Irgendwas mit Medien, Aktualität und Neusprech

Ich empfehle den medienkompetenten wohlwollenden Lesern und geneigten Leserinnen einen Artikel von RT Deutsch und setzte selbstredend voraus, das eben diese sich eine Meinung selbst bilden können: „Recherche: Hillary Clinton verantwortlich für Saringas-Geheimoperation und Tod Tausender Syrer“. In Wahrheit stammt die Geschichte schon aus dem Jahr 2013: „Top US and Saudi Officials responsible for Chemical Weapons in Syria“ – RT Deutsch hat das jetzt noch einmmal hochgekocht und gibt es als „aktuell“ aus. Neu ist nur ein Interview mit Seymour M. Hersh auf alternet.org.

Ich habe natürlich die Quellen geprüft. Seymour M. Hersh hat seine Thesen auch schon in „Whose Sarin?“ (2013, London Review of Book) und „The Red Line and the Rat Line“ (2014, dito) erläutert. Ich gaube nichts, was nicht von drei unabhängigen Quellen bestätigt werden kann. Es bleiben Zweifel, auch wenn es sich um einen kritischen, mit Preisen überhäuften Journalisten handelt. Anonyme Quellen sind nützlich und erlaubt, aber deren Aussagen bleiben dann nicht verifizierbar.

Und nun zu etwas ganz anderem: Spiegel online enthüllt: „Milliardenkredite für Griechenland retteten vor allem Banken. (…) Weniger als fünf Prozent der Milliardenkredite kamen laut einer Studie im Haushalt an – mit dem Rest wurden europäische Banken gerettet.“ Das überrascht mich aber jetzt.

Das wird die Mainstrem-Medien trotzdem und weiterhin nicht daran hindern, affirmatives Neusprech wie „Hilfsprogramme für Griechenland“ zu benutzen.

By the way: Lügenpresse. Ich habe mir gerade von Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung gekauft. Warum stellt man in den Medien immer so komische Fragen? „Die Presse“ war noch nie unabhängig oder objektiv – wie sollte sie das sein? Die Medien verbreiten im Kapitalismus natürlich die Sicht der herrschenden Klasse aus der Perpsektive der „Kleinbourgoisie“, also derjenigen Schicht, aus der die meisten Journalisten stammen. (Sorry für die altertümliche marxistische Ausdrucksweise, aber der Euklidische Algorithmus ist auch schon 2000 Jahre alt und stimmt immer noch.)

Natürlich „lügt“ die gemeine Presse, aber nicht so, wie sich die kackbraunen Kameraden, die das brüllen, vorstellen.

Kein Geschäftsmodell, nirgends

Franz Sommerfeld fasst auf meedia.de noch einmal zusammen, was zusammengefasst gehört: „Es ist die Frage, die nach wie vor alle in der Tageszeitungsbranche umtreibt: Wie umgehen mit der Digitalisierung? In einem Gastbeitrag beschreibt Franz Sommerfeld, der frühere Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und ehemalige Vorstand bei DuMont, die existenziellen Probleme der Gattung Tageszeitung mit dem Digitalen. Und zeigt auf, was die News-Branche von der Industrie lernen kann.“

In gutem Deutsch lautete das:
Wie geht man mit der Digitalisierung um? Das fragt sich die Tageszeitungsbranche. Franz Sommerfeld hat Antworten. Er war Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und Vorstand bei Dumont und kennt die Probleme der Tageszeitungen mit dem Digitalen. Er erklärt in einem Gastbeitrag, was die News-Branche von der Industrie lernen kann.

Schöner verlegen

Übermedien: „Schöner Verlegen – mit dem Geld anderer Leute“.

Die Preise von Kopierern, USB-Sticks, Smartphones usw. enthalten eine Vergütung für das Recht, private Kopien von urheberrechtlichen geschützten Werken anzufertigen. Dieses Geld steht nach deutschem und europäischem Recht den Urhebern zu: als Ausgleich dafür, dass sie es hinnehmen müssen, dass ihre Werke für den privaten Gebrauch vervielfältigt werden.

