Vor Einem ist mir bang oder: Der Terror und die Apokalyptiker

apokalypse

“Doch nur vor Einem ist mir bang: Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.” (Mephistopheles in Johann Wolfgang von Goethes “Faust”: Der Tragoedie erster Teil)

“Der Teufel weiß, dass er wenig Zeit hat.” (Apokalypse, also known as “Die Offenbarung des Johannes”, 12, 12)

“Die Terreur ist nichts anderes als unmittelbare, strenge, unbeugsame Gerechtigkeit; sie ist also Ausfluss der Tugend; sie ist weniger ein besonderes Prinzip als die Konsequenz des allgemeinen Prinzips der Demokratie in seiner Anwendung auf die dringendsten Bedürfnisse des Vaterlandes.” (Maximilien de Robespierre, 1794)

“…beginnt man zu begreifen, was Apokalypse und eschatologische Verheißungen im Bewusstsein der Menschen anzurichten vermögen. Zwar geht es dabei auch und vielleicht vorwiegend darum, einen herrlichen Zustand der Verklärung aller Dinge denen in Aussicht zu stellen, die die gesetzten Bedingungen erfüllt hätten, deren Inbegriff zumeist ist, auf die Nutzung des gegebenen Weltzustandes ganz und gar Verzicht zu leisten. Aber es geht doch auch und womöglich in hintergründiger Weise um die Aufhebung des Ärgernisses, welches der Einzelne daran nimmt, daß die Welt über die Grenzen seiner Lebenszeit hinweg unberührt feststeht und sich noch andere Freuden zu erfreuen anschickt, als ihm selbst vergönnt sein mögen. (…) Ganze Völkerschaften sind durch die Worte eines einzigen Predigers in Bewegung gesetzt wurden, wenn er nur zu beschwören vermochte, die gerade Lebenden würden noch erleben, was überhaupt noch zu erleben sei.” (Hans Blumenberg: Lebenszeit und Weltzeit, 2. Kapitel: Apokalypse und Paradies, S. 78, 1986)

Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser werden mir zugestehen, mich darüber zu echauffieren, dass der aktuelle Terror im islamischen Kostüm von niemandem hinreichend erklärt wurde.

Man könnte natürlich Gilles Kepel heranziehen: “Das Schwarzbuch des Dschihad – Aufstieg und Niedergang des Islamismus” oder “Die Rache Gottes” – Standardwerke zu den radikalen Auswüchsen der monotheistischen Religionen. Kepel behauptet sinngemäß, der Terror sei immer ein Zeichen dafür, dass die ursprüngliche Idee sich nicht hat verwirklichen lassen, was, wenn wir ihm glauben, auch für die deutsche RAF zutraf, die erst dann aktiv wurde, als klar wurde, dass die in der Theorie erwünschte und prognostizierte Revolution nicht kommen würde. Osama bin Laden war für Kepel die “medienwirksamste Form” des Scheiterns der “salafistisch-dschihadistischen” Bewegung.

Wir dürfen von den unzähligen “Islam-“, “Extremismus-“, “Terror-” und sonstigen Experten, die jetzt in den Medien und Talkshows herumfaseln, nicht erwarten, dass sie auch nur ein kluges Buch zum Thema gelesen haben. Darum geht es nicht. Der öffentliche Diskurs zum Terror ist moraltheologische Katharsis, also folgenlos, nicht etwa wissenschaftliche Analyse. Das Volk will Brot, Spiele und tröstende Worte von den Lautsprechern der herrschenden Klasse. Alles andere würde beunruhigen, und Ruhe ist bekanntlich in Deutschland erste Bürgerpflicht.

Auch Ulrike Meinhofs Standardwerk “Bambule: Fürsorge – Sorge für wen?” dürfe einiges erklären, wenn man die Situation von Jugendlichen beschreiben will, die in Heimen lebten – und gerade in Frankreich dürfe das noch aktuell sein. Man darf nicht vergessen, dass die französischen Terroristen-Brüder Chérif und Saïd Kouachi eben dort aufgewachsen sind. Aber wer möchte schon auf die Meinhof verweisen oder sie gar zitieren? Da riecht es doch gleich nach Schwefel.

