Legalize it!

The New York Times: “Repeal Prohibition, Again”.

It took 13 years for the United States to come to its senses and end Prohibition, 13 years in which people kept drinking, otherwise law-abiding citizens became criminals and crime syndicates arose and flourished. It has been more than 40 years since Congress passed the current ban on marijuana, inflicting great harm on society just to prohibit a substance far less dangerous than alcohol. The federal government should repeal the ban on marijuana.

BTW: Was sagen die deutschen Medien? Was sagen deutsche Politiker?

SPD möchte auch für den Profit des Kapitals zuständig sein

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der Berliner Zeitung: “Die SPD muss deutlicher als bisher machen, dass es uns nicht nur darum geht, für eine gerechte Verteilung dessen zu sorgen, was erwirtschaftet worden ist, sondern dass wir uns auch zuständig fühlen für die Erwirtschaftung. Das ist in den letzten Jahren zugunsten eines starken Profils bei der sozialen Gerechtigkeit in den Hintergrund getreten.”

Für die Erwirtschaftung. Übersetzen wir das ins Deutsche. Ein Wort, das mit ung endet, dokumentiert immer, dass derjenige, der es gebraucht, etwas nicht genau überdacht hat oder mit Bläh- und Furzdeutsch aka Nominalstil etwas verschleiern will. Oder beides.

Die SPD möchte sich nicht nur für das Proletariat, sondern auch für das Kapital einsetzen, auch wenn es auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit (was ist das?) geht? Ach so. Die Sozialdemokraten sollen sich auf für den Profit zuständig fühlen. Übersetzt: Wenn es den Bossen gut geht, geht es auch den Arbeitern gut?

Dazu passt auch der Justizminister Heiko Maas (SPD), der Neubauten von der Mietpreisbremse ausnehmen will: “Wir wissen, dass zurzeit viel in den Wohnungsbau investiert wird. Diese Investitionsbereitschaft wollen wir erhalten”.

Sozialdemokraten waren und sind eben Büttel des Kapitals.

Sehr geehrte Hinterwäldler aka Österreicher!

Österreich

Erst hatten wir diesen Kerl aus Braunau von Euch, dann den, der zu viel Gas gab. Dazwischen belästigtet Ihr die Welt mit einen Nazi-Kavalleristen, dessen Stimme leider auf dem Weg zu den Außerirdischen ist. Dann das Skandalurteil ohne Beweise gegen einen Demonstranten. Dann werden Juden vom Platz geprügelt. Dann erklärt ihr Internet-Zensur für rechtmäßig, frei nach Gutdünken der Content-Mafia.

Wisst Ihr was, Ihr kackbraunen Hinterwäldler aka Österreicher? Ich werde Euer Land nicht mehr betreten. Ihr solltet von den ungarischen Faschisten eingemeindet werden; da wüchse zusammen, was schon einmal zusammen war und immer noch zusammen passt.

Der rasende Reporter – Weltbürger und Kommunist

Kisch

“Egon Erwin Kisch gilt als einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Nach dem Titel eines seiner Reportagebände ist er auch als ‘der rasende Reporter’ bekannt”, schriebt Wikipedia.

Die englische Wikipedia-Version fügt gleich zu Beginn hinzu: “Kisch was noted for his development of literary reportage and his opposition to Adolf Hitler’s Nazi regime.” Gegner Hitlers zu sein oder gar Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland – was Kisch war – ist offenbar für die Deutschen nicht so wichtig, dass man gleich mit der Tür ins Haus fallen müsste.

Kischs intensives soziales und politisches Engagement (nicht zuletzt seine lebenslange Bindung an die Ideale der kommunistischen Bewegung) hatte bereits zu Lebzeiten wesentlichen Einfluss auf die Rezeption seiner Werke. Als exponierter Antifaschist wurde Kisch im nationalsozialistischen Deutschland nachhaltig aus dem kollektiven Bewusstsein gelöscht – wie viele der deutschsprachigen Exilautoren, deren Bücher 1933 verbrannt worden waren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Kischs Tod im Jahr 1948 blieb der ‘rasende Reporter’ in der Zeit des Kalten Krieges westlich des Eisernen Vorhangs jahrzehntelang vergessen. In der DDR zählte er als sozialistischer Autor zum Kanon, seine Werke wurden laufend neu aufgelegt, in einer Gesamtausgabe zusammengefasst und waren trotz der Inanspruchnahme durch die staatstragende SED jahrzehntelang auf den ostdeutschen Bestsellerlisten vertreten.

