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 Gastkolumne Karl May: "Die Todeskarawane" Nchstes Thema anzeigen
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burks
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Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 22.04.2003, 23:22 Antworten mit ZitatNach oben

Die Deutschen haben den Amerikanern eines voraus: zwischen Bagdad und Stambul kannten sie sich schon immer aus. "Karl May, der sich sehr gewissenhaft mit dem Orient befasst hatte, schilderte die Leichenkarawanen aus Persien, die durch die Wste nach Kerbela zogen" schreibt Peter Scholl-Latour in "Allah ist mit den Standhaften": "Der Kult des Todes, dem sich die Schiia verschrieben hatte, legte sich dem Besucher auf die Brust." Die Medien sprechen jetzt von "Iran-nahen Islamisten", die in Kerbela "die explosive Stimmung anheizen". Bldsinn: die waren schon immer so. Grund genug, unserem Orient-Experten Karl May zur aktuellen Situation im Irak eine Gastkolumne zu gewhren.

"Die Schiiten widmen Ali und seinen Nachkommen, besonders aber seinen Shnen Hassan und Hussein, eine so bertriebene und dabei leidenschaftliche Verehrung, da er und alle zu seiner Nachfolge berechtigten Nachkmmlinge von einigen extremen Parteien sogar fr Inkarnationen Gottes gehalten werden. Sie haben, obgleich sie das nicht zugeben, die ursprngliche Lehre durch mystische und pantheistische Hineinlegungen verflscht und stellen die Behauptung auf, da die Sunniten zu vernichten oder doch noch viel mehr als die Juden, Christen und Heiden zu hassen und zu verfolgen seien. Daher die Jahrhunderte alten, erbitterten und blutigen Kmpfe zwischen diesen beiden Richtungen. Es ist Blut, sehr viel Blut geflossen; es sind Grausamkeiten verbt worden, welche niederzuschreiben sich die Feder strubt, und noch heut ist dieser Ha nicht verlscht. Er glimmt fort und fort und bricht bei jeder Veranlassung in helle, vernichtende Flammen aus. Es versteht sich ganz von selbst, da diese Erbitterung ihre meisten Opfer in den Gegenden sucht und findet, wo Sunniten und Schiiten vermischt wohnen oder aber fters aufeinander stoen, und das findet ganz besonders statt in der Grenzprovinz Irak Arabi mit den beiden nicht weit von Bagdad liegenden heiligen schiitischen Stdten Nedschef Ali und Kerbela.

Die erstere Stadt hat ihren Namen von dem in der Nhe liegenden Nedschef-See erhalten und wird auch Meschhed Ali, d. h. Grabmal Alis, genannt, weil dieser da begraben worden ist. Sie ist ungefhr fnfzig Kilometer sdlich von den Ruinen von Babylon gelegen, auf welchem Wege man auch ber das Dorf Kefil kommt, wo sich die Ruhesttte des Propheten Hesekiel befindet. Kerbela, auch Meschhed Hussen, d. i. Grabmal Hussens, genannt, ist die Hauptstadt eines Sandschk, zhlt ber sechzigtausend Einwohner und soll an Reichtum Bagdad weit bertreffen. Sie wird durch einen Kanal mit dem rechten Euphratufer verbunden und bildet den hervorragendsten Wallfahrtsort der Schiiten, von denen es noch heiliger als Nedschef Ali gehalten wird. [...]

Der Schiit glaubt, dass ein jeder Moslem, dessen Leiche in Kerbela oder Nedschef begraben wird, ohne alle weiteren Hindernisse sofort ins Paradies komme. Darum ist es der heisseste Wunsch eines jeden, an einem dieser beiden Orte begraben zu sein. Da der Transport der Leichen per Karawane sehr kostspielig ist, kann sich nur der Reiche dergleichen leisten; der Arme aber, wenn er an so heiliger Sttte begraben sein will, nimmt Abschied von den Seinen und bettelt sich durch weite Lnderstrecken bis zu der Grabstelle Alis oder Husseijns, um dort seinen Tod zu erwarten.

