Prescribe Heroin To Addicts

„Canadian Doctors Can Now Prescribe Heroin To Addicts“, schreibt Iflscience. Gut, das hatte ich schon 1993 gefordert. Wird in Deutschland ca. 2050 auch kommen.

Die Konquistadoren, revisited

Die Konquistadoren

Wie findet ihr das? Die erste Version fand nicht das uneingeschränkte Wohlwollen des Publikums. Das Original stammt von Hieronymus Köler aus dem 16. Jahrhundert und ist frei verfügbar, leider aber nicht im Hochformat. Mir gefällt der Hintergrund noch nicht so. Irgendwelche Tipps der wohlwollenden Stammleser und geneigten Stammleserinnen? Ich kenne mich mit Schriftarten nicht so aus.

In Pinalito und um Pinalito herum

vogel

Das bin ich 1982 in Pinalito – das damals Vista Hermosa hieß – am Rio Guejar im Osten Kolumbiens (heute Einflussgebiet der FARC), etwas östlich der Serranía De La Macarena (die ich damals erkundet habe). Bis genau dorthin sind übrigens auch die Konquistadoren Georg Hohermuths im 16. Jahrhundert gekommen.

Ave!

Liebe Kollegin Susanne Doerry (Produktionsassistenz Xenius)!

Sie schrieben mir eine unverschlüsselte E-Mail, obwohl ich Sie vorab telefonisch darauf hingewiesen hatte, dass ich das nicht wünsche. Im Impressum meiner Website steht unmissverständlich: „Wenn Sie mir unverschlüsselte E-Mails (elektronische Postkarten) schicken, stimmen Sie automatisch zu, dass ich den Inhalt journalistisch verwende und eventuell publiziere.“

Sie arbeiten für die „AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion“ und an „einer Dokumentation über den Chaos-Computer-Club für ZDFinfo“. Sie suchten den Urheber eines Fotos von Boris F. – „da Sie das Bild in dem Youtube-Video „Tron-Der Mord an Tron, dem Computer Genie Boris F.“ (Am Anfang und am Ende des Videos) verwenden“. [Rechtschreibung im Original]

Well, that’s a bit of a problem, wie man laut Hollywood in Sparta zu sagen pflegte. Ich bin doch sehr erstaunt, dass ich ein Urheber eines Youtube-Videos über den „Mord“ an Tron sein soll. Als Autor ist dort unstrittig ein „Winfried Sobottka“ angegeben, der sich – wenn man die Themen seiner Uploads ansieht, offenbar gern auch mit anderen ernsthaften Dingen beschäftigt, zum Beispiel mit folternden und mordenden Satanisten in Deutschland.

Vermutlich kennen Sie auch mein Buch zum Thema „Tron“ nicht. Das ist verständlich, da es dazu einer Recherche bedurft hätte, die man nicht jedem zumuten kann, allein schon wegen des damit verbundenen Zeitaufwands. Ich vertrete dort die These, dass es sich bei dem Tod des Boris F. um einen Suizid handele und dass der Chaos Computer Club Verschwörungstheorien verbreite, von denen er seitdem offiziell nie abgerückt ist.

Der Computer-Experte Dr. Markus Kuhn (University Cambridge) schrieb 2002 auf die Anfrage der Los Angeles Times: „The German journalist Burkhard Schröder wrote a book on the case. I think that both his presentation of the case and the conclusions he maked are the most sensible ones that I have seen so far, therefore I’d like to refer you to him as a more well-informed source.
Do you think his death was a suicide?
From all I know, this seems to be the most plausible hypothesis.
Why do so many people think he was killed, even if it’s unclear by who?
Lack of an obvious motive, plus he was affiliated with the Chaos Computer Club in Berlin, a highly media-active association that includes quite a number of conspiracy theory enthusiasts.“

Die Vertreter des Chaos Computer Clubs werden Ihnen sicher auch nicht mitteilen, dass ich seitdem persona non grata dort bin, auch nicht die Gründe dafür.

