Der rasende Reporter – Weltbürger und Kommunist

Kisch

“Egon Erwin Kisch gilt als einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Nach dem Titel eines seiner Reportagebände ist er auch als ‘der rasende Reporter’ bekannt”, schriebt Wikipedia.

Die englische Wikipedia-Version fügt gleich zu Beginn hinzu: “Kisch was noted for his development of literary reportage and his opposition to Adolf Hitler’s Nazi regime.” Gegner Hitlers zu sein oder gar Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland – was Kisch war – ist offenbar für die Deutschen nicht so wichtig, dass man gleich mit der Tür ins Haus fallen müsste.

Kischs intensives soziales und politisches Engagement (nicht zuletzt seine lebenslange Bindung an die Ideale der kommunistischen Bewegung) hatte bereits zu Lebzeiten wesentlichen Einfluss auf die Rezeption seiner Werke. Als exponierter Antifaschist wurde Kisch im nationalsozialistischen Deutschland nachhaltig aus dem kollektiven Bewusstsein gelöscht – wie viele der deutschsprachigen Exilautoren, deren Bücher 1933 verbrannt worden waren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Kischs Tod im Jahr 1948 blieb der ‘rasende Reporter’ in der Zeit des Kalten Krieges westlich des Eisernen Vorhangs jahrzehntelang vergessen. In der DDR zählte er als sozialistischer Autor zum Kanon, seine Werke wurden laufend neu aufgelegt, in einer Gesamtausgabe zusammengefasst und waren trotz der Inanspruchnahme durch die staatstragende SED jahrzehntelang auf den ostdeutschen Bestsellerlisten vertreten.

Wozu so ein “Unrechtsregime” doch gut sein kann!

Leider können sich die Toten gegen posthume Ehrungen nicht wehren. Den Egon-Erwin-Kisch-Preis gibt es ja nicht mehr; er wurde jetzt nach Henri Nannen benannt. Vermutlich wäre es nicht im Sinne der in Deutschland üblichen freiwilligen politischen Selbstkontrolle, einen Journalistenpreis nach einem Kommunisten zu benennen. Wo kämen wir denn da hin!

Ich empfehle alle Bücher von Kisch. Wenn man die zum Teil kurzen, also heute noch Internet- und Blog-tauglichen Reportagen liest, bekommt man auch einen Eindruck, was damals “rasend” bedeutete. Heute wäre die Treue zum Detail und die nachdenkliche Attitude für die Rezipienten ungewohnt “langsam”, weil man gewohnt ist, die Dinge, die Kisch beschreibt, als Film vorgeführt zu bekommen. So ätzend, wie Kisch formulieren könnte, traut sich auch heute noch kaum jemand:

Als in Amerika die Urwälder fast überall dem Erdboden gleichgemacht, beinahe alle edlen Tiere erlegt, die Indianer mit Branntwein und Flintenkugeln nahezu ausgerottet worden waren, zäunte man ein Stückchen ein und schuf den Yellowstonepark. Dann zeigte man ihn der Welt, zum Zeichen des pietätvollen Verständnisses, das das angeblich so nüchterne Amerika der Natur entgegenbringe, und konnte ruhig den Rest der Urwälder, der Indianer und der Tiere vernichten. Wir hingegen haben Weimar. (Der Naturschutzpark der Geistigkeit – in: Hetzjagd durch die Zeit, Aufbau Verlag, Berlin (DDR) und Weimar 1983)

Der letzte Satz – die Pointe – fällt wie ein Hammer auf einen Amboss. Klaus Jarchow schrieb 2008 auf netzwertig.com” über Kisch und wie er seine damaligen Kollegen beeinflusste: “Nun dominierten für einige Jahre in allen Redaktionen die ‘Pflastertreter’ über die ‘Sesselpuper’ – auch wenn das besagte Pflastertreten heutzutage oft genug darin besteht, als braver Pudel politischer Interessen sich im Café Einstein mit jenen mundgerechten Info-Häppchen füttern zu lassen, die man später in die Tastatur erbricht.”

