Richtlinie

„According to Marx, his theory is a guideline for action, but not a doctrine.“ (Mao Zedong)

Alles für alle [Update]

Die Linke: „Wir unterstützen die Forderungen nach einem sofortigen Stopp der Abschiebungen und nach einem Bleiberecht für alle.“

Schwer zu vermitteln. Auch für Ali B.? Die Linke hat nicht nur den Kontakt zu bestimmten Milieus verloren, sondern auch mit der Realität, und ist auch nicht in der Lage, ihre Inhalte massentauglich zu verkaufen. Dann geht doch sterben.

Übrigen: Natürlich muss man Straftäter und Mörder, die versucht hatten, nach Deutschland einzuwandern, nicht unbedingt abschieben. Das zu fordern wäre doch blödester Populismus. Man kann sie einfach verurteilen, genauso wie Kriegsverbrecher.

[Update] Dazu auch André Brie in der taz: „Kein Gefühl mehr für normale Leute“.

Theotisci oder: Deutsche Werte gibt es nicht

Ein erholsam rationales Interview mit dem Historiker Johannes Fried auf Zeit online – Binsenwahrheiten, aber dennoch sehr lesenswert:

Johannes Fried: Nein. Es gibt menschliche oder kulturelle Werte, die Werte des Christentums und natürlich die westlichen Werte der Aufklärung. „Deutsche Werte“ gibt es nicht. (…) Die Deutschen sind kein gottgegebenes Volk, sondern ein politischer Verband, der aus vielen fremden Elementen und immer wieder auch aus Einwanderungsprozessen erwachsen ist. (…) Die Anfänge der Deutschen liegen zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert. In dieser Zeit gingen sie aus dem multikulturellen Vielvölkergemisch hervor, das damals zwischen Rhein, Donau und Oder siedelte – wobei der Grad der Zivilisation von Westen nach Osten abnahm. (…) Nationale Einheiten sind immer politische Gebilde.

Jeder Nationalist ist also ein Phantast und Idiot und hat keine Ahnung von Geschichte. Das gilt für Deutsche wie auch für Polen.

Wannsee-Konferenz, ein Muster und keine Sanktionen

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Nicht ohne meine Badehose, Kamerad Gauland, wollte ich rufen, als ich ins Boot stieg, aber der war nicht da, vielleicht zu seinem Glück, denn ich hatte mein Paddel in der Hand, um es notfalls auf Hohlköpfe zu schlagen, allein, weil mir das Geräusch so gut gefällt.

Es begab sich aber zu der Zeit, als die Sonne am heissesten war, dass ein Gebot von der Vorsehung ausging, die Freizeit nützlich zu begehen. Da machte sich auch auf Burks aus Rixdorf, aus der Stadt Neukölln, in das Berliner Land zur Stadt Spandaus, die da heißt Tiefwerder, darum dass er von dem Körper und Geschlechte eines männlichen Paddlers war. Und er beschloss zu probieren, ob seine Kräfte ausreichen würden, mit dem Kajak tief nach Süden vorzustoßen, die Havel talwärts, den Grundwaldturm (1. Foto), Lindwerder und gar Schwanenwerder (2. Foto, links, und 3. Foto, Südseite) die die Villen de dort hausenden herrschenden Klasse und deren Groupies und Helfershelfer passierend, um –
die Ortsgrenze nach Zehlendorf auf dem Wasserwege überschreitend – das Strandbad Wannsee (5. Foto) zu erreichen, wo ihm, da das gelungen war, alsbald ein schrecklicher Lärm entgegenschallte, vor allem Mädchengekreisch, was ihn veranlasste, quer über den Wannsee ans gegenüberliegende Ufer zu paddeln und das Haus der Wannsee-Konferenz (6. Foto) von der Seeseite aus zu betrachten, eingedenk der Tatsache, dass man, wenn man eine Badehose trägt und gleichzeitig an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert wird, unwillkürlich an einen kackbrauen Vertreter der Neunazis denkt, der ausser Fliegenschiss nicht viel in der Birne zu haben scheint, historische Kenntnisse jedoch garantiert nicht.

