Operation „Prometheus“, reloaded

Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster. Voraussagen sollte man nie wagen, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Ich prophezeie eine Niederlage der Linken in Griechenland und einen Militärputsch innerhalb der nächsten fünf Jahren. Die Geschichte lehrt und das, un dich halte die griechische Linke, die jetzt an der Regierung ist, für naiv, was das Thema angeht.

Robin Hood und die Austerity

class struggle

Democracy Now: Noam Chomsky erklärt, dass „Austerity“ nur ein anderes Wort für Klassenkampf sei.
What’s going on with the austerity is really class war. As an economic program, austerity, under recession, makes no sense. It just makes the situation worse.

Ich hatte mich hier schon über die dämliche (weil völlig unverständliche) Parole „Gegen Austerität und gegen Abschottung“ echauffiert. „Austerity“ heißt im Englischen „Strenge“, „austerity measures“ sind „Sparmaßnahmen“. „In economics, austerity is a set of policies with the aim of reducing government budget deficits.“

Das genau ist aber strittig. „Sparen“ heißt im Kapitalismus-affinen Neusprech, also im Jargon der so genannten „Volkswirtschaftler“: Den Armen nehmen und den Reichen geben. Sollte etwa Robin Hood auch eine „Austeritätspolitik“ verfochten haben? Er „sparte“ auch – nur gab er den Armen, was er den Reichen genommem hatte. Unter dem Strich ist in beiden Fällen nicht mehr da, das, woran gespart wird, ist nur anders verteilt.

Wer also das Geld der Steuerzahler den Banken hinterherwirft (wie im Falle Griechenlands) und das als „sparen“ bezeichnet, ist ein Trottel – oder ein Lautsprecher des Kapitals.

Das pseudo-deutsche „Austeriät“ ist also eine falsche und gedankenlose Rückübersetzung, wie zum Beispiel auch „Administrator“ für „Regierung“ („administration“ im Englischen heisst mitnichten „Verwaltung“) oder „Netzwerk“ („network“ im Englischen ist schlicht das deutsche „Netz“ – und umgekehrt. Wir warten auf: „Die Spinne lauert in ihrem Netzwerk auf Opfer“).

Gegen die „Sparpolitik“ zu wettern verkennt, dass es nicht um „Sparen“ geht. „Sparen“ ist positiv besetzt – im Gegenteil zu „das Geld sinnlos verprassen“. Die Propaganda-Agenturen der herrschenden Klasse hatten vollen Erfolg: Sogar die Opposition übernahm ihre Sprachregelung. Alle sagen „sparen“, obwohl es in Wahrheit darum geht, den tendenziellen Fall der Profitrate und die Nebenwirkungen der „normalen“ Überproduktionskrise dadurch zu kompensieren, indem die Verluste der Konzerne vergesellschaftet und die Profite noch mehr privatisiert werden – durch weniger Steuern für die ohnehin schon Reichen. Das nennt man in Neusprech Marktkonformität. Auch der Putsch gegen Allende in Chile war marktkonform, oder die Unterstützung der ukrainischen Faschisten durch „den Westen“.

Deutsche Medien könnten die obigen Sätze Chomskys nicht wortgetreu wiedergeben. Nein, das ist verboten (frewillige politische Selbstkontrolle). Der Begriff „Klassenkampf“ darf nicht erwähnt werden , auch wenn „class struggle“ nichts anderes heißt. Ich finde es amüsant zu beobachten, wie diese politische „Gleichschaltung“ über die Sprache sich auch hinter dem Rücken der Handelnden durchsetzt.

Chomsky sagt, die so genannte „Sparpolitik“ sei nichts anderes als ein Synonym für den Klassenkampf von oben.