Well said. Wäre das denkbar – heute im Zeitalter der Sesselpuper -, dass ein bekennender – und geistig unabhängiger – Kommunist eine Stelle als Reporter bei einem deutschen Mainstream-Medium bekäme? “So kommt es, dass die Blogosphäre zu einem Zufluchtsort der Reportage werden konnte”, schreibt Jarchow. Ich warte darauf…

Und nun alle zusammen: Für das Wachstum!

Tancred's landing

Screenshot: Meine Gor-Sim Tancred’s Landing in Second Life, die mit dem Thema des Postings unten rein gar nichts zu tun hat.

Ich wollte eigentlich über das Gefasel der Frau Christine Lagarde etwas schreiben und über die Tatsache, dass sich Journalisten zu bloßen Pressesprechern von Lobbyisten und Pressure-Groups degradieren, wenn sie nur das unkritisch wiederkäuen, was ihnen in den Mund gelegt wird.

Ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, ist wieder einmal Spiegel online: “‘Eine hartnäckig niedrige Inflation kann dem Wachstum schwer schaden’, sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag in Paris. Auch trage sie dazu bei, dass die Schuldenlast noch schwerer wiege.”

Ja und? Ist das wahr oder nicht oder wisst ihr es nicht? Man hat den Eindruck, dass, fällt der Begriff “Wachstum”, sofort der Kopf zum Gebet abgenommen wird: Freier Markt(TM) unser, der du bist im Kapitalismus unser aller Gott usw..

Lagarde ist Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bei Wikipedia lesen wir über den IWF und das Wachstum: “Dem IWF wird vorgeworfen, durch die an die Kreditvergabe geknüpften Bedingungen in vielen Ländern die bestehenden Sozialsysteme zu zerstören. Für Kritiker gelten ‘die geforderten Sparprogramme und Einschnitte in Sozialprogramme [...] für die Menschen in Entwicklungsländern [als] unzumutbar und [seien zudem] für das Wachstum schädlich.’”

Aha?! Und? Können deutsche Journalisten vielleicht auch selbst denken? Nein? Quod erat demonstrandum.

Spiegel online schließt mit den “wunderbaren” Worten: “Die französische Wirtschaft kämpft derzeit mit Wachstumsproblemen”. Leider kann ich nicht wirklich sagen, wer das verbrochen hat; ein Kandidat für den Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” wäre diese Person auf jeden Fall.

Pfui, das ist kein Journalismus, sondern schlicht ekelhaft.

Strike! Die Roten kommen!

Al Jazeera berichtet über den Klassenkampf der südafrikanischen Metallarbeiter. In deutschen Medien lese ich bis jetzt kein Wort davon.

Unter dem Banner des Nüsslein-Volhardismus oder: Der ADAC ist überall

Stefan Niggemeier: “Ein öffentlich-rechtlicher Sender generiert Aufmerksamkeit für seine Prominenten-Sortier-Show, indem er seinen Zuschauern und den Lesern einer großen Programmzeitschrift fälschlicherweise vorgaukelt, sie könnten die Reihenfolge mitbestimmen.”

Der Shitstorm nimmt schon Gestalt an. “ZDF blufft bei Zuschauer-Voting” (NDR). – “Promi-Ranking im ZDF: Stimmenschummel bei “Deutschlands Beste!” (Spiegel online) – “‘Deutschlands Beste’: ZDF gibt gezielte Umfrage-Manipulation bei TV-Show zu” (Focus). – “Das ZDF mauert und ringt um Erklärung” (Welt online). – “ZDF räumt gezielte Manipulation bei TV-Show ein” (Zeit online).

Nur für Frauen

frauen

Warum haben Frauen auf Fotos eigentlich immer den Mund offen stehen?

Die Grenzen des Meinbaren

“Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.” – Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher, Heft G (13)

Fefe schreibt über den Tod Schirrmachers:
Meine letzte offene Streitfrage mit ihm war, ob man offen fordern kann, dass die Geheimdienste geschlossen werden müssen, oder ob man sich damit seine Argumentation kaputt macht, weil man als unrealistischer Fundamentalist gesehen wird. Er hatte wahrscheinlich Recht mit seiner Vorsicht.