Der Geschäftsführer der AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH – ein Medienunternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck – ist M. Walid Nakschbandi. Vor rund einem Jahrzehnt, als ich Chefredakteur des unabhängigen Medienmagazins „Berliner Journalisten“ (heute: Nitro) war, bat ich den Kollegen Nakschbandi um ein Gespräch | Interview | einen Beitrag, was dieser rundheraus ablehnte.

Um es mit Herbert Wehner, auch bekannt als Thomas Freitag, zu sagen: „Ich bin nicht nachtragend, aber ich vergesse nicht“.

Aus den oben genannten zahlreichen Gründen sehe ich mich zu meinem Bedauern außerstande, Ihnen bei dem zu helfen, was Sie irrig „Recherche“ nennen.

Die Konquistadoren, reloaded

konquistadorenZur Zeit arbeite ich daran, meinen Roman „Die Konquistadoren„, der 2011 bei Rowohlt erschienen ist, als E-Book herauszugeben (vorerst nur als Kindle bei Amazon).

Ich habe die Rechte zurückbekommen, aber nur am Text, nicht am Titelbild oder der Karte im Buch. Das muss ich also selbst machen. Hier der erste Entwurf für das Cover.

Es tauchen ganz unerwartete Probleme auf. Ich hatte das Manuskript nur auf Diskette, aber natürlich kein Diskettenlaufwerk mehr. Zum Glück hat mir ein Freund geholfen. Ich habe auch nur mein Original, das ca. 600 Druckseiten umfasst – ich musste aber den Roman auf Geheiß des Verlages um rund 100 Seiten kürzen. Das E-Book wird also Passagen enthalten, die nicht im Buch erschienen sind. Ich muss aber auch alles noch einmal Korrektur lesen und auf die neuen Rechtschreibregeln updaten. Ich werde auch noch zusätzliche Karten anbieten und ein umfangreicheres Glossar.

Ich hoffte, vor Weihnachten damit fertig zu werden, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das hinkriege. Ich arbeite auch noch an einem E-Book zum Fall Lammel (Arbeitstitel: „Ein Lehrstück über investigative Recherche, Intrigen und Moral“).

Wieviel würden die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser für ein digitales Update eines historischen Romans zahlen, den es für einen Cent gebraucht auf Papier gibt (zuzüglich Versandkosten)?

Phantasien

„Und natürlich wusste er, dass wir, die Medien, die Gesellschaft, noch lange über sein Handeln reden würden. Großartige Phantasien über das Selbst in der Nachwelt gehören mit zu einer solchen Tat.“ Das sagt der Psychoanalytiker Micha Hilgers über den Piloten, der sich selbst und viele andere Menschen im März tötete.

Spontan erinnert mich das an ein Buch, das ich vor langer Zeit geschrieben habe und an die möglichen Motive eines Menschen, der den Suizid wählte und den ich, ohne das jemals beweisen zu können, im Verdacht hatte und habe, die Umstände so arrangiert zu haben, dass die „Nachwelt“ wild spekulieren musste, was wohl das Motiv für den Freitod sei und ob nicht doch ein Mord vorliege.

Die Konquistadoren, revisited

konquistadorenIch plane, meinen Roman „Die Konquistadoren“ (rd. 480 S.) als E-Book selbst herauszugeben, da ich schon vor Jahren die Rechte zurückbekommen haben. Es gibt offenbar immer noch einen Bedarf, da das Buch auch antiquarisch nicht so einfach zu bekommen ist. Die Auflage ist ja komplett ausverkauft.

Leider habe ich nicht die Rechte für das Titelblatt, muss also ein neues suchen, das auch noch frei verfügbar ist. Vorschläge der geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser sind willkommen! Auch die Karten müsste ich selbst neu zeichnen, aber die im Buch gefielen mir sowieso nicht, weil sie zu ungenau waren.

Auch sind Vorschläge erwünscht, wo und wie ich das Werk publizieren soll – ich muss mich erst sachkundig machen. Amazon Kindle? Epubli? Petra von Cronenburg hat vor zwei Jahren etwas darüber geschrieben.

