Virtue Signalling

„Viele neigen dazu, sich in der Öffentlichkeit durch Bekundungen bereits sozial akzeptierter Einstellungen und Tugenden in ihrer moralischen Exzellenz zu suhlen. James Bartholomew bezeichnet dieses Phänomen als „Virtue Signalling“ (übersetzt etwa: ‚verbale Gutmenschenbekundung‘). Menschen präsentieren sich demnach im besten moralischen Licht, indem sie politisch korrekt, oft aber emotional und unsachlich, durch die demonstrative Verurteilung oder Unterstützung einer Position oder Person Stellung beziehen. Das Statement dient dazu, sich vor Freunden oder in der Politik auf der „richtigen Seite“ zu positionieren.

Weil diese Bekundungen dem Mainstream entsprechen, sind sie für die Person nicht risikobehaftet und höchst bequem. Beispielsweise kann man sich einen FCK-AFD-Aufkleber auf sein Auto kleben und möchte damit verdeutlichen, ein guter und liberaler Mensch zu sein. Gegen Rassismus hat man dadurch aber sonst nichts geleistet.

Als Virtue Signalling darf wohl auch die Teilnahme an der Ice Bucket Challenge oder die Mitwirkung an der Bewegung #ichbinhier gelten.

An alle, die auf den Zug der moralischen Eigenwerbung aufspringen: Macht euch doch erst einmal eigene Gedanken! Wollt ihr nicht auch an wahre Dinge glauben? Allein dass der Konsens über das gesellschaftlich akzeptierte Sag- und Denkbare einem ständigen Wandel ausgesetzt ist, sollte stutzig machen.

Es ist klar, dass das Querdenken, die eigene Meinung, eher Gefahr läuft, von anderen nicht akzeptiert zu werden und somit negative Gefühle hervorrufen kann. Haltet es aus!

Wenn ihr nicht mutig genug seid, selbst öffentlich zu eurer Meinung zu stehen, weil sie gesellschaftlich gerade nicht im Trend liegt, so beachtet zumindest dies: Im Kollektiv propagierter Unsinn kann eine Gruppendynamik entfachen, die nicht nur Religionen hervorgebracht, sondern historisch auch schon zum sozialen Ausschluss oder Tod von Menschen geführt hat, deren Meinung und Überzeugungen vom Mainstream abwich. Unter dem Vorwand der vermeintlich wahren moralischen Gesinnung wurden schon die unmoralischsten Gräueltaten verübt.

Vordergründig sollte es in Diskussionen wieder mehr um die gemeinsame Wahrheitssuche und den Inhalt anstatt um die moralische Selbstdarstellung und somit auch den moralischen Ausschluss Andersdenkender gehen.“

(via Gott und die Welt, Facebook)

Naumannianer

Naumannianer

Ich habe ein interessantes Dokument gefunden, es ist nicht datiert, muss aber aus der Zeit vor 1935 stammen. Es ist ein Wahlaufruf der so genannten Naumannianer, auch bekannt als Verband nationaldeutscher Juden – eine ultrareaktionäre jüdische Politsekte in der Zeit der Weimarer Republik.

Der VnJ manövrierte sich durch seine Haltungen und Hetztiraden letztlich selbst ins Abseits. Er spaltete sich einerseits immer stärker von der jüdischen Gemeinschaft ab, stieß andererseits aber nicht auf die angestrebte Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft. Den Nationalsozialisten waren die Anbiederungsversuche der Naumann-Juden ein besonderer Dorn im Auge, weshalb der VnJ früher als andere jüdische Organisationen am 18. November 1935 verboten wurde.

Warum denke ich jetzt an das Stockholm-Syndrom?

Interessanterweise lag der Aufruf – zusammen mit anderen Zeitungsausschnitten – in The Stroop Report: In German and English by Jurgen Stroop (2014-02-07), das Buch hatte ich mir antiquarisch bestellt. Ich glaube aber nicht, dass das Papier Teil des Buches ist.

Demut und der Druck, fit zu bleiben

Muskeln

Mit Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben? bin ich fast durch. Ich muss ständig schmunzeln oder losprusten wegen des abgrundtiefen und erholsamen Zynismus, von dem das Buch nur so trieft. Ehrenreich ist Wissenschaftsjournalistin, kann extrem komplexe Sachverhalte verständlich darstellen und glaubt grundsätzlich niemandem auch nur ein Wort, solange man das nicht auf drei verschiedene Arten beweisen kann. Sämtliche Gesundheits-und Wellness-Gurus kriegen ihr Fett ab, und viele Wissenschaftler, die auf irgendeinen Mainstream meinten aufspringen zu müssen, auch.