Wozu so ein “Unrechtsregime” doch gut sein kann!

Leider können sich die Toten gegen posthume Ehrungen nicht wehren. Den Egon-Erwin-Kisch-Preis gibt es ja nicht mehr; er wurde jetzt nach Henri Nannen benannt. Vermutlich wäre es nicht im Sinne der in Deutschland üblichen freiwilligen politischen Selbstkontrolle, einen Journalistenpreis nach einem Kommunisten zu benennen. Wo kämen wir denn da hin!

Ich empfehle alle Bücher von Kisch. Wenn man die zum Teil kurzen, also heute noch Internet- und Blog-tauglichen Reportagen liest, bekommt man auch einen Eindruck, was damals “rasend” bedeutete. Heute wäre die Treue zum Detail und die nachdenkliche Attitude für die Rezipienten ungewohnt “langsam”, weil man gewohnt ist, die Dinge, die Kisch beschreibt, als Film vorgeführt zu bekommen. So ätzend, wie Kisch formulieren könnte, traut sich auch heute noch kaum jemand:

Als in Amerika die Urwälder fast überall dem Erdboden gleichgemacht, beinahe alle edlen Tiere erlegt, die Indianer mit Branntwein und Flintenkugeln nahezu ausgerottet worden waren, zäunte man ein Stückchen ein und schuf den Yellowstonepark. Dann zeigte man ihn der Welt, zum Zeichen des pietätvollen Verständnisses, das das angeblich so nüchterne Amerika der Natur entgegenbringe, und konnte ruhig den Rest der Urwälder, der Indianer und der Tiere vernichten. Wir hingegen haben Weimar. (Der Naturschutzpark der Geistigkeit – in: Hetzjagd durch die Zeit, Aufbau Verlag, Berlin (DDR) und Weimar 1983)

Der letzte Satz – die Pointe – fällt wie ein Hammer auf einen Amboss. Klaus Jarchow schrieb 2008 auf netzwertig.com” über Kisch und wie er seine damaligen Kollegen beeinflusste: “Nun dominierten für einige Jahre in allen Redaktionen die ‘Pflastertreter’ über die ‘Sesselpuper’ – auch wenn das besagte Pflastertreten heutzutage oft genug darin besteht, als braver Pudel politischer Interessen sich im Café Einstein mit jenen mundgerechten Info-Häppchen füttern zu lassen, die man später in die Tastatur erbricht.”

Well said. Wäre das denkbar – heute im Zeitalter der Sesselpuper -, dass ein bekennender – und geistig unabhängiger – Kommunist eine Stelle als Reporter bei einem deutschen Mainstream-Medium bekäme? “So kommt es, dass die Blogosphäre zu einem Zufluchtsort der Reportage werden konnte”, schreibt Jarchow. Ich warte darauf…

Why do Palestinians continue to support Hamas?

Ein sehr kluger Artikel von Noam Sheizaf im linken isrealischen Online-Magazin +972 (ab sofort in der Blogroll): “Why do Palestinians continue to support Hamas”? Empfehlenswert, vor allem auch die interessanten Vergleiche zum Vietnam-Krieg.

Lohn, Preis und Profit

Natürlich herrschen in Schwellenländern andere Bedingungen als in Deutschland, Frankreich oder England. Aber wenn man diese Länder als Messlatte nimmt, kann man nirgendwo sonst arbeiten oder produzieren lassen. (…) Wir beschäftigen in Japan über 23000 Teilzeit- und nichtreguläre Arbeitskräfte. Etwas die Hälfte davon wollen wir künftig fest anstellen. auf diese Weise wollen wir unseren Verkäufern die Möglichkeit geben, sich bei uns weiterzuentwickeln. (Tadashi Yanai, Gründer der weltgrößten Textilkette Uniqlo aka Fast Retailing, im aktuellen Spiegel [Javascript erforderlich]).

Beser kann man die Prinzipien des Kapitalismus nicht beschrieben. Es kommen vor: Der tendenzielle Fall der Profitrate und seine Folgen, die industrielle Reservearmee sowie Lohn, Preis und Profit.

