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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
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BeitragVerfasst am: 07.11.2007, 19:13 Antworten mit ZitatNach oben

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DOSSIER DJV IN DER KRISE 40

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat auf seinem Verbandstag am 09.11.2004 die beiden Vereine "Berliner Journalisten" und Brandenburger Journalisten-Verband e.V. in den DJV aufgenommen - zustzlich zu den schon existierenden Landesverbnden DJV Berlin und DJB Brandenburg. Letztere hatte der Bundesverband versucht auszuschlieen, was juristisch scheiterte. Ein Insolvenzantrag des Bundesverbands gegen den DJV Brandenburg ging schief. Der Verein Berliner Journalisten und der Brandenburger Journalisten-Verband wollen mittlerweile fusioniert haben, das ist jedoch zur Zeit noch strittig (vgl. "Aus der Traum", Dossier DJV in der Krise 39)

Wollt ihr die totale Diktatur der Mediokren?

Da waren's nur noch zwei

Das war's wohl fr den DJV Berlin. Aus und vorbei. Der Grndungsverband des DJV, der am 11. September (sic) Insolvenz angemeldet hatte, stand zum Schluss allein da. Auf der Sitzung des Gesamtvorstands des DJV am 05.11. wollte niemand mehr hren, wie eventuell etwas zu retten sei. Die Parole war klar und wurde spter - whrend des Verbandstages in Saarbrcken - von mehreren Rednern besttigt. Geht doch rber! Die 2300 Mitglieder sollen in den Verein Berliner Journalisten wechseln, der Schwanz soll also mit dem Hund wedeln. Von den Delegierten des DJV Berlin waren die meisten ohnehin schon zu Hause geblieben.

Vielleicht hilft ein nur theoretisch denkbarer Vergleich. Man stelle sich vor, der saarlndische Ministerprsident htte die Gelder zum Fenster hinausgeworfen und sich bei einer Wahl, angesichts einer starken Opposition, kurzerhand von nicht wahlberechtigen franzsischen Sldnern die Macht erhalten lassen. Die Opposition sei anschlieend nach Rheinland-Pfalz ausgewandert - bis auf einen kleinen verschworenen Haufen, der beim nchsten Versuch dann doch den Ministerprsidenten abgewhlt htte. Mittlerweile htte aber die deutsche Bundeskanzlerin ein neues Saarland ausgerufen, das aber nur halb so gro wre wie das alte, und es zwei Jahre lang finanziell alimentiert - aus Mitteln der anderen Lnder. Mittlerweile htte die Revolutionsregierung im alten Saarland feststellen mssen, dass die alte Regierung so viele Schulden hinterlie, dass an einen geordneten Staatshaushalt nicht mehr zu denken war. Wohlgemerkt: Ein groer Teil der alten Regierungsmannschaft htte sich rechtzeitig ins neue Saarland abgesetzt, obwohl diese Herrschaften fr das Desaster mitverantwortlich waren. Und jetzt kme die Parole aus Berlin: Liebe Bevlkerung des Saarlandes, wir werden euch nicht untersttzen, wir haben selbst kein Geld. Geht doch rber in's neue Saarland! Und wenn nicht: Uns ist es egal, ob die Franzosen euch eingemeinden!

Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser werden sich an die Stirn tippen und ausrufen: Das wre doch ein Irrenhaus! Ja, hrt, hrt, sehr wahr - und sein Name ist DJV. Bei der ersten Spaltung des DJV in Berlin, als der Verein Berliner Journalisten entstand, war ein erklecklicher Teil der Mitglieder nicht in den neuen Verein eingetreten, sondern zur Konkurrenz dju gewechselt oder ganz ausgetreten. Wer nach zwei jahren innerverbandlichen Streites immer noch im DJV Berlin geblieben war, der hatte seine Grnde, und wird jetzt, nach einem erneuten Aufruf, auch nur noch den Mittelfinger heben.

