Differenzierte Fakten

Ich lese gerade Israels Existenzkampf: Eine moralische Verteidigung seiner Kriege. Der Titel ist ein wenig missverständlich, weil der Autor natürlich nicht alle Kriege legitimiert; den Libanonkrieg hält er zum Beispiel für eine Katastrophe, eine moralische ohnehin.

Das Buch ist aber äußerst nützlich, weil dort Fakten vorgestellt wurde, die jeder wissen müsste, der hier etwas über die Geschichte Israels meint verlautbaren zu müssen. Wann zum Beispiel wurde das Westjordanland von Jordanien (!) annektiert? Warum sind die Drusen im Libanon nicht vor den IDF geflüchtet? Wie viele Juden lebten 1949 in Israel, und was sagte das osmanische Recht über den Kauf von Land?

Ich stimme mit dem Autor in vielen Punkten überein, zumal ich in „linken“ Foren mit Shitstorms überhäuft werden, wenn ich den Staat Israel verteidige (nicht die Politik der Regierung), und dementsprechend gelaunt bin. Ich nenne aber im Gegensatz zum Autor die „Palästinenser“ nicht ein „Volk“. Überraschung: Die Mehrheit der Deutschen denkt natürlich nicht so wie ich.

Hilfreich sind übrigens die Besprechungen bei Amazon. Das Buch sei „allerdings differenzierter als der Titel androht.“ – „Er scheut nicht davor zurück, Fehler der Juden bzw. Israelis zu benennen, die Details sorgfältig analysierend. Andererseits fordert er auch Fairness vom Rest der Welt und stellt klar, dass bestimmte Geschehnisse, die für einen Beobachter von aussen vielleicht gleichartig erscheinen, im einen Fall Unrecht sind und im anderen Fall durchaus berechtigt, wenn man den Kontext genau betrachtet.“

Die Macht des Faktischen

palästinenser

Was vernünftig ist, das ist wirklich, und was wirklich ist, das ist vernünftig. (Georg Friedrich Wilhelm Hegel)

Metz war eine echt deutsche Stadt, denn als Lothar der Jüngere seine Länder theilte, kam es (…) in den Besitz Ludwigs des Deutschen, also an das deutsche Reich. Nur fortgesetzten französischen Umtrieben und Hinterlistigkeiten gelang es, die Schutzherrschaft über Metz zu erlangen, (Karl May, Die Liebe des Ulanen)

Ich muss hier etwas klarstellen. Das Stammpublikum schien verwirrt ob einiger meiner Thesen. Natürlich habe ich mit völkischen Quatsch nichts zu tun. Ich habe auch eindeutig argumentiert, dass fromme Märchen und Mythen, die durch Fakten und die Archäologie nicht gestützt werden, ungeeignet sind, die Existenz von Staaten zu legitimieren. Was früher mal war, muss nicht unbedingt wieder sein. Das wissen Deutsche am besten.

Die „Palästinenser“ sind ein erfundenes Volk. „Volk“ ist immer ein kulturelles Projekt und kann nie auf anthropologischen oder gar biologischen Konstanten fußen. Die Juden sind ein historischer Sonderfall insofern, als dass die Religion auch eine Nation schuf. Aber auch das ist vage, da es vor der Shoah auch viele „assimilierte“ Juden gab, zum Beispiel in Deutschland, für die das Judentum so wichtig bzw. unwichtig war wie für heutige Katholiken. Sie waren deutsche Juden, aber gehörten sie zu einer jüdischen „Nation“? Oder gehörten sie damals als deutsche Staatsbürger zum jüdischen Volk? Oder beides? Das entscheidet jeder selbst, auch auf welche kulturellen Konventionen er sich dabei jeweils beruft. Es gibt keine „objektiven“ Kriterien, zu welchem „Volk“ jemand gehört. And period, wie man im Englischen zu sagen pflegt.

„Palästinenser“ sind genausowenig ein Volk wie es ein sudetendeutsches oder ostpreußisches Volk gibt. Sie sind schlicht Araber, mit oder ohne Staatsangehörigkeit. Kein Araber, der nach dem Krieg 1948 aus Israel flüchtete, hat automatisch das Recht, wieder zurückzukehren. Außerdem gingen viele freiwillig oder wurden von den arabischen Regierungen, die Israel vernichten wollten, dazu aufgefordert.

