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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
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BeitragVerfasst am: 30.04.2004, 20:39 Antworten mit ZitatNach oben



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WER SIND DIE CHABAD?

Chassidim ante portas

Von Burkhard Schrder


ChabadVor ein paar Tagen flatterte mir eine digitale Einladung auf den Rechner: Daniel R. Coats, der US-Botschafter, und Ed Koch, der Ex-Brgermeister von New York, wrden an ein einer "Mesusa- Widmungszeremonie" im "Albam Jdischen Bildungs- und Familienzentrum" teilnehmen. Ich sei eingeladen. Das hrte sich spannend an, nicht wegen Coats und anderer VIPs, sondern wegen des Zusatzes: "Rabbi Yehuda Teichtal, Direktor der Chabad Lubawitsch Berlin e.V. wird die Zeremonie leiten." Chabad? Lubawitsch? Was war das noch mal gleich? Die mit den Hten und Schlfenlocken? Taliban oder Opus Dei auf jdisch? Orthodox, orthodoxer, am Orthodoxesten?
Chabad
Das Thema wurde gerade auf hagalil.com durchgehechelt, dass die Fetzen flogen. Alles unter dem hbschen Motto: "Streit innerhalb der jdischen Gemeinschaft". Grund genug, mal genauer hinzusehen, wer da in Berlin aufgetaucht ist. Zumal die Berliner Presse sich bei der Einweihung des "Bildungs- und Familienzentrums" in philosemitischen Ergssen erging und die Welt jubilierend die frei erfundene These, Yehuda Teichtal sei "Berlins jngster, dynamischster und beliebtester Rabbiner" und seine Gemeinde umfasse 5000 Mitglieder, kritiklos kolportiert hatte. Und die Welt am Sonntag hatte die einigermaen unwahre Tatsachenbehauptung aufgestellt: "In Hitlers alter Reichshauptstadt gehren orthodoxe Juden wieder zum Straenbild."Chabad

Fr den deutschen Nicht-Juden ist alles "orthodox", was nach Folklore aussieht. Schwarze Hte sind chic, auch wenn liberale Juden sich schaudernd abwenden. Klezmer-Musik ist Volksmusik fr die Damen der hheren Stnde und bung fr Toleranz und den vorgeblichen christlich-jdischen "Dialog", obwohl letzterer vermutlich so sinnvoll ist wie "Hupen gegen Rechts." Man knnte auch gewohnt nrgelnd einwenden, dass es volkspdagogisch nicht besonders sinnvoll sei, die Verehrer hherer Wesen der konservativen Art und Propagandisten der Geschlechtertrennung la Fundamentalismus berhaupt zu frdern.

In Israel hat sich gezeigt, dass bei der "orthodox-nationalistischen" Chabad, wie bei allen anderen religisen Bewegungen auch, die Frmmigkeit da aufhrt, wenn es um Geld geht. Einer der wichtigsten Sponsoren Chabadder Chassidim und auch des Likud ist die Lauder-Stiftung des australischen Millionrs Joseph Gutnick. Die einschlgigen Aktionen der Stiftung, alles das zu frdern, was konservativ aussieht, nahm hagalil.com zum Anlass, einige jdische Produzenten heisser Luft, die um die Stiftung kreisen, krftig in die Pfanne zu hauen.

In religiser Hinsicht ist Chabad ein Teil der so genannten Chassidim, einer pseudomessianischen Erweckungsbewegung, die, im Gegensatz zur ursprnglichen Kabbala-Mystik, auch das gemeine Volk ergriff. Der Chasidismus ist stark mit der Geschichte der Ostjuden verwoben. Isaac B. Singer, Nobelpreistrger fr Literatur, hat diesem Sujet in seinem wunderschnen und empfehlenswerten Roman "Das Landgut" ein literarisches Denkmal gesetzt.
Chabad
Die Kategorie "orthodox" sagt, wenn damit die Chabad gemeint sein sollen, alles und nichts aus. Die konservative und auch die moderne orthodoxe Strmung im Judentum sind im 19. Jahrhundert erst als Reaktion auf die Reformbewegung entstanden - hnlich wie der christliche Fundamentalismus eine Reaktion auf eine Skularisierung des Glaubens ist und sich ursprnglich als "Reaktion" darauf definierte. Die Chassidim ("die Frommen") gibt es aber schon seit dem 18. Jahrhundert - und ihre Wurzeln reichen viel weiter zurck. Heute existieren mehrere Strmungen nebeneinander - die in Berlin gehrt zu den "Ljubawitschern", die die Tradition und "Dynastie" des Rebbe Schneur Salman von Ladi bewahrt.
Chabad
Man darf gespannt, wie eine Bewegung mit usserst starkem Selbstbewusstein wie die Chabad sich in die Berliner "Einheits"gemeinde einfgt: die mhsame Balance zwischen dem "orthodoxen" Zentralrat und den liberalen Juden, wenn sie denn je bestanden hat, knnte in naher Zukunft krftig auf die Probe gestellt werden.

brigens: eine der "Zehn Regeln zum Umgang mit Menschen" der Ljubawitscher ist ab sofort das Motto dieses familien- und atheistenfreundlichen Forums: "Ein Streit hat meist drei Seiten: deine, die des anderen und die richtige."

Abbildungen:
Oben: Rebbe Yehuda Teichtal (Mitte)
3. v.oben.: Ed Koch (2. v.l.) Die Mesusa wird am Trpfosten befestigt.
4. v.o.: (v.l.n.r.) Albert Meyer, Vorsitzender der jdischen Gemeinde in Berlin, Rebbe Yehuda Teichtal, US-Botschafter Daniel R. Coats



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BURKS ONLINE 30.04.2004
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