From the Earth, Moon and Beyond

OSIRIS-REx

Source: NASA

„OSIRIS-REx is a mission to figure out where we came from, as asteroids are remnants from the formation of our solar system. But while the spacecraft might tell us some things about where we have been and where we are headed, it also can remind us of where we are right now.“

Telepolis schreibt dazu über „Das einsame Raumschiff Erde“, den Nasa-Satelliten OSIRIS-REx und die prekäre Existenz des Lebens.

Episch! Großartig!

Kulturelle Aneignung und anderes Geschwurbel

kulturelle Aneignung

Ist das kulturelle Aneignung?

Mit einer anderen Akzentuierung wird kulturelle Aneignung (engl. cultural appropriation) in der US-amerikanischen Critical-Whiteness-Bewegung genutzt. Der Begriff dient hier u.a. zur Reflexion von Macht- und Diskriminierungsverhältnissen, auf deren Grundlage traditionelle Gegenstände der materiellen Kultur verschiedener Ethnien als Substrat für Kommerzialisierungsprozesse instrumentalisiert werden. Diese Form kultureller Aneignung wird kritisiert, da die betroffenenen Kulturen verloren oder verfälscht werden können.

Schwurbel, schwurbel, schwurbel. Jedermann (!) sieht gleich, welch reaktionäres Konzept von „Kultur“ sich dahinter verbirgt. Typisch neue Kleinbourgeoisie. Und jeder Ethnologe würde, wenn er schon tot wäre, im Grabe rotieren.

Wostotschny oder Baikonur, Hauptsache die Krim!

Einmal mit Profis arbeiten: Laut NZZ hat Russland ein neues Kosmodrom eröffnet, aber die Raumfahrtbehörde Roskosmos hat bei einem Raketenstart im November irrtümlich die Koordinaten des alten Weltraumbahnhofs Baikonur verwendet.

Brainfuck im Bierbaum oder: Fibonacci mit Fellkugel

fibonacci

Das gute Leben: Frühschoppen mit dem Schockwellenreiter im Bierbaum (Facebook mangels Google Street View an dieser Stelle) – wollte schon immer mal über die Visualisierung von Keilschrift-Tafeln, Mesh und Markdown reden. Fibonacci, Bernoulli, Lefèvre und die Fellkugel dürfen auch nicht fehlen.

Curiosity Rover

mars

Immer wieder grandios und faszinierend: Curiosity rover: Martian solar day 1197- High resolution 360° panorama.

A Little Bit Help from outer Space

Bronzeschwerter

Source: By Dbachmann, CC BY-SA 3.0,

IFLScience fragt: „How did Bronze Age civilizations manage to forge iron weapons before they had learned how to smelt iron ore?“ Die Antwort ist verblüffend: “ It turns out, they had a little bit of help from the cosmos, as many of the iron artifacts from this era appear to have an extraterrestrial origin.“ Der Original-Artikel „Bronze Age iron: Meteoritic or not? A chemical strategy.“

Hier das Resume:
• There has been a controversy about the origin of Bronze Age irons that could be either meteoritic or smelted irons.
• A geochemical approach using Fe:Co:Ni analyses, permits to differentiate terrestrial from extraterrestrial irons.
• Meteoritic irons, Bronze Age iron artifacts, ancient terrestrial irons and lateritic ores enable to validate this approach.
• Modern irons and iron ores are shown to exhibit a different relationship in a Fe:Co:Ni array.
• Iron from the Bronze Age are meteoritic, invalidating speculations about precocious smelting during the Bronze Age.

Unter der Haube, Lügenpresse und andere Miszellen [Update]

befreiung der Frau

Sowjetisches Plakat von 1921 (!) gegen Frauenunterdrückung im Islam. Text: „Auch ich bin jetzt frei“.

Das Kopftuch oder wie auch immer man es nennt ist ein Zeichen dafür, dass Frauen unterdrückt werden. Das wusste man schon vor 100 Jahren in der Sowjetunion. Bei den Grünen hierzulande und anderen Sympathisant*_Innen der Verehrer höherer Wesen der islaischen Art ist das noch nicht bekannt. Man ist ja tolerant.

