnte bei seiner Mutter bis zu deren Tod 1990 - in Hamburgs Nobelviertel Pseldorf. Der sptere Neonazi-Anfhrer mochte es immer besonders gern, wenn er unbelehrbaren Altnazis und "Vaterfiguren" der rechten Szene zuhren konnte, wenn die von ihren Kriegsverbrechen schwrmten.

Worch, dem ein Gericht bescheinigte, er sei der Typ des "vllig uneinsichtigen und unbelehrbaren berzeugungstters", ganz bescheiden ber sich: "hchstens ein Prozent der Menschheit befindet sich auf meinem intellektuellen Niveau." Seine wenigen Stories - wie "Quadratur des Kreises" und "Weltenwanderer" - unter den Pseudonymen "Friedrich Knning" und "Martin Neumann" sind eher triviale Fantasy. Der Neonazi-Aktivist hat sich als Fan des deutschen Autors Hans Joachim Alpers1 (www.shurakai.de/shadow/7/7.html) geoutet, der das Genre "Shadowrun" (www.shadowrun.de/sr/) auch in Deutschland vertritt.

Worch erklrt sich seine weltanschauliche Verblendung zum Teil durch die Faszination, die die militrischen Erfolge Israels im Yom Kippur-Krieg auslsten. "Denn wie hat der Judenstaat es geschafft, sich mit drei Millionen Menschen gegen hundert Millionen Araber siegreich durchzusetzen?" Und durch ein paar Mitschler, die erfolglos versuchten, ihm marxistische Ideen schmackhaft zu machen. Damals habe er ber die Macht von Ideen gelernt nachzudenken. Worchs politische Vorstellungen waren seitdem immer relativ vage. Passend zu seiner unrealistischen Selbsteinschtzung redete er meistens von "echter Handlungsfreiheit" fr Deutschland und davon, dass es keine "negativ besetzte Sonderrolle" mehr spielen solle. Vermutlich meint er mehr sich selbst als sein Land.

Das alles erklrt natrlich gar nichts. Warum jemand wie politisch denkt und welche Probleme der Kindheit er vielleicht damit bewltigt, wrde sich nur einem Psychotherapeuten erschliessen. Worch ist wirtschaftlich unabhngig und knnte sich auf eine Insel in der Karibik zurckziehen, wo man ihn nicht kennt und wo er vielleicht seine unglckliche Ehe aufarbeiten knnte. Warum er das nicht schon lngst gemacht hat, sondern sich den Stress antat, als prominenter Neonazis stndig festgenommen und sonstwie traktiert zu werden, weiss niemand. Man kann vermuten, dass er sich als typischer Einzelgnger, zu dem er sich auch literarisch stilisierte, dort sein gesellschaftliches Prestige holte, wo das am leichtesten war: bei den braunen "Kameraden", fr die schon ein ordentlicher Hauptsatz eine intellektuelle Leistung ist. Insofern glich sein Verhalten - im psychologischen Sinne - dem Horst Mahlers.

Worch wurde in der letzten Woche kurz vor Mitternacht beobachtet, wie er aus einem Auto ausstieg. Experten vom Verfassungsschutz, die davon in der Zeitung lasen, meinen erkennen zu knnen, wo sein Motiv fr diese Handlung zu suchen ist: Worch sei ausgestiegen - so ein hochrangiger Geheimdienstler -, um in seine Wohnung zu gehen, da er wegen seiner Ischias-Beschwerden ungern im Auto bernachtet.

1) www.x-zine.de/xzine_rezi._autoren.field_Autor.sort_Autor.doseek_true.exact_true.seek_Alpers,%20Hans%20Joachim.id_7.cat_Science-Fiction.htm

Fotos: Dietmar Gust (Ausschnitte, www.gustfoto.de)
- Oben rechts: Wewelsburg bei Paderborn, 1988 - v.l.n.r: Michael Khnen, Christian Worch, Thomas Brehl, Walter Matthaei alias "Capitan Walter", Thomas Wulf alias "Steiner".
- Mitte: Brehl, Khnen, Worch
- unten rechts: Khnen, Worch


01.04.2003
BurkS

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