Fakten und Fakes

Ich empfehle einen Artikel von Meedia.de: „Die Tumulte am Wochenende auf der Frankfurter Buchmesse sind auch ein Lehrstück darüber, wie schwierig es in Zeiten von Social Media ist, Fakten von Fake zu trennen. Und rechts von links. Viele Medien, Demonstranten und Multiplikatoren machen es sich dabei schlicht zu einfach. Profiteure sind die rechten Verlage.“

Zurückhaltend reagierende Spitzberger

Die Berliner Morgenpost hat über den Herrn Guttenberg und Firma recherchiert. „Guttenberg verweist bei Comeback-Spekulationen auf seine expandierende Firma. Stellt man dazu Fragen, kommt Post vom Anwalt.“

By the way: Die Recherche ist gut und richtig. Ich empfehle in meinen Recherche-Seminaren aber, die Leser nicht mit dem mühsamen Weg zu dem Ergebnis zu belästigen. Das wird schnell unleserlich. „Will man sich vor Ort aber einmal umsehen, wird man enttäuscht. Adressen und Telefonnummern dieser Standorte führt die Seite nicht auf, „Spitzberg“-Mitarbeiter reagieren sehr zurückhaltend.“ Was soll denn das heißen?

Ich habe mir einen Satz David Crawfords zu Herzen genommen, der investigativer Reporter des Wall Street Journal war und der mir in einem Interview 2005 verriet: „Wir sagen nie direkt, dass wir Informationen haben. Wir sagen nur, dass wir etwas gelesen haben. Das ist eben unser Stil.“

Fake News, revisited

fake news

Source: vice.com

VICE hat sich bei acht ausgewählten deutschen Medien angesehen, wie viele Falschmeldungen die auf Facebook publiziert haben. Das Ergebnis überrascht nicht, ist aber eine gute Diskussionsgrundlage, da die empirische Methode auch erklärt wird und nachvollziehbar ist. (VICE ist aus technischer Sicht eine grässliche Website, die einen sogar ohne Javascript völlig mit Spam aka Werbung überschüttet.)

Embedded Journalism

Telepolis: „Wie der BND die deutschen Medien steuerte“. – „Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom über Verbindungen der geheimen Dienste, die bis in die Chefredaktionen der größten deutschen Medien reichen“ Der Artikel wird aber nichts nützen.

Interessant ist, dass meine Vermutung über die Ramelsberger von der „Süddeutschen“ geteilt wird. Da sind wir dann wieder bei der „Online-Durchsuchung.“

Sperma im Kugelschreiber

Lesenswert von Tapfer im Nirgendwo über eine hässliche Fake-News-Geschichte im „Spiegel“. Lesenwert, insbesondere auch die Kommentare.

Paritätische Sprechschau

Ein interessantes Interview mit Jutta Ditfurth in der FAZ über die Diskussionskultur in so genannten „Talkshows“ und eitle Hampelmänner.

Ach ja, Grüne, aber dann drohen alle bekannten Grünen: Wenn die kommt, komm ich nicht. Jürgen Trittin, Claudia Roth. Und sie kommen bei den Redaktionen damit durch.

Wie kann man so etwas antun? Ich schaue keine Talkshows (mal abgesehen, dass ich keinen Fernseher habe), und ich finde es auch politisch irrelevant. Gibt es eigentlich verlässliche Zahlen, wie viele Leute sich das ansehen, und aus welcher Klasse die kommen?

Es gibt den bildungsbürgerlichen Anspruch nicht mehr, sich in anderen als dem eigenen Milieu auch nur auszukennen, geschweige denn dissidente Haltungen wenigstens zu begreifen.

Well said, dude! (gibt es da auch eine weibliche Form für?)

Ganz kleine Verwüstungen

verwüstungen

Liebe Kollegen von Spiegel online, ich bedaure, dass ich schon wieder etwas anzumerken habe. Wolf Schneider schrieb in Deutsch für Profis schon 1984 sinngemäß: „In Wüste verwandeln“ sei ein Superlativ, den keine Fantasie übersteuern könne. „Schwere Verwüstungen“ seien so sinnvoll wie „starke“ Orkane oder „ziemliche“ Katastrophen.

