Koordinierende externe Verschlimmbesserungs-Agenturen
Die FAZ spricht ein paar Wahrheiten über die Pappnase, die sich Bürgermeister nennt Berlins Wowereit und das Desaster um die diversen Bauvorhaben aus:
“Im Sommer rief eine Berliner Zeitung bei diversen Behörden an, um sich zu erkundigen, ob es einem diabolischen Plan entspreche, wenn nicht nur eine zentrale Ost-West-Verbindung durch Baustellen blockiert sei, sondern die Ausweichroute gleich mit. Sie bekamen die Auskunft, dass das noch niemandem aufgefallen sei. Es werde jetzt aber eine externe Agentur damit beauftragt, diese Planungen besser zu koordinieren.”
Immer, wenn “externe Agenturen” beauftragt werden, wird es verschlimmbessert. Das gilt auch für alle IT-Vorhaben.
By the way: Die FAZ verschweigt uns die Quellen; das sind wir gewohnt, weil deutsche Mainstream-Medien zwar jammern, dass ihnen die Leser davonlaufen, aber nichts dagegen tun, ausser der Idee, man müsse für den Mist auch noch Geld verlagen.
Die Berliner Morgenpost berichtet von einem “Streit zwischen den Berliner Wasserbetrieben und der Verkehrslenkung Berlin (VLB)“. Verantwortlich für das Chaos ist Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Michael Müller (SPD). Über diesen völlig unfähigen SPD-Apparatschik Herrn hat der Schockwellenreiter das Nötige schon öfter gesagt.
Die wahren Erfolge der FDP
Gut gemacht, FDP! (via Fefe)
Den Rücken zeigen
Bild: Carl Spitzweg: Der Grünen-Wähler Der typische Käufer im Bio-Laden Der Kaktusfreund
Stern.de: “Rechnet man den Anteil der Splitterparteien und den der Unentschlossenen und Nichtwähler zusammen, haben 40 Prozent der Befragten den etablierten Parteien den Rücken gekehrt. Daran hätten auch die jüngsten Parteitage nichts geändert, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem ‘Stern’. ‘Während dort früher über Themen, die die Menschen bewegten, debattiert wurde, laufen dort heute nur noch Rituale ab.’”
By the way: Die Leute sind nicht politikverdrossen, sondern PolitikerInnenverdrossen. Einschränkend muss man sagen, dass erstens das Sein das Bewusstsein bestimmt – wer gewählt wird, muss schon einen sehr starken Charakter und Willen haben, sich nicht anzupassen (das fängt bei der Kleiderordnung an). Zweitens werden meistens nur die gewählt, die eh schon angepasst sind, weil Leute Streithansel (wie mich zum Beispiel) zwar interessant finden, aber Querelen – und denen, von denen sie Ärger erwarten – am liebsten aus dem Weg gehen. Ruhe ist in Deutschland die erste Bürgerpflicht, das ist der Nationalcharakter. Und drittens sagt die Tatsache, dass die Leute sich von Parteien abwenden, nichts darüber aus, ob sie wählen oder nicht; sie entscheiden sich nach anderen Kriterien als nach ihrem Parteibuch.
Reaktionäre Jecken raus!
Taz: “Christian Jacken, nach eigenen Angaben einer der ‘Miterfinder“’der unter Piraten geschätzten Liquid Democracy. Als er auf dem Parteitagspodium in seiner Bewerbungsrede bekannt gab, er sei Doppelmitglied in AfD und Piratenpartei, wurde er ausgebuht und ausgepfiffen – und schließlich des Podiums verwiesen.”
Richtig so. Reaktionäre Jecken raus!
Bundesnachrichtendienst verübte Terror-Anschlag
Abendzeitung München: “Der Duisburger Historiker Andreas Kramer (49) sorgte mit einer spektakulären Aussage in einem Prozess in Luxemburg für Aufsehen. Das Oktoberfest-Attentat im September 1980, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen und mehr als 200 verletzt wurden, sei von seinem Vater geplant worden. Er habe zusammen mit Gundolf Köhler (21) auch die Bombe gebaut. (…) Der Terrorakt war eine gezielte und lange vorbereitete Aktion des Bundesnachrichtendienstes”.