Deutschlands Wirtschaftskrieg

Telepolis: „Wie Berlin mittels eines Regime Change in Athen seine Dominanz in Europa festigen wollte – und dabei einen neuen globalen Krisenschub auslösen könnte“.
Nicht die kreuzbrave, linkssozialdemokratische Regierung in Athen agiert hier extremistisch, sondern die deutschen Politeliten mitsamt ihren Schreibtischtätern in den Redaktionsstuben, die in den vergangenen Monaten eine beispiellose antigriechische Hetzkampagne losgetreten haben. Es stellt sich somit die Frage, wieso Deutschland diese Demütigungsstrategie eingeschlagen hat, obwohl Athen eine Kapitulation anbot. Wieso hat Berlin „die Geduld mit Alexis Tsipras verloren“, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) im imperialen Tonfall deklarierte, der inzwischen bei deutschen Meinungsmachern en vogue ist.

Well said.

Europas Inkompetenz

Interessanter Artikel auf Welt online: „US-Ökonomen empören sich über Europas ‚Inkompetenz‘.“

Expose Hamas War Crimes

Ich hab das mal unterschrieben: Expose Hamas War Crimes.

Wachstumsfeindlich

Süddeutsche: „Auch mit EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte Tsipras einen Zusammenstoß. Als Tusk auf Englisch sagte: ‚The Game is over‘ (das Spiel ist aus), explodierte Tsipras, wie die Zeitung Ta Nea schreibt. ‚Das ist kein Spiel‘, sagte Tsipras und betonte, hinter ihm stünden ‚1,5 Millionen Arbeitslose, drei Millionen Arme und Tausende Familien ohne Einkommen, die von der Rente ihrer Großeltern leben‘. Tusk, so drohte Tsipras, sollte nicht unterschätzen, zu was ein ‚gedemütigtes Volk‘ fähig sei.“

Dazu passt: „Eine von Athen vorgeschlagene Zusatzbelastung für Unternehmen, die mehr als 500 000 Euro Gewinn im Jahr machen, halten die Gläubiger dagegen für wachstumsfeindlich. Stattdessen fordern die Institutionen, den Gesundheitsbeitrag der Rentner weiter zu erhöhen, von vier auf sechs Prozent. Das käme einer Rentenkürzung um mehr als ein Prozent gleich.“

Hoffentlich kommt der Grexit. Jeder ehrliche Grieche müsste mittlerweile wissen, dass mit der Kapitalisten-Bande diesen „Gläubigern“ nicht verhandelt werden kann.

Unter Fremden

fremd

Katja Kipping: „Dass Pegida von Anbeginn nie irgendetwas anderes war, als rassistische, fremdenfeindliche Stimmungsmache, sollte jetzt auch dem letzten Pegida-Versteher klar werden. Im sächsischen Freital vollzieht sich nun der Übergang von verbaler zu permanenter physischer Bedrohung in erschreckendem Tempo.“

Das kann man noch verbessern. „Wenn wir etwas mit Mühe lesen, so ist der Autor gescheitert.“ (Jorge Luis Borges)

Das Wichtigste steht vorn, hier aber nicht. Was also will die Politikern uns sagen?

Pegida war von Anbeginn rassistische Stimmungsmache.
Gibt es auch Rassismus ohne „Fremdenfeindlichkeit“, was auch immer das sein mag? Ist also doppelt gemoppelt. „Nie irgendetwas anderes“ sind überflüssige Füllworter – der Satz ergibt auch ohne sie genau den gewollten Sinn.

Das sollte jetzt auch dem letzten Pegida-Versteher klar werden.
Den letzten – oder auch den ersten? Verstehe ich nicht. Besser also:
Das sollten jetzt auch die Pegida-Versteher begreifen.
Ein Verb wie „begreifen“ ist immer besser als das vage „klar werden“.

Im sächsischen Freital vollzieht sich nun der Übergang…
O nein, das ist wieder Bürokraten-Kauderwelsch. Der Übergang des Kraftfahrzeugs über eine Autobahnbrücke vollzog sich wegen überhöhter Geschwindigkeit schneller als gedacht? Wer schwurbelt, möchte gern kaschieren, nicht nachgedacht zu haben. Wer tut was? Wo ist, verdammt noch mal, das handelnde Subjekt? Und was ist das Gegenteil von „erschreckendem Tempo“? Ein nicht erschreckendes Tempo? Gefasel!