Interessant, wie das funktioniert. Offenbar muss man sich erst in den Mainstream-Medien umsehen, was “man” so meint und wo die Grenzen des Denk- und Meinbaren sind. Wer ausschert und etwa ruft, dass der Kaiser nackt sei, ist gleich “unrealistischer Fundamentalist”.

Mit der Systemkritik ist es ja eh schon so. Seitdem der erste Versuch, auf deutschem Boden einen sozialistischen Staat zu errichten, kläglich gescheitert ist, gilt man als “unrealistischer Fundamentalist”, wenn man Begriffe wie “das Kapital” (im Marxschen Sinn) oder gar Klassenkampf auch nur ausspricht. Die Systemfrage darf in deutschen Medien nicht gestellt werden. Die so genannte freie Marktwirtschaft(TM) ist in den vernebelten Köpfen der teleologische Sinn der Evolution des Homo sapiens und das Ende der Geschichte. Danach kann es angeblich nichts mehr geben – freiwillige ideologische Selbstkontrolle eben. Damit kennen sich die Deutschen ja aus.

Ich dachte, naiv wie ich bin, dass man eine Meinung hat und die vertritt, ganz gleich, ob man auf allen Zehen herumtrampelt oder alle Bärte abfackelt. Ich dachte und denke nicht, dass man mit Meinungen taktisch umgehen sollte.

Unter Beratern im Nordirak

Tagesschau.de: “Die FDP-nahe Organisation berät dort unter anderem politische Entscheidungsträger im Nordirak.”

Das erklärt natürlich so einiges.

Zeit.de: “Die Zuschauer reiben sich verwundert die Augen: Irak? Hatten wir dort nicht aufgeräumt?”

OMG. Wie doof muss man sein, um so etwas zu schreiben?

Qualitätsjournalismus auch bei Focus.de: “Kein Turban oder Rauschebart – auf den ersten Blick ist al Baghdadi nicht zwingend anzusehen, dass er der Führer einer radikal-islamistischen Terrororganisation ist.”

Ich bin selbst schuld. Ich hatte mich entschlossen, keine deutschen Medien mehr zu ausländischen Themen zu lesen. Bin leider rückfällig gewerden.

Nationale Borniertheit, mein einziger Beitrag zum Thema Fußball und die Gedanken der herrschenden Klasse

“Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft… “(Karl Marx/Fried­rich En­gels, Die deut­sche Ideo­lo­gie, S. 458)

Lesenswert auch folgendes Zitat:
Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche herrschende Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefaßten herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.

Damit ist auch alles über die Mainstream-Medien gesagt, insbesondere über deren jeweiligen “Wirtschaftsteil”.

Bumm Bumm und die Anrufung des höheren Wesens

Man muss sich gar nicht mehr echauffieren, wenn deutsche Medien sich beharrlich weigern, ihre Quellen zu nennen und zu verlinken. Ich habe es aufgegeben, pädagogisch wertvolle Hinweise zu geben.

Aktuelles Beispiel (wieder einmal) Spiegel online: “Taliban-Video zeigt Übergabe von Bergdahl”. Quellenangabe? Link auf das Original? Fehlanzeige. Wider alle journalistischen Prinzipien werden die Leser für zu doof oder zu weltanschaulich ungefestigt gehalten. Nein, wir sagen euch nicht, wo wir das her haben. Wo kämen wir denn da hin.

Nun gut. Eine Version des Videos gibt es auf shahamat.info (man muss ja nur nach al-emara suchen – das Logo ist auf dem Video zu erkennen). Whois sagt zwar: “Registrant Organization:Tarnakmedia, Kandahar City” mit der E-Mail-Adresse adilmadani@yahoo.com (bruhahahahaha), Geotools gibt aber eine andere interessante Auskunft. Es bleibt den medienkompetenten Leserinnen und Internet-affinen Lesern vorbehalten, daraus etwas zu schließen.