Das wird aber keine Folgen haben. Nazis und Geheimdienste waren schon immer zum Verwechseln ähnlich oder identisch.
Pappnasen zu Funktionären!
Laut Welt online stellt das Bundesinnenministerium Superspezialexperten Bewerber für offene Stellen nicht nach “Eignung, Leistung und Befähigung” (Echo: ung ung ung) ein.
Wie aus von der “Welt” eingesehenen Bewertungsunterlagen des BVA hervorgeht, wurden, unabhängig von den vergebenen Punktzahlen, Kandidaten mit CDU- und CSU-Parteibuch, sowie Bewerber mit Verbindungen zur unionsnahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) vorrangig auf die Einladungsliste für das Assessmentcenter – für die Endauswahl also – gesetzt.
Ach?! Günstlingswirtschaft nicht nur im FDP-Entwicklungs”hilfe”ministerium, sondern auch bei der CDU? Das hätten wir jetzt nicht gedacht.
Der “Fehler” in diesem System ist – wie auch im Deutschen Journalistenverband: Wenn man nur immer nur die größten Schleimer und Pappnasen Doofen zu Funktionären macht, hat man auch die Garantie, dass die sich bei Mauscheleien erwischen lassen.
By the way: Bewerber für offene Stellen sollen sich dafür eignen, sie sollen etwas leisten (können) und sie sollen befähigt sein (was aber “sich für etwas eignen” eh schon aussagt).
Spitzensteuer oder: Bananen sind krumm
Spiegel online: “Die angekündigte Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent für ein Jahreseinkommen über 80.000 Euro kommt demnach bei den meisten Deutschen gut an: Zwei Drittel sind dafür, von den eigenen Anhängern sogar 88 Prozent. Allerdings sinkt die Zustimmung mit steigendem Gehalt.”
Ach?!
Die Oberkeit, so christlich ist
Heise: “Provider dürfen demnach die Netzkennungen den Inhabern von Internetzugängen automatisiert zuordnen, was einen Eingriff ins Fernmeldegeheimnis darstellt. (…) Mit richterlicher Genehmigung wird mit dem Gesetz der Zugriff auf PINs, PUKs oder Passwörter von Telekommunikationsdiensten erlaubt.”
Und was sehe ich in den Nachrichten im Fernsehen? Obwohl vom obigen Eingriff in die elementaren Grundrechte alle Deutschen betroffen sind, kommt es nur im Kleingedruckten vor.
Die Medien beschäftigen sich lieber mit dem Evangelischen Kirchentag einer Versammlung der Verehrer höherer Wesen, hier: der Jünger Martin Luthers. Das war der, der die herrschende Klasse aufforderte, die Bauern abzuschlachten und dessen Anhänger es durchgesetzt haben, dass Kirchen nach weltlichen Herrschern benannt wurden.
Wie Luther schon schrieb: “Aber die Oberkeit, so christlich ist und das Evangelion leidet, derhalben auch die Bauren keinen Schein wider sie haben, soll hie mit Furchten handeln.” Wenn die CDUCSUSPDFDPRGÜNE Obrigkeit sich ein christliches Mäntelchen umhängt, muss man sie fürchten.
Ignorantes Pack, allesamt.
Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, reloaded 2.0
Tagesschau.de: “Das Bundeskriminalamt (BKA) hat zwischen 2008 und 2010 mehrfach Geheimdienstagenten und Polizisten in Tunesien und Ägypten in Seminaren ausgebildet.”
Der letzte Parlamentarier
Soeben gelesen: Christian Schmidt: “Der letzte Parlamentarier”, in: Titanic, Nr. 1, 1991, (pdf, keine Satire) über Thomas Wüppesahl.
Lesebefehl, wenn man etwas über die Mentalität unsere Bundestagsabgeordneten wissen will.
Das wichtigste militärische Ereignis des II. Weltkriegs
Dieser Artikel erschien auf burks.de vor zehn Jahren. Ich habe ihn leicht verändert und die Links und Bilder aktualisiert.