Das gilt natürlich auch für alle anderen Kriege Israels. Wenn man die Juden ins Meer werfen und sie töten will, sollte man nicht herumjammern, wenn das nicht funktioniert. Zu Risiken und Nebenwirkungen von Kriegen gegen Israel fragen Sie Ägypten, Syrien, Jordanien, den Irak usw.

Die Araber, die sich heute Palästinenser nennen, haben genauso wenig „Rechte“ wie Deutsche, die meinen, Elsass-Lothringen gehöre wieder heim ins Reich. Solange das Existenzrecht Israals angezweifelt wird, ist jede Diskussion über die „Palästinenser“ völlig überflüssig.

Beispiele?

Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen! (Abdallah Jarbu, stellvertretender Minister für religiöse Stiftungen der Hamas, 2010)

Es geht nicht darum, ob wir Israel anerkennen oder nicht, sondern um die Frage, wann wir es auslöschen und seine Existenz beenden. (Jahia al-Sinwar, Chef der Hamas in Gaza, 2017)

Artikel 7: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten.
Artikel 13: Ansätze zum Frieden, die sogenannten friedlichen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage stehen sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung.
(Gründungscharta der Hamas)

In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten. (Mahmoud Abbas, Präsident der „Palästinenser“, 2013)

Abbas ist übrigens ein Freund Siegmar Gabriels (vgl.Screenshot unten). Was sagt uns das über den Mainstream in Deutschland?

palästinenser

Das islamische Kopftuch ist ein Symbol des Patriarchats und nicht der Selbstbestimmung

Die NZZ sagt, wie es leider ist: „Die Linke gibt vor, für Minderheiten zu kämpfen. Eine Minderheit erhält aber nur dann ihre Aufmerksamkeit, wenn sie den «richtigen Unterdrücker» hat: Rechte und Reiche, Imperialisten und Kapitalisten. Da bleibt kein Platz für muslimische Islamkritiker.“

Mexiko-Stadt

mexico

Das Foto habe ich 1979 gemacht, wo genau, weiß ich nicht mehr.

Übrigens, liebe mitlesenden Journalisten: Die Hauptstadt von Mexiko heisst entweder Mexiko-Stadt (deutsch) oder Ciudad de México (spanisch, auch México Ciudad), sie heißt aber in einem deutschen Artikel keinesfalls „Mexiko-City„. Das ist Denglisch und gleich doppelt falsch. Wenn schon anglifiziert, dann auch „Mexico-City. Ich schrob sagte es hier schon, aber genützt hat es natürlich nicht.

Trump und Jerusalem [Update]

Man muss sich schon wundern, welchen Unsinn die Medien und noch viel mehr die Politiker verbreiten, wenn es um Israel geht. Die Sprechblasen sind weitgehend fakten- und kenntnisfrei. Trump hat also wieder mal ein Wahlversprechen erfüllt. Wo kämen wir denn da hin, wenn das jeder machen würde, der gewählt wird?

Bevor jetzt jemand Schaum vor dem Mund kriegt: Kennt das Stammpublikum den Jerusalem Embassy Act von 1995?

The Congress makes the following findings:
(1) Each sovereign nation, under international law and custom, may designate its own capital.
(2) Since 1950, the city of Jerusalem has been the capital of the State of Israel.
(3) The city of Jerusalem is the seat of Israel’s President, Parliament, and Supreme Court, and the site of numerous government ministries and social and cultural institutions.
(4) The city of Jerusalem is the spiritual center of Judaism, and is also considered a holy city by the members of other religious faiths.
(5) From 1948-1967, Jerusalem was a divided city and Israeli citizens of all faiths as well as Jewish citizens of all states were denied access to holy sites in the area controlled by Jordan.
(6) In 1967, the city of Jerusalem was reunited during the conflict known as the Six Day War. (…)
14) In June of 1993, 257 members of the United States House of Representatives signed a letter to the Secretary of State Warren Christopher stating that the relocation of the United States Embassy to Jerusalem `should take place no later than 1999′.

So. Puls und Atmung noch normal? Warum hat bisher kein Präsident der USA das umgesetzt?

Wie man Trump kennt, verkündet er viel, wenn der Tag lang ist. Der Tagesspiegel meint, dass alles ein Trick sei und sich in nächster Zeit ohnehin nichts ändere. Der Autor meint, Trump erfülle ein Wahlkampfversprechen an christliche Fundamentalisten und pro-israelische Geldgeber.“ („Reiche Juden“ wollte er wohl doch nicht schreiben, immerhin.)

