www.burks.de Foren-bersicht www.burks.de
Burkhard Schr�ders [Burks] Forum - f�r Kosmopoliten und Kaltduscher
burks.de: Forum für Kosmopoliten und Kaltduscher
burksblog.de: ab 01.01.2008 geht es hier weiter!
privacyfoundation.de: German Privacy Foundation
 FAQ  •  Suchen  •  Mitgliederliste  •  Benutzergruppen   •  Registrieren  •  Profil  •  Einloggen, um private Nachrichten zu lesen  •  Login
 [Mythos RAF 5] Das Scheitern des bewaffneten Kampfes Nchstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Neues Thema erffnenNeue Antwort erstellen
Autor Nachricht
burks
Webmaster
Webmaster


Anmeldungsdatum: 07.10.2002
Beitrge: 6758
Wohnort: Berlin-Neukoelln

BeitragVerfasst am: 24.10.2003, 17:46 Antworten mit ZitatNach oben

Der Text ist Teil der Diplomarbeit "Die Rote Armee Fraktion und die Reaktion des Staates", Institut fr politische Wissenschaft; Universitt Hamburg 2002. Abdruck mit freundlicher Erlaubnis von Jana Kunath. Die Diplomarbeit gibt es auch bei www.diplom.de.

Das Scheitern des bewaffneten Kampfes
Motive fr die Grndung der Rote Armee Fraktion
Das Guerilla-Konzept der RAF und ihr Scheitern
"Primat der Praxis"
Befreiungsarmee oder Terroristen?
Faschismusvorwurf der RAF

Motive fr die Grndung der Rote Armee Fraktion (RAF)

Der deutsche Linksterrorismus entwickelte sich personell aus der Studentenbewegung heraus. Die RAF hat in ihren Schriften immer wieder Bezug auf diese genommen und auch einige Thesen der Studentenbewegung bernommen. U. Matz ist der Meinung (siehe oben) dass Terrorismus und die Studentenbewegung nicht zu unterscheiden seien.

Das RAF-Mitglied Irmgard Mller sagte zu den Motiven fr die Grndung der RAF Folgendes: "Das (die Grndung der RAF, Anm. der Verf.) hing mit den politischen Rahmenbedingungen zusammen. Die Sozialdemokratie war an die Regierung gekommen. Es gab damals die groe Amnestie fr Studentinnen und Studenten wegen der Demonstrationsstraftaten. Das hatte einen starken Sog Richtung Integration zur Folge. Viele hatten auch enorme Hoffnungen, innerhalb dieses neuen sozialdemokratischen Staates etwas verndern zu knnen. Einige, vor allem Leute aus der Lehr- und Wissenschaft, haben sich auf den langen Marsch durch die Institutionen begeben. Es gab aber auch viele, die das nicht wollten, die aber trotzdem gesagt haben: mal schauen, was jetzt passiert, erst mal abwarten, ob sich nicht noch was verbessert. Der Wahlsieg der SPD hat also einen tiefen Einschnitt in der auerparlamentarischen Opposition zur Folge gehabt."

1971 schrieb Ulrike Meinhof zur Studentenbewegung: "Die RAF hielt es, zumindest tief ermutigt von den Aktionen der Studentenbewegung und der APO, fr ntig, die Idee des bewaffneten Kampfes zu propagieren ... Es ging darum, den ganzen Erkenntnisstand der Bewegung von 1967/68 historisch zu retten; den Kampf nicht mehr abreien zu lassen." In dieser Beziehung wollte die RAF einen Zusammenhang mit der Studentenbewegung herstellen, jedoch auch weiter gehen, indem sie den bewaffneten Kampfes proklamierte. Sie fhlte sich daher als Nachfolger der Studentenbewegung.