Wer es gern etwas abstrakter, aber dafür gehaltvoller mag, sollte zum Thema “Terror” Hans Blumenbergs “Lebenszeit und Weltzeit (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)” studieren (aber das erste Kapitel einfach weglassen).

Er beschreibt diejenigen, die ihre ganz private Apokalypse auf Kosten anderer meinen ausleben zu müssen: Deren psychische Dispostion bestehe nicht nur im Erflehen von Beschleunigung und im Sich-Freihalten von der Welt, “sondern im Betreiben des Untergangs”. Das jeweilige weltanschauliche oder religiöse Kostüm ist dabei ganz irrelevant, ob es um den Massensuizid von Jonestown, um Amokläufer an Schulen oder um “islamistische” Terroristen handelt.

Weitere Gedanken überlasse ich dem gebildeten Publikum.

How communism turned Cuba into an island of hackers and DIY engineers

PBS NewsHour: “How communism turned Cuba into an island of hackers and DIY engineers”. Sehr schöne Fotos und Beispiele, aber natürlich existiert in Kuba kein “Kommunismus”.

Der Mangel als Motor des Fortschritts? Das lässt mich nachdenken. Die (zensierte) DDR-Literatur war ja auch um Klassen besser als die BRD-Literatur, weil die Leute gelernt hatten, zwischen den Zeilen zu lesen und offenbar auch zu schreiben (von den Plots ganz zu schweigen).

Die absurde Welt des Absurden

Thomas Steinschneider (“Die Wahrheit über die Wahrheit”) nimmt einen “wissenschaftlichen” Artikel von Focus Online auseinander.

Lesenswert insbesondere für Leute, die sich für Quantenphysik und andere elementare Dinge interessieren. (via >b’s weblog)

Prediction or Influence? – Books of the Past That Forecast the Future

“Prediction or Influence?” – Books of the Past That Forecast the Future (via Kueperpunk: “Eine Infografik über technologische Vorhersagen in der Literatur und wann sie Realität wurden…”)

Many writers of the past have predicted the facts of our present society with a level of detail that seems impossibly accurate. Some of them were even derided in their times for what were called outlandish and unbelievable fictions. Yet their imaginations were in reality painting portraits that would eventually be mirrored by history books a century later. Which seems to beg the question, Where does inspiration come from?

Rosetta fiel in ein Loch

Und bald wird auch noch das Licht ausgehen. Die ESA (via >b’s weblog) hat aber interesante Fotos (Javascript required) von Rosetta.

Ich frage mich, warum die European Space Agency Fotos auf das Zensur-Portal Flickr hochladen muss?

Experiment: Nonpolitical Images and Political Ideology

neutrales Bild: eulenschnitzelanziehendes Bildabstoßendes Bild

Lesebefehl für Matthias Gräbner in Telepolis: “Ein Bild verrät deine Meinung”:

“Wer sich sehr für politische Themen interessiert, ist entweder deutlich konservativ oder deutlich liberal. Wer irgendwo dazwischen liegt, zeigt auch kein großes Interesse an Politik. (…) Die Ergebnisse zeigen, so die Forscher, dass sich Menschen vor allem in einem irren: Dass ihre politischen Überzeugungen das Ergebnis rationalen Denkens sind.”

Drei Arten von Bildern waren zu beurteilen: neutrale, anziehende und abstoßende. Da die Studie das Rezeptionsverhalten von US-amerikanern untersucht, habe ich Bilder genommen, die für eingeborene Mittelueropäer in Frage kommen könnten.

(Das Original erzwingt Cookies u.a.: “Nonpolitical Images Evoke Neural Predictors of Political Ideology”.)

Credits der Bilder: 1) neutrales Foto: Burks, anziehendes Foto: unbekannt, abstoßendes unpolitisches Foto: Wikipedia/Mathesar.

No Arachnophobia, pleasse!

Livescience.com: “They’re Alive! ‘Goliath’ Tarantulas Among Spiders at New Exhibit”. Vgl. auch news.yahoo.com: “Goliath Encounter: Puppy-Sized Spider Surprises Scientist in Rainforest”. Das erinnert mich daran, dass ich noch einmal nach Guyana wollte….