Ich glaube auch nicht, dass es einen Staat Palästina geben sollte. Die Araber, die Israel 1948 und danach noch oft den Krieg erklärten und es auslöschen wollten und das immer noch wollen, müssen eben mit den Konsequenzen ihrer Ideen leben. Der „Flüchtling“status scheint sich bei ihnen so zu vererben wie den Sudetendeutschen. Solange nicht alle arabischen Regierungen und Terrororganisationen das Existenzrecht Israels eindeutig anerkennen, sollte man einfach mit einem Merkava drüberfahren…

Übrigens: Die Römer haben Judäa in „Palästina“ umbenannt. Jerusalem war schon jüdisch, als es noch gar keine Araber gab. Wer das anders sieht, kann ja mal versuchen, Westpreußen wieder heim ins Reich zu holen. Das wäre genau so „logisch“.

[Update] Die Russen haben schon im April Jerusalem als Hauptstadt Isreals anerkennt. Nur haben damals die „Palästinenser“ vergessen, „Tage des Zorns“ auszurufen.

Caye Caulker, revisited

Kokosnuss

Caye Caulker, eine Insel vor der Küste von Belize (1979).

„Die Insel ist ca. 8 Kilometer lang und 2 Kilometer breit und liegt etwa 35 Kilometer nordöstlich von Belize City im Karibischen Meer.“ Caye Caulker war damals noch ein fast touristenfreies spottbilliges Fischernest mit einem riesigen Korallenriff ein paar Kilometer vor dem Strand, an dem man wunderbar schnorcheln konnte. Eine Fährverbindung nach Belize City gab es auch nicht; man musste sich in den wenigen Hafenkneipen von Belize City durchfragen, wer ein Boot mit Außenborder zu vermieten hatte.

Viel Feind‘, viel Ehr‘!

netzpolitik.org

Markus Beckedahl war übrigens von 2002 bis 2003 Mitglied des Bundesvorstands der Grünen Jugend und hat die Grüne Jugend NRW mitgegründet. Warum die mich blockiert haben, weiß ich gar nicht. Vermutlich haben sie nur schwache Nerven oder können nicht mit Kritik umgehen.

Religioten et al

kitsch

Feuerbach sieht daher nicht, daß das „religiöse Gemüt“ selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, in Wirklichkeit einer bestimmten Gesellschaftsform angehört. (Karl Marx: Thesen über Feuerbach, 1845)

Dem geschätzten Stammpublikum seien diverse Artikel zur weiteren Lektüre über Religiotismus empfohlen, obwohl man danach in tiefe Depression verfallen könnte, da, was sogar Marxisten erkannt haben, die Welt leider nicht – im teleologischeschatololgischen Sinn – in eine bessere Zukunft marschiert, sondern, wie der Fall verschiedener Imperien trotz Hypokaustum und Beton zeigt, auch wieder in die düstere Hölle des Aberglaubens und der geistigen Umnachtung zurückfallen könnte, was insbesondere die Grünen, eine Partei des neuen und reaktionären Kleinbürgertums, exemplarisch beweist, da deren Ideen, Religion (Verehrung höherer Wesen) und Esoterik (Verehrung niederer Wesen) betreffend, mittlerweile auf dem Stand des frühen 19. Jahrhunderts angekommen sind, also vor Feuerbach und Marx ohnehin.

Die Berliner Grünen wollen laut Tagesspiegel wieder mehr religiöse Symbole in Schulen (einstimmig!). Dann sollte man auch alles mit Kruzifixen zupflastern. Und was wäre, wenn eine Muslimin mit Hijab in einer bayerischen Schule unterrichten will? Ist das nicht kognitiv dissonant für Schüler, oder müssen die dann alle eine Kippa aufsetzen?

Ich frage mich, welcher Teufel Iblīs in die gefahren ist. Zugegeben: In Deutschland sind Staat und Kirche nicht wirklich getrennt. Man darf sich also nicht wundern, dass die armen Kinder mit relgiösen Märchen und mit Aberglauben indoktriniert werden. Es scheint da einen – nur auf den ersten Blick – merkwürdigen Schulterschluss zu geben, der aber in den Medien nicht erwähnt wurde: Die Grünen-Abgeordnete Bettina Jarasch, die etwas gegen das Neuträlitätsgesetz hat, ist auch im Zentralkomitee der deutschen Katholilen. Da wächst zusammen, was zusammengehört. Die Grünen sind also sogar reaktionärer als die SPD. I told you so.

