Mathematische Artefakte: Diese Wellen und so

Natürlich habe ich versucht zu verstehen, was es mit diesen Gravitationswellen auf sich hat. Mir gefällt die Übersicht auf „Welt der Physik“ am besten, dort kann man auch interessante Dinge über die Vorgeschichte lesen. Der Artikel „Wie entstehen Gravitationswellen?“ ist nicht ganz so theoretisch, wie man es bei diesem Thema befürchten muss.

Mit Verzerrungen der Raumzeit ist gemeint, dass die durchlaufende Welle die Abstände von Objekten im Raum verändert. „Da würde ein Apfel, der ursprünglich näherungsweise rund war, von einer Gravitationswelle in eine Richtung zusammengepresst und in die andere auseinandergezogen werden – also ein bisschen eiförmig. Und danach wird er wieder rund. Das wäre der Effekt einer Gravitationswelle“, so Haas. Allerdings ist diese Verzerrung so minimal und passiert für so einen kurzen Moment, dass man den Vorgang nicht beobachten kann. Man weiß nur theoretisch, dass er passiert.

Dann ist ja gut.

Watch the Destruction of Pompeii by Mount Vesuvius, Re-Created with Computer Animation (79 AD)

Gutbürgerlich oder: Mehr Graupensuppe

Berlin

Su Nuraghe in Rixdorf – sardische und italienische Küche, seit 35 Jahren. Ich aß Tortellini nach Art des Hauses.

Meine Theorie ist, dass soziale Aufsteiger oder die, die meinen es zu sein, versuchen, die verfeinerte Tischkultur der herrschenden Klassen zu imitieren, um eben diesen erreichten sozialen Status nach außen zu dokumentieren und sich nach „unten“ abzugrenzen. Die Kneipen, die dem Veganismus-Asketismus Tribut zollen und überhaupt auf das traditionell „Gutbürgerliche“ herabsehen (dafür aber teurer sind), bedienen den Geschmack der neuen Mittelschichten, die ohnehin reaktionär werden, wenn sie es nicht ohnehin schon sind.

„Proletarisches“ oder Arme-Leute-Essen (was heute „gutbürgerlich“ ist) kann man Studenten aus bildungsbürgerlichem (aka grün-alternativem) Elternhaus gar nicht mehr anbieten. Das hat aber keine kulinarischen Gründe.

Die ethnologischen Gewährsleute für meine These sind übrigens Norbert Elias und Mary Douglas, wenn das nicht hilft: Levi-Strauss. (Ich habe immer das Gefühl, ich müsse mich dafür entwschuldigen, dass ich viele Leute mit meiner humanistischen Bildung erschlagen kann. Außerdem weiß ich immer alles besser und kann das auch belegen. Ich hoffe, die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser entschuldigen das.)

Will Religion ever disappear?

BBC Future: „Atheism is on the rise around the world, so does that mean spirituality will soon be a thing of the past? Rachel Nuwer discovers that the answer is far from simple.“ Lesenswert.

Das erinnert mich an Lichtenberg, der schon Ende des 18. Jahrhunderts weiter war als die meisten Menschen heute; „Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.“

By the way: Jeden Tag werde ich auf’s Neue daran erinnert, dass es sich kaum noch lohnt, deutsche Medien zu rezipieren aka konsumieren.

MEGA online

MEGA

Die MEGA ist jetzt online. Irgendwie. Leider kann ich weder mit Chromium noch mit Firefox unter Linux irgendetwas sehen. Die taz erwähnt das Problem auch nicht.

Die Schwarzen Jakobiner

Jacobin erzäht die Geschichte einer bewaffneten Revolution, die man kennen muss und die bis heute, vor allem auch auf Kuba, nachwirkt. „In 1791, while France entered the early stages of its revolution, the slaves of its Caribbean colony, Saint Domingue, rose up and took arms. It was the first successful slave revolt in history, one that overthrew white colonial rule and established the new state of Haiti in 1804.“

Lesenswert dazu: The Black Jacobins (pdf).

Die ersten Bauern tranken keine Milch

Andrea Naica-Loebell in Telepolis: „Die ersten Bauern tranken keine Milch – Der lange Weg nach Europa – Neue Erkenntnisse über die neolithische Revolution“.

