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 [Latinoblog 12] Guyana 3 - Country for Indiana-Jones-Types Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 28.08.2003, 23:21 Antworten mit ZitatNach oben

Country for Indiana-Jones-Types

Fortsetzung von [Latinoblog 10 Guyana 1] "Das geheimnisvolle Land am Ende der Welt" und [Latinoblog 11 Guyana 2] "Die Rebellion der Rancher". Die Bilder in Originalgrsse sind nur fr registrierte Nutzer des Forums zugnglich.

Ein vergilbtes kleines Schild der Guyana Airways corporation hngt hinter mir an meinem Bcherregal: Baggage Tag steht darauf. Ich kann mich noch erinnern, dass ich ziemlich viele Guyana Dollar fr das bergewicht meine Rucksackes zahlen musste. Kleine, unwichtige Ereignisse, die Gefhle auslsen, Erinnerungen, den Wunsch, dorthin zu reisen und nachzusehen, was sich seitdem gendert hat. Die Fluggesellschaft gibt es nicht mehr, alle Flge wurden eingestellt. Heute fliegt Trans Guyana Airways die kleine Orte abseits der Kste an.

Von Lethem in der Rupununi-Savanne flogen wir nach Georgetown, der Hauptstadt Georgetowns. In kleinen Lndern mit sehr kleinen Fluglinien erwarten einen berraschungen, die das Reisen interessant machen: unsere alte Propellermaschine landete in Mahdia im Landesinneren. Ein Flugzeugwrack verrottete neben der Landepiste, nicht unbedingt zur Beruhigung der wenigen Fluggste. Zu unserer aller berraschung setzte sich das Flugzeug sofort wieder in Bewegung - ohne uns. Es sei ein einheimischer Fotograf an Bord, der msste ein paar schne Fotos von oben schiessen. Die Maschine drehte ein paar Kurven, landete wieder, und ab ging die Reise zum Timehri Airport, einer der Flughfen, der in der Zeitung steht, wenn die Rollbahn wieder mal asphaltiert wird.

Das Wahrzeichen Georgetowns ist der Stabroek Market (Bild oben, 2.v.l.), dessen schner Turm das Stadtzentrum berragt. ber den historischen Stabroek Market heisst es auf der Website des National Trust - so etwas wie der Denkmalschutz von Guyana: "This ward of the city of Georgetown has an oblong form being one fourth of a mile broad and one mile long. It was established by the French in1782 on the Company's reserve and was named by the Dutch after Nicholas Gleevinck; Lord of Stabroek, the then President of the Dutch West India Company in 1784." Die Stadt hie frher Stabroek und wurde erst 1812 umbenannt. Wer eine exotische Mischung aus franzsischer, hollndischer und englischer Architektur des 19. Jahrhunderts sehen will, ist in Georgetown gerade richtig.

1982 quartierten wir uns im Rima im Stadtteil Cummingsburg ein, in genau demselben Guest House, in dem ich schon 1979 eine Woche verbracht hatte - ein altes zweistckiges Haus (Bild links, 2.v.b rechts) im colonial style; es gab englisches Frhstck und strenge Ermahnungen des grauhaarigen schwarzen Besitzers, der um uns besorgt war, keine Fremden mitzubringen und in der Stadt extrem vorsichtig zu sein. Falls jemand der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser jemals nach Guyana kommt: das Rima Guest House ist erste Wahl und unter Globetrottern als Treffpunkt in Georgetown beliebt.

Aus dem Fenster blickten wir direkt auf die Botschaft von Trinidad und Tobago (Bild oben, 4.v.r). War waren von sechs Monaten Altiplano und Dschungelabenteuern im Herzen Sdamerikas erschpft und unser Bedarf an Sehenswrdigkeiten iwar schnell gedeckt. Imposant war die St. George's Cathedral, eines der hchsten, wenn nicht das hchste Holzhaus der Welt (bild links, 2.v.u.). Eines sehenswertes und filigranes Gebude ist die City Hall (Bild oben ganz rechts) - ein Muss fr jeden Reisenden in Georgetown. Die Amerindians, die Ureinwohner Guyanas, bauten ebenso riesige Holzhuser mit Spitzdach, Umana Yana genannt, bersetzt: Treffpunkt fr Menschen.