Die Stadt Berlin musste sich jetzt vom Märtyrermuseum distanzieren. Die Bild-Zeitung hatte ein Stöckchen hingehalten, über das zu springen man sich bemühte. Die Diskussion tobte schon vor einem Jahr: Islamistische Terroristen als „Märtyrer“ zu bezeichnen, halte ich für einen Wahnwitz. Was die Veranstalter herumschwurbeln, überzeugt mich nicht. Ich warte jetzt darauf, dass die Grünen eine Ausstellung über die so genannten Palästinenser finanzieren.

Zum Thema Märtyrer, grauenhaft geschrieben, aber dennoch interessant: Flugschrift: Von der syrischen Katastrophe zur Demokratie der Märtyrer.

Übrigens sollte man über Religion ganz anders diskutieren: Der Glaube ist ein Produkt, nicht als anthrolopogische Konstante vorausgesetzt. Das hatte Marx schon 1845 (vgl. das Zitat oben) erkannt.

Es geht nicht darum, wie islamisch Europa wird und wann, sondern darum, welchen Vorteil sich Menschen davon versprechen, dass sie plötzlich religiöser werden, auch wenn es Alternativen gibt. Religion fällt nicht vom Himmel. Ethnologen wie die von mir verehrte Mary Douglas haben interessante Antworten, aber das will niemand wissen – es ist zu kompliziert, zu zynisch und passt daher nicht in den Mainstream. Oder, wie man sagen könnte: Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.

Unter der Haube, Lügenpresse und andere Miszellen [Update]

befreiung der Frau

Sowjetisches Plakat von 1921 (!) gegen Frauenunterdrückung im Islam. Text: „Auch ich bin jetzt frei“.

Das Kopftuch oder wie auch immer man es nennt ist ein Zeichen dafür, dass Frauen unterdrückt werden. Das wusste man schon vor 100 Jahren in der Sowjetunion. Bei den Grünen hierzulande und anderen Sympathisant*_Innen der Verehrer höherer Wesen der islaischen Art ist das noch nicht bekannt. Man ist ja tolerant.

Ulrich Teusch hat Ferdinand Lasalles Meinung über die Presse und die Journaille zitiert:
„Das lukrative Annoncengeschäft hat den Zeitungseigentümern die Mittel gegeben, ein geistiges Proletariat, ein stehendes Heer von Zeitungsschreibern zu unterhalten, durch welches sie konkurrierend ihren Betrieb zu vergrößern und ihre Annonceneinnahmen zu vermehren streben. Aber wer soll unter dieses Heer gehen, wer, der sich selber achtet, wer, der nur irgend welche Befähigung zu reellen Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Gedankens oder des bürgerlichen Lebens in sich fühlt?

Ihr, Proletarier, verkauft euren Arbeitsherrn doch nur eure Zeit und materielle Arbeit. Jene aber verkaufen ihre Seele! Denn der Korrespondent muß schreiben, wie der Redakteur und Eigentümer will; der Redakteur und Eigentümer aber, was die Abonnenten wollen und die Regierung erlaubt! Wer aber, der ein Mann ist, würde sich zu einer solchen Prostitution des Geistes hergeben?

Lasalle, einer der Gründerväter der SPD, war bei Karl Marx aber nicht sonderlich beliebt. Das muss man hinzufügen.

Gestern habe ich mir District 9 angesehen. Wieso hat mir noch niemand etwas von diesem Film erzählt? Ziemlich genial, grimmig und bitterböse – wahrscheinlich konnten deutsche Feuilletonisten das gar nicht aushalten. Ich muss ausnahmsweise Cicero beipflichten: „Inwieweit sind Menschen unappetitlichen Marsmännchen gegenüber zur Solidarität verpflichtet, die auf der Erde Asyl beantragen, und sich dann nicht integrieren lassen? Eine Frage, die der südafrikanische Film ‚District 9‘ famos beantwortet.“

Wer sich von dem Quatsch jetzt erholen muss, schaue sich einen Sonnenaufgang auf dem Mars an.

[Update] Die französischen Behörden dürfen keine genderifizierte Sprache mehr benutzen.

It’s the economy, stupid

parteispenden

Source: Parteispenden in Deutschland

Bekanntlich ist die Regierung ein Ausschuss der herrschenden Klasse. Oder, laut Kommunistischem Manifest: „Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuß, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet.“

Wahr oder falsch? Den obigen Satz wird man in keiner deutschen Zeitung finden, er wird nicht im Radio oder Fernsehen gesagt werden und er wird auch nicht auf einer Website eines deutschen Mediums sein. Interessant, nicht wahr?