Laut Karte bin ich in rund fünf Stunden zehn oder sogar mehr Kilometer gepasselt und war bei Ankunft im Bootshaus am Hauptgraben total platt.

Ich könnte jetzt über den Fall der ermordeten Susanna schreiben, der gerade das Volk erregt. Boris Palmer hat auf Facebook dazu geschrieben:
Was in Mainz passiert ist, ist kein Einzelfall. Bestialische Sexualmörder dieser Art sind zwar extreme Ausnahmefälle. Keine zehn Asylbewerber von weit mehr als einer Million sind so weit gegangen. Jeder einzelne Fall ist unfassbar grausam und wühlt die Republik auf. Kandel und Freiburg sind Chiffren dafür geworden. Aber die von der Polizei veröffentliche Geschichte des Tatverdächtigen Ali B. zeigt trotzdem ein Muster auf, das leider für zig tausend Fälle zutrifft, auch wenn zum Glück die Straftaten, die daraus folgen, fast nie so grausam sind und mit dem Tod eines Mädchens enden.
Das Muster ist einfach beschrieben. Wie im Fall von Ali. B. folgt auf die Ablehnung eines Asylantrags meistens nicht die sofortige Ausreise, sondern ein langwieriges Verfahren. Das Ziel ist, den Aufenthalt so in die Länge zu ziehen, dass eine Abschiebung nicht mehr möglich ist, obwohl kein Asylanspruch besteht. Ali B. war schon fast zwei Jahre seit der Ablehnung seines Asylantrags im Land. Schlimm genug. Hinzu kommt aber, dass massive Störungen des Zusammenlebens in den Unterkünften und selbst wiederkehrende Straftaten keinen Einfluss auf das Verfahren haben und nicht zur Abschiebung führen. Dazu müsste erst eine rechtskräftige Verurteilung zu einem Jahr Freiheitsstrafe erfolgen. Das ist selten und dauert.
Ich kenne in Tübingen eine ganze Reihe solcher Fälle, wo die reine Ohnmacht des Staates ausgenutzt wird. Einer davon ist der mittlerweile Verurteilte gambische Asylbewerber, der sich an fünf Frauen vergangen hat. Bevor er gefasst wurde, randalierte er in seiner Unterkunft und drohte, einen Mitbewohner umzubringen, falls die Stadt es wagen sollte, ihm eine zweite Person in die Wohnung einzuweisen. Verfügbare Sanktionen: Null.
Die jungen Männer, um die es hier geht, wissen das alle längst. Sie kommen aus Ländern, in denen Autorität anders ausgeübt wird als nur mit dem Wort. Und unser Staat tritt ihnen hilflos und ohnmächtig entgegen. Das ist eine fatale und fahrlässige Aufforderung, ihn weiter heraus zu fordern und zu testen, was noch geht.

Ja, das sehe ich auch so. Das gilt ja auch für Falschparker und Raser. Wenn keine Sanktionen zu befürchten sind, lädt das zu Straftaten ein. Wenn mich Motorboote überfahren würden, ohne dass das geahndet würde, machten das einige bestimmt – nur aus Spaß und weil es eben geht. Oder sehe ich das falsch?

In Memoriam

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Fotos: 2008

Ich habe gestern erfahren, dass meine Ex-Ehefrau Claudia im Alter von 46 Jahren gestorben ist. Wir hatten uns 2010 scheiden lassen, in gegenseitigem Einvernehmen, wie das unter erwachsenen Menschen sein sollte. Claudia war seit mehreren Jahren schwer an Krebs erkrankt und lebte zuletzt im Rheinland in der Nähe ihrer Eltern. Sie hinterlässt eine kleine Tochter.

Auch unser gemeinsamer Hund Ajax vom Teufelslauch, unter meinen Freunden bekannt als „Tölchen“, ist tot. Sein letzter Besitzer hat ihm einen eigenen Nachruf geschrieben.

