Lügen, nichts als Lügen

Zeit online (und Welt online): “Die Navy-Seal-Aktion, durch die Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden zur Strecke gebracht wurde, war der größte Erfolg in Barack Obamas erster Amtszeit. Starjournalist Seymour Hersh sagt nun: Alles gelogen.”

Was ihr wollt oder: Was wollt ihr?

halensee

Was wollt ihr? Löwen, die zum ersten Mal Gras fühlen? Elefanten, die sich nach 20 Jahren wiedersehen? Eine 102-Jährige, die sich zum ersten Mal tanzen sieht? Panem et circenses? Schon klar.

Oder doch lieber den Verfassungsschutz, der dem Rechtsextremisten und V-Mann Thomas Richter fast 300 000 Euro für seine Spitzeldienste zahlte?

Oder etwas, das zu erwarten war: “Deutschland ist bei der Ungleichheit fast Spitze – OECD warnt vor wirtschaftlichen Folgen der Einkommens- und Vermögenskonzentrationen”?

Allen, die noch denken können und nicht nur fühlen wollen und die auch willens sind, längere Texte zu lesen, weil sie noch nicht verblödet sind, empfehle ich Roar Magazine: “Why does Greece not simply get it over with and default?” Sehr klug, interessant und lesenswert.

Nicht vergessen: Medien ändern keine Meinungen, sondern verstärken die, die schon vorhanden sind.

Das Regime der Ukraine rehabilitiert Judenmörder

Haaretz (Israel): ” Ukraine to honor groups that killed Jews in World War II – New law outlaws the display of Nazi and Communist symbols but another law requires that nationalist groups involved in the killings of Jews and Poles be honored.”

Das wird natürlich in unseren Medien nicht auftauchen. In isrealischen Zeitungen wird man über die Ukraine besser informiert.

Die Maske fällt

BugattisurveillanceKonnopke

Fotos: 2005

Der Guardian schreibt (Überraschung!) “Britain’s political elite has fooled us all again”. Das ist mir nicht erst jetzt aufgefallen. Oder: It’s not a bug, it’s a feature.

Man könnte auch ein weniger populäres Medium lesen wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten Michael Maiers, das von netzpolitik.org angefehdet wird.

“Ende der Freiheit: Polizei-Staat in Europa nimmt gespenstische Form an”, heisst es. Welche Freiheit? Der Staat im Kapitalismus gerantiert Freiheit nur und nur solange, als der Profit garantiert ist. Wenn nicht, fällt die demokratische Maske sehr schnell.

Die Konkret hat das Yanis Varoufakis’ Buch “Der globale Minotaurus: Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft” rezensiert und schreibt:
Die wichtigste Erkenntnis, die Varoufakis mit Marx gewonnen hat und die ihn von den meisten anderen Sozialdemokraten treent, ist die, dass das Kapital ein dem individuellen Willen und der Moral vorgelagertes Verhältnis ist.<7i>

Es kömmt eben nicht auf den Willen an. Die Charaktermasken handeln im Sinne des Systems. Das musste mal hier gesagt werden.

Ukraine being overrun by fascists

Jerusalem Post: “Putin says Ukraine being overrun by fascists – and he may be right”.
The draft law – which is now on President Petro Poroshenko’s desk awaiting his signature – recognizes a series of Ukrainian political and military organizations as “fighters for Ukrainian independence in the 20th century” and bans the criticism of these groups and their members. (The bill doesn’t state the penalty for doing so.) Two of the groups honored – the Organization of Ukrainian Nationalists (OUN) and the Ukrainian Insurgent Army (UPA) – helped the Nazis carry out the Holocaust while also killing close to 100,000 Polish civilians during World War Two.

Jetzt ist auch die Jerusalem Post unter die “Putin-Versteher” gegangen, wird also in Zukunft von deutschen Medien nicht mehr zustimmend zitiert werden?