British Museum Street View

The British Museum: „The virtual walk-through enables anyone in the world with an Internet connection to explore the roughly 80,000 artifacts on display (which is just 1% of the total collection of at least eight million objects) just as they’re presented in the museum, from the Lewis Chessmen and cat mummies to famously contested artifacts such as the Rosetta Stone and the Elgin Marbles. Visitors start in the yawning expanse of the museum’s Great Court, the largest public square in Europe, with early morning light filtering through the 3,312 glass roof panes. All of the images stitched together into the Street View were captured before and after museum visiting hours, and the galleries of the United Kingdom’s top tourist attraction appear surreally empty.“

Wahnsinn!

Wolf 1061c

Mainstream-Ökonomie ist Religion

Taz: „Die Mainstream-Ökonomie weiß nicht mehr, was ein Argument ist. Es werden einfach Behauptungen aufgestellt. Diese sogenannte Neoklassik ist keine Wissenschaft, sondern ähnelt einer Religion, die Glaubenssätze verkündet.“

Sag ich doch.

Der Großmufti und die Islamogermanen

Amin el-Husseini | Hitler

Amin al Husseini und Adolf Hitler, Fotograf Heinrich Hoffmann, Quelle: Wikipedia | Bundesarchiv

Dieser Artikel von mir erschien 1996 in der Berliner Stadtzeitschrift tip – unter dem Titel „Führer unter sich“. Viele der Quellen zum Thema, die heute online verfügbar sind, haben daraus abgeschrieben. Ich habe ihn geringfügig aktualisiert.

Im Sommer 1933 entdeckten Spaziergänger am Ufer eines Sees im Grunewald eine Leiche: Der Ertrunkene war Mohammed Nafi Tschelebi, ein syrischer Student an der Technischen Universität Charlottenburg. Mit ihm verloren die Muslime im Deutschen Reich ihre herausragenste Persönlichkeit.

Während die Islamische Gemeinde in Berlin trauerte, kam Tschelebis Tod den Nationalsozialisten sehr gelegen: Er enthob sie der unangenehmen Pflicht, gegen den prominenten Muslim vorzugehen und sich dadurch bei den Anhängern der Lehre des Propheten unbeliebt zu machen. Die Umstände seines Todes blieben ungeklärt. Auch was mit seiner Leiche geschah und wo sie bestattet wurde, ist nicht bekannt.

Man kann vermuten, dass Mohammed Nafi Tschelebi schon von dern Schergen Hitlers beobachtet wurde. Am 30 Mai 1930 hatte sich, von Tschelebi angeregt, die Deutsche Moslemgemeinde gegründet, später „Deutsch-Muslimische Gesellschaft„. Ihr Ziel war, „das Verständnis für den Islam zu fördern“ und die „Kameradschaft unter den Muslimen in ganz Europa zu pflegen“.

Nicht nur Muslime, sondern auch Andersgläubige – wie Juden und Christen – durften Mitglied werden. Die Nazis hielten diese Organisation zeitweilig für einen „Zufluchtsort für Kurfürstendammjuden„, reiche Deutsche mosaischen Glaubens, die im vornehmen Westend lebten. Auch der kosmopolitische Zuschnitt des Vereins war den Nationalsozialisten suspekt. Bei einigen Mitgliedern witterten sie „bolschewistische Gedanlen.“

Erst mit Mohammed Nafi Tschelebi war ein frischer politischer Wind durch die islamische Gemeinde Berlins gezogen. Eine Gruppe arabischer und nationalistischer Studenten im Tschelebi hatte 1927 die Führung übernommen. Ihr autokratischer Leite, der Inder Abdel Jabbar Kheiri, wurde abgesetzt. Tschelebi übernahm auch den Vorsitz der muslimischen Studentenvereinigungen „Islamia“ und „El-Arabyia“.

Im selben Jahr gründete Tschelebi das „Islam-Institut“* im Humboldt-Haus in der Fasanenstrasse (heute: Literaturhaus) als Gegenpol zu der traditionell mehr konservativen und unpolitischen Islamischen Gemeinde. Das Institut sollte die „Entfremdung zwischen Europa und der islamischen Welt“ überwinden helfen. Seine Gründer verstanden sich als „ehrliche Makler“ in völkerverbindender Mission. Auch bei der Gründung des Islamischen Weltkongresses 1932 in Berlin sass Tschelebi im Vorstand.