Die herrschenden Dogmen und Mythen, die Legenden und Ammenmärchen, den Aberglauben, die frechen Lügen

Manchmal ärgere ich mich, dass ich von bestimmten Leuten nicht schon eher erfahren habe. Heute bin ich auf einen geradezu brillianten Artikel von Prof. Dr. Michael R. Kräetke (University of Lancaster, Professor and Chair of Political Economy, früher Professor für Politische Ökonomie in Amsterdam) gestoßen: “Marx als Wirtschaftsjournalist” (pdf).

Natürlich wäre jemand wie Kräetke in Deutschland nie Professor geworden. Die Wissenschaft “Politische Ökonomie” gibt es hierzulande gar nicht, sondern nur das quasi-esoterische Fach “Volkswirtschaftslehre”. Um sich ernsthaft mit politischer Ökonomie zu beschäftigen, muss man – wie schon zu Marx’ Zeiten – wieder ins Ausland gehen. In der schweizer WOZ schrieb Kräetke:
In China gibt es heute wieder eine lebendige Marx- und Marxismus-Diskussion, die sich am “westlichen” Marxismus und an der Mega orientiert. Die akademischen MarxistInnen, die nach 1968 in Westeuropa und in den USA auf Lehrstühle kamen, sind heute fast alle pensioniert oder haben resigniert. Nach 1990 war es unfein und der Karriere schädlich, MarxistIn (gewesen) zu sein. Doch für akademische MarxistInnen und solche, die es werden wollen, bietet erst die Mega eine zuverlässige Grundlage für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Marx und Engels. Marx vor allem hat – wenn auch in unfertiger Form, als Entwurf und Fragment mehr denn als «Werk» – all das zu bieten, wonach diejenigen rufen, die mit dem heutigen Zustand der Sozialwissenschaften zu Recht unzufrieden sind: die Verbindung von Theorie und Geschichte, das Überschreiten der künstlichen und unproduktiven Disziplingrenzen (auch «Interdisziplinarität» genannt), Sinn für Allgemeines wie für Besonderes, rücksichtlose Kritik alles Bestehenden, einen offenen Blick und das nötige analytische Instrumentarium, um eine Welt zu begreifen, die sich in ständiger Veränderung befindet.

Das wäre ja ein Grund, Mandarin zu lernen, aber das war mir denn doch zu schwierig, obwohl ich es versucht habe. Ich habe aber nicht resigniert.

Kräetke schreibt:
Die Marxschen Analysen und Kritiken der offiziellen Haushaltspläne der britischen Regierungen, seine Erläuterungen der diversen Finanzreformpläne und ihrer absehbaren Folgen ernteten wiederholt höchstes Lob und Anerkennung – auch von erklärten Gegnern seiner Ansichten. Die Redaktion der NYT schloss sich diesem Lob wiederholt an. Marx’ Budgetkritiken wurden offensichtlich ernst genommen, zitiert und nachgedruckt. (…)

Im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen, in den führenden Wirtschaftsjournalen wie der Financial Times oder dem Economist findet heute kein Kampf um die Hegemonie mehr statt. Der ist seit langem entschieden. Gerade deshalb kann man in diesen Blättern auch gelegentlich kritische Randbemerkungen zum Sinn und Unsinn der herrschenden Wirtschafts- und Finanzpolitik lesen. Solange man unter sich bleibt, das generelle Einverständnis mit der besten aller ökonomischen Welten nicht gestört wird, darf man sich schon erlauben, sich mit den ökonomischen Fakten zu beschäftigen (…)

Stellen wir uns vor, ein “neuer Marx”, nach dem im bürgerlichen Feuilleton mit schöner Regelmäßigkeit gerufen wird, hätte die einflussreiche Stellung des Wirtschaftsredakteurs einer großen, überregionalen Tageszeitung inne, was würde er, was könnte er tun?

Wäre er ein Mann (oder eine Frau) vom Charakter und Temperament des alten Marx, er (oder sie) würde nicht zögern, die herrschenden Dogmen und Mythen anzugreifen, die Legenden und Ammenmärchen, den Aberglauben, die frechen Lügen, die zusammen unseren heutigen Diskurs über die kapitalistische Weltwirtschaft, über die Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik bestimmen, und die leider auch auf der Linken, einschließlich der sozial bewegten, globalisierungs”kritischen” Linken, geglaubt und mit ingrimmigem Tiefsinn nachgeplappert werden. (…)

Lange würde ihm oder ihr das nicht gelingen, aber die moralische Wirkung wäre schon ungeheuer. Zumindest heute, wo der Glaube an die neoliberalen Mantras bisweilen ins Wanken gerät. Nicht bei den so genannten „Eliten“, wohl aber beim gemeinen Volk. Am Ende vielleicht sogar bei den globalisierungsgläubigen Linken.

