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 Schlaf ich im Campingbus? Nchstes Thema anzeigen
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burks
Webmaster
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 09.05.2003, 00:11 Antworten mit ZitatNach oben

Ein Gespenst geht um im Internet - das Gespenst des Weblogs. Angeblich fnden die geneigten Surferinnen und die wohlwollenden Surfer so etwas anregend, gut und authentisch. So ganz private Details. Nun gut. Hier also etwas Belangloses. Reiseimpressionen, Deutschland in vier Tagen, kein Buchstabe reprsentativ. Und zum Ausgleich fr das gestrige Weblog, in dem eine nackte Frau und der erotische Mund einer solchen in Groaufnahme zu sehen ist: hier fast nur drre Worte.

Ich liebe Bahn fahren. Wer den Weg als das Ziel erkennt, kann selbst Regionalzgen zwischen Herne und Bottrop Vergngliches abgewinnen. Nachtzug Berlin-Karlsruhe. Das Vergngen beginnt am Bahnhof Zoo. Man braucht, wer sich nicht scheut, per Telefon zu buchen, nicht mehr in einer Schlange stehen. Die Bahn hat jetzt Automaten, die, wenn man eine Auftragsnummer eintippt, wie in Las Vegas die Fahrscheine ausspuckt. Die neugierigen Mitreisenden betrachten einen bei einem Dutzend Zettelchen, die das Ding druckt, ein bisschen neidisch und von der Seite. Man kommt sich vor wie jemand mit einem esoterischen Geheimwissen. Und zhlt mit zitternden Fingern nach, ob der rote Kasten auch wirklich nichts vergessen hat.

Das erste Bahn-Hochbett mit drei Etagen. Reinhold Messner-Gefhl beim Aufstieg, in der Mitte ein Reise-Profi mit Rucksack und schwarzer Stoffbrille (wegen des Lichts, das er nicht sehen will.) Alles ist ungeheuer zweckmssig. Es macht sogar Spass zu erkunden, welchem Zweck das garantiert Zweckmssige dient. Alle mglichen Klappen, Lichtschalter zum rauf- und runterklappen. Sss. Und ein Schaffner, der einen behandelt wie den Maharadscha von Eschnapur. Fehlt nur noch, dass er "Herr Geheimrat" sagt. Und natrlich ist nchtliches Bahnfahren pure Regression, psychologisch gesehen. Man schaukelt, fhlt sich geborgen, von drauen monotones Gerusch - das klingt schon wie ein Haiku. Ich schlafe immer wunderbar in Schlafwagen.

Karlsruhe: Da wuseln Strassen- und S-Bahnen in der Stadt umher wie auf einer Modelleisenbahn. Wegen des schmalbrstigen Budgets der Uni Karlsruhe selbst fr VIPs wie Gastdozenten bekomme ich von einem eingeborenen Hochschullehrer die Schlssel fr seinen Campingbus, irgendwo im landschaftlich idyllischen Jottwehde. Rauschender Wildbach, die Tannen druen grn und hoch, der Abend ist still und weit, die Mcken fliegen flink und umher, der Mond scheint wei und klar. Wre alles ganz wunderbar.

Aber ein deutscher Campingplatz mittendrin! Ich habe wochenlang in Hngematten mitten im Dschungel geschlafen, auf schwankenden Seelenverkufern an der Kste von Honduras, auf 4000 Meter Hhe im Zelt, in alten Inka-Ruinen, in verfallenden Lehmhusern in der Salzwste Boliviens und unzhlige Male auf der Ladeflche von Lastwagen, angeschnallt, um whrend der Fahrt nicht hinunterzufallen. Aber noch nie in einem Campingbus auf einem Campingplatz.

Wieso ist es da immer so ordentlich? Die Busse stehen in Reih und Glied, ein Anblick, den der Deutsche gerne sieht. Und wieso sehen einige Busse aus wie Imitate von Husern? Da gibt es sogar Zune! Und Straennamen! Ich knnte jetzt ganz viele Fragen stellen. Aber das wrde zu nichts fhren. Die Kultur des Campingplatzes wird mir fr immer ein Rtsel bleiben und so fremd wie das hinterste Volk im hintersten Papua-Neuguinea. Das ist wie mit dem Weltall: Die Galaxien sind so weit entfernt, dass man einfach nicht hinkommt in einem Leben.

Fazit: Lieber drei Wochen im Nachtzug als eine Nacht auf einem Campingplatz. Der Vergleich ist jedoch unfair. Bei der Bahn gibt es Personal, auf dem Campingplatz nur einen Platzwart. Und bei dem muss ich immer an die Jugendschutzwarte denken. Und vielleicht habe ich deshalb zu unruhig geschlafen und immer in Erwartung eines Alptraums.

09.05.2003
BurkS

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