Vive la Commune!

commune

Heute ist der 146ste Jahrestag der Pariser Kommune. „On March 18, 1871, the workers of Paris rose up and declared a revolutionary Commune whose historical experience continues to resonate today. (…) The Commune was eventually defeated at the hands of the Versailles government, setting the stage for the bloody massacre of up to 30,000 Communards and unarmed citizens. But for all the force and vengeance the Versaillais could muster, the Commune did not die — the idea survived its “own working existence” and lived on, subterraneously, in the sacrifices of its martyrs, the aspirations of its survivors and the writings of its leading theoreticians.

Mehr lesen: Karl Marx: Der Bürgerkrieg in Frankreich“:
„Am Morgen des 18. März 1871 wurde Paris geweckt durch den Donnerruf: „Es lebe die Kommune!“ Was ist die Kommune, diese Sphinx, die den Bourgeoisverstand auf so harte Proben setzt?

„Die Proletarier von Paris“, sagte das Zentralkomitee in seinem Manifest vom 18. März, „inmitten der Niederlagen und des Verrats der herrschenden Klassen, haben begriffen, daß die Stunde geschlagen hat, wo sie die Lage retten müssen, dadurch, daß |336| sie die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten in ihre eignen Hände nehmen … Sie haben begriffen, daß es ihre höchste Pflicht und ihr absolutes Recht ist, sich zu Herren ihrer eignen Geschicke zu machen und die Regierungsgewalt zu ergreifen.“

Aber die Arbeiterklasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eignen Zwecke in Bewegung setzen. (-..)

Das stehende Heer und die Polizei, die Werkzeuge der materiellen Macht der alten Regierung einmal beseitigt, ging die Kommune sofort darauf aus, das geistliche Unterdrückungswerkzeug, die Pfaffenmacht, zu brechen; sie dekretierte die Auflösung und Enteignung aller Kirchen, soweit sie besitzende Körperschaften waren. Die Pfaffen wurden in die Stille des Privatlebens zurückgesandt, um dort, nach dem Bilde ihrer Vorgänger, der Apostel, sich von dem Almosen der Gläubigen zu nähren. Sämtliche Unterrichtsanstalten wurden dem Volk unentgeltlich geöffnet und gleichzeitig von aller Einmischung des Staats und der Kirche gereinigt. Damit war nicht nur die Schulbildung für jedermann zugänglich gemacht, sondern auch die Wissenschaft selbst von den ihr durch das Klassenvorurteil und die Regierungsgewalt auferlegten Fesseln befreit. (…)

Und doch war dies die erste Revolution, in der die Arbeiterklasse offen anerkannt wurde als die einzige Klasse, die noch einer gesellschaftlichen Initiative fähig war; anerkannt selbst durch die große Masse der Pariser Mittelklasse – Kleinhändler, Handwerker, Kaufleute -, die reichen Kapitalisten allein ausgenommen. (…)

Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft.“

Ist Isaac Newton ein Teil des Gesäßes?

Der Schockwellenreiter weist auf ein Buch über das Arschloch Isaac Newton hin: Newton – Wie ein Arschloch das Universum neu erfand.

„Und ach ja, in Florian Freistetters Blog [Astrodicticum Simplex, auch hier in der Blogroll] hat sich in den Kommentaren ein niedlicher, kleiner Shitstorm wegen der Verwendung des schönen, deutschen Wortes »Arschloch« entwickelt.“

Tocharian Tummies

tarim mummies

Lustkauf: The Tarim Mummies: Ancient China and the Mystery of the Earliest Peoples from the West.

Die Mumien, besonders die frühen mit europidem Erscheinungsbild, werden oft mit den Tocharern in Verbindung gebracht, den Sprechern der Tocharischen Sprache im Tarimbecken, obwohl der Zusammenhang nicht eindeutig erwiesen ist und mehrere Jahrhunderte zwischen diesen Mumien und den ersten Bezeugungen der tocharischen Schriftsprache liegen. Die Tocharier werden beschrieben als bärtig, rothaarig oder blond, mit tiefliegenden blauen oder grünen Augen und langen Nasen. [Wikipedia]

Ich habe jetzt Harald Haarmann: Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen ausgelesen, wahnsinnig spannend, selten so viel gelernt beim Lesen eines Buches. Haarmann gab das obige Buch in der Literaturliste an. Demnächst mehr dazu.

