Fickpulver und mehr
Ich muss kurz zwischendurch einen pädagogisch wertvollen Link empfehlen: “Wie die populärsten Drogen wirken”. Auszug:
“Kokain, auch Fickpuder genannt, gilt als die Gesellschaftsdroge Nr. 1. Sie suggeriert dem Konsumenten, ein extrem gutaussehender, höchst eloquenter Nobelpreisträger mit der sexuellen Anziehungskraft eines schwarzen Loches zu sein. Auf jemanden, der kein Kokain genommen hat, wirkt das eher wie ein exkommunizierter Trappistenmönch, der weiße Puderreste an den Nasenlöchern hat und sich um Kopf und Kragen quasselt.
Kokain steigert das Mitteilungsbedürfnis, lähmt aber in gleichem Maße die Selbstkritik, was dazu führt, dass man jeden chemischen Kurzschluss im Kleinhirn für bares Geld hält und meint, dass er umgehend einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden muss. Kokaingenuss ist die Hauptursache für Rap-Lyrik, Performances und die Gesamtwerke von Rainer Werner Fassbinder und Hermann Göring. (…)
Haschisch ist keine Droge, sondern ein homöopathisches Mittel, das einer Dämonisierungskampagne zum Opfer gefallen ist. Unter Haschischeinfluss dehnt sich das Raum-Zeit-Kontinuum um 500 Prozent, d. h., man kann bei konsequentem Haschischkonsum 400 Jahre alt werden, mehr als bei jeder anderen Droge.” [mehr...]
Tweet of the day 10: Scotch, Shining, Viagra
Very British Tweet #bbcworld: Shackleton’s Antarctic #scotch to be dug up http://bit.ly/2UuI36
Heute abend Glotze gesetzt: “The #Shining” – der Horrorfilm an sich (Kabel1). #nochbierkaufen #Nicholson #axt
Guardian Science: ‘Female Viagra’ boosts sexual desire in women with flagging libido http://bit.ly/1zzgPx #no_sex_please_we_are_british
Hardware zur Vorbereitung und Planung von Anschlägen
Anschlagspuffer – damit kann man gut Anschläge “durchführen”. (Via Forum GPF)
Operation “Heisse Luft” reloaded
Die Medien überschlagen sich im Gleichlaut: “Polizei zerschlägt Kinderporno-Ring” (Süddeutsche). “Polizei gelingt Schlag gegen Kinderporno-Ring” (RP ONLINE). “Internationaler Kinderporno-Ring zerschlagen” (AFP). “Schlag gegen internationalen Kinderpornografie-Ring” (Deutsche Welle). “Polizei zerschlägt Kinderporno-Ring” (Welt online). “Polizei zerschlägt Kinderporno-Ring”8 Bild). Nur die Tagesschau schert aus und und titelt einigermaßen korrekt, um was es geht: “Kinderporno-Razzia bei 121 Verdächtigen”.
Razzia. Zum Beispiel hat die Polizei den Torserver “nami” beschlagnahmt. “I just was informed by my Dad that the police is searching our Family House. They took the machine running Tor exit node called “nami”. Expect it to be down for quite some time”, schreibt der Betreiber in einer Mailingliste. Ich habe mit ihm telefoniert. Auch das Laptop seines Vaters haben sie mitgenommen, weil der Telefonanschluss auf ihn gemeldet war. Das zur “Qualität” der Ermittlungen.
Ich gehe davon aus, dass diese “groß angelegte” Razzia, von der die Medien so schwärmen wie BKA-Chef Ziercke, ein Schlag ins Wasser war.. Er “wertete die Festnahmen als ‘großen Erfolg im Kampf gegen die Kinderpornografie-Szene’. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler außerdem etwa 220 Computer und rund 17.000 digitale Speichermedien sicher.”
Eben. Es geht Ziercke nicht darum, wieviele Verdächtige schließlich verurteilt werden (vermutlich nur sehr wenige wie bei der Operation Heiße Luft), sondern nur darum, möglichst viele Rechner zu beschlagnahmen und damit zu protzen, damit es gut in den Medien rüberkommt, die gewohnt kritik- und recherchefrei alles nachplappern.
She loves you – im Netz aufeinander zugehen
Kommentar in der Tagesschau vom 26.09.: “Wir müssen aber zueinander finden auch in der Sprache. Yeah, yeah, yeah ist Nonsens. Die Internet-Gemeinde muss aufhören, jeden für blöd zu erklären, der nicht in den social networks, also den sozialen Netzwerken unterwegs ist, und die anderen – einschliéßlich den Parteien – müssen anfangen, ernsthaft im Netz aufeinander zuzugehen.”