Das Ende des investigativen Journalismus

“Wer Daten, die nicht allgemein zugänglich sind und die ein anderer durch eine rechtswidrige Tat erlangt hat, sich oder einem anderen verschafft, einem anderen überlässt, verbreitet oder sonst zugänglich macht, um sich oder einen Dritten zu bereichern oder einen anderen zu schädigen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.” (Neues Gesetz gegen “Datenhehlerei”, via Hal Faber)

Männerfantasien, Turkish-Stream und Mazedonien

Männerfantasien beim Sex und Mazedonien – bei diesen beiden Theman könnte ich heute nicht “nein” sagen und musste die jeweiligen Artikel lesen.

Systemfrage

NSA

Aus meiner sicht geht es nicht um Einzelpersonen oder die politischen Ansichten von CDU und SPD, es geht um die Systeme.” (Edgarward Snowden)

Hal Faber weist auf einen Artikel Wolfgang Kalecks hin, der sich über den “nationalistische Unterton” der gegenwärtigen Debatte des BND-“Skandals” echauffiert. Zu Recht. Witzig finde ich nur, dass der Geheimdienst eines Landes Industriespionage für ein anderes Land betreibt, und zwar schon seit Jahrzehnten, ohne dass das jemand unangenehm aufgefallen ist (außer Josef Foschepoth: “In Deutschland gilt auch US-amerikanisches Recht”).

Wenn man die Sache logisch durchdekliniert, stellt sich immer wieder die Frage nach dem Charakter eines Staates im Kapitalismus: Die Herrschenden denken schon längst international, nationale Grenzen sind überflüssig und Bullshit und sind nur hinderlich, den Profit optimal zu maximieren. Deswegen sit es einfach lächerlich zu fordern, dass Deutschland und dessen Unternehmen nicht ausspioniert werden sollten. Und dann? Was, wenn nicht? Werden dann wieder alle reich und glücklich in der so genannten “sozialen Marktwirtschaft”?

Servil und kurzbeinig

Telepolis: Es habe nie ein Angebot für ein “No-Spy-Abkommen” gegeben. (Vgl.auch die Tagesschau zum Thema.)

Die Bundesregierung hat also gelogen. Ach.

Antifaschismuslesarten

Neues Deutschland: “Rot-Rot-Grün will gesetzlichen Gedenktag / CDU lehnt ab: Knüpft an ‘die Antifaschismuslesart der SED’ an / Zeitungskommentar: ‘Der 8. Mai ist kein Feiertag'”.

8. Mai

Wiener Zeitung: “1945 befreiten 1,5 Millionen Afrikaner Europa”.
Nur sehr wenige wissen, dass Millionen Soldaten aus Afrika im Zweiten Weltkrieg kämpften, um Europa vom deutschen und italienischen Faschismus zu befreien. Das werden Sie weder in Schulbücher lesen noch bei den diversen Feierlichkeiten mitbekommen.

Miscellaneous distracting

Tancred's Landing
Meine Gor-Sim Tancred’s Landing in Second Life bei virtuellem Regenwetter

Neu in der Blogroll: Jacobin (USA). Jacobin is a leading voice of the American left, offering socialist perspectives on politics, economics, and culture. The print magazine is released quarterly and reaches over 10,000 subscribers, in addition to a web audience of 600,000 a month.

Neu auch: Roar, das in englischer Sprache in den Niederlanden erscheint. ROAR Magazine, or Reflections on a Revolution, is an online journal of the radical imagination providing grassroots perspectives from the front-lines of the global struggle for real democracy.

Wieso haben die alle so ein schickes Layout? Ich habe keine Zeit, mir selbst Typo3 beizubringen, aber ich hätte auch gern so etwas.

Was habe ich in den letzten Stunden gelesen? Zum Beispiel wieder den Guardian: “May Day: workers of the world unite and take over – their factories. (…) A 19th-century slogan is getting a 21st-century makeover. The workers of the world really are uniting. At least, some of them are.”