Das sptere RAF-Mitglied Stefan Wisniewski uerte sich 1997 in einem Interview hnlich: "Wir waren vom Zerfall der 68er Revolte geprgt, wir wollten ihre sozialrevolutionren und antiimperialistischen Anstze weitertragen, und der Horizont von neuen sozialen Bewegungen war fr uns noch lange nicht greifbar." Und weiter: "Ohne Vietnam, ohne die Entwicklung in der dritten Welt, wre die RAF nicht geworden, was sie dann geworden ist. Unsere Hoffnungstrger waren die Tupamaros und die Black Panther."

Thomas Meyer resmiert, dass die RAF keinen Sinn mehr sah, mit Diskussionen und Demonstrationen etwas ndern zu knnen. Da es sich jedoch nicht nur um Einzelstimmungen, sondern um eine "Gruppenartikulation" handele, schliet Meyer daraus, dass der Terrorismus nicht oder kaum ohne die Studentenbewegung stattgefunden htte.

Die Entstehung des Linksterrorismus ist einerseits im Kontext der Protestbewegung zu sehen. Andererseits lsst sich dieses nicht in ein Ursache-Wirkung-Schema pressen. So stellt auch Wunschik dar, dass, bis heute noch kein gesichertes theoretisches Konzept fr diese Annahme vorliege. Auerdem spreche dagegen, dass in anderen Lndern selten Protestbewegungen in terroristische Gewalt umgeschlagen htten.

2. Das Guerilla-Konzept der RAF und ihr Scheitern

Das Konzept der Stadtguerilla entwickelte die RAF nicht aus der Ideologie des Anarchismus heraus, sondern aus dem Marxismus-Leninismus, der durch die maoistische Lehre erweitert wurde. Diese Anlehnung, die schon die Studentenbewegung an diese Befreiungsbewegungen hatte, ist auch vor dem Hintergrund des Vietnam- Krieges zu sehen.

Die RAF vertrat die These, dass die gesellschaftliche Realitt eine radikale Vernderung verlange. Die Ursachen lgen im Kapitalismus und Imperialismus, politische Reformen wrden das System nur vorbergehend stabilisieren. Da jedoch der notwendigen Revolution noch die Massenbasis fehle, msse diese durch die Guerilla herbeigefhrt werden.

Ulrike Meinhof schrieb im "Konzept Stadtguerilla", dass von der RAF 1971 verfasst wurde: "Wir behaupten, da die Organisierung von bewaffneten Widerstandsgruppen zu diesem Zeitpunkt in der Bundesrepublik und West-Berlin richtig ist, mglich ist, gerechtfertigt ist. Da es richtig, mglich und gerechtfertigt ist, hier und jetzt Stadtguerilla zu machen." Fr ihre Annahme, dass eine Stadtguerilla mglich gewesen sei, nennt sie keine Argumente oder Begrndungen.

Fr den bewaffneten Kampf beanspruchte die RAF die Avantgardefhrung. Das Konzept der Stadtguerilla stammt aus Lateinamerika. Es stammt unter anderem von Carlos Marighella, der dazu ein Handbuch ber den Aufbau und die Wirkungsweise der Guerilla verffentlicht hat. Die Situation der lateinamerikanischen Lnder, ihre sozialen und politischen Verhltnisse wurden kritiklos auf die Verhltnisse in der Bundesrepublik bertragen. Der Versuch, diese Verhltnisse einfach auf die Bundesrepublik zu bertragen, kann der Realitt jedoch nicht standhalten.

Ho Chi Minh schreibt 1928: "Das revolutionre Partisanenwesen ist undenkbar, wenn eine friedliche und eine normale Situation besteht, und ist der Ausdruck fr den Beginn einer Periode des offenen Brgerkrieges zwischen zwei Teilen eines gegebenen Volkes."