Eine weitere Quelle zum Thema ist jihadology.net von Aaron Y. Zelin (Registrar URL: www.wildwestdomains.com – schon klar!) vom Washington Institute for Near East Policy.

Auf LiveLeak gibt es noch mehr Propagando-Videos der Taliban: “Al Emara Studio: New Release – Jihadi Operations in Kunar”. Man merkt, wie den Herren Jihadisten immer einer abgeht, wenn sie wieder einmal aus einem dicken Rohr etwas abschießen können. Schon witzig, aus welch unterschiedlichen Anlässen ein höheres Wesen angerufen wird. “Allāhu Akbar” beim Schießen, und “oh my god” in jedem US-amerikanischen Pornofilm.

Building economic recovery, inclusive development and social justice

Spiegel online zitiert einen Bericht der International Labour Organisation (ILO): Sie Kosten der Bewältigung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise hätten viele Staaten “an die Bevölkerungen weitergegeben, die seit mehr als fünf Jahren weniger Arbeitsplätze und niedrigere Einkommen verkraften müssen”. Die Krise sei damit jedoch nur weiter verlängert worden.

Die Krise? Welche Krise? Außerdem ist das ein Feature des Kapitalismus, nicht ein Bug (Fehler). Die Ilo hat übrigens keinerlei Befugnisse, Vertreter des Hapitals und des Proletariats haben noch nicht einmal die gleichen Rechte. Der Report hat daher eher den Status einer moraltheologischen Predigt, die ein Pfaffe am Sonntag hält.

Das Original: World Social Protection Report 2014-15: Building economic recovery, inclusive development and social justice.

Die Qualität eines Artikels kann man eben auch daran bemessen, was der Autor nicht sagt bzw. zu denken wagt, obwohl es naheläge. “Development and social justice” sind im Kapitalismus nicht gleichzeitig möglich. Wer das System kritisiert, ohne die Systemfrage überhaupt zu stellen, kann auch gleich feministische Theologie betreiben.

Regulierter Kapitalismus

Erstaunliche Sätze von Harald Schumann im Tagesspiegel:
Angela Merkels Krisenpolitik nutzt dem Kapital – und die Rettung des Euro bezahlen am Ende die Armen.

Ach?! Nun könnte man irrig vermuten, jetzt folgten Ideen, wie der Kapitalismus zu überwinden sei. Aber nein! Wo kämen wir denn da hin!

Karl Marx hat es geschrieben, John Maynard Keynes hat davor gewarnt und die einfachen Leute haben es ohnehin schon immer gewusst: Im unregulierten Kapitalismus wachsen die Vermögen jener, die das Kapital besitzen, weit schneller als bei jenen, deren Arbeit die Kapitalerträge erzeugt.

Glatt und unverschämt gelogen. Karl Marx hat nie von “reguliertem” oder “unreguliertem” Kapitalismus geschrieben, ganz im Gegenteil: Er hat behauptet, dass sich der Kapitalismus nicht “reformieren” lasse, sondern dass er abzuschaffen sei, weil seine immanenten Gesetze nichts anderes ermöglichten.

Ein “regulierter Kapitalismus” macht genau das, was auch ein unregulierter Kapitalismus” macht: Das Geld den Reichen und der herrschenden Klasse zuschieben auf Kosten des Proletariats und der Armen. Wer etwas anderes behauptet, hat Marx nie gelesen oder gar verstanden.

Leitartikler und Machteliten oder: Transatlantische Swingerclubs

Telepolis: “Leitende Redakteure der Wochenzeitung DIE ZEIT haben über Jahre deutsche Politiker zu verschwiegenen Bilderberg-Konferenzen eingeladen, darunter auch Helmut Kohl. Auch Spitzenjournalisten von anderen großen Medien sind in diversen Elitenetzwerken aktiv. Seitdem die Satire-Sendung “Die Anstalt” vor einem Millionenpublikum auf die Netzwerke deutscher “Alpha-Journalisten” aufmerksam gemacht hat, brodelt es hinter den Kulissen.”