Nach Tschelebis Tod führten das Islam-Institut und die Deutsch-Muslimische Gesellschaft nur noch ein Schattendasein. Seine Nachfolger verstrickten sich in endlose Intrigen und Profilierungskämpfe. Das völkerverbindende Motto und der Gedanke der Verständigung zwischen den drei grossen Buchreligionen wurde zu den Akten gelegt.

Dabei mischten die Nazis wenig später kräftig mit. Die deutsche Wehrmacht marschierte 1941 in Richtung Ägypten, und im Irak putschte eine anti-britische Offiziersclique. Die Nationalsozialisten definierten ihre Interessen im Nahen Osten neu. Nach der Eroberung Nordafrikas sollte das britische Mandatsgebiet Palästina von zwei Seiten in die Zange genommen werden. Deutsche Truppen sollten über den Kaukasus vorstossen und im Irak eine Marionettenregierung etablieren.

Der ägyptische Journalist Kamal Eldin Galal gründete am 21.9.41 im Restaurant Berliner Kindl am Kurfürstendamm das „Islamische Zentral-Institut e. V.“ – unter wohlwollender Billigung des Auswärtigen Amtes, das sich eine Propagandawirkung in der arabischen Welt versprach. Die meisten Mitarbeiter des neugegründeten Instituts arbeiteten auch als Journalisten für das Amt, Galal unter dem Decknamen Baschir Sufian.

SS Mullahschule

Im Juni marschierten die Engländer in den Irak ein. Einer der Drahtzieher des Putsches war Amin El-Husseini gewesen, ein fanatischer Antisemit und Mufti von Jerusalem. El-Husseini hatte seine Finger in mehrere Aufständen arabischer Nationalisten in Palästina gehabt und stand auf der englischen Fahndungsliste ganz oben. Der Gesuchte floh über Teheran und Italien nach Berlin.

Dort traf der Mufti am 6.11.41 ein, nannte sich fortan „Grossmufti von Palästina“ und verlangte gleich, dass ihm „eine grössere Judenwohnung“ zur Verfügung gestellt werden sollte. Das geschah – Adresse: Goethestrasse 27 in Zehlendorf. Bald darauf wurde er von Hitler persönlich empfangen.

Amin el-Husseini gelang es in kurzer Zeit, sowohl das „Islamische Zentralinstitut“ als auch die Islamische Gemeinde zu instrumentalisieren und alle seine Gegenspieler kaltzustellen. Bei der Einweihung des Instituts im Prinz-Albrecht-Palais, dem „Haus der Flieger“, wurde der Mufti von der Islamischen Gemeinde als „Führer der arabischen Welt“ begeistert empfangen. In seiner antisemitischen Hetzrede behauptete er unwidersprochen, die Juden seien die „erbittersten Feinde“ der Moslems und seit jeher ein „zersetzendes Element“. „Das Weltjudentum“ hätte den Krieg entfesselt.

In den letzten Kriegsjahren intervenierte el-Husseini von Berlin aus bei diversen Behörden, um zu verhindern, dass osteuropäische Juden auswandern konnten. Adolf Eichmann hatte Mai 1943 den Briten vorgeschlagen, 5000 jüdische Kinder aus Bulgarien nach Palästina emigrieren zu lassen, im Austausch gegen die Freilassung internierter Deutscher im Ausland. Der Mufti protestierte bei der SS – erfolgreich. Die Kinder wurden stattdessen nach Polen geschickt, in den sicheren Tod. Ein deutscher Beamter protokollierte, dass der Mufti die Juden „am liebsten alle umgebracht“ sähe.

Amin el-Husseini | Bosnische Freiwillige

Der Großmufti von Jerusalem bei den bosnischen Freiwilligen der Waffen-SS. Der Großmufti schreitet die Front mit Hitlergruß ab. Credits: Wikipedia | Bundesarchiv

1944 reiste el-Husseini mehrfach nach Bosnien, wo er im Auftrag der SS muslimische Regimenter rekrutierte. Die bosniakische „Waffen-Gebirgs-Division-SS Handschar“ erfreute sich des Wohlwollens Heinrich Himmlers, der sich um die religiöse Erziehung kümmerte. In Dresden wurde eine Mullah-Schule der SS eingerichtet. Himmler schwärmte von der „weltanschaulichen Verbundenheit“ zwischen dem Nationalsozialimus und dem Islam.

