Helmut Markwort und Franck Ribérys Affären

Warum ein in Artikel über Franck Ribérys (by the way: wer ist das?) Affären nicht im “Focus” erscheinen konnte, steht hier.

Es bleibt etwas hängen (2. update)

Jetzt habe ich endlich eine ganz eigene Verschwörungstheorie. Kinderpornografie und Bombenbauanleitungen im Internet – so was kenn ich ja schon (auch als Vorwurf meiner dünnbrettbohrigen Feinde, um mich fertigzumachen). Hier ist laut Zeit Online eine neue Version: “Wikileaks-Gründer unter Vergewaltigungsverdacht”.

Verdacht. Darum geht es. Kachelmann stand “unter Verdacht”, und schon wollte man ihn aus der Firma drängen und aus seiner Wohnung. In den Medien heisst es dann: “Wirbel um”, “umstritten”, wurde verdächtigt”.

Ich bin auch “umstritten” und stand “unter Verdacht”. Als ich meine Akten durchlas, in denen es um den Vorwurf ging, ich hätte eine “Bombenbauanleitung” ins Internet gestellt, tauchten dort zahlreiche Anzeigen von Neonazis und ähnlichen Gesellen gegen mich auf – wegen “Beleidigung” usw.. Die waren zwar alle eingestellt worden, weil nichts dran war, aber so etwas verschwindet in Deutschland nicht und macht bei einem Richter, der sich den Quatsch dann nur flüchtig durchliest, einen “guten” Eindruck. Und auf so etwas spekulieren natürlich Staatsanwälte.

Es bleibt etwas hängen. Wie bei dem “riesigen Kinderporno-Skandal” oder bei anderen Luftnummern. Nicht nur die Medien, sondern natürlich auch die Rezipienten haben ein Gedächnis wie das einer Drosophila. Man muss heute Gegner nicht bekämpfen. Man muss ihnen nur etwas vorwerfen, das emotional besetzt ist. Ungefähr in dieser Reihenfolge: Kinderpornografie, Vergewaltigung, Bombenbauanleitung, Pornografie.

Wenn mir mal wenigstens jemand Blasphemie vorwerfen würde – das machte wenigstens Spaß. Oder virtuellen Drogenhandel – in Second Life etwa. A propos: Wenn ich meinen Artikel über Gor fertig habe, kommt das bestimmt auch noch – eine Anklage wegen Vergewaltigung eines Avatars. Einem deutschen Jugendschutzwart traue ich so gut wie alles zu.

Es bleibt schon etwas hängen, auch wenn die, die sich gegen einen “Verdacht” wehren müssen, unschuldig wie ein Osterlamm sind.

Ich freu mich schon auf die Kommentare im Heise-Forum zum Thema.

Update “Schwedens Justiz hat den Vergewaltigungs-Verdacht gegen Julian Assange zurückgenommen. Die Behörde hob am Samstagnachmittag den Haftbefehl gegen den 39-jährigen Australier wieder auf, der am Vorabend ausgestellt worden war. Behördensprecherin Eva Finné erklärte: ‘Es gibt für mich keinen Grund zu dem Verdacht mehr, dass er eine Vergewaltigung begangen hat.’” (Heise)

Wikileaks? Stand der Chef von Wikileaks nicht mal unter dem Verdacht, zwei Frauen vergewaltigt zu haben? Quod erat demonstrandum.

2. update: Stockholm News: “The 30-year-old woman said that she, for her part claims to be a victim of molestation, but not a rape.” Wer hat eigentlich den Vorwurf der “Vergewaltigung” in die Welt gebracht? Spiegel Offline? oder golem.de? Die beiden betroffenen Frauen jedenfalls nicht.

Loveparade 2010 Duisburg planning documents, 2007-2010

Wikileaks: “Diese Dokumentensammlung betrifft die Loveparade vom 24. Juli 2010 in Duisburg, bei der eine Massenpanik zu 21 Toten und 511 Verletzten führte. Die Unterlagen beziehen sich auf: den Planungs- und Genehmigungsprozess innerhalb der städtischen Behörden und mit dem Veranstalter, den Ablauf des Events und nachträgliche Dokumentationen einschließlich Ausnahmegenehmigungen, Eventsektorplänen, Meetingprotokollen diverser Arbeitsgruppen (z.B. zu Verkehr und Sicherheit), Eventbeschreibungen, Polizeimaßnahmen, Besucherschätzungen, ein Ereignisprotokoll, Anwohnerbericht und Fotos.”

Ich frage mich,w arum das bei wikileaks steht und nicht auf der Website eines qualitätsjournalistischen deutschen Mediums? Haben die Angst vor Kompanien von Anwälten, die dann in Bewegung gesetzte würden? Das ist doch in öffentlichem Interesse! Wenn es das nicht ist, dann weiß ich nicht, was sonst noch von öffentlichem Interesse ist. Ein Beispiel, wie wichtig Wikileaks ist!

Wer kritisiert noch mal Wikileaks? Reporter ohne Grenzen (vgl. auch ROG wendehälsisch) , Amnesty International, der Spiegel (”Spiegel-Online-Chefredakteur Rüdiger Ditz begründete seine anfängliche Zurückhaltung dem Video gegenüber mit der mangelnden redaktionellen Einordnung”). Hinterher auf den fahrenen Zug aufzuspringen gilt nicht!

Man merkt doch immer wieder, wie groß der Kluft zwischen den klassischen Medien und den traditionellen Organisationen sind, die gefühlt auf der Seite der Guten stehen, und denen, die schon im Internet-Zeitalter angekommen sein – eine kleine, leider nicht sehr radikale Minderheit nur (OMG, jetzt faseln die auch schon was von einer “Internet-Präsenz”! Heisst ein Parteibüro in Zukunft “Offline-Präsenz”?). Ach was, es ist keine Kluft, es ist ein Grand Canyon.

John F. Kennedy zur Online-Durchsuchung

Das war ja zu erwarten: Die einflussreichste Ente des letzten Jahrzehnts watschelt immer noch. Hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen (aka Schweiz) ist alles ein weniger langsamer, aber jetzt quakt es auch dort. Wie 20 Minuten Online berichtet, gibt es nur zwei Denkschulen: Die einen wollen im Männer im Kreis um ein Feuer tanzen lassen, damit es bald regnet, und die anderen sagen, das sei grob sittenwidrig und auch Frauen müsse das erlaubt sein.

Halt! So war es gar nicht. Die einen wollen private Computer behördlicherseits heimlich überwachen und die anderen sind dagegen, weil das obrigkeitsstaatlich undsoweiter sei.

Also führen wir schnell eine dritte Denkschule ein, um die schweizer Diskussion aufzulockern. Ganz egal, ob Männer oder Frauen im Kreis tanzen, das hat nichts mit dem Regen zu tun. Ganz egal, ob man einen “Bundestrojaner” blöd findet oder nicht – ihn gab es noch nie, ihn gibt es noch nicht und es wird ihn so, wie DAUs sich das vorstellen, nie geben. Punktum. Es ist ein Hoax, ein Mythos, eine urbane Legende, eine frommes Überwachungsmärchen, aus den feuchten Wunschträumen der Zensur-Lobby entschlüpft, gar nicht wahr, eine Ente, alles gelogen und noch nicht mal gut erfunden, die Welt als Wille und Vorstellung – muss ich noch deutlicher werden?

John F. Kennedy wird der Satz zugeschrieben: “Der größte Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge – absichtsvoll, künstlich, unehrlich -, sondern der Mythos – fortdauernd, verführerisch und unrealistisch.”

Besser kann man es nicht beschreiben. Der Mythos von der real gar nicht existierenden “Online-Durchsuchung” wirkt deshalb, weil er fortdauernd wiederholt wird – von dämlichen Journalisten, die von den technischen Hintergründen gar nichts wissen wollen, von eitlen Möchtegern-Hackern, die sich mit ihrem vermeintlichem Allwissen brüsten, von Verschwörungstheoretikern (”der Staat/die NSA/der Mossad sind schon drin”), von selbst ernannten Experten, die vor jedes Mikrofon springen, das ihnen hingehalten wird, aber eine Waschmaschine nicht von einem Kühlschrank und einen Algorithmus nicht von einem Oktopus unterscheiden können.