Wie unabhängig und glaubwürdig sind deutsche Journalisten oder: Ich bin die acht Prozent

Aus dem aktuellen Newsletter von Netzwerk Recherche:

das Public Relation Global Network (PRGN) hat vor Kurzem eine Umfrage* zum Umgang von Wirtschaftsjournalisten aus 14 europaeischen Laendern mit Unternehmensfuehrern veroeffentlicht. Eine Frage darin lautete: Erlauben Sie dem CEO oder der PR-Agentur vor Veroeffentlichung, die Zitate zu autorisieren? Im Schnitt der europaeischen Laender antwortete nur die Minderheit mit Ja (41 Prozent), in Deutschland dagegen antwortete die Mehrheit (54 Prozent) der Journalisten, dass sie “jederzeit” die Zitate autorisieren lassen (“allow to review all the time”). 38 Prozent sagen, sie machen das gelegentlich und es haengt ab von der Beziehung zum Gespraechspartner. Nur 8 Prozent der deutschen Journalisten sagen, sie legen Zitate niemals vor.

In den USA ist so eine Praxis undenkbar. Die “New York Times” hat ihren Journalisten dies sogar ausdruecklich verboten, weil damit die Unabhaengigkeit der Berichterstattung bedroht werde und die Gespraechspartner zu viel Einfluss auf einen Artikel nehmen koennen. Vielleicht sollten wir auch mal darueber debattieren, ob diese Bereitwilligkeit zum Vorlegen von Zitaten nicht auch unsere Glaubwuerdigkeit gegenueber Lesern zerstoert.

Remember: Für das Autorisieren gibt es weder eine rechtliche Grundlage noch würde das ein seriöser Journalist zulassen. Als ich Chefredakteur war, habe ich das “Autorisieren” schlicht verboten.

Deutsche Journalisten sollen mal etwas Ausländisches lesen wie den Guardian lesen: “In Germany, approval for access is commonplace – but it means journalists play by politicians’ rules.”

Wer Interviews autorisieren lässt, ist feige, opportunistisch, faul, unglaubwürdig, hat einen kriecherischen Charakter und handelt unprofessionell. Vielleicht sollte man das mal so sagen. Aber dann ist man Netzbeschmutzer (wie ich). Und wer will schon gegen den gefühlten Mainstream schwimmen?

* “Please enable JavaScript to view this website.”

Yes or no, that is the scottish question

Al Jazeera hat eine interessanten Beitrag über die Hintergründe der Abstimmung über die schottische Unabhängigkeit: “This is not unusual in a city that hasn’t elected a Conservative MP since 1979 (…) Furthermore, Labour insiders are getting increasingly nervous that working-class voters, like my taxi driver, are deserting them.”

So etwas liest man in deutschen Mainstream-Medien nicht: Dort fiele schon der Begriff “Arbeiterklasse” (working class) der freiwilligen politischen Selbstkontrolle zum Opfer.

Da schießt etwas ins Kraut oder: Ideen aus der Paywallhölle

Don Alphonso über Krautreporter: “Sie werden Textblei und in nordkoreanische Formen gegossenen Wortbeton liefern. (…) Bezahlen für das Kommentieren? OMG. (…) Es wird beim Scheitern nur das Problem eines relativ kleinen Sektors sein.”

Mehr muss nicht gesagt werden.

In rechtsmissbräuchlicher Weise trotz Blasenschwäche die Würde behalten

Dei Partei: Das Zweite Deutsche Fernsehen habe angekündigt, den obigen Wahlwerbespot nicht auszustrahlen. “Begründet wird die Ablehnung damit, daß es sich ‘inhaltlich in seinem entscheidenden Aussagegehalt nicht um Wahlwerbung’ handele, sondern der Spot dazu genutzt werde, ‘in rechtsmissbräuchlicher Weise [...] Wirtschaftswerbung für die Zeitschrift Titanic zu transportieren’. Außerdem, so das ZDF, verletze der Spot “Papst Johannes Paul II. und Markus Lanz [...] in ihren Persönlichkeitsrechten’.”

