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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
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BeitragVerfasst am: 03.09.2004, 12:22 Antworten mit ZitatNach oben






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Aktuell03. September 2004
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DEN GOLDENEN SCHUSS GIBT ES NICHT

Bankrott der Drogentherapie

Von Burkhard Schrder

HeroinDie Zahl der Drogentoten ist um mehr als zehn Prozent gesunken. Das melden die Medien. Der Trend ist stabil: Todesflle, die mit dem Konsum illegaler Drogen zuammenhngen, gehen zurck. Wenn das Gute, Schne und Wahre ausnahmsweise siegt, muss es selbst in diesem miesepetrigen Familienforum gemeldet werden: die rot-grne-Koalition macht eine im Rahmen ihrer intellektuellen Mglichckeiten vernnftige Drogenpolitik. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk: die Bundesregierung habe "in den letzten Jahren eine Vielzahl von Manahmen durchgesetzt, um die Behandlung von Opiatabhngigen zu verbessern und ihre berlebenschancen zu strken." Bei Cannabis geschieht zwar gar nichts - und das verschweigt die Dame -, aber man kann nicht alles haben. Man ist erfreut, wenn eine Drogenbeauftragte, die so aussieht, als htte sie vor hundert Jahren Heime fr gefallene Mdchen geleitet, berhaupt etwas Vernnftiges sagt.

Dennoch: Der so genannte "Drogentod" geistert als langlebiger Hoax weiter durch alle Medien. Die aktuellen Untersuchungen sind eindeutig: nicht die illegalen Drogen sind am Tod Suchtkranker schuld, sondern die Umstnde, unter denen sie genommen werden. "berdosierungen machen rund 80 % der Todesflle aus, wobei es keine absoluter toxische Dosis gibt, sondern Todesflle nach vorbergehender Abstinenz auftreten (reduzierte Toleranz) (z.B. nach Entgiftung, Therapie)." Der Junkie als Klischee ist ein Produkt der Gesellschaft, die bestimmte Drogen - nicht immer die schdlichsten - verbietet.

Das kann man nicht schreiben, weil es keiner glaubt. Die Geschichte des Heroins ist eine Geschichte ffentlicher Hysterie in Permanenz. Der Diskurs ber psychotrophe Substanzen in Deutschland orientiert sich nicht an der Realitt, sondern an einer betonharten Moraltheologie, die in der protestantischen Askese verankert ist. Wer fordert, die Brgerinnen und Brger sollten ber den Konsum bewusstseinsverndernder Substanzen selbst bestimmen drfen, knnte auch gleich den Papst vom Atheismus zu berzeugen versuchen.

Hier ein Artikel, den ich Zeit geschrieben habe und der am 01.10.1993 dort erschienen ist. Er ist immer noch aktuell - mit kleinen Abstrichen - und beweist, wie wenig sich seitdem gendert hat, nicht in der Praxis, sondern im Diskurs ber Drogen.

Bankrott der Drogentherapie


Heroin allein ist nicht schuld. Eine Studie belegt, da der Drogentod viele Ursachen hat.


Nur das ist unstrittig: Wer zuviel Heroin konsumiert, kann davon sterben. Das gilt auch fr Alkohol, Barbiturate oder Tranquilizer. Warum die Zahl der Drogentoten aber gerade in Deutschland in den letzten Jahren dramatisch angestiegen ist, warum sich Junkies eine berdosis spritzen und wer warum in die Kategorie Drogentoter fllt, ist keinesfalls geklrt.

Niemand wei genau, wie viele Menschen in Deutschland von Heroin abhngig sind. Ihre Zahl schwankt, je nach Schtzung, zwischen 30000 und 400000 Personen. Die Diskussion ber die Gefahren des Drogenmissbrauchs krankte bisher daran, da kaum verwertbare Fakten vorlagen. Die einzige Informationsquelle der Medien und der Bundesregierung ist die Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) in Hamm. Kritiker werfen ihr vor, mit ihren Verlautbarungen zum Thema vorwiegend Lobbyarbeit fr die Trger der Abstinenztherapien zu betreiben, also beispielsweise fr kirchliche Einrichtungen, die den absoluten Drogenverzicht als Therapiekonzept predigen.