Die Verwertungsgesellschaft VG Wort, die dieses Geld ausschüttet und von Verlegern und Urhebern gemeinsam gegründet wurde, beteiligt aber seit ehedem auch die Verleger mit pauschalen Anteilen zwischen 30 und 50 Prozent an diesen Tantiemen.

Und damit ist es jetzt vorbei. Beim Frühstück gelesen und gleich gute Laune gekriegt. Vgl. das Urteil des Bundesgerichtshofes: „Keine pauschale Beteiligung von Verlagen an den Einnahmen der VG Wort“ und die Stellungnahme des Klägers.

Und jetzt? SPD und CDU wollen das Gesetz ändern, weil ihnen die Rechtsprechung nicht passt. Kennen wir ja schon.

Hommage an Sodom und Gomorrah

Lesenswert in der taz: „Kotti, mon amour“.

„When yo u ’re alone and life is making you lonely. You can always go – downtown“ – so besang Petula Clark den Reiz des Urbanen, 1964 war das, und der Song kann auch als eine Antiode an die Ödniss der Vorstädte verstanden werden. Etwa zur gleichen Zeit entstand nun in Berlin eine Städtelandschaft, die man auch als eine Hommage an Sodom und Gomorrah interpretieren kann: die Gegend um das Kottbusser Tor im Stadtteil Kreuzberg.

Diskurs (!) der neuen und gebildeten Mittelschichten („Hommage“, „Antiode“): Der Autor setzt voraus, dass die Leser Englisch und Französisch („mon amour“) können, dass popkulturelles Wissen existiert (Wer zum Teufel ist Petula Clark?) und mischt das mit dem gefühlten Jargon der Unterschichten: „Die kleinen Ärsche werden zuerst gefickt“. Als rhetorisches Stillmittel ist das alles gut und erlaubt. In Boulevard-Medien wäre das verboten, weil ein großer Teil der Leserschaft ausgeschlossen würde. Für die sozial homogene Leserschaft der taz passt es. („Loblied auf Sodom und Gomorrah“ gefällt mir besser als Titel – und das versteht auch jeder.)

„Wer nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben.“ (Goethe) Der Artikel der taz kommt in meine Sammlung pädagogisch wertvoller Beispiele zum Thema „Deutsche Sprache und Stil“; die Studenten werden es mir hoffentlich danken.

Heute heiter

Jan Böhmermann (Vorsicht! Facebook!):
Daher habe ich mich entschlossen eine kleine Fernsehpause einzulegen, damit sich die hiesige Öffentlichkeit und das Internet mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge wie die Flüchtlingskrise, Katzenvideos oder das Liebesleben von Sophia Thomalla konzentrieren kann. (…) Wenn selbst Beatrix von Storch auf einmal mit erhobenem Mauszeiger auf Seiten der Satire kämpft, über wen soll ich dann noch Witze machen? Nicht auszudenken, wenn sich auch noch Til Schweiger zwischen zwei Flaschen Emma Cuvé aus dem mallorquinischen Frühling melden würde, um mir beizustehen…

Dazu Peter Glaser: „Moderne Heiterkeit“: „Humorlosigkeit ist, nebenbei gesagt, ein zuverlässiges Merkmal, an dem man Fundamentalismus jeder Schattierung erkennen kann.“

Böhm…äh…wer?

Alle haben schon etwas zu Böhmermann gesagt, nur ich nicht. Das geht ja gar nicht.