Ulrich Teusch hat Ferdinand Lasalles Meinung über die Presse und die Journaille zitiert:
„Das lukrative Annoncengeschäft hat den Zeitungseigentümern die Mittel gegeben, ein geistiges Proletariat, ein stehendes Heer von Zeitungsschreibern zu unterhalten, durch welches sie konkurrierend ihren Betrieb zu vergrößern und ihre Annonceneinnahmen zu vermehren streben. Aber wer soll unter dieses Heer gehen, wer, der sich selber achtet, wer, der nur irgend welche Befähigung zu reellen Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Gedankens oder des bürgerlichen Lebens in sich fühlt?

Ihr, Proletarier, verkauft euren Arbeitsherrn doch nur eure Zeit und materielle Arbeit. Jene aber verkaufen ihre Seele! Denn der Korrespondent muß schreiben, wie der Redakteur und Eigentümer will; der Redakteur und Eigentümer aber, was die Abonnenten wollen und die Regierung erlaubt! Wer aber, der ein Mann ist, würde sich zu einer solchen Prostitution des Geistes hergeben?

Lasalle, einer der Gründerväter der SPD, war bei Karl Marx aber nicht sonderlich beliebt. Das muss man hinzufügen.

Gestern habe ich mir District 9 angesehen. Wieso hat mir noch niemand etwas von diesem Film erzählt? Ziemlich genial, grimmig und bitterböse – wahrscheinlich konnten deutsche Feuilletonisten das gar nicht aushalten. Ich muss ausnahmsweise Cicero beipflichten: „Inwieweit sind Menschen unappetitlichen Marsmännchen gegenüber zur Solidarität verpflichtet, die auf der Erde Asyl beantragen, und sich dann nicht integrieren lassen? Eine Frage, die der südafrikanische Film ‚District 9‘ famos beantwortet.“

Wer sich von dem Quatsch jetzt erholen muss, schaue sich einen Sonnenaufgang auf dem Mars an.

[Update] Die französischen Behörden dürfen keine genderifizierte Sprache mehr benutzen.

Warum ging die Weimarer Republik unter?

schönbach

Woran ist die Weimarer Republik untergegangen? Es gibt eine Antwort, die allgegenwärtig ist. Die jeweilige Bundesregierung, Wikipedia, die Bundeszentrale der politischen Bildung, die Mehrheit der deutschen Historiker, alle Medien (mit wenigen, aber irrelevanten Ausnahmen), die Macher der Schulbücher und Materialien für Schüler – alle sind mehr oder weniger der gleichen Meinung, oder sie geben so viele Ursachen an, dass gar kein Standpunkt mehr zu erkennen ist.

Das ist doch merkwürdig, oder? Was wäre, wenn alle irrten oder die historische Wahrheit keine Chance hätte, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen?

Ich empfehle Karsten Heinz Schönbach – für alle, die die Fakten zum Thema wissen wollen und auch die, die sich mit der Geschichte der Weimarer Republik beschäftigen.

Warnung: Das Buch ist Wissenschaft vom Feinsten, also gespickt mit Quellen und Aktenauszügen, 658 Seiten lang. [Inhaltsverzeichnis] Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um es komplett durchzulesen. Es war die Mühe wert.

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen. (Heinz W. Pahlke)

Schönbach ist der erste Historiker, der Firmenakten auswerten konnte, die beweisen, dass ohne die finanzielle Hilfe der deutschen Konzerne die NSDAP nicht an die Macht gelangt wäre. (Ja, vorher hat das niemand gemacht!) Die Mehrheit des deutschen Kapitals wollte das oder nahm es billgend in Kauf, weil es ihren Interessen diente.

