No Pardon for The Washington Post

Die Washington Post macht sich gerade total lächerlich. Glenn Greenwald schreibt: „WashPost Makes History: First Paper to Call for Prosecution of Its Own Source (After Accepting Pulitzer). … the Post editorial page today not only argued in opposition to a pardon, but explicitly demanded that Snowden — the paper’s own source — stand trial on espionage charges or, as a ’second-best solution,‘ accept ‚a measure of criminal responsibility for his excesses and the U.S. government offers a measure of leniency.’”

Oh Mann. Wie bescheuert sind die denn?!

Chapeau, Lustig!

Ich las Henryk M. Broder über vom Himmel fallende jüdische Feiertage, schmunzelte, sah dann den Hinweis auf Victor Lustig und kringelte mich. Chapeau, Herr Lustig, YMMD! Wer den Eiffenturm verkauft und Al Capone betrügt, kann kein ganz schlechter Mensch sein.

Hier sind Lustigs Ratschläge für den ambitionierten Herrn (gelten auch für Journalisten, die Interviews planen):
1. Be a patient listener (it is this, not fast talking, that gets a con-man his coups).
2. Never look bored.
3. Wait for the other person to reveal any political opinions, then agree with them.
4. Let the other person reveal religious views, then have the same ones.
5. Hint at sex talk, but don’t follow it up unless the other fellow shows a strong interest.
6. Never discuss illness, unless some special concern is shown.
7. Never pry into a person’s personal circumstances (they’ll tell you all eventually).
8. Never boast. Just let your importance be quietly obvious.
9. Never be untidy.
10. Never get drunk.

Immer schön sauber bleiben

Don Alphonso im Faz-Blog über Hatespeech und Zensur. Ich teile seine Meinung weitgehend. Ich bin radikal links. Just saying.

Berichterstattung: Die „Wahrheit über Aleppo“

Telepolis stellt Fragen, die offenbar sonst niemand stellt. Vielleicht sollten die Mainstream-Medien, wenn es um Syrien geht, immer in Klammern „embedded journalism“ zufügen.

Scripted Reality oder: Pommesbude und Muskelbank

Pommesbude und MuskelbankNeulich las ich Britta Steinwachs‘ Zwischen Pommesbude und Muskelbank: Die mediale Inszenierung der „Unterschicht“..

Die schlechte Nachricht zuerst: Das Buch ist in einem schrecklichem Wissenschafts-Jargon verfasst (vgl. Ausriss unten), dazu auch noch – völlig überflüssig! – in Gendersprech geschrieben (vgl. das Interview: Steinwachs kann nicht so geredet haben, weil Gender-Unterstriche in Gesprochenem nicht vorkommen), womit sich die Verfasserin als Teil eines ganz bestimmten sprachesoterischen Milieus outet.

Für Menschen, die das nicht gewohnt sind, ist das Buch unleserlich und nicht verständlich. „Wenn wir etwas mit Mühe lesen, so ist der Autor gescheitert“. (Jorge Luis Borges) Es kann mir niemand erzählen, dass es nicht auch anders ginge. Nur macht es dann Mühe; gut, das heißt verständlich zu schreiben, ist ein Handwerk, das man erlernen sollte.

Die gute Nachricht: Der Plot ist spannend und interessant; man lernt auch etwas, wenn man sich bis zum Schluss durchkämpft – Kaufempfehlung jedoch leider nur für Medienwissenschaftler und einschlägige Berufsgruppen und Leute, die sehr schnell lesen können. (Das hätte die Autorin anders haben können.) Der Inhalt umfasst nur rund 100 Seiten, der Rest sind Anmerkungen, Anhang usw..

Pommesbude und Muskelbank

Die Moral von der Geschicht‘: Die „neue Unterschicht“ (also das deklassierte Proletariat und/oder die industrielle Reserverarmee) wird in den Medien als Milieu inszeniert, das verwahrlost und passiv ist. Wer nicht arbeiten will, ist böse. („Im Original: „moralisierende Delegitimierung nicht-werwerbstätoger Lebensformen“.)