Am 19. April 1943 fand die herausragendste militärische Leistung des zweiten Weltkriegs statt. Sehr wenige gegen viele, sehr schlecht Bewaffnete gegen einen übermächtigen militärischen Apparat, heroischer Mut, den sicheren Tod vor Augen, nur noch ein mögliches Ziel: in Würde zu sterben. Der Kampf der wenigen hundert Frauen und Männer hinterließ der Welt ein Fanal – es machte sie und die wenigen Bilder, der erhalten sind, unsterblich.
Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto. Im Juli des Vorjahres hatten die Nazis angefangen, die Juden aus Warschau in die Konzentrationslager zu deportieren. Die Geschichte ist bekannt, und zahlreiche und gute Websites informieren über die Details. Im Oktober 1942 gründete sich die “Jüdische Kampforganisation” Żydowska Organizacja Bojowa” im Ghetto. Die ersten Aktionen wandten sich gegen Kollaborateure. Am 23. Januar sollte losgeschlagen werden. Doch vier Tage vorher marschierten die Nazis in das Ghetto ein. Nach vier Tagen erbitterten Kampfes mussten sich die Deutschen zurückziehen. Die ZOB verlor fast 80 Prozent ihrer KämpferInnen.

In den folgenden Wochen organisierten die Juden im Ghetto ein System von Bunkern, die mit der Kanalisation verbunden sind, und versuchten, Waffen “nach drinnen” zu schmuggeln. Einige Namen sollen hier genannt werden: Mordechai Anielewicz, der Organisator der Untergrundbewegung und des Aufstands im Ghetto, Yitzhak Zuckerman, Gole Mire and Adolf Liebeskind. Und Marek Edelmann der letzte überlebende Anführer des Aufstands starb 2009. Eine Ironie der Geschichte ist es, dass die Fotos des heroischen Widerstands ausgerechnet von einem fanatischen Nazi stammen, von Jürgen Stroop, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei, Leiter der Vernichtung des Warschauer Ghettos. Der 76-seitige “Stroop-Report” samt Fotos kann digitalisiert im Original im Internet nachgelesen werden.
Im Morgengrauen des 19. April marschieren die Waffen-SS erneut in das Ghetto ein – Himmler will Hitler zum Geburtstag ein “judenfreies” Warschau schenken. Die Juden – weniger als 1000 – haben nur zwei Maschinengewehre, 15 (!) Gewehre und 500 Pistolen – und eröffnen dennoch das Feuer. Die Nazis werden zurückgeschlagen und kommen mit 5000 Mann am Abend zurück.
Ein Augenzeuge: “Die unseren kämpften so gut sie konnten. (..) Ich blickte in die ruhigen Gesichter der Frauen, sie waren ohne Tränen, ohne Furcht, entschlossen, würdig zu sterben.” Am vierten Tag der Kämpfe beginnen die Nazis das Ghetto auszuräuchern und schießen mit Flammenwerfern die Häuser in Brand. Die ZOB zieht sich in die Bunker zurück. Da die Nazis hier nicht eindringen können, leiten sie Giftgas in die Bunker oder setzen die Gebäude unter Wasser. Roza Rozenfeld – die Kommandeurin des Bunkers in der Lesznostraße – kämpft, bis ihr das Wasser bis zum Hals steht. Dann wird sie erschossen. Am 8. Mai 1943 nehmen die Nazis den Bunker, in dem der Führungsstab der ZOB kämpft. Doch der Widerstand geht weiter. Viele der Kämpfer bringen sich um. Die SS braucht zehn Wochen, um die jüdischen KämpferInnen zu besiegen. Die Überlebenden werden in Konzentrationslager gebracht. Nur wenigen gelingt die Flucht. Das Warschauer Ghetto wird dem Erdboden gleichgemacht.

Aus dem Kriegstagebuch des Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld: “In Treblinka werden die Züge mit den Viehwaggons ausgeladen, viele der transportierten Menschen sind schon tot. Die Toten werden neben den Gleisen aufgeschichtet, die gesunden Männer müssen die Leichenberge wegschaffen, neue Gruben graben und die gefüllten zuwerfen. Dann werden sie erschossen. Frauen und Kinder müssen sich entkleiden, werden in eine fahrbare Baracke getrieben und werden da vergast. [...] So geht das nun schon lange. Ein furchtbarer Leichengeruch liegt über der ganzen Gegend.”
