Den Kapitalismus verwalten

Rainer Trampert im Neuen Deutschland: „Linke, die den Kapitalismus nur regierend verwalten, statt ihn zu stürzen, tun das zu seinen Bedingungen. Sie sind nur Spielball der realen Mächte und werden, wenn’s dem Gläubiger passt, vorgeführt bis zum totalen Gesichtsverlust, damit sein Stammpersonal wieder ans Ruder kommt“.

Der Anti-Gauck oder: Zwischen den Stühlen

Lesemepfehlung aus dem Freitag: „Der Anti-Gauck“. Über Hans-Jochen Tschiche.
Es gibt doch viele Leute, die gehen mit Idealen in die Politik und am Ende sehen sie aus wie ein abgelutschter Kieselstein. (…) Ich habe einen angestammten Platz und der ist zwischen den Stühlen. Da fühle ich mich am wohlsten. Das ist meine Form von Konservatismus.

Not afraid of the word „collective“

The Guardian über Yanis Varoufakis: „Here is a politician acting on his beliefs. He will be remembered not for his style, but his substance. He faced down the automatons by insisting the Greek people should no longer be punished. And his people were with him. He refused the Eurocrats’ parameters and secrecy. He spoke with decency, and not in code. He is not afraid of the word ‚collective‘.“

Welcher deutsche Politiker würde es wagen, das Wort „Kollektiv“ in den Mund zu nehmen?

Wer entscheidet

„Die Leute, die die Stimmen abgeben, entscheiden nichts. Die Leute, die die Stimmen zählen, entscheiden alles.“ (Josef Wissarionowitsch Stalin, Wahl-Experte)

Beulen unter dem Teppich

„Wenn einige von denen unterm Teppich durchlaufen, gibt es nicht einmal eine Beule.“ (Hartmut Mehdorn, Ex-Manager, über die heutige Manager-Generation)

Das kann man über die meisten Politiker auch sagen. (Und über Funktionäre im DJV sowieso.)

Antiamerikanisch

Harry Rowohlt (1945-2015) im Interview (2006): „Vor zwei Jahren, bei Ausbruch des zweiten Irak-Krieges, wurde mir immer nicht die Frage gestellt: ‚Sind Sie eigentlich antiamerikanisch?‘ Dann hat das eine Kollegin vom WDR doch endlich gemacht. Und ich hab gesagt: ‚Ich – antiamerikanisch?? Ich hab geweint, als Winnetou starb!'“

Ganz privat

privatsphäre

Jetzt endlich habe ich begriffen, warum die meisten Leute – insbesondere Journalisten – sich beharrlich weigern zu lernen, wie man E-Mails verschlüsselt: Sie haben keine Meinung, sondern lassen gern andere für sich denken!

Der edelste Teil eines Menschen

„Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.“
Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche, 1940

Unter Jedi-Rittern

„I (…) have accepted that I will probably remain single for the rest of my life, but I refuse to change who I am.“ (The Guardian über einen Mann, der Jedi-Ritter sein will)

Was ist und zu welchem Ende betreiben wir Journalismus?

journalismus

Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie?

Fabrik

Fabrikgelände im Morgengrauen und im Kapitalismus (der Zusatz nur, damit das Bild irgendwie zum Thema passt, und Kapitalismus geht immer), Foto: Burks

Die zentrale Aussage der aktuellen Heute-Show: Die Regierung lügt (Drohnen von Ramstein, BND-„Skandal“). Die Deutschen sind im Arsch der USA. Die Deutsche Bank ist eine kriminelle Vereinigung. Die AfD ist eine Partei von Apologeten der Volkswirtschaftslehre Spinnern und rechten Spinnern. Undsoweiter.

Hm. Irgendwie wusste ich das schon. Aktueller Literaturtipp:
„Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ (Bertold Brecht: Die Dreigroschenoper)

Unter dummen Rotzlöffelinnen

„Ich habe wirklich Probleme, asoziale Randgruppen aus taz und anderen bildungsfernen Schichten in ihrem Auftreten auseinander zu halten.“ (Don Alphonso)

Well said, dude.

Gut erkannt

Zitat eines Feuerwehrmanns gestern Nacht, dort, wo ich als „Bodyguard“ für das medizinische Personal arbeite: „Die Welt ist ein Irrenhaus, und hier ist die Zentrale.“ So war es auch.

Den Kapitalismus ausbremsen?