Symbolische Gewalt

Telepolis: „Wie Beherrschte an der über sie ausgeübten Herrschaft mitwirken“. Ein schönes, wenn auch etwas verschwurbeltes Interview über symbolische Gewalt.

„Symbolische Gewalt“ ist ein Konzept, das der französische Soziologe Pierre Bourdieu entwickelt hat, um Erscheinungsformen von Gewalt und Herrschaft zu beschreiben, die sich alltäglich vollziehen und dem „gesunden Menschenverstand“ als etwas ganz Selbstverständliches erscheinen.

Wikipedia ist zu Bourdieu aufschlussreich:
Einige Ergebnisse von Bourdieus empirischen Arbeiten sind:
Er zeigte, dass in Frankreich trotz der formalen Wahlfreiheit in Fragen des ästhetischen Geschmacks künstlerische Präferenzen – wie zum Beispiel klassische Musik, Rock und Chanson – stark mit der („kulturellen“) Klassenzugehörigkeit korrelieren.
Er wies – alltägliche Beobachtungen einbringend – nach, dass Feinheiten der Sprache wie Akzent, Grammatik, Aussprache und Stil einen wesentlichen Faktor in der sozialen Mobilität darstellen, beispielsweise beim Erreichen eines besser bezahlten und höher bewerteten Berufs.
Die von Bildungspolitik und Arbeitslosigkeit ausgelöste Bildungsdynamik bezeichnete er als „Inflation der Bildungsabschlüsse“ oder „Bildungsexpansion“. Die Schulabschlüsse verlieren dadurch an Wert, und die Absolventen aus niedrigeren Schichten haben schlechte Möglichkeiten, ihr durch Schulbildung erworbenes kulturelles Kapital angemessen umzusetzen (vgl. Bildungsparadox).
Durch die zunehmende neoliberale Globalisierung sind nach Bourdieu atypische Arbeitsverhältnisse zur Regel geworden. Diese Prekarisierung trifft nicht nur marginalisierte Gesellschaftsgruppen, sondern zunehmend auch solche mit noch gesichertem Einkommen. Das organisierte Gegeneinander der Lohnabhängigen ist Bestandteil der neoliberalen Hegemonie.

Eribon, ick hör dir trapsen. Jede Wette, dass derartige Themen und Thesen von deutschen Journalisten – bis auf wenige Ausnahmen – ignoriert werden. sie müssten über ihren Klassenhabitus nachdenken und darüber, wie ihre Klasse ihre politische Meinung prägt. Das ist in Deutschland aber so gut wie unmöglich, weil schon der Begriff „Klasse“ im kleinbürgerlichen medialen Mainstream tabuisiert ist.

Bronze Age battle

Ein ganz wunderbarer Artikel in „Science“ über „Slaughter at the bridge: Uncovering a colossal Bronze Age battle“.

About 3200 years ago, two armies clashed at a river crossing near the Baltic Sea. The confrontation can’t be found in any history books—the written word didn’t become common in these parts for another 2000 years—but this was no skirmish between local clans. Thousands of warriors came together in a brutal struggle, perhaps fought on a single day, using weapons crafted from wood, flint, and bronze, a metal that was then the height of military technology.

Die Schlacht fand im heutigen Mecklenburg statt. (Die interessanten Fotos gehören dem Landesamt Für Kultur Und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern/Landesarchäologie, deshalb poste ich hier keine.) Auf Wikipedia gibt es einen Artikel: „Schlachtfeld im Tollensetal“.

Pubspace

National Aeronautics and Space Administration (via Independent): „Care to learn more about 400-foot tsunamis on Mars? Now you can, after Nasa announced it is making all its publicly funded research available online for free. The space agency has set up a new public web portal called Pubspace, where the public can find Nasa-funded research articles on everything from the chances of life on one of Saturn’s moons to the effects of space station living on the hair follicles of astronauts.

Strange Sighting Of Creepy Turkeys

Heute empfehle ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Link über Truthähne.