Bildquellen: “Unknown Stroop Report photographer”, vgl. die Angaben bei Wikipedia
Kapuzenpullis verbieten!
Warum haben deutsche Politiker noch nicht gefordert, Kapuzenpullis zu verbieten? Uhl und Bosbach, übernehmen Sie!
Btw: Anonymous hat etwas herausgefunden.
Staatsanalyse oder: Das Problem heißt nicht nur Rassismus
Wolf Wetzel in der Jungle World:
Die politische Zurückhaltung autonomer Antifaschisten zur Mordserie des NSU ist verwunderlich. Denn vieles, was die Behörden heute über neonazistische Strukturen wissen und in den Medien berichtet wird, stammt aus antifaschistischen Recherchegruppen. Angesichts der Tatsache, dass der Staatsanteil am NSU längst keine böse Annahme mehr ist, sondern im Detail belegt werden kann, bleiben die Analysen der radikalen Linken dennoch auffallend vage. (…) Die 13jährige Existenz des NSU lässt sich aber nicht nur durch Rassismus erklären. Dank der vorliegenden Dokumente und Fakten kann man wissen, dass sich hinter dem, was heute als »Panne« bezeichnet wird, ein Konflikt zwischen verschiedenen Behörden verbirgt,…
Lesenswert!
Right-Wing Rxtremists
Totalitarismus-Doktrin à la Spiegel online: “In den USA werden derartige Gruppen als ‘right-wing extremists’ dem rechten politischen Spektrum zugeschlagen, ohne dass es sich notwendigerweise um Neonazis oder Rechtsradikale nach europäischem Verständnis handeln muss.”
Ach? Sicher, in Deutschland muss man viel mehr tun, um “rechtsradikal” zu sein. Nur Antisemit und Rassist zu sein, reicht nicht aus. Das Gütesiegel “rechtsradikal” bekommt man in Deutschland erst, wenn man V-Mann des Verfassungsschutzes ist im Verfassungsschutzbericht auftaucht.
Überwindung wirtschaftlicher Ungleichgewichte
“Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg hat zur Überwindung wirtschaftlicher Ungleichgewichte in Europa kräftige Lohnerhöhungen in Deutschland gefordert. Die deutsche Wirtschaft habe sich über viele Jahre mit Lohnzurückhaltung einen Wettbewerbsvorteil verschafft.” (Quelle: Focus)
Das übersetzen wir jetzt ins Deutsche. Deutsche Gewerkschaften sind ihren Namen bekanntlich nicht wert: Sie sind die zahmsten in Europa, wissen nicht, dass es um Klassenkampf geht, sondern sprechen von “Tarifpartnern“, was ein Witz ist, und dienen dazu, jeden, der das System auch nur zaghaft in Frage stellt, niederzumachen. Gewerkschaften in Deutschland sind Büttel des Kapitals.
Jetzt beschwert man sich in Frankreich, dass die dortige Profitrate nicht hoch genug ist (“Überwindung wirtschaftlicher Ungleichgewichte”), weil es dem deutschen Kapital mit Hilfe der Gewerkschaften gelungen ist, die Kosten des variablen Kapitals (vgl. “Fakten zum variablen Kapital” (28.03.1013) so niedrig zu halten, dass sich die Kapitalisten hierzulande ins Fäustchen lachen.
Vermutlich käme man eher zum Ziel, wenn die Franzosen einige ihrer Gewerkschaftler nach Deutschland exportieren würden.
Leider nennt der Focus-Artikel keinen Autornamen. Für “Überwindung wirtschaftlicher Ungleichgewichte” würde ich den Ehrentitel “Lautsprecher des Kapitals” vergeben. Deutsch des Grauens ist das auch.
Das ist nicht koscher
Frage: Was macht Markus Beckedahl eigentlich beruflich? Bevor jemand an den Verein cnetz – Verein für Netzpolitik e.V. spendet (der Verein wird gerade erst gegründet, und gemeinnützig kann er auch noch nicht sein), sollte man ja noch fragen dürfen. Es ist unseriös zu verschweigen, dass es um einen Verein geht, von dem man noch nicht einmal die Mitglieder des Vorstands kennt.