Und dann der Preis: Wieviel würdet ihr bezahlen?

Constanze Kurz: We regret the Error

Der Chaos Computer Club hat heute auf einer Pressekonferenz mehrere Statements des Vereins widerrufen. 14 Jahre nach dem Tod des Hackers „Tron“ sei es unter anderem an der Zeit, die vom CCC auch öffentlich geäußerten Verschwörungstheorien, Tron sei „ermordet“ worden, zu kritisieren. Der damalige Pressesprecher Andy Müller-Maguhn habe sein Gesicht nicht verlieren wollen und deshalb den Unsinn zum Tode Trons nie zurückgenommen. CCC-Pressesprecherin Constanze Kurz sagte angesichts der anwesenden internationalen Presse in englischer Sprache: „We regret the error.“ Der CCC sein eben ein Verein, zu dem „quite a number of conspiracy theory enthusiasts“ gehöre.

Der Journalist Burkhard Schröder, so Constanze Kurz, habe 1998 ein Buch geschrieben und angesichts der Faktenlage suggeriert, dass Tron den Freitod gewählt habe. Schröder sei seit damals immer wieder von CCC-Mitgliedern wüst beschimpft und verleumdet worden. Der CCC distanziere sich mittlerweile von Andreas Bogk, der sich dabei besonders unrühmlich hervorgetan habe. Auch sei Schröder jetzt nicht mehr, wie der CCC noch 2008 offiziell verlautbart habe, „Persona non grata“.

„Wir können aber nicht ausschießen“, so Kurz, dass Journalisten, die sich kritisch über den CCC äußerten, „in Zukunft wieder gemobbt werden“. Zum Glück werde das aber nur auf sehr wenige Journalisten beschränkt sein, da die Presse ohnehin alles unkritisch wiedergebe, was der CCC behaupte. Viele Journalisten hätten so wenig Ahnung von technischen Themen – wie etwa von der so genannten ‚Online-Durchsuchung‘ -, dass sie „jeden Quatsch“ veröffentlichten, „wenn wir das publizieren“, sagte Kurz. Unter dem Gelächter der anwesenden Pressevertreter fügte sie hinzu: „Auch wenn Sie das nicht glauben: Der Chaos Computer Club ist nicht unfehlbar. Auch wir können irren.“

Conspiracy Theory Enthusiasts beim CCC

Fefe: „Und beim CCC sind schon zwei Hacker unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen über die Jahre.“

Und was will uns der Künstler damit sagen? Dass Tron ermordet wurde?

Auszug aus einem Brief Markus Kuhns an die Los Angeles Times, Juli 2002
„Streitfeld, David“ wrote on 2002-07-08 19:24 UTC: I am a reporter for the Los Angeles Times working on a story about smart card hacking. i wanted to ask you about Boris F[…].
The German journalist Burkhard Schröder wrote a book on the case. I think that both his presentation of the case and the conclusions he maked are the most sensible ones that I have seen so far, therefore I’d like to refer you to him as a more well-informed source.
Do you think his death was a suicide?
From all I know, this seems to be the most plausible hypothesis.
Why do so many people think he was killed, even if it’s unclear by who?
Lack of an obvious motive, plus he was affiliated with the Chaos Computer Club in Berlin, a highly media-active association that includes quite a number of conspiracy theory enthusiasts.”

Thule-Netz, revisited

Padeluun: „Wir haben die Ereignisse um das Thule-Netz damals gut recherchiert und protokolliert. Dies findet sich in dem Buch ‚Neonazis und Computernetze‘ von Burkhard Schröder wieder. Lediglich dass Eckhart Werthebach die Initiative des Verfassungschutz zugegeben hat, erwähnt Burks, wie er sich auch nennt, in seinem Buch nicht, obgleich 100 Juristen bei der Aussage Werthebachs zugegen waren und damit dieser Fakt journalistisch einwandfrei belegt war.“

Das ist doch eine Schweinerei. Aber wass will man von den Verschwörungstheoretikern des CCC auch erwarten zu diesem Fall. Man höre sich nur an, was ich in diesem Intervew zum Thema „Thule-Netz“ sage. Ich ahnte schon damals, wer V-Mann und Spitzel des Verfassungsschutzes war, nicht nur Kai D. alias „Undertaker“.

