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 Ein Irrtum bezglich Popkultur [Matrix reloaded] Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 23.06.2003, 23:47 Antworten mit ZitatNach oben

Gastkolumne rv (www.struppig.de): Ein Irrtum bezglich Popkultur

1999 war ein sehr, sehr merkwrdiges Jahr. Es passierte ein Haufen Zeug, nmlich neben meinem Abitur auch noch die New Economy, Berlin, Fight Club (den ich nicht sah) und Matrix (den ich sah). Matrix war so eine Sache: Dieser Film tat Dinge, die vorher ungetan waren. Im Grunde: Er hielt die Zeit an und bewegte die Kamera dabei. Sowas hatten wir schon in "Momo" gesehen, aber mit in der Luft hngenden Kmpfern war's neu.

Der erkenntnistheoretische berbau des Films war allerdings deutlich nur was fr Gymnasiasten. Da ich grade noch einer war, machte er mir nichts aus; aber ich bescheinige meinem damaligen Selbst docEinh, den ranzigen Geruch des ganzen Kaninchenbau-und-Pillen-Getues wahrgenommen zu haben. Ich erinnere mich an Gesprche mit Gleichaltrigen, in denen ich ihnen das sagte, was ich heute dem Sequel ins Gesicht schreien wollte: Nun kommt aber mal wieder runter.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt "Sophies Welt" dreimal gelesen und hatte die ganze Karnickelsymbolik rund um die Wirklichkeit der Wirklichkeit schon etwas dicke. Mir dmmerte, glaube ich, durchaus schon, dass es wenig enervierenderes auf dieser Welt gibt als philosophische Effekthascherei. Trotzdem war ich der Meinung, es handle sich bei Matrix um einen richtig guten Film, die Logiklcher, damals heiss diskutiert, war ich bereit zu verzeihen. Von Actionfilmen fordern nur Frauen Logik, basta. Ich ging so weit, mir ein Matrix-Poster zu kaufen, das einzige Filmposter, das ich je besessen habe. Hauptschlich weil ich Trinity so scharf fand, die war energisch, konnte draufhauen und trug Lack (ich machte mir keine weiteren Gedanken ber eine solche Vorliebe.)

Als die Informatiker anfingen, schwarze Ledermntel zu tragen und Sonnenbrillen, liess ich das Poster verschwinden. Der Film war viel zu tauglich fr die Projektion der Transzendenzsehnschte von Computer-Lamern und Mchtegernhackern. Jetzt, nach Matrix, waren sie ja unverhofft cool, diese Typen. Vor einigen Wochen habe ich mir den Film noch einmal auf RTL angeschaut, und mein Urteil blieb stabil: Der sah gut aus, Trinity sah auch gut aus, ich mochte die verrotteten Noir-Kulissen, und im brigen war's halt eher was fr Kids.

Heute habe ich das Sequel gesehen, mit dem festen Vorsatz, es gut zu finden, weil allenthalben gemkelt wurde. Ich sass dabei neben einer Frau, mit der ich nichts weiter zu tun hatte als dass sie hbsch war und sich deswegen gelegentlich von mir verstohlen anblicken lassen musste. Das Mdchen, offenbar von ihrem rcksichtslosen Freund ins Colosseum geschleppt, war prima. Sie sthnte in regelmssigen Abstnden auf vor Peinlich-Berhrtsein. Und das nicht whrend der Karnickel-aus-dem-Hut-Dialoge, da tat sie das einzig Vernnftige: Lehnte sich gelangweilt zurck, liess den ganzen Schwallahalla ber sich ergehen und sah brigens bezaubernd aus dabei. Nein, peinlich berhrt war sie in den Szenen, in denen der Film sich nicht hinter fescher Klopperei oder pseudoreligisem Geslze verstecken konnte, sondern, wenigstens ab und an mal, einfach ein Film sein musste.