Deniz Yücel verweist auf die taz: „A wie Aufmerksamkeit: ist alles, was Böhmermann will. Alle anderen, die sich zu Böhmermann äußern, tun das nur, weil das, was sie sagen, wichtig ist.“ Doris Akrap mit einem wunderbaren ABC. Bei „Z wie Ziegenficker“ habe ich etwas gelernt: Die werden in der Türkei (bislang) strafrechtlich verfolgt, in Deutschland nicht.“

Dann gibt es noch Kai Dieckmann. Ich find’s grandios.

Sie meinten es todernst

RT Deutsch: „BILD fällt auf 1. April-Scherzartikel von RT Deutsch rein“. Har har.

Beleidigte Majestäten oder: Satire darf … ähm… alles

Jost Müller-Neuhof im Tagesspiegel über den „Fall“ Böhmermann: „Die Pointe? Kommt gerade, indem sich die Staatsanwälte mit ihm befassen, wegen eines archaischen Delikts, das die globale Majestätsbeleidigung unter Strafe stellt und als Kotau vor den Türken auf mehreren Ebenen amtlich verfolgt werden muss. Mitten im ach so modernen Deutschland, ein Beleidigungsstrafrecht mit Feudalcharakter. Die Truppe von Extra Drei tritt Herrn Erdogan vors Schienenbein, Böhmermann weckt auf.“

Willkommen in Panama, revisited [Update]

panama

Die Grenze zwischen Costa Rica und Panama, Dezember 1981. Das dürfte ungefähr hier auf der Panamericana gewesen sein – kurz vor der Stadt David.

Die Sueddeutsche hat einen Scoop gelandet – mit Ansage vor einem Jahr. (Alle anderen schreiben nur ab.)
Vor über einem Jahr kontaktierte eine anonyme Quelle die Süddeutsche Zeitung und übermittelte auf verschlüsseltem Weg interne Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca. Eine Firma, die weltweit anonyme Briefkastenfirmen verkauft, mit deren Hilfe sich wiederum so ziemlich alle Geschäfte verschleiern lassen. Auch die schmutzigen. (…) Die Quelle verlangte dafür kein Geld und keine Gegenleistung, außer ein paar Maßnahmen zur Sicherheit.

Die Daten geben einen seltenen Einblick in eine Welt, die eigentlich nur im Verborgenen existieren kann. Sie belegen, wie eine globale Industrie, angeführt von großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, die Besitztümer von Politikern, Fifa-Funktionären, Betrügern und Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten und Sport-Stars in aller Verschwiegenheit verwaltet.

Man lese dazu auch Markus Kompa auf Telepolis: „Panama Papers: Wie objektiv ist die Recherche?“

Ich habe den Artikel der Sueddeutschen genau durchgelesen, dabei fielen mir ein paar merkwürdige Dinge auf.
Rund 400 Journalisten von mehr als 100 Medienorganisationen in rund 80 Ländern recherchierten in den vergangenen zwölf Monaten in den Dokumenten.

Alte Journalisten-Weisheit: Einer plaudert immer. Das gilt natürlich auch für Journalisten:
Hauptsächlich handelt es sich um E-Mails, PDFs und Fotodateien sowie Auszüge aus einer internen Datenbank von Mossack Fonseca. (…) Bereits vor gut zwei Jahren hatte ein Whistleblower den deutschen Behörden interne Daten von Mossack Fonseca verkauft. (…) Dadurch war es den SZ-Journalisten aber möglich, einen Teil der Dokumente abzugleichen.

Die Journalisten glichen also die von den Behörden (!) gekauften Daten mit den neuen Dokumenten ab? Interessant.
In der Folge erklärten sich die Commerzbank, die HSH Nordbank sowie die Hypovereinsbank wegen der Geschäfte mit Mossack Fonseca zu Strafzahlungen in Millionenhöhe bereit.

mossack fonseca

Für mich sieht es so aus, als wenn die Daten, die im letzten Jahr an zahlreiche Behörden verkauft (!) worden waren, jetzt – umfangreicher – auch die Medien erreicht haben – für lau. Spiegel online bestätigt dax indirekt: „Bei dem Geschäftsmann handelte es sich in Wahrheit um den EU-Abgeordneten Fabio de Masi (Linke). Anfang März machte er einen verdeckten Anruf bei Mossack Fonseca (…). Sie zeigt, dass die Kanzlei bis in die jüngste Vergangenheit für Anfragen deutscher Steuervermeider offen war. Dabei muss man in Panama zu diesem Zeitpunkt längst geahnt haben, was auf die Kanzlei zukommt.“

Ich bin übrigens schon gestern auf das Thema aufmerksam geworden – durch Haaretz.