Personality Stability

Quartz und Research Digest (The British Psychological Society): „For example, there is growing neuroscience research that supports the ancient Buddhist belief that our notion of a stable “self” is nothing more than an illusion.“

You’re a completely different person at 14 and 77, the longest-running personality study ever has found.

Revolution als Naturpänomen

revolution

„Eine Revolution ist ein reines Naturphänomen, das mehr nach physikalischen Gesetzen geleitet wird, als nach den Regeln, die in ordinären Zeiten die Entwicklung der Gesellschaft bestimmen. Oder vielmehr, diese Regeln nehmen in der Revolution einen viel physikalischeren Charakter an, die materielle Gewalt der Notwendigkeit tritt heftiger hervor. Und sowie man als der Repräsentant einer Partei auftritt, wird man in diesen Strudel der unaufhaltsamen Naturnotwendigkeit hereingerissen. Bloß dadurch, daß man sich independent hält, indem man der Sache nach revolutionärer ist als die andern, kann man wenigstens eine Zeitlang seine Selbständigkeit gegenüber diesem Strudel behalten, schließlich wird man freilich auch hineingerissen.“
Friedrich Engels an Karl Marx, 13. Februar 1851)

Manche Seminararbeiten Dinge bewahrt man gern auf, vor allem auch dann, wenn sie auf einer Reiseschreibmaschine geschrieben wurden. Damals waren wir Studenten noch fleißig. [Oppa-erzählt-wieder-aussem-Kriech-Modus off]

The Lost Continent

Wissenschaftler haben Reste von Gondwana entdeckt.

Polen, revisited

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Meine Empfehlung: die polnische Website Truth about Camps (auch in Deutsch). Dazu u.a.: „List of Auschwitz commanders and guards posted online“ sowie Polens Antwort auf die Bezeichnung „polnische Todeslager“.
Die Veröffentlichung der Namensliste geht einher mit den Bemühungen der nationalkonservativen Regierung, Polens Ruf besser zu schützen. Dazu will sie historisch falsche Behauptungen wie die vom „polnischen Konzentrationslager“ sogar mit bis zu drei Jahren Haft bestrafen. Das Parlament arbeitet an einem entsprechenden Gesetzesentwurf.

Ich bin bei der Lektüre auf mehrere interessante Indizien gestoßen, die eigene Familiengeschichte betreffend. Leider gibt es keine Zeitzeugen mehr, die mir etwas konkret über das Verhältnis der Polen und Deutschen rund um den ehemaligen Hof meines Urgroßvaters in Mittenwalde im heutigen Polen sagen können. Der Hof wurde 1943 von den Polen abgebrannt, meine Urgroßmutter starb an ihren Verletzungen. Mein Urgroßvater war aber kein Nazi, zumal einer seiner Söhne von den Nazis ermordet worden waren. Ich weiß nur, dass er auf „die Polen“ sehr schlecht zu sprechen war.

Was waren also die Gründe für den Brandanschlag? Vermutlich werde ich es nie erfahren, aber man findet in einigen Büchern Hinweise darauf (vgl. Ausriss oben), wie groß der gegenseitige Hass war.

Es gibt in Mitteleuropa wohl kaum ein schwierigeres historisches Thema als das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen. Und meine Familie war seit dem späten 18. Jahrhundert immer mitten drin.

Zu dumm zum Interviewen

Lesenswert: „Unsere Professoren ignorieren Marx – An der Uni Münster gibt es einen Marx-Lesekreis. Warum tun sich gestresste Studenten 3.000 Seiten „Das Kapital“ freiwillig an?“

Man kann das Interview auch nutzen, um zu demonstrieren, dass man sich als Interviewer über das Thema informiert haben sollte, bevor man Fragen stellt:
ZEIT ONLINE: Kann man Das Kapital also auch zur Unterhaltung lesen?
Steiner: Nein. Man ist nicht beflügelt, wenn man Marx liest. Im Gegenteil: Man braucht Durchhaltevermögen. Wir hatten schon im ersten Kapitel unsere Schwierigkeiten damit, Marx‘ Geheimnis vom Fetischcharakter der Waren zu lüften.
ZEIT ONLINE: Womit bitte?

Bestätigt meine These, dass die Mehrheit der Journalisten einfach dämlich und ungebildet ist.