Das Proletariat der Netzgemeinde, der Mindestlohn und die Altersarmut

Newthinking sucht geringfügig Beschäftigte.

Der 68. Deutsche Juristentag beschäftigte sich im September 2010 unter dem Stichwort „atypische Beschäftigungsverhältnisse“ auch mit der abgabenrechtlichen Privilegierung der geringfügigen Beschäftigung und forderte deren Abschaffung. Bereits der Gutachter Raimund Waltermann wie auch die Referenten forderten dies zuvor unter Hinweis darauf, dass die geringfügige Beschäftigung die Normalarbeitsverhältnisse zurückdränge. Dies habe auch zur Folge, dass keine ausreichenden Ansprüche auf Altersversorgung in der gesetzlichen Rentenversicherung entstünden. Daraus entstehe eine gravierende Altersarmut.

Markus Beckedahl (netzpolitik.org) ist Gesellschafter der newthinking communications GmbH (Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, HRB 102015), Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, im Vorstand des Vereins Netzwerk Neue Medien (noch in Gründung laut Website) und nach eigenen Angaben grüne “Karteileiche”. Über das Thema hatte ich scbon im April 2013 etwas geschrieben.

Honi soit qui mal y pense.

Ah! ça ira, ça ira, ça ira, les aristocrates à la lanterne!

Kapitalismus at its best: “Aus steuerlichen Gründen hatten das Ehepaar Middelhoff und die anderen Anleger ihre Anteile mit Krediten finanziert, für die die Immobiliengesellschaften in Gänze haften.”

So was will ich auch! Ich würde gern Aktien kaufen, die ich mit Krediten finanziere, die die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser gespendet haben, für deren Gewinn und Verlust dann aber eine Gesellschaft haftet, bei der ich nichts verantworten muss. Dabei fällt mir ein Bild von Max Pechstein ein…

Der 20. Juli, die Anleger und die Vorteile einer guten öffentlichen Präsentation

spitzeder

“Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.” (Claus Schenk Graf von Stauffenberg)

Nein, das wird kein Beitrag über die Operation Walküre am 20. Juli 1944. Ich kann mich mit dem damaligen “Widerstand” à la Stauffenberg auch nicht identifizieren. Wenn überhaupt, dann nur mit Georg Elser.

Der angeblich weiße Elefant Abul Abbas, der am 20. Juli 802 auftauchte, war mir bisher unbekannt, auch der Zusammenhang mit Karl May. Kennen die Ossis bzw. die Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem Beitrittsgebiet eigentlich Hadschi Halef Omar? Gehört das bzw. der zum Bildungskanon? Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass wenigstens Sitting Bull bekannt sein sollte, der am 20. Juli 1881 gegenüber der US-Armee kapitulierte.

Am 20. Juli 1905 begann in Deutsch-Ostafrika der Maji-Maji-Aufstand. Es würde mich schon interessieren, in welchen Schul-Geschichtsbüchern (gibt es das überhaupt noch?) der erwähnt wird – und wie. Aus der Zeit des deutschen Kolonialismus und der brutalen Unterdrückung des afrikanischen Widerstands (Auspeitschungen, Freiheitsentzug, Zwangsarbeit, Raub, Konfiszierung des Viehs, Vergewaltigung, Taktik der verbrannten Erde) stammt der affirmative Begriff “Schutztruppe“, der – aus vergleichbaren Gründen – von deutschen Medien heutzutage benutzt wird, wenn die Handelswege am Hindukusch und auch anderswo geschützt werden müssen. Es hat sich nicht viel verändert.

Man könnte auch etwas über das aktuelle Thema Polnisch-Sowjetischer Krieg schreiben, oder über den 20. Juli 1974, an dem die Türkei den Nordteil Zyperns einfach besetzte (ich kann mir schon vorstellen, was in den türkischen Schulbüchern steht). Und natürlich sollte man den Satz kennen: “The Eagle has landed.”

Am interessantesten fand ich aber den 20. Juli 1873: “Adele Spitzeder wird zu drei Jahren Zuchthaus wegen betrügerischen Bankrotts mit ihrer Dachauer Volksbank verurteilt. Durch hohe Zinsversprechen hat sie in einem Schneeballsystem mehr als 30.000 Einleger geschädigt. (…) Spitzeder wusste um die Vorteile einer guten öffentlichen Präsentation; sie bestach mehrere Redakteure mit bis zu fünfstelligen Guldenbeträgen für ein positives Presseecho.”

