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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 28.09.2003, 23:01 Antworten mit ZitatNach oben



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Aktuell28. September 2003
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DOSSIER TEIL 4

Kinderpornografie im Internet - die Geschichte eines Medien-Hypes

Von Burkhard Schrder


Im Sommer 1998 katapultierte sich die usserst dubiose belgische Brgerinitiative Morkhoven in die Medien: sie habe einen Ring von Kinderschndern in Zandvoort aufgedeckt. Deren Sprecher, der arbeitslose Marcel Vervloesem, war, bevor die Medien ihn zum "Experten" fr Verbrecherjagd ernannten, unter anderem dadurch aufgefallen, dass die Polizei ihn erwischte, als er mit einem Ambulanzwagen und Sirenengeheul Pommes frites kaufen ging. Laut Berichten der belgischen und niederlndischen Presse wurde der "Pornobekmpfer" Vervloesem selbst schon wegen Sittlichkeitsdelikten verurteilt. Das hinderte die Medien nicht, die fragwrdigen Behauptungen der "Brgerinitiative" fr bare Mnze zu nehmen. Typisch ist der Bericht der Schweizer Sonntagszeitung vom 19. Juli 1998 zum Thema: "Diese belgische Organisation hat sich dem Kampf gegen Kinderporno im Internet verschrieben. Das mittlerweile bekannteste Mitglied der Gruppe, Marcel Vervloesem, behauptet, im Besitz von Tausenden digital abgespeicherter Fotos aus Zandvoort zu sein, die zeigten, wie selbst ganz kleine, knapp dem Suglingsalter entwachsene Kinder brutal missbraucht wrden. Vervloesem hat in zahlreichen Fernsehauftritten in den letzten drei Tagen ausserdem gesagt, die gesamte Zandvoorter Administration befinde sich in seinen Hnden: Adressen von Herstellern, Zwischenhndlern und Abnehmern der Kinderpornographie."

Prgend fr die diffusen ffentlichen Emotionen, die nach dem schnell versickernden Thema zurckblieb, war, dass die Tter vorgeblich - so die "Brgerinitivative" - viele E-Mail-Adressen hinterlassen htten. Und: Die Polizei in Niedersachsen beschlagnahmte bei zwei Mnnern Hunderte von Bilddateien mit Kinderpornographie. In den Berichten der Fernsehsender sah man Monitore, auf denen die ekelhaften Abbildungen schemenhaft zu sehen waren, neben den Computern CD-Rom-Laufwerke, aber niemals eine Adresse im World Wide Web. Niemand hat auch jemals behauptet, die Tatverdchtigen htten "ber das Internet" mit dem Material gehandelt.

Die Sonntagszeitung fasst den - sachlich nicht gerechtfertigen - Zusammenhang zwischen "Kinderpornografie" und "Internet" so zusammen: "Wie immer es um die Glaubwrdigkeit der Gruppe stehen mag - das Material, das von der Polizei sichergestellt wurde, zeigt die Gefahren des zunehmenden Vertriebs von Kinderpornographie auf dem Internet. Zwar wurden in verschiedenen Staaten die Strafbestimmungen verschrft, doch in den Niederlanden und anderswo sind die Cybercops bisher finanziell und personell unterdotiert."

Tenor also: ganz gleich, ob die Behauptungen der Initiative "Morkhoven" irgendetwas mit der Realitt zu tun hatten: im Internet werde Kinderpornografie vertrieben. Selbst wenn die "Cybercops" nur wenig personelle und finanzielle Mittel htten, wre es ihnen ein Leichtes, die Tter zu fassen und zu berfhren, handelten die "im Internet" mit Fotos gequlter Kinder. Merkwrdig genug, dass niemand auf diesen Sachverhalt hinwies. Der immer wieder aktualisierte Medien-Hype - die suggestive Kombination der Begriffe "Internet&;;quot; und "Kinderpornografie" - hat sich in Deutschland in das ffentliche Bewusstsein eingebrannt und wird auch durch Argumente vorerst nicht zu erschttern sein.

Ein weiteres Beispiel zeigt ein hnlicher Bericht aus dem Jahr 2000. Am 27. September meldeten der Newsticker des Heise-Verlags und danach die meisten deutschen Medien, das italienische Fernsehen habe berichtet, dass italienische und russische Behrden einem internationalem Kinderporno-Ring auf der Spur seien, der
"...per Internet Bilder von Gewalt, Folter und Mord verbreitet hat. Einige der Opfer seien weniger als ein Jahr alt. Die Filme seien an Kunden in Deutschland, den USA sowie Italien und Russland verkauft worden, berichtete das staatliche italienische Fernsehen am Mittwoch. Fr besonders grauenhafte Folterszenen seien Preise bis zu 6000 US-Dollar gefordert worden. ... Selbst Fahnder zeigten sich von der Grausamkeit der Bilder bestrzt. Unter anderen sei ein erhngtes junges Mdchen zu sehen. Andere Filme zeigten Vergewaltigungsszenen. "Die Ermittlungen hinterlassen selbst bei den Fahndern ein Gefhl der Verzweiflung", sagte ein italienischer Beamter." Die Grauen erregende Geschichte hatte einen Fehler: Es ging um Videos, und die wurden nicht ber das Internet vertrieben. Die Story hatte mit "dem Internet" rein gar nichts zu tun.

hnlich ein Bericht vom 10. Oktober 2000, den man schon als bewusste Irrefhrung einschtzen kann. Nach Einschtzung des Bundeskriminalamtes wachse der Markt fr Kinderpornografie im Internet "bestndig." Die Ermittler machen dies vor allem an der Gre von sichergestellten Datensammlungen fest, wie der BKA-Sprecher Dirk Bchner sagte. Diese Datensammlungen stammten aber ebensowenig aus "dem Internet" wie die oben erwhnten Videos. Das sagte weder der Sprecher des Bundeskriminalamtes noch schrieben es die Zeitungen. Sie suggerierten es nur, vor allem durch den Nachsatz, der ohne Absatz angehngt wurde.

"Das Internet mache den Austausch von Kinderpornografie wesentlich schneller und einfacher, beschrieb Bchner die allgemeine Situation im Kampf gegen Kinderschnder." Das stimmt, denn Binrdateien - wie digitalisierte Fotos - knnten per E-Mail oder IRC - der traditionellen Form des Chats -wesentlich leichter, schneller und sicherer versendet werden als mit der traditionellen Briefpost. Aber das ist keine berraschende Erkenntnis und ausserdem fr Kriminelle ein hohes Risiko, wenn sie den Empfnger nicht gut und persnlich kennen. Sie rechtfertigt keine Forderungen, "das Internet" mehr zu kontrollieren.

Die Serie Cyberporn ist Teil des Buchmanuskripts "Jugendschutz im Internet". Das Buch sollte vor einigen Jahren bei Rowohlt erscheinen, wurde aber wegen Krankheit und anderer Ursachen nicht fertig geschrieben. Heute wre es nicht mehr aktuell.

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BURKS ONLINE 28.09.2003
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