Killing a story on the NSA und interne Querelen

Das New York Magazine (via Fefe) erklärt, warum Dean Baquet der neue Chefredakteur bei der New York Times ist: “At the L.A. Times, he was accused of killing a story on the NSA.”.

Deutsche Medien wissen nach eigenen Angaben nichts (“Die genauen Gründe für die Entlassung von Abramson waren zunächst unklar”) und geben dann lieber die Meinung des Managements wieder. Der Tagesspiegel erwähnt die Baquet-NSA-Affäre erst gar nicht,

Die Baseler Zeitung hat als einziges deutschsprachiges Medium eine differenziertere Sicht der Dinge:
Die internen Querelen waren in den letzten Monaten in Form von kritischen Berichten durch andere Medien durchgesickert. Dabei entsteht das Bild einer Chefredaktorin, die das Blatt schneller auf die neue, digitale Medienwelt umpolen wollte und mit einem forschen, kurz angebundenen Stil viele Mitarbeiter vor den Kopf stiess.

Söldner in den Kriegen der Zukunft, revisited

blackwater

Am 10.03.2014 zitierte ich hier:

TV-Novosti: Private Söldner schützen pro-ukrainische Demonstranten.
Videos have sprung on YouTube alleging that the US private security service formerly known as Blackwater is operating in the eastern Ukrainian city of Donetsk. Western press is hitting back, accusing Russia of fabricating reports to justify “aggression.”

Mail Online (Daily Mail) fragt:
Has Blackwater been deployed to Ukraine? Notorious U.S. mercenaries ‘seen on the streets of flashpoint city’ as Russia claims 300 hired guns have arrived in country. (…) Speculation was growing last night that American mercenaries had been deployed to Donetsk after videos emerged of unidentified armed men in the streets of the eastern Ukrainian city.

Heute lesen wir in Spiegel Online: “Einsatz gegen Separatisten: Ukrainische Armee bekommt offenbar Unterstützung von US-Söldnern. (…) Laut ‘Bild am Sonntag’ werden die ukrainischen Sicherheitskräfte von 400 Academi-Elitesoldaten unterstützt.” Auch die FAZ berichtet, nennt aber verschämt nicht die Quelle, von der sie abschreiben: “Ein Zeitungsbericht beruft sich auf Informationen des BND.”

Ach. Wenn TV-Novosti etwas berichtet, glaubt das niemand, wenn aber “Bild am Sonntag” nachlegt, wird es dann wahr.

Faschisten, die CIA, private Sölderarmeen und die westlichen Märkte – da wächst zusammen, was zusammengehört.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Daniel Bröckerhoff (via Hal): “Wie geht das, dass führende Journalisten Mitglieder in pro-amerikanischen Think Tanks, Vereinen, Interessensgruppen sind? Wie geht das, dass sie so sämtliche journalistischen Regeln über Bord schmeissen, alle es wissen, aber das kein Problem zu sein scheint?”

Dazu noch ein Zitat von Uwe Krüger au seinem Interview mit Telepolis: “Ja, mit dieser These von der ‘kognitiven Vereinnahmung’ von Journalisten durch Eliten habe ich die Arbeit auch begonnen. Und als ich die Artikel der vier untersuchte, stellte ich tatsächlich fest: Die Journalisten lagen ganz auf Linie mit den Eliten und benutzten sogar klassische Propagandatechniken.”

Journalisten waren mit wenigen Ausnahmen schon immer das Sprachrohr der so genannten Eliten herrschenden Klasse. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Die Taz wird neue Nationalzeitung

So erklärt die Taz den 2. Weltkrieg: “Ab 1941 gehörte zwar auch die Sowjetunion zu den Opfern der ‘Lebensraum’-Ideologie Hitlers. Aber bereits 1944/45 kehrte die russische Besatzungsmacht in die zurückeroberten Gebiete zurück – und blieb dort bis 1989.”

Zwar starben 27 Millionen Sowjetbürger als Opfer des deutschen Krieges zwischen 1941 und 1945. Aber das spielt für die taz keine große Rolle, weil diese Sowjetunion seit 1945 in den “zurückeroberten” Gebieten blieb.

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