Der braune Mob im sächsischen Freital bedroht nicht nur mit Worten. Die Flüchtlinge werden jetzt auch körperlich bedroht und angegriffen.

Hier noch einmal zum Vergleich:
Dass Pegida von Anbeginn nie irgendetwas anderes war, als rassistische, fremdenfeindliche Stimmungsmache, sollte jetzt auch dem letzten Pegida-Versteher klar werden. Im sächsischen Freital vollzieht sich nun der Übergang von verbaler zu permanenter physischer Bedrohung in erschreckendem Tempo. (38 Wörter. Ungs: 2)

Pegida war von Anbeginn rassistische Stimmungsmache. Das sollten sogar Pegida-Versteher begreifen. Der braune Mob im sächsischen Freital bedroht nicht nur mit Worten. Die Flüchtlinge werden jetzt auch körperlich bedroht und angegriffen. (33 Wörter. Ungs: 0)

Noch ein mehrere Wörter zur ominösen „Fremdenfeindlichkeit“. Ich schrob (SCNR) vor zwölf Jahren:
Der Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ – auch „Xenophobie“ – wird meistens in suggestivem Sinn gebraucht: man vermutet, es gäbe ein dem Homo sapiens angeborenes Gefühl, jemandem, der unbekannt ist, „automatisch“ zu fürchten oder ihm aggressiv zu begegnen. Die These vom angeborenen „Fremdenhass“ entstammt einer falschen Analogie aus dem Tierreich und wird von einigen rechtskonservativen Forschern wie Irenäus Eibl-Eibesfeld vertreten. Der „Hass“ gegen das oder den Fremden sei ein evolutionsgeschichtliches Überbleibsel, eine Art Instinkt, der die eigenen Vorräte zum Überleben vor dem Zugriff Fremder schütze. Der Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeld behauptet, „Fremdenfeindlichkeit“ sei „stammesgeschichtlich“ angeboren. Jedes Volk wehre sich gegen „Überfremdungen“.

Den „Fremden“ an sich gibt es nicht – genausowenig wie „Fremdenfeindlichkeit“. Soziale und physische Aggression eines Kollektivs gegen bestimmte Gruppen von Menschen setzt voraus, dass man sich vorher darüber verständigt hat, welche Eigenschaften diejenigen haben sollen, gegen die man negative Gefühle wie Hass zeigt. Die „Fremden“ werden immer konstruiert, durch Gesetze oder durch den gesellschaftlichen Diskurs, der sich bestimmter Vorurteile bedient. Die Theorien, die die Begriffe „Fremdenfeindlichkeit“ oder „Xenophobie“ vertreten, reduzieren den Menschen auf Natur und interpretieren soziale Tatsachen biologistisch.

Auch die oft vertretene These, die so genannte „Fremdenfeindlichkeit“ läge in der menschlichen Pyche begründet, ist schlicht grober Unfug. Wer „Fremdenfeindichkeit“ psychologisch definiert, muss auch Rassismus und Antisemitismus aus der Seele ableiten, womöglich aus der deutschen, brasilianischen oder chinesischen Seele ganz speziell. Als „fremd“ gelten manchen Leuten auch Behinderte, Obdachlose, emanzipierte Frauen oder Angehörige bestimmter Subkulturen wie Punks oder Grufties. Im allgemeinen Sprachgebrauch benutzt man „Fremdenfeindlichkeit“ jedoch meistens für Immigranten mit oder ohne deutschen Pass. Psychologische Spekulationen, die „Fremdenfeindlichkeit“ als abweichendes Verhalten klassifizieren zu wollen, bleiben oberflächlich. Sie lassen ausser acht, dass auch „normale“ und unauffällige Menschen Vorurteile haben, also Gruppen von Menschen zu „Fremden“ machen können.