Fazit: Der DJV wird erneut rund 2000 Mitglieder auf einen Schlag loswerden. Macht nix, sagen sich die Funktionre, wir haben ja schon einmal billigend in Kauf genommen, sogar 7000 Mitglieder zu verlieren. Zum Glck fr die Apparatschiks ging das damals schief. Aber jetzt wird es ernst, und es geht an's Eingemachte. Dieses Desaster, so muss man befrchten, wird den nur noch zweitgrten Journalistenverband Europas so nachhaltig beschdigen, dass er in die zweite Liga wird absteigen mssen.

Unter Hasspredigern

Die taz, so berichtet Spiegel Online, wurde beim Gewerkschaftstag der IG Metall ausgeladen. "Grund sei ein Artikel vom 3. September: Ein Autor hatte ber den bisherigen IG-Metall-Vorsitzenden Jrgen Peters berichtet, dieser werde von internen Gegnern manchmal "Stalin" genannt, hie es in dem Text. Dies habe die IG Metall zum Anlass genommen, den Autor fr unerwnscht zu erklren." Der DJV hat dazu eine heuchlerische Presseerklrung verfasst und den Ausschluss als einen "Affront" bezeichnet. Heuchlerisch deshalb, weil der Journalistenverband mit seinen internen Kritikern nicht viel besser umgeht. Wenn ein Funktionr fordert, diese gehrten nicht in den DJV, erheben sich bis auf eine Handvoll Aufrechter alle Anwesenden und jubeln.

Ich bin einer dieser Kritiker. Ich wei zwar nicht, was man mir vorwirft, aber es wird vermutlich der "Tonfall" dieses und des Recherchegruppe-Blogs sein. Auerdem spreche ich Wahrheiten besonders gern dann aus, wenn sie niemand hren will. Nachdem der Bundesvorsitzende Michael Konken das Desaster, das er angerichtet hat, in seinem Rechenschaftsbericht als gute Nachricht verkaufen wollte und das Publikum mit Binsenweisheiten langweilte, hatte ich meine Wortmeldung rechtzeitig abgegeben und wre der erste Redner der Aussprache gewesen, wenn sich nicht Alexander Fritsch, Schriftfhrer des Vereins Berliner Journalisten und Mitglied des Tagungsprsidiums beim Verbandstag, vorgedrngelt htte.

Ich darf naseweis anmerken, dass ich es war, der Fritsch vor einigen Jahren angesprochen hatte, ob er sich nicht der Opposition gegen den damaligen Vorsitzenden des DJV Berlin anschlieen wolle. Er erschien mir wegen seines obligatorischen Schlipses auch fr rstige Rentner whlbar, die wir als Untersttzer bentigten.

Fritsch, nach eigenen Angaben "Politprofi" (Anfang der 90er wurde er beim Nachwuchs der FDP gesichtet), mimte am Dienstag in Saarbcken den Einpeitscher, zitierte die DJV-kritische anonyme Publikation "Der Stadl" und wetterte dann gegen den "Herrn Conen", der mit dem gewhnlich sehr pointiert formulierenden "Stadl" in Verbindung gebracht wird und der gern auch intellektuell zu klein geratene Funktionre mit Stalin und anderen Bsewichtern vergleicht, und gegen "Herrn Schrder" - also mich. Solche Leute gehrten nicht in den DJV, die Kritiker bewegten sich "am Rande der Legalitt" und noch ein paar populistische Parolen mehr. Es hrte sich an, als plusterte sich jemand mchtig auf und pfiff dann in einem finsteren Wald sehr laut vor sich hin.

Dann kam jedoch etwas, was mich erschaudern lie: Die Gemeinde erhob sich und sang zwar kein Lied, aber spendete stehend Beifall. Mitglieder des Bundesvorstands standen auf, und alles taten es ihnen nach. Eine Kuh kackt, und alle anderen sind solidarisch und lassen auch etwas fallen. Gemeinsam kackt es sich eben viel schner. Es htten nur noch der reinkarnierte Erich Honecker auf der Bhne gefehlt und eine Schalmeien-Kapelle, die einen Tusch intonierte. Auch diejenigen Delegierten, die im privaten Gesprch ganz vernnftig erschienen und mir am Vortag zum Teil lebhaft zugestimmt und Recht gegeben hatten, machten mit. Welch eine Versammlung von Feiglingen und Opportunisten! Ein gefestigter Demokrat jedoch ist nur jemand, der sich dem emotionalen Sog der Masse entziehen kann und bei seiner eigenen Meinung bleibt. In diesem Sinne kann einem vor der Gruppendynamik des DJV-"Parteitags" nur gruseln. Wie wrden sich diese Damen und Herren Kollegen in einer Diktatur verhalten? Und wieviel Angst mssen sie haben, wenn sie sich von einem Bonsai-Hassprediger gleich einlullen lassen und sich in eine mentale Wagenburg zurckziehen?