Spitzeders System, die Leute um ihr Geld zu brigen, demonstriert auf’s pädagogisch Wertvollste den quasi-religiösen Glauben der breiten Masse und der medialen Lautsprecher des Kapitals, Geld “arbeite” und man könne es irgendwo “anlegen“, dann werde es schon mehr. Adele Spitzeder war in Wahrheit eine Geistliche des populären Kults, der sich um den Waren- und Geldfetisch dreht und der im Wirtschaftsteil fast aller deutschen Medien täglich fröhliche Urständ feiert.

Der “Federfuchser” (“ein Wanderer zwischen zwei Welten”) schreibt: Jeder Einleger erhielt sofort seine zwanzig Prozent als Zins für die ersten zwei Monate ausgehändigt, und die dritte Rate zu zehn Prozent wurde zum Kapital gebucht und weiter verzinst. Die Bücher konnten nicht genau geführt werden; denn an manchen Tagen gingen allein 100 000 Gulden in bar ein. Bargeld sammelte sich an, mit dem nichts anzufangen war. Es wurde teils ‘verlebt’, teils von den Zinsen aufgezehrt. Sonst ging freilich alles nach Wunsch. Man machte ein Loch auf, um das andere zu schließen. Die Spitzeder gab mit vollen Händen aus und verschenkte oder stiftete auch viel. ‘Aus dem Volk für das Volk!’ war über der Spitzederschen Volksküche am Platzl zu lesen. Hier wurde jeder um so billiges Geld verpflegt, dass Adele noch große Summen zuschießen musste. In der Schönfeldstraße erwarb sie ein eigenes Haus und bewohnte mit ihrer ‘bedenklichen’ Freundin die sechs Zimmer im ersten Stock, die mit Kruzifixen, Heiligenbildern, ewigen Lampen und Hausaltären mehr als andächtig herausgeputzt waren. Sie hängte sich, für alle sichtbar, ein goldenes Kreuz um den Hals und ging fleißig in die Kirche, was von der Geistlichkeit durchaus gewürdigt wurde.

Der Dame sollte man ein Denkmal setzen, ihr die Ehrendoktorwürde in Volkswirtschaftlehre überreichen und die Ehrenmitgliedschaften der FDP und AfD.

1,5 Millionen Terroristen und 200.000 deutschsprachige Bombenbauanleitungen im Netz

AP (via Fefe): The U.S. government is rapidly expanding the number of names it accepts for inclusion on its terrorist watch list, with more than 1.5 million added in the last five years…”

Das erinnert mich an die Firma Pan Amp und Bert Weingarten, der von den gewohnt unkritischen Mainstream-Medien – zum Beispiel von sueddeutsche.de – vor einigen Jahren als “Experte” und “internationaler Pionier der IT-Sicherheit” herumgereicht wurde. Heise berichtete damals: “Angeblich 200.000 deutschsprachige Bombenbauanleitungen im Netz”.

Und nun alle zusammen: Für das Wachstum!

Tancred's landing

Screenshot: Meine Gor-Sim Tancred’s Landing in Second Life, die mit dem Thema des Postings unten rein gar nichts zu tun hat.

Ich wollte eigentlich über das Gefasel der Frau Christine Lagarde etwas schreiben und über die Tatsache, dass sich Journalisten zu bloßen Pressesprechern von Lobbyisten und Pressure-Groups degradieren, wenn sie nur das unkritisch wiederkäuen, was ihnen in den Mund gelegt wird.

Ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, ist wieder einmal Spiegel online: “‘Eine hartnäckig niedrige Inflation kann dem Wachstum schwer schaden’, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag in Paris. Auch trage sie dazu bei, dass die Schuldenlast noch schwerer wiege.”

Ja und? Ist das wahr oder nicht oder wisst ihr es nicht? Man hat den Eindruck, dass, fällt der Begriff “Wachstum”, sofort der Kopf zum Gebet abgenommen wird: Freier Markt(TM) unser, der du bist im Kapitalismus unser aller Gott usw..