Wer „Fremdenfeindlichkeit“ bestimmen will, muss genau sagen, welche Gruppe als „fremd“ angesehen wird, wie sich diese „Feindschaft“ äussert,. und wie sie sich von anderen „Feindlichkeiten“ wie rassistischen und antisemitischen Vorurteilen oder sexueller Diskriminierung unterscheidet. Das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz aus dem Jahr 1913 bestimmt zum Beispiel, dass eine deutsche Frau, die einen Ausländer heiratet, automatisch zu einer Fremden, das heisst Ausländerin wird..Die deutschen Juden wurden durch 1933 durch das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“, die so genannten „Nürnberger Rassegesetze“, juristisch zu Fremden gemacht. Das aktuelle Staatsbürgerschaftsrecht aus dem Jahr 2000 bestimmt, dass Immigranten im juristischen Sinn Fremde bleiben, also nicht eingebürgert und Deutsche werden können, wenn sie nicht in der Lage sind, „sich selbst zu unterhalten.“ Für einen eingefleischten Rassististen wird der deutsche Fussballnationalspieler Gerald Asamoah „fremd“ bleiben, weil der afrikanischer Abstammung ist.

„Fremdenfeindlichkeit“ ist eine politisch bewusst gewollte soziale Ausgrenzung und kann „künstlich“ erzeugt werden. Wird eine Gruppe von Menschen per Gesetz oder durch soziale und wirtschaftliche Diskriminierung ausgegrenzt, zieht sie automatisch Vorurteile nach sich. Wer von der Gesellschaft ferngehalten wird, entwickelt automatisch alternative Existenz- und Verhaltensweisen, die wiederdem der Mehrheit fremd sind. Soziale Diskriminierung erzeugt „Fremdheit“ auf beiden Seiten – der Mehrheit und der Minderheit. Dafür gibt es den Begriff der „Selbstethnisierung„: Im Kampf um Anteile an der gesellschaftlichen Macht muss sich jeder eine Gruppe zugehörig fühlen, um eine Chance zu bekommen, gemeinsam mit anderen etwas zu erreichen. Im angelsächsischen Sprachraum gibt es schon lange eine Diskussion darüber, wie und ob die urspründlich „Fremden“, zumeist die Einwanderer und deren Nachfahren, die Nachteile ihrer Herkunft in das Gegenteil zu verkehren. In Deutschland hat vor allem die Gruppe kanak attack diese Diskussion angestossen.

Klssenkampf in Frankreich

Channel 4 News (Facebook!): „Striking chaos in Calais. Extraordinary images show migrants jumping into lorries in bottleneck traffic caused by industrial action“.

Invorstellbar in Deutschland. Da streite man lieber über Veganismus-Asketismus und gendersprachpolizeiliche Maßnahmen.

Who’s the alpha? Oder: Miscellanous greek-chinese Indominus

jurassic class truggle

Am besten wäre das Bild eines griechischen Tyrannosaurus Rex, der den Klassenkampf in China unterstützt. Nur so kann ich drei unterschiedliche Temen in ein Posting pressen.

Das Neue Deutschland listet die Vorschläge der griechischen Regierung an die Gläubiger auf. Ich muss zugeben, dass ich das bisher nicht im Detail wusste. Stand das in irgendeiner anderen deutschen Zeitung? Wenn nicht, bestätigt das meine Vorurteile über die hiesigen Medien. Ergänzend dazu die Washington Post: „Europe is destroying Greece’s economy for no reason at all“.

Jacobin hat eine ganz wunderbare Rezension über Spielbergs „Jurassic World“ (in einem ganz wunderbaren grimmig-schlankem Englisch): „Dreams of the Fifties – Channeling Steven Spielberg, Jurassic World sets the ‚bad‘ forces of social upheaval against the “good” traditional values.“ Sollte man in jedem Fall lesen. Selten hat mir ein Artikel im Feuilleton über ein ganzes Genre so viele neue Aspekte geboten. Außerdem habe ich mich köstlich amüsiert: „Becoming a child of divorce in a Spielbergian world is almost as bad as being gnawed to death by velociraptors.“ Ich wundere ich immer über die wenigen, aber dafür intelligenteren „linken“ Artikel in US-ameranischen Medien, die so gar nicht zu dem unfassbar dämlichen Mainstream der gemeinen US-Bürger und den dazu passenden christlichen Politikern dazu passen. Gegenüber den republikanischen Passnasen in den USA ist Pofalla eine Intelligenzbestie.