Aber wenn man darüber schreibt, muss man es auch beweisen können. Für Journalisten ist es nicht so einfach wie für Dampfplauderer à la padeluun.

Ich hätte nicht gedacht, dass padeluun sich da einreiht und mit Dreck wirft. Das Tischtuch ist jetzt auch von mir zerschnitten. Mit Verlaub, padeluun, du bist ein usw.

Tiefgreifender Medienwandel

prinz

Ausriss aus „Prinz“ Berlin, Januar 1992

Das Stadtmagazin Prinz erscheint nur noch online. Vor zwei Jahren waren schon die Redaktionen entlassen worden.

Prinz muss man keine Träne nachweinen. Ich habe aber 1989 bei der Berliner Ausgabe von Prinz meine journalistische Karriere begonnen, als Chefreporter, zusammen mit Karl-Hermann Leukert, der später Chefredakteur beim Berliner Tip wurde, und dem Fotodesigner Dietmar Gust.

Ach ja, die Frankfurter Rundschau ist auch pleite. Das heisst aber nichts. Die Zeitung gehört M. DuMont Schauberg, und das Verlagshaus ist mitnichten bankrott. Die Schlagzeile müsste korrekt also heißen: M. DuMont Schauberg lässt ‚Frankfurter Rundschau‘ pleite gehen.

Es kann also auch sein, dass die Zeitung bald wieder da ist, aber nur ein Teil der Mitarbeiter („divide et impera“) mit schlechteren Verträgen (das ist oft die Geschäftsidee einer Insolvenz) weitermachen darf.

Pseudonym: Untertaker [Update]

knotrovers

Das Bayerische Fernsehen – Sendung: Kontrovers (18.10.2012) – hat mich zum Thule-Netz interviewt und zu der Tatsache, dass einer der maßgeblichen Personen des neonazistischen Mailbox-Verbunds der neunziger Jahre offenbar ein V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes war und später im Umfeld der NSU gesichtet wurde.

Update: RP Online: „Der mutmaßliche V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes aus dem Umfeld der Terrorzelle NSU hat nach Zeitungsinformationen eine Todesliste mit politischen Gegnern verbreitet.“

Der „Einblick“? Darüber habe ich am 15.03.2003 hier schon alles gesagt. Von mir stand ja sogar ein Bild darin.

Exponate des Museums für Technik

Disketten

Mir wurde Petra von Cronenburg: „Hilfe, ich habe mein Buch verschenkt“ empfohlen. Von klugen Frauen lernen heisst siegen lernen. Ich habe also beschlossen, meinen Roman „Die Konquistadoren als E-Book herauszugeben.

Wo war noch mal gleich der Text, irgendwann 1998/99 geschrieben? Ich habe ihn gefunden – siehe oben. Keiner meiner vier Recher hat jedoch ein Diskettenlaufwerk. Äh….

Es wird noch dauern. Ich habe gerade Werner Herzog eine E-Mail geschrieben, ob ich ein gutes Szenenbild des besten Konquistadoren-Films aller Zeiten vielleicht als neues Cover verwenden darf.

Mal eine dumme Frage an die belesenen Leserinnen und literaturbeflissenen Leser: Welcher Preis wäre denn für eine 500-Seiten-Scharteke als E-Book angemessen?

Beschneidung aus religiösen Gründen ist Körperverletzung

„Wer in Deutschland einen Jungen aus religiösen Gründen beschneidet, begeht als Arzt eine Körperverletzung – auch wenn die Eltern des Kindes den Eingriff ausdrücklich wünschen“, berichten diverse Medien.

Bravo! Da werden die Verehrer höhere Wesen aber mit den Zähnen knirschen. (Jehovas Zeugen lassen übrgens auch beschneiden.)