Den dümmsten „Einwand“ gegen die Marx-Lektüre bekam ich neulich in einem so genannten sozialen Medium: Der Text, auf den ich mich bezog, sei doch schon 150 Jahre alt und daher nicht mehr „wahr.“ Wäre lustig, wenn ein Mathematiker argumentierte, Thesen, die mehr als 2000 Jahre alt seien, müssten nicht mehr berücksichtigt werden.

Reminder: Ökonomie ist Wissenschaft, nicht Esoterik wie die „Volkswirtschaftslehre“.

Vikings, Arabs, Jews and Germans

Symbolvideo für alles

Science: C.J. Adrien hat einen ganz wunderbaren Artikel zum Thema Wikinger geschrieben: „What Was the Difference Between Danish, Norwegian, and Swedish Vikings?“

Viele Fakten, die mir – und vermutlich auch anderen – bisher unbekannt waren: Es gab nicht „die“ Wikinger.
Further confounding the subject of identity among Viking Age Scandinavians are regional differences. The Norwegian group who sacked the city of Nantes in 843, for example, referred to themselves as Vestfaldingi, or Men of Vestfold. This tells us that there were also regional differences among various groups within the context of their broader geographic affiliations. (…) Most of what we know about the Vikings both politically and culturally is derived from analyses of the Danes. Chroniclers such as Dudo, Alcuin, Saxo Grammaticus, Rimbert, Notker, among others, all focus nearly exclusively on the Danish people to form their conclusions.

Ich meinte schon immer, dass der Geschichtsunterricht in deutschen Schulen mehr europäisch, wenn nicht gar international sein müsste. Was wissen Schüler über das alte China, Über Indien, Südamerika – oder die Hochkulturen Afrikas vor dem Kolonialzeitalter? Und lernen sie wirklich etwas über das antike Griecheland, wenn man Knabenliebe und die Tatsache „vergisst“, dass die Polis eine Sklavenhaltergesellschaft war und dass zum Beispiel Sparta durch die Revolution der Sklaven unterging? (Spartacus lässt grüßen.) Ich weiß immer noch (bis zum Lesen des oben erwähnten Artikels) über die skandinavische Geschichte und deren Quellen. Die „dänischen“ Wikinger waren so gut informiert über das Geschehen in Europa, dass sie einen Gesandten an den Hof Kaiser Karls schickten. Aber hallo? Woher wussten die so gut Bescheid – und wie?
The Royal Frankish Annals recorded that the Danes sent an emissary in 782 to Charlemagne’s court, along with other Saxon leaders, to hold formal political discussions in response to the massacre of Verden, in which the Franks captured, forcibly baptized, and murdered three thousand Saxon warriors just miles from the Danish border. [Sorry, deutsches Wikipedia: Es handelte sich mitnichten um eine „Hinrichtung“ oder ein „Blutgericht“, sonder um ein Massaker oder um einen Massenmord, und Karl war weniger „groß“, sondern vielmehr blutrünstig im heutigen Sinne.]

Science: Stepfeed.com beschäftigt sich mit dem Genographic-Projekt von National Geopgraphic: „DNA analysis proves Arabs aren’t entirely Arab“. Das wird denen nicht gefallen.
Typically, an Egyptian native’s genetic composition is 68 percent North African, 17 percent Arabian, 4 percent Jewish diaspora, and 3 percent from Eastern Africa, Asia Minor and Southern Europe each. (…) Typically, a Lebanese natives is 44 percent Arabian, 14 percent Jewish diaspora, 11 percent North African, 10% from Asia minor, 5percent Southern European and 2 percent Eastern African.

Tunesier sind nur zu vier Prozent Araber. Wenn das die Kölner Polizei wüsste! Irak oder Syrien – Hauptsache Nordafrika.

Science/Politics: Die Jüdische Rundschau stellt ein paar unbequeme Frage an die hiesigen „Palästinenser“-Freunde und Israel-Kritiker:
Ist es möglich, dass in den Nachbarländern von Israel so viele Juden leben dürfen wie Muslime in Israel leben? Ich greife schon mal vor: Warum nicht? (…) Der öffentliche Platz auf dem Tempelberg darf auf Druck islamischer Organisationen zu gewissen Zeiten von Juden und Christen nicht betreten werden. Es gibt viele Orte in der arabischen Welt, die generell und zu jeder Zeit „judenrein“ gehalten werden. Gibt es öffentliche Plätze in der jüdischen und christlichen Welt, für die gilt: „Nicht für Muslime“? Nennen Sie mir bitte all diese öffentlichen Plätze.