Jahr fr Jahr schlagen Hunderttausende von Pilgern den Weg nach jenen Sttten ein, aber diese Zuzge sind am strksten, wenn einer der Hauptgedenktage der Schia naht. Dann steigen die Leichenkarawanen der schiitischen Perser, Afghanen, Beludschen, Inder usw. vom iranischen Tafelland herab; von allen Seiten werden Tote herbeigeschleppt, und sogar auf Schiffen fhrt man sie auf dem Euphrat herbei. Die Leichen liegen oft schon monatelang vor dem Aufbruch bereit; der Weg der Karawane ist weit und hchst langsam; die Hitze des Sdens brtet mit frchterlicher Glut auf die Strecke nieder, die durchzogen werden muss, und so gehrt keine bermaige Anstrengung der Phantasie dazu, sich den entsetzlichen Geruch zu denken, den eine solche Karawane verbreitet. Die Toten liegen in leichten Srgen, die in der Hitze zerspringen, oder sie sind in Filzdecken gehllt, die von den Stoffen der Verwesung zerstrt oder doch durchdrungen werden; und so ist es kein Wunder, dass das hohlugigie Gespenst der Pest auf hagerem Klepper jenen Todeszgen auf dem Fu folgt. Wer ihnen begegnet, weicht weit zur Seite aus, und nur der Schakal und der Beduine schleichen herbei, der eine angezogen vom Geruch der Verwesung, und der andere herbeigelockt von den Schtzen, die die Karawane mit sich fhrt, um sie am Ende der Wallfahrt den Hnden der Grabeshter zu bergeben. Diamantenbesetze Gefe, perlenbesetzte Stoffe, kostbare Waffen und Gerte, unschtzbare Amulette und anderes mehr werden nach Kerbela und Nedschef gebracht, wo sie in den unterirdischen Schatzkellern verschwinden. Diese Schtze werden, um die beduinischen Ruber zu tuschen, in sarghnliche Verpackung verborgen, aber die Erfahrung hat die unternehmenden arabischen Stmme gelehrt, diese Vorsicht unntz zu machen. Sie ffnen bei einem berfall smtliche Srge und kommen so ganz sicher zu den Schtzen, die sie suchen. Der Kampfplatz bietet danach ein wstes Bild von gefllten Tieren, getteten Menschen, zerstreuten Leichenresten und zerschmetterten Sargtrmmern, und der einsame Wanderer lenkt sein Pferd von ihnen ab, um dem Hauch der Pest und Ansteckung zu entgehen.

Es versteht sich von selbst, dass die Todeskarawane whrend ihrer Reise keine eng bewohnte Stadt berhren darf. Frher freilich durfte sie ihren Weg mitten durch Bagdad nehmen. Sie zog durch Schedt Omer, das stliche Tor, ein; kaum jedoch hatte sie im Westen die Stadt verlassen, so verbreitete sich der Pesthauch ber die Kalifenstadt; die Seuche begann zu wten, und Tausende fielen ihnen zum Opfer. In neuerer Zeit ist vieles anders geworden, und besonders hat der so viel bewunderte und ebenso viel angefochtene Midhat Pascha unter den alten Vorurteilen und Herkmmlichkeiten aufgerumt. Die Leichenkarawane darf jetzt nur die nrdliche Grenze des Stadtbezirks berhren, um dann auf der oberen Schiffbrcke ber den Tigris zu gehen. Und dort war es, wo wir sie trafen.

Ein unertrglicher Pesthauch wehte uns entgegen, als wir uns der Stelle nherten. Der Kopf des langen Zuges war bereits angekommen, als wir uns der Stelle nherten und traf Anstalten, sich zu lagern. Eine hohe Fahne mit dem persischen Wappen (ein Lwe mit der hinter ihm aufsteigenden Sonne) war in die Erde gesteckt; sie sollte den Mittelpunkt des Lagers bilden. Die Fugnger saen auf der Erde; die Reiter hatten ihre Pferde und Kamele verlassen; aber die mit den Srgen beladenen Maultiere blieben bepackt, zum Zeichen, dass der Aufenthalt nur vorbergehend sein sollte. Nach ihnen zog sich der lange, unabsehbare Zug wie eine Schnecke herbei, welche in gerader Richtung ber den Boden kriecht. Es waren braune, von der Sonnenglut eingedrrte Gestalten, die in mder Haltung auf ihren Tieren hingen oder mit abgematteten Fen sich ber den Boden schoben; aber in ihren dunklen Augen glhte der Fanatismus, und unbeirrt durch die zahlreich anwesenden Zuschauer sangen sie ihren monotonen Pilgergesang:
Allah, hesti dschihandar, [Allah, du bist weltbesitzend,]
Allah, hestem asman pejwend, [Allah, ich bin den Himmel erreichend,]
Hossen, hesti chun alud, [Hussejn, du bist blutbespritzt,]
Hossen, hestem eschk riz! [Hussejn, ich bin Trnen vergieend.]
"

[url]gutenberg.spiegel.de/may/siloewe2/siloew21.htm[/url] - Karl May: "In den Trmmern von Babylon"
[url]gutenberg.spiegel.de/may/bagdad/bagdad4.htm[/url]- Karl May: "Von Bagdad nach Stambul - in Bagdad"
[url]gutenberg.spiegel.de/may/bagdad/bagdad5.htm[/url] - Karl May: "Von Bagdad nach Stambul - die Todeskarawane"
www.jaduland.de/wdi1/diashow/Seiten/I230_jpg.htm - Groe Pilgerkarawanen ziehen mit halbverwesten Leichen nach den heiligen Sttten von Kerbela und Nedschef
[url]mitglied.lycos.de/somuru/kaynakca/gestaendnisse/kerbela.html[/url] - Stdte Kerbela und Nedschef, aus: "Gestndnisse von Hempher, einem britischen Spion und Britische Feindschaft gegen den Islam"


23.04.2003
BurkS

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