Welche gemeinschaftlichen Interessen gibt es denn, wenn einzelne Kapitalisten nur als Charaktermasken handeln, nicht jedoch aus persönlichen Gründen?

Ich schlage dazu folgende Quellen vor:

– Was fordert der Wirtschaftsrat der CDU und wer ist dort warum Mitglied?

Parteispenden in Deutschland (Javascript erforderlich).

Und jetzt haben wir da noch die Tatsache, dass die herrschende Klasse nicht homogen ist, ja sogar in Details unterschiedliche Interessen hat, aber eben nur in Details. Im Prinzip geht es immer und ausschließlich darum, die Löhne und Steuern zu senken und die Profite zu erhöhen. (It’s the economy, stupid.) Alles anderes ist Feuilleton, also irrelevant.

Und jetzt diskutiert, was die Regierung de facto regieren kann, ob Neuwahlen etwas bedeuten und ob es ganz egal ist, welche Mitglieder im obigen Ausschuss der Beourgeoisie sitzen oder nur ein bisschen egal.

Nicht vergessen

rosa luxemburg

Neu in meiner Bibliothek: Rosa Luxemburg über Nationalitätenfrage und Autonomie sowie Jörn Schütrumpf (Hrsg.) Diktatur statt Sozialismus: Die russische Revolution und die deutsche Linke 1917/18. Ich hatte Bini Adamczaks Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman schon erwähnt. (Obwohl die Links zu Amazon gehen, kaufe ich im Buchladen meines Vertrauens. Dann kriege ich die Bücher ausgehändigt und muss sie nicht mühsam bei meinen Nachbarn suchen.)

Olaf Kistenmacher hat in der letzten Konkret einen äußerst interessanten Artikel über Rosa Luxemburg geschrieben. Sie war jedenfalls intelligenter und weitblickender als alle, die heute völkisch herumlabern über Kurden und „Palästinenser“ und verwandte Themen.

Wenn man dann noch Adamczak dazu nimmt, ahnt man, welche fruchtbaren Ideen, die während der Aufstände und Revolutionen Anfang des letzten Jahrhunderts kursierten, aber danach verschwiegen und vergessen wurden. Heute kann man sehr viel davon lernen, denn aktuell sind sie allemal – vor allem vor dem Hintergrund des Scheiterns dessen, was allgemein als „Sozialismus“ benannt wurde.

Ich sehe mich durch die Lektüre bestätigt, das nicht nur mit dem Tod Lenins und der Machtübernahme Stalins die Konterrevolution in der Sowjetunion begann, sondern dass schon viel früher so viele entscheidende Fehler gemacht wurden, dass die Sache verloren war. Die Frage ist nur, ob diese „Sache“ unter den damals gegebenen Umständen überhaupt eine ernsthafte Chance hatte.

Ich habe Bini Adamczik noch nicht ganz durchgelesen. Witzig finde ich, dass sie durchweg die weiblichen Formen nimmt, was den Text flüssig und lesbar macht, ganz im Gegenteil zum genderifizierten Texten mit merkwürdigen Sonderzeichen oder schrecklich holperigen Endungen_innen. Damit könnte ich sogar leben.

Adlershofer Busen und die Weltläufte

kugellabore

Bei den Betontitten beiden Kugeln handelt es sich um denkmalgeschützte Isothermische Kugellabore in Adlershof. Wenn man da als nichtsahnender Passant und an einem verregneten Novembertag vorbeiläuft und den wissenschaftlichen Hintersinn nicht kennt, dann vermutet man, der Architekt habe das falsche Zeug geraucht.

And now for something completely different. Das Stammpublikum möchte bestimmt wissen, was ich zu einem Thema meine (Katja Kipping würde schreiben: „welche MeinUNG ich habe“), zu dem schon alle etwas gesagt haben, nur eben ich noch nicht.

Bei Telepolis las ich, dass die Verfassung offenbar auch eine Diktatur Kanzerschaft in Permanenz erlaubt, obwohl das Volk das nicht so gewählt hat. Sehr spannend. Wäre ich Merkel, ich würde es drauf ankommen lassen. Neuwahlen würden nichts ändern. Die SPD legt sich schon mal flach (und steht hoffentlich nie wieder auf).