Jetzt möchte ich diesen Kommentar kommentieren. Irgendwie verstehe ich den Herrn und Kollegen nicht. “Yeah, yeah, yeah” ist nicht mehr oder weniger Nonsens als das, was in den Wahlkampfreden zum Besten gegeben wird. Wir haben das Yeah. Klingt doch vernünftig. Außerdem gab es da mal einen Song von den Beatles: “She loves you.” Ich kann mich vage daran erinnern, dass der mediale Mainstream diese Musik auch als “Unfug” abtat. (Damals sprach man noch deutsch, heute sagt man: “nonsens” statt “Unsinn”, damit es irgendwie internetter klingen soll)
Das Internet ist ein riesiges soziales Netz, vor allem mit seinen Diensten Usenet, IRC und den so genannten 2.0-Features wie Second Life, dem größten Chatroom der Welt (wenn man Computerspiele außer acht lässt).
Ja. Ich erkläre jeden für blöd, der nicht nicht in den social networks unterwegs ist. (”network”, Kollege Hinrichs, heißt im Deutschen “Netz” – man muss das Wort nicht falsch rückübersetzen).
Im Netz auf einander zugehen. Mit der real gar nicht existierenden Online-Durchsuchung? Mit Zensur, Datenspionage und lächerlcihen virtuellen Stoppschildern? Nein, es stimmt nicht, Kollege Hinrichs, die Politik hat sich nicht “bemüht”, sie hat komplett versagt und bekämpft das Internet als Teufelswerk. Daher auch der beschwörende Ton in solchen Kommentaren. Ihr habt Angst davor. Und ich habe mir schon mal Gedanken gemacht, wie das “Aufeinanderzugehen” im “Netz” aussähe, wenn etwa die Schäuble- und Layenfilter-Groupies auf die Sympathisanten der Piratenpartei treffen würden (vgl. Screenshot unten).
Blowjobs für alle. Unser Land hat und kann mehr die Kraft dazu haben.
Ich kannte Tania Derveaux bisher noch nicht. Sie machte für die belgische Partei NEE ein ähnlich realistisches Wahlversprechen wie die unserer Politiker: “I will make love with every virgin who defends the Internet.” Und: “I will give you 40000 blowjobs.” Eben. Unser Land kann mehr. Wir haben die Kraft. Sex für alle.
Bei Youtube gibt es zahllose Videos zu den Hintergründen.
US-Airforce befiehlt Luftangriff auf Japan
Die US-Airforce hat einen Luftangriff auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki begonnen. Das sei notwendig, so betonte ein Sprecher, um einem Harakiri-Angriff (aka “Selbstmordattentat”) zuvorzukommen.
Schäubles Abhörzentrale bei der taz [Update]
Leider kam ich für diesen hübschen Anlass zu spät, hatte das Thema schlicht überlesen, weil die taz bei allen Themen, das Internet betreffend, nicht mehr ernst nehme. Nicht nur ein Blogger hat das Thema dokumentiert: “Am 23.08.2009 veröffentlichte die taz den Artikel Schäubles Abhörzentrale von Meike Naber, mit pikanten Details über die neugeschaffene Bundesabhörzentrale in Köln. Bereits am Nachmittag ließ sich der Artikel nicht mehr abrufen, zunächst mit dem Hinweis auf rechtliche Gründe.” Der taz-Artikel enthielt totaken Blödsinn wie “Bei E-Mails und SMS werden die Inhalte erfasst, beim Mobilfunk kommt die Funkposition hinzu.” Typisch taz, die schreiben dort nur elektronscihe Postkartne, niemand, aber auch niemand verschlüsselt seine E-Mails und zum Thema Sicherheit im Internet hat die Redaktion ein Verhältnis wie Klaus Störtebeker zum Handelsrecht. (Auf Wikileaks ist eine Kopie des Original-Artikels und auch anderswo)
Der Blooger schreibt weiter: “Bereits am Abend des 23.08. verschwindet der Hinweis auf die “rechtlichen Gründe” von der taz-Webseite. Nunmehr ist davon die Rede, dass der Artikel von der “Redaktion aktualisiert” wird.”