Was würde Wolf Schneider gar zu Eurem Supersuperlativ „schwerste Verwüstungen“ sagen? Vermutlich verschlüge es ihm die Sprache. Darauf muss man ja erst einmal kommen.

„Für Verwüstungen sorgen“ oder dieselben „anrichten“ seien außerdem Streckverben. „Verwüsten“, in welcher Zeit auch immer, beschriebe das, was geschah, ausreichend. Ich füge hinzu: Man richtet einen Schaden oder ein Dinner an, der Hurrikan richtet gar nichts an. Er verwüstet halt.

„Verwüstung“ gestattet übrigens keinen Plural, genau so wenig wie Versandung, Vermehrung oder Verehrung. Oder sollte der Hurrikan jetzt in Florida mehrere Verwüstungen angerichtet haben?

„Das Spreizwort ’schwere Verwüstungen anrichten‘ ist ein in Großauflage gedrucktes Etikett für einen gehobenen Versicherungsfall, das in den Köpfen etlicher Journalisten zweieinhalb leichte Verwüstungen angerichtet hat.“

Ciudad de México oder wie?

mexiko stadt

Mexiko Stadt, 1979

Liebe Kollegen von Spiegel online: Die Hauptstadt von Mexiko heisst entweder Mexiko-Stadt (deutsch) oder Ciudad de México (spanisch, auch México Ciudad), sie heißt aber in einem deutschen Artikel keinesfalls „Mexiko-City“. Das ist Denglisch und gleich doppelt falsch. Wenn schon anglifiziert, dann auch „Mexico-City“. Aber warum sollte man hierzulande die Hauptstadt eines vorwiegend Spanisch sprechenden Landes auf Englisch schreiben?

Reminder for German Journalists

kartoffelcurry

Des Volkes Stimme

volkes stimme

Wenn man den Volkszorn gegen die „Chaoten“ in Hamburg nur genügend medial orchestrierte, könnte man schnell wieder in vorzivilisatorischen Zeiten enden. Ich bin Pessimist.

Burks.leicht

wortsalat

„Auf der Internet-Seite von der taz gibt es jetzt Texte in Leichter Sprache zur Bundestags-Wahl. Das Angebot heißt taz.leicht.“

Journalisten, die kein verständliches Deutsch schreiben können, haben ihren Beruf verfehlt. Einer „leichten Sprache“ bedarf es nicht.

„Auf der Website der Taz“ klingt übrigens besser. Der Dativ ist dem usw.. Und was soll ein Punkt inmitten eines Wortes? Ist das leichtes Werbesprech?

Al Lejeune Jazeera

Nachdem Al Jazeera (Katar) jetzt einen eingefleischten Antisemiten als „Nahost-Experten“ hat zu Wort kommen lassen, will ich den Link nicht mehr in der Blogroll haben, auch wenn ich den Kerl nicht ernstnehmen kann.

Betreutes Fernsehen [Update]

bataclan

Westdeutsche Zeitung: Die WDR-Fußnoten zum Film, nachzulesen unter doku-faktencheck.wdr.de, dürften nachträglich für kaum weniger Diskussionen sorgen als der Film, wie eine schnelle Übersicht zeigt. Beispiel: Der WDR-Kommentar Zum Anschlag auf die Pariser Konzerthalle „Bataclan“ im November 2015, bei dem 90 Menschen ums Leben kamen. Der Film stellte dar, dass die nach Israel ausgewanderten ehemaligen Besitzer bereits seit 2008 massiv bedroht wurden und bereits 2011 nur knapp einem geplanten Anschlag entgingen.

Das kommentiert der WDR so: „Es gibt keinerlei Belege dafür, dass der Anschlag auf das Bataclan im November 2015, zu dem sich der IS bekannt hat, antisemitisch motiviert war. Er kann deshalb nicht in eine Aufzählung antisemitischer Attentate aufgenommen werden.“ Es gibt ein Videomit Palästinenser-Tüchern Vermummte das „Bataclan“ bedrohen, weil dort Spenden-Galas für Israel stattfinden. Die Band „Eagles of Death Metal“, die am Abend des Anschlags spielte, wurde schon Monate vorher von pro-palästinensischen Musikern kritisiert, weil sie sich weigerte, sich einem Boykott Israels anzuschließen. Keinerlei Belege?