Verführerisch, weil es so schön sexy ist, wie aus einem Hollywood-Movie entsprungen, dort, wo der Hacker als Schamane des 21. Jahrhunderts mit seinen magischen Fähigkeiten in alles Digitale eindringt, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist. Sexy besonders für die Gegner, weil man mit der Ente schon herumwedeln und vor dem ultrabösen Staat warnen kann.

“Auch bürgerliche Parteien sind skeptisch gegen die Computer-Überwachung: Der SVP etwa sind die Anforderungen für den Einsatz von Trojanern nicht hoch genug, wie sie in einer Stellungnahme schreibt. Die CVP meldet ‘gewisse Vorbehalte’ an und die FDP befürchtet ’schwerwiegende Folgen’ für die infizierten Computer.”

Das ist doch zum Kringeln! Sie gehen schon von “Trojanern” aus, obwohl die vermutlich gar nicht wissen, was das ist. Magie eben. “Die” können das “irgendwie”. Haben wir doch im Fernsehen gesehen. Oder im “Tatort”, wo ein Hacker mit einem Laptop auf einem Hochhaus steht und die Verkehrsampeln ausschaltet.

Unrealistisch sowieso. Aber deswegen ist der Mythos ja einer – im Gegensatz zur Wahrheit. Die Zahnpasta ist aus der Tube und ich könne 77 Büchern über den Hoax “Online-Durchsuchung” schrieben, es würde nichts nützen.

Was lesen wir über Rheinland-Pfalz? “Mit der gesetzlichen Zulassung von Online-Durchsuchungen dürfen rheinland-pfälzische Ermittler künftig zudem verdeckt auf Computer von Terrorverdächtigen und Schwerkriminellen zugreifen.” hat auch nur einer der Journalisten, die sich das Gefasel des dortigen Innen-Daus anhörten oder darüber schrieben, gefragt, wie das geschehen, also technisch umgesetzt werden soll? Nein, niemand. Wieso? Sind die Medien gleichgeschaltet? Droht ein Bußgeld, wenn man Fragen stellt als Journalist? Nein, aber bei einem Mythos denkt eben niemand nach. Kopf ab zum Gebet.

Mich ärgert auch die schlampige Formulierung bei Heise. “Die rheinland-pfälzische Polizei erhält damit die Befugnis, Programme auf IT-Systemen zu installieren, die ein Mitschneiden von Kommunikation etwa in Form von Internet-Telefonie noch vor einer Verschlüsselung erlauben (Quellen-TKÜ). Voraussetzung für die Maßnahme ist ein richterlicher Beschluss.”

Natürlich kann man Spionage-Programme auf Rechnern installieren, wenn man den physischen Zugriff hat. Aber ist das bei einem verdächtigen Privatier realistisch? “Heimlich online” geht es nicht.

Das Mitschneiden der Kommunikation hat uns schon Rot-Grün beschwert in Form der (Luftholen vor dem Aussprechen des Wortes nicht vergessen) Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV) und der SINA-Box. Das Abhören hat aber rein gar nichts mit der “Online-Durchsuchung” zu tun, es handelt sich auch um zwei völlig verschiedene Rechtsgrundlagen. Wieso muss man das immer total durcheinanderwürfeln? Nur um irgendwann das sexy Wort “Online-Durchsuchung” unterbringen zu können?

Von E-Mail-Standorten, mythischen Hackern und Kampfjets

china-Hacker

Spiegel offline (von DAUs auch Spiegel “Online” genannt) und Computer und die Berichterstattung dazu – das passt irgendwie nicht zusammen, Als Quelle der Heiterheit ist es jedoch immer gut. Heute, liebe Kinder, nehmen wir den Standort einer E-Mail durch (ja genau, ihr habt richtig gehört und auch im Internet-Unterricht aufgepasst – brav!) und die chinesische Lockheed Martin F-35 (ja, ein Kampfjet und fast genau so schnell wie eine E-Mail!).

“Spott über Polizei wird Bankräuber zum Verhängnis”, heisst es heute bei SpOff. “Nun schrieb der 19-Jährige in Hamburg eine Mail an Zeitungen und Polizei und machte sich über die Fahnder lustig – wohl ohne zu wissen, dass der Standort jedes Computers ermittelt werden kann. Vier Stunden später nahmen ihn Beamte auf der Reeperbahn in einem Internetcafé fest…”

Wissen wir eigentlich, was gemeint ist? Nicht wirklich. Also lesen wir gemeinsam: “E-Mail-Header lesen und verstehen, dort das Kapitel “III. E-Mail-Headerzeilen im einzelnen”, genauer: das Unterkapitel “b) “Received:”-Headerzeilen im einzelnen”.

Received: from mx3.gmx.example (qmailr@mx3.gmx.example [195.63.104.129]) Hier steht jetzt, von welchem Mailserver die E-Mail empfangen wurde. Das Format dieser Zeile ist leider nicht ganz einheitlich. Immer gilt: die Nummer in (eckigen) Klammern ist die unverwechselbare IP-Nummer des einliefernden Rechners – hier “195.63.104.129″. Außerdem ist angegeben, wie dieser sich vorgestellt hat (die Angabe aus dem HELO) – hier “qmailr@mx3.gmx.example”. Das hat unser Mailserver brav überprüft und festgestellt, daß die IP-Nummer tatsächlich zu “mx3.gmx.example” gehört. (…) Wenn HELO und Realität übereinstimmen, wird der HELO-Parameter manchmal gar nicht angegeben. Dann findet sich nur die IP-Nummer und der (als richtig festgestellte) Name des einliefernden Servers. Andererseits geben manche MTA nur den (möglicherweise gefälschten) HELO-Parameter und die (echte) IP-Nummer an, ohne den zugehörigen Namen nachzuschauen. Dann ist der angegebene Name gerade *nicht* wahr. Auch ist es möglich, daß die Reihenfolge der Angaben genau umgekehrt ist (zuerst HELO, dann tatsächliche Angabe). Schließlich – und am schlimmsten :-( – gibt es ältere MTAs, die noch an das Gute im Menschen glauben und außer dem (beliebig fälschbaren) HELO überhaupt nichts festhalten.

Alles klar? Puls und Atmung noch normal? Noch mal zum Mitschreiben: Die IP-Adresse ist nicht der Standort eines Computers, obwohl diejenigen, die an das Märchen der “Online-Durchsuchung” glauben, das anders sehen (möchten). Was könnte also passiert sein? Hat der doofe Bankräuber seine Webmail-Adresse (DAU-kompatibel: gmx, yahoo, google mail usw.) benutzt, um eine E-Mail an lka.7011@hamburg.de zu schreiben? (”Ihre Nachricht wird nur während der normalen Bürostunden gelesen.” Bankraub bitte nur während der normalen Bürostunden?) Nein, hat er nicht, dann müsste man die Pointe anders formulieren. Im Header der E-Mail wird also die IP-Adresse eines SMTP-Server gestanden haben, den man dem Internet-Café zuordnen konnte.

Was aber, wenn er ein Laptop und ein offenes WLAN benutzt hätte? Pustekuchen, mal abgesehen von denen, die wissen, wie man eine anonyme E-Mail schreibt. Der Standort eines jeden Computers kann keinesfalls so ermittelt werden. Der Satz ist schlicht grober Blödsinn.

Und jetzt zu etwas ganz Anderem.

Schön ist heute auch die Bildunterschrift einer Spiegel-Offline-Fotostrecke über die “F-35 “Lightning II”: “2009 stahlen Hacker große Mengen an geheimen Daten über das Flugzeug. In den USA wurde China verdächtigt.” Immer wenn das Wort “Hacker” in deutschen Medien auftaucht, muss man zwei Mal hinschauen und fragen: Ist das wirklich wahr? Oder wieder nur ein Hoax, ein modernes Märchen oder bewusste Volksverarschung?