Neues indes findet sich in der "Studie Drogennot- und -todesflle", gefrdert vom Bundesgesundheitsministerium. Die rechtsmedizinischen Institute der Universitten Hamburg und Berlin, das Berliner Sozialpdagogische Institut(1) sowie das Institut fr Prventionsforschung und Sozialmedizin untersuchten 545 Todesflle zwischen Juli 1991 und Juli 1992, immerhin ein Viertel der insgesamt registrierten Todesflle whrend dieser Zeit.

Das Ergebnis ist offenbar so brisant, da die Daten bis jetzt unter Verschluss gehalten wurden. Aus der Untersuchung kann nmlich geschlossen werden: Die deutsche Drogenpolitik und der Vorrang des Abstinenzdogmas sind mitverantwortlich fr den Drogentod. Diese These kann jetzt mit wissenschaftlich erhobenem Zahlenmaterial belegt werden.

Reines Heroin ist nicht gesundheitsschdlich. In der Studie heit es: "Auf die direkte Drogeneinwirkung zurckfhrende Organschden sind bei Opiaten (im Gegensatz zu Alkohol) auch bei chronischem Konsum nicht zu erwarten."

Der elend aussehende Fixer, der das Image des Heroinkonsumenten prgt, leidet an Hepatits, Lungenkrankheiten, Abszessen oder Aids - Folgen der sozialen Verelendung und einer mangelnden medizinischen Betreuung. Hinzu kommt, da die illegale Droge Heroin von Dealern im Straenverkauf mit Substanzen wie Puderzucker oder gar Waschpulver gestreckt wird. Diese Beimengungen haben aber in keinem der untersuchten Flle zum Tod gefhrt.

Wann kommt es zum so genannten goldenen Schuss? Der Begriff berdosis ist relativ und hngt von der aktuellen Toleranz des Schtigen ab. Die individuelle Wirkung des Heroins sei, so die Verfasser der Studie, noch viel zu wenig erforscht. Auch bleibt in einer groen Anzahl von Todesfllen ungeklrt, ob es sich um einen beabsichtigten Selbstmord oder um eine nicht beabsichtigte, unfallmige berdosierung handelt.

berdies brachte die Untersuchung ans Licht, da 85 Prozent aller Drogentoten Mnner sind, obwohl sie bei Heroinabhngigen insgesamt nur 60 Prozent ausmachen. Diese Zahl ist jedoch nur eine grobe Schtzung. Genau festlegen lt sie sich nicht, da Heroinkonsumenten, die nur gelegentlich Heroindmpfe inhalieren oder die feste Droge sniefen (in die Nase hochziehen), nicht immer abhngig sind.

Warum mehr Mnner als Frauen an Drogen sterben, hat wohl zwei Grnde: Zum einen greifen mnnliche Heroinschtige hufiger zu Alkohol. Die legale und am weitesten verbreitete Droge verstrkt die atemdepressive Wirkung des Heroins und kann in Kombination mit einer hohen Dosis zum Tod fhren. Zum anderen gibt es fr abhngige Frauen, die sich hufig prostituieren, mehr geschlechtsspezifische Hilfsprojekte, zum Beispiel Frauenlden und andere Projekte, die ausschlielich fr weibliche Junkies gedacht sind. Weibliche Schtige konsumieren auerdem eher Tranquilizer und Barbiturate, um sich "zuzuknallen."
Heroin
Selbst der Begriff "Drogentote" ist bis jetzt unscharf definiiert. Die von der DHS verffentlichten Zahlen drften reine Spekulation sein: In Deutschland gehrt auch derjenige zur Kategorie der Drogentoten, der wegen Fehlverhaltens aus einer Zwangstherapie geworfen wird und sich aus Verzweiflung mit Alkohol und Schlaftabletten umbringt. .

Mehr als die Hlfte aller Heroinabhngigen ist nicht freiwillig in einer Drogentherapie, sondern hat sie als Alternative zum Gefngnis gewhlt. Die Gerichte knnen bei einem Versto gegen das Betubungsmittelgesetz von einer Strafe absehen, wenn der Delinquent willig ist, sich therapieren zu lassen. In den Drogentherapien sind Abbrche jedoch an der Tagesordnung. Danach drohen Betreuungsverlust, eventuell Widerruf der Bewhrung und Haftbefehl. Das Bundeskriminalamt, kritisiert die Studie, nehme sogar Selbstttungen aus Verzweiflung ber die Lebensumstnde in die Statistik der Drogentoten auf, zum Beispiel einen Sprung vom Hochhaus. Die Zahlen gelten dann als Beweis fr die Gefhrlichkeit des Heroins, nicht als Beleg dafr, da die Kriminalisierung der Abhngigen diese oft in den Selbstmord treibt.