Lagarde ist Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bei Wikipedia lesen wir über den IWF und das Wachstum: “Dem IWF wird vorgeworfen, durch die an die Kreditvergabe geknüpften Bedingungen in vielen Ländern die bestehenden Sozialsysteme zu zerstören. Für Kritiker gelten ‘die geforderten Sparprogramme und Einschnitte in Sozialprogramme [...] für die Menschen in Entwicklungsländern [als] unzumutbar und [seien zudem] für das Wachstum schädlich.’”

Aha?! Und? Können deutsche Journalisten vielleicht auch selbst denken? Nein? Quod erat demonstrandum.

Spiegel online schließt mit den “wunderbaren” Worten: “Die französische Wirtschaft kämpft derzeit mit Wachstumsproblemen”. Leider kann ich nicht wirklich sagen, wer das verbrochen hat; ein Kandidat für den Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” wäre diese Person auf jeden Fall.

Pfui, das ist kein Journalismus, sondern schlicht ekelhaft.

Schafft endlich diese Zensurbehörde ab!

Ich werde bei zukünftigen Wahlen nur Parteien wählen, die fordern, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ersatzlos abzuschaffen.

Sicher ist sicher, revisited

analog

“Nur analoge Kommunikation kann halbwegs gesichert werden.” (Stefan Plöchinger, Chefredakteur Sueddeutsche.de)

Ich schrob am 11. Juli 2013: Das sagt auch der Russische Geheimdienst. Dann muss es ja stimmen.

Heute lesen wir zum Beispiel bei N24:
Der NSA-Untersuchungsausschuss will möglicherweise auf altbekannte Methoden setzen, um sich vor Ausspähung zu schützen. Es werde erwogen, wieder auf mechanische Schreibmaschinen zurückzugreifen, um geheime Dokumente zu verfassen, sagte der Vorsitzende des NSA-Untersuchungsausschusses, Patrick Sensburg (CDU), am Montag im ARD-”Morgenmagazin“. (…) “Und wir müssen natürlich versuchen, unsere interne Kommunikation sicher zu halten, verschlüsselte Emails senden, Krypto-Telefone benutzen und andere Dinge, die ich hier jetzt natürlich nicht sage.”

Klar sagt er das uns nicht. Ist ja alles geheim.

Die sind komplett irre. Und keiner merkt es. LMFAO.

Strike! Die Roten kommen!

Al Jazeera berichtet über den Klassenkampf der südafrikanischen Metallarbeiter. In deutschen Medien lese ich bis jetzt kein Wort davon.

Früchte des Zorn oder: Hooverville ist überall

steinbeck“Hast du schon mal ‘nen Polizisten gesehen, der keinen fetten Hintern hat? Und sie wackeln damit, daß ihre Revolver auf und ab hüpfen. Mutter”, sagte er, “wenn’s das Gesetz wär’, das uns was will, dann würde ich mir’s gefallen lassen. Aber ‘s ist nicht das Gesetz. Sie hauen auf uns ein und wollen uns die Seele aus dem Leib hauen. Sie wollen, daß wir kriechen und uns krümmen, wie’n geschlagener Hund. Sie wollen uns kaputtmachen. Und, mein Gott, Mutter, da kommt ‘ne Zeit, wo einer nur noch seine Anständigkeit behalten kann, wenn er so ‘nem Bullen eine in die Fresse schlägt. Sie haben’s auf unsre Anständigkeit abgesehn.”

Kann man sich vorstellen, dass ein deutscher Schriftsteller so etwas schriebe? Dass ein deutscher Verlag so etwas druckte? Man kann nur anständig bleiben, wenn man einem Bullen in die Fresse schlägt? Nein, das ist undenkbar. So etwas ließe die freiwillige politische Selbstzensur hierzulande nicht durchgehen.

Es finge schon viel früher an: Deutsche Schriftsteller beschäftigen sich zwar viel mit den emotionalen Befindlichkeiten der alten und neuen Mittelschichten, die Arbeiterklasse kommt aber gar nicht vor, und schon gar nicht die Frage, ob der Kapitalismus als System fragwürdig sei und ob es eine Alternative gebe. Das zu thematisieren ist nicht erlaubt.