Auch der Revolutionr Che Guevara uert sich hnlich: In einem Unterdrckungsregime, das mehr oder weniger auf demokratischem Wege an die Macht gekommen sei, bestehe keine Partisanenbewegung, weil in diesen Lndern noch die Mglichkeit eines Kampfes mit friedlichen Mitteln bestehe. Nur unter der Voraussetzung, dass die durch eine Verfassung garantierten demokratischen Rechte und Freiheiten nicht existierten, sei den Partisanen die aktive und passive Untersttzung eines groen Teils der Bevlkerung sicher bzw. knnen sie mobilisiert werden. Denn: Die Partisanen mssten sich der rtlichen Untersttzung der Bevlkerung sicher sein. Dies sei "eine unbedingte Voraussetzung." Wenn sie fehle, htten sie uerlich mglicherweise alle "Attribute" einer Partisaneneinheit, jedoch knnten die Staatsorgane ihre Mitglieder aufspren.

All diese Voraussetzungen fehlen jedoch in der Bundesrepublik.

Iring Fetcher fhrt folgende Grnde an:

  1. es gibt keine fremde Besatzung, (die Alliierten seien auf Wunsch der bundesrepublikanischen Brger im Land), es gibt keine tiefgehenden Konflikte zwischen den Alliierten und der Bevlkerung,
  2. die lndlichen Gebiete sind keine Zentren massenhafter Unzufriedenheit,
  3. nationale Fragen wrden nicht so sehr erregen, dass dadurch eine Bereitschaft zum bewaffneten Kampf bestehen wrde.

Auch Fidel Castro erklrte, dass die wesentliche Voraussetzung der Guerilla darin bestehe, die Wirklichkeit interpretieren zu knnen. Daher muss man der RAF den Anspruch Revolutionre zu sein, bestreiten. Folglich muss ebenfalls festgestellt werden, dass die RAF ihrem Anspruch, revolutionr zu sein, nicht gerecht wurde.

Gleichzeitig beruft sich die RAF, wie bereits erwhnt, auf lateinamerikanische Stadtguerillas, wie z. B. auf die Tupamaros in Uruguay, und betont, sie habe von diesen die Mglichkeit der Guerilla in hochindustriellen Lndern und Grostdten gelernt. Der RAF sei bewusst gewesen, dass sie die lndlichen Guerillas, wie sie z. B. in China, Vietnam oder auf Kuba stattfanden, nicht ohne weiteres bernehmen knne. Zudem sei Uruguay zu Beginn der Guerilla keineswegs eine Militrdiktatur gewesen.

Daher msste erst die herrschende Klasse dazu bergehen, ihre eigene Legitimitt zu zerstren, "damit die Organisation" der Tupamaros "Formen der direkten Aktion anwenden konnte, ohne sich zu isolieren." Zwar sei die Situation der Bundesrepublik in der Studentenbewegung wiederholt kritisch gewesen, aber die Legitimitt des Staates sei nicht zerstrt worden.

Die Strategie der RAF zielte darauf ab, den Staat zu Manahmen zu zwingen, um damit die gesellschaftlichen Widersprche zu verschrfen und die latent vorhandenen revolutionren Strukturen der Massen zu aktualisieren. Das heit: Mit dieser Strategie wurde der Versuch unternommen, eine latent-revolutionre Situation in eine fest-revolutionre Situation umzuwandeln. Hierbei unterstellt die RAF der Bevlkerung eine tendenziell revolutionre Grundstimmung, die zu einer Revolution fhren knnte. Ob jedoch die Bundesrepublik latent revolutionr sei oder nicht, knne nur durch die Praxis ermittelt werden.

"Primat der Praxis"

Die RAF wollte die Theorie nicht berprfen, ob der bewaffnete Kampf durch eine Gesellschaftsvernderung mglich ist, sondern durch "praktische Erprobung" diese Chancen ausloten. Die unverzgliche Gewaltanwendung begrndete die RAF mit den politischen Verhltnissen in der Bundesrepublik. Die bestehende Situation weiterhin hinzunehmen, htte fr sie eine Fortsetzung der bestehenden Ausbeutung und Unterdrckung bedeutet.