Zu Mantua nicht in Banden

Don Alphonso hat einen sehr schönen Artikel über Mantua, Prostitution und italienische Politik geschrieben. Unterhaltsam und lehrreich, aber deutsche Politiker werden ihn nicht verstehen (wollen). Too sophisticated.

Glaube und Nichtglaube

religion in deutschland

Die islamische Gefahr ist bekanntlich wahnsinnig groß… Ich hätte mir noch Rubriken wie „Verehrer niederer Wesen“ aka Esoteriker, Horoskopiker und Veganismus-Asketismus gewünscht.

Launching Area

Opherdicke Mühlenstrasse

Wenn ich in meiner Jugend vom Haarstrang in Opherdicke nach Süden blickte, sah es fast genauso aus, nur mit einem Unterschied: Wenn man Glück (oder Pech) hatte, richteten sich plötzlich Raketen auf, die (vermutlich) in Silos geruht hatte. Zu Übungszwecken wurde die manchmal hoch- und wieder runtergefahren. Ich habe das mit meinen eigenen Augen gesehen.

Opherdicke (Ortsteil von Holzwickede bei Unna) war ein Standort von Atomraketen.
Die Nike-Feuerstellung (Launching Area) Opherdicke (51°28’51“N, 07°38’54“O) der 3. Batterie des FlaRakBtl 21 lag ca. 6 km südwestlich der Stadt Unna in Nordrhein-Westfalen. (…) In der Stellung Opherdicke waren bis 1987 atomare Flugabwehrraketen vom Typ Nike stationiert. An Atomsprengköpfen waren zwei Versionen verfügbar. Die kleinere mit der Bezeichnung B-XS hatte eine Sprengkraft von 2 Kilotonnen. Die größere B-XL besaß ursprünglich 40 KT Sprengkraft. Letztere wurden in den 1970er Jahren gegen Sprengköpfe zu 20 KT ausgetauscht. Maximal waren je Stellung zehn Nuklear-Sprengköpfe vorhanden, acht mit der Stärke XS mit 2 Kilotonnen und zwei XL mit 40/20 Kilotonnen Sprengkraft.

Virtue Signalling

„Viele neigen dazu, sich in der Öffentlichkeit durch Bekundungen bereits sozial akzeptierter Einstellungen und Tugenden in ihrer moralischen Exzellenz zu suhlen. James Bartholomew bezeichnet dieses Phänomen als „Virtue Signalling“ (übersetzt etwa: ‚verbale Gutmenschenbekundung‘). Menschen präsentieren sich demnach im besten moralischen Licht, indem sie politisch korrekt, oft aber emotional und unsachlich, durch die demonstrative Verurteilung oder Unterstützung einer Position oder Person Stellung beziehen. Das Statement dient dazu, sich vor Freunden oder in der Politik auf der „richtigen Seite“ zu positionieren.

Weil diese Bekundungen dem Mainstream entsprechen, sind sie für die Person nicht risikobehaftet und höchst bequem. Beispielsweise kann man sich einen FCK-AFD-Aufkleber auf sein Auto kleben und möchte damit verdeutlichen, ein guter und liberaler Mensch zu sein. Gegen Rassismus hat man dadurch aber sonst nichts geleistet.

Als Virtue Signalling darf wohl auch die Teilnahme an der Ice Bucket Challenge oder die Mitwirkung an der Bewegung #ichbinhier gelten.

An alle, die auf den Zug der moralischen Eigenwerbung aufspringen: Macht euch doch erst einmal eigene Gedanken! Wollt ihr nicht auch an wahre Dinge glauben? Allein dass der Konsens über das gesellschaftlich akzeptierte Sag- und Denkbare einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, sollte stutzig machen.

Es ist klar, dass das Querdenken, die eigene Meinung, eher Gefahr läuft, von anderen nicht akzeptiert zu werden und somit negative Gefühle hervorrufen kann. Haltet es aus!