Falls man daraus eine Lehre ziehen kann, dann ist es wohl Demut. Trotz unserer vielgepriesenen Intelligenz und „Komplexität“ sind wir nicht die alleinigen Lenker unserer Geschicke oder überhaupt von irgendwas. Man kann verbissen seine Fitnessübungen machen und nach den neuesten Moden der Ernährungswissenschaft essen und trotzdem am Stich einer Biene sterben. Auch schlank und beispielhaft fit kann man einen Makrophagen in sich tragen, der beschließt, mit einem heranwachsenden Tumor gemeinsame Sache zu machen. (…) Der Druck, fit und schlank zu bleiben und den eigenen Körper im Griff zu haben, lässt im Alter keineswegs nach: Vielmehr werden die Daumenschrauben angezogen. Familienmitglieder und Ärzte bearbeiten Ältere, sich in einem Fitnessstudio anzumelden, „gesund zu essen“ oder allermindestens tägliche Spaziergänge zu unternehmen. Wer darauf gehofft hat, nach Jahrzehnten von Stress oder körperlicher Schwerstarbeit in einen Lehnstuhl oder eine Hängematte zu sinken, wird möglicherweise enttäuscht.

Lesenswert für Leute, die gern „Wellness“ machen (die Lektüre ersetzt mehrere kalte Duschen).

Klassenbewusstsein und trapezoides Kanuisieren auf der Havel

HavelHavelHavelHavelHavelHavelWassersportheim Stößensee

Fitness oder die Bemühungen, sie zu erreichen, bekamen für die Mittelschicht bald eine andere Bedeutung – sie wurden zu einem Identifikationsmerkmal oder einem „Marker für die Schichtzugehörigkeit“. Gegend die Fitnessregeln verstoßendes Verhalten wie Rauchen oder mit einem Bier vor dem Fernsehapparat zu sitzen, signalisierte Zugehörigkeit zur Unterschicht, während gesundheitsbewusstes Verhalten auf eine höhere Schicht hindeutete – selbst wenn der einzige Hinweis die Sporttasche in der Hand oder die Yogamatte unter dem Arm war. Ähnliches galt für die Ernährung. In den 1970er-Jahren schienen Lebensmittel sich entlang der Klassenschranken zu sortieren. Die Wohlhabenden wählten „natürliche“ biologische Produkte mit Vollkorn oder überhaupt „vollwertige“ (was auch immer das heißen mag) und vor allem „reine“ Nahrungsmittel. Fest mit solchen Etikettierungen verbunden war die Betonung von wenig Fett; (…) Doch der lange Feldzug gegen Fett etablierte auch die Vorstellung, dass Fett etwas für wirtschaftliche Verlierer ist – Burger und Pommes mit Mayo als Signal für die Zugehörigkeit zur Unterschicht. (Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben?)

Ich empfehle dieses Buch – wie auch alle anderen von Barbara Ehrenreich: Scharfsinnig und mit großem Witz und Selbstironie geschrieben, wer Sport und „Wellness“ betreibt und wer denkt, eine medizinische Vorsorgeuntersuchung sei staatsbürgerliche Pflicht, sollte es lesen. Wenn man Ehrenreichs Bücher kennt, weiß man immer schon, was zehn Jahre später in Deutschland – mit geringerem Niveau – diskutiert wird.

And now for something completely different (nicht wirklich). Ich betreibe das Kajaken, Kanuisieren bzw. Paddeln bekanntlich nicht als Sport, sondern zu meditativ-chilligen Zwecken, obwohl es angeblich gut für das Trapezoide meine Körpers ist.

Hier neue Eindrücke – die Havel südlich der Stößenseebrücke, vorbei an der Halbinsel Schildhorn und dem Grunewaldturm bis Lindwerder.

Ich war ziemlich spät losgepaddelt, und als ich überlegte, ob es sich noch lohnen würde, weiterhin in See zu stechen, zogen über Spandau dunkle Wolken auf, und ich kehrte um. Ich bin Neuling, was Sturm und Wind auf Stadtgewässern betrifft, und das kabbelige Wasser und der heftige Gegenwind von Norden machten mir ziemlich zu schaffen – aber mein Rücken fand es vermutlich gut.

