Männer haben mehr Persönlichkeit

Jetzt weiß ich, warum manche Frauen Probleme mit mir haben: “Frauen finden es attraktiv, wenn ein Mann vorhersehbar ist. ” Das ist sogar wissenschaftlich erforscht. [Quelle1 | Quelle 2]. Wer einmal Zen praktiziert hat, ist daher vermutlich bei den Frauen evolutionär unten durch… Zen-Meister wie meiner (R.I.P.) tun immer etwas Unvorhersehbares.

Unter Würmern

“Wir sind alle Würmer, nur glaube ich, daß ich ein Glühwürmchen bin.” (Winston Spencer Churchill, via Juttas Schreibblog)

Tweet of the day 6

Nicht jeder, der im real life durch Kontaktschwäche auffällt, ist ein social-media-expert. (via bhabegger)

Censoren und Geistesriesen

“Kein Kopf war vor ihm sicher. Ja, manchen Schädel hat er sogar aus Übermut heruntergeschlagen, und dann war er dabei noch so boshaft, ihn vom Boden aufzuhaben und dem Publikum zu zeigen, daß er inwendig hohl war.”

Sagt das irgendjemand über Henryk Modest Broder? Nein, das sagt Christian Johann Heinrich Heine über Gotthold Ephraim Lessing.

An die lahmarschige junge Blogger-Generation: Der Frankfurter Bundestag verbot 1835 die literarische Gruppe “Junges Deutschland“, zu der auch Heine gehörte, aus folgendem Grund: Die Mitglieder dieser Gruppe zielten darauf ab, “in belletristischen, für alle Classen von Lesern zugänglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden socialen Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören”. Nehmt Euch ein Beispiel an denen! Die Censoren von damals leben immer noch!

Heine im Wintermärchen über den Koalitionsvertrag 2009:
Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Heine gehört zu den Dichtern, die ich nur von unten ansehe: Sie sind Geistesriesen. Heine steht in meinem privaten atheistischen Götterpantheon, der gähnend leer ist, gleich neben Georg Christoph Lichtenberg. Nimm dies, Focus-Weimer: “Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.”

Das Wort zum Sonntag

“Zeitung ist ein Informationsmedium für Leute ohne Strom, da erfahren die Leute, was gestern im Internet stand.” (Dieter Nuhr beim Comedypreis)

Albert Einstein über die Online-Durchsuchung

“Jeder Blödsinn kann dadurch zu Bedeutung gelangen, dass er von Millionen Menschen geglaubt wird.” (Albert Einstein 1932)

De-Mal

Ich wollte was zum Thema De-Mail schreiben. Das hat schon jemand erschöpfend getan (danke, Hal!) Hadmut Danisch (”Ansichten eines Informatikers”): “Warum die sichere Bürger-Mail De-Mail nicht sicher sein kann”.

In einem älteren Beitrag sagt er: “Irgendwie kommt da so der Beigeschmack auf, daß das erstens eine Masche ist, um da ein Geschäft künstlich zu erzeugen, zweitens da irgendwelche Gutmenschen unterwegs sind, die sich in behördenmäßigen Vorgehensweisen befriedigen, aber nicht so wirklich Ahnung von und Überblick über Security haben.”

Und: “Nehmen wir mal an, das Ding käme so richtig in Schwung. Dann wird es drei oder vier Anbieter geben, durch deren Hände dann so ziemlich der gesamte vertrauliche Behörden- und Bestellverkehr der Deutschen geht. Vom Steuerbescheid bis zur Bestellung im Sado-Maso-Sex-Shop. Bei einigen zentralen Datenkraken. Wie geht man damit um?”

Und: “Und dann gibt es noch einen ganz unterschwellig-subtilen Aspekt, den ich sehr häufig beobachte, und der bei mir immer alle Alarmsirenen angehen läßt. Nämlich wenn ich bei einem Text den Eindruck gewinne, daß Sicherheit nicht durch technische Maßnahmen herbeigeführt, sondern durch Formulierungen herbeigeredet werden soll.”

Guter Mann, dieser Danisch.

Schwarmverhalten

SpOn über Schwarmverhalten: “Sobald fünf Prozent der Tiere in einer Herde ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen, imitiert die Mehrheit der übrigen dieses.” Diese evolutionäre Prinzip erklärt auch die Medienberichterstattung über die Online-Durchsuchung und andere urbane Märchen.