Wenn ihr nicht mutig genug seid, selbst öffentlich zu eurer Meinung zu stehen, weil sie gesellschaftlich gerade nicht im Trend liegt, so beachtet zumindest dies: Im Kollektiv propagierter Unsinn kann eine Gruppendynamik entfachen, die nicht nur Religionen hervorgebracht, sondern historisch auch schon zum sozialen Ausschluss oder Tod von Menschen geführt hat, deren Meinung und Überzeugungen vom Mainstream abwich. Unter dem Vorwand der vermeintlich wahren moralischen Gesinnung wurden schon die unmoralischsten Gräueltaten verübt.

Vordergründig sollte es in Diskussionen wieder mehr um die gemeinsame Wahrheitssuche und den Inhalt anstatt um die moralische Selbstdarstellung und somit auch den moralischen Ausschluss Andersdenkender gehen.“

(via Gott und die Welt, Facebook)

Ramschware et al

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Natürlich verfolge ich die Weltläufte und denke mir was dabei. Aber man muss die interessieren Leserinnen und neugierigen Leser nicht mit allem behelligen, was im Kopfe herumschwirrt. Manches muss sich erst setzen, bevor es an die Welt gelassen werden kann.

Zur so genannten „Patriotischen Linken“: Natürlich sehe ich auch, dass die Linke(n) bestimmte Milieus nicht mehr erreicht. Das kann man deutlicher sagen: Eine Linke, die nicht primär die Lobby der Arbeiterklasse und der kleinen Leute ist, kann einpacken. In Frankreich und Italien sind die (Kommunistischen) Parteien, die das einmal taten oder zumindest den Anspruch hatte, bedeutungslos. Was sagt uns das? Weitermachen wie bisher? Die Wähler hat das Gute, Schöne und Wahre, für das wir stehen, leider noch nicht begriffen? Geht doch sterben!

Ws gibt es sonst? Zu dem ukrainischen Untoten schrieb Christian Y. Schmidt (auf Facebook): Jetzt warte ich auf den ersten, der behauptet, dass Babtschenko und der ukrainische Geheimdienstchef Marionetten Putins seien, die die ganze Geschichte nur inszeniert haben, um dem Kreml zu nützen.

And now for something completly different. Für Antiquarisches muss man nicht unbedingt online suchen und bestellen. Ich habe mir in der Buchhandlung Hornung in Unna, wo ich schon in den sechziger Jahren Bücher gekauft habe, Deutsche Buchmalerei vorgotischer Zeit und Veit Stoss in Nürnberg mitgenommen, für jeweils zwei Euro. Online und mit Versandkosten wäre es teurer gekommen.

Naumannianer

Naumannianer

Ich habe ein interessantes Dokument gefunden, es ist nicht datiert, muss aber aus der Zeit vor 1935 stammen. Es ist ein Wahlaufruf der so genannten Naumannianer, auch bekannt als Verband nationaldeutscher Juden – eine ultrareaktionäre jüdische Politsekte in der Zeit der Weimarer Republik.

Der VnJ manövrierte sich durch seine Haltungen und Hetztiraden letztlich selbst ins Abseits. Er spaltete sich einerseits immer stärker von der jüdischen Gemeinschaft ab, stieß andererseits aber nicht auf die angestrebte Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft. Den Nationalsozialisten waren die Anbiederungsversuche der Naumann-Juden ein besonderer Dorn im Auge, weshalb der VnJ früher als andere jüdische Organisationen am 18. November 1935 verboten wurde.

Warum denke ich jetzt an das Stockholm-Syndrom?

Interessanterweise lag der Aufruf – zusammen mit anderen Zeitungsausschnitten – in The Stroop Report: In German and English by Jurgen Stroop (2014-02-07), das Buch hatte ich mir antiquarisch bestellt. Ich glaube aber nicht, dass das Papier Teil des Buches ist.

Aktivisten, Rebellen, Terroristen

aktivisten

Lesen ist gut für die Augen

lesen

Ich lese gerade Tom Wolfes Die Helden der Nation. Wie immer bei Wolfes Romanen: großartig und spannend.

Opherdicke oder: Da liegen die Erbsälzer

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Über Opherdicke hatte ich hier schon vor zwei Jahren geschrieben. Ich bin zwar in Sichtweite des Dorfes auf dem Haarstrang aufgewachsen, aber war selten da. Es gehörte nicht zu meiner kleinen Welt.