Am Himmel zuckten die ersten Blitze, und mein Kajak wäre oft abgetrieben worden, wenn ich nicht kräftig gegengehalten hätte. Als ich die Stößenseebrücke erreichte, fing es an zu schütten – auch eine interessante Erfahrung. Die letzten 300 Meter ließen mich frohlocken, dass ich eh nur eine Badehose anhatte. Mit letzter Kraft bekam ich das Boot noch ins Bootshaus und könnte mir das Wüten des Regens, Donner und Blitz vom Trockenen aus ansehen, während ich mich abrubbelte.

Demnächst gerne wieder.

Please press your desired button

Wenn ihr am Geldautomaten seid und die Karte zückt, passt auf, dass keine Krähe in der Nähe ist. Vielleicht wäre anschließen das Konto leer und ein Krähenschwarm machte eine große Party.

Lesbar

ehrenreichdas kapital

Neu in meiner Bibliothek: Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben? sowie Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie | Erster Band Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski.

Von Barbara Ehrenreich kann man ohnehin alles lesen. Sie wurde hier schon mehrfach lobend erwähnt.

And now for something completely different (nicht wirklich).

200!

MEW

Heute ist der 200. Geburtstag Karl Marxens. Was muss man dazu sagen? Vielleicht sollte man Euklid fragen. Sind dessen Lehrsätze noch richtig, obwohl sie unglaublich alt sind? Wenn ja, dann gilt das auch für vieles, was Marx geschrieben hat, zumindest als Methode und Idee, wie man weiter denken könne.

Ich fände es übrigens lustig, wenn sich die Leute 200 Jahre nach meinem Geburtstag immer noch über mich aufregten oder gar die Chinesen meinem Geburtsort eine Statue von mir schenkten.

Die aktuelle Lage des Kapitalismus in Europa

kapitalismus

Die aktuelle Lage des Kapitalismus in Europa in einem Schaubild dokumentiert, von Gergely Polner: „This is just brilliant – this map shows the biggest trading partner for each country“.

Nimm dies, Macron!! Oder: Defeat of the French in Dien Bien Phu

Historische Bildung kann ja nie schaden: Schlacht um Điện Biên Phủ im Rahmen des Indochina-Krieges. Youtube hat eine längere Dokumentation (ca. 13. Min.) zum Thema. Ein kleiner Film widmet sich zusätzlich der französischen Kapitulation. Man sollte sich, wenn man an denkt, auch an den Namen Võ Nguyên Giáp erinnern. Interessant auch ein Artikel von Sven Felix Kellerhoff zum Thema: „Dien Bien Phu – die letzte Schlacht der Waffen-SS?“

Nimm dies, Macron!

Nur gegen die Religion

Heiko Heinisch schreibt auf Die Kolumnisten über „Was der Islam Europa gebracht hat – und was nicht“. Interessanter Artikel, der klar macht, dass Wissenschaft und Vernunft immer gegen Religion durchgesetzt werden mussten und das muslimische Gelehrte immer gegen den Islam argumentieren mussten – ähnlich wie die Stimmen der Vernunft im Feudalismus, in der Renaissance und in der frühen Neuzeit das Christentum als Gegner hatten.

Facebook und die drei Siebe des Sokrates

Facebook

Gestern diskutierte ich mit engen Freunden über so genannte „soziale Netzwerke“. Am 03.12.2016 (also vor zwei Jahren) schrieb ich hier:

Das Magazin (mit recht naiven Statements des Autors): „Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minutiös zu analysieren. (…) Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst ausfüllen. (…) Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.“

Schon klar. Das ist nicht neu. Steht genau beschrieben (fast wörtlich) bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung.