What It’s Like to Carry Your Nobel Prize through Airport Security

Der Astrophysiker und Nobelpreis-Gewinner Brian Schmidt versuchte, in den USA in einem Flugzeug zu reisen, weil er seiner Oma in Fargo, North Dakota, die Medaille zeigen wollte. (via Fefe und Scientific American). Dieser Dialog mit den Kontrolleuren des Handgepäcks ist wirklich Comedy pur:

They’re like, ‘Sir, there’s something in your bag.’
I said, ‘Yes, I think it’s this box.’
They said, ‘What’s in the box?’
I said, ‘a large gold medal,’ as one does.
So they opened it up and they said, ‘What’s it made out of?’
I said, ‘gold.’
And they’re like, ‘Uhhhh. Who gave this to you?’
‘The King of Sweden.’
‘Why did he give this to you?’
‘Because I helped discover the expansion rate of the universe was accelerating.’
At which point, they were beginning to lose their sense of humor. I explained to them it was a Nobel Prize, and their main question was, ‘Why were you in Fargo?’

Bruhahahaha.

Gott will es! Deus vult!

crusaders and ISIS

Merkwürdig, dass jetzt darüber gerätselt wird, warum Männer und Frauen aus Europa sich der Terrorgruppe IS anschließen. Eine Wallfahrt mit Waffen hat doch das Christentum erfunden.

Wikipedia: “Durch die Kreuzzugspredigt des Papstes veranlasst, brach im Frühjahr 1096 eine unorganisierte Volksmasse in Richtung Palästina auf. Dieses Kreuzfahrerheer bestand in erster Linie aus einfachen Menschen, Bauern und ihren Familien, weshalb man auch vom Volkskreuzzug spricht. Allerdings waren auch niedriger Adel und einzelne Ritter unter den Kreuzfahrern. Geführt wurde der Zug von Predigern wie Peter von Amiens. Seine ersten Opfer fand dieser voreilige Kreuzzug bereits in Ostfrankreich und im Rheinland (Köln, Mainz, Worms), wo es zu Massenmorden an der jüdischen Bevölkerung kam.”

Man sollte auch erwähnen, dass Papst Urban II, der zu den Kreuzzügen aufrief, seliggesprochen wurde:
Aufhören soll unter euch der Hass, schweigen soll der Zank, ruhen soll der Krieg, einschlafen soll aller Meinungs- und Rechtsstreit. Tretet den Weg zum heiligen Grab an, nehmt das Land dem gottlosen Volk, macht es euch untertan! Gott gab dieses Land in den Besitz der Söhne Israels; die Bibel sagt, dass dort Milch und Honig fließen. Jerusalem ist der Mittelpunkt der Erde, das fruchtbarste Land aller Länder… Bestreitet also diesen Weg, zur Vergebung eurer Sünden.

Wie verhielten sich christliche Terrorgruppen? Die Quellen sind verfügbar, zum Beispiel die “Gesta Francorum” oder Wilhelm von Tyrus: “Historia rerum in partibus transmarinis gestarum”:

Schauerlich war es anzusehen, wie überall Erschlagene umherlagen und Teile von menschlichen Gliedern, und wie der Boden mit dem vergossenen Blut ganz überdeckt war. Und nicht nur die verstümmelten Leichname und die abgeschnittenen Köpfe waren ein furchtbarer Anblick, den größten Schauder mußte das erregen, daß die Sieger selbst von Kopf bis Fuß mit Blut bedeckt waren. Im Umfang des Tempels sollen an die zehntausend Feinde umgekommen sein, wobei also die, welche da und dort in der Stadt niedergemacht wurden und deren Leichen in den Straßen und auf den Plätzen umherlagen, noch nicht mitgerechnet sind, denn die Zahl dieser soll nicht geringer gewesen sein. Der übrige Teil des Heeres zerstreute sich in der Stadt und zog die, welche sich in engen und verborgenen Gassen, um dem Tode zu entkommen, verborgen hatten, wie das Vieh hervor und stieß sie nieder. Andere taten sich in Scharen zusammen und gingen in die Häuser, wo sie die Familienväter mit Weibern und Kindern und dem ganzen Gesinde herausrissen und entweder mit den Schwertern durchbohrten oder von den Dächern hinabstürzten, daß sie sich den Hals brachen.