Jetzt wird’s lustig – wo haben die das wieder abgeschrieben, ohne zu recherchieren? Wikipedia: “Im April 2009 kam es gemäß einem Bericht des Wall Street Journal zu einem Hackerangriff auf Daten des F-35 Projekts. Dabei wurden größere Mengen Daten aus Rechnern des US-Verteidigungsministeriums gestohlen. Laut Pentagon wurden dabei jedoch keine weitreichend sensiblen Daten kopiert.”

Die Suche nach dem ursprünglichen Tagesschau-Link führt zu Websites, die Verschwörungstheorien verbreiten, die pöhsen Chinesen stünden hinter allem und jedem Byte, das auf eine krumme Bahn gerät – also ungefähr das Niveau der antichinesischen Agitprop, die hierzulande ungefiltert in den Medien breit getreten wird.

In einem ForumGermanicum wird man fündig – dort steht noch die Tagesschau-Meldung von damals:

Unbekannte Computer-Hacker haben einem US-Zeitungsbericht zufolge das teuerste Waffenprojekt in der Geschichte des Pentagon geknackt. Die Täter hätten große Datenmengen aus den Rechnern des US-Verteidigungsministeriums kopiert, darunter auch Detailpläne des neuen Kampfflugzeugs F-35 Lightning II, berichtete das ‘Wall Street Journal unter Berufung auf Regierungskreise. (…) Im Fall des Kampfjets steht der Zeitung zufolge noch nicht fest, wie groß der sicherheitstechnische und finanzielle Schaden ist. Eingedrungen seien die Cyberspione über Schwachstellen in den Netzwerken von zwei oder drei an dem Projekt beteiligten Unternehmen. Zwar hätten die Internetspione mehrere Terabyte an Daten über Design und Elektronik des Kampfflugzeugs abgegriffen. Das geheimste Material sei allerdings sicher geblieben. Es ist demnach auf Computern gespeichert, die nicht mit dem Internet verbunden sind. (…) Pentagon-Sprecher Bryan Whitman kommentierte den Bericht mit dem Hinweis, dass nach seinem Wissen keine sensiblen Daten geknackt worden seien.”

Unter Berufung auf Regierungskreise. Offenbar. Internetspione. Ein seriöses Medium hätte die Quelle verlinkt. “Computer Spies Breach Fighter-Jet Project”, titelte das Wall Street Journal (also nicht “einem US-Zeitungsbericht zufolge” – die Tageschau verschweigt sogar die Quelle und schämt sich noch nicht mal dafür.).

Die Datendiebe sind also in ein schlecht gesichertes Firmennetzwerk eingedrungen, das mit dem des Pentagon verbunden war. “Former U.S. officials say the attacks appear to have originated in China. However it can be extremely difficult to determine the true origin because it is easy to mask identities online. A Pentagon report issued last month said that the Chinese military has made ’steady progress’ in developing online-warfare techniques. China hopes its computer skills can help it compensate for an underdeveloped military, the report said.”

Es geht also nur darum, die eigene Schlamperei, das Netzwerk betreffend, als chinesischen “Hacker”-Angriff auszugeben. Nichts Genaues weiß man ohnehin nicht, weil die Journalisten von “ehemaligen” Angestellten des US-Verteidiungsministeriums gebrieft wurden. Da die Chinesen immer besser und immer böser würden, brauchten die Militärs jetzt mehr Geld – das soll dem Leser suggeriert werden.

Ich glaube wieder mal kein Wort von dem, was in der Zeitung steht, noch nicht mal den Bildunterschriften bei Spiegel offline.

Journalismus vorgegaukelt

Jetzt werden sie wieder hypen und geifern. Spiegel offline hat das Titel-Stöckchen gehoben, über das alle mit Schaum vor dem Mund hüpfen werden: “Erfolge im Kampf gegen Kinderpornos vorgegaukelt”. Die Original-Meldung ist weniger hysterisch: “Löschen dauert lange”.

Wenn man sich vor Augen führen will, was unter “Qualitätsjournalismus” in Deutschland verstanden wird, muss man immer wieder dieses Thema bemühen. Zwei Lobby- und Pressure-Groups werden im Artikel bei Spiegel Offline genannt – der Verband der deutschen Internetwirtschaft (Eco) und Inhope, der “internationalen Dachverband der Beschwerdehotlines”. Ein Journalist würde vielleicht auf die Idee kommen, die Leser zu informieren, wer mit welchen Interessen hinter diesen Gruppen steht, damit der mündige Bürger die jeweiligen PR-Meldungen einordnen kann. Ich habe am 31. Juli 2006 über Inhope geschrieben:

Typisch deutsch ist die Internet-Beschwerdestelle. (So etwas gibt es wirklich!) “Über uns: Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimediadiensteanbieter FSM betreiben seit Jahren Hotlines zur Entgegennahme von Beschwerden über illegale und schädigende Internetinhalte.” (…) Die Mutter aller Beschwerdestellen arbeitet, wer hätte das gedacht, mit Inhope zusammen – und dort finden wir natürlich jugendschutz.net. Die üblichen verdächtigen Lobbyisten also, die Zensur und Filter befürworten. Thomas Rickert, der verantwortlich ist für den Inhalt der “Internet-Beschwerdestelle”, ist auch Präsident von “Inhope”. “Rickert leitet die ECO-Internet Content Task Force, eine deutsche Hotline, die im Rahmen von INHOPE gegen illegale Internetinhalte kämpft.” Bruhahaha. So etwas nennt man unter Luhmännern “selbstreferenzielles System”.

Diese Gruppen verbreiten allesamt heiße Luft, darüber dürfte unter aufgeklärten Menschen kein Zweifel bestehen. “Eine Kontrolle von Internetinhalten ist kaum möglich, weil sich Inhalte im Internet ständig ändern. (..) Sofern es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor illegalen und schädigenden Inhalten geht, so empfiehlt sich auch der Einsatz von Filterprogrammen”, sagt Rickert.

Darum geht es aber nicht, sondern um Moraltheologie, weil man bei Spiegel Offline und anderen Medien weiß: Bei dem Thema hört niemand genau hin. Es heisst nur: “Kopf ab zum Gebet”. Das mediale Rauschen um die Operation Heiße Luft wurde nicht zuletzt von Spiegel offline befächert – und selbstredend nicht korrigiert. Die krude “Mixtur aus Halbwahrheiten, urbanen Märchen und glatten Falschmeldungen” kann man immer noch unkommentiert einsehen. Regret the error? Nicht in deutschen Mainstream-Medien. Wo kämen wird denn da hin.

Warum finden sind kein Wort über die Tatsache, dass es in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche gesetzliche Grundlagen im Kampf gegen Kinderpornografie gibt, dass also sich immer noch einige Länder weigern, am klostertauglichen deutschen Wesen zu genesen? Die Rechtsprechung in den USA ist anders, deswegen geht man dort gegen bestimmte Inhalte, die nur in Deutschland strafbar wären, gar nicht vor. Wer das verschweigt, ist kein Journalist, sondern ein Lobbyist der profit-orientierten Zensur-Mafia.

Wikipedia darf das noch schreiben: “Manche Sexualforscher vermuten in der aggressiven Gesetzgebung gegen Kinderpornografie den Versuch sexualfeindlicher, moralkonservativer Gruppen, Pornografie allgemein zu kriminalisieren. Da dies aber wegen des politischen Klimas in westlichen Staaten oftmals nicht möglich sei, würden stattdessen Gesetze gegen Kinderpornografie forciert, die auf eine Weise geschrieben werden können, die nicht nur Kinderpornografie, sondern auch viele andere Medien mit pornografischem Inhalt, oder bloßer Nacktheit, kriminalisieren.” Diese Wissenschafter würden in Deutschland nicht ohne Polizeischutz in eine Talkshow gelassen.

“Die FDP hatte sich gegen die Zensurliste vom BKA ausgesprochen, ebenso wie die Grünen, die Linke und ein breites Bündnis aus der Zivilgesellschaft (…) Derzeit deutet viel darauf hin, dass die Hardliner in der CDU sich durchsetzen und das Sperrgesetz doch noch angewendet wird.”