Und jetzt (in Worten: jetzt) gibt es einen „Skandal“, dass Daten von Facebook-Nutzern an die Politik verkauft wurden? Cordt Schnibben schreibt auf Facebook: „Kopfschüttelnd schaue ich seit Tagen zu, wie Freunde glauben, die richtige Reaktion auf das Datendesaster bei Facebook sei der Abschied. (…) Facebook etc. sind amerikanische Unternehmen, die Geld machen mit der Kommunikation zwischen mir und ein paar tausend Leuten; dennoch sind soziale Medien mehr als das, sie sind Teil der Öffentlichkeit geworden, die ich als Bürger (und als Journalist) nutzen sollte, so wie ich das Telefon und die Straße benutze.“

trump

Ich brauche Facebook nicht, nutze es aber trotzdem. Für mich ist es Unterhaltung und schult gleichzeitig in Medienkompetenz, weil die Seriösität von Informationen nicht vom Medium borgegeben wird. Meine Vorlieben, den Konsum von Informationen bzw. Medien betreffend, könnte ich auch ohne Fratzenbuch ausleben; ich müsste mir nur eine Linkliste anliegen (mit diesem hier (Facebook) zum Beispiel – oder diesem) oder RSS-Feeds abonnieren.

Mein Argument „gegen“ meine Freunde, die alle nicht „soziale“ Medien nutzen, war, dass die Algorithen genau das imitieren – mehr schlecht als recht -, was im realen Leben auch geschieht: Man traut den Fakten mehr, wenn sie von Leuten verbreitet werden, die man kennt oder womöglich sogar mag. Die Deutungshoheit der Journaille ist perdu, und das ist gut so.

pumch

Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung.
„He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen.“
„Moment mal“, unterbrach ihn der Weise. „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“ fragte der Andere voller Verwunderung.
„Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es irgendwo und . . .“
„So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?“
Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil …“
„Aha!“ unterbrach Sokrates. „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?“
„Notwendig nun gerade nicht …“
„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“

Wenn man das beherzigte, wäre Facebook wüst und leer.

facebook

The Golden Bough

the golden Bough

„Frazer is much more savage than most of these savages.“ (Ludwig Wittgenstein)

Die Weiße Göttin von Robert von Ranke-Graves ist eines der fünf wichtigsten und interessantesten Bücher, das ich jemals studiert habe. Darin wird Frazer oft erwähnt. Schon seit Jahren plante ich, auch „the Golden Bough“ zu lesen. Ich wusste gar nicht, dass man das Buch gar nicht mehr kaufen muss.

„The Golden Bough“ gibt es als E-Book gratis und auch online. Vermutlich werde ich ein paar Jahre lang darin schmökern.

Walther, Vladimir, Amos, Margaret und Ragnar

copacabana

Ich saz ûf eime steine
und dahte bein mit beine:
dar ûf satzt ich den ellenbogen:
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dó dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben.

Ich sitze da sinnierend in Bolivien in der Nähe des Titicaca-Sees, südwestlich von Copacabana – die Routa Nacional 2 gab es damals noch nicht, es war ein beschwerlicher Fußweg hinunter ins Tal an die peruanisch-bolivianische Grenze (1984). Im Hintergrund sind die schneebedeckten Gipfel der Anden zu erkennen.

And now for something completely different. Ich nehme an, dass hier zahlreiche Astronomen und Astrophysiker mitlesen. IFLScience berichtet: „Putin says Russia is going to launch a mission to Mars next year. There’s just one tiny problem. “ Man ahnt schon, dass das Problem gar nicht so tiny ist, wie die Überschrift ironisch suggeriert.

Here we go: „Well, you can’t just launch a mission to Mars whenever you want. Owing to the orbits of our two planets around the Sun, there are only specific windows when you can actually get there, using what’s known as a Hohmann transfer orbit. (…) . Unless Russia has developed some sort of warp drive (they haven’t) or they’re planning some really weird route to Mars (they probably aren’t), then a launch in 2019 just isn’t possible.“

Ist das wahr? Ein User dort kommentiert: „Not quite accurate. The Hohmann transfer orbit is the most effiecient way to get to Mars and maximizes the payload that can be sent. However, if you are willing to trade payload mass for propellant mass, you can get to Mars at other times.“

And now for something completely different. Amos Oz schreibt in der Jüdischen Allgemeinen: „Es ist möglich und auch angemessen, dass Juden und Araber zusammenleben, aber ich kann nicht akzeptieren, als jüdische Minderheit unter arabischer Herrschaft zu leben, denn fast alle arabischen Regime im Nahen Osten unterdrücken und erniedrigen Minderheiten.“ Starkes Argument.

And now for something completely different. „The Computer History Museum honors Margaret Hamilton for her leadership and work on software for DOD and NASA’s Apollo space missions and for fundamental contributions to software engineering.“ Dazu gibt es ein großartiges Foto von ihr neben Ausdrucken der Apollo-Flugsoftware.

