Warum schweigen die Lämmer?

Matthias Broeckers: „Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements“. – „Wie lassen sich “politisch nachteilige” Fragen kognitiv und moralisch unsichtbar machen?“

Dazu ein Vortrag (Video) des Psychologen Rainer Mausfeld zu eben demselben Thema: „Warum schweigen die Lämmer?“ Dröge, aber gehaltvoll.

Kolonialismus 2.0

Der schweizer tagesanzeiger fasst es sehr schön zusammen: „Warum Griechenland keine Chance hatte. Bei den Gesprächen Griechenlands mit der Eurozone prallten zwei Wirklichkeiten aufeinander: die ökonomische und die politische.“

Ex-Finanzminister Giannis Varoufakis schilderte die Griechenlandverhandlungen so: «Du bringst ein ökonomisches Argument, an dem du lang gearbeitet hast – und die Antwort ist ein blankes Starren. Es ist, als hättest du nichts gesagt. Du hättest auch die schwedische Nationalhymne singen können.» (…)

Der Fehler der unerfahrenen Griechen war, dass sie glaubten, bei den Verhandlungen gehe es um Griechenlands Wirtschaft. (…)

Die Griechen zahlten für ihre Vorschläge den vollen Preis: einen Kolonialvertrag. Bisherige Entscheide der Regierung werden kassiert, die Troika entscheidet über alle neuen Gesetze, die Renten werden geschleift, die Steuern erhöht, die Regierung steht gedemütigt da.

Darauf muss man erst mal kommen. Um das Finanzkapital und die Banken zu retten, müssen Renten gekürzt werden und die Rechte der Arbeiterklasse beschnitten werden (im Neusprech der „Volks“wirtschaftler: „Liberalisierung des Arbeitsmarktes“). Ceterum censeo: It’s not a bug, it’s a feature.

Sie haben uns in die Falle gelockt

Ein unglaublich interessantes Interview mit Yanis Varoufakis steht im Neuen Deutschland: „Sie haben uns in die Falle gelockt“. Ich habe zunächst versucht, interessante Zitate zusammenzuschreiben, aber es aufgegeben. man muss einfach alles lesen. Wenn man das, was Varoufakis sagt, vergleicht mit der gequirlten reaktioneren Sch…, die man in deutschen Medien sonst zum Thema so liest, wird einem ganz schlecht.

Das vollständige Fehlen demokratischer Skrupel unter den angeblichen Verteidigern der europäischen Demokratie.

Ich versuche es mal so: Alle interesiserte Leserinnen und geneigten Leser, die das Interview nicht lesen wollen, werden standrechtlich erschossen.

Das Original in Englisch steht in NewStatesman.

Meine These zum kommenden Militärputsch in Griechenland muss ich modifizieren: Das Kapital und seine politischen Helfershelfer müssen nur abwarten, bis die linke Regierung in Griechenland auseinanderfällt, weil das Volk das Ergebnis der Verhandlungen nicht mittragen wird. Dann kommt es zu einer Koalition der Technokraten, die sich auf die Gewehrläufe stützt.

Palästina 1695

Heplev: „Eine Reise und Volkszählung in Palästina 1695: Kein Zeichen von arabischen Namen oder von Palästinensern (…) Fakt ist, bis heute hat mit Ausnahme von Ramallah keine arabische Siedlung einen Namen, der aus dem Arabischen stammt. Bis heute sind die meisten Siedlungsnamen hebräischen oder griechischen Ursprungs, in sinnlose arabische Namen entstellt.“

Treuhand 2.0. oder: It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone

Neues Deutschland: „Gläubiger lassen Athen kaum eine Chance“. Foreign Policy hat dazu auch einen interessanten Beitrag: „It’s Time to Kick Germany Out of the Eurozone“.

Nicht zu vergessen:“IWF gesteht: Statt Griechenland wurden Banken gerettet“ (Heise)

Klaus Ernst (Facebook!) dazu: „Schäuble hat in seinem Grexit-Papier unter anderem vorgeschlagen, 50 Mrd. griechischen Besitz an die „Institution for Growth“ (IfG) zu übertragen. Die IfG ist eine Tochter der KfW. Der Vorsitzender der KfW ist Schäuble selbst.“

Der Anti-Gauck oder: Zwischen den Stühlen

Lesemepfehlung aus dem Freitag: „Der Anti-Gauck“. Über Hans-Jochen Tschiche.
Es gibt doch viele Leute, die gehen mit Idealen in die Politik und am Ende sehen sie aus wie ein abgelutschter Kieselstein. (…) Ich habe einen angestammten Platz und der ist zwischen den Stühlen. Da fühle ich mich am wohlsten. Das ist meine Form von Konservatismus.