By the way, Gerd Buurmann: Kennen Sie das Buch Keine Posaunen vor Jericho? Ich wäre vorsichtig, falls ich mich auf „historische“ Ereignisse bezöge, wenn die Quellen nicht die Archäologie und Fakten, sondern heilige Bücher sind.
Die Wurzeln des Volkes Israel beruhen auf der Geschichte zweier Königreiche und nicht wie bisher immer angenommen eines Königreiches, des Nordreiches Israel und des Südreiches Juda. Fundamentale Wahrheiten wie der Auszug aus Ägypten, die Einnahme Kanaans die Bedeutung des Reiches Salomons (fragliche Existenz des Tempels und Palastes) werden nicht nur in Frage gestellt, sondern negiert. (…) Das Buch zeichnet sich durch absolute Professionalität aus. (Rezension)

Königsberg muss nicht deutsch bleiben, und Neapel auch nicht.

Politics: Der Schockwellenreiter schreibt ganz richtig: „Die Linke ist im Liegen umgefallen“. Vielleicht liegt das eher an dem typisch Deutschen. Ich muss zur Frage „Was ist typisch Deutsch?“ hier vorgreifen. Das beste und unterhaltsamste Buch, das ich in den letzten 20 Jahren gelesen habe, beantwortet diese Frage – und man kann und sollte es nur im englischen Original lesen (leichtes und verständliches Englisch), weil u.a. der Sprachwitz im Deutschen verloren ginge. (Rezension demnächst – aber Vorsicht, ich habe bei Tenenbom in der U-Bahn mehrfach laut losgeprustet, so dass die Leute mich erstaunt ansahen – und ich kann mich normalerweise beherrschen.)

By the way: Teneboms Kommentar über Trump ist köstlich und wahr.
Wenn Sie aufhören würden, Zeitung zu lesen, den Fernseher ausschalteten, Google vergessen und alle Ihre blinkenden internetfähigen Endgeräte beiseite lassen würden, könnten Sie eine Wirklichkeit entdecken, die Sie schockieren würde.

Postscriptum: Dank an die edle Spenderin aus Schöneberg!

Ich muss jetzt meine Türen, die Spüle und vieles andere reparieren und umbauen.

Manned Robot Project

Womanned manned robot project – „Avarar“ u.a. Filme lassen grüßen.

Keine Langeweile, nirgends [Symboltitel für alles]

hacker

Symbolbild für alles

Mit dem, was ich machen möchte, könnte ich gern vier Leben vollstopfen. Vielleicht liegt es an meinem allzu hedonistischem Zeitmanagement. Ich komme zu nichts. Oder: Drei Berufe ist zu wenig. Oder: Immer ist irgendwas. Jetzt brauche ich mindestens eine Woche, um das zu reparieren, was ich in Secondlife in Monaten mühsam aufgebaut habe. Ein falscher Knopfdruck, und mehr als 6000 Polygone sind an der falschen Stelle. Es ist zum Kotzen. (Vgl. Screenshot: Welchen Knopf habe ich gedrückt, und alles war kaputt?)

admin feature secondlife

Ich wollte doch meine vier freien Tage nutzen, um die Schublade meiner Spüle zu reparieren und um aus Holzresten (Keller) einen zusätzlichen kleinen Küchenschrank zu basteln. Verschoben.

schublade

Und wann soll ich die Bücher besprechen, die ich angefangen habe zu lesen? Karsten Heinz Schönbach: Uneingeschränkt lesenswert, aber schwer wissenschaftlich und quellenlastig. Standardwerk, räumt mit der Legende auf, dass das Kapital der Weimarer Republik Hitler nicht unterstützt hätte. Zum ersten Mal wurden Firmenarchive ausgewertet. Alle anderen Bücher zum Thema Mumpitz.

Christian Barons: Proleten, Pöbel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten habe ich jetzt durch, ich wiederhole meine Leseempfehlung. Der wird nicht gut besprochen, weil die, die das tun (könnten), genau die Klientel ist, die er anpisst kritisiert. Ignoranz mit Ansage.