Worüber werden unsere Medien nie berichten, ganz und gar nie? Über den Klassenkampf in China (Jacobin). Ja, das meint: Über den Widerstand des chinesischen Proletariats. „Few in the West are aware of the drama unfolding in today’s “epicenter of global labor unrest.“ In Wahrheit sind unsere Herrschenden und die in China doch Kumpane im Geiste, nur dass sie sich jeweils anders kostümieren. „Far from triumphant victors, Chinese workers are facing the same brutal competitive pressures as workers in the West, often at the hands of the same capitalists.“

Nicht fürchtet man hierzulande mehr als Arbeiter, die die Fäuste heben, ganz gleich wo. Deswegen schreibt niemand darüber – die übliche freiwillige Selbstkontrolle. Der Sozialismus, den es als Embryo in China gab, ist schon längst abgeschafft, verraten und verkauft. Warum, das muss man den Historikern zukünftiger Generationen überlassen herauszufinden. „While there are no official statistics, it is certain that thousands, if not tens of thousands, of strikes take place each year. All of them are wildcat strikes — there is no such thing as a legal strike in China.“ Wenn das Mao wüsste…SCNR. „More importantly, workers are winning, with many strikers capturing large wage increases above and beyond any legal requirements.“ (Mit Grüßen an die Postler in Deutschland!)

Kapitalismuskritisch bis antikapitalistisch

Deutsch des Grauens

Hallo, Genossin Katja! ja, ich bin’s schon wieder! Ja, dieser irre Querulant, der meint, gute Gedanken müssten auch gut formuliert werden, sonst verfehlten sie ihren Zweck bzw. die Empfänger. Ich habe da noch eine Frage an diejenigen, die das verbrechen, was unter Deinem Namen, Genossin, in den so genannten „sozialen“ Medien verkasematuckelt wird.

Der erste Satz geht gar nicht. (Übrigens: „Trotz“ verlangt den Genitiv, „trotz Regens“ wäre korrektes Deutsch.) Ich vermute, dass die Botschaft sein soll: Viele Menschen haben gegen etwas demonstriert? D’accord? (Es leben die Hugenotten!) Dann also: Das „wo“ und „wann“ und die Umstände sind zweitrangig, außer man möchte betonen, dass trotz des Wetters demonstriert wurde, was suggerierte, dass die Linken, auch bekannt als die Guten, normalerweise nur bei gutem Wetter auf die Straße gehen. Nein? Das soll nicht unterschoben werden? Dann sollte man es verschweigen oder ganz verschämt an das Satzende verbannen: „Ich hatte heute Sex (oho!), trotz fehlender Partnerin (oho?)“. Hier also mein Vorschlag:

10.000 Menschen haben am Brandenburger Tor gegen [kommt gleich] demonstriert. Gegen oder für was? „Gegen Austerität und gegen Abschottung“. Wäre ja noch schöner, wenn ein Satz ohne UNG UNG UNG vorkäme. Zwei ganz verschiedene Dinge waren das Thema? Was sagen denn die Agitprop Werbefuzzys der Partei dazu? Ich esse gerade Mandarinen, und in Peru ist auch ein Sack Quinoa umgefallen? So jeit dat nich, wie man in westfälisch Platt zu sagen pflegt. Zweiter Versuch:
„10.000 Menschen haben am Brandenburger Tor demonstriert: Gegen die sogenannte „Sparpolitik“ und dagegen, dass Europa sich abschottet.“ Mir wäre lieber, wenn für etwas demonstriert worden wäre. Aber soweit ist nur die Linke aka Podemos in Spanien, in Deutschland kommt das (vielleicht) in 50 Jahren.

„Das war ein erstes gelungenes Anklopfen von Blockupy in Berlin.“ Das, verehrte Genossin, verstehe ich leider nicht. Hätte das Hermann Remmele so in der „roten Fahne“ erlaubt? Folgt demnächst ein zweites Anklopfen, das, so hoffen wir, dann auch gelingt? Und was ist ein nicht gelungenes Anklopfen? Wenn die Tür aus Stein ist und der Fingerknöchel gebrochen? Blockupy, so musste ich mich informieren, ist ein Netz von Leuten, die irgendwie gegen das System sind oder dieses ausbessern wollen (was ein höheres Wesen verhüten möge). Und die klopfen in Berlin an? Wo klopfen sie denn?