Auch sonst glänzt der Artikel durch unjournalistische Propaganda: “Kriminelle und Terroristen tarnen sich, indem sie ausländische Telefon- und Internetanbieter benutzen, ihre IP-Adressen durch Anonymisierung unkenntlich machen und den Internetverkehr verschlüsseln. Das Bundesinnenministerium resümiert in dem Dokument, das der taz vorliegt: die Sicherheitsdienste verfügen über zu wenig neue Technik und Fachleute, um diesen Herausforderungen gerecht werden zu können.” Das ist erstens nicht richtig, weil Anonymisierungsdienste genau dsa tun, was ihr Namen sagt und das legal ist und Schäuble auch dann ncihts mitbekäme, wenn er eine Million Bemate einstellte. Und zweitens sind Formulierungen sie “um diesen neuen Gefahren zu begegnen” schlicht PR, weil sie suggestiv die Begriffe übernehmen, die die Schäuble-Lobby gern hätte. Die angeblichen Gefahren sind so “neu” wie das Internet selbst. Man merkt, dass sich kein Redakteursgehirn selbständig in Bewegung gesetzt hatte. Netzpolik.org dokumentiert weitere Fehler.
Ich kann mich der Meinung des Bloggers nur anschließen: “Es stellt sich nicht nur die Frage, warum gegen den Artikel rechtliche Schritte eingeleitet oder angedroht wurden, sondern auch, warum die taz sich derart verschlossen zeigt. Wäre der Text in einem Blog statt einer Tageszeitung erschienen, hätte die Autorin ihre Leser auf die Sperrung aus rechtlichen Gründen hinweisen können und damit zu seiner Verbreitung (Streisand-Effekt) beigetragen. Dies hätte sicherlich zu heftigen Gegenreaktionen geführt und das BMI (oder wer auch immer hinter dieser Aktion steckt) zum Umdenken gezwungen oder der Lächerlichkeit preisgegeben.”
Nachtrag 30.09.: Der Artikel erschien jetzt in der Print-Ausgabe, hat sich aber nicht verbessert: “Kriminelle und Terroristen tarnen sich, indem sie ausländische Telefon- und Internetanbieter benutzen, ihre IP-Adressen durch Anonymisierung unkenntlich machen und den Internetverkehr verschlüsseln.”
Linke gegen Verstaatlichung des Finanzkapitals
Manchmnal versteht man die Welt nicht mehr. Blogs sind dazu da, dass die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser dem Betreiber des Blogs dann die Welt erklären. Spiegel Online meldet, der Sozialismus sei teilweise eingeführt worden: Der Bundestag billigt eine mögliche Zwangsverstaatlichung der von der Pleite bedrohten Hypo Real Estate (HRE). (Spiegel “online” ist natürich wieder zu blöd, das Original zu verlinken.) Jetzt darf die Regierung notfalls die Aktionäre enteignen, wenn freiwillige Lösungen scheitern. Das Parlament hat das entsprechende Gesetz mit der Stimmenmehrheit der Großen Koalition beschlossen”. An sich eine sympathische Sache. Es ändert zwar nichts am Kapitalismus, ob eine Bank nun privat ist oder nicht, aber man fühlt sich besser. Artikel 14, Abs. 3 des Grundgesetzes erlaubt Enteignung, aber “nur zum Wohle der Allgemeinheit”. Ob eine Verstaatlichung eben demselben dient, kann getrost bezweifelt werden.
Jetzt aber das Merkwürdige: “FDP und Linke stimmten mit Nein, die Grünen enthielten sich.” Dass die Grünnen sich enthielten, wundert nicht, denn sie sind trotz ihrer linken Wurzeln eine Partei der Gut- und Besserverdienenden, die nichts so sehr fürchten, als dass jemand ihren Besitzstand antastet oder ihr klein Ökohäuschen oder ihr 13 Monatsgehalt als EsoterikfachberaterIn. Frau hat also lieber gar keine Meinung als Karl Marx noch einmal zu studieren. Dei FDP ist natürlich auch gegen Verstaatlichung, weil ihre Mtitglieder – mehrheitlich der Kleinbourgeoisie zugehörig oder dem Beamtentum – gefühlt Mitglieder der herrschenden Klasse sind (wer das ist, weiß man aber in der FDP nicht). Die Mitglieder von Cicero (Zentralorgan der vermeintlich oberen Stände) oder die Leser der F.D.P. (Verzeihung, natürlich umgekehrt. Vgl. Vereinsregister: Berlin (Charlottenburg) VR 13996 – Freie Demokratische Partei (FDP)) unterscheiden sich von den Mitgliedern der herrschenden Klasse dadurch, dass sie nichts zu sagen haben und an die Regeln glauben, anstatt diese zynisch zu brechen und sich einfach schamlos zu bereichern, wie es dem Kapital geziemt.