Sag ich doch. Geht doch. Das Himmelreich Der Kommunismus ist nahe herbeigekommen. Ich ahne so etwas wie die Ciompi, nur eine Epoche weiter. (O je, ich habe den Geburtstag Karl Marxens vergessen!) Dazu passt makroskop Streik.

Natürlich die aktuelle Kolumne Harald Martensteins: Über Ernährungsweisen und Paarungsverhalten (und Grünkernbratlinge und was die mit dem Koitus zu tun haben).

Dann noch etwas über eine Katze. Katzen und Hunde gehen immer. Auch chinesische Hover-Cars.

Die chinesische Regierung geht jetzt vorbildich gegen den Islam vor, berichtet die Washington Post.

Wie die Erde resettet, kann man in einem hübschen Video sehen. (Vorsicht, Facebook!)

Jetzt muss ich leider arbeiten…

Friedliche Konfliktlösungen fördern oder: Stand firm, GDL!

bahnstreik
Originalfoto: Nicolas17/Wikipedia

Lesen und beten wir gemeinsam. “Bahn-Vorstände verdoppeln ihre Erfolgsprämien”, schreibt das Handelsblatt, einer der kleineren Lautsprecher des Kapitals. Die Tagesschau hat die übliche Hetze und die gewohnten Sprechblasen der üblichen Verdächtigen zusammengefasst: “volkswirtschaftlichen Folgeschäden” und ähnlicher Quatsch.

Vernünftige Menschen lesen Rico Grimm auf Krautreporter: “Durchhalten, Bahn, Bürger, GDL! Dieser Streik ist der wichtigste der Berliner Republik”. Sowie Tom Strohschneider im Neuen Deutschland: “Danke, GDL” – “warum die Lokführer in Wahrheit für uns alle kämpfen”.

Ich finde das, was uns die Medien zur Zeit über den GdL-Streik anbieten, pädagogisch wertvoll. Jeder entlarvt sich selbst. Man sieht gleich, wer ideologisch von Kapital korrumpiert worden ist oder meint, wenn man den Herrschenden nach dem Mund redete, spränge doch irgendwann ein Job als Pressesprecher eines “Volkswirtschaftlers” heraus. Rico Grimm schreibt ganz richtig:
Denn am 10. Juli soll ein Gesetz den Bundesrat passieren, durch das nur noch die größte Gewerkschaft Abschlüsse aushandeln darf, wobei Einigungen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorher treffen, bestehen bleiben. Die Bundesregerung will damit “friedliche Konfliktlösungen” fördern. Für Weselsky ist dieses Gesetz “ein Angriff auf die Gewerkschaftsbewegung”. Damit sollen jene Gewerkschaften beerdigt werden, die “noch Kraft entfalten können und das auch wollen”.

Noch mal zum Mitschreiben: Der größte Angriff auf die Rechte der Arbeiterklasse, sich zu organisieren, führt nicht zu einem Generalstreik? Nein? Die Gewerkschaftsbonzen tun nichts? Ganz Deutschland ist für “friedliche Konfliktlösungen” und Tarif”partnerschaft” zwischen Arbeit und Kapital? Nein! Eine kleine Gewerkschaft unbeugsamer Lokführer usw.

Wer es in verschwurbeltem Deutsch mag, lese den Artikel in der ak vom November 2914 2014, der immer noch erstaunlich aktuell ist: “Der Arbeitskonflikt zwischen GDL und Deutscher Bahn soll entpolitisiert und ein Gewerkschaftsrepräsentant demontiert werden”.

Übrigens: Während eines Streiks kann man auch alternative Transportmittel benutzen.

Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie?