Bei Kriegsende floh Amin el-Husseini in die Schweiz. Von Frankreich aus gelangt er nach Kairo, dann in den Libanon. Obwohl Jugoslawien ihn als Kriegsverbrecher ausgeliefert sehen wollte, ließen ihn die Alliierten laufen: Sie hofften, sich seiner in Palästina bedienen zu können.

Der Mufti genoss die Unterstützung der Arabischen Liga und finanzierte mit dem von den Nazis erhaltenen Geld die sogenannte Arab Liberation Army, die die Juden in Palästina terrorisierte. 1949 rief das Arab Higher Comittee, eine einflussreiche Gruppe palästinensischer Notablen, el-Husseini zum Präsidenten einer Gesamt-Palästinensischen Regierung im Gaza-Streifen aus. 1951 wurde der jordanische König Abdullah ermordet. Die Täter gehörten zu einer Geheimorganisation, die der Grossmufti 1948 gegründet hatte, um „Palästina vor den Zionisten zu schützen“. Einer der zum Tode verurteilten Verschwörer, Dr. Mussa Abdullah el-Husseini, war ein Vetter des Muftis.

Im selben Jahr immatrikulierte sich ein weiterer Verwandter El-Husseinis an der Universität Kairo: Rahman Abdul Rauf el-Qudwa el-Husseini. Der Student hielt es für ratsam, seinen genauen Namen zu verschweigen, um sich von der kompromisslosen und fanatisch antisemitischen Politik des Grossmuftis zu distanzieren. Er nannte sich später Yassir Arafat.
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* Das damalige „Islam-Institut“ hat nichts mit dem Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland zu tun, obwohl dieses immer wieder – historisch falsch – eine Kontinuität behauptet.

Literatur: Kurt Gensicke: Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten: Eine politische Biographie Amin el-Husseinis, 1988

Die Pyramiden waren gar nicht so!

Wir haben ja schon Probleme mit Politikern, die total dumm sind, aber wenn ich linker oder auch nur einigermaßen gebildeter US-Amerikaner wäre, würde ich schier verzweifeln. Als Zyniker kann ich nur sagen: Ben Carson for president!

Longue durée

Zeit online: „In den Innenministerien der Bundesrepublik und der DDR haben in den Nachkriegs-Jahrzehnten mehr ehemalige Nazis gearbeitet als bisher angenommen. (…) In der Belegschaft des Bundesinnenministeriums in Bonn lag der Anteil ehemaliger Mitglieder der NSDAP demnach zeitweise bei 66 Prozent.“

Muss man jetzt die Frage stellen, welches Deutschland nach dem Krieg das Bessere war, Ost oder West? Und was ist die Antwort? Und was lehrt uns das?

Mittelschichtfernsehen oder: You are not smart

secondlife
Womit sich die Leute in anderen Welten so beschäftigen…

Das habe ich mich schon immer gefragt: Warum werden die Leute nicht klüger, obwohl alle Informationen da sind, um alle religiösen und andere gesellscaftlichen Wahnidenn – wie etwas den Glauben an den Markt(TM) – ad absurdum zu führen`? Der Guardian fragt sich das auch: „How intelligent are you? It’s a question that is often best left unasked – particularly on a Monday morning.“

Die British Psychological Society (BPS) hat darauf eine klare Antwort: „Googling stuff can cause us to overestimate our own knowledge“. Das Internet als knowledge base ist nicht schuld, dass die Menschen dumm bleiben (wollen): „Socrates once spoke of how the invention of writing would destroy our ability to remember, a critique that we now know is somewhat preposterous. We should be wary therefore that this new finding about the internet creating an illusion of knowledge might not be specific to the internet at all.“

Der Guardian setzt sogar noch eins drauf: „A second study, reported this month in the Journal of Experimental Psychology, finds that, counterintuitively, accumulating knowledge can lead people to become more closed-minded.“ [Das erinnert mich auch an meine Frage, die ich seit 20 rund Jahren stelle: Warum verlinken deutsche Medien online immer noch nicht dieQuellen?]

Mit anderen Worten: Wer nur Wissen anhäuft oder über den Zugang zu geballtem Wissen aka Internet verfügt, weiß nicht automatisch mehr, er oder sie läuft sogar Gefahr, ein Brett vor dem Kopf zu haben wie Esoteriker und Volkswirtschaftler, also engstirnig zu sein.

Das Fazit der Analysen bestätigt aber das, was ich als Dozent praktiziere: Studenten sollten auch während eines Examens oder der Prüfungen Zugang zum Internet haben. Bloßes Faktenwissen ist kein Garant für analytisches Denken.