Dieses "Primat der Praxis" verdeckte lngere Zeit die unterschiedlichen theoretischen und politischen Vorstellungen innerhalb der RAF. Horst Mahler zum Beispiel setzte auf die "Befreiungsbewegung der dritten Welt", whrend Ulrike Meinhof der Meinung war, die politische Situation in der Bundesrepublik als "potentiell revolutionr" interpretieren zu knnen. Die Konsequenz aus den unterschiedlichen Vorstellungen zielte jedoch darauf ab, dass der bewaffnete Kampf notwendig war.

Ulrike Meinhof kritisierte die Linke, die zwar protestiere, aber die Konsequenz des bewaffneten Kampfes nicht tragen wolle. Das zentrale Element in der Ideologie des Terrorismus sei das "Primat der Praxis". Zitat Ulrike Meinhof: "Was wir machen und gleichzeitig zeigen wollen, das ist: da bewaffnete Auseinandersetzungen durchfhrbar sind, da es mglich ist, Aktionen zu machen, wo wir siegen, und nicht, wo die andere Seite siegt. Und wo natrlich wichtig ist, da sie uns nicht kriegen, das gehrt sozusagen zum Erfolg der Geschichte." Damit erbrige sich, ihrer Auffassung nach, das Nachdenken ber die Praxis des Terrorismus.

Im "Konzept der Stadtguerilla" wird betont, dass die RAF "mit diesen Schwtzern, fr die sich der antiimperialistische Kampf beim Kaffee- Krnzchen abspielt, nicht zu tun" habe, gerade weil sie ihre "Vorgeschichte als Geschichte der Studentenbewegung" nicht leugne.

Durch die Verhaftung mehrerer wichtiger Leute aus der RAF (1972) erlangte diese Theorie einen hheren Stellenwert als die Praxis. Sie (die Theorie) fhrte jedoch nicht zu einer "kritischen Handlungsreflexion", sondern sie diente "zur nachtrglichen Legitimation terroristischer Praxis" und damit war das "Primat der Praxis" gescheitert.

Das Scheitern der Theorie des bewaffneten Kampfes hat mehrere Ursachen:

  1. Der theoretische Anspruch und dessen Differenz zum realen Leben der Gruppe in der Illegalitt war eine Kluft ,
  2. Die Illusion einer revolutionren Situation in der Bundesrepublik besa keinen Bezug mehr zur wirklichen Situation,
  3. Der Wunsch nach kollektiven Entscheidungen innerhalb der RAF war nicht zu realisieren.

Iring Fetcher benennt sechs Trugschlsse der RAF:

  1. Die Terroristen seien der Ansicht gewesen, ihre Taten seien legitim, um eine gerechte und freiheitliche Gesellschaftsordnung herbeizufhren.
  2. Die Terroristen nhmen an, man knne der Bevlkerung die Angst vor staatlicher Repression nehmen, die sie bisher angeblich von einer revolutionren Umgestaltung abgehalten htte. Fetcher meint, das Gegenteil sei der Fall, denn der Staat habe die Aufgabe, seine Brger vor individueller und kollektiver Gewalt zu schtzen. Auch der Umstand, dass Terrorakte bisher nur Politik- und Wirtschaftsfhrer getroffen htten, wrde die Angst der Bevlkerung nicht mindern. Der Ruf nach Verstrkung der Schutzmacht komme immer dann, wenn neue Terrorakte begangen wurden. Diese Verstrkung der Schutzmacht sei: "die notwendig immer zugleich eine potentielle Unterdrckungsmacht sein mu."
  3. Die Medien wrden diesen Ruf nur artikulieren. Dieses Bedrfnis msse man nicht erst manipulatorisch herbeirufen, denn das Bedrfnis der Bevlkerung nach persnlicher Sicherheit sei sowieso gegeben. Das Ziel des Terrorismus sei die Zerschlagung des "Systems", was sowohl den Kapitalismus als auch die rechtsstaatliche Gesellschaftsordnung meine. Diese Ordnung sei aber, bis auf Ausnahmen, in der Bevlkerung akzeptiert und werde von kaum jemandem in Frage gestellt.
  4. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung werde von der Mehrheit der Bevlkerung akzeptiert, da sie ein "relativ hohes Ma an Befriedigung mit Konsumgtern verschafft" und dem Volk Freirume gebe, die in keinem anderen System gewhrleistet wrden. Kritik an dieser Ordnung komme nur von Intellektuellen aus dem Brgertum, da sie von einem "kritischen Mastab von Freiheit und Gleichheit" ausgingen. Diese Kritik werde jedoch keineswegs von der Bevlkerungsmehrheit geteilt. Der Leistungs- und Konsumwettbewerb sei nur fr eine Minderheit entfremdend.
  5. Die Anschlge und Attentate auf das kapitalistische Wirtschaftssystem erinnere ihn an nationalsozialistische Antikapitalisten, die ihre Angriffe gegen das "Finanzkapital" fhrten. konomische Strukturen knne man jedoch nicht durch die Ttung der Reprsentanten verndern. Man knne die nderung der Gesellschaft nur mit politischen Mitteln erreichen, indem ihre Strukturen "selbst aufgehoben" werden. Der Trugschluss sei daher, zu denken, sie knnten das "System" ndern, indem sie seine Reprsentanten umbringen. Die Terroristen tten "konkrete" Menschen, die Marx befreien wollte. Daher trieben die Terroristen mit der Marxschen Theorie Missbrauch. Dies sei daher theoretisch falsch.