„Ich freue mich auch ganz persönlich über den gemeinsamen Mobilisierungserfolg.“ Kann man sich auch unpersönlich freuen? Ich will nicht Spracherbsen zählen – aber ist das nicht Geschwurbel? Was spricht gegen: „Ich freue mich, dass wir gemeinsam und erfolgreich mobilisieren konnten“? Ach so? Da käme kein UNG vor? Das geht natürlich nicht. Der Parteibürokrat fühlte sich dann unwohl. Verstehe.

„Immerhin hatten wir dafür nur 37 Tage Zeit. Während Sigmar Gabriel heute versucht hat, die SPD auf TTIP und Vorratsdatenspeicherung einzuschwören“. Nehme ich richtig an, dass hinter „Zeit“ ein Komma geplant war, das aber wegen Zeitmangels durch einen Punkt ersetzt wurde? Unglücklicherweise hat das zur Folge, dass der angehängte Nebensatz, der suggeriert, mehrere Dinge geschähen gleichzeitig (während), jetzt gar kein deutscher Satz mehr ist, sondern eine Missgeburt, was den Gebräuchen zwar nicht der Politik, aber doch derer, die sich gern verständlich ausdrücken, krass widerspricht.

Das „während“ gefällt mir ohnehin nicht, weil das eine (die Demonstration) mit dem anderen (Gabriel) rein gar nichts zu tun hat. Ich habe den Verdacht, dass mir hier nur – nach dem Motto: Friss oder stirb! – alle aktuellen Themen der „Linken“ gleichzeitig untergejubelt werden sollen, obwohl ich mich nur für die Demonstration interessierte. Ach?!“ Beides ist ein Angriff auf die Demokratie? Auf welche denn: die des Kapitalismus? Und welche gibt es sonst noch? Habt ihr nicht noch 64 andere Angriffe vergessen? Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

„(Obwohl beides ein Angriff auf die Demokratie ist.) gingen wir für die Demokratie in Europa auf die Straße.“ Super. Sehr schön gesagt. Man sollte vielleicht doch noch einmal überlegen, ob man möchte, dass der Gebrauch psychotropher Substanzen freigegeben wird. Der Agitprop-Abteilung der „Linken“ tut das nicht gut, was zu beweisen war.

Ab 15 Uhr wird jetzt zurückgebaut

zurückbauen

Zentrum für Politische Schönheit (Vorsicht! Facebook-Link!): „Wir haben am Mittwoch einen Eilantrag auf dauerhafte Umnutzung des Vorplatzes am Kanzleramt beim Bezirksamt Mitte eingereicht. Der Beginn der Baumaßnahmen wurde für 15 Uhr angekündigt. Dazu gab es eine Skizze für die erste geplante Beisetzung. Da der Eilantrag nicht abschlägig beschieden wurde, gehen wir von einer stillschweigenden Zustimmung der Behörden aus.“

Jawoll. Die deutsche Linke will gar nicht verstanden werden. Das Gute, Wahre und Schöne quillt – so denkt man sich das – ganz von allein aus dem Bauch heraus. Leider irrt man da. Nach fünf Minuten angestrengten Arbeitens (O mein höheres Wesen: jetzt benutzt der Genitive! Wo soll das enden?) kommt das heraus:

Der Vorplatz am Kanzleramt soll dauerhaft anders genutzt werden. (Besser: soll umgewidmet werden.) Wir haben zu diesem Zweck einen Eilantrag beim Bezirksamt Mitte eingereicht.
Warum so? Der Autor hat drei Sekunden, um die Aufmerksamkeit des normal desinteressierten Publikums zu bekommen. Mehr nicht. In der Zeit muss er auch die Botschaft, das, worum es geht, verkündet haben, sonst zappen die weg. Ich habe die Wahrnehmungspsychologie auf meiner Seite. Nicht, dass die Künstler einen Antrag eingereicht haben, ist die Message, sondern was darin steht. Das also muss nach vorn, und das macht die Sache logisch.