There is however no evidence that in practice this is a bad thing, as we can assume that the cognitive capacity saved by not having to memorise easily accessible information can be put to good use elsewhere. We can never know everything, but we can always increase our analytic abilities. It has even been suggested by the head of the British school exam board OCR, that it is “inevitable” that students will eventually be allowed to use Google in exams, as memorising facts is no longer viewed as an important skill.

mittelschichtfernsehen

Das Neue Deutschland offeriert heute einen der interessantesten medientheoretischen Artikel, den ich seit langem gelesen habe. Britta Steinwachs schreibt „Von gefühlskalten Machos und roher Sexualität: Hartz-IV-Klischees im Fernsehformat“.

Meine Theorie, dass es kein „Unterschichtenfernsehen“ gäbe, scheint auch von anderen geteilt zu werden.

Die mechanische Konstruktion der Geschichten im »Bäumchen-wechsel-dich-Prinzip« macht den Vorwurf des moralischen Verfalls der »Unterschicht« in mehrfacher Hinsicht deutlich: Einerseits werden Persönlichkeiten in ihren ordinären und oberflächlichen Bindungen zu austauschbaren Lustobjekten degradiert. Andererseits gilt eine frühe Schwangerschaft als Beweis dafür, dass in den »unteren Milieus« kein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein für das Wohl der Kinder vorherrsche. Das Vulgäre, das ihren Beziehungen anhafte, wird als handfeste Dummheit inszeniert, welche als aktive Bildungsverweigerung daherkommt und somit die Handelnden selbst zur Rechenschaft zieht und nicht etwa das ihnen die Bildung faktisch vorenthaltende kapitalistische System.

Diese massenmediale Erzählung etablierte sich vor 15 Jahren in der Sozialstaatsdebatte. (…) Die Lebensziele der gezeigten Akteure aus der »Unterschicht« orientieren sich meist an bürgerlichen Werten, allerdings scheitern sie mit solch einer grotesken Dämlichkeit, welche jegliche Bemühungen ins Karikaturenhafte zieht und damit jedes Mitleid unmöglich macht.

mittelschichtfernsehen

Das kann man gar nicht besser formulieren. Ich vermute schon lange, dass Studienräte, Architekten, Immobilienmakler und andere angehörige der sogenannten Mittelschicht vor der Glotze hocken und sich an der dort vorgeführen „Dumnheit“ der da unten ergötzen und sich in dem Gefühl suhlen, etwas Besseres sein. Der mediale Mainstream, zu dem auch Unterhaltung gehört, ist ohnehin, wie hier schon thematisiert, der Diskurs der Mittelschichten: Nach oben buckeln, nach unten treten. Wie schon in der Weimarer Republik – mit dem bekannten Ergebnis, wenn sich die Kämpfe der Klassen verschärfen.

Maternal Gatekeeping oder: Wir sind nicht frei

Ein lesenswertes Interview mit Cornelia Koppetsch, einer Soziologin, kann man im aktuellen Print-Spiegel lesen: „Die Frau will die Kontrolle“.

O je, Wikipedia: wer hat da was geraucht? „Koppetsch ist Mitbegründerin eines milieuvergleichenden Ansatzes in der Geschlechterforschung, der die Persistenz traditioneller Rollenaufteilungen in Paarbeziehungen weder auf biologische oder anthropologische Muster, noch auf herrschende, patriarchale Machtstrukturen bezieht, sondern davon ausgeht, dass es eine latente Übereinstimmung zwischen Männern und Frauen hinsichtlich des „richtigen“ Mannseins bzw. Frauseins gibt.“

Ich übersetzte das mal anhand des Interviews. Sie sagt, ob Männer und Frauen sind anders verhielten, sei je nach Milieu unterschiedlich. Im so genannten „familistischen“ Milieu bestehe am ehesten die Chance, dass die klassischen Rollen sich veränderten, im akademischen Milieu eher nicht.

Das wird den akademischen Gendersprech-Tussen aber gar nicht gefallen. Koppetsch interessiert sich eher für Fakten. Das Fazit ist pessimistisch. Auf die Frage, ob die Menschen ihr Verhalten änderten, obwohl sie merkten, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinanderfallen, antwortet sie:
Weil ihr Verhalten auf sozialen Normen fußt, also auf Gesetzmäßigkleiten, die sich nur langsam und kollektiv ändern können. Und bis es so weit ist, bleibt das Individuu darin gefangen. Wir Menschen entwickeln unsere Identität nicht unabhängig von der Anerkennung der anderen. Wir sind nicht frwi in dem, was uns ausmacht – und daher nur bedingt in der Lage, uns anders zu verhalten.