Alternative für Deutschland: kein Gedankengut
“Die Basis der AvD besteht großenteils aus älteren Herren. Mehr als 7000 Mitgliedsanträge liegen der Alternative derzeit nach eigenen Angaben vor. Ihre Schlagkraft muß sich allerdings erst erweisen – die meisten hielten den Antrag für eine Anmeldung zur Kaffeefahrt und hoffen nun auf tolle Gewinne. Das Wahlprogramm zielt auf die Mitte der Gesellschaft. Linkes und rechtes Gedankengut werden, so heißt es, strikt abgelehnt. Ein Antrag, jegliches Gedankengut von der Partei fernzuhalten, wurde kurz nach der Gründung vorgelegt und wird derzeit geprüft.” (Quelle)
Laut FAZ befinden sich unter den Unterstützern überproportional viele ehemalige oder noch amtierende Lehrstuhlinhaber der Volkswirtschaftslehre.
Das passt ja wie Ärsche auf Eimer.
Street Party
Die einzig richtige Reaktion auf den Tod Thatchers. Musik von Linton Kwesi Johnson.
Zersetzung nach Plan
Aus aktuellem Anlass dokumentiere ich hier einen Artikel, den ich am 12.12.1990 im Berliner Stadtmagazin ‘zitty’ über Jens-Uwe Vogt geschrieben habe. Vogt galt schon zu DDR-Zeiten als Rädelsführer der Hooligans des BFC Dynamo. Die Stadtmagazin “Prinz” hatte damals einen Artikel veröffentlicht, der suggerierte, Jens-Uwe Vogt sei Agent der Stasi gewesen. In Wahrheit hatte das Ministerium für Staatssicherheit selbst eine Kampagne initiiert, um Vogt in den Augen der Hooligans verdächtig zu machen, ein Spitzel zu sein. Das Ziel der Stasi war laut deren Akten, die Hooligan-Szene Ost-Berlins zu “zersetzen”, indem der informelle Anführer gezielt diskreditiert wurde. Vogt ist kein sympathischer Zeitgenosse, und seine Aktionen auch nicht “gesellschaftsfähig”, aber ein Spitzel war er nicht.
So arbeiten Geheimdienste heute auch noch. Ich selbst – so suggerierten mehrfach Mitglieder des Chaos Computer Clubs -, sei verbandelt mit dem Verfassungsschutz oder wem auch immer (die Tatsache, dass ich seit einem Jahrzehnt fordere, den Verfassungsschutz abzuschaffen, ist vermutlich nur eine besonders geschickte Tarnung). Ein Vorstandmitglied der German Privacy Foundation soll (wieder einmal) IM eines Dienstes sein. Quellen und Belege sind nicht nötig; ein Verdacht, den irgendjemand faktenfrei in den Raum wirft, reicht aus, um die Person in einem bestimmten Milieu zu diskreditieren – eine Methode, die perfekt funktioniert.
Auszüge (der komplette Artikel oben als pdf):
Auch dieser Tage [1990] steht Vogt im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Eine bunte Berliner Stadtillustrierte ['Prinz'] will erfahren haben, daß der “Führer der Hools” Agent für die Staatssicherheit gewesen sei. So beruft sich das Magazin auf die Aussagen eines ehemaligen Stast-Mitarbeiters, wonach Vogt “Lektionen in DDR-Rechtsprechung, Psychologie und Taktik” erhalten habe. “Blödsinn”, erklärte Vogt gegenüber Zitty, “Ich kann mir nicht erklären, wieso so etwas geschrieben wird. (…) will Vogt seine Vergangenheit vertuschen? Hat er, wie das Magazin behauptet, seine Führungsoffiziere ausgespielt, oder wurde er von der Stasi über den Tisch gezogen, instrumentalisiert, um die Hooligan-Szene zu sersetzen? (…)
Die Hauptabteilung XX konterte [die Aktionen der Ost-Berliner Hooliganzs] mit einen Plan für die “Einleitung differenzierter Vorbeugungs- und Zersetzungsmaßnahmen” der Hooligan-Szene. Dieser Plan war so differenziert und raffiniert, daß selbst heute noch die Folgen für einige Hools zu spüren sind.