Die Baumaßnahmen beginnen am 15 Uhr.
Die „Maßnahmen“ sind hier leicht ironisch und spielen auf Bürokraten-Deutsch an, daher ist da Wort erlaubt. „Ab 15 Uhr wird jetzt umgebaut“ gefiele mir noch besser (um das nahe liegende „zurückgebaut“ zu vermeiden, aber letzlich ist das besser, obwohl es nicht genau das beschreibt, was gemeint ist.)

Wir veröffentlichen auch eine Skizze für die erste Beisetzung.
„Gibt es“ ist das schlechteste, schwächste und hässlichste „Verb“, das man sich ausdenken kann, und ist in allen journalistischen Texten verboten. Starke Verben treiben die Sätze an. Lest hierzu Friedrich Schiller: „Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern unter Trümmern; Alles rennet, rettet, flüchtet“. Das ist dynamisches Deutsch, das die Leser atemlos macht und vom Stuhl reißt! „Auch“ ist ein überflüssiges Füllwort.

Der Eilantrag wurde nicht abgelehnt.
„Abschlägig beschieden“ – habt ihr sie noch alle? Welcher Honk faselt so – außer Juristen? Mein Antrag, Körperflüssigkeiten auszutauschen, wurde von der Dame, mit der ich geflirtet hatte, abschlägig beschieden? Was raucht ihr da?

Wir gehen daher davon aus, dass die Behörde ihm zustimmt.
„Schweigen“ meint immer, da niemand etwas sagt, daher ist es still. „Stillschweigend“ ist eitles Getue und doppelt gemoppelt.

Hier noch mal beide Versionen zum Vergleichen:

„Wir haben am Mittwoch einen Eilantrag auf dauerhafte Umnutzung des Vorplatzes am Kanzleramt beim Bezirksamt Mitte eingereicht. Der Beginn der Baumaßnahmen wurde für 15 Uhr angekündigt. Dazu gab es eine Skizze für die erste geplante Beisetzung. Da der Eilantrag nicht abschlägig beschieden wurde, gehen wir von einer stillschweigenden Zustimmung der Behörden aus.“ (52 Wörter, 4 Sätze)

„Der Vorplatz am Kanzleramt soll umgewidmet werden. Wir haben zu diesem Zweck einen Eilantrag beim Bezirksamt Mitte eingereicht. Ab 15 Uhr wird jetzt zurückgebaut. Wir veröffentlichen auch eine Skizze für die erste Beisetzung. Unser Antrag wurde nicht abgelehnt. Wir gehen daher davon aus, dass die Behörde ihm zustimmt.“ (48 Wörter, 6 Sätze)

Empfehle zu rezipieren

weltall
Credits: ISS

Ich empfehle zu rezipieren:
Hester Eisenstein in Jacobin: „The Sweatshop Feminists – Global elites have appropriated feminist language to justify brutal exploitation and neoliberal development.“

Nina Christou auf In Defense of Marxism: „Greek Civil War: The 1944-45 Dekemvriana and the lessons for today“.

Neues Deutschland: „Immer mehr Erwerbstätige sind arm“:
Die Kaufkraft der Haushalte in Deutschland ist laut Studie von 2000 bis 2012 um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Kluft zwischen Arm und Reich im vergangenen Jahrzehnt gewachsen.

RT Deutsch: „Sunday Times Autor der „Snowden-Entschlüsselung“ im Interview: Ich habe keine Beweise für meine Behauptungen“.

