Fickpulver und mehr
Ich muss kurz zwischendurch einen pädagogisch wertvollen Link empfehlen: “Wie die populärsten Drogen wirken”. Auszug:
“Kokain, auch Fickpuder genannt, gilt als die Gesellschaftsdroge Nr. 1. Sie suggeriert dem Konsumenten, ein extrem gutaussehender, höchst eloquenter Nobelpreisträger mit der sexuellen Anziehungskraft eines schwarzen Loches zu sein. Auf jemanden, der kein Kokain genommen hat, wirkt das eher wie ein exkommunizierter Trappistenmönch, der weiße Puderreste an den Nasenlöchern hat und sich um Kopf und Kragen quasselt.
Kokain steigert das Mitteilungsbedürfnis, lähmt aber in gleichem Maße die Selbstkritik, was dazu führt, dass man jeden chemischen Kurzschluss im Kleinhirn für bares Geld hält und meint, dass er umgehend einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden muss. Kokaingenuss ist die Hauptursache für Rap-Lyrik, Performances und die Gesamtwerke von Rainer Werner Fassbinder und Hermann Göring. (…)
Haschisch ist keine Droge, sondern ein homöopathisches Mittel, das einer Dämonisierungskampagne zum Opfer gefallen ist. Unter Haschischeinfluss dehnt sich das Raum-Zeit-Kontinuum um 500 Prozent, d. h., man kann bei konsequentem Haschischkonsum 400 Jahre alt werden, mehr als bei jeder anderen Droge.” [mehr...]
Sarrazin: Öfter mal kalt duschen
Laut sueddeutsche.de sagte Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin etwas zur derzeitigen Hartz-IV-Debatte. “Er verteidigte die geltenden Sätze und nannte sie ausreichend. Letztlich sei es keine Geldfrage, sondern eine Frage der Mentalität, des Wollens und der Einstellung. ‘Wo diese fehlt, hilft auch kein Geld, und wo diese da ist, ist das Geld gar nicht so wichtig.’ Als Sparmöglichkeit nannte Sarrazin das Duschen: ‘Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben.’”
Sexy Javascript Kapitalismus
Ich muss etwas über mein Medien-Rezeptionsverhalten bekennen: Ich habe mich bei meiner morgendlichen Lektüre der Nachrichten nur auf drei Themen beschränkt, mehr haben mich nicht interessiert. Aber ich bin für nichts und keine Zielgruppe repräsentativ, ein Alptraum für Leute, die Umfragen machen. Das wurde mir mehrfach bestätigt. Also gehen die Medien und die Welt nicht unter.
Ob ihr’s glaubt oder nicht: Zuerst habe ich etwas über Javascript gelesen (via Fefe. Ich hatte hier und hier und hier schon etwas zum Thema publiziert.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat genug zu den Risiken von Javascript veröffentlich. Es nützt aber nichts; die normalen Surfer sind einfach zu blöd dazu, das zu beherzigen. Zweit Drittel aller Medienberichte über die “Gefahren” des Internet könnten schlicht entfallen, weil sie in Wahrheit nur davon handeln, dass DAUs Javascript im Browser aktiviert oder gar HTML-Mails akzeptiert haben. Die so genannten sozialen Netzwerke, deren Geschäftsmodell darin besteht, Nutzer auszuspionieren und die Daten dann zu verkaufen, tun ihr Übriges, um die Leute zur Blödheit zu erziehen: “Please activate JavaScript to use XING.” Quod erat demonstrandum.
Das obige Beispiel (Screenshot) ist jedoch geradezu umwerfend: Die Website einer Kanzlei weist auf einen Artikel hin, der vor dem Einsatz von Javascript warnt. Um den lesen zu können, muss man Javascript einschalten. Bruhahaha.
Das zweite Thema, das mich interessierte, war – was nicht überraschen wird – Megan Fox. “Ich habe etwas Mütterliches an mir. Auch wenn mir das niemand abnimmt”, sagte die Schauspielerin nun dem Magazin ‘W’.” Natürlich ist man bei Spiegel Offline zu dumm, die Website des zitierten Magazins zu finden. Dafür gibt es ja Blogger und Online-Journalisten, die das können.
Die Story ist übrigens ausgezeichnet, das Niveau um Längen besser als das, was man in deutschen Medien über the sexiest woman of the world normalerweise zu lesen bekommt: Hier ein Auszug: “Throughout our conversation Fox is talkative, but she has trouble looking me in the eye. Perhaps her hesitation stems from her discomfort with holding forth on an industry that intimidates her, or perhaps it is part of a concerted effort to “pull back” (as she told an interviewer she planned to do late last year) from the no-holds-barred persona that she has – by all appearances intentionally – projected since her big break in 2007’s Transformers. She looks down; she stares at the table; she glances past my shoulder, toward a table piled with jewelry. She wraps a piece of her long dark hair around a finger. There’s nothing spacey about Fox, but the steely, blue-eyed gaze of a woman armed with a thousand sound bites is nowhere to be found.”