Lassen wir doch zum Thema einen anderen "Liberalen" zu Wort kommen, den die Salonfaschisten von der Jungen Freiheit vor sieben Jahren publizieren lieen:
"Eine personenbezogene Argumentation ist natrlich verlockend, denn nichts macht mehr Spa, als einen Tter zu finden und ihn zu demaskieren. Als Held fhlt man sich in einer Gruppe immer dann, wenn man den "Bsen" in der Gruppe identifiziert und ihn am besten gleich aus der Gruppe schmeit. Es hat etwas Befreiendes, Erlsendes und Selbstreinigendes, die Gefahr zu erkennen und zu benennen. Glaubt man doch, als der eigentlich Mutige erkannt zu werden in einer Gruppe, der endlich ausspricht, was alle denken und keiner sonst sich zu sagen getraut. (...) Doch wie schon die Gruppendynamik lehrt, gehen solche Aktionen fast immer schief. Die erzwungene Eliminierung eines "strenden" Mitglieds in einer Organisation bringt die Zurckbleibenden nicht nher zusammen. Wer glaubt, da alles leichter geht, wenn nur der "Eine" oder die "Andere" endlich aus der Gruppe hinausgeschmissen wurde, wird sehr bald erkennen, wie verbindend so mancher angebliche "Strenfried" wirkt. In einer Gruppe oder Organisation gibt es nicht "den oder die" Einzelne, der/die den Erfolg der ganzen Gruppe gefhrdet, sondern alle gemeinsam verlieren oder gewinnen."

Mir macht so etwas natrlich Spa. Die Attitude "Allein gegen alle" (Hans Rosenthal) oder "Viel Feind, viel Ehr' (Klaus Strtebeker) ist aus sportlicher Sicht viel unterhaltsamer als sich dem brsigen Mainstream anzuschlieen. Ich habe in meinem Redebeitrag Konken vorgeworfen, den Verband an den Rand des finanziellen und medienpolitischen Ruins gefhrt und rund 900.000 Euro bei den gescheiterten Ausschlssen der Landesverbnde in Berlin und Brandenburg vergeudet zu haben. Das alles ist unstrittig, auch die Tatsache, dass es dem DJV mit seinem durch nichts begrndeten Starrsinn sogar gelingen wird, noch in diesem Jahr den ehemals angesehenden Presseausweis zu verlieren. Man muss es noch einmal ganz langsam zum Mitschreiben der Nachwelt erhalten: 900.000 Euro sinnlos verpulvert, den DJV in Berlin und Brandenburg gespalten, paralysiert, der Grndungsverband insolvent und vor der Abwicklung, der Verein Bildungswerk e.V. aufgelst, sinkende Mitgliederzahlen und das Vermgen so bedrohlich zusammengeschmolzen, dass die Rechungsprfer - vergeblich - zur Kurskorrektur aufriefen - die Bilanz Konkens ist eine Katastrophe. Grund genug fr die Delegierten, ihn trotzdem wiederzuwhlen. Dazu eine stellvertretende Vorsitzende Ulrike Kaiser, unter deren Verantwortung der Journalist vom Deutschen Presserat wegen falscher Berichterstattung verurteilt worden ist. Die Dikatatur der Mediokren ist eben nicht mehr aufzuhalten - und wer ihnen das unter die Nase hlt, wird besonders deswegen gehasst, weil er Recht hat. Ein hessischer Kollege kndigte sofort nach der Wahl frustriert seinen Rckzug aus dem Verbandsleben an, ein anderer Kollege, der noch in der DDR aufwuchs, seinen Austritt: "Das ist ja wie in der SED."