Das Wort zum Sonntag über Hypathia

Spiegel Online über die Bibliotkek von Alexandria: “Diese Arche hellenistischer Gelehrsamkeit ging keineswegs von einem auf den anderen Tag unter, es war vielmehr ein langsamer Verfall. Ein Faktor, der den Prozess beschleunigte, war das Christentum. Überfälle christlicher Fanatiker auf die Bibliothek gelten heute unter Forschern als gesichert, nur um die genaue Datierung der Anschläge streiten Ägyptologen noch. Als bekanntes Datum in der Geschichte des Kampfes der Christen gegen spätantike Intellektuelle gilt das Jahr 415, in dem Mönche die Mathematikerin und Philosophin Hypatia gefangen nahmen und zu Tode folterten. Das Schicksal der Denkerin steht symbolisch für das der Bibliothek: Beide gehörten zur Antike und ihrer Götterwelt und passten daher nicht in das Weltbild der neuen Religion.”

Warum ich Chandler mag

“Wenn es Unreife bedeutet, sich gegen eine korrupte gesellschaft aufzulehnen, dann ist Philip Marlowe äußerst unreif. wenn es mangelhafte soziale Anpassung bedeutet, Schmutz zu sehen, wo Schmutz ist, dann hat sich Philip Marlowe mangelhaft sozial angepasst. Natürlich ist er ein Versager, und er weiß das auch. Er ist ein Versager, weil erkein Geld hat. Ein Mann, der ohne körperliche Handicaps ist und sich trotzdem keinen anständigen Lebensunterhalt verdienen kann, ist immer ein Versager und gewöhnlich ein moralischer Versager. Ab eine Menge sehr guter Menschen sind auch Versager gewesen, weil ihre besonderen Gaben nicht zu ihrer Zeit und zu ihrer Umwelt passten. Auf lange Sicht gesehen sind wir wahrscheinlich gesehen alle Versager; wir hätten sonst nicht die Seorte Welt, die wir haben.” (Raymond Chandler an Mr. Inglis, Oktober 1951)

Warum können Piraten keinen Kreis berechnen?

Weil sie Pi raten!

Unbelievably dogged and old school

Schöne Geschichte der New York Times: “Times Reporter Escapes Taliban After 7 Months”. Und ein schöner Satz: “He’s old school,” Lee Rohde said. “The last thing he ever wants Schpneis to be the story. He’s supposed to be the storyteller.” Hat Spiegel Online fast wörtlich abgeschrieben und natürlich auch auf Links verzichtet. Das nennt man “online” in Deutschland.

Schlechter Online

Stefan Niggemeier (Manuskript eines schlecht vorgelesenen Vortrags auf der DJV-Konferenz Besser Online, Hamburg, 18. Oktober 2008): “Die Verlage und Sender probieren im Internet gerade aus, ob es nicht auch mit weniger Journalismus geht. (…) Der Blogger und Medienvisionär Jeff Jarvis spricht bei dem, was regionale Zeitungsverlegern im Internet machen bzw. nicht machen, von einem ‘fast schon kriminellen Mangel an Innovation’. (…) Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die deutschen Online-Medien journalistisch schlechter als ihre klassischen Eltern. (…) Meine Befürchtung ist, wie ich am Anfang gesagt habe, dass das Internet für viele Medienunternehmen – geplant oder ungeplant – eine Art Labor ist, um einmal, halb geschützt von der eigentlichen Marke, auszuprobieren, was geht. Wie weit sich die Kosten und Ansprüche senken lassen. Ob die Leser nicht auch mit unredigierten Texten und bloßen Agenturmeldungen zufrieden geben. Ob sie kenntnisreiche Texte von Fachredakteuren wirklich unterscheiden können von ahnungslos aus verschiedenen Quellen zusammengestrickte Stücke von schlecht bezahlten Online-Praktikanten. (…) Vor kurzem hat Bild.de sogar entdeckt, dass es im Internet die Möglichkeit gibt, auf andere Texte zu verlinken. (…) Das ist mehr als man von den meisten anderen Medien sagen kann, bei denen immer noch der Glaube zu herrschen scheint, dass jeder Link auf eine Quelle die Gefahr bedeutet, einen Leser zu verlieren, obwohl es längst keine Frage mehr ist, dass das Gegenteil der Fall ist. (…) Gerade im Internetzeitalter muss sich der Journalismus professionalisieren. Ich fürchte nur, dass gerade das Gegenteil passiert.”

Ich stimmte Niggemeier zu, würde aber einige Passagen noch schärfer formulieren. Diejenigen, die im bei dem Vortrag zugehört haben, sind auch angesprochen: Bestünde die Journaille geschlossen auf Qualität im Online-Journalismus (ein Königreich für einen Link!), würde sich auch etwas ändern. Mein polemischer Artikel über Online-Journalismus, wie er leider ist und wie er sein könnte, ist ohnehin, wie zu erwarten war, wirkungslos verpufft. Fazit: Es ist noch viel schlimmer, als Niggemeier beschreibt, denn alle machen mit. Und die Leserinnen und Leser sind die Leidtragenden.