And now for something completely different. Der Berliner Senat verbietet Vögeln das Vögeln. Just saying.

Welche (französischen) Filme ich nicht sehen möchte? Keine „turbulenten“ Mann-Frau-Kind-Eltern-Schwiegereltern-Familien-Migranten-Behinderte-Liebes-, Verwechslungs-, Beziehungs-, Trennungs- und Versöhnungskomödien. Übrigens: Die zweite und dritte Staffeln von Vikings sind noch besser als die erste.

Pitching a tent with no camping equipment

IFLScience beantwortet die Frage: „Why do men get morning wood?“

Creepy oder: The Nudity of Seti

seti

Credits: The Universe of Carl/Facebook

Was sagt das Seti-Institut dazu?

Stilleben mit: The Masculine Soul et al

breakfast

Ja, ich habe euch darben lassen. Daher jetzt um so mehr Relevantes und weniger Relevantes. Ich bin in der Laune, das obige Frühstück in ein paar Tagen nachzustellen. Ich kenne die Zutaten, außer dem fast schwarzen dunklen Zeug (unten in der Mitte). Was ist das?

linkwood

Endlich habe ich auch wieder eine Flasche meiner Whisky-Hausmarke ergattert: Linkwood, ihr wisst, was ungetorft gut schmeckt! Whisky mit Literatur, was gibt es Schöneres (ausser Beischlaf natürlich)?

Dazu läuft Antti Martikainen im Hintergrund. Wenn man das hört, wachsen Männern automatisch Haare auf der Brust. Warum sind die Finnen eigentlich so gut in Musik? Nightwish, Tarja Turunen, Ensiferum? Weil es da so oft kalt und dunkel ist und man ausser Sex und Komponieren nichts tun kann?

shakespeare

Shakespeare hatte wir hier neulich schon. Wenn ihr jemals Macbeth lesen wolltet: Besser ist der Film Polanskis mit dem Original-Text. Einfach großartig, inklusive Gänsehaut-Faktor. Ein Bloody masterpiece for sure.

schockwellenreiter

And now for something completely different. Kennt ihr die bescheuertste deutsche „Internet“-Firma? Lan1 Hotspots GmbH heisst die und sitzt in Hamburg. Die zensieren (nach irrationalen Kriterien sowieso) und antworten nicht auf E-Mails. Eine deutsche Internet-Firma eben. Schade, dass man das Problem nicht wie in Wikinger-Filmen lösen kann oder persönlich.

Wenn man die entsprechende Pressemeldung liest, platzt einem fast der Kragen ob der Heuchelei, die aus allen Zeilen trieft: „Berlins Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kolat und die Vorsitzende der Geschäftsführung von Vivantes Dr. Andrea Grebe haben heute im Vivantes Klinikum Am Urban kostenfreies WLAN für alle Patientinnen und Patienten in Betrieb genommen und damit einen wichtigen Punkt aus dem 100-Tage-Programm des Senats erfüllt. (…) Für die technische Aufrüstung, die für ein freies WLAN notwendig ist, wurden am Klinikum Am Urban rund 300.000 Euro aufgewendet. Die Kapazität der Datenübertragung konnte damit von vorher 6 Mbit auf jetzt 100 Mbit aufgestockt werden.“ So viel Geld, um Websites zu zensieren. Gutes Deutsch können die auch nicht.

altertumswissenschaft

And now for something completely different. Ich musste heute in alten Papieren kramen. 44 Jahre nach einem Seminar, das ich an der Universität Münster belegt hatte, erfahre ich jetzt, dass mein damaliger Professor Gottlieb Prachner in der DDR ein „Störenfried“ war und es deshalb vorgezogen hatte, dort nicht weiter zu lehren. Ich kam mit ihmwunderbar klar, und er mit mir offenbar auch. Das waren noch Zeiten: Er hat die Studenten seines Seminars zu Semesterende in eine Kneipe eingeladen. Und genau dort lernte ich andere Studenten kenne, deren Erzählungen von Streiks, Besetzungen und Demonstrationen usw. mich dazu bewogen, von Münster an die FU Berlin zu wechseln.

Jetzt breche ich abrupt ab und esse (ausnahmsweise) meine Pizza.