Prominenter Mitarbeiter der OPK (“operativ-politishen Kontrolle”) war der “BFC-Kommandore [Spitzname der Ost-Berliner Hooligans für einen bestimmten Hauptmann des Staatssicherheitsdienstes]. Seine spitzel, im Stasi-Jargon IM (“informelle Mitarbeiter”) genannt: Drei Herren mit den Decknamen “Bär”, “Dirk Heinze” und “Jens Pollack”. Zielobjekt: Jens-Use Vogt. Deckname der Operation: “Vogel”.
Erste Maßnahme: Information. Die Informanten belegten, daß Vogt Mitte der 80er Jahre zwar nicht von allen Hooligans als Anführer akzeptiert wurde. Er hatte aber “organisatorisch und stimmungsmäßig” in der Fan-Gruppe “die Fäden in der Hand”. Er galt als “Anführer der Skinheads”.
“Vogt trat auch aktiv als Texter von Verspottungsliedern der Sicherheitsorgane in Erscheinung”, heißt es in einem Stasi-Protokoll vom 26. November 1987. Wenn er in einer Gaststätte anwesend war, “kam es vor, daß am Tisch leise Lieder mit rassistischem oder faschistischem Charakter gesungen wurden.”
Zweiter Schritt: Der Hooligan-Chef und ausgewählte Anhänger wurden unter Vorwänden von Ermittlungsbehörden vorgeladen und verhört. “Irgendwo mußte man immer Kompromisse eingehen”, erinnert sich Vogt heute über sein Aussageverhalten bei der Polizei. (…)
Seine vermeintliche Schlauheit nütze ihm nichts. Die Stasi war noch gewitzter. Seine Aussagen würden “über inffizielle und offizielle Wege anderen Mitgliedern der Gruppierung zur Kenntnis gegeben, so daß in der Gruppe eine starke Verunsicherung gegeneinander hervorgerufen wurde.” Vogt behauptet heute, daß seine Aussagen teilweise verdreht lanciert wurde. Seinen Spitznamen hatte er weg: “Stasi-Vogt”. “Die Skins haben sich alle von mir distanziert”, sagt er.
Dritter Schritt: Bei einer Party von Hooligans und Skinheads im Dezember 1986 werden Fascho-Lieder gesungen und “Sieg Heil” gebrüllt. Die Polizei verhaftet ein Dutzend der Teilnehmer. Vogt und zwei weitere mitglieder der “Annalen” [ vermutlich sind die "Vandalen" gemeint - eine Ost-Berliner Rocker- und Nazi-Bande] entkommen. Die Polizei lädt Vogt zum Verhör vor. Kommentar des Abschlußberichts der “operativ-politischen Kontrolle”. “Um den Zersetzungsprozeß zu forcieren, wurde der Vogt im März 1987 gezielt als Zeuge zum Gerichtsverfahren gegen die Teilnehmer des Vorkommnis 24. November geladen.” Im Beisein anderer Gruppenmitglieder weisen die Stast-Mitarbeiter auf seine “entscheidenden” Aussagen und sein “ängstliches Verhalten” hin. Jede weitere “Zuführung oder Befragung” wird durch “offensives Auftreten verschiedener IM bekannt gemacht”.
Ergebnis der Maßnahmen: Es verbreitet sich unter den Hools und Skin “die Auffassung, daß der Vogt machen könne, was er wolle, ohne daß ihm etwas geschehen würde. Daraufhin distanzierten sich weitere entscheidende Personen von ihm.