Fabrik

Fabrikgelände im Morgengrauen und im Kapitalismus (der Zusatz nur, damit das Bild irgendwie zum Thema passt, und Kapitalismus geht immer), Foto: Burks

Die zentrale Aussage der aktuellen Heute-Show: Die Regierung lügt (Drohnen von Ramstein, BND-“Skandal”). Die Deutschen sind im Arsch der USA. Die Deutsche Bank ist eine kriminelle Vereinigung. Die AfD ist eine Partei von Apologeten der Volkswirtschaftslehre Spinnern und rechten Spinnern. Undsoweiter.

Hm. Irgendwie wusste ich das schon. Aktueller Literaturtipp:
“Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?” (Bertold Brecht: Die Dreigroschenoper)

A well regulated Militia oder: Waffen für das Volk

“Even though Switzerland has about 150,000 active military personnel, if the nation gets invaded almost 4,000,000 citizens are immediately available for military service with another 3,000,000 fit for service as well. Basically, in a heartbeat, the nation gets all of its able-bodied citizens ready to pick a fight with the invaders”. (The Independent)

Reminder: “Waffen für das Volk” bzw. dass es eine Volksmiliz geben solle, hat immer die Linke gefordert. Die Idee kommt aus der Verfassung der USA:
“A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.”

Der Fisch stinkt vom Kopf

1. mai

“Gewerkschaftsbosse machen es sich im System bequem”. (Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft)

Gewerkschaftsführer äußerten sich heute gerne zu allen politischen Dingen und vergäßen dabei ihren “Hauptjob”, sich für Arbeitnehmerinteressen stark zu machen. Dazu gehöre vordringlich auch, Mitglieder zu gewinnen: Es mache ihm Sorgen, dass nur noch 20 Prozent der deutschen Angestellten gewerkschaftlich organisiert seien. Die Arbeitgeber hätten es geschafft, “eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft als nicht mehr notwendig zu erklären”. (Neue Westfälische)

Guter Mann.

Pussy oder: Hübsch und lustig am Arsch

fahrräder

Die Anstalt ist wieder gnadenlos und viel zu gut für das durchschnittliche Publikum. Herausragend: Carolin Kebekus über Frauen und irgendwas mit Feminismus. Auch sie überfordert die Rezipientinnen intellektuell. “Hübsch und lustig am Arsch” sei ihre Marktlücke. Und feministischer als zehn “Emma”-Ausgaben ist sie auch. (Bilder: Markus Henkel)

Dazu las ich Wikipedia: “Zum Vorwurf der Zensur, den Kebekus in TV total erhoben hat, und dem Vorwurf der Selbstzensur, der laut Tagesspiegel von Mitarbeitern der Sendung erhoben wurde, erklärte der WDR, er könne dies “so nicht akzeptieren”. Der Sender stehe für Liberalität und Toleranz, was bedeute, dass religiöse Überzeugungen der Bevölkerung zu achten seien.” Das Ministerium für Wahrheit, auch bekannt als WDR, informiert: Zensur heisst jetzt “religiöse Überzeugungen der Bevölkerung achten”.

Max Uthoff sagt etwas zu Ronja von Rönne und dem von ihr niedergerotzten Schwachsinn. Eine Frau und Redakteurin der “Welt”, für die Emanzipation scheiße ist, findet natürlich auch bei Salonfaschisten Beifall.

Damit haben wir wieder irgendetwas mit Medien. Was war noch wichtig? Ich muss nur mich selbst beobachten. “Im Hühnerstall Motorrad gefahren: Oma wegen Tierquälerei festgenommen.” Relevant, also beliebt.

Wie bekloppt sind eigentlich christliche US-Politker? Ich bin froh, dass ich kein Linker in den USA bin.

China in bite-sized portions! Hat mir bisher gefehlt. Auch wegen Sexismus und was Frauen in China wollen. Ja, und ein Erdbeben-Video schau ich mir auch gern an, nur so zum leichten Gruseln und um mich zu unterhalten. Wozu sonst. Machen doch alle.