Harald Haarmann: Auf den Spuren der Indoeuropäer: Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen: erst ein Drittel gelesen, sehr interessant. Demnächst mehr in diesem Theater.

Tomasz Konicz: Kapitalkollaps: Die finale Krise der Weltwirtschaft (Konkret Texte): liegt hier schon ein paar Monate herum, auf meiner To-Do-Liste.

Zwischendurch forsche ich noch in der Vergangenheit meiner Familie, um einige offene Fragen beantwortet zu bekommen. Irgendwas muss sich meinen Großneffen hinterlassen. Wer sonst, wenn nicht ich. Das funktioniert online erst seit ein paar Jahren, obwohl so und selbst ernannte Zukunftsforscher das Gegenteil behauptet haben. Spannend, wie ein Puzzle aus unbekannten Teilen. Bei einem Thema stieß ich auf Albert S. Kotowski: Polens Politik gegenüber seiner deutschen Minderheit 1919-1939. Gekauft und gelesen. Heikles Thema in beiden Ländern. Ich war verblüfft, dass es bis jetzt kein einziges Buch gibt, das sich auf die verfügbaren Quellen stützt. Kotowski ist also Standardwerk für alle, deren Vorfahren aus „Mittelpolen“ oder aus dem Weichselkorridor stammen.

By the way: Drei Berufe. Ich wollte immer machen, wozu ich Lust habe und mir nie etwas vorschreiben lassen. Davon kann man natürlich nicht leben. Wer sagt, er oder sie sei „Journalist“, nagt entweder am Hungertuch, hat einen Lebensabschnittsgefährten mit Festanstellung oder wurde schon mit einem Silberlöffel im Mund geboren (Hausbesitzer und deren Erben usw.). Es gibt nur wenige Ausnahmen bei denen, die „frei“ sind. Ich bin arm, aber sexy. Auf die To-Do-Liste: Bestseller schreiben.

Heute noch: Geld holen, Eltern besuchen, Baumarkt aufsuchen, Lebensmittel einkaufen, Rechnungen online bezahlen, einen Rechner zum Verschenken an einen Freund vorbereiten, Duschen, Blumen gießen. Habe ich was vergessen?

Kritik an allem bringt uns auf den Mars und überall hin

mars

Source: NASA’s Curiosity Mars Rover. Text: Happy New Year from Mars! I hope your next trip around the sun is full of exploration and discovery.

By the way: Danke Hal, für das wunderbare Marx-Zitat, das auch hier passt und außerdem die gegenwärtigen Zustände erklärt:
„Die Theorie wird in einem Volke immer nur so weit verwirklicht, als sie die Verwirklichung seiner Bedürfnisse ist. Wird nun dem ungeheuren Zwiespalt zwischen den Forderungen des deutschen Gedankens und den Antworten der deutschen Wirklichkeit derselbe Zwiespalt der bürgerlichen Gesellschaft mit dem Staat und mit sich selbst entsprechen? Werden die theoretischen Bedürfnisse unmittelbar praktische Bedürfnisse sein? Es genügt nicht, dass der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die Wirklichkeit muss sich selbst zum Gedanken drängen.“ (Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie: Einleitung)

Das tut man nicht – oder doch

behaviour

Shanghaiist: „A couple of mommy’s little angels were caught on tape tearing apart a piece of artwork at a Shanghai museum recently. What’s more, their parents were also caught on camera, filming their kids‘ act of destruction with a smile.“

Noch einmal sei zur Lektüre empfohlen: Norbert Elias Über den Prozeß der Zivilisation: Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. „Über den Prozeß der Zivilisation“ ist eines der wichtigsten Bücher über „Kultur“, das überhaupt je geschrieben wurden (jaja, natürlich neben Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus).