Die Süddeutsche Zeitung nutzte hierfür das Programm Nuix, mit dem auch internationale Ermittlungsbehörden arbeiten. Auf hochleistungsfähigen Rechnern brachten die Süddeutsche Zeitung und das ICIJ Millionen Dokumente in eine maschinenlesbare – und vor allem leicht durchsuchbare – Form. Dieser Prozess nennt sich „optical character recognition“ (OCR), optische Zeichenerkennung.
Schade, dass die Sueddeutsche die Vorteile des Online-Journalismus nicht nutzt und uns die Links vorenthält (was ich hiermit nachholen).

„Nuix started in the year 2000, when a group of computer scientists got together with an idea: a processing engine for unstructured data, the New Universal Intelligence eXchange (NUIX). They probably didn’t realise how important this idea would be in the future. They certainly couldn’t imagine how much data organisations would come to rely on – which now measures terabytes and petabytes.“

Ich habe mir mal eine Demo bestellt – aber von Preisen lese ich nirgendwo etwas. Und eine verschlüsselte E-Mail kann man auch nicht schreiben.

Regierungen nutzen ein Feature der Banken im Kapitalismus, um Geld am Fiskus vorbei verschwinden zu lassen? „Der Besitz einer Offshore-Firma ist für sich nicht illegal. Es gibt auch eine Reihe von Geschäften, für die es logisch erscheint, zu einer Offshore-Firma zu greifen.“ Wer hätte das gedacht!

Auch das gemeine und dumme Volk wusste das schon und wählt trotzdem eine so genannte „Alternative“ für Deutschland, die zum Beispiel die betriebliche Unfallversicherung abschaffen und natürlich den Arbeitsmarkt noch mehr „flexibilisieren“ aka die Löhne senken will.

[Update 1] Was die AfD damit zu tun hat? Die Leute regen sich über Flüchtlinge auf und wollen die Rechte der Arbeiterklasse beschneiden, anstatt Steuerhinterzieher und die korrupten Vertreter der herrschenden Klassen zur Rechenschaft zu ziehen. Das nenne ich das „Radfahrer-Syndrom“: Nach oben buckeln und nach unten treten. Typisch deutsch eben und typisch AfD-Wähler.

[Update 2] Interessant zum Thema:
Telepolis: „Was steckt hinter den „Panama Papers“? Oder auch Craig Murray: „Corporate Media Gatekeepers Protect Western 1% From Panama Leak“
The leak is being managed by the grandly but laughably named “International Consortium of Investigative Journalists”, which is funded and organised entirely by the USA’s Center for Public Integrity. Their funders include
Ford Foundation
Carnegie Endowment
Rockefeller Family Fund
W K Kellogg Foundation
Open Society Foundation (Soros)
among many others. Do not expect a genuine expose of western capitalism. The dirty secrets of western corporations will remain unpublished.