Ich empfehle heute also einen ausländischen (!) Schriftseller und Nobelpreisträger und eines der besten Bücher, das jemals geschrieben wurde und das ein mehrsemestriges Studium der Geschichte der USA ersetzt: John Steinbecks Grapes of Wrath (deutsch: “Früchte des Zorns“, erschienen 1939).

steinbeck

Der deutsche Wikipedia-Eintrag zum Roman ist übrigens grober Unfug und lässt völlig außer acht, dass es nicht um “Menschlichkeit” an sich geht, sondern um eine ätzende Kritik am kapitalistischen System.

Das englische Wikipedia schreibt: Set during the Great Depression, the novel focuses on the Joads, a poor family of tenant farmers driven from their Oklahoma home by drought, economic hardship, agricultural industry changes and bank foreclosures forcing tenant farmers out of work. Due to their nearly hopeless situation, and in part because they were trapped in the Dust Bowl, the Joads set out for California. Along with thousands of other “Okies”, they sought jobs, land, dignity, and a future. (…)

Part of its impact stemmed from its passionate depiction of the plight of the poor, and in fact, many of Steinbeck’s contemporaries attacked his social and political views. Bryan Cordyack writes, “Steinbeck was attacked as a propagandist and a socialist from both the left and the right of the political spectrum. The most fervent of these attacks came from the Associated Farmers of California; they were displeased with the book’s depiction of California farmers’ attitudes and conduct toward the migrants. They denounced the book as a ‘pack of lies’ and labeled it ‘communist propaganda’. Some accused Steinbeck of exaggerating camp conditions to make a political point. Steinbeck had visited the camps well before publication of the novel and argued their inhumane nature destroyed the settlers’ spirit.

Flüchtlingscamps. (Im Buch nennen die Fküchtlinge alle derartigen Camps “Hooverville“). Das haben wir doch schon mal gehört? Armutsflüchtlinge! Nur dass die im Buch von Oklahoma nach Kalifornien ziehen, somit keine “Ausländer” sind; heute ziehen die Armutsflüchtlinge von Südosteuropa und Afrika in die reichen Länder. “Früchte des Zorns” ist ein hochaktuelles Buch: Man sieht, dass sich fast gar nichts geändert hat, und dass auch die Leute, die Bücher lesen, daraus wenig lernen. Alles kommunistische Propaganda.

Manche Bücher kann ich nicht in einem Zug durchlesen, obwohl ich rasend schnell lese. “Früchte des Zorns” regt mich so auf (obwohl ich es schon kenne), dass ich das Buch zwischendurch eine Weile weglegen muss, um nachzudenken.

steinbeck

Der Roman beginnt in Sallisaw, Oklahoma, im sogenannten Dust Bowl. (Ich übersetze den Wikipedia-Eintrag in lesbares Deutsch:) Die Bauern hatten das Präriegras gerodet, um vornehmlich Weizen anzubauen. Die tiefen Wurzeln des Grases, dessen Halme den Staub auffingen, hatten die oberen Bodenschichten vor Erosion bewahrt. Jetzt setzte eine massive Erosion ein, jahrelange Dürren vernichteten die Ernten. Staubstürme wehten die Menschen in ihren Häusern ein. Viele Farmer mussten ihren Äcker verlassen, als sie kein Geld mehr hatten. Sie suchten oft in anderen Regionen der USA nach Arbeit.

Genauso sieht es heute in der Sahel-Zone in Afrika aus - mit ähnlichen Ursachen und exakt den gleichen Folgen.

Ein Plot sähe heute also so aus: Der Roman spielt während der so genannten “Finanzkrise” in den USA und Europa ab 2007. Das Buch beschreibt die Abeekus, eine arme Bauernfamilie, die von ihren Feldern in Libyen [wahlweise: Syrien, Irak] vertrieben wurde – durch Dürre und die Folgen des von den imperialistische Mächten geschürten Bürgerkrieges. Wegen ihrer fast ausweglosen Situation flüchtet die Familie nach Deutschland, zusammen mit tausenden anderer Afrikanern [wahlweise: Südosteuropäer, Syrer, Iraker]. Sie suchen eine neue Heimat, Arbeit, Würde, und eine Zukunft.

Was folgt, ist bekannt. Lest “Früchte des Zorn” selbst – oder noch besser das englische Original.