Wieso? Das, was man unter „Sitten und Gebräuche“ einer Gesellschaft oder einer deren Teilmengen (z. B. ein „Milieu“) versteht, ist eine wahnsinnig komplexe Sache, von der man bewusst gar nicht so viel weiß, weil viele Dinge, die man tut, auf einem kollektiven „Training“ beruhen, das ein paar hundert Jahre der oral history und des Lernens per Imitation bedurfte. Ethnologen können da viel zu sagen, aber die werden selten gefragt. Nichts ist natürlich, also ist auch nichts selbstverständlich oder eine anthropologische Konstante, weder der Art und Weise, wie „man“ gewalttätig ist noch, warum gegenüber wem Mitleid oder Empathie gezeigt wird. „Zivilisation“ im westeuropäischen Sinn (und nur in dem) heißt zum Beispiel:

Vorrücken der „Schamschwellen“, das heißt, mehr eigene Handlungen sind angstbesetzt;
Vorrücken der „Peinlichkeitsschwellen“, das heißt, mehr Handlungen anderer sind angstbesetzt;
„Psychologisierung“, das heißt Steigerung der Fähigkeit, die Vorgänge innerhalb anderer Menschen zu verstehen;
„Rationalisierung“, das heißt Steigerung der „Langsicht“, also der Fähigkeit, die Folgen der eigenen Handlungen über immer mehr Glieder der Kausalketten „vorauszuberechnen“.
Gewaltbereitschaft: sinkt allmählich (gegenüber Mitgliedern der eigenen Gesellschaft);
Sexualität: wird zunehmend stärker kontrolliert sowie unterdrückt und tabuisiert;
Essen und Trinken: die Formen werden strenger, „feiner“ (zum Beispiel: differenziertere Esswerkzeuge);
Ausscheidungsfunktionen: werden zunehmend tabuisiert und dem Blick anderer Menschen entzogen.

Und jetzt erst diskutieren wir über „Integration“ von Einwanderern. Das Wort ist so ein Unsinn, dass ich es gar nicht in den Mund nehme bei diesem Thema.

Prometheus in Baktrien oder: Als die Griechen Afghanistan eroberten [Update]

Alexander

Neu in meiner Filmothek (und noch ungesehen. [Update] Der Film ist Mist und langweilig.): Alexander von Oliver Stone.

Ja, natürlich hatte Alexander mehr als nur einen Koch bei sich. Leider werden bestimmte Ereignisse und sogar Epochen der Geschichte mit den Namen prominenter Exemplare der jeweils herrschenden Klasse verknüpft. So auch hier, als die Griechen (oder genauer: Mazedonier) ca. 330 v. Chr. Afghanistan und Indien eroberten. Das ist schon eine Weile her, und Alexander ist nicht Spartakus. Warum also noch einmal darüber schreiben reden?

Als Kind besaß ich ein Buch über „Abenteurer“ à la Marco Polo. Dort kam auch der Chaiber-Pass vor. Ich habe mir immer gewünscht, mal dort zu sein, notfalls per Eisenbahn. Der Pass galt für mich immer als Inbegriff des exotischen Abenteuers. Stattdessen hat es mich in die entgegengesetzte Richtung verschlagen, und ich könnte ständig Rutger Hauer zitieren.

Wenn mir also ein Buch in die Hände fällt wie damals, kann ich nicht widerstehen. Jetzt war Spartakus schuld, dass ich mir Diodoros Historische Bibliothek gekauft habe, rund 1600 Seiten und die wichtigste Quelle zum Thema. Darin kommt auch Alexander der Große vor:

Hierauf zog er weiter und schlug in der Nähe des Gebirges Kaukasus, welches Einige Paropamisus nennen, ein Lager. Er ging quer über dieses Gebirge der Breite nach in sechszehn Tagen und erbaute an dem Passe, der nach Indien führt, eine Stadt, welche er Alexandria nannte. Mitten auf dem Kaukasus ist ein Felsrücken, der zehn Stadien im Umfang und eine Höhe von vier Stadien hat. In demselben wurde von den Einwohnern die Höhle des Prometheus gezeigt und das Nest des Adlers, von dem die Fabel erzählt, und die Spuren der Fesseln. Alexander erbaute noch eine andere Stadt, eine Tagreise von Alexandria entfernt. In den beiden Städten ließ er siebentausend Fremde und dreitausend von den Nichteingereihten, die seinem Heere folgten, auch von den Miethtruppen, wer wollte, sich ansiedeln. Er brach unterdessen mit dem Heer auf und rückte nach Baktriania vor…

baktrien

Wie kam Prometheus und dessen Legende eigentlich in die Nähe von Baktrien? Hätte das Karl May gewusst? (By the way: Ich lese Diodor auf dem Klo, vermutlich werde ich im Jahr 2052 damit fertig sein.)