And now for something completely different. Der Kommunismus siegt, jedenfalls der chinesische Staatskapitalismus, und ich weiß noch nicht, ob ich das gut finden soll.

And now for something completely different. Auf Audiatur online fand ich einen sehr interessanten Artikel über rassistische und nicht-rassistische israelische Fußballfans und deren Vereine. Fußball interessiert mich überhaupt nicht, aber man lernt dort mehr über Israel als in manchen politische Analysen. Lesenswert!

Warum ging die Weimarer Republik unter?

schönbach

Woran ist die Weimarer Republik untergegangen? Es gibt eine Antwort, die allgegenwärtig ist. Die jeweilige Bundesregierung, Wikipedia, die Bundeszentrale der politischen Bildung, die Mehrheit der deutschen Historiker, alle Medien (mit wenigen, aber irrelevanten Ausnahmen), die Macher der Schulbücher und Materialien für Schüler – alle sind mehr oder weniger der gleichen Meinung, oder sie geben so viele Ursachen an, dass gar kein Standpunkt mehr zu erkennen ist.

Das ist doch merkwürdig, oder? Was wäre, wenn alle irrten oder die historische Wahrheit keine Chance hätte, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen?

Ich empfehle Karsten Heinz Schönbach – für alle, die die Fakten zum Thema wissen wollen und auch die, die sich mit der Geschichte der Weimarer Republik beschäftigen.

Warnung: Das Buch ist Wissenschaft vom Feinsten, also gespickt mit Quellen und Aktenauszügen, 658 Seiten lang. [Inhaltsverzeichnis] Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um es komplett durchzulesen. Es war die Mühe wert.

Dass sich kein großer Verlag finden ließ und sich die Medien mit Rezensionen sehr zurückhalten, kann bestenfalls im ersten Moment überraschen. Je mehr man sich in Karsten Heinz Schönbachs Untersuchung »Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926–1943« vertieft, desto weniger vermag einen das jedoch noch zu überraschen. (Heinz W. Pahlke)

Schönbach ist der erste Historiker, der Firmenakten auswerten konnte, die beweisen, dass ohne die finanzielle Hilfe der deutschen Konzerne die NSDAP nicht an die Macht gelangt wäre. (Ja, vorher hat das niemand gemacht!) Die Mehrheit des deutschen Kapitals wollte das oder nahm es billgend in Kauf, weil es ihren Interessen diente.

Äußerst interessant fand ich auch die Passagen, die anhand zahlreicher Firmenakten, Augenzeugenberichten, Briefen und Protokollen belegen, dass Hitler und die NSDAP-Führung bewusst „sozialistische“ Parolen übernahmen, um Wähler zu bekommen, das aber gegenüber den Vertretern des Kapitals zurücknahmen und relativierten. Alle Kapitalisten, die Geld gaben, wussten, dass es den Nazis damit nicht ernst war. Die NSDAP wir sogar schon pleite und hätte ohne die großzügigen Spenden des Kapitals keinen Wahlkampf mehr machen können.

Die „offizielle“ Theorie wird sich aber nicht ändern lassen, weil sie nicht auf Fakten beruht, sondern auf Ideologie. Geschichte, das beweist Schönbachs Buch, ist immer die Geschichte, wie sie die jeweils Herrschenden sehen wollen. Alles andere wird unter den Teppich gekehrt, auch wenn die Tatsachen etwas anderes sagen. Das ist heute genau so wie damals.

Miscellaneous: Jebsen, Revolution, Luxemburg et al

Gleisdreieck

Foto: Symboldbild für alles – das Bild habe ich vor ca. 10 Jahren am Gleisdreckeck gemacht, als es dort noch keinen gebügelten Park gab. Das Areal heisst jetzt Sonnendeck im Westpark – ich nenne es schlicht „Wiese“.

Ich kann gar nicht verstehen, warum sich der ansonsten von mir geschätzte Kollege Matthias Broeckers so für diesen Ken Jebsen (der mir unbekannt war) einsetzt. Natürlich schwillt einem der Kamm, wenn man liest, dass jemand ihn denunziert haben soll. Ich wusste nichts und habe mich sachkundig gemacht. Auf der Achse des Guten (2011) kann man lesen, worum es ungefähr geht. Noch genauer: Broder hat auch eine E-Mail von Jebsen veröffentlicht (2011).