Dieser Unsinn stammt schon aus der Zeit vor dem Judentum – die Juden haben es nur übernommen, und die Muslime es von den Juden. Es hat mir Hygiene nichts zu tun, obwohl das immer wieder behauptet wird. Dass Männer ohne Vorhaut gesunder sind, ist schlicht ein dummer Aberglaube. (vgl. übrigens das Buchkapitel „Auf Messers Schneide“ in meinem Buch „Unter Männern“ 1988)

Nazis haben nichts gegen „Ausländer“

Beim ehemaligen Nachrichtenmagazin lesen wir über den Film „Ihr Kampf“: „Marisa, 20, schlägt hemmungslos zu, wenn sie mit ihren Freunden Jagd auf Ausländer macht.“

Ihr habt nichts begriffen, nichts, Spiegel-Redakteure. Überhaupt nichts. Und der Mainstream-Diskurs ist so in Beton gegossen, dass Argumente nichts nutzen. Hier dazu eine Passage aus meinem Buch „Nazis sind Pop“ (erschienen 2000):

Das eigentümlich Verschrobene des so genannten Volks der Dichter und Denker manifestiert sich in begrifflichen Sonderwegen, die Dolmetschern regelmässig den Schweiss auf die Stirn treiben: In Deutschland soll es einen merkwürdigen Zustand der Gefühle geben, eine Feindseligkeit, die sich gegen Menschen richtet, die einen anderen Pass besitzen als die Mehrheit. Da eine Emotion unstrittig nicht in der Lage ist, komplizierte Fragen des Staatsbürgerschaftsrechts zu beurteilen, lässt einen US-Amerikaner das holperige Wort „Ausländerfeindlichkeit“, um das es hier unter anderem gehen soll, ratlos zurück. Grammatikalisch janusköpfig – wer ist „feindlich“? Die Ausländer? Ein Synonym – die Feindschaft – lässt sich nicht benutzen – könnte es auch „Ausländerfeindschaft“ heissen?

Der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ kann in keine Sprache der Welt übersetzt werden. Wer vorschnell hofft, bei „Xenophobie“ fündig zu werden, irrt: Die „Fremdenfeindlichkeit“ bedeutet etwas ganz anderes. Der „Fremde“ ist immer ein fiktives Konstrukt, dem eine Definition im kollektiven Diskurs voraufgegangen sein muss. Auch „Inländer“ können zu Fremden gemacht werden. Menschen, die keinen deutschen Pass besitzen – „Ausländer“ im Sinn des Wortes, etwa Isländer, Norweger, Dänen, werden in Deutschland weder angepöbelt noch zusammengeschlagen. Das geschieht aber Afrodeutschen, die noch nie einen anderen Pass besessen haben als den deutschen, jedoch eine andere, etwas dunklere Hautfarbe besitzen als der durchschnittliche Deutsche.(…)

Was will uns der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ sagen? Er muss emotional stark besetzt sein, denn selbst der zarteste Hinweis, dass mit diesem „Unwort“ die Welt nicht auf den Begriff käme, löst, vor allem bei Medienschaffenden und vor gutmeinenden Berufsjugendlichen, die sich bei ritualisierten Meetings gegen „Ausländerfeindlichkeit“ versammeln, wütende und trotzige Reflexe aus, als nähme man einem Kind das liebste Spielzeug oder einem Hundebesitzer den Kampfhund weg.

Die Liebe zur „Ausländerfeindlichkeit“ steht nicht allein, sondern korreliert mit der Abscheu vor Worten, die im Ausland für das Phänomen kursieren, etwa „Rassismus“. Wer in Deutschland öffentlich bekundet, es gebe Rassismus, outet sich als Angehöriger eines marginalisierten und akademischen Diskurses, der nur in Publikationen zu finden ist, die ständig in „Gefahr“ schweben, im nächsten Verfassungsschutzbericht als „linksextremistisch“ aufzutauchen.