Haaaaalt! Das ist jetzt kein Journalismus, Spiegel offline. Der Papst, Käßmann, die Taliban, die Zeugen Jehovas und Opus Dei sprechen sind dafür aus, dass es höhere Wesen gebe, deren Zorn man durch ritualisiertes Verhalten besänftigen müsse. Dieser “Gottesbezug” müsse den Nicht-Gläubigen aufgezwungen werden. Georg Christoph Lichtenberg, Immanual Kant, Ludwig Feuerbach, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Sigmund Freud, Fjodor Michailowitsch Dostojewski und Charles Darwin und noch ein paar andere Personen, deren Intelligenzquotient die durchschnittliche Zimmertemperatur übersteigt, hatten sich gegen die Existenz höherer Wesen ausgesprochen. Derzeit deutet viel darauf hin, dass die Verfechter frommer Legenden und des dummdreisten Aberglaubens sich durchsetzen. Das wäre doch eine Nonsens-Meldung, gelle? Die deutsche Journaille hat also gar keine Meinung, sondern denkt, die These, die Erde sei eine Scheibe, müsse gleichberechtigt neben den Erkenntnissen der aktuellen Astrophysik stehen?

Die “Diskussion” für und wider Zensur, die sich als “Kampf gegen Kinderpornografie” kostümiert, ist kein Streit zwischen Meinungen, sondern der zwischen Unfug und Vernunft, zwischen abergläubischem Regenzauber und rationalen Argumenten, zwischen hysterischem Exorzismus und kritischem Denken. Da darf man als Journalist durchaus etwas meinen.

Schreiben, was sie sie schreiben dürfen

“Was wir treiben, ist keine Wissenschaft, sondern Ansichtssache, sagte er dann, außerdem nimmt uns sowieso keiner ernst. Wir bilden Journalisten aus, die später ohnehin nicht das schreiben dürfen, was sie schreiben wollen, und nach dreißigjähriger Berufserfahrung wollen sie nur noch das schreiben, was sie sie schreiben dürfen.” Ich lese gerade Michael Krüger: “Die Turiner Komödie”.

Kachelmann: Presseskandal im Justizskandal

Via Lawblog: “Es geht darum, dass eine Journalistin einen Anwalt empfiehlt, mit dem Sie bereits ‘Geschäftsbeziehungen’ eingegangen ist und unter der Bedingung, dass dieser beteiligt, wird eine dementsprechend ‘positive’ Berichterstattung liefern würde.” (so ein Leserkommentar). Lesenswert. Man sollte aber die Kommentare genau lesen, so eindeutig ist der Fall nicht.

Oktopus Paul: Niederschlag leider nicht möglich

Bei Reuters schreckt uns eine geradezu sensationelle Meldung auf: “Arbeitgeber machen Front gegen hohe Tarifabschlüsse”. Wer hätte das gedacht!? Das muss jetzt aber in allen deutschen Mainstream-Medien herausposaunt und wiedergekäut werden, weil man draußen im Lande vielleicht der irrigen Meinung sein könnte, das Kapital und seine Charaktermasken würden ganz regelwidrig freiwillig ihren Profil schmälern, was Adam Smith, Karl Marx, Joseph Schumpeter, Milton Friedman und Ernest Mandel verhüten mögen.

Wir hatten schon durchgenommen, dass sich deutsche Medien oft von Lobby- und Interessengruppen missbrauchen und instrumentalisieren lassen, weil die betreffenden Schreiberlinge schlicht zu doof sind, um das zu merken, oder der Chef vom Dienst gerade nicht hinguckt und eine Volontärin poppt, oder weil man gern selbst Politiker sein möchte, da man dann näher an den Fleisch-und Geldtöpfen säße. Oder man begnügt sich mit dem eigenene gesunden Menschenverstand, der oft genug nur das gesunde Volksempfinden ist, auch bekannt als “Rübe ab” oder “löschen und sperren”.

So auch hier. Reuters hätte, anstatt das Gefasel des Artikels als Journalismus auszugeben, eine Pressemeldung der Kapitalistenverbände publizieren können, garniert mit ein paar leicht umformulierten Phrasen aus dem Wetterbericht. Nur leichte Bewölkung an der Lohnfront. Niederschlag (durch Streiks wegen der korrupten und zahnlosen deutschen Gewerkschaften) leider nicht möglich.

“Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass nach Jahren stagnierender Einkommen die Löhne vor allem wegen des Fehlens von Nachwuchs künftig stärker steigen werden.” Das ist ja mal eine lustige Theorie, wie der Kapitalismus an sich funktioniere. Der Satz erinnert mich an den Telepolis-Artikel: “Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vs. Oktopus Paul. Zweimal jährlich berichten alle Medien über die aktuellen Konjunkturprognosen – eine Analyse zeigt, dass diese nicht besser als der Zufall sind.”

Warum steigen eigentlich die Löhne? Dazu müsste man sich erst einmal verständigen, was der “Lohn” ist. “Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt direkt gegenübertritt, ist in der Tat nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Was letzterer verkauft, ist seine Arbeitskraft. Sobald seine Arbeit wirklich beginnt, hat sie bereits aufgehört, ihm zu gehören, kann also nicht mehr von ihm verkauft werden.” – “In der Zeit, in der der Unternehmer über den Arbeiter frei verfügt, hält er ihn dazu an, möglichst viele Waren für ihn zu produzieren. Die Differenz des Wertes dieser Waren zu dem verausgabten Arbeitslohn, der Mehrwert stellt den Gewinn des Unternehmers dar. Der Gewinn hat seinen Grund also gerade in der Abweichung des Lohns vom Wert der verrichteten Arbeit.” (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 558.)

Ganz schon kompliziert und anstrengend, gelle? Man hat den Eindruck, dass Marx beim Schreiben wenigstens nachgedacht hat, während die “Arbeitmarktexperten” (auch bekannt als Lobbyisten des Kapitals) statt der These, die Löhne stiegen durch das “Fehlen von Nachwuchs”, im Kaffeesatz hätten lesen können.

By the way: Welchen Nachwuchs meinen die eigentlich? Dass das Proletariat weniger Kinder in die Welt setzt oder dass sich die industrielle Reserverarmee verringert? Letzteres machte Sinn, da die Höhe der Löhne nichts mit dem Wert der geschaffenen Produkte zu tun hat, sondern mit der Kampfkraft der “Arbeitnehmer”, ob sie denjenigen, denen sie ihre Arbeitskraft verkaufen (also geben) und die ihre Arbeit nehmen – also die Kapitalisten (die die wahren “Arbeitnehmer” sind) -, zwingen, ihnen mehr Lohn zu geben. (Verdammt, schon wieder so ein schwerer Satz, und das am Sonntag… aber hier schreibe ich, ich kann nicht anders.)

Konkret gesagt: medialer Kindersex

Ich finde meine politische Meinung nur in zwei Holzmedien wieder, und nur das letztere lese ich auf Papier regelmäßig. Das erste ist die Jungle World und das zweite Medium ist die konkret (deren Internet-Auftritt kann man getrost vergessen, der ist nur peinlich).

Schon in der Einleitung der August-konkret habe ich mich festgelesen und köstlich amüsiert. Eine Redakteurin des “politischen Radio-Feuilleton des WDR” erkühnt sich, bei Gremliza anzufragen, ob ein Gespräch über (sinngemäß) “Israel als Hemmschuh für Obamas Politik” möglich sei. “…sollten wir in einem Vorgespräch miteinander reden.”

Wenn man Gremliza kennt, ahnt man schon, was kommt. Ihm gefällt das Thema. “Ich sehe aber nicht ein, was es da zuvor zu besprechen gäbe.” Das hätte ich selbstverständlich auch geantwortet. Entweder wollen die einen einladen – oder eben nicht. Absprachen, was zu sagen wäre und was nicht, gehören in den real gar nicht mehr existierenden Sozialismus, zu Berlusconi oder nach Nordkorea.

Oder zu deutschen Medien. “Aber so wird das nicht funktionieren”, antwortet die Redakteurin. “Ich führe immer Vorgespräche – also wir alle hier in unserer Redaktion. (…) Ich bereite das Gespräch auf, damit wir auch wirklich unterschiedliche Positionen vertreten.”