Religionen der Welt

religionen der Welt

Troll, troller, am trollsten

troll

Installation möglicherweise abgeschlossen

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(Danke, Tonke!)

Unpolitisches Panorama

panorama

Die Griechenland-Krise volkstümlich erklärt

Weltanschaulicher Vorsatz oder: Irgendwas mit Medien

propaganda

Neues Deutschland: „Es kann nicht sein… Robert D. Meyer über »Die Anstalt« als Mosaikstein der kritischen Gegenöffentlichkeit“. Lesenswert. Der Autor bezieht sich auf ein Interview (Video) mit Max Uthoff: „Die Anstalt ist die Rache des Mainstreams an sich selbst.“ (Die Fragestellerin agiert erbärmlich unprofessionell und kriegt keinen geraden Satz heraus.)
Das für leider viele Journalisten nicht sein kann, was (ideologisch) nicht sein darf, sezierte Stefan Niggemeier anhand einer ZDF-Liveschaltung nach Athen, wo Korrespondent Alexander von Sobeck eine für das »Oxi« beim Referendum werbende Demonstration schlicht dem »Ja«-Lager und damit den SYRIZA-Gegnern zuordnete.

Dazu passt ein Video (Vorsicht! Facebook!): „Worst of Rainald Becker (neuer ARD-Chefredakteur)“. Ich fass es nicht. Der sitzt so was auf einer ideologischen Palme und lügt auch noch dazu dreist. Deutschland werde sicherer, wenn die Vorratsdatenspeicherung käme. Das kann man nicht mit Dummheit entschuldigen. Das ist weltanschaulicher Vorsatz. Spräche Rainald Becker Griechisch, wäre ein guter Propadandaminister nach dem kommenden Militärputsch.

Auch im Neuen Deutschland: „Die »Bildzeitung« hat es geschafft. Sie hat sich aus ihrem qualitativen Nirwana befreit. Jetzt rangiert sie nicht mehr ganz unten in der Skala. Wer heute so richtig verblöden will, der greift nicht mehr primär zur »Bild«, der klickt lieber mal auf »Focus Online«.“

Der Freitag: „Rolf-Dieter Krause fällt mit deftiger Polemik in der Griechenlandkrise aus der Rolle des neutralen Berichterstatters“. Nein, lieber Kollege Augstein, Journalisten sind weder neutral noch „objektiv“. Sie tun nur so, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Wie könnte das anders sein? Wir sind zwar dem Grundsatz „audiatur et altera pars“ verpflichtet. Aber was ist, wenn es eine Wahrheit und eine Lüge gibt? Wollen und sollen wir dann beide gleichberechtigt zu Wort kommen lassen?

Wenn sich der Klassenkampf verschärft (wie jetzt), schärft sich der Klassenstandpunkt der Journalisten. Das war schon immer so. Daher hat sich die Linke in der Weimarer Republik ihre eigenen Medien geschaffen. (By the way: Münzenberg hatte Recht und die KPD hatte Unrecht.) Die Krise polarisiert, auch die Gemüter. Das ist gut so: Man sieht deutlicher, wer Lautsprecher für wen ist.

Lesenswert und klug ist ein Artikel Bernhard Torschs in der „Jungle World“: „Griechenland und antideutsche Reinheitsgebote“. Leider ist er in einem grottenschlechten Deutsch verpasst, ist also weder verständlich noch spricht er mehrere Zielgruppen an.

Der erste Satz ist gut:
Das große deutsche Elend ist, dass die Deutschen es seit Martin Luther immer ernst meinen. Oft genug machen sie auch ernst und dann wird marschiert, bis alles in Scherben fällt und der letzte zum Abschuss freigegebene Störenfried der Volksgemeinschaft erlegt ist.

Dann aber schlägt das Bildungsbürgertum gnadenlos zu: Eschatologisch, megaloman – nun gut, wenn ich in einer Laune bin, die dazu passt, und mich um die Leser rein gar nicht schere, und als sozialer Aufsteiger mit dem angeben will, was gefühlt eben zu diesem Aufstieg führte (der Satz ist schon jetzt zu lang), dann benutze ich solche Wörter.
Dieser protestantisch-germanische Rigorismus und Reinheitswahn taucht auch immer wieder in innerlinken Debatten auf, wovon die große Zahl von Sekten, Schismen, gegenseitigen Exkommunikationen und erbitterten Facebook-Diskussionen zeugt. Natürlich ist das kein rein deutsches Kaffeekränzchen, da politische Bewegungen, die eschatologisch ausgerichtet sind, generell zu Spaltung und Abschottung gegen außen tendieren. Es sind sehr gute Voraussetzungen, einen ordentlichen Wahn zu entwickeln, der sich zum Beispiel in megalomanischen Presseaussendungen und Bekennerschreiben äußert, in denen sich versprengte linksradikale Selbsthilfegruppen als Revolutionsgerichtshöfe, Roten Armeen und Avantgarden des Proletariats verkleiden, was nicht zufällig an den kleinen Büroangestellten erinnert, der zu Karneval als Zorro geht.