Und die Linke? Sie ist gegen die Verstaatlichung des Finanzkapitals. Potztausend. Soll ich das jetzt verstehen? Lothar Bisky: “Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt den Menschen das hässliche Gesicht der gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung: von maßlos übersteigertem Renditestreben und mangelnder gesellschaftlicher Solidarität geprägt, ohne demokratische Kontrolle und ohne wirkliche demokratische Mitentscheidung der Menschen über die wirtschaftlichen Abläufe.” Was für ein Gefasel! Wenn Karl Marx nicht schon tot wäre, würde er sicher einen Schlaganfall erleiden. Der Kapitalismus ist natürlich genauso hübsch oder hässlich wie die unfreiheitlich-undemokratische Gundordnung von Sparta oder die des alten Rom. Renditestreben – was soll das sein? Ein Gefühlszustand als Basis eines Wirtschaftsssystem? Das Kapital – ein Fall für den Psychiater? “Demokratische Mitentscheidung der Menschen über die wirtschaftlichen Abläufe” – wir sollen also voher darüber abstimmen, wieviel eine Currywurst oder ein Möbelregel kosten oder eien Flasche Rotkäppchen?
Nun, erklärt es mir, was die Linke will. Ich habe keine Ahnung.
Das K-Wort und der Kapitalismus von seiner schlimmsten Seite
Sehr geehrte Damen und Herrn, bitte nehmen Sie zunächst ihre Köpfe ab zum Gebet. Wir widmen uns dem Thema Zensur, die in Deutschland bekanntlich – dem jeweiligen Zeitgeit entsprechend – nicht mehr im Gegen-Rechtsextremismus-im-Internet-Köstüm eingeht, sondern mittlweweile im kinderpornografischen. Spricht jemand de K-Wort aus, ist jeder Anwesende verpflchtet, seinen kritischen Verstand unverzüglich bei der Garderobenfrau abzugeben.
Mühsam muss man aus dem Schwall moraltheologischer Medienberichte herausfiltern, wenn den nun gemeint ist. “Von der Leyen lässt Kinderpornografie aus dem Netz filtern”, schreibt Spiegel online, dass in einem früheren Artikel kurz gemeldet hatte: “Das BKA wird die täglich aktualisierten Block-Listen führen”. Welt online hingegen ist schon suggestiv und spricht von einem “Schutzprogramm” statt von Zensurfiltern. Ja, konsequent: Es heißt “Schutztruppe” statt “Besatzungmacht” und “Friedenserzwingung” statt “Krieg”.
Bei Heise ist der Tenor etwas anders: Von einer “mehr oder weniger freiwilligen Vereinbarung” ist die Rede, auch ein sattsam bekannter Textbaustein taucht auf: “Es gehe um ein gemeinsames Zeichen von Politik und Internetwirtschaft, dass “wir Kinderpornographie ächten”. (..) Alle wollen mitmachen.” Gesicht und Flagge zeigen und hoch die Lichterkette und nun alle gemeinam. Natürlich wollen alle mitmachen, weil”die sieben größten Provider und ihre Dachverbände” natürlich weder Eier haben, wie der Spanier das zu sagen pflegt noch einen Arsch in der Hose, wie der laut Wilhelm Reich mehr zwangsanalfixierte Deutsche das ausdrückt. Oder hat jemand die Zivilcourage und steht in einem vollen Saal auf, wenn alle betroffen und moraltheologisch korrekt gucken, und sagt: Ich mache diesen lächerlichen Scheiß nicht mit? Nein, soviel Mut haben die nicht, obwohl alle wissen müssten, dass die geforderten Zensur- und Blockademaßnahmen aus technischer Sicht schlicht Blödsinn sind. Das europäische System heißt übrigens CIRCAMP.
Wie soll das gehen? “Die Provider prüften bei jeder aufgerufenen Webadresse dann automatisch, ob diese in dem Sperrverzeichnis aufgeführt ist.” Also funktioniert es nicht. Ganz einfach. Wer alles sehen will, netzt eben Tor oder andere Anonymisierungmaßnahmen..