Video: Pussy, don’t play oder: „See you later, Alligator“ (via Paul Glaser)

International Space Station (Vorsicht! Facebook-Link!): „You can see stars, the Earth glow, auroras and city lights and even lightning from the International Space Station during orbital night time… one of the perks of living in space.“

Braune Sau, revisited

Vor vier Jahren schrieb ich zum Thema NSU: „Sorry, wenn ihr erwartet, dass ich jetzt die bekannte braune Sau ‚Braune Armee Fraktion‘ durch’s mediale Dorf treibe, dann täuscht ihr euch. Ich warte erst ab, bis das Thema ein Verfassungsschutz-Skandal wird.“

Neues Deutschland von heute: „Ein neuer Verdacht steht im Raum, nachdem ein brisantes Schreiben öffentlich wurde: Möglicherweise ist ein V-Mann in einen Anschlag verstrickt, der bisher dem NSU angelastet wird.“

Ach?!

Heiter, teilweise kommunististisch

spd

Guten Tag, meine Sozinnen und Sozen!

Ihr Parteichef, der Siggi aus Hannover, hat in dem für seine ausgewogenen Debattentexte bekannten Flachblatt Bild verkündet, was er von den Griehen hält: „Es reicht!“, schreibt Siggi. Und weiter: „Wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen.“

Wäre ja noch schöner, wenn irgendeine irgendwie linke Partei eine sozialere Politik verspricht und das dann auch nach der Wahl noch umsetzen will. Bei der SPD zumindest passiert so was garantiert nie.

Quelle: taz (Vorsicht! Facebook-Link)

BED oder: Politischer Einheitsbrei

„Immer weniger Menschen gehen wählen – das schadet allen demokratischen Parteien. Um diesen Negativtrend zu stoppen, arbeiten CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP nun zusammen“, berichtet Spiegel online. die Süddeutsche: „Als Erstes soll die sinkende Wahlbeteiligung genauer erforscht werden.“

Ach. Wenn man das erst erforschen muss, wird man das Ergebnis auch nicht begreifen können. Wenn weniger Leute wählen gehen, sagt das auch etwas über die Schwäche der traditionellen deutschen Linken aus und über deren Unfähigkeit, dem Volk aufs Maul zu schauen.

Auf dem Weg zum politischen Einheitsbrei zur bürgerlichen Einheitspartei Deutschlands….

Bitte kauft die Ukraine!

ausverkauf der Ukraine

Forbes (Wirtschaftsmagazin):
Ukraine Prime Minister Arseniy “Yats” Yatsenyuk is lobbying Washington to convince American firms to buy up Ukraine in the country’s planned flea market of state controlled enterprises.
“The Prime Minister of Ukraine has urged U.S. partners to actively use the investment opportunities offered by the privatization campaign in Ukraine, particularly in the energy sector,” a statement posted on Ukraine’s governmental website said on Monday. (…) In March, the Ukrainian government approved a list of companies subject to privatization, putting up for sale predominantly energy-related firms.

Zum Mitschreiben: Die ukrainische Marionetten-Regierung will die Staatsunternehmen an US-amerikanische Investoren verkaufen. Klar. Das war ja das Ziel. RT Deutsch hat noch mehr dazu. (Nein, das ist keine russische Propaganda, sondern von Forbes.)

Selbst verschuldete Unmündigkeit

Sascha Lobo schreibt etwas Kantianisches über die mündigen Bürger.

Was machen eigentlich die ukrainischen Oligarchen?

Telepolis: „Kiew stellt nun Kritik an den eigenen Nazis unter Strafe“.

Wem gehören die Medien?

Auch empfehlenswert: Was ist Kapitalismus?

Unter Raketenwerfern

Der Tagesspiegel: „Kiew und der Westen machen für den Abschuss die pro-russischen Separatisten verantwortlich, Moskau die ukrainischen Regierungstruppen. Weitgehend einig ist man sich indes, dass MH 17 mit BUK-Raketenwerfern abgeschossen wurde. Und deren alleiniger Hersteller ist Almaz Antei. Besser gesagt: war. Raketen dieses Typs, so Konzernchef Nowikow, werden seit 1999 nicht mehr produziert. An die russische Armee seien die letzten 1995 ausgeliefert und, da inzwischen veraltet, komplett aus dem Verkehr gezogen worden. In der Ukraine gehörten sie dagegen weiterhin zur Standardbewaffnung.“

Ganz egal. Das kann unsere Ukrainische-Faschisten-Versteher nicht erschüttern. Es geht doch um die Märkte!

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