Vierter Schritt: Zügige Ausreise. (…) Die Stasi hatte schon 1987 vorgemerkt, die Übersiedelung [Vogts] solle schnell realisiert werden, “um so seine zuk+nftige Wirksamkeit in Westberlin zu untergraben, denn bei den rowdyhaften Jugendlichen bestand … die Auffassung, daß man nur für gewissen Gegenleistungen schnell ausreisen darf.” (…)
“Als weitere Maßnhame, um die Glaubwürdigkeit des Vogt herabzusetzen, wurde die zügige Realisierung seines Antrags auf Übersiedelung nach WB (WEst-Berlin, d. Red.) genutzt.” (…)
Nachtrag, der mit dem obigen Artikel inhaltlich nichts zu tun hat, aber mit dem Anlass, ihn noch einmal zu veröffentlichen: Wenn mich jemand nach meiner privaten Verschwörungstheorie fragt, antworte ich, dass irgendjemand Karsten N. “gebrieft” hat, weil der am ehesten “paranoid” genug ist, um auf so etwas hereinzufallen. N. behauptete vor einigen Jahren (das wird ab und zu wieder hervorgekramt) vor seinem Austritt aus der GPF über ein anderes Vorstandsmitglied (nicht, nicht über mich): “der meiner Meinung nach im Verdacht steht, als informeller Mitarbeiter unter dem Decknamen “Sysiphos” für die “Dienste” zu arbeiten.”
Vielleicht sollte Karsten, der sich beharrlich weigert, irgendwelche Fakten zu nennen, doch lieber seine eigenen “Quellen” überprüfen. Gegen meine Theorie spricht aber, dass die German Privacy Foundation mit ihren knapp 90 Mitgliedern einfach nicht wichtig genug ist, um Ziel einer Geheimdienst-Operation zu sein, um die GPF zu “zersetzen” oder zu diskreditieren.
Sich prügelnde kackbraune gymnasiale Kameraden
“Die Chattia Friedberg wurde im vergangenen Jahr in Hamburgs Verfassungsschutzbericht als rechtsextrem eingestuft und steht unter Beobachtung”, schreibt Spiegel online über kackbraune gymasiale Kameraden. [VS Hamburg: "Diese Datei ist beschädigt und kann nicht repariert werden."]
Genau so habe ich mir das vorgestellt. (Und die Quellen verlinken könnte Ihr offenbar immer noch nicht, ihr Pappnasen – außer auf Facebook!)
Was will uns der Künstler die Autorin damit sagen? Was in einem Verfassungsschutzbericht steht, ersetzt die eigene Recherche oder das eigene Nachdenken, was politisch kackbraun sei oder nicht? Der Verfassungsschutz ist keine seriöse Quelle und schon gar keine, die man zitieren darf ohne eine zweite, unabhängige dazu!
Aber so läuft das eben: Nach dem 673sten Verfassungsschutz-Skandal und der unstrittigen Tatsache, dass der Inlands-Geheimdienst nicht nur nicht vor den rechten NSU-Terroristen gewarnt hat, sondern diese bzw. deren Umfeld auch unterstützt hat, machen die Medien weiter, als sei nichts geschehen. Der Textbaustein “der Verfassungsschutz warnt” hat sich so in die Gehirne eingebrannt, dass man ihn nicht wieder herausbekommt.
Und was soll uns die auch sprachlich hässliche Phrase “steht unter Beobachtung” sagen? Wer “beoabachtet wen? Die Schlapphüte lesen in der Zeitung, was sie dort über sich verprügelnde kackbraune Pennäler lesen und üben sich dann in copy und paste, was dann auf einer jährlichen Pressekonferenz als “Verfassungsschutzbericht” vorgestellt wird? Oder marschieren Verfassungschützer heimlich in der Nacht ein und onlinedurchsuchen kackbraune Rechner installieren Wanzen, damit sie bei Saufgelagen Rufe wie “Sieg Heil!” mitschneiden könnten? Und was definiert der Inlands-Geheimdienst als “rechtsextrem”? Ist das eine sinnvolle Kategorie oder nicht vielmehr ein Relikt der Totalitarismus-Doktrin, die da besagt, Bautzen sei vergleichbar mit Auschwitz?
Oder heißt “beobachten”, dass die Funktionäre der “Chattia Friedberg” und “Germania” in Wahrheit von meinen Steuergeldern bezahlt werden?
By the way: die Autorin heisst Hannah König mit einer Mailadresse bei unispiegel.de. Eine gleichnamige Autorin stellt die “Jugendseite” der SZ vor. Es gibt auch noch eine Hamburger Studentin der Mathematik mit diesem Namen, was wiederum zum Ort des Artikels passen würden. Verifizieren konnte ich das nicht.


