Sie hätte vermutlich auch antworten können: “Das haben wir schon immer gemacht. Wir haben Interviews schon immer autorisieren lassen, damit sich der Gefragte auch wohlfühlen kann. Wo kämen wir denn da hin.” Man riecht den “Gremienvorbehalt”, den öffentlich-rechtlichen Mief und Opportunismus, die Feigheit, eine Meinung vorkommen zu lassen, die nicht dem Mainstream entspricht, und das alles unter dem Neusprech-Deckmantel, “kontroverse” Positionen zu Wort kommen zu lassen.

Gremliza antwortet: “Sie führen immer Vorgespräche, ich nie. Das wird daran liegen, daß (sic) ich keinen Chefredakteur, keinen Programmdirektor, keinen Intendanten, keinen Rundfunkrat über mir weiß – und auch keine Redaktionskonferenz. Daß Sie, nachdem Sie mich um ein Interview gebeten haben, für das ich mich ja durch irgendwelche Äußerungen qualifiziert haben müßte, meine Meinung zum Thema ’schon vorher interessieren’ würde, ist süß. So tollpatschig hat noch keiner ihrer Kollegen sich herauszureden versucht.”

Bruhahaha. Allein diese Sätze waren die fünf Euro wert, die die konkret kostet.

Auf derselben Seite geht es gleich weiter mit Zensuralice Schwarzer (”löschen und sperren” und andere sinnfreie Sprechblasen mehr). Deren “Vereinszeitschrift” (Gremliza) hat einen zweiseitigen Artikel über Pädophilie mit uralten konkret-Titelbildern versehen aus einer Zeit, als Röhl die konkret auch zur Wichsvorlage für den sexuell verklemmten 60-er ummodelte. Die “Emma” wirft der damaligen konkret vor, sie sei “quasi der Erfinder des medialen Kindersex.”

Was lese ich in der konkret dazu? “Das Autorenverzeichnis von KONKRET weist für das Jahr 1970, den Höhepunkt in der Geschichte von Röhls medialen Kindersex, vier Artikel einer gewissen Alice Schwarzer aus, die nun die Wahl hat, ob ihr die obzöne Mischung von Marx und Lolita damals so gut gefiel, daß sie mitmischen wollte, ob sie entschlossen war wegzusehen, ob sie zu dumm war, etwas zu ahnen, oder ob sie mit Priscilly Presley (”Die nackte Kanone”) sagen will: ‘Ich war jung und brauchte das Geld.’”

Bruhahaha. Die konkret sollte man lesen. Wollen Sie so dumm bleiben, wie Sie sind?

Exekutiert Drogenhändler!

“Bei einem Gefecht mit Soldaten ist “Nacho” Coronel erschossen worden. Er war einer der Anführer des mächtigen Sinaloa-Kartells. Ein wichtiger Erfolg für die Regierung” lesen wir bei Spiegel Offline. Focus Offline nennt die Liquidation eine “Erfolgsmeldung”. N-TV formuliert: “gelang der Schlag gegen die organisierte Kriminalität”.

Wenn man jemanden erschießt, der mit illegalen Substanzen handelt, ist das also eine Erfolg versprechende Methode, den “Krieg gegen Drogen” zu gewinnen und muss in deutschen Medien gefeiert werden? Lesen wir doch mal hier nach: “Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Repression harter Drogen durch Polizei und Gerichte kaum einen Effekt auf die Drogenproduktion hat. Ebenfalls konnten keine Hinweise darauf gefunden werden, dass eine Bekämpfung des Drogenangebots irgendeine positive Auswirkung auf die Beschaffungskriminalität hätte. Der Report berichtet, dass eine Angebotsreduktion, wenn sie denn signifikant wäre, letztlich nur die Preise steigen ließe mit der Folge, dass die Drogenkriminalität noch zunimmt, da die Süchtigen mehr für ihre Drogen zahlen müssen und den Drogenbaronen höhere Profite winken.”

Man erhält den Eindruck, dass die deutsche Mainstream-Journaille ein Gedächnis hat wie eine Drosophila. Es müsste sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass der “War on Drugs”, wie ihn die Vertreter der Prohibition 2.0 propagieren, nicht zu gewinnen ist. Wer auch nur ein Milligramm Verstand im Gehirn hat, dürfte die Exekution eines “Drogenbarons” (wieso eigentlich “Baron”, Focus?) nicht als “Erfolg” verbuchen – oder müsste die – zumindest einstweilige – Erschießung der Drogenhändler auch hierzulande fordern. Es ist auch kein “Schlag” gegen die organisierte Kriminalität gelungen, weil der “Baron” in nullkommanix durch seinen Nachfolger ersetzt werden wird.

Wie ich schon irgendwo und irgendwann sagte: Mainstream-Medien heisst, das gesunde Volksempfinden als Journalismus auszugeben und dumpf und unkritisch alles nachzuplappern, was andere auch schreiben.

Enten, dreifach gebraten und gewendet, revisited

Die geneigte Leserin und der geneigte Leser werden, ähnlich wie ich, bei der Lektüre dessen, was die Holz- und Mainstream-Medien zum Thema Internet absondern, fragen, ob man nicht stattdessen ganz etwas Anderes schreiben könnte, etwa: “Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσε” oder etwa “ברוך אתה ה׳ אלהינו מלך העולם אשר קדשנו במצותיו וצונו על נטילת ידים”. Das würde sich besser anhören und genauso viel oder wenig aussagen – und man fühlte sich auch noch humanistisch-gebildet (Homer!) und moraltheologisch (Talmud!) besser nach der Lektüre… Oder vielleicht einen Psalm.

Was lasen wir vor einigen Tagen bei Spiegel Offline über “Cybercops” aus Bayern, “die auf höchstem technischen Niveau operieren”? Die werden jetzt dort eingestellt. Der Grund: Die Bösen im Internet werden immer böser. “Die Spione hacken sich meist unbemerkt über sogenannte Trojaner in die Systeme auch kleiner und mittelständischer Unternehmen und saugen Daten ab. ‘Alle zwei Sekunden wird irgendwo auf der Welt eine Schadsoftware ins Netz gestellt’, so der bayerische LKA-Präsident Peter Dahte.”

Nun, wenn das ein leibhaftiger Präsident sagt, dann muss es ja stimmen und alle Holzmedien müssen es unkritisch nachplappern, allen voran Spiegel Offline. Ich war bisher – offenbar irrig – der Meinung, die Aufgabe von Journalisten sei es, die Öffentlichkeit aufzuklären und hohle Sprechblasen aufzustechen und als das darzustellen, was sie sind – heiße Luft.

Man kurz nachgehakt: Die “Spione” machen also immer öfter diese berühmt-berüchtigen “Online-Durchsuchungen”, an denen unsere auf höchstem Niveau operierenden Sicherheitskräfte so kläglich scheitern – und nicht nur, weil ihnen das vom Bundesverfassungsgericht ohnehin verboten worden ist? Und dann auch noch mit “Trojanern”? Kann mir mal jemand erklären, wie das zielgerichtet geht? Man schickt allen Mitarbeitern einer Firma eine – natürlich unverschlüsselte! – E-Mail mit einem Attachment, was sich an sämtlichen EDV-Experten vorbeihangelt und sich auch selbst installiert, weil ja bekanntlich alle Menschen mit Admin-Status online sind und auf alles klicken und alles installlieren, was nicht bei drei auf dem nächsten Baum ist? Ganz nebenbei: Woher weiß der Dahte das mit den “alle zwei Sekunden”?

Ich sag euch was: Das ist genau so ein sinnfreies Gefasel und ein Lügenmärchen wie man es gewöhnlich vom Präsidenten Ziercke zur “Online-Durchsuchung” kennt. Wenn ich nicht so unglaublich höflich wäre, würde ich Dahte einen Dummschwätzer nennen.