Leider ist die Sektendichte in Georgetown ungefhr so wie in den USA. In manchen Stadtvierteln ist jedes dritte Haus irgendein religiser Versammlungsort. Am kleinen Hafen schrie mir ein Schild entgegen: Be a muslim now! 1979 schlenderte ich mit meinem damaligen Reisepartner dort entlang, wir sahen Hafenarbeitern zu, die Schiffe entluden. Zwei Weie erblickten uns und riefen uns zu: May we help you? Sie hielten uns wohl fr Amerikaner und lachten sich darber kaputt. Wir verstanden aber ihr Schsisch - es waren Ingenieure aus der DDR. Als wir in Deutsch antworteten, waren sie vllig verblfft, wollten aber nicht mit uns reden. Guyana kooperierte damals mit sozialistischen Staaten. Bei meiner zweiten Reise 1982 konnte ich im Zoo Georgetowns eine Ausstellung ber "30 Jahre DDR" bewundern. Dafr htte ich nicht nach Sdamerika reisen mssen...

Direkt vor der US-Botschaft (Bild links, 3.v.u.) musste ich mich mit einem Strassenruber prgeln. Ich hielt eine Flasche Rum in der Hand, die ich gerade gekauft hatte, als jemand mir von hinten einen Arm den Hals legte und mit dem anderen versuchte, in meine linke Hosentasche zu greifen, wo ich eine kleine Kamera hatte. Ich htte ihm mit der Flasche auf den Kopf schlagen knnen, aber irgendwie versprte ich keine Angst, sondern warf sie auf den Rasen - schon mit dem Gedanken, es sei schade um den schnen Rum. Wir rangen ein wenig herum, waren wohl beide gleich stark. Als ich versuchte, dem Ruber in das Gemcht zu greifen, liess er von mir ab und rannte davon. Der einzige Versuch eines berfalls, den ich whrend meine Reisen in Sdamerika - insgesamt mehr als zwei Jahre - erlebt habe.

Lonely Planet schreibt: "Dutch and British colonization made an indelible mark on Guyana, leaving behind a now dilapidated colonial capital, a volatile mix of peoples and a curious political geography. The country's natural attractions, however, are impressive, unspoiled and on a scale that dwarfs human endeavor. Guyana has immense falls, vast tropical rainforest and savanna teeming with wildlife. If the government doesn't destroy the environment in a bid to pay off its huge foreign debt, Guyana could be the eco-tourism destination of the future. Right now, it's the place for independent, rugged, Indiana Jones types who don't mind visiting a country that everybody else thinks is in Africa."

Ich habe hier noch einen fast verblassenen Fotoband von Robert J. Fernandes, einem Fotografen aus Georgetown, ber den Google nur einen Link findet. Visions of the Interior heisst das schmale Buch mit einem Einband aus Pappe: zwei Dutzend Fotos der Wasserflle im Innern Guyanas - Fotos von berwltigender Schnheit. Guyana ist etwas fr echte Globetrotter: Ich spre die Riemen des Rucksacks auf meinen Schultern knirschen, hre das sanfte Pltschern, wenn der Aussenborder mit halber Kraft das Boot einen schmalen Flussarm aufwrts treibt, hre die durchdrehenden Reifen eines Jeeps, der in einem Wasserloch feststeckt, die Propeller eines kleinen Flugzeugs, das in sanftem Bogen ber die Savanne fliegt, die Abendsonne im Hintergrund, sehe die Termitenhgel der Rupununi und die blauen Berge der Guyana Highlands.

By the way: welche interessante Frau traut sich, mit mir nach Guyana zu fahren? Smile Und von dort aus nach Manaus am Amazonas? Und von da aus nach Iquitos in Peru? Oder nach Norden zu den Tepuis in Venezuela?

Zum Vergrssern auf die Bilder klicken!

31.08.2003
BurkS


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