Da hielt Morpheus eine Rede, die aussah wie Nrnberg und vielleicht klingen sollte wie Churchill, aber man wnschte dem Typen dabei, die ganzen Zionisten in der Tropfsteinhhle wrden, anstatt frenetisch loszukrakeelen, den leeren Mumbo-Jumbo mit betretenem Zurseiteschauen und Fssescharren beantworten. Mit solchem jedenfalls beantwortete meine Nachbarin die folgende, ja, was war das, eine Liebesszene? - Und all die prophetische Trumerei und Schlsselmetaphorik. Hat jemand begriffen, was die sollte? Wachowski-Jungs, nun kommt mal wieder runter.

Auch wenn's ein weitverbreiteter Irrtum ist: Popkultur ist noch nicht, wenn man einfach alles, was einem grade unterkommt, zusammenschmeisst. Ein bisschen Mhe sollte man sich schon noch geben, das ganze viele Referenzenzeug auch irgendwohin zeigen zu lassen. Sonst wird man ja ausgelacht und muss sich damit rausreden, das dass ja grade das ganz toll postmoderne sei, worauf einer aber einfach "Achwas, Bldsinn" sagen kann; grade wie Indiana Jones, der den Schwertfuchtelfettsack erschiesst.
Ich habe Menschen den Rhythmus des Films loben hren. Das macht sich zwar immer gut, wenn sonst nicht viel zu loben ist, weil es nach hochgebildeter Filmkritik klingt und eigentlich keiner so recht weiss.

Leute, mal im Ernst: Der Rhythmus von dem Ding ist so durchschaubar wie Technogeklopfe aus der Nachbarwohnung. Wer das stndige Drescherei-Dummschwall-Drescherei-Dummschwall-Vierviertel dieses Films fr groartigen Rhythmus hlt, erinnert an die Kids, die darauf bestehen, dass die Venga Boys ja wohl tausendmal mehr Rhythmus htten als irgend so ein Klassikzeugs. Andere haben die Geschwindigkeit des Films gelobt. Falls damit gemeint ist, dass er manchmal ganz schn schnell sei - einverstanden. Neos Supermann-Zooms durch die Stadt hab' ich auch gemocht. Falls damit gemeint ist, dass die Geschwindigkeiten stimmen oder irgendwie durchdacht sind: Wie bitte? Warum zum Kuckuck schaue ich mir lang und breit an, wie Morpheus zum zehnten mal beinahe doch vom Lastwagen fllt (diesmal, aufgepasst! Zur Abwechslung mal nach rechts), whrend die Sprengung eines Kraftwerks, der Verlust eines Schiffes und schliesslich der ganze Kampf um Zion nicht mehr als jeweils zwei Schnitte wert sind? Ich ziehe es vor, Beschleunigungen, die offenbar darauf zurckgehen, dass am Ende von all dem Gekloppe noch soviel Story brig war, als schlechtes Handwerk zu bezeichnen. Insbesondere in einem zweiten Teil einer Trilogie. Und vor allem dann, wenn die Story in den letzten zehn Minuten noch schnell um einen komplett unverstndlichen Haufen pseudomathematischen Mumpitz aufgeblasen wird.

Die Exegeten werden's schon wieder zurechtzudeuten wissen, aber ich hab ja nicht den Exegeten mit ihren schwarzen Brillen zugeschaut, sondern immerhin einem Film. In Ordnung, Trinity ist wieder prima, h, Monica Belluci ist ja nie zu verachten, und die Schlgerei mit der Stahlstange macht auch was her. Dazwischen hrt man leider einer Menge geistiger Pubertt zu, fragt sich, ob's halb so viele kuriose neue Charaktere nicht auch getan htten, wenn sie hinterher wieder nichts als prgeln drfen, ist peinlich berhrt von den ganzen aufgeblasenen toten Religionsreferenzen und dem den Vorausgeahne des Auserwhlten; und man stellt sich die prosaische, fr einfache Gemter (wie Kinozuschauer) von der FAZ treffend formulierte Frage, wann genau in diesem Durcheinander eigentlich mal jemand richtig sicher tot ist.

rv (mit freundlicher Erlaubnis des Autors)
Auf die Bilder klicken! Quelle (ausser den "Twins"): [url]whatisthematrix.warnerbros.com[/url]

24.06.2003
rv (www.struppig.de)/ BurkS

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