Krieg gegen den Terror

Richard Rorty in der ZEiT (18.02.2004) – da hat der aktuelle SPIEGEL (S. 80) das Zitat abgeschrieben: “Der weit verbreitete Verdacht, der Krieg gegen den Terror sei potenziell gefährlicher als der Terrorismus selbst, scheint mir vollkommen gerechtfertigt.”

Immer wieder Köche, nichts als Köche

“Es war alles so unglaublich langweilig.” (Marcel Reich-Ranicki laut faz.net über den Grund für seinen Frustausbruch bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. (Gelesen auf Welt.de.) Noch mehr Zitate: “Wütend gemacht hat mich, dass fast alle preisgekrönten Darbietungen auf einem erbärmlichen Niveau waren. (…) …zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche. Es war schrecklich. (…) Kultur kommt im deutschen Fernsehen so gut wie gar nicht mehr vor.”

Nothelfer Bundeswehr

Burkhard Hirsch zum geplanten Einsatz der Bundeswehr auch gegen den “inneren Feind”: “Das ist der eigentliche Trick des Vorschlags: Während die Polizei an das Polizeirecht gebunden ist, das exakt bestimmt, welche Mittel die Polizei einsetzen und wann sie von der Schusswaffe als letztes Mittel Gebrauch machen darf, gibt es solche Bestimmungen für die Bundeswehr im Inland nicht.” [via netzpolitik.org]

Der Zweck des Staates in der Finanzkrise

In einem Interview mit Spiegel Online sagt Noam Chomsky: “Schon 1787 vertrat der amerikanische Gründervater James Madison auf dem Verfassungskongress die Ansicht, dass die Staatsmacht die Aufgabe habe, ‘die wohlhabende Minderheit vor der Mehrheit zu schützen’. Wikipedia schreibt über Chomsky: “Er selbst bezeichnet sich als einen libertären Sozialisten mit Sympathien für den Anarchosyndikalismus.” Eine verwandte Seele offenbar! Und James Madison war wenigstens ehrlicher als Merkel und Steinbrück.

Luther und die deutsche Revolution

Der Lutheraner Paul Tillich paraphrasiert in seiner Geschichte des christlichen Denkens den “positivistischen Autoritarismus” Luthers:

“Die Macht des Staatees, die es uns überhaupt erst ermöglicht, hier zu sein oder har Taten der Nächstenliebe zu tun, ist ein Werk der Liebe Gottes. Der Staat hat die Aufgabe, die Aggression der Übelwollenden, alle derer, die gegen die Liebe sind, zu unterdrücken. Das befremdliche Werk der Liebe ist es, zu zerstören, was gegen die Liebe ist. Es ist zutreffend, dies ein befremdliches Werk zu nennen, gleichwohl ist es ein Werk der Liebe. Die Liebe hörte ganz und gar auf, eine Macht auf Erden zu sein, wenn sie nicht zerstörte, was gegen die Liebe ist. Dies ist der tiefste Einblick in die Beziehung zwischen Staat und Liebe, den ich kenne. Die gesamte positivistische Staatsdoktrin macht es, vom theologischen Standpunkt betrachtet, dem Luthertum unmöglich, Revolution zu akzeptieren. Revolution mündet in Chaos. Auch wenn sie versucht, Ordnung zu schaffen, schafft sie doch zuerst Chaos, und die Unordnung nimmt zu. Mithin war Luther eindeutig gegen Revolution. Er glaubte an das absolute Geschenk des Schicksals.”

Auch das Zugeständnis, daß die lutherische Kirche sich bereitwillig dem Nationalsozialismus unterworfen habe, ändert nichts an Tillichs Ton liebevoller Verwunderung, wenn er insistierend feststellt:

“Luther hat dem revolutionären Willen des deutschen Volks das Rückgrat gebrochen. Er gibt keinen revolutionären Willen im Deutschen Volk; das ist alles, was wir sagen können, mehr nicht.”

Mit großem Vergnügen gelesen in John Updikes lesenswerten Buch “Selbst-Bewusstsein – Erinnerungen” (1995).

Kein Respekt vor Religionen!

“Respect for religion now makes censorship the norm” schreibt der englische Guardian korrekt. “When publishers are too intimidated to print even novels that may offend, it shows how far we’ve lost our way on free speech” In Deutschland hat die Aufklärung ohnehin schon verloren. (Übrigens: 3000 Euro zu gewinnen!)

Karl Marx: Das Kapital, reloaded

“Generell muss man wohl sagen, dass gewisse Teile der marxistischen Theorie doch nicht so verkehrt sind.” (Peer Steinbrück, deutscher Finanzminister)

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