Und jetzt zu etwas fast ganz Anderem. “Trojaner spioniert Kreditkarten und Bankdaten aus” – “Datendiebstahl: Bundesbehörden warnen vor Banking-Trojaner” – “Internet: BKA warnt vor Trojanern beim Online-Banking”. Undsoweiter. Die Süddeutsche im Original: “Die schädliche Software nistet sich meist beim Besuch einer infizierten Webseite auf dem Computer ein.”

Soso. Sie nistet sich. Man kann es auch ganz anders formulieren, dann wäre es gut, schön und wahr, käme aber ganz ohne die kulturpessimistische Attitude aus, dass das Pöhse überall im Internet lauere und dass man rein gar nichts machen könne ausser zu beten: “Die Nutzer eines bestimmen Betriebssystems, die keinen Gedanken an ihre Sicherheit verschwenden und ihren Browser so einstellen, wie es Bill Gates er gern hätte, und anderen Leuten erlauben, aktive Inhalte ungefragt auf ihren Rechner zu schaufeln, die laufen Gefahr, dass ihnen was passiert.” Wenn man die Wahrheit schriebe und nicht dummes Zeug wie der Regenzauber “auf jedem Computer sollten außerdem ein aktuelles Virenschutzprogramm und eine Firewall installiert sein”, dann würden sich die Leute natürlich fragen: Muss ich jeden Tag in der Zeitung lesen, dass ich, wenn ich über die Straße gehe, vorher gucken muss, ob ein Auto kommt? Pfeifen, unkritische, wie man das in Bayern grammatikalisch zu sagen pflegt. Ich reg mich wieder auf.

Und jetzt zu etwas noch ganz Anderem. “Hackerangriff Wiederherstellung der KZ-Gedenkstätten-Websites läuft”. – “KZ-Gedenkstätte Rechtsextreme hacken Buchenwald-Website”. – “Neonazis: Internetseite der Gedenkstätte Buchenwald zerstört”. – “Websites von KZ-Gedenkstätten teilweise gelöscht”. – “Entsetzen über neue Dimension rechtsextremer Aktivitäten”. – “Neonazis manipulieren Buchenwald-Internetseite”.

Ich tu euch nicht den Gefallen. Nein, ich glaube nicht, was in den Medien geschwätzt wird. Ich bin ein kritischer und mündiger Bürger und mache mir selbst ein Bild.

Ich lese die Leserkommentare bei Heise zum Thema. “1. Wie können die was von einer Internetseite löschen? Hat da jemand schlampige CGI/PHP Skripte geschieben? 2. Haben die keine Backups?” – “Das hier sagt ja wohl alles über die Kompetenz der Ersteller aus: ‘ Diese Website ist optimiert für Internet Explorer und Netscape Navigator ab Version 4. Die Vollversion benötigt das Flash-Plugin.’ Über so einen Spruch bin ich lange nicht mehr gestolpert.” (Gut, die Antwort: “Das ist ja auch eine Gedenkstätte” ist ein bisschen zu zynisch.) “Was passiert ist, die Webmaster der Gedenk-Intenetseite haben beim Thema “IT-Sicherheit” nicht aufgepasst, und ein paar rechtsradikal veranlagte “möchtegern-Hacker” haben sie ge-defaced. Dadurch wurde keinerlei Erinnerung ausgelöscht (ausser vielleicht der Log Datei des Servers, wenn die Cracker nicht ganz komplett doof waren) (…) Aber dann solche Pressestatements, und es wird offenbar das die Betreiber des Museums nicht nur von IT-security, sondern vom Web schlechthin keine Ahnung haben. Also hört auf mit dem geheule, sucht lieber nach der Sicherheitslücke, stopft sie, dann setzt den Server neu auf und spielt das letzte Backup wieder ein.” – “Netcraft Apache/1.3.28 Unix PHP/4.3.4 lief offenbar bis gestern dort. Man betreibt dort offenbar einen eigenen Server und hält sich am Motto ‘Never touch a running System’. Man hätte jemand fragen sollen der sich mit so etwas auskennt. Oder gleich Webhosting bei einem seriösen Provider buchen (…) Das es kein Backup gibt ist ebenfalls nicht zu entschuld(ig)en. Mögen euch die Hacker treffen.”

Erstaunlich bescheuert berichtet Gulli.com: “Zugang zu den Servern konnten sich die Täter mittels eines Viruses verschaffen der vermutlich schon vor der Attacke eingeschleust wurde.” Ein Virus?! “Hacker” schleusen gezielt (!) einen “Virus” ein?! Und wie machen die das? Dann sollten das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und das Bundeskriminalamt bei den angeblichen neonazistischen Hackern in die Lehre gehen, wie man “Viren” unbemerkt und irgendwie einschleust, um anschließend einen Fernwartungs-Zugriff zu haben.

Ich habe keine zwei unabhängigen Quellen für die These, dass irgendwelche kackbraunen Kameraden die Website der Gedenkstätte Buchenwald zerstört hätten. Ich kann mir auch ganz etwas anderes vorstellen. Aber das sage ich besser nicht, ich reg mich schon genug auf.

Was sich der Leser merkt

Fefe erklärt, was Online-Journalismus ist. “Man muß genug Substanz dahinter haben, dass sich der geneigte Leser stundenlang gespannt durchklicken kann. Denn das merke ich mir als Leser. Und komme wieder.”

Ich hatte so etwas schon vor längerer Zeit in “Project Xanadu reloaded” diskutiert. Das will aber keiner wissen. Die deutschen Holzmedien und das, was sich “online” schimpft, aber in Wahrheit nur gedrucktes Papier auf dem Monitor ist, werden das nie begreifen. Die German Internet AngstTM spiegelt ja auch nur das wider, was in den Köpfen der Journaille vorgeht. Ich muss immer an die drei berühmten Affen denken: Nicht hören, sehen und sprechen wollen.

Der deutsche Michel und die kultursensible Zensur

Vorabmeldung des Spiegel: “Mehr als 30 Jahre ist das Material alt, beim WDR lagert es immer noch im Giftschrank: Aufnahmen aus dem Film ‘Informationen aus dem Hinterland‘, die Undercover-Journalist Günter Wallraff in seiner Rolle als Hans Esser bei ‘Bild’ zeigen. Für ein Porträt in der Reihe ‘NRWs Beste‘ über den heute 67-Jährigen waren Filmausschnitte verwendet worden. Kurz vor Ausstrahlung mussten jedoch Szenen, die Wallraff bei ‘Bild’ zeigen, herausgeschnitten werden. Angeblich sei die Verwendung juristisch heikel. ‘Ein klarer Fall von Selbstzensur’, kritisiert Wallraff. Zudem offenbar ohne Grund. Der von Wallraff angeschriebene Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner versicherte schriftlich, dass ’seitens der Axel Springer AG gegen den Film nie juristische Schritte unternommen oder auch nur angekündigt worden’ seien. Im Gegenteil sei er ‘ein historisches Dokument’.

Dazu passt eine Meldung der Nordwest-Zeitung online: “Ministerin will Medien Inhalte vorgeben. (…) Das Ministerium verlangt, dass die Medien schriftlich erklären sollen, dass sie künftig   über Sachverhalte und Herausforderungen beim Thema Integration verstärkt berichten und informieren;   dabei eine kultursensible Sprache anwenden;   die interkulturelle Öffnung fördern;   ihre interkulturelle Kompetenz verstärken und  Projekte hierfür initiieren und künftig journalistisch begleiten. Es dürfte in Deutschland bislang einzigartig sein, dass eine Landesregierung die Medien auf gemeinsame Inhalte verpflichten will und sogar die dabei zu wählende Sprache vorschreiben möchte.”

Was ist daran verwunderlich? Diese Ministerin ist von einem Herrn Christian Wulff berufen worden, der heute Bundespräsident ist. Passt doch wie Arsch auf Eimer. Die sollte sich gleich mit der bayerischen Justizministerin zusammentun. Gleich zu gleich gesellt sich gern. Zensur findet der Deutsche an sich immer gut, immerhin haben wir den Obrigkeitsstatt und den dazu passenden kriecherischen Untertanen erfunden. Nicht zufällig nannte das Ausland uns den “Deutschen Michel” und setzte uns eine Schlafmütze auf. Feigheit und Denunziation sind Bürgertugenden und der Jugendschutzwart ein ehrenhafter Beruf.