Befreiungsarmee oder Terroristen?

Als Unterschiede zwischen Terrorismus und Guerilla sind folgende zu nennen: Den Guerilla-Strategien ist gemeinsam, dass sie durch Gewalt unmittelbar versuchen, ihre politisch-militrischen Ziele zu erreichen. Im Gegensatz dazu fehlt dem Terrorismus wegen mangelnder personeller und logistischer Strke die Untersttzung des Volkes, so dass er nicht in der Lage ist, einen Krieg zu fhren. Terroristische Gruppen befinden sich daher im Sinne des Vlkerrechts unterhalb eines Status, "wie ihn nach dem allgemeinen Vlkerrecht Aufstndische innehaben knnen".

T. Wittke ist der Ansicht, dass der bergang der RAF von Extremisten zu Terroristen durch die Hinwendung zum "Primat der Praxis" geschah. Man kann daher - in Anlehnung an Wittke - feststellen, dass der bergang von einer Guerilla-Armee zum Terrorismus durch die falsche Interpretation der Guerilla-Theorie auf bundesdeutsche Verhltnisse bedingt war.

Die vllig falsche und somit fatale Einschtzung, die Bundesrepublik sei ein Unterdrckungssystem, unter dem die Bevlkerung leide, und die daraus resultierende falsche Einschtzung, dass es sich um eine revolutionre Situation handle, die auch der Bevlkerung bewusst sei, machte die RAF insofern zu Terroristen, als sie vorgab, "lediglich" Reprsentanten dieser Republik zu tten, letztendlich jedoch die Bevlkerung in Angst versetzte. Zudem wollte sie in ihrer Geschichte nie realisieren, dass diese Bevlkerung gar nicht befreit werden wollte. Somit erbrigt sich die Formel der RAF "Dem Volke dienen." Mit dieser fehlenden Untersttzung begann der bergang der RAF zum Terrorismus.

Der ehemalige RAF-Terrorist Klaus Jnschke sagte 1986 in einem Interviewe dazu folgendes: "Tatschlich hat uns zu Terroristen gemacht, da wir fr die Freiheit und das Glck aller Menschen Menschen gettet und verletzt haben [...]. Wer gerade in der Nhe war, den hat es erwischt. Damit hatten wir Angst und Schrecken auch in die eigenen Reihen getragen."

Seit der Hochphase des Terrorismus 1977 sagte selbst die Linke, dass die RAF keine politische, sondern nur noch eine kriminelle Ausrichtung habe. "Die Genossen sind zu Killern geworden" - betonte selbst die extreme Linke.