Schade, dass bei diesem „Faktencheck“ kein Autor genannt wird. Ich würde den oder die gern einen antisemitischen Volltrottel nennen.

[Update] Meedia.de: „Die Antisemitismus-Doku bei „Maischberger“ – ein Debakel für den WDR auf allen Ebenen“. – „Diese Sache mit der Antisemitismus-Doku hat der WDR auf wirklich spektakuläre Art und Weise vergeigt.“

Blühende Landschaften at al

blühende landschaften

Foto: Blühende Landschaften (Quelle: Wikipedia)

Warum und zu welchem Ende sind deutsche Journalisten feige? Der Taz-Titel war gelungen: Mit dem Begriff „blühende Landschaften“ wird man auf alle Ewigkeit den Namen Helmut Kohl verbinden und den Unsinn, den er da verbrochen hat. Kohl meinte natürlich: Der Kapitalismus wird auch die Ossis reich und glücklich machen. Darüber darf man lästern, man kann es satirisch verfremden, und man darf sich über einen verstorbene Politiker, denn Ideen man ablehnt und der zu Unrecht bei seinem Ableben gelobt wird, lustig machen, ob es nun CDU-Politiker oder Somoza höchstselbst sind – ganz egal. Wenn die Taz sich a posteriori davon distanziert, ist das nur noch peinlich.

Das Neue Deutschland sollte man fragen, ob das Wort „Narrativmaschinen“ jetzt meint, dass man sich der Sprache der Arbeiterklasse anbiedern will? Oder was? Vielleicht sollte der Autor dieses Geschwurbels, der aus dem gern psychologisierenden Kleinbürgertum stammt, Christian Baron lesen. (O je, ich mache mir wieder zahlreiche neue Freunde….)

Nun zu et al.

Übrigens hat Donald Trump mit manchen seiner Tweets recht; das erwähnen die deutschen Medien natürlich nicht.

By the way: Ich wurde gefragt, warum ich jetzt Versammlungen des DJV Berlin leite. Ja, die ältere Generation der hiesigen Leser wird sich erinnern, dass ich vor mehr als zehn Jahren vier mal aus diesem Verband ausgeschlossen wurde – und mich jedesmal erfolgreich wieder hineingeklagt habe. Der damalige Vorsitzende, den wir absetzen wollten, konnte mit Kritik – vor allem an seinem finanziellen Gebaren – halt nicht umgehen und musste es auf die harte Tour lernen. Die „Guten“ im DJV Berlin (zu denen ich mich zähle) haben ihn dennoch ein paar Jahre später abgesetzt.

Burkhard Schröder gefällt Karl Kobs‘ Beitrag (Facebook): „Wie müsste eigentlich eine Dokumentation über den Antisemitismus aussehen, die von Fernsehredakteuren nicht als tendenziös bezeichnet wird? Vielleicht eine, in der alle 10-Minuten ein Lauftitel eingeblendet wird: ‚Die in dem Beitrag geäußerten Behauptungen geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder.'“

Fashionable Nonsense oder: The conceptual Penis

Leseempfehlung (via Fefe): „The conceptual penis as a social construct” is a Sokal-style hoax on gender studies“. – „The androcentric scientific and meta-scientific evidence that the penis is the male reproductive organ is considered overwhelming and largely uncontroversial.“

„Subsequently, Sokal and the Belgian physicist Jean Bricmont noted in their 1997 book Fashionable Nonsense, that certain kinds of ideas can become so fashionable that the critical faculties required for the peer-review process are compromised, allowing outright nonsense to be published, so long as it looks or sounds a certain way, or promotes certain values.“

Ich musste auch an die „Online-Durchsuchung“ denken.

Leseempfehlungen

Telepolis: „Medienhetze gegen Systemkritik – Wenn ein prominenter Akteur den schmalen Pfad der politischen Orthodoxie verlässt, erschlagen ihn die Medien“.

– Die Briten regen sich darüber auf, dass Theresa May nur Fragen beantworten will, die man ihr voher vorgelegt hat. Har har. Vielleicht sollte man denen man sagen, dass in Deutschland Journalisten meinen, man müsse Interviews „autorisieren“ lassen, was ja noch schlimmer ist.

– Der Deutschlandfunk übt sich in Fake News „Qualitätsjournalismus“.