Es geht um Macht und unter anderem auch um Maternal Gatekeeping.

Jedenfalls eine brilliante und kluge Frau. (Ja, ich finde Intelligenz bei Frauen sexy!) Lesenswert!

Polynesian seafarers discovered America long before Europeans

polynesians
Hawaiian navigators sailing multi-hulled canoe, c. 1781, Photo: Wiki Commons

Mother Nature Network: „The prevailing theory about the „rediscovery“ of the American continents used to be such a simple tale. Most people are familiar with it: In 1492, Christopher Columbus sailed the ocean blue. Then that theory was complicated when, in 1960, archaeologists discovered a site in Canada’s Newfoundland, called L’Anse aux Meadows, which proved that Norse explorers likely beat Columbus to the punch by about 500 years.

Now startling new DNA evidence promises to complicate the story even more. It turns out that it was not Columbus or the Norse — or any Europeans at all — who first rediscovered the Americas. It was actually the Polynesians.“

Ich finde solche Geschichten großartig. Man muss sich das mal vorstellen…

„The findings show that the technological capabilities of ancient peoples and cultures from around the world should not be underestimated, and that the history of human expansion across the globe is probably far more complicated than anyone could have previously imagined.“

SIE sind da draussen!

The Atlantik: The Most Mysterious Star in Our Galaxy (…) „It looked like the kind of thing you might expect an alien civilization to build.“

Massenmord in Mohammeds Gegenwart

Jüdische Rundschau: „Als Mohammed 622 in Medina eintrifft, machen die Juden ungefähr die Hälfte der Bevölkerung aus. (…) Aber trotz aller Bemühungen kann Mohammed die Juden nicht für sich gewinnen, sie erkennen ihn nicht als Propheten an, denn seine Offenbarungen sind für sie nicht göttlicher Natur. Vielmehr decken sie seine Schwächen auf und überhäufen ihn mit Hohn. Dafür zahlen sie schon bald mit blutiger Münze. Als Erstes lässt Mohammed ein grundsätzliches Gebot unter den Tisch fallen: das jüdische Tötungsverbot, aus dem ein Tötungsgebot wird, das sich als Erstes gegen die Juden richtet.“

Miscellaneous, reloaded

Gebäude

Quizfrage: Welches Berliner Gebäude ist das, und warum stehen die Figuren da herum? Und was bedeuten sie?

Nein, deutsche Medien sind fast immer uninteressant. Der Guardian beschreibt, warum es den „islamischen Staat“ gibt. Dazu passt RT (Russland): „Russia’s ambassador to the United Nations, Vitaly Churkin, dismissed the US claims accusing Bashar Assad’s regime for the rise of Islamic State (ISIS/ISIL). Islamic State’s rise goes back to the US-led intervention in Iraq, he said.“

Salon: „Bernie Sanders declares war on the prison-industrial complex with major new bill“. Haben wir den Begriff „militärisch-industrieller Komplex“ schon einmal in deutschen Mainstream-Medien gelesen? Und wer gehört hierzulande dazu? Ich frage ja nur….

Auch in der Wissenschaft gibt es Interessantes. Schrödingers Katze soll, wie nicht anders zu erwarten ist, bald ganz real an zwei Orten gleichzeitig sein. (Ist auch die Rubrik: Unser täglich Katzenfoto gib uns heute.)

Und noch einaml der Guardian: „Nasa releases new photos of Pluto that ‚make you feel you are there'“. Must see. ist auch bei Heise zu bewundern.

Futurezone: Der Start der Orion-Kapsel wird verschoben. „Es gibt Geldprobleme und Verzögerungen bei der Software-Entwicklung.“ Soll die vielleicht vom Berliner Flughafen aus starten? Und was ist mit den Rauchmeldern?

Fehlt noch der Kiezneurotiker: „Benimm dich, Sachse!“

Selfie vom Mars

selfie vom mars
Credits: NASA/JPL-Caltech/MSSS

NASA: „Looking Up at Mars Rover Curiosity in ‚Buckskin‘ Selfie“. Ich find’s großartig.

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