Ich wundere mich aber jedes Mal, wie alt die Dörfer hier sind, zum Teil älter als die Städte. „Eine Besiedlung in Opherdicke ist seit 950 n. Chr. überliefert“. Vermutlich wohnten aber schon ein Jahrtausend vorher Menschen hier, denn Spuren der Römer sind überall gefunden worden. Wie mag es damals ausgesehen haben? Die Sicht von Opherdicke ins Ruhrtal und nach Norden ist bei gutem Wetter ganz grandios und strategisch nützlich. So etwas wird die Römern gefallen haben.

Ich habe mich immer geweigert, mich für die architektonischen Hinterlassenschaften der herrschenden Klassen zu interessieren. Daher habe ich das ehemalige Rittergut Opherdicke nie fotografiert.

Die Grabsteine des Adelsgeschlechts Lilien – Zweig Opherdicke – liegen auf dem winzigen Friedhof der katholischen Kirche. „Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zu den Erbsälzern von Werl.“ Das Wort Erbsälzer kannte ich noch nicht. Es ist typisch deutsch, denn die Sippe der Lilien war zwar feudaladlig, gehörte aber faktisch zum Stadtpatriziat Werls. „Das ‚Kollegium der Erbsälzer zu Werl und Neuwerk‘ existiert noch heute.“ Und der Kurpark gehört denen immer noch.

Ebenso typisch deutsch: Es hat hier nie eine erfolgreiche Revolution gegeben. Die Ausbeuter der Bauern und Arbeiter vererbten ihre Privilegien aus der Zeit Kaiser Karl des Großen bis heute.

Quellenstrasse, schon wieder revisited

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Ich schrob schrieb im letzten Oktober und auch schon vor vor drei Jahren: Wieso fotografiere ich eigentlich immer dasselbe Motiv – wie hier (Juli 2012) und hier (März 2012) und hier (November 2011) und hier (Juli 2011)? Die Stammleser wissen es schon, und die anderen können es selbst herausfinden. Und wenn sie es herausgefunden haben, sollten sie es mitteilen, weil ich es nicht weiß.

Auf dem 2. Foto von unten sieht man meinen Geburtsort Holzwickede von der Quellenstraße aus, ca. 100 Meter südlich des Lünschermannswegs. Die anderen Fotos sind nur Dekoration.

#fairwiese

wiese

Die hier mitlesenden Biologen und Verfasser von Pflanzenbestimmungsbüchern können mir bestimmt verraten, um welche Pflanzen am Feldrand es sich handelt. Klatschmohn kenne ich, und die anderen sind vermutlich nützlich, um das Feld vor Schädlingen zu schützen. Das ist fair oder auch nicht. (Das Foto habe ich von der Römerstrasse in Blickrichtung Hixterwald aufgenommen. Ja, römische Legionäre waren auch in Holzwickede.)

And now for something completely different. Der Begriff #fairland ist also gerade out. Vermutlich suchen sie nach einem neuen griffigen Wort. Ich habe eines vorgeschlagen, um die SPD mit einzubinden: #fairkapitalismus. Dann weiß man doch gleich, um was es geht.

Demut und der Druck, fit zu bleiben

Muskeln

Mit Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben? bin ich fast durch. Ich muss ständig schmunzeln oder losprusten wegen des abgrundtiefen und erholsamen Zynismus, von dem das Buch nur so trieft. Ehrenreich ist Wissenschaftsjournalistin, kann extrem komplexe Sachverhalte verständlich darstellen und glaubt grundsätzlich niemandem auch nur ein Wort, solange man das nicht auf drei verschiedene Arten beweisen kann. Sämtliche Gesundheits-und Wellness-Gurus kriegen ihr Fett ab, und viele Wissenschaftler, die auf irgendeinen Mainstream meinten aufspringen zu müssen, auch.