Ganz wunderbar gesehen und beschrieben. Kann man aber besser machen.

US-Regierung will gute Verschlüsselung abschaffen

Heise: „In einer Anhörung vor dem US-Senat fordern Regierungsvertreter, dass gute Verschlüsselung unterlassen oder gar gesetzlich verboten werden soll. Eine von Obama eingesetzte Expertengruppe empfiehlt das Gegenteil.“

Bei Open-Source-Verschlüsselung (wie z.B. bei GnuPG) funktionieren die geforderten Hintertüren natürlich nicht. Die Ideen der US-Politiker sind nicht neu und wurden hierzulande auch schon gestellt.

Balls of Steel or: Size does not matter

Lawful Interception Childporn Software

code

Fefe hat einen Link zum Quellcode der (staatlichen) Mal- und Spyware („Lawful Interception Software“, vgl. Heise). „Dass das Hochladen von Kinderpornos eine Standardfunktion von Staatstrojanern ist, hattet ihr hoffentlich alle gesehen, ja?“

Ich kann den Code nicht interpretieren. Ist es wirklich so, dass Regierungen eine Software zum Ausspionieren kaufen, die als Feature hat, den „Opfern“ Kinderpornografie unterzujubeln, damit man sie diskreditieren kann?

Ich traue denen das zu. Yanis Varoufakis und sein Nachfolger sollten mal auf ihre Computer aufpassen.

Lukratives Geschäft mit Schnüffel-Tools

Heise: „Nachdem Hacker über 400 Gigabyte an internen Dokumenten von Hacking Team entwendet haben, versucht der Hersteller von Überwachungssoftware, den Schaden zu begrenzen.“

Hahahahaha. Geschieht ihnen recht.

Übrigens, für unsere Online-Durchsuschungs“-fans hat ein kluger Mensch einiges bei Heise notiert: „Wie der RemoteDesktop-Server aufs Zielsystem kommt, wurde bisher als Problem des Anwenders angenommen worden.“

Es ist wie gehabt: Die wichtigste Frage stellt niemand (das darf doch nicht wahr sein?): Wie kommt das Zeug auf einen Rechner?

What Comes After Oxi?

Natina Vgonzas schreibt in Jacobin über die Lage in Griechenland (noch bevor das Ergebnis der Volksabstimmung bekannt war). „Five possible scenarios after today’s referendum in Greece.“ Plan B wäre:
It is in some ways the riskiest but, given the other options, remains the most promising for Greek development and justice. Here, No wins, Greece exits, be it negotiated or unilateral, and there is a massive push to the left: nationalization of key sectors, notably the banking sector; the possible introduction of a parallel currency; restricted foreign exchange; imports of basic goods from allies; some kind of ration, however chaotic; a potential blockade of ports to begin disciplining Greek tankers, at the very least.
This wouldn’t fully resolve the liquidity problem, but it would be better managed than in the fourth scenario — that is, not on labor’s back.
Of course, this option means open confrontation with capital, to which key figures within the party have shown great apprehension.

Diesen Schritt wird, muss es geben. Mit den von mir vorhergesagten Folgen.

Democratic, rational Europe!

Neu in der Blogroll: Yanis Varoufakis.

Not afraid of the word „collective“

The Guardian über Yanis Varoufakis: „Here is a politician acting on his beliefs. He will be remembered not for his style, but his substance. He faced down the automatons by insisting the Greek people should no longer be punished. And his people were with him. He refused the Eurocrats’ parameters and secrecy. He spoke with decency, and not in code. He is not afraid of the word ‚collective‘.“

Welcher deutsche Politiker würde es wagen, das Wort „Kollektiv“ in den Mund zu nehmen?

Operation „Prometheus“, reloaded

Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster. Voraussagen sollte man nie wagen, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich prophezeie eine Niederlage der Linken in Griechenland und einen Militärputsch innerhalb der nächsten fünf Jahren. Die Geschichte lehrt und das, un dich halte die griechische Linke, die jetzt an der Regierung ist, für naiv, was das Thema angeht.

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