Wer arbeitslos ist, ist selbst schuld und kann das nur ändern, indem das Verhalten der Norm der Mittelschicht angepasst wird. In der Serie „Familien im Brennpunkt“ interveniert und korrigiert letzlich und oft der Staat (Jugendamt, Polizei usw.). Ungleiche Chancen auf Bildung seien kein „strukturelles“ Problem, sondern Resultat individuellen Fehlverhaltens.

Die Mitglieder der so genannten „Unterschicht“ werden moralisch diskreditiert – das wiederum ist typisch für Journalisten und Medienarbeiter, die zur übergroßen Mehrheit aus eben dieser Mittelschicht stammen, somit (vermutlich unbewusst) ihren „Klassenauftrag“ erfüllen: Nach oben buckeln und nach unten treten. (Letzteres sage ich, die Autorin suggeriert das nur, spricht es aber mit wenigen Ausnahmen – weder aus noch gebraucht sie marxistische Begriffe, was für das reaktionäre Gendersprech-Milieu, auch bekannt als neue wohlhabende und konservativ grün-wählende Mittelschichten, natürlich passt.)

Im Original: „Diese massenmediale Inszenierung der Unterschichtkultur als Barriere gesellschaftlicher Integration (…) birgt die Gefahr, dass allein schon die körperliche Disposition, die der Unterschicht im Sinne eines Klassengeschmacks zugeschrieben wird, stigmatisierend auf der gesamte Gruppe des unteren Klassenlagen als vermeintlicher Ausdruck ihrer leistungsverweigernden Haltung der Passivität zurückfällt.“

Birgt die Gefahr? Nein, it’s not a bug, it’s a feature! Das genau ist die Aufgabe der Medien. Das richtige Verhalten garantiere den sozialen Status oder gar den Aufstieg, deswegen steht „Erziehung“ ganz oben auf der Agenda der „mittleren Klassenlagen“, aus denen sich die Journalisten fast ausnahmslos rekrutieren. Das ist natürlich eine Illusion und eine große Lüge, und die herrschende Klasse würde sich darüber kaputtlachen, wenn sie das interessierte.

Spannend war für mich vor allem das dritte Kapitel: „Der Körper als zentraler Ort der Vergesellschaftung“ (daraus stammt der Ausriss). Das Individuum muss in der Krise, die traditionelle Mileus zerreißt und vernichtet, sich irgendwo einordnen, sich sozusagen „tribalisieren“. Der tätowierte und gepiercte Körper (inklusive metallener Nasenpopel) ist genau das: Er wird zum Zeichen des Sozialen.

Noch ein Zitat aus dem Buch: „Die Wahrnehmung von Körpern im öffentlichen Raum ist also Teil eines im- und expliziten Sozialisationsprozesses, womit der Körper einerseits in seiner Körperdimension zum Austragungsort sozialer Deutungskämpfe wird und sich qua seiner Leibdimension tief ins Innere des Subjekts als untrennbare Mischung aus originärer Individualität und sozial erlernten Empfindungsmustern einbrennt.“

Alles klar? Puls und Atmung noch normal? Im Hintergrund murmeln Calvin und die protestantische Arbeitsethik.

Ethnologen reiben sich jetzt grinsend die Hände und verweisen zum Beispiel auf Papua-Neuguinea, Mary Douglas, Levi-Strauss usw. und dass nichts neu sei, sondern – in anderen Kostümen – schon immer da war. Ich vermisste auch einen Verweis auf Klassismus (vgl. die Literaturliste bei Wikipedia), obwohl die Autorin an anderer Stelle dokumentiert hat, dass sie weiß, worum es geht.

Merke: Auch Gendersprech ist Klassismus. (Steile These, die ich aus ethnologischer Sicht beweisen könnte, aber es hört mir ja niemand zu.)

Scheinbar auf lange Sicht richtig: Immer mehr Reiche müssen nicht mehr arbeiten

Welt online: Karl Marx lag scheinbar auf lange Sicht richtig: Es „bedarf wohl keiner weiteren Auseinandersetzung“, schrieb der kommunistische Vordenker, dass im Kapitalismus „der Zins vom Kapital in demselben Maße abnimmt, wie Masse und Zahl des Kapitals zunimmt“. Die aktuelle Kombination aus globalem Ersparnisüberhang und Minizinsen spricht jedenfalls für die marxsche Behauptung.

Das „scheinbar“ hätten sie sich sparen können. Das aber trauen sie sich nicht, auch nicht, einen Link auf die Quelle zu setzen. Deutsche Medien eben.

Rattenfänger oder: Bitte mehr Hasskommentare! [Update]

hasskommentare

Immer, wenn alle Medien sich freiwillig gleichschalten einer Meinung sind, ist in Deutschland Vorsicht angebracht. Solche Fälle kann man leicht erkennen; sie werden oft dekoriert mit den sinnfreien Sprechblasen „Flagge zeigen“, „Gesicht zeigen“ sowie „durchgreifen“ (oft mit den Komparativen von „hart“ oder „entschlossen„).

Die Tagesschau heute: „Symbolik, die man braucht – Hasskommentare im Netz werden häufiger und härter. Jetzt griffen Bund und Länder durch – mit einer bundesweiten Razzia.“ Spiegel online spricht von volkserzieherischen Maßnahmen wie wieland bei den Übungen Turnvater Jahns.

Wozu haben wir eigentlich die deutschen Märchen? Wenn alle das Gleiche sagen, lesen wir entweder den „Rattenfänger von Hameln“ oder „Des Kaisers neue Kleider„. Wie wir aber schon wissen, lernt niemand aus der Vergangenheit und auch nicht aus Parabeln oder moraltheologischen Allerweltsweisheiten.

Alle sind gegen „Hasskommentare“ im Internet? Komisch, dass es früher diesen Begriff gar nicht gab. „Hass“ ist ein Gefühl. In Deutschland geht es immer darum, Themen zunächst zu entpolitisieren und dann in Emotionen zu verwandeln, für die dann Pfarrer und Erzieher und das Privatfernsehen zuständig sind. So war es schon immer – auch beim so genannten „Rechtsextremismus“.

Es gibt keinen „Hass“ an sich. Es gibt juristisch relevante Formen, die Leute zu verhetzen – eine deutsche Besonderheit -; näheres regelt das gesunde Volksempfinden der Gerichte.

Man muss es klar und deutlich sagen: Alle Deutsche sind für Zensur, wenn es um eklige oder idiotische Meinungen geht. (Ich übrigens nicht, ich bin aber nicht der Mainstream.) Ich bin dann mal sofort weg, wenn das diskutiert wird. Der gefühlte common sense ist nichts für mich.

Warum soll ein US-amerikanisches Unternehmen Dinge zum Beispiel löschen, die dort gar nicht strafbar sind? Am deutschen Gefühlswesen soll die Welt genesen? Ihr spinnt doch! Warum könnt ihr den Scheiß nicht einfach aushalten, was ihr müsstet, wenn ihr in den USA lebtet? Die Leute, die was von „Gaskammern wieder öffnen“ faseln oder ähnlichen Schwachsinn, sind doch irre. Das nehme ich nicht ernst, und ich rufe schon gar nicht die Staatsmacht. Wer gegen „Hasskommentare“ ist und selbst entscheiden möchte, was „Hass“ ist, muss automatisch auch Erdogan gegen Böhmermann recht geben.

Ich mag Hasskommentare, zum Beispiel: Ich hasse Antisemiten, korrupte Palästinenser-Führer und ihrer Groupies, besonders hierzulande, Rassisten, Gendersprech, Dummköpfe, Esoteriker und Verehrer höherer Wesen, die mir Vorschriften machen wollen, Veganer und viele(s) andere mehr. Darf ich das nicht? Soll ich weniger Gefühl zeigen? Mich (eventuell mit Komparativ) beherrschen?

Ach, da sind wir dann wieder bei der protestantischen Ethik und dem Prozess der Zivilisation. Usw..

[Update] Wer aus dem gefühlten common sense ausschert, wird bestraft.

Unseren täglichen Medienkonsum gib uns heute

Guanajuato

Guanajuato, Mexiko (1979) – und gar kein Zusammenhang mit dem unten Geschriebenen

Uruguay gewinnt gegen Philipp Morris. Ich habe mir, wenn es so bleibt, vorgenommen, bei meiner nächsten Riese nach Südamerika auch am Rio de la Plata vorbeizuschauen – und im Gran Chaco. Vielleicht von da aus nach Bolivien? Umgekehrt ging es – in Tarabuco standen morgens LKWs, die Mitfahrer nach Paraguay suchten.

Harald Martenstein schreibt über „rhetorische Ausweichmanöver“.

In der Taz schreiben „kritische Muslime“. Das ist für mich Bullshit. Wer höhere Wesen verehrt, ist nicht „kritisch“, sondern nicht satifaktionsfähig. Man kann mit Relgiösen nicht rational diskutieren – wie sollte das funktionieren?

Das neue Sexualstrafrecht sei Unsinn und verfassungswidrig, sagt eine Strafrechtlerin. Sehe ich auch so. Fehlende Normenklarheit. Sollte man wegklagen.

Telepolis über „Staatsverbrecher“. Auch lesenswert.

Sport (Vorsicht, Faceboook) ist immer gut. Leider bin ich nicht so gut wie die Dame.

Branche der Schisser und Anpasser

Silke Burmeister in der taz: „Das Entscheidende ist, was mich an diesem Satz ärgert: Dass es nicht zum Selbstverständnis von Journalisten gehört, sich mit Kollegen anzulegen. Und schon gar nicht mit den Bossen. Wir sind eine Branche der Schisser und Anpasser, die zwar groß darin ist, Fehler bei anderen zu suchen, aber sich heulend in der Ecke verkriecht, wenn sie ihre Arbeitsbedingungen benennen soll.“

Recht hat sie. Dazu passt Telepolis über den Kampf um die Leserforen.

Ratten und Politiker

Schöne Schlagzeile beim Independent: „So long, Nigel Farage, the latest rat to jump from the sinking Brexit ship“.

So einen Satz sollte sich mal eine deutsche Zeitung erlauben! Dann gäbe es aber einen Shitstorm vom Feinsten.

Building a Better Miscellaneous News Feed for You

Brille

Der Optiker meines Vertrauens hat mir gratis ein Detail meiner Brille repariert, wofür ich ihn hiermit ausdrücklich lobend erwähne. Andere Optiker in Laufnähe meiner Wohnung weigerten sich. Also weiß ich, wo ich eine neue kaufen würde, wenn es nötig wäre.

And now for something completely different.

Die Russen führen die Vorratsdatenspeicherung ein. (Gespräch mit Joerg Heidrich vom Computermagazin „c’t“)

Tilman Tarach: „Verantwortlich für den Mord an den drei israelischen Jugendlichen sind nicht nur die Mordbrenner der palästinensischen Hamas, sondern auch die westlichen Regierungen, auch die deutsche. Denn sie zahlen Hunderte von Millionen Euro jährlich an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), obwohl sie wissen (oder wissen sollten), dass ein Teil dieser Gelder gemäß dem palästinensischen Gefangenengesetz als Belohnung für Judenmord verwendet wird.“

Don Alphonso: „Aber ich kenne da ein paar Leute, so wie Berliner Autorinnen, die ihren Lebensunterhalt vor allem durch öffentliche Förderungen und mässig besuchte Lesungen staatlich finanzierter Institutionen bestreiten, weil ihre Bücher sich allein zu schlecht verkaufen – so wie diese Autorinnen auch Leute in London, Paris und Budapest kennen.“ (Hey, Don, ich mag sowas, und bitte die Namen gleich dazu!)

Einer der Attentäter von Istanbul stand auf der russischen Fahndungsliste, wurde aber 2012 von Österreich nicht ausgeliefert.

In Berlin gibt es jetzt eine Blockwart-App. Die wird sicher sehr beliebt werden.

Warum die Präsidentenwahl in Österreich wiederholt werden muss, analysiert die Fachpresse.

Ich schrieb im März: „Man kann auch sagen: Erdogan (auch nur eine Charaktermaske) hat sich in die Scheiße geritten. Das internationale Kapital ist bei Öl und Gas tendenziell gegen ihn.“. Ich hatte recht. Welt online: „Die Touristen bleiben aus, der IS wird aktiver. Der türkische Präsident gerät in die Defensive – und kann sich internationale Isolation nicht mehr leisten.“

Das Wichtigste zuletzt: Facebook kündigt an: „To help make sure you don’t miss the friends and family posts you are likely to care about, we put those posts toward the top of your News Feed.“ (Ein deutscher Kommentar: „Schlecht für Publisher: Neuer Facebook-Algorithmus stellt Posts von Freunden in den Fokus“.

Telepolis zu demselben Thema: „Für den News Feed werden neue Selektionsprinzipien [sic] eingeführt, der Nutzer soll nur sehen, was er angeblich wirklich will – und dabei auf Facebook bleiben“. Steht übrigens – ausführlich erläutert – schon bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung. (Rezension in Arbeit)

Against Dog-Whistle-ism

„Slate Star Codex“ (via Fefe) erklärt, wie genormte Medien funktionieren („the entire media, which seized upon it as a single mass“) und warum Begriffe jeweils etwas anderes bedeuten, je nachdem, wer sie benutzt. Man könnte auch sagen: Er haut die „political correctness“ der Mainstream-Sprache in die Pfanne.

Der Artikel erklärt auch, warum deutsche Medien bei Trump oft falsch liegen. „Saying things that sound like dog whistles has itself become the crime worthy of condemnation, with little interest in whether they imply anything about the speaker or not.“

By the way – das Motto des „Slate Star Codex“ gilt auch hier und für Burks‘ Blog: „I really want to be one of those people with the neat one-subject blogs who can introduce themselves as “the guy with the blog about X”, but the universe is way too interesting for that to remotely work.“

Gib ihnen Saure!

Bild

Die Bild-Zeitung in Gestalt ihres „investigativen“ Reporters“ Hans-Wilhelm Saure behauptet, ich würde in meinem Blog „pöbeln“. Das würde ich doch nie tun! Aber wenn es die „Bild“ behauptet, muss es ja stimmen.

Es geht wieder einmal um die Akte Lammel. Die „Bild“ bringt zwar nichts Neues, versucht aber immer noch, aus dem Thema Honig zu saugen.

Miscellaneous, revisited

Bible

Warum liegt in Hotels eigentlich christliche Propaganda aus? (München 2003) Und warum nicht die Torah oder der Koran?

Ich habe wenig Zeit. Heute habe ich auf Welt online gelesen: „Die Hybris der Journalisten“. Einigen Thesen stimme ich zu, der Artikel geht aber nicht weit genug und ist auch nicht konsequent. Journalisten vertreten meistens den Standpunkt der Klasse, aus der sie stammen (darf in Deutschland so nicht gesagt werden- wegen freiwilliger ideologischer Selbstkontrolle). Journalisten sind also ab Werk ein opportunistischer Haufen – mit Ausnahmen. Das kann man bei Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten nachlesen.

Noch besser und außergewöhnlich interessant ist Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung. Das Buch werde ich demnächst ausführlich vorstellen. Leute, die vorhatten, Journalisten zu werden, kann das Buch aber zuverlässig davon abhalten. Absoluter Lesebefehl für alle, die „was mit Medien“ machen.

Auf meiner To-Do-Liste steht auch: Markus Schauer: Der Gallische Krieg: Geschichte und Täuschung in Caesars Meisterwerk zu besprechen. Schon gelesen, auf Empfehlung eines Freundes, aber ein komplizierter Fall.

Auf Film und Games: Ein Wechselspiel könnt ihr euch schon freuen. Grandios, teuer, aber das Geld wert.

Übrigens hat mich der letzte Absatz des Artikel bei Spiegel online zu einem besseren Menschen gemacht (Kommentar geklaut von Udo Vetter). Ich probiere das mal aus oder raune den Damen im Vorbeigehen etwas von Krav Maga und schutzbedürftigen Frauen zu. Har har.

Streik!

Telepolis: „Die Deutschen lernen streiken, die Medien nicht. Die Streikbereitschaft hat in Deutschland zugenommen. Das Recht zum Arbeitskampf wird vielfach als eine Art ‚Gnadenerweis‘ vermittelt.“

Nach unten immer

Florian Rötzer auf Telepolis: „Die Hochzeit der Sozialen Netzwerke könnte überschritten sein – Eine Analyse der Zeit, die Nutzer aus 9 Ländern in Android-Apps von Facebook, Twitter, Snapchat und Instagram verbringen, zeigt praktisch überall einen deutlichen Trend nach unten.“

Prüfung Befassung Thematik

Rationalgalerie (via >b’s weblog): „NDR-Rundfunk-Rat: Völlig befasst. Eine unendliche Geschichte aus dem Land Bürokratien“.

Da hat mal jemand versucht herauszufinden, warum die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ von den Mainstream-Medien gern kritiklos als Quelle benutzt wird. In schönstem Bürokraten-Deutsch des Grauens antwortet der NDR-Rundfunkrat auf wiederholte Nachfragen: „Ergebnis der Prüfung war, dass insgesamt nicht festgestellt werden konnte, dass ein Verstoß gegen die Programmanforderungen des NDR gegeben ist. Da die Thematik daher bereits unter allen Gesichtspunkten geprüft ist, war eine erneute Befassung nicht geboten.“

Wikipedia: „Die SOHR wird von Rami Abdulrahman (auch „Rami Abdul Rahman“ oder „Rami Abdelrahman“ geschrieben), einem syrischstämmigen sunnitischen Muslim, der ein Bekleidungsgeschäft betreibt, von seinem Reihenhaus in Coventry in England aus betrieben.“ Die Russen zweifelten übrigens schon immer. Die müssen es ja wissen.

Man könnte sich die Mühe machen, das Schreiben des NDR-Rundfunkrates ins Deutsche zu übersetzen.

Wir haben ihre Beschwerde geprüft. Wir konnten nicht feststellen, dass wir gegen das, was das Programm des NDR fordert, verstoßen haben. Das Thema wurde schon mehrfach diskutiert. Daher werden wir uns nicht noch einmal damit befassen.

Irgendwas mit Medien, Aktualität und Neusprech

Ich empfehle den medienkompetenten wohlwollenden Lesern und geneigten Leserinnen einen Artikel von RT Deutsch und setzte selbstredend voraus, das eben diese sich eine Meinung selbst bilden können: „Recherche: Hillary Clinton verantwortlich für Saringas-Geheimoperation und Tod Tausender Syrer“. In Wahrheit stammt die Geschichte schon aus dem Jahr 2013: „Top US and Saudi Officials responsible for Chemical Weapons in Syria“ – RT Deutsch hat das jetzt noch einmmal hochgekocht und gibt es als „aktuell“ aus. Neu ist nur ein Interview mit Seymour M. Hersh auf alternet.org.

Ich habe natürlich die Quellen geprüft. Seymour M. Hersh hat seine Thesen auch schon in „Whose Sarin?“ (2013, London Review of Book) und „The Red Line and the Rat Line“ (2014, dito) erläutert. Ich gaube nichts, was nicht von drei unabhängigen Quellen bestätigt werden kann. Es bleiben Zweifel, auch wenn es sich um einen kritischen, mit Preisen überhäuften Journalisten handelt. Anonyme Quellen sind nützlich und erlaubt, aber deren Aussagen bleiben dann nicht verifizierbar.

Und nun zu etwas ganz anderem: Spiegel online enthüllt: „Milliardenkredite für Griechenland retteten vor allem Banken. (…) Weniger als fünf Prozent der Milliardenkredite kamen laut einer Studie im Haushalt an – mit dem Rest wurden europäische Banken gerettet.“ Das überrascht mich aber jetzt.

Das wird die Mainstrem-Medien trotzdem und weiterhin nicht daran hindern, affirmatives Neusprech wie „Hilfsprogramme für Griechenland“ zu benutzen.

By the way: Lügenpresse. Ich habe mir gerade von Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung gekauft. Warum stellt man in den Medien immer so komische Fragen? „Die Presse“ war noch nie unabhängig oder objektiv – wie sollte sie das sein? Die Medien verbreiten im Kapitalismus natürlich die Sicht der herrschenden Klasse aus der Perpsektive der „Kleinbourgoisie“, also derjenigen Schicht, aus der die meisten Journalisten stammen. (Sorry für die altertümliche marxistische Ausdrucksweise, aber der Euklidische Algorithmus ist auch schon 2000 Jahre alt und stimmt immer noch.)

Natürlich „lügt“ die gemeine Presse, aber nicht so, wie sich die kackbraunen Kameraden, die das brüllen, vorstellen.

Kein Geschäftsmodell, nirgends

Franz Sommerfeld fasst auf meedia.de noch einmal zusammen, was zusammengefasst gehört: „Es ist die Frage, die nach wie vor alle in der Tageszeitungsbranche umtreibt: Wie umgehen mit der Digitalisierung? In einem Gastbeitrag beschreibt Franz Sommerfeld, der frühere Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und ehemalige Vorstand bei DuMont, die existenziellen Probleme der Gattung Tageszeitung mit dem Digitalen. Und zeigt auf, was die News-Branche von der Industrie lernen kann.“

In gutem Deutsch lautete das:
Wie geht man mit der Digitalisierung um? Das fragt sich die Tageszeitungsbranche. Franz Sommerfeld hat Antworten. Er war Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und Vorstand bei Dumont und kennt die Probleme der Tageszeitungen mit dem Digitalen. Er erklärt in einem Gastbeitrag, was die News-Branche von der Industrie lernen kann.

Schöner verlegen

Übermedien: „Schöner Verlegen – mit dem Geld anderer Leute“.

Die Preise von Kopierern, USB-Sticks, Smartphones usw. enthalten eine Vergütung für das Recht, private Kopien von urheberrechtlichen geschützten Werken anzufertigen. Dieses Geld steht nach deutschem und europäischem Recht den Urhebern zu: als Ausgleich dafür, dass sie es hinnehmen müssen, dass ihre Werke für den privaten Gebrauch vervielfältigt werden.

Die Verwertungsgesellschaft VG Wort, die dieses Geld ausschüttet und von Verlegern und Urhebern gemeinsam gegründet wurde, beteiligt aber seit ehedem auch die Verleger mit pauschalen Anteilen zwischen 30 und 50 Prozent an diesen Tantiemen.

Und damit ist es jetzt vorbei. Beim Frühstück gelesen und gleich gute Laune gekriegt. Vgl. das Urteil des Bundesgerichtshofes: „Keine pauschale Beteiligung von Verlagen an den Einnahmen der VG Wort“ und die Stellungnahme des Klägers.

Und jetzt? SPD und CDU wollen das Gesetz ändern, weil ihnen die Rechtsprechung nicht passt. Kennen wir ja schon.

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