Man kann imer nur den Kopf schütteln, welch hanebüchener Unsin einfach so abgedruckt wird. “Man habe es hier mit “Kapitalismus von seiner schlimmsten Seite” zu tun, sagt Ludvigsen: ‘Wenn Sie den Markt entfernen, wird sich die Produktion verringern.’ In Norwegen würden pro Tag etwa 18.000 Zugriffe blockiert, sagt der Polizist – von der Leyen rechnet das auf die deutsche Bevölkerungszahl hoch und kommt auf über 300.000 Kinderporno-Abrufe, die pro Tag verhindert werden könnten.” Ach ja? Das ist wie bei den pöhsen Drogen. Wenn man alle Junkies einsperrte und die Prohibition wieder einführte, dann verringerte sich der Drogenkonsum? Wie dämlich muss man sein, um so etwa zu behaupten?
Dummschwätzer
Wieder ein ausgesprochen schönes Urteil vom Bundesverfassungsgericht. “Bezeichnung als “Dummschwätzer” nicht zwingend eine Beleidigung”. Angesichts der zahllosen Dummschwätzer in deutschen Medien ist das gut zu wissen.
Was sonst noch geschah
Ich habe mein Blog immer als Mischung von Journalismus, Unterhaltung und halb-privatem Tagebuch gesehen – als einen Gemischtwarenladen also. Das Tagebuch habe ich ein wenig vernachlässigt. Ja, ich habe Weihnachten allein verbracht, auch Silvester werde ich nur mit ganz wenigen Freunden in einer Kneipe hier um die Ecke erleben. Ich muss mich an mein neues Single-Dasein erst noch gewöhnen.
Ich war auch nicht auf dem CCC-Kongress “Nothing to Hide” [Blogs], obwohl ich seit 1995 fast keinen ausgelassen habe. Je mehr der CCC zum Mainstream wird, um so weniger kritisch berichten die Medien natürlich über desse merkwürdige interne Gruppendynamik oder die Verschwörungtherorien, die prominente Mitglieder vertreten. Man muss jedoch hinzufügen, dass es keine Meinung des CCC gibt, sondern nur eine Vielfalt, und nur in der Berliner Sektion Sektierer die Lufthoheit errungen haben. Der Verein ist zum Glück, wie Wau Holland es zu sagen pflegte, “nicht verkircht”.
Ich empfehle einen Heise-Artikel: “25C3: CCC will Beschlagnahmen von Festplatten reduzieren”. “Komplette Rechner oder Speichermedien dürfen im Licht des neuen Grundrechts auf die Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme nicht mehr bei jeder beliebigen Straftat beschlagnahmt und durchsucht werden. Dies erklärte Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin, am Samstag auf dem 25. Chaos Communication Congress (25C3) in der Hauptstadt.” Buermeyer ist auch Mitglied der German Privacy Foundation. Ich bin mal gespannt, ob seine Kollegen am Tiergartener Gericht das auch so sehen.
Mitglieder und Vorstand der GPF haben sich am Sonntag nach dem Kongress in einer Kneipe am Alexanderplatz getroffen. Es waren doch mehr gekommen als wir ursprünglich dachten. Die Liste unserer Server samt den Ansprechpartnern ist jetzt online (”Die German Privacy Foundation betreibt momentan folgende Anon-Dienste”) – danke an die Macher!
Ich habe in den letzten beiden Wochen ein paar Bücher angefangen zu lesen, diese aber nach wenigen Seiten enttäuscht zur Seite gelegt: Yael Hedaya: “Zusammenstöße” (langweilig), Banana Yoshimoto. “Hard-boild Hard Luck” (vielleicht nur schlecht übersetzt aus dem Japanischen, berührt mich nicht), Attila Bartis: “Die Ruhe” (interessanter Plot, aber dennoch langweilig). Jetzt lese ich gerade mit großem Vergnügen ein Buch, von dem ich zu allerletzt erwartet hatte, dass es mir etwas sagen könnte – von Peter Rühmkorf “Tabu II. Tagebücher 1971–1972. Reinbek: Rowohlt. 2004″. Ich habe nachgesehen: Von Rühmkorf besaß ich bisher nur “Walther von der Vogelweide, Klopstock und ich.” Ich habe das irgendwann gelesen, vermutlich schon in den Siebzigern, und finde es gerade nicht wieder (steht in zwischen den Büchern in und über Mitteldochdeutsch? Unter Belletristik, alfabetisch? Unter Literaturtheorie?). Kurz gesagt: Ein äußerst amüsantes Lesevergnügen – der literarisch anspruchsvollen älteren Generation kann man es mit gutem Gewissen weiterempfehlen: “Er war ein feinsinniger Ästhet, ein raffinierter Schöngeist, ein exquisiter Ironiker.”