Der Guardian: “Seven Soviet sci-fi films everyone should see”. Tarkowski! Ich sage nur: Tarkowsky! Solaris, 1972! Mindestens so wichtig in der Schule wie Gotthold Ephraim Lessing, aber aus anderen Gründen. (Googelt doch selbst zur Strafe, wenn ihr Lessing nicht kennt!) Leider können die Russen heute keinen Weltraum mehr. Sowjets sind eben mehr als Russen.

Nochmal der Guardian über Rassismus-Vorwürfe als Waffe. “In London’s East End, where so many battles against real fascism were fought in the 20th century, “anti-racism” has become little more than a swindle.” So etwas werden wir in zehn Jahren auch in deutschen Großstädten erleben.

Schrecklich, schon zwei Minuten etwas Politisches gelesen? Hält man gar nicht aus. Schnell etwas Relevantes auf Fratzenbuch konsumieren. 23600 Personen gefällt das, 160700 mal geteilt. Ähnlich viel wie bei Werbung für Bier mit Tieren.

Übrigens sucht das ZDF SachbearbeiterInnen aka ” Corporate Social Media Manager”, die “Social Media”-Kanäle bespielen. “Bewerbungen per E-Mail können leider nicht berücksichtigt werden.” Richtig so: Man sollte Gehaltswünsche eben nicht per Postkarte schicken.

Schon komisch. Heute hat mich keine Nachricht in deutschen Medien wirklich interessiert, wohl aber in US-amerikanischen Zeitungen und in israelischen Magazinen. Oder die “Demokratie” in Stabilitätsankern“. Ich bin Kosmopolit, falls das jemand noch nicht wusste, also offenbar irgendwie undeutsch und imemr weniger geeignet als Rezipient einheimischer Medien.

Peng! bei Vattenfall

Tagesspiegel: “Das Kreuzberger Peng!-Kollektiv kaperte am Freitagmorgen für ein paar Stunden die Kommunikationsabteilung des schwedischen Energiekonzerns. Zeitgleich mit der Pressekonferenz in der Vattenfall-Lobby verschickten die Aktivisten im Namen von Vattenfall-Managern Pressemitteilungen und Twitter-Nachrichten, Hashtag #Vattenfall. Sie hatten dafür Twitter-Accounts von Vorständen erstellt. Sogar eine passende Webseite hatten die Aktivisten vorbereitet: vattenfall-responsibility.de – selbst ein aufwendig [sic] produziertes Video war dort eingebettet.”

Einfach nur genial. “Die Märkische Allgemeine Zeitung, der RBB und ein CDU-Bundestagsabgeordneter verbreiteten die falsche Nachricht vom angeblichen Kurswechsel des Konzerns weiter.” Auch Fefe ist drauf reingefallen.

Muahahaha.

You will be shocked at how ignorant [bitte selbst ausfüllen] are

Belgien

Da wir gerade beim Bullshit-Bingo sind: Generalstreiks scheinen die Menschen glücklich zu machen. “Generalstreik in Belgien. Der machtvollste Ausstand in der Geschichte des Landes beschert der Wirtschaft einen Verlust von 878 Millionen Euro”, schreibt die Junge Welt. Auch in Griechenland ist am 1. Mai Generalstreik, schon Ende März Generalstreik in Argentinien.

Da die Deutschen vergessen haben, wie das geht: “Busse, Züge und Flugzeuge standen still. Auch Banken und viele Geschäfte machten dicht. (…) Auch im Süden des Landes machten Arbeiter und Arbeitslose die wichtigsten Straßen unpassierbar.”

In Wahrheit will ich aber etwas über die ideological news bubbles schreiben, wie das Salon.com formuliert, also die mediale Blase, in der wir leben und die die “Netzgemeinde” für die Realität hält.

This month, the Pew Research Journalism Project reported how Americans get their news at home. If you think it’s from the Internet, you’ll be surprised that the 38 percent of us who access news at home on a desktop or laptop spend an average of only 90 seconds a day getting news online. America’s dominant news source is television, and the disparity between heavy viewers of TV news and everyone else is as startling as the gap between the plutocrats and the people.