The Nation: „Trumpism: It’s Coming From the Suburbs – Racism, fascism, and working-class Americans.“ – „But scapegoating poor whites keeps the conversation away from fascism’s real base: the petite bourgeoisie.“ Warum liest man solche klugen Artikel nicht in deutschen Medien?

Don Alphonso über alte, weiße Männer und deren Vorzüge. „Alte, weisse Männer sind zäh und oft genug, wenn sie vorne sind, die gehärtete Auslese ihrer Zeit: Und vor allem sind sie gerissen genug, den Zeitpunkt zu kennen, zu dem sie besser anhalten und Jüngere ins Verderben gehen lassen.“ Yayayay.

– Reminder: Nasser über Kopftuchzwang.

Die Hüter der Wahrhaftigkeit

Leseempfehlung: „Die Hüter der Wahrhaftigkeit“ in der Jungle World. „Die Mobilmachung gegen Heimtücke und Desinformation hat in Deutschland Tradition. Im Kampf gegen »Fake News« und »Hate Speech« hat sie ihre zeitgemäße Form gefunden.“

Das Private ist nicht immer politisch

Ab sofort werde ich Correctiv nicht mehr als seriöse Organisation weiterempfehlen, auch nicht meinen Studenten. Just saying.

Sie werden integriert – Widerstand ist zwecklos

second lifesecond life

Screenshots Second Life 2007: Burks‘ Avatar – der mit den Dreadlocks – boxt einen bewaffneten Angreifer in den Abgrund. (Ich hatte gestern eine Schlägerei im Urban-Krankenhaus, ich bin in der Laune….)

Meine Leseempfehlungen für diejenigen, die nicht am Wochenende arbeiten müssen wie ich:

– Thomas Knüwer über eine zukünftige kostenlose Bouelevard-Zeitung: „Der Tipping Point für Deutschlands Zeitungen: die Gratis-‚Bild'“.

Don Alphonso über grüne BlockwärtI*_nnen: „Grüne Denunzianten küsst und wählt man nicht“.

Michael Angele über den Niedergang der Presse, reloaded (Facebook): „Der Tagesspiegel lädt zum ‚Trendfrühstück: Hunger als Fluchtursache‘ ein. Gesponsort von Rewe“.

Kai Biermann über die Thesen eines Verwaltungsfachangestellten über Kulturelles: „Was ist deutsch? Der Innenminister schreibt über die Regeln der Leitkultur und will so Toleranz stärken. Doch seine Vorschläge sind verlogen und bewirken das Gegenteil.“

Für’s Feuilleton IFLScience: „Female Dragonflies Fake Their Deaths To Avoid Annoying Males“.

Dobermänner und Gute-Laune-Journalismus

Die „Zeit“ bekommt neue Herausgeber. [Reminder zur verlinkten Quelle: Der „Branchendienst“ Kress hatte sich an der Schmutzkampagne gegen den Berlin DJV-Vorsitzenden Bernd Lammel beteiligt.]

So wird der deutsche Journalismus bestimmt gerettet.

Einer der „Neuen“ bei der „Zeit“ ist Florian Illies, der auch im Kunsthandel aktiv ist:
Unser Prinzip ist einfach: Wir lieben es, gute Laune zu haben, und wir möchten uns diese gute Laune nicht verderben lassen. Wir möchten mit Leuten, die ihre Fahrräder selbst reparieren, nichts zu tun haben. Wir haben keine Lust, uns einen Abend lang über die Kurdenverfolgung im Nordirak die Köpfe heiß zu reden, weil uns das zu anstrengend ist.

Ebenfalls dabei: René Obermann, der schon mal die Interessen des Kapitals gegen die Gewerkschaften so vertrat, dass man ihn Dobermann nannte.

Vielleicht kann man Jutta Allmendinger positiv werten: Sie fordert, die Hausaufgaben in Schulen abzuschafften. „1999 führte Jutta Allmendinger den Begriff der Bildungsarmut in die stark ökonomisch geprägte arbeitsmarktpolitische Debatte in Deutschland ein.“ Schon klar: Die Idee, durch „Bildung“ sei der soziale Aufstieg zu erhoffen, ist typisch für die kleinbürgerlichen Mittelschichten.

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