Jacobin: „The Panama Papers and the corruption of capitalism“
The Guardian: „How to explain offshore banking (and when it is naughty) to a five year old“ sowie dito: „All mention of Panama Papers banned from Chinese websites“
ICIJ: „Stairway to Tax Heaven“

Bleiben sie uns gewogen

medien

Telepolis: „Regierungsfromm, tendenziös, defizitär, agitatorisch, propagandistisch und desinformativ: Die ehemaligen NDR-Mitarbeiter Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam kommen im Telepolis-Interview zu einem vernichtenden Urteil, was die Fernsehberichterstattung angeht. Von einigen Lichtblicken einmal abgesehen, attestieren Klinkhammer und Bräutigam den Öffentlich-Rechtlichen eine schwere Schlagseite im Hinblick auf den Informationsauftrag, der den Sendern zukommt.“

Lesenswert, zumal hier auch über die möglichen Ursachen geredet wird:
Die sozialen Bedingungen haben sich sukzessive verschlechtert (…). So wurden z.B. weitgehende „Privatisierungen“ von Programmteilen veranlasst. Irrsinnigerweise wurden die Talk-Shows sogar für Millionen-Summen an Drittfirmen ausgelagert, obwohl jeder weiß, dass das Talk-Format zu den preisgünstigsten TV-Produktionen zählt.

Der Betrieb wurde auf die „aktuelle Berichterstattung“ zurechtgestutzt. Eigene Ressourcen wie unabhängige Fachredaktionen und produktionstechnisches Know-how wurden aufgegeben und außerbetriebliche Abhängigkeiten geschaffen. Parallel dazu wurden unbefristete Arbeitsverhältnisse abgebaut und zeitvertragsgebundene Arbeitnehmer eingestellt.

Über Nachrichtenagenturen als Quellen:
Das Textmaterial ist von mäßigem, oft sogar außerordentlich fehlerhaftem Deutsch. Wer möglichst schnell „auf dem Markt“ sein will, kann keinen Zeitaufwand für geschliffene saubere Sprache treiben. ARD-aktuell verwendet rechnergesteuerte Textverarbeitungssysteme.

Ich halte nichts von Kulturpessimismus, die Medien betreffend. Es war noch nie anders, nur dass heute Anspruch und Realität sichtbar auseinanderklaffen und die Rezipienten dank des Internet Alternativen haben.

Wenn man sich das Gekeife der Mainstream-Medien zur Zeit der Studentenbewegung, der RAF, der Hausbesetzer in Berlin anschaut: Von Fairness und Objektivität keine Spur, nur Hetze. Und das ist schon Jahrzehnte her. Warum sich also gerade jetzt aufregen?

Porreeauflauf in Zeiten des Krieges

Porree

Foto: Porreeauflauf mit Schinken und Käse (Hausmannskost) à la Burks

Wenig Zeit. Ich empfehle zur Lektüre: Übermedien: „Im Panikorchester“.

Jetzt muss ich an die Medienkompetenz der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser appellieren. Bitte vergleichen unter journalistischen Gesichtpunkten – audiatur et altera pars u.v.a.m.! Neue Zürcher Zeitung: „Terror – der Gehilfe der Diktatoren“ und Telepolis: „Syrische Armee nimmt strategisch wichtige Anhöhe vor Palmyra ein“.

Unter Sozialunternehmern

Zeit Online nimmt sehr schön die Berichterstattung auseinander: Warum konnten in Berlin Flüchtlinge nicht in Hotels untergebracht werden, obwohl das vermutlich sogar finanziell vernünftig gewesen wäre? „Daran sind auch die Medien schuld.“

Brave New World oder: Search Engine Manipulation Effect

Aeon (via Fefe) berichtet über den „Search Engine Manipulation Effect“.

We are living in a world in which a handful of high-tech companies, sometimes working hand-in-hand with governments, are not only monitoring much of our activity, but are also invisibly controlling more and more of what we think, feel, do and say.

Ave!

Liebe Kollegin Susanne Doerry (Produktionsassistenz Xenius)!