Dr. Herbert Schlangemann
By the way: War Dr. Herbert Schlangemann nicht auch kurzzeitig Berater von Schäuble und Bosbach und hat denen bewiesen, dass die Online-Durchsuchung schon längst praktiziert wird und überhaupt leicht zu machen ist und unverzichtbar, um den Terrorismus mit Stumpf und Stil auszurotten?
Schlafwandelnd das Internet benutzen
Telepolis News: “die Neurologen von der University of Toledo in der Fachzeitschrift Sleep Medicine berichten, nämlich die ersten Person, von der es zumindest bekannt wurde, dass sie schlafwandelnd das Internet benutzte.” Ist das so neu? Ich kenne viele Personen, bei denen dieser Zustand per default zutrifft, darunter auch hochrangige Politiker. SCNR.
Wie das BKA gegen Terroristen ermittelt
…kann man sehr schon hier nachlesen: “Über den Allerweltsbegriff ‘Reproduktion’ im Verfahren ‘militante gruppe’ “.
Sprechen wie R2-D2
Durch Spiegel Online wurde ich auf die Website R2-D2-Translator aufmerksam. Jetzt kann jeder hören, wie Burkhard Schröder sich anhört, wenn der berühnte kleine Roboter es sagt.
Nur für Erwachsene
Welt Online zeigt eine schöne Bilderserie verbotener Plattencover der letzten Jahrezehnte. Man sieht sehr deutlich, dass “Jugendschutz” immer ein Vorwand war, die jeweiligen calivinistischen Moralvorstellungen durchzusetzen. Heute nimmt man gleich den Totschlags-Knüppel “Kinderpornografie”. Verlogen und heuchlerisch bleibt der Begriff “Jugendschutz” immer. Mit dem Unterschied, dass die Diskussion in den siebziger und achtziger Jahren wesentlich unpolitischer und ästhetischer war. Heute geht es in Wahrheit um knallharte politische Zensur und staatliche Repression (vgl. Vorratsdatenspeicherung), die sich nur mit dem Mäntelchen “Jugendschutz” kostümiert.
Unser Mann in Pristina
Der Spiegelfechter: “Im Kosovo spielt sich derzeit ein kaum zu durchschauendes Schmierentheater ab, in dem Nachrichtendienste und die Mafia eine Hauptrolle spielen. In Deutschland stellt man sich die Frage, ob man es mit einem neuen BND-Skandal zu tun hat. Alle Indizien sprechen gegen eine Beteiligung deutscher Schlapphüte am Sprengstoffanschlag in Prisitina. Die Geschichte hinter der Geschichte ist allerdings nicht weniger brisant.” [mehr...]
Warum liest man solche Geschichten nicht auf den Websites großer deutscher Medien? Vielleicht deshalb: “Während andere Staaten eine Mafia haben, hat die Mafia im Kosovo einen Staat. Vor allem der deutsche BND hat sich in den letzten Jahren immer wieder durch Berichte ausgezeichnet, die sowohl die kriminellen Strukturen bis in die höchsten Ämter des Staates, als auch die durch Korruption im staatlichen Verwaltungsapparat selbst anprangerten – so hat beispielsweise jedes Ministerium im Kosovo im vergangenen Jahr Ausgaben zwischen einer halben Million und fünf Millionen Euro aus dem Haushalt nicht erklären können.”
Ich darf hier im Gegenzug an meinen Telepolis-Artikel vom Februar diesen Jahre erinnern: “Polit-Choreografie auf dem Balkan”. Ich teile nicht ganz die Meinung des Spiegelfechter-Autors – aber seine Argumente sich nicht von der Hand zu weisen: “Man hat fast über Jahrzehnte sowohl die terroristische und kriminelle UCK und ihren politischen Arm, der momentan den Kosovo regiert, nach Kräften unterstützt. Nun beißt der Kosovo die Hand, die ihn füttert.”
Wegweisendes Urteil gegen eine kriminelle Vereinigung
Verwaltungsgericht Wiesbaden: “Ein PC kann auch nicht mit Radio oder Fernseher gleichgestellt werden, weil ihm das Merkmal ‘zum Empfang bereithalten” fehlt.’”
Freunde der B-Lage
www.freunde.der.b-lage.de – ein Link für alle NeuköllnerInnen!



