Der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Die lehrt vor allem eines: Deutschland verdrängt, dass es Rassismus gibt. Der Konsens der Nachkriegsgesellschaft war, nicht an diesem Tabu zu rütteln. Man gab sich „gastfreundlich“ zu „Gastarbeitern“, man hatte es per definitionem zu sein, auch wenn die Realität anders aussah. Das Ergebnis dieser kollektiven Amnesie: „In der Folgezeit stand nicht einmal das wissenschaftliche Vokabular zur Beschreibung und Einordnung rassistischer Praktiken und Kategorien zu Verfügung.“

Würde eine US-amerikanische Zeitung von „Ausländerfeindlichkeit“ reden, falls eine Bande von Ku-Klux-Klan-Anhängern einen Afroamerikaner überfiele und krankenhausreif schlüge, verstünde niemand, was damit gemeint wäre. „Fremd“ heisst im amerikanischen Englisch „alien“, aber es käme niemand auf die Idee, dieses Wort im Zusammenhang mit rassistischen Motiven zu benutzen. So etwas ist nur in Deutschland möglich. Afroamerikaner sind keine „Fremden“ in den USA und natürlich auch nicht per se in Europa.

Der Begriff „Ausländerfeindlichkeit“ ist ein zentraler Topos des rassistischen Diskurses. Er hat sich so verfestigt, dass selbst nach stundenlangen Diskussionsrunden gutmeinender und sich liberal und aufgeschlossen gebenden Menschen über das Thema und vorgeblicher Erkenntnis, das Rassismus nichts mit einer Staatsangehörigkeit zu tun hat, das Wort reflexartig und automatisch wieder in das Gespräch einfliesst. „Ausländerfeindlichkeit“ suggeriert einen Tatbestand, der so nicht existiert – als richteten sich Hass und Gewalt gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen, die durch das Fehlen eines deutschen Passes gekennzeichnet ist. Das ist selbstredend Unfug. Dieser Begriff hat dazu geführt, dass jeder Dunkelhäutige mit grosser Wahrscheinlichkeit, wird er in Deutschland öffentlich wahrgenommen, zum „Ausländer“ abgestempelt wird, zu dem man sich gut oder böse verhalten kann.

Wer dem CCC nicht passt, wird ausgesperrt

Nur mal zur Erinnerung:
Der Chaos Computer Club hat die German Privacy Foundation zum Chaos Communication Congress 2008 ausgeladen. “Es gibt gegen euch bzw. gegen Leute von euch sehr grosse Vorbehalte. Tatsächlich ist Burks selbst bei uns bis auf weiteres Persona non grata.” So heißt es in einer Mail des CCC. “Wir haben das besprochen und möchten eigentlich nicht, dass ihr einen Stand auf dem 25C3 aufbaut.”

Tron, revisited

Das hört offenbar nie auf. Ich bin heute von einem Fernsehsender zum Thema Tron interviewt worden. Dazu:

Auszug aus einem Brief Markus Kuhns an die Los Angeles Times, Juli 2002:

“Streitfeld, David” wrote on 2002-07-08 19:24 UTC:I am a reporter for the Los Angeles Times working on a story about smart card hacking. i wanted to ask you about Boris F[…].
The German journalist Burkhard Schröder wrote a book on the case. I think that both his presentation of the case and the conclusions he maked are the most sensible ones that I have seen so far, therefore I’d like to refer you to him as a more well-informed source.
Do you think his death was a suicide?
From all I know, this seems to be the most plausible hypothesis.
Why do so many people think he was killed, even if it’s unclear by who?
Lack of an obvious motive, plus he was affiliated with the Chaos Computer Club in Berlin, a highly media-active association that includes quite a number of conspiracy theory enthusiasts.”

Faschistische Ästhetik: Unter Lichtdomen und Riefenstählern

Die Salonfaschisten von der Jungen Freiheit lassen erfreulich deutlich die braune Sau raus:

Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin waren ein sportliches Großereignis, wie es noch keines gegeben hatte. Die Organisation war perfekt, die Ästhetik atemberaubend, der politische und kommerzielle Erfolg durchschlagend.

