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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 31.03.2003, 00:13 Antworten mit ZitatNach oben

Heute muss ich eine unangenehme Pflicht erfllen. Ich muss jemanden in die Pfanne hauen. Besonders traurig stimmt mich meine Aufgabe deshalb, weil ich zudem dem besten aller guten Online-Magazine bescheinigen muss, groben Unfug publiziert zu haben. Es besttigt sich wieder die Volksweisheit: gut gemeint ist fast ausnahmslos voll daneben. Wir reden ber ein Buch mit dem Titel "Auslnder nehmen uns die Arbeitspltze weg" und dessen Rezension in "Telepolis".

Es handele sich um "Aufklrung ber rechtsradikale Propaganda". Jeder normale Mensch, der sich zu den Guten zhlt, zappt jetzt weiter. Tun Sie es nicht: ich erzeuge kognitive Dissonanz. Wir ahnen schon schaudernd, was das Ziel eines Buches mit einem derart suggestiven Artikel ist: die Guten argumentativ zu wappnen, die bsen Vorurteile zu widerlegen. Aber das geht doch gar nicht, werden Sie rufen: Vorurteile sind gegen Argumente immun! Richtig, und deshalb verschwendet Aufklrung kostbare Lebenszeit.

Es kommt noch schlimmer. Gerald Jrnsschreibt in "Telepolis" (www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/buch/14039/1.html):

Zitat:
Aber es gibt auch sonst wenige Argumentationshilfen, um das
Lgengebude mit Sachinformationen zum Einsturz zu bringen.
Um eines hheren Wesens willen! Vorurteile sind keine Lgen. Natrlich nehmen die Immigranten den alteingesessenen Deutschen die Arbeitspltze weg. Das ist auch gut so. Die indischen Eltern Sabrina Setlurs haben dadurch, dass sie ihre Tochter zeugten, einem anderen deutschen Superstar, womglich einem Klon aus der Schwachkpfe-Fabrik Dieter Bohlens, einen Platz an der Sonne des Pophimmels weggenommen. Und natrlich nimmt Gerald Asamoah einem weien Deutschen den Platz in der Fussball-Nationalmannschaft weg. So what?

Wir wollen nicht langweilen. Der "Auslnderdiskurs ist der zentrale Topos des rassistischen Diskurses", schrieb ich selbst in "Nazis sind Pop" (www.burks.de/nazipop/nazipop1.html). In "Telepolis" heisst es hingegen in schnstem Gutmenschen-Deutsch:
Zitat:
In der politischen Auseinandersetzung wird die Auslnderproblematik als Schreckgespinst fr drohende sozial-wirtschaftliche Folgen und die angeblich hohe Verbrechensrate herangezogen.
Vermutlich haben wir weniger eine "Auslnderproblematik", sondern eher ein Rassisten-Problem. Wir haben auch immer noch zu viele Auslnder in Deutschland, weil viel zu wenige Einwanderer einen deutschen Pass besitzen. Wer sich auch nur mit einem Wort auf den "Auslnder"-Diskurs einlsst, hat schon verloren.

Fragen wir die Wissenschaft in Gestalt Susanne Lins (www.friedenspaedagogik.de/themen/vorurt/vor_00.htm):
Zitat:
Die Mischung aus Meinung (Stereotyp) und Gefhl (negative oder positive Bewertung) gegenber sozialen Gruppen nennt man dann Vorurteil (Einstellung)...Dabei sind zwei Kennzeichen dieser Definition wichtig: einmal, da die Theorien von einer Gemeinschaft von Individuen geteilt werden, und zum anderen, da es Theorien ber die Persnlichkeitseigenschaften einer ganzen Gruppe von Menschen sind.
Vorurteile kann man nicht individuell ndern, weil sie kollektiv gelernt werden. Wir nehmen jeweils Dinge anders wahr, je nachdem, ob wir allein anderen gegenberstehen oder als Teil einer Gruppe - im Jargon der Wissenschaft: es geht um "interpersonales und intergruppales Verhalten."

Vorurteile versprechen etwas; wer sie hat, will noch oben auf Kosten anderer. Die Vorurteilsforschung sagt: Rassistische und Antisemitische Vorurteile ndern sich nicht durch bloe Kontakte. Sie mssen durch soziale Institutionen untersttzt werden. Wie sollen Vorurteile gegenber Einwanderern sich ndern, wenn die Gesetze und die Umgangsformen, dieselben betreffend, selbst rassistisch sind? Solange es zum Beispiel doitsche Sitte und Gebrauch ist, Menschen, die den falschen Pass besitzen, einzusperren, kann man gut gemeinte Bcher lesen, bis das Gute, Schne und Wahre einem aus dem Ohren quillt, ohne dass sich irgendetwas ndert.
Zitat:
Alle Mitglieder einer bestimmten Gruppe sollten den gleichen
Status besitzen bzw. zugesprochen bekommen;
sie sollten ein gemeinsames Ziel verfolgen;
und dabei sollte es mglich sein,
gemeinsame Interessen zu verfolgen.
schreibt Susanne Lin weiter. Das ist schn klar und deutlich, dass es auch der dmmste Auslnderfreund verstehen sollte.

Solange Auslnder Auslnder sind und keine Deutschen, sie also nicht denselben sozialen Status haben wie die Rassisten, kann man das aufklrende Gute, Schne und Wahre in Buchform glatt vergessen. Was ist das gemeinsame Ziel von Deutschen und "Auslndern"? Keine Ahnung. Friede, Freude, Eierkuchen vielleicht? Ein Multikulti-Strassenfest in Permanenz, die Neger trommeln wie immer, und Saziki und Uso fr alle?

Und noch eins, geschtzer Kollege Jrns:
Zitat:
Die deutsche Staatsbrgerschaft zu fordern, ist nur eine Alibidiskussion, um die Menschen ihrer letzten kulturellen Identitt zu berauben.
Mit Verlaub, das vlkische Gefasel von einer "kulturellen Identitt" sollten wir schnellstmglichst lassen. So was gibt es gar nicht. Die Einwanderer haben eine "Identitt", die selbst schon wieder Ergebnis der Migration ist. Oder sollte man mit den armen Deutschkurden und Afrodeutschen Mitleid haben, dass man sie in der vierten Einwanderergeneration ihrer Folklore beraubt hat: kein Nevroz mehr und kein Bastrckchen? Oder sollten wir ihnen das zwangweise wieder verordnen, weil man sonst die Deutschen und die "Auslnder" gar nicht mehr auseinanderhalten kann?

Ich begrsse es, dass alle ihrer "Identitt" beraubt werden. Ja, ich bin fr Mischmasch, Tohuwabohu und dafr, dass die "Identitten" krftig durchgemischt werden. Und wenn dann die Karten neu verteilt werden, erkennt auch der dmmste Rechtsextremismus-Experte, dass es bei der "Problematik" eigentlich nur um das geht, was Lenin in die Kurzformel gepresst hat: "Wer wen?" Es geht um gesellschaftliche Macht, und wer wieviel davon abbekommt. Und von der Macht, die wir Eingeborenen hatten, nehmen uns die Immigranten was ab. Und das ist auch gut so.
31.03.2003
BurkS
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