Ich habe mir das alles ganz durchgelesen. Fazit: Jebsen hat nicht nur politisch einen an der Waffel, sondern verbreitet antisemitische Kacke. Danach kann er natürlich 1000 Mal alles abstreiten, aber so einen Mist schreibt mal noch nicht mal, wenn man das falsche Zeug geraucht oder drei Promille intus hat.

Das kommt davon, wenn ein Radiomoderator der C-Liga sich der Politik zuwendet. Natürlich findet er auch ein gieriges Publikum. Ich rege mich aber nicht auf („sorgt für Aufregung“ ist ein beliebter sinnloser Textbaustein, den man oft in den Medien liest). Ich hätte natürlich nicht wie Lederer gehandelt, der – typisch deutsch! – offenbar – direkt oder indirekt – dafür gesorgt hat, dass Jebsen nicht in einem Berliner Kino von seiner politischen peer group irgendeinen läppischen Preis bekommt – so lächerlich wie alle Journalistenpreise.

And now for something completely different. Ich habe mich heute mit Lektüre eingedeckt, die ich demnächst hier auch detailliert vorstellen werde, eingedenk der traurigen Tatsache, dass ich noch eine ellenlange To-Do-Liste habe, was Buchbesprechungen angeht. Bini Adamczaks Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman (schwierig zu lesen, aber großartig), Beate Landefeld: Revolution und Jörg Schütrumpf (Hrsg.): Diktatur statt Sozialismus: Die russische Revolution und die deutsche Linke 1917/18. Letzeres wurde in der aktuellen Konkret erwähnt – und ich wurde neugierig.

Die Buchhändlerin meines Vertrauens musste sich, als sie mich siezte, sagen lassen, dass jemand, der die obigen Bücher kaufe und lese, wohl kaum goutierte, gesiezt zu werden. Sie sah es immerhin ein. O tempora, o mores!

Nicht-ganz-die-Wahrheit-sagende-Presse

security

Foto: Das ist keine Dienstuniform. Derartige Pullis kann man zum Beispiel in jedem Military-Shop kaufen.

Ich hatte in einem so genannten „Sozialen Netzwerk“ behauptet, der Taz-Artikel „Sie suchten Schutz“ widerspräche allen journalistischen Standards. Ein Kollege, der ihn gepostete hatte, fragte, warum das so sei. Nichts ist leichter als das zu beweisen!

Audiatur et altera pars ist die wichtigste journalistische Regel. „Höre auch die andere Seite“ meint aber nicht nur, dass man alle einfach reden lässt. Die Wahrheit ist oft eine Frage des Standpunkts, und nicht nur eine der Klasse, aus der der Journalist stammt.

Der szenische Einstieg, den die Taz hier wählte, um das Thema einzuführen, missachtet alles, was man als Journalist missachten kann: Ist das, was der erwähnte Argjent Mehmeti sagt, wahr? Niemand weiß das. Also müsste man auch die fragen, die er beschuldigt. Und selbst wenn die Taz es getan hätte: Die Aufgabe von Journalisten ist es, die Wahrheit – so weit wie möglich – herauszufinden und mitnichten, Schlüsse zu ziehen, wenn die Fakten nicht ausreichen.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 05.08.1966 ist eindeutig: „Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muß er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere sich gebildet haben. Die Presse hält diese ständige Diskussion in Gang; sie beschafft die Informationen, nimmt selbst dazu Stellung und wirkt damit als orientierende Kraft in der öffentlichen Auseinandersetzung.“

Das heißt: Wenn die Presse wesentlich Fakten weglässt, ist sie „Lügenpresse“, weil der Bürger nicht umfassend genug informiert worden ist. Auch hier lügt die Taz. Der „Zeuge“ behauptet: „Die Wachmänner sind organisiert und verdienen zu viel Geld. Deswegen macht da keiner was.“ Stimmt das? Nein, es ist falsch. Im Sicherheitsgewerbe wird fast nur Mindestlohn gezahlt, und das wirkt auf die Qualität des Personals.

Damit nicht genug: Der Leser meint zunächst, es ginge darum aufzudecken, dass Mitarbeiter der Sicherheitsdienste Flüchtlinge misshandelten. „…kommt es weiterhin regelmäßig zu Körperverletzungen durch Sicherheitskräfte, zu Bedrohungen, manchmal gar zu Misshandlungen. In Berlin stehen Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen im Verdacht, Geflüchtete in die Prostitution vermittelt zu haben, um mit der Zuhälterei zu verdienen.“

Kann man beweisen, dass es regelmäßig zu Körperverletzungen und anderen Delikten kommt? Nein. Es stimmt auch gar nicht. Und wenn jemand „unter Verdacht steht“, heißt das noch gar nichts. Im Zweifel für den Angeklagten?! Verdachtsberichterstattung kann auch Rufmord sein, So etwas kennen wir vom RBB. Im Artikel der Taz ist geht es aber dann um Firmen, die Unterkünfte für Flüchtlinge betreiben. Was hat das aber mit den Sicherheitsunternehmen zu tun?