Ob Alexander einen höheren Intelligenzquotienten hatten als andere, wissen mir nicht. Es ist aber Tatsache, dass militärische Konflikte, die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, nicht durch geniale Ideen, sondern schlicht durch Technik entschieden werden. Die Logistik und die Waffen der Griechen waren denen der Perser und Inder überlegen, und ihre Befehlshaber setzten sie so ein, dass etwas exotische „Gegner“ wie Steitwagen oder Elefanten scheiterten. Eine Kompanie Ledernacken gegen zehn mal so viele Kreuzritter? Oder eine spanische Tercio gegen 50.000 Indianer? Vergesst es.

Noch ein weiteres Wort zum Sonntag: Ich muss mich nicht mit jedem Sturm im Wasserglas beschäftigen. Jemandem, der Listen unerwünschter Personen oder Websites erstellt, um zu „mahnen“, „warnen“, „verbieten“ oder was auch immer, sollte die Gülle stundenlang ins Gesicht schwappen. No mercy.

Man kann an jedem winzigen Detail der Geschichte alles erklären. Ich kann mich noch erinnern, dass wir uns als linksradikale Studenten am historischen Seminar der FU darüber lustig gemacht haben, dass ein Professor ein Seminar im Fachbereich Geschichte anbot mit dem Titel „Der Brückenzoll in Regensburg im 12. Jahrhundert“. Wir besuchten stattdessen alle Seminare, in deren Titel mindestens das Wort „Revolution“ vorkam. Wir hatten unrecht. Das weiß ich aber erst heute. „Wo kommt die Kohle her? Wo geht die Kohle hin?“ (Matthew D. Rose) Das ist nicht nur eine journalistische, sondern auch die wichtigste Frage marxistischer linker Historiker.

diodor

Zwölfflächler, not certain

Zwölfflächler

Weiß jemand von den gebildeten Leserinnen und intelligenten Lesern, wozu ein Dodecahedron gut ist? „As no classical accounts or narratives seem to mention them, the purpose of this mysterious object remains a puzzling mystery that has confused archaeologists since their first discovery.“

Das ist wohl nicht ganz richtig laut Wikipedia: „Iamblichus states that Hippasus, a Pythagorean, perished in the sea, because he boasted that he first divulged „the sphere with the twelve pentagons.“ – „Regular dodecahedra have been used as dice and probably also as divinatory devices. During the hellenistic era, small, hollow bronze Roman dodecahedra were made and have been found in various Roman ruins in Europe. Their purpose is not certain.“

Faszinierend! (Und vielleicht doch ganz einfach.)

Ich stech dich ab! [Update]

rettungsstelle

Michael de Ridder beschreibt im Tagesspiegel meinen Arbeitsplatz: „Beispiel Urban-Krankenhaus: Unfassbare Beleidigungen des Rettungsstellenpersonals sind in Berliner Kliniken an der Tagesordnung“.

Von heute Nacht kann ich beisteuern (zu mir): „Du Fotze!“ – „Ich bring dich um“. ! – „Verdammter Penner“. Zwei Mal musste ich jemanden gewaltsam aus der Rettungsstelle entfernen. Einmal musste die Polizei kommen, weil ein Türke das Personal permanent beleidigte und im Warteraum herumbrüllte und nicht kapierte, was ein Hausverbot ist. Die Polizei erklärte es ihm.

Coolster Spruch des Tages: Ein beschmutzter Herr, der von der Feuerwehr gebracht wurde und sich vollgekotzt hatte, sagte, nachdem der Brechreiz einigermaßen vorbei war: „Scheiße, jetzt muss ich auch noch kacken.“

Von de Ridder gibt es übrigens ein sehr gutes Buch, das ich gelesen und für mein eigenes Buch zum Thema oft verwendet habe: Heroin: Vom Arzneimittel zur Droge.

[Update] Das konnte die Leitung des Krankenhauses so nicht auf sich sitzen lassen. Tagesspiegel: „Urban-Krankenhaus setzt auf Schulung und Wachschutz“. Har har. Wer kann das nur sein…

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