Äußerst interessant fand ich auch die Passagen, die anhand zahlreicher Firmenakten, Augenzeugenberichten, Briefen und Protokollen belegen, dass Hitler und die NSDAP-Führung bewusst „sozialistische“ Parolen übernahmen, um Wähler zu bekommen, das aber gegenüber den Vertretern des Kapitals zurücknahmen und relativierten. Alle Kapitalisten, die Geld gaben, wussten, dass es den Nazis damit nicht ernst war. Die NSDAP wir sogar schon pleite und hätte ohne die großzügigen Spenden des Kapitals keinen Wahlkampf mehr machen können.

Die „offizielle“ Theorie wird sich aber nicht ändern lassen, weil sie nicht auf Fakten beruht, sondern auf Ideologie. Geschichte, das beweist Schönbachs Buch, ist immer die Geschichte, wie sie die jeweils Herrschenden sehen wollen. Alles andere wird unter den Teppich gekehrt, auch wenn die Tatsachen etwas anderes sagen. Das ist heute genau so wie damals.

Eliten im Beitrittsgebiet

Ich wusste garnicht, dass es ostdeutsche Eliten gibt.

Proletarischer Journalismus oder: Ehre, wem Ehre gebührt

Ehrenmal Kommunalfriedhof WeetfeldEhrenmal Kommunalfriedhof WeetfeldEhrenmal Kommunalfriedhof WeetfeldEhrenmal Kommunalfriedhof Weetfeld

Mal so ganz unter uns, liebe an Geschichte interessierten Leserinnen und historisch gebildeten Leser: Was wäre, wenn die Website Ruhr 1920 offline ginge? Ich habe nichts gefunden, was korrekt über den Austand des Proletariats im Ruhrgebiet 1920 berichtete – und was davon an Denkmälern übriggeblieben ist. Ja, ein Rapper-Video von den Grenzgängern kann man jungen Leuten empfehlen (Einfach grandios! Ich wüsste gern, woher das Filmmaterial ist. Ideen oder Tipps?) Wenn ich es nicht schon wüsste, hätte ich wieder etwas über die Arbeiterverräterpartei SPD gelernt.

Natürlich haben wir dann noch Rote Ruhrarme 1920 von Heiner Herde. Dort wird angekündigt, dass einer der Augenzeugen „aus der Distanz des bürgerlichen Journalisten“ zu Wort käme. Har har. Wer würde das noch heute sich zu sagen trauen? (Ja, ihr dürft mich gern einen proletarischen Journalisten nennen!)

[By the way: habe gerade gelernt, wie man Youtube-Videos per Terminal downloaden kann.]

Ich habe den Kommunalfriedhof Hamm-Wiescherhöfen bzw. Weetfeld, Weetfelder Straße besucht und das dortige Ehrenmal. Hier wurden gefallene Kämpfer der Roten Ruhr-Armee begraben. Der Stein ist erhalten, weil ein Bauer ihn nach der Machtübernahme der Nazis versteckte. Die Namen der Ermordeten sollen hier noch einmal genannt werden: Franz Casper, Otto Abt, Otto Probst, Theo Vehring, Albert Fusselberg, Anton Ehlert, Franz Sobeck, Wenzel Bontkowski, Johann Balake und ein unbekannter Toter.

„1920, wen juckt das schon? Die Revolution!“

Nicht weit davon ist ein weiteres „Ehrenmal“, sozusagen inhaltlich das Gegenteil (Foto unten). Für mich sind die dort „Geehrten“ keine „Helden“. Es könnte sein, dass eben diese Soldaten auch die waren, die die Arbeiter niedergemetzelt haben. Der Stein lädt auch nicht ein, zu „gedenken“. Ich habe mir die Namen gar nicht erst angesehen.

Wir Gendern

Spektrum der Wissenschaft: „Wie wissenschaftlich ist die Gender-Forschung?“ Interessant zu lesen, aber leider ohne klare Antwort.

Heute ein Stück Wurst und morgen ein Kotelett und dann abends einen Hering

Morgenpost

Deutsche Kulturbilder der Berliner Morgenpost – diese „Postkarte“ ist eine Quittung der Berliner Morgenpost „über 60 Pfennig für die 12. Woche vom 22.3. bis 28.03.1931“.