Sie schrieben mir eine unverschlüsselte E-Mail, obwohl ich Sie vorab telefonisch darauf hingewiesen hatte, dass ich das nicht wünsche. Im Impressum meiner Website steht unmissverständlich: „Wenn Sie mir unverschlüsselte E-Mails (elektronische Postkarten) schicken, stimmen Sie automatisch zu, dass ich den Inhalt journalistisch verwende und eventuell publiziere.“

Sie arbeiten für die „AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion“ und an „einer Dokumentation über den Chaos-Computer-Club für ZDFinfo“. Sie suchten den Urheber eines Fotos von Boris F. – „da Sie das Bild in dem Youtube-Video „Tron-Der Mord an Tron, dem Computer Genie Boris F.“ (Am Anfang und am Ende des Videos) verwenden“. [Rechtschreibung im Original]

Well, that’s a bit of a problem, wie man laut Hollywood in Sparta zu sagen pflegte. Ich bin doch sehr erstaunt, dass ich ein Urheber eines Youtube-Videos über den „Mord“ an Tron sein soll. Als Autor ist dort unstrittig ein „Winfried Sobottka“ angegeben, der sich – wenn man die Themen seiner Uploads ansieht, offenbar gern auch mit anderen ernsthaften Dingen beschäftigt, zum Beispiel mit folternden und mordenden Satanisten in Deutschland.

Vermutlich kennen Sie auch mein Buch zum Thema „Tron“ nicht. Das ist verständlich, da es dazu einer Recherche bedurft hätte, die man nicht jedem zumuten kann, allein schon wegen des damit verbundenen Zeitaufwands. Ich vertrete dort die These, dass es sich bei dem Tod des Boris F. um einen Suizid handele und dass der Chaos Computer Club Verschwörungstheorien verbreite, von denen er seitdem offiziell nie abgerückt ist.

Der Computer-Experte Dr. Markus Kuhn (University Cambridge) schrieb 2002 auf die Anfrage der Los Angeles Times: „The German journalist Burkhard Schröder wrote a book on the case. I think that both his presentation of the case and the conclusions he maked are the most sensible ones that I have seen so far, therefore I’d like to refer you to him as a more well-informed source.
Do you think his death was a suicide?
From all I know, this seems to be the most plausible hypothesis.
Why do so many people think he was killed, even if it’s unclear by who?
Lack of an obvious motive, plus he was affiliated with the Chaos Computer Club in Berlin, a highly media-active association that includes quite a number of conspiracy theory enthusiasts.“

Die Vertreter des Chaos Computer Clubs werden Ihnen sicher auch nicht mitteilen, dass ich seitdem persona non grata dort bin, auch nicht die Gründe dafür.

Der Geschäftsführer der AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH – ein Medienunternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck – ist M. Walid Nakschbandi. Vor rund einem Jahrzehnt, als ich Chefredakteur des unabhängigen Medienmagazins „Berliner Journalisten“ (heute: Nitro) war, bat ich den Kollegen Nakschbandi um ein Gespräch | Interview | einen Beitrag, was dieser rundheraus ablehnte.

Um es mit Herbert Wehner, auch bekannt als Thomas Freitag, zu sagen: „Ich bin nicht nachtragend, aber ich vergesse nicht“.

Aus den oben genannten zahlreichen Gründen sehe ich mich zu meinem Bedauern außerstande, Ihnen bei dem zu helfen, was Sie irrig „Recherche“ nennen.

Denken die überhaupt?

Fefe: „So klar habe ich noch nie gesehen, dass die Zeitungen alle demnächst tot sein werden. (…) Ich meine, das ist ja keine neue Einsicht, dass man in den Massenmarkt gehen muss, nicht in den Nischenmarkt, wenn man langfristig gut Geld verdienen will. Was denken die sich denn da alle?“

Well said.

Einfach nur blöde oder angepasst

Rudolf Stumberger in Telepolis: „In der Tat sieht Müller [Nachdenkseiten] gerne koordinierte Aktionen der Medien am Werk, er kann sich einfach nicht vorstellen, dass Journalisten und Chefredakteure auch einfach nur blöde oder angepasst sein können.“

Das unterscheidet mich zum Beispiel von Müller.