Soalng es Menschen gibt, die an höhere Wesen glauben, wird es auch religiös motivierten Terror geben.

PS National Geographic hat zum Beispiel die Toten auf dem Gemälde, das auch die Opfer des Massakers zeigt, das die christlichen Kreuzfahrer Terrorgruppen in Jerusalen anrichteten, wegretouchiertgelassen.

Natürlich die Juden

Marco Tosatti im Vatican Insider (ein Ableger der “La Stampa”): (vgl. auch Latin Times) über die jetzt entdeckte 1500 Jahre alte Bibel, in der Jesus nicht der “Sohn” Gottes ist und in der Barnabas Judas an seiner statt ans Kreuz geschlagen wird:

“But alas, this extraordinary discovery is probably a hoax, the work of a forger who, according to some, could have been a European Jewish scholar from the Middle Ages.”

Vulgärökonomie

vulgärökonmie

Karl Marx: Das Kapital. Marx erwähnt hier lobend William Petty, den “Vater” der englischen Nationalökonomie.

Wolfgang Münchau in Spiegel online: “Und die Ökonomen sind so hilflos wie noch nie. Schlimmer noch. Jedes Jahr wiederholen sie die alten Fehler. Der Lerneffekt ist gleich null. (…) Die Modelle, welche den Prognosen zugrunde liegen, funktionieren nicht mehr. Aber die Ökonomen wollen das nicht wahrhaben.”

Wo er recht hat, hat er recht. Der Appell, die “Volkswirte” zu feuern, wird wirkungslos verhallen. “Volkswirtschaftslehre” ist eine quasi-religiöse Esoterik, das herrschende kapitalistische System ideologisch zu legitimieren.

Ich schrieb hier am 12.02.2014: “‘Philosophie’ wäre die Frage zu stellen, ob es nachvollziehbare Gesetze der Ökonomie gebe. ‘Metaphysik’ wäre zu behaupten, es gebe keine und ‘der Markt’ sei ein höheres Wesen mit künstlicher Intelligenz. ‘Theologie’ ist Volkswirtschaftslehre. ‘Wissenschaft’ wäre die Methode von Marx und der klassischen bürgerlichen Ökonomie, die immerhin versucht hat, die Gesetze wirtschaftlichen Handelns und deren Voraussetzungen zu verstehen.”

“Volkswirtschaftler” gab es schon zu Marx’ und Ricardos Zeiten. Marx nannte die schlicht “Vulgärökonomen“.

Sexy Mathematik

riemann

Kann mir jemand erklären, wofür genau Maryam Mirzakhani die Fields-Medaille bekommen hat?

“…herausragende Beiträge zur Geometrie und Dynamik Riemannscher Flächen und ihrer Modulräume”, wobei sie “Methoden verschiedener Gebiete wie algebraische Geometrie, Topologie und Wahrscheinlichkeitsrechnung zusammengebracht habe”. OMG.

“Riemannsche Flächen sind die einfachsten geometrischen Objekte, die lokal die Struktur der komplexen Zahlen besitzen.” Ach ja? “Die riemannsche Fläche ist – historisch gesehen – die Antwort darauf, dass holomorphe Funktionen nicht immer eindeutige Fortsetzungen haben.” Das hätte ich jetzt nicht gedacht. SCNR

Maryam Mirzakhani has made stunning advances in the theory of Riemann surfaces and their moduli spaces, and led the way to new frontiers in this area. Her insights have integrated methods from diverse fields, such as algebraic geometry, topology and probability theory.

In hyperbolic geometry, Mirzakhani established asymptotic formulas and statistics for the number of simple closed geodesics on a Riemann surface of genus g. She next used these results to give a new and completely unexpected proof of Witten’s conjecture, a formula for characteristic classes for the moduli spaces of Riemann surfaces with marked points.