„Vergleich eines Muskels (oben) mit einem Auto=Motor (unten)“

Der Naturforscher kann nicht ohne Schmerz zu den Menschen des Alltags vom Muskel reden. Da ißt jung und alt sozusagen täglich Fleisch. Heute ein Stück Wurst und morgen ein Kotelett und übermorgen Schabefleisch und dann abends einen Hering – sie zerschneiden und schlagen, salzen und wässern, kochen und zersäbeln das Fleisch und dann zerfasern sie es mit ihren Gabeln und stecken es in den Mund und kauen es und schlucken es herunter – und wer von ihnen allen denkt einmal darüber nach, was wohl das Fleisch sei?

Wann ist ein Staat ein Staat?

Interessanter Artikel in Katapult – Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft: „Wann ist ein Staat ein Staat?“ – „Für das Vorhandensein eines Staatsgebiets braucht es keine allgemein oder von den Nachbarstaaten anerkannten Grenzziehungen.“

The Codex Arundel

The Codex Arundel

British Library: Contents: Notebook of Leonardo da Vinci (‚The Codex Arundel‚). A collection of papers written in Italian by Leonardo da Vinci (b. 1452, d. 1519), in his characteristic left-handed mirror-writing (reading from right to left), including diagrams, drawings and brief texts, covering a broad range of topics in science and art, as well as personal notes. The core of the notebook is a collection of materials that Leonardo describes as ‚a collection without order, drawn from many papers, which I have copied here, hoping to arrange them later each in its place according to the subjects of which they treat‘ (f. 1r), a collection he began in the house of Piero di Braccio Martelli in Florence, in 1508. To this notebook has subsequently been added a number of other loose papers containing writing and diagrams produced by Leonardo throughout his career. Decoration: Numerous diagrams.

Das ist im Sinne des Wortes einfach genial.

Die Revolution entlässt ihre Kinder und Enkel

Die Revolution entlässt ihre Kinder

Das Buch von Wolfgang Leonhard: Die Revolution entlässt ihre Kinder hätte ich schon in den 70-er Jahren lesen sollen. Aber damals hätte ich es eben aus genau den Gründen nicht getan, die Leonhard beschreibt.

Die schlechte Nachricht zuerst: Schlecht geschrieben, zu viele Details, zu lang, kaum theoretischer Tiefgang, für die nachgeborene Generation zu langweilig, zu viele Namen, die niemand mehr kennt. Ohne marxistische Grundkenntnisse nicht verständlich.

Die gute Nachricht: „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ ist immer noch genau so aktuell wie der unsterbliche Sketch über die Volksfront von Judäa. Ich habe es mit äußerster Spannung gelesen, was aber nicht repräsentativ ist, da nur die ältere Generation, die in den 70-er Jahren Marx et al ausführlich studiert hat, mit den Ereignissen etwas anfangen kann.

Warum gibt es eigentlich immer noch keine theoretische Diskussion in der Linken darüber, wie „Stalinismus“ eigentlich entstanden ist und warum? Leonhard beweist anhand seines eigenen Lebens, dass der Moment, in dem Stalin an die Macht kam, eine Konterrevolution war. Alle Kader der ersten Bolschewiki wurden umgebracht. Nur Stalin und die Krupskaja überlebten. Noch schlimmer: Warum hat sich niemand gewehrt?

Wenn man die Leute detailliert beschrieben bekommt, die – aus dem Moskauer Exil kommend – einen Sozialismus in der DDR aufbauen sollten, dann weiß man sofort: Das konnte nur schief gehen. Schlechter konnten die Voraussetzungen nicht sein.

ich wusste gar nicht, dass Leonhard später im Westen eine kommunistische Partei gegründet hat, die sich an Jugoslawien orientierte. „Hier versammelten sich die erfahrenen, aber geschlagenen Kämpfer aus der zweiten Reihe der Arbeiterbewegung, die sich eine ehrliche, politisch-moralisch intakte und kämpferische Klassenpartei wünschten.“ Ist mir sofort sympathisch. Das würde heute aber genauso scheitern wie damals.