Orgy of Murder

Haaretz: „‚Orgy of Murder‘: The Poles Who ‚Hunted‘ Jews and Turned Them Over to the Nazis. More than 200,000 Jews were killed, directly or indirectly, by Poles in World War II, says historian Jan Grabowski, who studied the brutal persecution of the victims. His conclusion: There were no bystanders in the Holocaust.“

Ein interessanter Beitrag vor dem Hintergrund des neuen polnisches Gesetzes.

Die Jagd auf den Regenbogen

Rainbow
Foto: Burks 2008

Alles Irdische ist eitel. (Die Bibel, Prediger)

Ich empfehle den intelligenten und des sophisticated Englischen kundigen Leserinnen und den klugen und an Wissenschaft interessierten Lesern den Artikel „Chasing the Rainbow: The Non-conscious Nature of Being“ (verdammt schwierig). Vielleicht vorher noch einen kurzen Abstecher zum Spiegeltest und zur Binokularen Rivalität.

Despite the compelling subjective experience of executive self-control, we argue that “consciousness” contains no top-down control processes and that “consciousness” involves no executive, causal, or controlling relationship with any of the familiar psychological processes conventionally attributed to it.

Das ist natürlich Gift für die Moraltheologie. Ich habe mir Wikipedia über Bewusstsein durchgelesen. Wenn man es auf den Punkt bringen will: Wir haben immer noch keine Ahnung. (Die Frage müsste auch sein, was eigentlich die richtige Frage dazu ist. Eine Zwischenüberschrift lautet denn auch: „Anthropomorphism and the Search for Meaning“.)

In our account, we take this argument to its logical conclusion and propose that “consciousness” although temporally congruent involves no executive, causal, or controlling relationship with any of the familiar psychological processes conventionally attributed to it.

Au weia. Jetzt wird es hart. Gefällt mir aber, in dem Sinn: Alle anderen Wissenschaftler hatten bisher Unrecht.

A key feature of our account (…) is that it does not set out to offer an explanation for the subjective “experience of consciousness” but rather to highlight what we consider to be the fundamental misconception rooted in everyday experience and embedded in the powerful folk-view of the nature of “consciousness.” Central to our view (…) is the simple proposition that all neuropsychological processing takes place independently of the experience of “consciousness.” This is not to deny the powerful and ubiquitous existence of “conscious experience” but rather to claim that all executive psychological processes irrespective of how quickly and intuitively causally they might appear, actually reflect background neuropsychological activity that takes place in non-conscious systems. As noted earlier, to avoid unwanted associations embedded in traditional accounts of “consciousness” we have choosen to use the terms “personal narrative” and personal “awareness” in our account in place of “contents of consciousness” and “experience of consciousness.” (…) We describe the process of generating this personal narrative as Internal Broadcasting.

Die neurophysiologischen Prozesse, die im Gehirn ablaufen, haben also nichts oder nur wenig mit dem zu tun, was wir als „Bewusstsein“ bezeichnen. In der Zusammenfassung heißt es:
We take no issue with the experiential primacy or reality of personal awareness and the related powerful sense of agency and self, that we all feel. We argue, however, that central to the traditional domain of “consciousness” is a personal narrative created by and within inaccessible, non-conscious brain systems where personal awareness is no more than a passive accompaniment to this process. In this view, both the personal narrative and the associated personal awareness are end-products of widely distributed, efficient, non-conscious processing that arrives too late in the psychological process cycle for there to be a reason to infer the necessity of an additional independent executive or causal capacity to either of them.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe, aber wenn ja, dann könnte man das Ergebnis wahrhaft in die schöne Metapher kleiden: Was wir meinen zu sei, ist so real wie ein Regenbogen.

KI-Pornos

Wired: „KI-Pornos zeigen kommende Dystopien“. – „‚Fake News‘ waren gestern. ‚Fake Everything‘ ist die Gegenwart.‘

Ich weiß nicht, warum man hier „bedenklich“ schreiben muss. Ich finde es einfach nur interessant.

Graffiti als Interaktionsform

antike graffiti

Screenshot: aus dem E-Book

Freier Download und lesenswert: „Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis.“

Dazu ein ausführlicher Kommentar der Autorin Polly Lohmann: „Writing “I was here” is one of the most basic forms of self-expression. With a history that goes back several thousand years, graffiti-writing teaches us a great deal about our own habits of self-display.“

So etwas gefällt mir. Einfach großartig.

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