Falls man daraus eine Lehre ziehen kann, dann ist es wohl Demut. Trotz unserer vielgepriesenen Intelligenz und „Komplexität“ sind wir nicht die alleinigen Lenker unserer Geschicke oder überhaupt von irgendwas. Man kann verbissen seine Fitnessübungen machen und nach den neuesten Moden der Ernährungswissenschaft essen und trotzdem am Stich einer Biene sterben. Auch schlank und beispielhaft fit kann man einen Makrophagen in sich tragen, der beschließt, mit einem heranwachsenden Tumor gemeinsame Sache zu machen. (…) Der Druck, fit und schlank zu bleiben und den eigenen Körper im Griff zu haben, lässt im Alter keineswegs nach: Vielmehr werden die Daumenschrauben angezogen. Familienmitglieder und Ärzte bearbeiten Ältere, sich in einem Fitnessstudio anzumelden, „gesund zu essen“ oder allermindestens tägliche Spaziergänge zu unternehmen. Wer darauf gehofft hat, nach Jahrzehnten von Stress oder körperlicher Schwerstarbeit in einen Lehnstuhl oder eine Hängematte zu sinken, wird möglicherweise enttäuscht.

Lesenswert für Leute, die gern „Wellness“ machen (die Lektüre ersetzt mehrere kalte Duschen).

Unter Mailinglistenabbestellern

Mailingliste

Nein, und nochmals nein! Ich habe nie eine Mailingliste „Mailingliste“ bestellt!

Lokal, entschleunigte Bahn und ein Archiv

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Ich finde Lokalbahnen ganz großartig. In den sechziger Jahren fuhr von Unna nach Dortmund und dessen Vorstädte in knallroter Schienenbus, der noch richtig ruckelte. Jetzt ist sie grün und eine S-Bahn, fährt aber immer noch von einem abgelegenen Gleis ab.

Und welchen Bahnhöfen man begegnet! Unna-West, „mäßig besucht“, har har – kann man die täglichen Fahrgäste in einer oder zwei Händen abzählen?

Unna-Königsborn – der Zug wechselt die Fahrtrichtung und braucht dazu gefühlt eine halbe Stunde. Entschleunigung pur.

Dortmund-Massen: „Nachdem das Durchgangslager für Flüchtlinge und Spätaussiedler 1951 von Siegen nach Massen als Landesstelle Unna-Massen verlegt worden war (eine der größten Aufnahmestellen im Bundesgebiet), wurde Massen angesichts der hohen Zahlen an Flüchtlingen aus der Deutschen Demokratischen Republik erstmals Anfang der 1960er und erneut Ende der 1980er Jahre über die Landesgrenzen hinaus bekannt.“ Ich wusste das schon immer.

Dortmund-Asseln: Wieso denke ich immer an kleine hässliche Tiere? Ein ekelhafter Name für einen Ort.

Dortmund-Brackel (das „a“ spricht man lang aus): Im dortigen Knappschaftskrankenhaus wurde meine kleine Schwester geboren.

Dortmund-Stadthaus: Im Südbad habe ich schwimmen gelernt, das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her.

Heute war ich im Dortmunder Stadtarchiv, das in Sichtweite der S-Bahn-Station Stadthaus liegt, um etwas über meinen Großvater herauszufinden. Gleichzeitig musste ich mich auch daran erinnern, wie man Microfiches liest. Hat Spaß gemacht!

Ich sehe was, was du wahrscheinlich nicht siehst [Update]

Evangelische Stadtkirche unna

Das Foto zeigt unter anderem den Marktplatz von Unna. Das Stammpublikum kennt das. Auf dem Bild sind aber zwei Dinge merkwürdig. Mal sehen, ob ihr das herausfindet. (Für die mitlesenden investigativen Reporter: warum?)

[Update] Da ist was vom Turm gefallen, das untere Foto erklärt alles. Ganz unten sieht man auch, was fehlt, wie ein aufmerksamer Leser schon anmerkte – eine Fiale (ein Wort, das man nicht kennen muss, außer man ist Architekt). Die Kirchenuhr wurde gleich mit stillgelegt, deswegen zeigt sie die falsche Zeit an.

Evangelische Stadtkirche unnaEvangelische Stadtkirche unna

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