Auch nur ein vager Verdacht, etwa eine zufllig neben einem Toten liegende Spritze, reiche, so die Studie, viel zu hufig zur Registrierung eines Rauschgifttodesfalles aus. Die Praxis vieler Staatsanwlte, neuerdings bei Drogentodesfllen von vornherein von gerichtlichen Sektionen abzusehen, kann als Anleitung zum perfekten Mord angesehen werden. Deuten die Umstnde darauf hin, da das Opfer drogenabhngig war, wird offenbar in der Regel nur noch sehr nachlssig ermittelt.

Fast immer gingen, so schliet die Studie, dem Drogentod und auch den Drogennotfllen eine dramatische Zuspitzung der Lebenssituation voraus, etwa die Trennung vom Lebenspartner. Drei Viertel aller Drogentoten waren arbeitslos, die wenigsten wohnten in den letzten drei Monaten vor dem Tod eigenstndig oder selbstbestimmt.

Hufigste Todesursache ist wohl ein "Konsummusterwechsel": Die Junkies knnen nach einer Clean-Phase, etwas nach einem Aufenthalt im Gefngnis oder in einer Therapieeinrichtung, bei einem Rckfall die gewohnte Menge nicht mehr einschtzen. Rund ein Viertel aller Drogentoten hatte innerhalb eines Zeitraums von einem Monat vorher eine Therapie regulr beendet oder abgebrochen. Das heit: Trotz erfolgreichen Abschlusses einer Therapie, der als solcher in die Statistik eingeht, kommt es in manchen Fllen kurz darauf zu einem Rckfall - oft mit tdlichem Ausgang.

Einrichtungen, die eine Abstinenztherapie verfechten, weigern sich bisher durchweg, eine Abbruchberatung fr ihre Insassen anzubieten. Und das, obwohl viele die Therapie abbrechen - wie viele es sind, schwankt je nach Therapieform und je nachdem, wer die Zahlenmit welcher Intention ermittelt.

Auch das Berliner Selbsthilfeprojekt Synanon bert seine vielen Abbrecher nicht: Wer die Probezeit bei Synanon bersteht, wird gentigt, seine Wohnung aufzugeben, und hat dann bei einem Rckfall keine Bleibe mehr. Die Autoren der Studie geben deshalb allen Therapeuten den dringenden Rat, sie sollten mit disziplinarischen Manahmen, die kurzfristig zur Entlassung fhren, usserst vorsichtig umgehen. Gemeint sind damit beispielsweise Anordnungen, den Kontakt zu rckfllig gewordenen Partnern abzubrechen.
Heroin
Sogenannte Kriseninterventionsstellen, wo Sozialarbeiter und rzte Tag und Nacht Hilfe leisten, knnten gleichfalls die Zahl der Toten veringern. Eine typische Risikosituation fr Heroinabhngige sei, so die Rechtsmediziner, eine berdosierung im ffentlichen Raum: Die Junkies spritzen schnell und gehen fahrlssig mit "Pillen" um, aus Angst, erwischt zu werden. Selbst in Privatwohnungen greifen Anwesende hufig genug nicht ein, entweder aus mangelnder Sachkenntnis oder, wenn sie auch abhngig sind, aus Furcht, von der Polizei behelligt zu werden.

Die Autoren der Untersuchung fordern als pragmatische Sofortmanahme mehr Mglichkeiten fr den "warmen" Entzug. Das heit: langsames "Ausschleichen" mit Medikamenten oder medikamentengesttzte Entzge. Die sind - auch in Zentren des Drogenmissbrauchs wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg - immer noch die groe Ausnahme. Niedrigschwellige Angebote, die den Willen zum sofortigen Ausstieg nicht voraussetzen, verminderten der Studie zufolge die Gefahr des sozialen und krperlichen Abstiegs und somit des Drogentodes.

Die Kriminalisierung der Schtigen msse unbedingt aufhren. Das bedeute nicht, den Stoff unkontrolliert abzugeben. Das Reizwort Legalisierung wird nicht ausdrcklich genannt, aber angedeutet: "Die Einnahme eines immer gleich konzentrierten und reinen Heroins unter sterilen Bedingungen knnte womglich fr die Konsumenten einen risikomindernden Stellenwert haben."

1, 2) In dieser Form nicht mehr existent.



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BURKS ONLINE 03.09.2004
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