In dynamics, she found a remarkable new construction that bridges the holomorphic and symplectic aspects of moduli space, and used it to show that Thurston’s earthquake flow is ergodic and mixing.

Most recently, in the complex realm, Mirzakhani and her coworkers produced the long sought-after proof of the conjecture that – while the closure of a real geodesic in moduli space can be a fractal cobweb, defying classification – the closure of a complex geodesic is always an algebraic subvariety.

Mein English ist ja nicht schlecht, aber ich muss die Segel komplett streichen; ich verstehe ja schon auf Deutsch kaum etwas.

Ceterum censeo: Hyperintelligente Frauen finde ich hyperattraktiv. Aber vermutlich wäre für die eine Konversation mit mir sehr langweilig.

Why Girls Went So Crazy

vanillepuddibng

Die weinenen Frauen, die den Führer Nordkoreas umklammern, finde ich gar nicht komisch (via Nina Tabai). Ich versuche eher zu verstehen, warum das für uns so seltsam aussieht – weil wir es nicht gewohnt sind, dass Groupies von Popstars Uniformen tragen? (Andere Version)

Gehen wir die Sache rational und wissenschaftlich an. The Conversation schreibt:
Lots of tears and lots of screaming. But what can neuroscience tell us about what might have been happening in their brains? (..) Typically, we equate crying with sadness and fainting with illness. The truth is, our brains are actually pretty dumb, and any sudden, strong emotion – from happiness to relief to stress – can elicit these vulnerable physical reactions.

Nun gut, auf “pretty dumb” wäre ich auch selbst gekommen. SCNR.

Acting via the hypothalamus, the sympathetic nervous system is designed to mobilise the body during times of stress. It’s why our heart rate quickens, why we sweat, why we feel ready to run. The parasympathetic nervous system, on the other hand, essentially calms us back down. The parasympathetic nervous system does something funny, too. Connected to our lacrimal glands (better known as tear ducts), activation of parasympathetic receptors by the neurotransmitter acetylcholine results in tear production. So for those fans relieved to finally see their Fab Four, tears were commonplace. (“Viele kognitive Prozesse sind an Acetylcholin als Botenstoff gebunden.”)

Das “Wall Street Journal” befasst sich (“Inside the Brains of Bieber Fans”) ebenfalls mit dem Phänomen und résumiert: “Neuroscience Offers Explanation; a ‘Safe’ Infatuation”. Also eine Art “geschütztes” Ausflippen, um in pubertärem Alter die eigenen Grenzen zu erfahren. “It primarily affects preteen and teen girls”.

Hearing familiar, favorite music stimulates the release of dopamine, the neurotransmitter involved in pleasure and addiction, providing the same rush as eating chocolate or that winning does for a compulsive gambler

Nur dass es nicht Musik sein muss, sondern jedweder Reiz, der in der jeweiligen Kultur als Auslöser definiert worden ist, also zum Beispiel auch der Anblick eines “geliebten und größten anzunehmenden Führers”.

…adolescent girls are far more likely to become infatuated with pop stars, experts say, because they are awakening to romantic and sexual feelings that are both intoxicating and scary.

Well said. Intoxicating and scary. Ich vermute auch, dass die abgebildeten Frauen ziemlich jung sind und nicht viel Gelegenheit finden, “romantic and sexual feelings” auszuleben.

Jonathan – the oldest living land creature

BBC: “Meet Jonathan, St Helena’s 182-year-old giant tortoise”.

Neu in meiner … äh … Bibliothek

neu

Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!

TV-Novosti: “A mysterious giant crater has been discovered in a remote part of Siberia, dubbed by locals ‘the end of the world’, and is now puzzling scientists.”

Ich denke da an Dante (der übrigens ganz großartig ist und zum humanistische Bildungskanon gehört).

Microimplants

microimplants

Foto: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America

PNAS (via Spiegel online): “Wireless power transfer to deep-tissue microimplants (…) Advances in miniaturization paved the way for tiny medical devices that circumvent conventional surgical implantation, but no suitable method for powering them deep in the body has been demonstrated”.