Armen Avanessian in der schweizer „Wochenzeitung“:
„Man begegnet heute einer Entradikalisierung bis zum totalen Mangel an Vorstellungskraft. (…) Die Nostalgie prägt auch die Vorstellung davon, wie man politisch aktiv ist: Man geht auf die Strasse, man verbindet sich, der Volkskörper stellt sich her, übt Widerstand und hat revolutionäre Kraft. Nur: Das hat immer weniger Wirkung. (…) Wir müssen lernen, wie Widerstand heute zu leisten ist und wie ein idealer Revolutionär aussieht: Das ist heute kaum mehr Che Guevara mit der Kalaschnikow im Dschungel, sondern ein technologisch informierter Edward Snowden. Die Frage ist doch: Nehmen wir neue Technologien an, und wie können wir sie steuern? Aber sich von Facebook abzumelden, wird nicht helfen. Ich begrüsse es, dass es immer mehr Leute gibt, die keine Lust aufs Flugblätterverteilen haben, es aber durchaus als politisch empfinden, programmieren zu lernen.“

Das scheint ein kluger Mann zu sein. Ich kannte ihn noch gar nicht. Und er lehrt sogar Berlin.

Nach Herzenslust scheiße finden

„Noch ein Privileg genießt man als Journalist: Man kann, wie es Stefan Ripplinger einmal formulierte, nach Herzenslust scheiße finden und besser wissen.“ (Denizs Yücel in seiner letzten Kolumne für die taz.)

Was wäre, wenn?

„Oder war möglicherweise alles ganz anders?“ (Spiegel online)

Ja, das wäre dann dumm gelaufen für die Medien. Die dazu passende Verschwörungstheorie liefert zuverlässig Matthias Broeckers.

Islamophobie et al

„Gegen Islamophobie habe ich persönlich nichts – man sollte aber jeden Glauben verachten.“ (Oliver Maria Schmitt, ehemaliger Chefredakteur der „Titanic“)

Eine Bande von Eseln oder: Krieg den Mösen, Friede den Arschlöchern

„Wir haben jetzt endlich wieder einmal – seit langer Zeit zum erstenmal – Gelegenheit, zu zeigen, daß wir keine Popularität, keinen support von irgend einer Partei irgendwelches Landes brauchen und daß unsere Position von dergleichen Lumpereien total unabhängig ist. (…)

Wie passen Leute wie wir, die offizielle Stellungen fliehen wie die Pest, in eine Partei? Wie soll uns, die wir auf die Popularität spucken, die wir an uns selbst irre werden, wenn wir populär zu werden anfangen, eine ‚Partei‘, d. h. eine Bande von Eseln, die auf uns schwört, weil sie uns für ihresgleichen hält?“ (Friedrich Engels)

„Aber ohne Gewalt und ohne eherne Rücksichtslosigkeit wird nichts durchgesetzt in der Geschichte, und hätten Alexander, Cäsar und Napoleon dieselbe Rührungsfähigkeit besessen, an die jetzt der Panslawismus zugunsten seiner verkommenen Klienten appelliert, was wäre da aus der Geschichte geworden!“ (Karl Marx)

„Das sind ja äußerst widernatürliche Enthüllungen. Die Päderasten fangen an sich zu zählen und finden, daß sie eine Macht im Staate bilden. Nur die Organisation fehlte, aber hiernach scheint sie bereits im geheimen zu bestehen. Und da sie ja in allen alten uns selbst neuen Parteien, von Rösing bis Schweitzer, so bedeutende Männer zählen, kann ihnen der Sieg nicht ausbleiben. ‚Guerre aux cons, paix aux trous-de-cul‘ [Krieg den Mösen, Friede den Arschlöchern], wird es jetzt heißen. Es ist nur ein Glück, dass wir persönlich zu alt sind, als dass wir noch beim Sieg dieser Partei fürchten müssten, den Siegern körperlich Tribut zahlen zu müssen. Aber die junge Generation!“ (Engels an Marx)

„Ich habe natürlich meine Aufstellungen so gehalten, dass ich im umgekehrten Fall auch Recht habe.“ (Karl Marx über seine Werke, 1857)

Ich lache mich gerade kaputt beim Zuhören…

Politik und rationale Argumente

„Mit rationalen Argumenten in der Kriminalpolitik kann man leider nur selten punkten.“ (Thomas Feltes, Professor für Kriminologie an der Ruhr-Universität Bochum)

Behaglich dumm

„In seinem Sessel behaglich dumm, sitzt schweigend das deutsche Publikum.“ (Karl Marx)

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