Aber urteilt selbst.

1.250 Free Online Courses from Top Universities

Openculture.com: „1.250 Free Online Courses from Top Universities“.

Was sehe ich denn da?
Marx’s Kapital: Volumes 1 and 2 – Free Online Course – David Harvey, CUNY
Marxian Economics – Free Online Video – Stephen Resnick, UMass – Amherst<7i>

Turboslavism

In Polen schreiben einige jetzt die Geschichte um. „The level of craziness here might be sometimes very high; bear with me.“

Aren’t Happy About The Results

Da wir heute schon einmal beim Thema „Ahnenforschung“ waren: IFLScience erklärt, warum Rassisten und Nazis mit den Resultaten nicht glücklich sind.

Preussische, geheime und haptische Folianten

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Hat jemand schon einmal Dokumente aus dem 18. Jahrhundert betastet? Mit den Fingern? Ich fand es wahnsinnig aufregend. Da bestellt man etwas aus ‚Die Plankammer der Regierung Bromberg. Spezialinventar 1772-1912 im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und kriegt Schriftrollen knisterne Karten, die nur sehr vorsichtig angefasst werden dürfen und ein komisches Geräusch machen, wenn man sie auseinanderrollt. Entweder war das ziemlich dickes Papier oder ein Material, das ich nicht kenne.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Wozu das alles? Nach der 1. Teilung Polens 1772 fiel das Gebiet südöstlich von Bromberg an Preußen. Daher stammen meine Vorfahren (patriarchale Linie). Einige der Namen sind – laut den Kirchenbüchern – schon seit 1760 dort präsent. Ich wollte aber Details wissen – und das auch beweisen können. Der preußische König hatte damals angeordnet, das gesamte Gebiet kartographisch und als Kataster zu erfassen. Diese Karten sind erhalten – fein säuberlich per Hand gemalt und beschriftet.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Ich habe unter anderem herausgefunden, dass es einen Bauernhof der Schröders in Otteraue/Langenau schon 1780 gegeben hat, in unmittelbarer Nähe des Weichselufers. Heute ist das ein Vorort von Bydgoszcz. Die Wiesen von Otorowo (Otteraue) sind fast noch genauso wie damals.

I keep you informed.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Gouvernantenpolitik oder: Schwundstufe linker Ideologien

Interessantes Interview in der Schweizer Wochenzeitung: „Wenn das Glück der anderen nur noch eine Bedrohung ist: Der Kulturtheoretiker Robert Pfaller sieht in unserer Verbotskultur ein Symptom für die realen Versäumnisse der Politik.“
Geht es dabei denn wirklich um Moral, also darum, die Menschen zu einem besseren Lebenswandel zu erziehen?
Letztlich ist es eine rechte Einschüchterungspolitik. Das Vertrackte daran ist, dass alles, was die Gesellschaft in letzter Zeit repressiver gemacht hat, nicht mit rechten, sondern mit scheinbar linken Argumenten gerechtfertigt wurde. Die neoliberalen Beraubungsmassnahmen an der Gesellschaft konnten nur mit einem bestimmten Überbau durchgesetzt werden, der signalisiert hat, dass man schon dafür sorge, dass es den Schwachen gut gehe. Genau diesen Überbau muss man aus einer linken Perspektive angreifen. Das ist eine groteske Verzerrung linker Anliegen. Erstens kämpfen wir nicht dafür, dass es den Schwachen gut geht, sondern dass niemand schwach ist. Zweitens haben diese Massnahmen fast immer nur ihren Repräsentanten genutzt. Das ist eine Schwundstufe linker Ideologien, die im Namen irgendwelcher Schwachen, die übrigens meist fiktiv sind, jeden kritischen Diskurs und jedes Aufbegehren ersticken.“

Zentraler Satz: „Die Moralisierung ist ja ein anderes Symptom dieser Entpolitisierung mit scheinbar linken Argumenten“.

Da ich schon dabei bin: Ulli Kulke sagt, die Bienen stürben nicht aus.

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