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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 23.07.2003, 00:03 Antworten mit ZitatNach oben

"Eine neue Software, mageschneidert nach den Wnschen der Anwender, blockiert Sex-, Gewalt- oder Drogen-Seiten." Das ist natrlich gelogen. Dennoch lesen wir es beim investigativsten aller Nachrichtenmagazine online. Unter der berschrift "Die Schere im Rechner" wird das ICRAplus-System fr das World Wide Web kritiklos beschrieben - nicht die Fakten, sondern das Wnschen und Wollen. Der Filter indiziert wahllos alles, was Zensoren wollen, und meistens falsch und das Falsche. Und dem Missbrauch durch die Obrigkeit werden Tr und Tor geffnet.

Warum jetzt dieser Artikel? Kein Zweifel: Heise hatte vor wenigen Tagen berichtet: "Jugendschtzer laden zur Anhrung". Thema: Der Verein hat bei den Wchtern der KJM einen Modellversuch fr einen eigenen Filter beantragt. Im wesentlichen besteht der aus einer in den ICRA-Filter eingebauten Blocking List, die der von den Unternehmen getragene Verein "hndisch" pflegt. Also doch der real existierende Zensor, dessen pdagische und sonstwelche Qualifikation ungefhr so aussieht wie der intellektuelle Horizont der nur in Deutschland beheimateten Jugendschutzwarte. Spiegel online betreibt offenbar schlicht Lobby-Arbeit fr das unsgliche Unterfangen der Internet Content Rating Association: Trotz der zahlreichen kritischen Websites und sogar wissenschaflichen Arbeiten zum Thema kein recherchierendes Wort ber den Positiv-Filter der IRCA. Sogar das WWW-Consortium hat sich geussert. Das knnte man bei der langen Vorgeschichte des Themas zumindest anmerken.

Es ist unverschmt, dass sich ein Artikel als Journalismus ausgibt, der keine Kritiker zum Thema zu Wort kommen lsst. Das ist nicht seris - so etwas lernt man in einem Journalistik-Proseminar. Ausserdem fllt das eigentliche Thema vollends unter den Tisch: welchen pdagogischen Sinn und Zweck hat ein Filter im WWW? Und welche Medientheorie steht dahinter? Was sind jugendgefhrdende Inhalte? Wir wirken sie? Die Schere sitzt nicht im Rechner, sondern im Kopf der deutschen Online-JournalistInnen, die bei den Stichworten Zensur, Filter, Verbot und obrigkeitsstaatlicher oder kommerzieller Bevormundung nicht sofort emprt aufschreien, sondern ernsthaft erwgen, ob das nicht gut sei.

"Das Programm filtert ausschlielich Angebote des World Wide Web, aber keine Newsgroups". Harr harr. Die berschrift heisst Web-Filter. Und da das WWW mit dem Usenet technisch rein gar nichts zu tun hat, ist das selbstverstndlch. By the way: Web-Filtern filtern auch nicht das IRC, telnet oder E-Mails. Ich muss noch ein wenig mehr herumnrgeln: "Wer frher Filter-Software frs Internet nutzte, rgerte sich oft genug schwarz." Wieso? Wer nutzte denn Filter-Software? Und welcher Journalist ist nicht imstande, Filter fr's WWW zu umgehen?

Ich darf dazu eine kleine Anekdote erzhlen: Neulich wies mich meine Bank, wie beinahe jeden Monat, darauf hin, dass mein Konto ber den Dispositionskredit hinaus berzogen sei. Anruf beim Filialleiter: der bedauerliche Zustand des Kontos werde sich in den nchsten Tagen geringfgig zum Besseren wenden. Der Bank-Mensch ist online und beklagt sich, er knne burks.de nicht sehen. Ihm habe jemand von der Zentrale einen Filter eingebaut, und burks.de gehrt nicht zur Positiv-Liste. Ich diktiere ihm versuchsweise nslookup und - siehe da! - mit der IP-Adresse funktioniert alles wunderbar. Im brigen wurde mir danach der Dispositionskredit erheblich erhht.

Filter fr's Internet sind das eine. Das andere - und das scheint kein Zufall zu sein - sind juristisch zwar sinnfreie, aber schikanse Aktionen. Vergleiche die aktuelle Meldung: "Netzaktivist werden volksverhetzende Links vorgeworfen". Ich bin gespannt, ob die Online-Medien dazu, wenn berhaupt, eine Berichterstattung hinkriegen, die minimalen journalistischen Ansprchen gengt.

23.07.2003
BurkS

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