Rund zwei Drittel des Taz-Artikels widmetn sich European Homecare, ein „Unternehmen, das sich auf den Betrieb von zeitweiligen Wohnungen für Flüchtlinge spezialisiert hat.“ Wieder die Frage: Geht es um das Personal von Sicherheitsunternehmen, was der Einstieg suggeriert? Geht es um die Firmen, die Notunterkünfte betreiben?

Ich werfe den Autorinnen der Taz vor, dass sie sich mit einer „Sache“ gemein machen. „Sie war schockiert zu erfahren, wie alltäglich Gewalt gegen Geflüchtete ist. (…) Das Gespräch mit Maria Wehle ist ihr besonders in Erinnerung geblieben.“ Was soll denn dieser Quatsch? Journalisten, die sich schockieren lassen, sollten den Beruf wechseln. „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört“, sagte Hanns Joachim Friedrichs.

Was bedeutet das? Was ist die gute Sache? Die der Flüchtlinge? Die der Sicherheitsmitarbeiter? Oder die der Autorinnen?

Föckinghausen

1964

Das Foto von mir und Michael Lowey (links) wurde 1964 im Schullandheim Föckinghausen gemacht. Michael wurde später Schulsprecher am PGU, und ich war Klassensprecher. Wir beide zusammen haben den ersten und vermutlich auch einzigen Schulstreik in Unna organisiert. Leider gibt es davon keine Fotos, nur von unserer Demonstration durch die Bahnhofstrasse. Um das aber zu finden, müsste ich per Hand das nicht digitalisierte Archiv im Hellweger Anzeiger durchforsten. Du meinte Güte, das ist ja schon mehr als ein halbes Jahrhundert her. Nicht zu fassen. Ich fühle mich gar nicht so…

Liebesgrüße aus Moskau

brief aus Moskau

Erhalten 1976

Moral ohne Grenzen

Thomas Fischers Kolumne „Mister Spacey und wir“ (hinter einer virtuellen Schranke für die, die nicht wissen, wie man Javascript ausschaltet):
Die Moral kennt keine Grenzen mehr: Dem Regisseur Roman Polanski wird aus dem Kölner Frauenturm mitgeteilt, seine Ghetto- und KZ-Biografie schütze ihn keineswegs vor dem Zahltag eines 40 Jahre zurückliegenden möglichen sexuellen Missbrauchs. Da liegt, so muss man sagen, die Latte der Moral wirklich sehr hoch! Sie wurde aufgelegt von einer Journalistin, die kürzlich selbst wegen einiger Unregelmäßigkeiten in ihren Steuerunterlagen rechtskräftig verurteilt wurde. Es handelte sich, anders als bei den ihr besonders am Herzen liegenden Fällen, nicht um unbewiesene Verdachtsfälle, sondern um veritable Straftaten. (…) Der Tonfall der neuen Welle ist gegenüber der letzten noch schriller und vernichtungsgeneigter geworden.“

Rakach oder Maki?

maki

Aus der aktuellen Konkret: „In Palästina existierte Anfang der zwanziger Jahre nur die Jüdische Kommunistische Partei, die erst nach und nach arabische Mitglieder gewinnen konnte. Gleichwohl war die KP Palästinas aufgerufen. den arabischen ‚Freiheitskampf‘ zu fördern, auch wenn sich dessen Angriffe wiederholt gegen die jüdische Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets richteten, (…) sogar nach den pogromartigen Ausschreitungen in Jerusalem, Hebron und Safed 1929 mit über 100 jüdischen Opfern blieb die Komintern bei ihrer antiimperialistischen Politik und forderte entsprechend von der KP Palästinas, sich zu ‚arabisieren‘.“

Trumps Erfolge und knirschende Zahnreihen

Die Jüdische Rundschau listet Trumps Erfolge auf. Alles wahr und richtig. Ich höre schon, wie mainstreamjournalistische deutsche Zahnreihen in Tischkanten beißen.

Older entries