Bundespräsident Gauck schlägt Ursula von der Leyen als Bundeskanzlerin vor

Zensursula

Stern.de (15.04.2013): “Nikolaus Blome, Chef des “Bild”-Hauptstadtbüros, hatte in seinem neuen Buch geschrieben, Angela Merkel wolle 2015 aufhören. Weil sie dann 60 wird.”

Spiegel online (13.07.2014): “Nach Einschätzung mehrerer Kabinettsmitglieder und hochrangiger Unionspolitiker ist Bundeskanzlerin Angela Merkel entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 freiwillig aus dem Amt zu scheiden und nicht auf eine Wahlniederlage oder eine parteiinterne Ablösung zu warten. Das berichtet der SPIEGEL unter Berufung auf Partei- und Regierungskreise.”

Klar, dann braucht Ursula von der Leyen nicht vom Volk gewählt zu werden. Wikipedia gibt dazu folgende Auskunft:
“Ist das Amt des Bundeskanzlers vakant, etwa durch den Zusammentritt eines neuen Bundestages, aber auch durch Tod, Rücktritt oder Amtsunfähigkeit des alten Bundeskanzlers, schlägt der Bundespräsident innerhalb einer angemessenen Frist dem Bundestag einen Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers vor. In dieser Entscheidung ist der Bundespräsident rechtlich frei. Politisch ist jedoch schon lange vor dem Vorschlag klar, über wen der Bundestag abstimmen wird, da der Bundespräsident vor seinem Vorschlag eingehende Gespräche mit den Partei- und Fraktionsspitzen führt. Bisher ist auch stets der von der mehrheitsführenden Koalition ins Spiel gebrachte Nachfolgekandidat vom Bundespräsidenten vorgeschlagen worden. Der Kandidat benötigt zu seiner Wahl die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages, also die absolute Mehrheit. Wählt der Bundestag den vom Bundespräsidenten vorgeschlagenen Kandidaten nicht, so beginnt eine zweite Wahlphase. Dieser Fall ist in der Geschichte der Bundesrepublik bisher noch nie eingetreten.”

Bei der nächsten Bundestagswahl hat die Amtsinhaberin dann den Amtsbonus. So wird es laufen. Man kann Merkel viel vorwerfen, aber doof ist die nicht. Mich würde es ja auch reizen, den Nachfolger in meinem Amt selbst bestimmen zu können und nicht das Risiko einer Wahl oder gar Wahlniederlage einzugehen.

Snowden beantragt Asylverlängerung in Russland

“Es fällt niemanden auf, daß ein Menschenrechtler der sogenannten ‘freien und westlichen’ Welt bei Putin um Asyl betteln muß. Nein – die Krawall-Muschi-Presse hat auch kein schlechtes Gewissen.” (Ossiblock)

United post-democratic totalitarian Kingdom

The Register: “A computer science student [der am Asperger-Syndrom leidet] accused of hacking offences has been jailed for six months for failing to hand over his encryption passwords, which he had been urged to do in ‘the interests of national security‘.” (via Fefe)

Dort muss man offentlich seine Unschuld beweisen, nicht wie (noch) hierzulande, wo die Staatsanwaltschaft die Schuld eines Angeklagten beweisen muss.

Ich nenne Großbritannien einen post-demokratischen totalitären Staat.

Vgl. auch BBC: “What emergency data law means for you” und Heise: “Beugehaft gegen Studenten: Britische Justiz will Passwort”.

Unter Naivlingen oder: Ein einmaliger Erfolg der Spionageabwehr

Ich muss mein gestriges Posting über den merkwürdigen BND-”Agenten” korrigieren. Es ist wohl doch keine Ente oder ein PR-Gag des Inlandsgeheimdienstes. Um so absurder wird die Geschichte aber. N-TV berichtet:
Nach Angaben der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” galt er unter Kollegen als “Naivling” und als wenig qualifiziert. Allein seine technischen Fähigkeiten machten ihn für den Dienst attraktiv. Er bekam einen Posten in der Abteilung “Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen”, die unter anderem deutsche Soldaten im Auslandseinsatz schützt und die Zusammenarbeit mit Partnerdiensten koordiniert. Der Mann war für “technische Unterstützungsaufgaben” zuständig. Ein Agent war er im Grunde also nicht, und damit auch kein Doppelagent.