Ich sehe keinen Grund anzunehmen, warum das hierzulande anders sein sollte:
Pew sliced the TV news audience into thirds: heavy, medium and light. In my Jeffersonian fantasy, that distribution would look like a bell curve; in fact, it looks like a cliff.

Wenige rezipieren viel, die übergroße Mehrheit informiert sich überhaupt nicht oder nur über die unkritischen seichten Mainstream-Kanäle oder Facebook. Auf Facebook stellt sich eben jeder selbst zusammen, von wo und von wem er informiert werden will. Manche Leute verbreiten eben nur Tierbilder, die allerbanalsten “Lebensweisheiten” oder andere irrelevante soziale Geräusche. Andere (wie ich) reproduzieren die internationale Presse, weil die besser ist als die hiesige, und pusten deren Inhalte in den deutschen Sprachraum.

Was dabei herauskommt? Nichts neues. Das Positive – Menschen können alles überallhin verbreiten – wird durch das Negative – sie rezipieren wie gewohnt und verbreiten nur das, was sie eh schon denken -, konterkariert.

Beispiel: Wer hat das gesagt? Und wird das in irgendeiner deutschen Zeitung erwähnt werden, gar einer lokalen?
“Wenn ihr mich bedrängt und destabilisieren wollt, werdet ihr Verwirrung stiften, Bin Laden in die Hände spielen und bewaffnete Rebellenhaufen begünstigen. Folgendes wird sich ereignen. Ihr werdet von einer Immigrationswelle aus Afrika überschwemmt werden, die von Libyen aus nach Europa überschwappt. Es wird niemand mehr da sein, um sie aufzuhalten.”

Nein, man weiß es schon vorher: Alle Mainstream-Medien werden das geflissentlich ignorieren. Es darf nicht sein, dass die herrschenden Klassen und die internationalen Konzerne, die die Bürgerkriege in Libyen, Syrien, dem Irak, in der Ukraine und schon lange vielerorts in Afrika bewusst herbeigeführt haben, uns belogen und betrogen und dass die Medien ihre Korrektivfunktion fast komplett aufgegeben haben (vgl. “Hilfs”programme für Griechenland). Der libysche Diktator Muaamar al-Gaddafi hat etwas ganz richtig vorhergesagt? Kann gar nicht ein.

Die gute Nachricht (und nein, ich bin kein Kulturpessimist): Es war noch nie anders. Warum hat die Linke in Deutschland in der Weimarer Republik ihre eigenen Medien – sogar eigene Medien-Konzerne? Aus genau diesem Grund.

Wer glaubt, Journalismus könne neutral und “objektiv”sein, irrt. Das war noch nie so, und wird nie so sein. Journalismus ist immer und ausnahmslos interessegeleitet, auch in den glücklichsten Ländern der Welt.

Investigative Satire oder: Lachen bis zum bitteren Ende

Neue Zürcher Zeitung: “Kabarettsendungen wie «Die Anstalt» oder die «Heute-Show» ernten in jüngerer Zeit zunehmend Lob dafür, dass sie ernste Themen verhandeln. Sie profitieren davon, dass Fernsehnachrichten immer seichter werden. Während die investigative Satire in Amerika abflaut, erlebt sie derzeit in Deutschland einen Aufschwung.”

Wir haben gelernt, dass 89 Prozent der Griechenland-Hilfe im privaten Sektor, bei Banken, Fonds und Versicherungen landeten. (…) Erfährt man das aus den Nachrichtensendungen des Fernsehens? Eher nicht. Oder vor allem: eher nicht so.

Jeder Journalist, der das Wort “Hilfe” beim Thema Griechenland in den Mund nimmt, sollte ausgepeitscht werden, Aber dann hätte man so viel zu tun, dass man Auspeitscher vom Stabilitätsanker Saudi-Arabien ausleihen müsste.

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