Bei dieser Methode geht es darum, medizinische Geräte, die sehr klein und im Körper implantiert sind (vgl. Foto), drahtlos mit Energie zu versorgen. Das wurde bisher mit Hilfe der elektromagnetischen Induktion bewerkstelligt: “Unter elektromagnetischer Induktion (auch Faradaysche Induktion, nach Michael Faraday, kurz Induktion) versteht man das Entstehen eines elektrischen Feldes durch Änderung der magnetischen Flussdichte.”

We report a wireless powering method that overcomes this challenge by inducing spatially focused and adaptive electromagnetic energy transport via propagating modes in tissue. We use the method to realize a tiny electrostimulator that is orders of magnitude smaller than conventional pacemakers. The demonstrated performance characteristics far exceed requirements for advanced electronic function and should enable new generations of miniaturized electronic implants.

Spiegel online schreibt: “Sie verwenden einen Bereich des Magnetfeldes zur Energieübertragung, der größere Abstände zur Quelle erlaubt, auch Mittelfeld genannt. Dessen elektromagnetische Strahlung dringe mühelos durch jede Art von lebendem Gewebe, auch bei mehreren Zentimetern Dicke. Das Magnetfeld zur Energieübertragung wird dabei von Spulen erzeugt, die quasi auf der Haut aufliegen.”

Das ist IMHO nicht ganz richtig, auch das Wort “Mittelfeld” ist ungenau übersetzt. Wann man nach “Midfield and near-field power” aus dem Originaltext sucht, erhält man gleich Fundstellen zu den Quellen, von denen deutsche Medien gern abschreiben, ohne sie zu nennen, z.B. Motherboard: “We Can Now Wirelessly Power Tiny Electronic Devices Implanted in the Body” (lesenswert!)

The breakthrough comes thanks to the use of what the researchers are calling ‘midfield powering.’ Traditionally, wireless charging has used near field powering, which requires the power source and the thing being powered to be nearly touching, and advances have been made to allow wireless charging further away. Naturally, midfield powering occurs somewhere in between—perfect for having a power source outside the body and a device being powered in, say, your heart. (…)

Da haben künftige Sci-Fi-Autoren aber was zum Nachdenken und Schreiben. Es müssten ja nicht nur medizinscihe Implantate sein, sonder auch alles, was in Kreimeiers Seterra-Trilogie schon vorkommt und was sich George Orwell gar nicht hat ausdenken können. Das erinnert mich an Filme wie “Lockout “und natürlich an “Fortress – Die Festung“.

By the way und jetzt zu etwas ganz anderem: Ich wusste gar nicht, dass der Experimentalphysiker Michael Faraday zu den Sandemanianer gehörte. Das ist eine chistliche Sekte, die aus der Anglikanischen Kirche in England entstanden und in die Gruppe der Apostolischen Gemeinschaften einzuordnen ist. Daraus haben sich später die Neuapostolischen Gemeinschaften entwickelt, ein weiteres Sekten-Konglomerat, zu der auch die “Neuapostolische Kirche” (NAK) gehört, eine christliche Sekte, in der ich zwangweise aufgewachsen bin. Die NAK hält wohl den Rekord an Abspaltungen, und deshalb stehe ich bei Wikipedia auch in den Links zum Thema Apostolische Gemeinde Wiesbaden – über die hatte ich in meinem ersten Buch “Unter Männern” eine kurze Reportage geschrieben.

Die Reportage ist im Volltext auf spiggel.de – dem Vorläufer von burks.de – zu lesen: [[Neuapostolische Kirche] Unter Aposteln 1] [[Neuapostolische Kirche] Unter Aposteln 2][[Neuapostolische Kirche] Unter Aposteln 3].

Ich habe ja auch einen eingebauten Sektendetektor, der ausschlägt, wenn jemand in meiner Umgebung etwas Religiöses und/oder Esoterisches (z.B. Veganismus-Asketismus) sagt. Mir stehen dann sofort die Haare zu Berge.

Größter Dinosaurier aller Zeiten

Museo Paleontológico Egidio Feruglio (Patagonien, Argentinien): Descubren en Chubut el dinosaurio más grande del mundo (Größter Dinosaurier aller Zeiten entdeckt). Interessante Bilder!

LROC: LNPM

Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) Camera: LROC Northern Polar Mosaic (LNPM)

Entschuldigung an die wohlwollenden RSS-Feed-Reader und geneigten RSS-Feed-Readerinnen.

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