Dazu aus meinem Buch Nazis sind Pop (Kapitel. „Nazis und Populärkultur – warum schwarze Uniformen sexy und Lichtdome erhaben wirken“):

Popkultur bedeutet also, wenn ihr eine verständliche Synthese gelingt. Mehrere einander als fremd definierte Elemente können jedoch als Einheit bedeutungslos bleiben. Prinzipiell gilt im weltweiten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts jedoch: Alles kann oder könnte mit allem kobiniert werden. Die klassische Bachsche Orgel mit traditionellen Instrumenten der indischen Sihks, die Malerei der australischen Aboriginals mit aztekischer Tempelkultur, „volkstümliches“ Jodeln mit der Pfeifkunst kanarischer Hirten.

Beinahe alles. Populärkultur kann nicht geschichtslos sein, denn sie wirkt aktiv an der Historie mit, sie erinnert, übersetzt Altes in neue Codes und mit Hilfe neuer Codes, sie konserviert Bedeutungen wie
ein Bernstein das prähistorische Insekt. Deshalb kann und darf niemand die Lichtdome der nationalsozialischen Parteitage mit Klezmer-Musik kombinieren, Leni Riefenstahls Fotografien afrikanischer „Natur“völker können, würden sie mit Bildern osteuropäischer Juden aus dem letzen Jahrhundert verknüpft, nie ihren historischen Kontext verleugnen, der sich vor allem mit der Biografie Riefenstahls eindeutig einstellt. Kunst ist nie Pop und Kultur ohne die Person des Künstlers. (…)

Den größten und medienwirksamen Erfolg erzielte „Rammstein“ aber durch ein Video zu ihrem Lied „Stripped“ [vgl. oben] : sie ließen Zitate aus Leni Riefenstahls Film über die Olympischen Spiele im Jahr 1936
montieren. Natürlich war das als Provokation gedacht, denn die Lichtdome Albert Speers, damals durch 150 Flakscheinwerfer gebildet, gelten in der kollektiven Erinnerung als nationalsozialistische Ästhetik par excellence. Leni Riefenstahl und ihre Methode, politische Inhalte mit den Stilmitteln säkularer Religionen zu vermitteln und somit bestimmte Formen der Popkultur zu antizipieren, ist vor allem deshalb problematisch, weil sie das leugnet, was den Kern ihrer Arbeit ausmacht: gruppendynamische Gefühle rituell einzuüben. Ein heutiges Skinhead-Konzert ist nichts anderes als die Bonsai-Ausgabe eines Reichsparteitages.

Kachelmann Final Release und Tron

„Lehrstunden in Sachen Rechtsmedizin“ titelte SpOff, und der Artikel ließ mich mir eine beinah endgültige Meinung zum Thema „Kachelmann“ bilden:
„Der von Kachelmanns Anwalt eingesetzte Kölner Rechtsmediziner Markus Rothschild zitierte vor Gericht aus dem „Handbuch für gerichtliche Medizin“ einen Zehn-Punkte-Katalog von Merkmalen, wie sie für Selbstverletzungen typisch seien. Verblüffend viele Merkmale trafen anscheinend auf die Nebenklägerin zu…“

Bei stern.de wird es genau so deutlich:
„Silvia May hat sich die Verletzung wahrscheinlich selber beigebracht. Diese Meinung vertreten jedenfalls die von der Verteidigung beauftragten Rechtsmediziner Markus Rothschild und Klaus Püschel. ‚Ich halte es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass durch den schmalen Messerrücken eine so flächige Wunde entsteht.‘ Gleicher Meinung sind Püschel und Rothschild auch bei der Bewertung der Kratzspuren an Mays Körper.“