Faschismusvorwurf der RAF

Die RAF begrndete ihren Terrorismus vor allem dadurch, dass sie Anzeichen dafr sah, die Bundesrepublik sei auf dem Weg, ein faschistisches Land zu werden. Zwar legitimierte sie ihren Kampf damit, den Imperialismus bekmpfen zu wollen, doch ist es wichtig, voranzustellen, dass sie den Imperialismus als eine Vorstufe zum Faschismus interpretierte. Deswegen soll zunchst auf ihren Faschismusvorwurf eingegangen werden, bevor ihre daraus resultierende Legitimitt dargestellt wird.

Dem politischen System der Bundesrepublik sprach die RAF seine demokratische Legitimitt ab, weil es alte und neu entstandene faschistische Strukturen aufweise. Grundstzlich wrde es sich bei jeder Gesellschaftsform, in der das Kapital ber die Produktionsmittel herrsche, um einen prfaschistischen Staat handeln. Die Vorstellung der RAF lautete diesbezglich, dass ein solcher Staat durch Krisen zwangslufig auf eine faschistische Struktur zusteuere. Empirisch liee sich dieses dadurch nachweisen, dass nach dem Ende des Nationalsozialismus, eine "Suberung" von Funktionstrgern des NS-Regimes, nicht stattgefunden habe. Zudem sei eine allgegenwrtig zu sprende "politische Repression" in der Bundesrepublik vorhanden, die sie am eigenen Leib durch polizeiliche Verfolgung erfahren habe. Im Laufe der folgenden Jahre nahm die RAF immer wieder Bezug auf ihren Faschismusvorwurf, der bald eine "Eigendynamik" aufwies.

Als Beispiel sei das Bekennerschreiben der RAF nach dem Anschlag auf den Staatssekretr im Innenministerium Hans Neusel im Jahr 1990 genannt, in dem die RAF schrieb: "Neusel verkrpert - wenn auch nur indirekt - die personelle Kontinuitt des deutschen Faschismus vom 3. Reich zum Grodeutschland, das auf das 4. Reich zusteuert. [...] Gegenber der internationalen Entwicklung, aber gerade auch gegenber dem faschistischen Durchmarsch und Aufschwingen der BRD zur neuen grodeutschen Weltmacht... [...] Der dritte berfall, den das deutsche Kapital in diesem Jahrhundert auf die Vlker Europas fhrt, wird nicht mit militrischen Mitteln, sondern mit den Mittel der Wirtschaft und Politik gefhrt."

O. Tolmeins Interpretation dieses Sachverhalts: "Nun lt sich personelle Identitt nicht indirekt verkrpern - es wre dann eine politische Kontinuitt, die zu behaupten aber die RAF zu vorsichtig ist. Deswegen schreibt die Gruppe nicht einfach vom 4. Reich, sondern vom 4. Reich, auf das zugesteuert wird."

Ferner gab die Tatsache, dass ihre Elterngeneration die Geschichte des Nationalsozialismus nur unzureichend aufgearbeitet hat, der RAF fr ihren Terrorismus Anlass. Ihr Wille, die Fehler ihrer Elterngeneration (mangelnder Widerstand whrend der NS-Zeit) nicht zu wiederholen, gipfelte im Faschismusvorwurf gegenber der Bundesrepublik , der sich durch eine genauere empirische Untersuchung als falsch erwiesen htte. Jedoch legte auch die RAF an der konkreten Aufarbeitung der Geschichte ein "bemerkenswertes Desinteresse" an den Tag.

Fortsetzung folgt.
24.10.2003
BurkS

Benutzer-Profile anzeigenPrivate Nachricht sendenE-Mail sendenWebsite dieses Benutzers besuchen
Beitrge der letzten Zeit anzeigen:      
Neues Thema erffnenNeue Antwort erstellen


 Gehe zu:   



Nchstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beitrge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beitrge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beitrge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beitrge in diesem Forum nicht lschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group :: FI Theme :: Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde