Ein Platz für Islamisten

Wiesbadener Kurier: Die Titanic hat versucht, eine konsularische Vertretung der ISIS in Taunusstein zu eröffnen.

By the way, Wiesbadener Kurier, mal die Metaphern updaten: Man beißt nicht auf Eis, sondern auf Granit.

Mehdorn managt Wowereits Rücktritt

Wowereit verkündet Rücktritt “im Laufe von 2015″ +++ UPDATE: Rücktritt Wowereits wurde “falsch kommuniziert”, neuer Termin: 11. Dezember 2016 +++ UPDATE: Berlin baut für 16 Mio. Euro “Rücktritts-Infotower” auf Tempelhof-Gelände +++ UPDATE: Möglicher Wowereit-Nachfolger nicht brandsicher! Verhandlungen laufen weiter +++ UPDATE: Klaus Wowereit (Bürgermeister) läßt Rücktritt von Hartmut Mehdorn managen +++ UPDATE: Experten schätzen Kosten von Wowereit-Rücktritt inzwischen auf 5,1 Milliarden Euro (Titanic)

Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!

soljanka

Julia Prosinger im Tagesspiegel: “Können wir nicht einfach wieder essen, was auf den Tisch kommt? (…) Einer meiner Gäste lehnt Lauchgewächse ab, Zwiebeln oder Knoblauch, weil er schlechten Atem befürchtet. Der nächste ekelt sich vor dem Inneren von Gurken, wegen der glitschigen Konsistenz, noch schlimmer findet er nur das Innere von Tomaten. Pilze gehen gar nicht, und Koriander schmeckt nach Seife. Eine macht immer Diät. Eine andere ernährt sich jetzt Low Carb, sie lässt Kohlenhydrate weg und isst stattdessen Eiweiß, aber nur bio und regional.”

Humanitäres Bomben

Glenn Greenwald in “The Intercept“: “U.S. “Humanitarian” Bombing of Iraq: A Redundant Presidential Ritual” (sehr schöne Presseschau seit 1990).

Jonathan – the oldest living land creature

BBC: “Meet Jonathan, St Helena’s 182-year-old giant tortoise”.

Not in der Notaufnahme

Lesenswerter Artikel auf Zeit online (inklusive der Kommentare): “Immer wieder werden in deutschen Krankenhäusern schwere Leiden nicht oder zu spät erkannt. Eine Gruppe von Ärzten schlägt Reformen vor – doch die werden abgeblockt”.

Ceterum censeo: Das Gesundheitssystem muss zu großen Teilen verstaatlicht werden. Auf Kosten der Kranken darf kein Profit gemacht werden. In Kuba funktioniert das besser als hier: “Die Gesundheit der Bevölkerung lässt sich die kubanische Regierung nach wie vor etwas kosten – rund 13 Prozent des kubanischen Staatshaushaltes fließen in diesen Sektor.”

Ein Leserkommentar auf Zeit online: “Das Prinzip eines Facharztes Notfallmedizin ist in allen angloamerikanischen und nahezu allen kontinentaleuropäischen Ländern (ausser den deutschsprachigen und wenigen Exoten) etabliert und funktioniert prima.”

Dazu passt auch ein älterer Artikel: “Behandlungsfehler kosten in Deutschland fünfmal so viele Menschen das Leben wie Verkehrsunfälle, nämlich 19.000. Jedes Jahr.”

Lüge in Kriegszeiten oder: Die Verkommenheit der westlichen Medien

Mathias Bröckers in Telepolis: “Am Beispiel des Ersten Weltkriegs formulierte Arthur Ponsonby 1928 die Strukturgesetze der Kriegspropaganda – sie gelten, wie die aktuelle Berichterstattung über die Ukraine zeigt, noch immer.”

Absoluter Lesebefehl.

(…) … Medienschaffende und Journalisten, die in Leitartikeln und Talkshows Stimmung machen. Von ihrer Verpflichtung zu objektiver Information haben sie sich weitgehend verabschiedet und präsentieren die Wirklichkeit als Schwarzweißfilm mit eindeutiger Rollenverteilung in Gute (USA, EU und Nato) und Böse (Putin und Russland) präsentieren. Zu diesem Zweck mutieren dann nicht nur Gerüchte zu Tatsachen, Vermutungen zu Ereignissen und Meinungen zur Wahrheit, sondern es werden auch unpassende Fakten verschwiegen und Interessen und Hintergründe der Akteure des Konflikts unterschlagen.

Compañero Xi Jinping

Granma: “El líder histórico de la Revolución cubana, Fidel Castro Ruz, sostuvo en la mañana de este martes un fraternal encuentro con el Presidente de la República Popular China, compañero Xi Jinping, quien encabeza una numerosa delegación que realiza una visita oficial a nuestro país”.

Ich wage doch stark zu bezweifeln, compañeros von der Granma, dass es sich bei Xi Jinping um einen “compañero” handelt.

Fidel sieht übrigens echt alt aus… Und mir wäre es an seiner Stelle peinlich, wenn einem die eigene Büste geschenkt wird. Man fühlt sich dann doch schon tot.

Früher war mehr Lametta

“Als Deutscher sieht man eine halbe Million alkoholisierter Fans unter der Siegessäule nicht ungebrochen. Früher war mehr Lametta bei Massenaufmärschen.” (Klaus Kocks)

Die Armenambulanz

“Jeder Mensch hat eine adäquate medizinische Versorgung verdient.” Eine sehenswerte Reportage über “Armut macht krank und Krankheit macht arm – dessen ist sich Gerhard Trabert sicher. Der Arzt kümmert sich um Obdachlose und Menschen, die von keiner Versicherung mehr aufgenommen werden”.

Strike! Die Roten kommen!

Al Jazeera berichtet über den Klassenkampf der südafrikanischen Metallarbeiter. In deutschen Medien lese ich bis jetzt kein Wort davon.

Danke für dieses Spiel

FAZ-Leitartikel, gelesen von Joseph Goebbels

Techniken der Datensammler: Was dagegen tun?

Jondonym stellt die Techniken der Datensammler vor, fasst die Risiken zusammen und gibt gleichzeitig Argumentationshilfen, warum man sicher und anonym surfen sollte:

- Tracking mit Cookies: Cookies sollte man ganz ausstellen!

- Flash-Cookies und EverCookies: Dagegen hilft z.B. das Firefox-Add-on Better Privacy.

- Fingerabdruck des Browsers: “Das Demonstrations-Projekt Panopticlick der EFF zeigt, dass mehr als 80% der Surfer anhand des Fingerabdrucks des Browsers eindeutig erkennbar sind. (…) Es werden die verwendete Software (Browser, Betriebssystem), installierte Schriftarten, Bildschirmgröße und Browser-Plugins ausgewertet. Zusätzliche Informationen werden mit einem Flash-Applet gesammelt. Bluecava erreicht damit bis zu 30% bessere Erkennungsraten, als Cookie-basierte Lösungen.”

- Cache des Browsers: Cache beim Herunterfahren des Browsers löschen – das kann man so einstellen.

- Referer: Abhilfe z.B.: RefControl.

- Risiko JavaScript (ausschalten! Empfehlenswert: Noscript: “Das FBI nutzte im August 2013 bösartige Javascripte, die auf Tor Hidden Services platziert wurden, um durch Ausnutzung eines Bug im Firefox einen Trojaner zu installieren und Nutzer des Anonymisierungsdienstes zu deanonymiseren.” (Sorry, aber wer Tor nutzt und gleichzeitig Javascript erlaubt, sollte geteert und gefedert werden – mein Mitleid hält sich da in Grenzen.)

- Risiko Plug-ins: “Der (Staats-) Trojaner der Firma HackingTeam wird beispielsweise mit einer signierten JAR-Datei auf dem Zielsystem installiert. Der Trojaner belauscht Skype, fängt Tastatureingaben ab, kann die Webcam zur Raumüberwachung aktivieren und den Stand­ort des Nutzers ermitteln. Nur das Deaktivieren aller Plug-ins im Browser bringt Sicherheit.” Java deaktivieren! Statt Adobe kann man auch den Foxit-Reader neben. Ich habe Adobe-Produkte übrigens komplett von meinen Rechnern entfernt.

- History-Sniffing: Abhilfe: keine History bzw. Browserverlauf anlegen.

- Webbugs, Werbebanner und Like-Buttons: “Eine andere unangenehme Eigenschaft von Webbugs ist, dass sie beim Abruf neben Cookies auch Ihre IP-Adresse automatisch an den Statistikdienst übermitteln. Selbst mit einer sehr guten Browserkonfiguration, dem Abschalten von Cookies und automatischen Webbug-Filtern können Sie dies niemals zuverlässig verhindern. Dagegen hilft nur die Verwendung eines Anonymisierungsdienstes.”

- TCP-Zeitstempel: Der Zeitstempel kann vom Client- und/oder Server-Gerät eingesetzt werden, um die Performance zu optimieren. “Jedoch kann ein Internetserver Ihren Computer anhand der Zeitstempel wiedererkennen und verfolgen: Indem er die Abweichungen in der Uhrzeit misst, kann er ein individuelles Zeit-Versatz-Profil für Ihren Computer berechnen. Außerdem kann er die Zeit schätzen, zu der Ihr Rechner zuletzt neu gestartet wurde.” Abhilfe nur per Anonymisierungsdienst.

- IP-Adresse: Die IP-Adresse offenbart zum Beispiel den aktuellen Aufenthaltsort, den Zugangsprovider, die Anbindung und Zugangstechnologie, das Unternehmen / die Behörde. Abhilfe nur per Anonymisierungsdienst.

- MAC-Adresse (kann man selbst ändern!).

Alles, was wir machen, dient unmittelbar der Weltverbesserung.

Die Stuttgarter Zeitung porträtiert Martin Sonneborn. Lesenswert.
Einmal zum Beispiel gibt Sonneborn sich als Vertreter von Google Home View aus und fragt Leute, ob er sie in ihren Schlafzimmern fotografieren darf. “Jeder Dritte hat uns reingelassen.”

Völkerkunde 2.0 oder: Weak Ties

Technology Review:
Wäre Facebook ein Land, seine 900 Millionen Nutzer würden die drittgrößte Nation der Erde stellen. (…) In einer Hinsicht jedoch stellt “Facebook-Land” jeden anderen Staat in den Schatten: Mit dem, was es über seine Bewohner weiß. Facebook zeichnet sämtliche digitalen Bewegungen seiner virtuellen Bürger auf. Selbst die großen Despotien der Vergangenheit wirken blass angesichts des Ausmaßes, in dem Facebook Gespräche, Familienfotos, Aufenthaltsorte, Beziehungsverhältnisse, Freundschaften und sogar Todesfälle speichert.

Money quotes: “‘Wir haben zum ersten Mal ein Mikroskop, mit dem wir menschliches Verhalten nicht nur sehr feinkörnig auflösen können, genauer als je zuvor, sondern mit dem wir auch Experimente machen können – Experimente mit Millionen von Nutzern’, sagt Marlow.”

“Dabei fand er heraus, dass unsere engsten Freunde zwar einen starken Einfluss darauf haben, was wir teilen. Doch ist dieser Effekt noch gering im Vergleich zum kollektiven Einfluss der zahlreichen Bekannten im Netzwerk. Soziologen nennen solche Bekanntschaftsbeziehungen “weak ties”, schwache Bindungen”.

“Denn wer die Mechanik der sozialen Beeinflussung versteht, kann Online-Werbung noch eindrücklicher gestalten und damit bewirken, dass die Nutzer noch häufiger auf Anzeigen klicken.”

Da ich kaum weak ties habe, bin ich vermutlich auch schwer zu beeinflussen. Burks gefällt das.

Babylonien, revisited, 12.0

Kreuzberg

Babylonien, revisited, 12.0: Brahui. Der Mann kam aus Pakistan.

By the way: Beim Herumklicken in der Link-Umgebung fand ich die Oase Merw (nie gehört) in Turkmenistan und die Sprache Burushaski (nie gehört). Unfassbar, was es alles (noch zu lernen und zu wissen) gibt.

Im Jahr eins nach Snowden

Lesenswert und informativ: Heise – “Was bisher geschah: Der NSA-Skandal im Jahr 1 nach Snowden”.

Die Piraten – Anatomie eines Desasters

Don Alphonso über “Die Piraten – Anatomie eines Desasters”.

Rifondazione Comunista, Bewegungslinke und kluge Frauen

Ein Interview mit einer tollen Frau in der Jungle World. “Wir müssen eine der gegenwärtigen Krisensituation angemessene neue Organisationsform finden.” Lesenswert.

Bruce Lee in der Unterwelt von Bukarest

In der Unterwelt von Bukarest (Imgur) leben die Heimkinder, die 1990 “befreit” wurden. “Beneath Bucharest’s mansions and iconic squares lies a second city that no tourist gets to see – an underground kingdom of outcasts and drug addicts living in the city’s vast network of sewers.” OMG…

Bezieht sich auf eine Reportage der Daily Mail: “Life UNDER the streets: How the diseased and destitute are forced to carve out a grim existence in the sewers of Eastern Europe”.

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