Und keine Sorge: Deutsche Mainstream-Medien lassen bekanntlich auch Interviews “autorisieren”, damit ja kein böses Wort gedruckt und niemandem wehgetan wird. Die zensieren freiwillig und distanzieren sich nicht vom gut Gemeinten. Beispiel: Der stern finanziert Lichterkettenträger; auch die Zeit hat es versucht und sich dann leise weinend zurückgezogen.

Hanns Joachim Friedrichs’ Statement verhallt immer noch ungehört: “Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.”

Früher ging alles ruhiger zu

Nun gut. Ich reg mich nicht darüber auf, dass die Bundeskanzlerin den Unterschied zwischen Internet und World Wide Web nicht kennt. Damit ist sie nicht allein, sondern weiß soviel vom Netz aller Netze wie 99 Prozent der deutschen Bevölkerung. Jetzt aber im Originalton laut Heise: “Vor allem junge Menschen informierten sich ‘ausschließlich über das Internet’ (…) Merkels Erinnerung an früher: ‘Es ging alles ruhiger zu. Die Menschen unterhielten sich morgens am Arbeitsplatz über die gleichen Themen.’”

Man fragt sich natürlich, wer das, worüber und womit sich diese jungen Leute (wie ich) informieren, dort hineingestellt hat? Die Blogger? Oder prüfen und recherchieren die jungen Leute womöglich selbst nach, was sie in den Mainstream-Medien für Märchen und Falschinformationen vorgesetzt bekommen?

Und nun zu uns, Ossis! Dass es im Beitrittsgebiet früher “ruhiger” zuging, das glaub ich gern! Es gab nicht nur manchmal kein Klopapier und keine Bananen, sonder auch die Teilchen sausten in ihren gar nicht vorhandenen Teilchenbeschleunigern ziemlich lautlos herum, so dass Physiker wie Frau Merkel sich ganz entspannt zurücklehnen konnten. Natürlich unterhielt man sich auch über weniger Themen: Es gab ja nur zwei Fernsehprogramme!

Wirklich zu dumm, dass es dieses Internet gibt. Ist ja kein Zufall, dass es nicht die Deutschen erfunden haben, sondern die US-Amerikaner. Das ist auch gut so. Wenn die Deutschen das Internet erfunden hätten, gäbe eine keine paketorientierte Datenübertragung sondern einen behördlich kontrollierten Zentralrechner, der Frontalunterricht machte – wie die Glotze eben. Man kann nicht zurücksenden. Und das ist wirklich sehr schade.

Der Kommentar in Zeit Online zum Thema hat mir gefallen.

Jamel rockt den Förster für fünf Euro

Ich muss die gutmeinenden und lichterkettentragenden LeserInnen jetzt enttäuschen. Es kommt wieder etwas, das dem bräsigen Medien-Mainstream entgegensteht. Der Ostseeblick Nienhagen berichtet über einen Ort mit “zweifelhaftem Ruf”, der “in die Schlagzeilen geraten” sei. Jamel. Es ist etwas hängengeblieben, was genau, wissen wir nicht. Deutsche Medien stehen bekanntlich mit dem Internet auf Kriegsfuß und setzen keine Links. Dem kann ich abhelfen.

In meinem Artikel Project Xanadu, reloaded hatte ich geschrieben:

“Kompliziert sind Themen, in denen die im Netz vorhandenen Quellen mehr verraten als die Personen, die genannt werden, vielleicht wollen. Interessante – und für das Niveau der Recherchen bezeichnende – Beispiele waren die Artikel über Neonazis im mecklenburgischen Ort Jamel. Die Schweriner Volkszeitung berichtete schon am 14.10.2003, die Frankfurter Rundschau am 06.11.2003, die taz am 17.10.2003 (”Abgebrannte Häuser, aufgespießte Hühner, Wehrsportübungen”), die Jungle World am 05.11.2003, die Süddeutsche am 07.11.2003; Spiegel online holte das Thema am 16.08.2007 zum Teil wortgleich wieder hervor (”Abgefackelte Häuser, aufgespießte Haustiere, vertriebene Neubürger”), ohne die vorherigen Artikel mit einem Wort zu erwähnen. Im zweiten Teil des Artikels wir der Musiker Horst Lohmeyer genannt, der mit seiner Familie in Jamel wohnt. Lohmeyer wirbt online für seinen Forsthof – der Link sollte in einem Artikel daher nicht fehlen. Man kann sich das Anwesen von oben per Google Maps ansehen. Der Spiegel-Autor hat vermutlich nicht danach gesucht, sonst hätte er schon während der Recherche mit dem Interview-Partner diskutieren müssen, wieviel an privaten Informationen der von sich preisgeben wollte. Im Vergleich aller online auffindbarer Artikel zum Thema wird auch die Praxis fragwürdig, Namen nicht zu nennen: Spiegel Online schreibt “Sven K., 30, Abrissunternehmer, polizeibekannter Neonazi.” Dass der Mann Sven Krüger heißt, findet man mit wenigen Mausklicks.”

Eine der vielen Fragen zu der Berichterstattung über Jamel ist: Warum schreibt Spiegel Offline vier (!) Jahre, nachdem Jamel schon durchgehechelt wurde, noch einmal fast das Gleiche – natürlich ohne auch nur einen einzigen Link zu setzen?

Tut mir leid. Gut gemeint ist bei mir nicht automatisch gut. Hupen und Wäscheleine spannen gegen Rechts wirken nicht. Zentrale Frage wie gewohnt: Wo kommt die Kohle her und wo geht sie hin? Grundfinanzierung vom Fonds Soziokultur. (”Auf die Auswertung und Dokumentation der Ergebnisse und Erfahrungen wird besonderer Wert gelegt.” Schicken die die Liedtexte ein?) Und fünf Euro Eintritt. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Ein Traum wird wahr

Der Journalist Steffen Seibert wird Regierungssprecher. Da die Verehrung höherer Wesen der ultrakonservativen Form durch die Person des Bundespräsidenten quasi persönlich abgesegnet wird, passt auch Seibert wie der Arsch auf Eimer: “Er ist evangelisch getauft, konvertierte jedoch später zur katholischen Kirche.”

Roger Boyes, Deutschland-Korrespondent der Londoner Times, formulierte das so: “Die Berliner Republik kanalisiert ihre Informationen über Hintergrundgespräche und Stammtische, über informelle Netzwerke, über Vereinbarungen zwischen einzelnen Politikern und einzelnen Verlagsgruppen. Der Traum vieler deutscher Journalisten scheint immer noch darin zu bestehen, eines Tages selbst Politiker, Pressesprecher oder Redenschreiber zu werden. Der Traum jedes britischen journalisten besteht darin, einen nichtsnutzigen Politiker um seinen Job zu bringen.” (In: Berliner Journalisten 3/2005)

Die sich selbst verstärkende faktenfreie Ente, lau aufgewärmt

ente

“700.000 Euro für eine Ente” schrieb ich am 25.05.2010 in diesem kleinen onlinedurchsuchungshoaxfeindlichen Blog. Gestern wärmten der Heise-Newsticker (”CDU/CSU und SPD halten an heimlichen Online-Durchsuchungen fest”) und die taz (”BKA hält sich zurück”) [was für ein dämlicher Titel!] die wohl bekannte Ente wieder auf.

Die beiden Artikel enthalten keine Informationen – sie geben nur das sinnfreie Gefasel einiger Politiker zum Thema der real gar nicht existierenden “Online-Durchsuchung” wieder. “Gerade beim internationalen Terrorismus beobachten wir zunehmend, dass sich Personen modernster Technologien bedienen, um nicht entdeckt zu werden.” Modernste Technologien – was könnte damit gemeint sein? Terroristen nutzen das Internet? Der Satz wäre ja sinnvoll, weil für unsere Sprechblasen-Absonderer das Internet ultramodern ist (weil ihnen erst gestern ein persönlicher Referent davon erzählt hat).