Ich habe noch einen anderen Grund, dem Rechtsmediziner Markus Rothschild zu glauben – ich habe ihn vor mehr als zehn Jahren mehr als eine Stunde lang interviewt und mir ein Bild machen können. Aus meinem Buch „Tron – Tod eines Hackers“:
Bei der Obduktion des Toten waren anwesend „der obduzierende Arzt, Dr. Markus Rothschild, der Direktor des Instituts für forensische Medizin, Professor Dr. Dr. h.c. Volkmar Schneider, sowie Klaus Ruckschnat, Kriminalhauptkommissar und Leiter der 3. Mordkommission. Eine Obduktion dauert ungefähr drei Stunden. (…) Dr. Markus Rothschild ist ein Jahrzehnt jünger als der Autor, hat an einer Eliteschule in Berlin das Abitur gemacht und Famulaturen in Hongkong und Nord-Borneo vorzuweisen. Im Februar 1999 habilitierte er im Fach Rechtsmedizin. Im August 1998 untersuchte er im Auftrag des UN-Kriegsverbrechertribunals Massengräber in Bosnien-Herzegowina. Er darf der Presse keine Auskünfte über den konkreten Fall geben, aber Fragen allgemeiner Art beantwortet er bereitwillig.“

Der Mann weiß, wovon er spricht. Nicht jedoch die Verschwörungstheoretiker vom Chaos Computer Club, die immer noch glauben, ihr „Märtyrer“ sei ermordet worden – die müssten auch behaupten (und das tun sie), dass das damalige eindeutige Obduktionsergebnis falsch gewesen sein. Fragen Sie einfach Dr. Rothschild.

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Fidonet in Egypt reloaded [2. Update]

mailbox

In meinem Taz-Aritikel vom 28.01. lautete der letzte Absatz: „Die ägyptische Opposition greift jetzt zu Mitteln, die schon als technisch veraltet galten. Der Twitter-Nutzer @EgyptFreedomNow gab bekannt, dass das Internet noch per Modem-Einwahl zu einem Provider erreichbar sei, also etwa über ein teures Auslandsgespräch.“ Im Originalmanuskript hieß der Satz übrigens „also etwa per Auslandsgespräch nach Israel“ – das „nach Israel“ wurde von der taz gestrichen.

Vermutlich hat kaum jemand verstanden, was ich damit meinte. Fefe hat jetzt darauf hingewiesen, dass clevere Ägypter angeblich das altehrwürdige Bulletin Board System (BBS) reaktiviert haben, das nur in Deutschland irreführend „Mailboxen“ genannt wird. (Auch Golem hat etwas dazu geschreiben.)

„Actually you can use wi-fi networks/local networks to communicate from one household to another and then if someone can make phone calls abroad/has access to the internet, use it to send packets abroad. Old fidonet software like binkley+/t-mail/hpt/golded/fastecho/frontdoor can be still used. If people in Egypt really need help with this stuff, I guess most of us, fidonet sysops, are ready to help.“

Das Fidonet ist nur eines der BBS-Systeme, die noch existieren, Zone 5 ist für Afrika reserviert. „While the use of FidoNet has dropped dramatically compared with its use up to the mid-1990s, it is still particularly popular in Russia and former USSR. Some BBSes, including those that are now available for users with Internet connections via telnet, also retain their FidoNet netmail and echomail feeds. Some of FidoNet’s echomail conferences are available via gateways with the Usenet news hierarchy. There are also mail gates for exchanging messages between Internet and FidoNet.“

Vor einem guten Jahrzehnt habe ich auch noch eine Mailbox benutzt (vgl. Sceenshot), und mein vor 16 Jahren erschienenes Buch handelt fast ausschließlich von Mailbox-Systemen, insbesondere vom Thule-Netz.

Hier ist eine Website über die Möglichkeiten, mit denen man die Internet-Zensur in Ägypten unterlaufen kann.

Update Die BBC hat jetzt nachgelegt: „Old technology finds role in Egyptian protests“ – „The Manalaa blog gave advice [„Back to Basics: Using dial up internet“] about how to use dial-up using a mobile, bluetooth and a laptop.“

2. Update Es scheint keine Windows-64-Bit-Version der Crosspoint-Derivate zu geben, und unter Linux will ich mir das nicht antun. Weiß jemand mehr?

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