Qualitätsjournalismus, revisited

„In einem Facebook-Posting hatte Pretzell erklärt, Lachmann habe von der AfD 4000 Euro pro Monat für seine Beratungsdienste verlangt. „Herr Lachmann wollte zwar die AfD und Jörg Meuthen beraten, aber er wollte seinen Job als Journalist bei ‚Die Welt‘ nicht aufgeben und dort weiter verantwortlich sein für die Berichterstattung über die AfD“, so Pretzell.“ (Spiegel online)

Man kann das auch so sehen: Alle Beteitigten sind total bekloppt.

Miscellaneous oder: The hateful Burks

idioten

Natürlich kann man sich jeden Tag Katzenvideos oder Eulenfotos ansehen. Oder auch einen Vertrag, den Hillary Clinton abschließt, wenn sie eine Rede hält (via Intercept). Oder wüssten Sie gern mehr über die Wurminfektionen der Wikinger? Oder was von Europa übrigbliebe, wenn alles Eis schmölze? (Alternative). Hört mir überhaupt jemand zu?

Und was ist, wenn wir das alles gesehen habe? Ändert das was? Brauche ich gefühlt 9876 Postings auf Fratzenbuch, die sich irgendwie gegen eine gerade aktuelle modernisierte Nazi- und Volkswirtschaftler-Partei aussprechen? Seit wann ändern Medien Meinungen? Und muss ich genau so viele Fotos deren Führerin ansehen? Nein, ich gucke weg.

Übrigens werde ich mir in den nächsten Tagen selbstredend The Hateful Eight ansehen.

Propaganda und Gegenpropaganda

Die Neue Zürcher Zeitung haut das ZDF in die Pfanne: „Das russische Staatsfernsehen beschuldigt das ZDF, einen Dokumentarfilm über einen «freiwilligen» Kämpfer in der Ostukraine fabriziert zu haben. Eine unabhängige Recherche bestätigt einen Teil der Vorwürfe.“

Anonymer Reichtum

Die Taz ruft zum Klassenkampf klärt über Fakten auf:
Die Reichen werden reicher, die Mittelschicht verliert. Die Zahlen, die gerade für mediale Aufregung sorgen, sind zwar nicht taufrisch. Aber man kann es nicht oft genug sagen: In Deutschland besitzen die obersten 10 Prozent mehr als die Hälfte des Volksvermögens. Gleichzeitig hat die ärmere Hälfte nichts. Viele Deutsche glauben zwar, dass sich Leistung lohnen würde. Doch Deutschland ist eine brutale Klassengesellschaft.
Es ist sogar noch schlimmer, als es die offiziellen Zahlen zeigen. In Wahrheit dürften die obersten 10 Prozent über mindestens 62 Prozent des Volksvermögens verfügen – und das reichste Hundertstel dürfte bereits ein Drittel aller Besitztümer kontrollieren. Genaues weiß man nicht: Reichtum ist anonym in Deutschland.

Dürfte? Ach ja? Haben wir denn nicht so genannte „Wirtschaftsjournalisten“ wie den rechtspopulistischen und Kapitalismus-affinen Herrn Tichy? Haben wir keine Wirtschaftsteile in deutschen Medien, die so etwas aufklären könnten? Was machen die den ganzen Tag? Den Kapitalismus schönreden? Quod erat demonstrandum.

Ach ja, da war noch Uwe Krüger mit seiner unangenehmen Medienforschung: „Ganz auf Linie mit den Eliten“ sind sie, die „führenden“ Journalisten. Und die anderen hoppeln brav hinterher.

Nein, eine „Lügenpresse“ ist nicht nötig. Es reicht die Schere im Kopf, bestimmte Fragen einfach nicht zu stellen. Fragen Sie den Esoteriker Volkswirtschaftler Ihres Vertrauens von der so genannten „AfD“.

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