“Die Rechtsextremen haben die moderne Technik entdeckt”, raunte Focus 1993. Das ist der Stand der Diskussion: Man häufe ein paar Komparative um ein vermeintliches Bedrohungsszenario, drapiere es mit kulturpessimistischer Attitude (”es wird alles immer schlimmer”) und deutschtypischer Hysterie (”die Bösen werden immer öfter immer böser”) und tröpfele noch ein wenig Eigenwerbung drauf (”der Verfassungsschutz mahn, warnt und ist besorgt”).

Aber ich schweife ab. Mich regen die “Kritiker” genau so auf: “Der verdeckte Zugriff auf Festplatten sei ‘überflüssig’ und richte ‘bürgerrechtlichen Flurschaden’ an, da er nicht einmal an einen festen Tatverdacht geknüpft sei.” Bevor ich auch nur ein Wort weiterlese, möchte ich wissen: Wie soll der so genannte “verdeckte” Zugriff auf “Festplatten” bewerkstelligt werden? Warum, verdammt noch mal, taucht diese doch nicht ganz unwesentliche Frage weder bei Stefan Krempl noch bei dem einschlägig bekannten Dampfplauderer und Nebelkerzenwerfer Christian Rath von der taz auf? Weil die Zahnpasta schon aus der Tube ist und nicht wieder hinein könnte, selbst wenn sie wollte? Wozu habe ich eigentlich das Buch geschrieben? Liest der Rath seine eigene Zeitung nicht?

Krempl und Rath, hier diese Rezension weiterlesen: “Als nächstes zeigen die Autoren, dass es sich bei der Online-Durchsuchung um ein sich selbst verstärkendes Phänomen handelt, das aus unklaren Definitionen darüber herrührte, was mit der Online-Durchsuchung eigentlich gemeint sein soll. Gepaart mit dem Mythos des allmächtigen Hackers schaukelte sich die Darstellung der Online-Durchsuchung in den Medien zu immer größeren Horrorszenarien auf, die man letztlich als nahezu faktenfrei bezeichnen kann. Die einzig gesicherten Fakten waren nur die Berichte in den Medien, nicht deren Inhalt. Aus der vielleicht noch anfangs verwendeten konjunktiven Form ‘könnte’ wurden dann konkrete Forderungen von Politikern. Journalisten stellten suggestive Fragen, ob es denn solche Fälle nicht schon längst gegeben habe, und weil man nicht genau wusste, was mit ‘Online-Durchsuchung’ gemeint ist (oder was man selbst darunter versteht) und man es mit anderen Verfahren vermischte/verwechselte, ergab sich das Bild, dass schon seit langem dieses Verfahren ohne Rechtsgrundlage abgelaufen ist. Dies Alles, gepaart mit dem fehlenden Sachverstand, führte zu dem schon genannten ‘Medien-Hype’. Beim Lesen dieses Teils des Buches kommt man aus dem Staunen über diese Vorgänge nicht heraus. Steht es so schlecht um den Journalismus in Deutschland?”

Ich zitiere mich selbst: “In Wahrheit hat es eine “Online-Durchsuchung” oder gar den “Bundestrojaner”, der seit geraumer Zeit durch die Medien geistert und sogar einen eigenen Eintrag bei Wikipedia bekommen hat, nie gegeben – und es wird ihn auch nie geben. Er ist ein Hoax und beruht auf dem mangelnden Sachverstand eines Oberstaatsanwaltes, jeweils einer Falschmeldung der taz und der Süddeutschen und der Tatsache, dass alle deutschen Medien, ohne die Fakten zu recherchieren, voneinander abgeschrieben haben. Nach dem Prinzip ‘Stille Post’ steht am Ende der Berichterstattung dann der ‘behördliche’ Hacker, vom dem am Anfang nie die Rede war.”

Ceterum censeo: Der Kaiser ist nackt! Es gibt keine ‘Bundestrojaner’!

Betrug am Leser

Was sind das doch für Feiglinge bei Zeit Online! “Am vergangenen Donnerstag saß Oliver Bierhoff vor dem Restaurant des Mannschaftshotels in Südafrika. Es sollte eines dieser vielen WM-Interviews werden. Es wurde eines, dessen Veröffentlichung der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und er selbst im Nachhinein untersagten. Es hätte zu viel – ‘inhaltlich und sprachlich’ – geändert werden müssen, lautete eine Begründung des Pressesprechers.”

Seit wann hat irgendjemand ein Recht darauf, ein Interview autorisieren zu lassen? Sind wir hier im realen Sozialismus?

Vor sieben Jahren veröffentlichte Telepolis einen Artikel zum Thema: “Neun bundesdeutsche Tageszeitungen wehren sich mit einer Aktion gegen zunehmend restriktiv gehandhabte Interview-Autorisierungen, Besserungen sind wohl nicht zu erwarten”. Die taze nannte die typisch deutsche Unsitte der Autorisierung “Betrug am Leser”. Zu Recht. Geändert hat sich nichts.

Als ich noch Chefredakteur des Medienmagazins Berliner Journalisten war, habe ich es schlicht verboten, Interviews autorisieren zu lassen. Wer nicht druckreif reden kann, sollte das Maul halten. Man kann auch glasklar zwischen einem Hintergrundgespräch, vom den nichts publiziert wird, und dem eigentlichen Interview trennen.

“Zu den Regeln, auf die Politiker bei Presse-Interviews pochen, gehört die nachträgliche Autorisierung des Gesprächs”, schrieb taz. Wer hat denn die Regeln aufgestellt? Niemand. Es war die Feigheit der deutschen Journaille – und ist sie immer noch. Kein Journalist im angelsächsischen Sprachraum würde so etwas tun. Wenn hierzulange keiner mitmachte, könnte sich kein Politiker oder Pseudo-Promi erlauben, zu herumzuzicken wie jetzt Bierhoff. Selbst schuld. Die heuchlerische Attitude von Zeit Online entlarvt sich selbst.

Fragen an die Medien-Redakteure der Berliner Zeitung und der taz

Die Berliner Zeitung lässt sich von Gegnern des venezolanischen Präsidenten Chavez instrumentalisieren und publiziert einen Text, der schon am 28.05. fast identisch in der tazzu lesen war. Aus einer Journalisten-Mailingliste: “Der Medienredakteur der taz hatte danach mächtig zu tun, seine aufgebrachten Leser in den Blogs zu beruhigen. Da ging es selbst für taz-Verhältnisse derbe ab.” Die Kommentare der taz-LeserInnen sind lesenwerter als die Propaganda-Artikel der taz und der Berliner Zeitung von heute. Hier ein paar Zitate:

“Ein Fernsehsender mit Sitz in Miami, der sich mit den Putschisten gegen Chavez solidarisierte, der bekam Schwierigkeiten? Und eine Regierung, die eine mediale Vorherrschaft anstrebt? Es gibt ja sogar Länder, in denen Regierungssprecher zu Intendanten werden, wie beim BR. Man stelle sich vor, deutsche Regierungskontrolle über Rundfunkräte wäre Vorbild für Venezuela! Empörend.”

“Es wäre interessant zu wissen, was geschehen würde, wenn in Deutschland ein Rundfunksender dazu aufrufen würde, die Regierung zu stürzen oder z.B. unterstellen würde, dass die Regierung mit der ETA zusammen arbeitet.”

“In Deutschland verbietet die Regierung übrigens auch Fernsehsender: Den kurdischen Kanal “Roj TV” zum Beispiel, obwohl der nicht einmal gegen die deutsche Regierung sendet, sondern gegen die türkische.”

“Viele private Medien ihrerseits unterstützten 2002 offen die Putschisten, die Chávez für 48 Stunden aus seinem Amt entfernten. Auch RCTV.”

“Ich möchte mal sehen was hier passieren würde, wenn die privaten Fernsehsender offen einen Putsch unterstützen und während auf den Straßen die Panzer auffahren im TV 24 Stunden am Tag Rosamunde Pilcher zeigen würden. Wenn das schief ginge – so wie in Venezuela – wären Pro7 und Konsorten aber ganz schnell dicht und die Verantwortlichen hinter Gittern. Und das zurecht.”

Nächste Einträge →