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 Pioniere des arabischen Sozialismus Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 06.04.2003, 23:09 Antworten mit ZitatNach oben

Der Fallschirmjger Peter Scholl-Latour ist gesprungen und falsch gelandet. Jedem steht es natrlich frei, einer Salonfaschisten-Zeitschrift wie der "Jungen Freiheit" ein Interview zu geben. Ich sehe das gelassen. Ich wrde mir zwar hinterher die Hnde wschen oder gleich mit der Nationalzeitung reden, weil die im Kleingedruckten nichts anderes faselt, sondern - ihrer Klientel entsprechend - nur eine andere Diktion whlt. Peter Scholl-Latour, der deutsche Nachkriegsjournalist an sich mit durchaus respektablen TV-Charisma, hat sich jedoch auch inhaltlich vergaloppiert.

Scholl-Latour hat eine eigene Meinung. Die kann er begrnden, und er kennt sich in arabischen Lndern aus. Alles Eigenschaften, die ihn positiv von vielen "Nahost-Experten" unterscheiden. ber seine Bcher, die zahlreich hinter mir im Regal versammelt sind, kann man streiten, weil man sich oft rgert - und das zeichnet ein Buch positiv aus. In seinem Interview jedoch gibt er neben vielen klugen Stzen, die jenseits des Kommentatoren-Maintreams liegen, anscheinend Linksradikales von sich. Und das bedarf des Kommentierens: "Briten und Franzosen haben in ihren Kolonien auch ein Zivilisationswerk vollbracht, Kennzeichen amerikanischer Inbesitznahme ist dagegen eher die kapitalistische Ausbeutung."

Ist das so wahr? Auf den erste Blick: ja. Auf den zweiten: nein. Erster Einwand: wenn hier Kolonialmchte verglichen werden, drfen die Spanier in Sdamerika nicht fehlen. Die haben unzhlige Massaker verbt, ihre Kolonien bis auf's Blut ausgepresst. Geblieben ist die Sprache, die heute Lateinamerika mehr zusammenschweit als das Englische Europa, die Musik, ein Teil der vielzitierten "Kultur", ja selbst die Trachten in den Andenstaaten, eine Touristenattraktion, stammen nicht von den Inkas, sondern aus Andalusien.

Zweiter Einwand: die Franzosen haben in Afrika kein "Zivilisationswerk" vollbracht. Merkwrdig, dass ausgerechnet der Algerien-Kenner Scholl-Latour das sagt. Sogar das Franzsische ist in Nordafrika zugunsten des Arabischen verdrngt worden. Und die frankophonen Lnder Zentralafrikas zeichnen sind durch Krieg und Chaos aus und bleiben ein beliebtes Trainingsgebiet fr regelmssige Einstze der Fremdenlegion. Wo ist dort die "Zivilisation"?

Dritter Einwand: albern ist die These, die Englnder und Franzosen htten ihre Kolonien nicht kapitalistisch ausgebeutet. Jede Historiker kann das mit zahlreichen Quellen belegen. Und wie war das mit Deutschland 1945? "Inbesitznahme" ist eine eher archaische Methode der Kolonialisierung - ineffektiv zudem. Sie funktioniert auch nicht. Keine Armee der Welt wrde Somalia "erobern" knnen. Beim Thema Afghanistan hat Peter Scholl-Latour denn auch vollkommen Recht und spricht das als einer der wenigen Journalisten offen aus:

Zitat:
Die ISAF-Mission ist schlicht eine Sttzung Prsident Karzais. Die Petersberg-Konferenz war doch eine reine Komdienveranstaltung, die eine Hlfte des afghanischen Parlaments ist gekauft, die andere Hlfte ist erpret. Ohne seine amerikanischen Leibwchter wre Karzai ein toter Mann.

Vierter Einwand: Die amerikanische Kultur erobert andere Lnder viel schneller und effektiver als ihr Militr. Alle Segmente der sich schon vage abzeichnenen Weltkultur stammen aus dem Einwandererland USA: Musik, Coca Cola, Hamburger, Jeans. Und niemand, aber auch niemand wird den Siegeszug dieser kulturellen Armee stoppen knnen. Selbst in einem Land wie China mit seiner Jahrtausende alten Traditionen gewinnen die USA. Und Japan ist schon heute amerikanischer, weil auch flexibler als Amerika.

Fazit: Der Irak-Krieg wird die USA eher zurckwerfen. Die Invasion und die Okkupation zeigen, dass die erzreaktionre Kapitalisten-Fraktion, deren Marionette Schorsch Dabbelju Bush ist, keine Ahnung hat, auf was sie sich eingelassen hat. Der Krieg wird den arabischen Nationalismus frdern, mehr als der Sturz der Monarchie und des von England eingesetzten Knigs Faisal II. im Irak 1958. Es wird also eine Neuauflage des arabischen Befreiungskampfes geben, der in seiner ersten Version charismatische Staatsmnner wie Gamal Abdel Nasser (www.gamal-abdelnasser.com/), den "Pionier des arabischen Sozialismus", hervorgebracht hat, der sich letztlich mit Israel ausshnen wollte.

Vielleicht gibt es also sogar eine Option, die dem Vormarsch des fundmentalistischen Islam la Wahabiten und Saudi-Arabien Einhalt gebieten knnte: im Sog eines Befreiungskampfes gegen die US- und britischen Invasoren den Sturz der herrschenden Eliten zugunsten einer Art Volksherrschaft - was bekanntlich nur ein anderes Wort fr "Demokratie" ist. Skular geprgte Lnder wie die Trkei, Syrien und der Irak stehen dieser Option am nchsten. Und das wre fast zu schn, um wahr zu sein - es wrde den USA gar nicht gefallen.

Oben: Nasser verteilt Land an arme Bauern
Mitte: Nasser bei der Grndung der "Vereinigten Arabischen Republik" zwischen Syrien und gypten 1958
Unten: Nasser spricht vor dem panafrikanischen Gipfel in Addis Abeba 1094
Peter Scholl-Latour im Interview mit der "Jungen Freiheit" (www.jf-archiv.de/archiv03/153yy11.htm): "Ich sehe keinen Frieden, der Hass gegen Amerika wchst."

07.04.2003
BurkS
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