Auch die FAZ bringt diese Details:
Da die Dokumente von einem privaten PC abgeschickt worden waren und der Mitarbeiter zu dem Zeitpunkt, als die Mail verschickt wurde, als einziger im Urlaub gewesen war, wurde er als “Maulwurf” enttarnt. (…) Die Enttarnung des Mannes sei “ein einmaliger Erfolg der Spionageabwehr”, die der engen Zusammenarbeit von Verfassungsschutz und BND zu verdanken sei, sagte der hohe Sicherheitsbeamte. Der verhaftete Mitarbeiter, der aufgrund einer Erkrankung in der Kindheit stark geh- und sprachbehindert ist, arbeitete im Stab der Abteilung EA “Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen”.

Also noch mal: “In der Email, die er von einem Google-Mail-Account [!] versandte, schickte er gleich drei BND-Dokumente mit, um zu belegen, dass er von Nutzen sein kann.” Von seinem privaten Computer aus. [!] Der Mann war für “technische Unterstützungsaufgaben” zum Schutz deutscher Soldaten im Ausland zuständig. Jetzt würde ich doch zu gern wissen, um welche Aufgaben es sich handelt – den Nachschub von Toilettenpapier mit BND-Logo etwa?

Wetter-Apps und Kryptoprogramme

Tor

“Bei einer Wohnungsdurchsuchung stießen die Ermittler auf einen Computer, dessen Sofware-Konfiguration so aussieht, als ob sie ein Geheimdienst präpariert habe. Auf dem Rechner ist eine Wetter-App installiert, fragt der Nutzer das Wetter in New York ab, öffnet sich automatisch ein Kryptoprogramm.” (Aus dem aktuellen Spiegel über den enttarnten BND-Agenten)

Super. Jetzt weiß ich endlich, wie ich meine Rechner konfigurieren muss. Ich würde aber das Wetter in Tel Aviv oder auf der Krim abfragen. Die Links auf die Truecrpyt-Container auf dem Desktip Windows-Rechner sind öffenbar nicht intelligence-kompatibel, obwohl sich beim Klicken darauf ein “Kryptoprogramm” öffnet. Da das ehemalige Nachrichtenmagazin uns nicht verrät, um welches “Kryptoprogramm” es sich handelt, obwohl uns das am meisten interessiert, kann man nur vermuten, dass der Volontär die fünf Redakteure, der die von der Agitprop-Abteilung des Verfassungsschutzes gebrieft wurde, diesen Artikel zu lancieren schreiben, nicht interessiert waren genau zu wissen, was in Wahrheit geschehen ist.

Welt online formuliert vorsichtig: “Noch größer ist die Verwunderung darüber, dass der Verdächtige sich am 28. Mai dieses Jahres unter Beifügung vertraulicher Dokumente von einem Google-Mail-Account aus an das russische Generalkonsulat in München gewandt hatte.” Sicher, und auch noch unverschlüsselt.

Faszinierend, wie kompetent die BND-Mitarbeiter im Dienste der USA sind, die den NSU-Untersuchungsausschuss ausschnüffeln sollten. “Tatsächlich las der Verfassungsschutz die Mail an das russische Konsulat mit.” Ach?! Der Verfassungsschutz hat jetzt vielleicht auch V-Leute beim BND. Har har.

“Stefan Wels vom NDR sagte in der Tagesschau, die Ermittler hätten das Haus der Verdächtigen durchsucht und dabei einen USB-Stick sichergestellt. Dieser werde ausgewertet”, meldet die Tagesschau. Und ganz bestimmt hat die BND-Pappnase auf seinem USB-Stick kein hidden volume. Das wäre nicht kompatibel mit Wetter-Apps und auch zu kompliziert, dass Verfassungsschützer und Journalisten das verstehen würden.

Wisst ihr was? Ich glaube dieser Sau, die gerade durch die Netzgemeinde durchs Dorf getrieben wird, kein Wort. Ein Geheimdienst, der “Kryptoprogramme” hinter Wetter-Apps versteckt, ist eine Lachnummer. Für mich sieht das wie eine – gewohnt dilettantisch gemachte – Nebelkerze des Verfassungsschutzes aus, der genau weiß, dass diejenigen Journalisten, die zu solchen Briefings eingeladen werden, nicht nachhaken, sondern alles brav mitschreiben und genau so publizieren. Just my 20 Cents.

Older entries