Bezeichnend fr das intellektuelle Niveau war wie gewohnt der bayerische Landesvorsitzende Dr. Wolfgang Stckel, der mir noch beim letzten Verbandstag vorgeworfen hatte, "Bombenbauanleitungen" zu verbreiten. Ich sa auf der Empore und bloggte und lauschte amsiert den Stckelschen Tiraden gegen mich, die aber wegen gnzlich fehlenden rhetorischen Talents einherholperten wie ein einsamer Autoreifen auf Kopfsteinpflaster. Ich htte die deutschen Journalisten insgesamt diskreditiert. Der Hintergrund: Am Vorabend hatte ich ironisch dem saarlndische Ministerprsidenten Mller entgegengehalten, der eine Art gentlemen's agreement zwischen Politikern und Journaille beschwor, dass der grte Wunsch eines englischen Journalisten es sei, einen nichtsnutzigen Politiker um seinen Job zu bringen, die des Deutschen aber, Pressesprecher zu werden und dass das viel erklre. Ich hatte zahlreiche Lacher auf meiner Seite. Apparatschiks wie Stckel, der PR fr Schulen machen muss, finden so etwas natrlich gar nicht lustig.

GrKaLeiVaZ

Die zahlreichen wolkigen Presseerklrungen zum aktuellen Verbandstag geben Anlass, am Sinn und Zweck des DJV zu (ver)zweifeln. "Saarbrcker Erklrung zur Pressefreiheit": Schn und gut - aber ist das mehr als Moraltheologie? Gegen Online-Durchsuchung, na klar, aber kein Mitglied des Bundesvorstands ist in der Lage, eine verschlsselte E-Mail zu schreiben. "Konken geielt"Tarifflchtlinge" (gemeint sind "Tarifflchtige"). Oder: "Hnde weg vom Streikrecht". Das hrt sich so an wie: "Prsident des Bauernverbands gegen Streichung der Subventionen fr die Landwirtschaft" - eine Meldung, die der Sprachpapst alias Wolf Schneider ausdrcklich fr berflssig hlt, also verboten hat. Derartige Sprechblasen sind vielleicht gut gemeint, werden aber so folgenlos bleiben wie die Mannheimer Erklrung. Ich finde das alles peinlich. Aber die, die sich das ausgedacht haben, kommen sich unglaublich wichtig vor. Hier trifft die Redensart: Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Und erst das Gerede vom Streikrecht! Woher soll der Journalisten-Verband das Geld nehmen, um zu streiken? Wer sollte und wrde das tun? Noch nicht mal ein Streik gegen die Verleger Lensing-Wolff ist zustande gekommen. Der bse kleine Wolff aus Mnster eignet sich fr den mediokren Pressemann Michael Konken natrlich gut als Erzfeind; das Niveau ist vergleichbar, von Verbandsliga zu Verbandsliga sozusagen.

Der DJV hat nicht mehr oder weniger Zukunft als die Dampfplauderer von Netzwerk Recherche, die GrKaLeiVaZ ("Grte Karteileichen- Versammlung aller Zeiten") dju, ein Familienbetrieb wie der DPV, das schon nach kurzer Zeit wieder verstorbene Sportnetzwerk oder eine "Ein-Mann-Show" mit Service wie Freelens. Man sollte einen Verband nicht wechseln, auch nicht eine Partei. Woanders ist es nicht besser. Entweder man mischt in dem Laden, in dem man Mitglied ist, krftig mit, oder man sollte gleich zu Hause bleiben. Das gilt insbesondere fr JournalistInnen. Den - mit Verlaub! - Lahmrschen sei die Lektre der Offenbarung des Johannes empfohlen, der Brief an die Gemeinde in Laodizea:
"Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch hei. Wrest du doch kalt oder hei! Weil du aber lau bist, weder hei noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien."

[Download dieses Artikels, pdf, 460 kb]

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BURKS ONLINE 07.11.2007
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