Und hier ist das Original-Zitat, um das es ging, und es ist ernst gemeint: “No one believes me when I talk about this, but I’m really, really maternal,” she says. “I worry that because I’ve always wanted [kids] so much, as the world goes sometimes, I won’t be able to have them, even though I would be able to provide them with such an amazing environment.”
Das dritte Thema heute war der Kapitalismus an sich. Die Zahl der Armen steigt rasant: “Jeder siebte Mensch in Deutschland lebte 2008 an der Grenze zur Armut oder war arm.” Wer hätte das gedacht?! Dabei lieben wir doch alle dieses Wirtschaftssystem, das uns alle glücklich macht und Wohlstand für alle verspricht und zu dem es keine Alternative gibt, nicht wahr? Wer diese Fakten “alarmierend” nennt, bedient sich des suggestiven Neusprechs. Es interessiert niemanden, wie viele Leute arm sind oder zur industriellen Reservearmee gehören.
“Das Kapital schafft daher sowohl eine industrielle Reservearmee für seine ständig wechselnde Arbeitsnachfrage, andererseits ist die Existenz dieser Reservearmee absolute Bedingung für die reibungslose Akkumulation des Kapitals. (…) Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.” Nun, das stimmt immer noch, obwohl das vor rund 150 Jahren geschrieben wurde. Dass die Armen ärmer und die Reichen reicher werden im Kapitalismus – it’s not a bug, it’s a feature.
Angelika möchte Dich als ihren Freund hinzufügen
Facebook & Co: Serdar Somuncu – Hass auf Freundesanfragen in sozialen Netz(werk)en
Miranda Kerr oder: Was der kann, kann ich auch
Der Geist muss sich bewegen, besonders im Alter. Junge schöne Frauen eignen sich dafür ganz gut. Durch deutsche Medien (ja, ein Artikel mit Links! Deswegen lese ich natürlich bild.de und nicht Spiegel Offline!) geistert die Nonsens-Meldung, der Angestellte einer Bank haben sich erotische Fotos des australischen Models Miranda Kerr angesehen, während ein Fernsehsender seinen Kollegen interviewte. Das interessiert uns jezt alle brennend, und natürlich gibt es das passende Video dazu.
Auf dem war aber kaum etwas zu erkennen. Ich musste eine Ausschnittvergrößerung machen. Dann wollte ich das Bild auch sehen. Es hat 45 Sekunden gedauert, dann hatte ich es. War eine nette kleine Denksportaufgabe in Google-Dur und absolut sinnfrei.
Die Dame ist wirllich süß und hat zudem eine sympathische Weltanschauung. Ich sympathisiere aber mit dem Kommentar eines Leser bei YouTube: “Wow the female presenter is a real hottie. I want one of those for myself please.” Die Stimme der Frontfrau bei 7News turnt mehr an als der Körper der schönen Miranda. Aber vielleicht muss man dazu etwas älter und sophisticated sein, um das würdigen zu können…
Hemmungloser Sex
Bild.de klärt auf: Die Schauspielerin Antje Mönning spielt nicht nur Nonnen wie in “Um Himmels Willen, sondern auch in Sex-Filmen mit.
Was müssen wir darüber dringend wissen? Ab 4. März 2010 in ausgesuchten Kinos “geht es richtig zur Sache: Oralsex, Masturbation und Dildo-Spiele! Titel des Werks: ‘Engel mit schmutzigen Flügeln‘. ‘Meine Orgasmen im Film waren echt. Manche Szenen wurden mehrfach gedreht, und jedes Mal waren meine Orgasmen echt’.”
Gut zu wissen. Jetzt fühle ich mich schon viel aufgeklärter. Das Wichtigste fehlt aber noch: “Hemmungslos lässt sich die beliebte Schauspielerin beim Sex mit mehreren Männern filmen, masturbiert mit einem Dildo auf der Bühne eines Sexclubs!”
Liebe bild.de: Das ist ja schön und gut – aber warum lasst ihr mich auf Eurem Bildchen noch nicht einmal die Nippel der Dame sehen? Ist das jugendgefährdend oder beeinträchtigt der Anblick weiblicher Brustwarzen die “Entwicklung”, wohin auch immer?
“Klostertauglicher Jugendschutz” in Deutschland – das bekommt jetzt einen ganz neuen Beigeschmack.
Männer haben mehr Persönlichkeit
Jetzt weiß ich, warum manche Frauen Probleme mit mir haben: “Frauen finden es attraktiv, wenn ein Mann vorhersehbar ist. ” Das ist sogar wissenschaftlich erforscht. [Quelle1 | Quelle 2]. Wer einmal Zen praktiziert hat, ist daher vermutlich bei den Frauen evolutionär unten durch… Zen-Meister wie meiner (R.I.P.) tun immer etwas Unvorhersehbares.
Dusselmann, Heine und Himbeertorte
Da liegt Harry Heine neben der Himbeertorte, ganz neu und frisch und billig, billig, Reclam, obwohl das auch nicht mehr stimmt. Die ersten Bücher in diesem Jahr gekauft, drei für 20 Euro und hasserfüllte Blicke von Verkäuferinnen in der Kaufhalle für Kultur. Ich bin vor dem Regen da hineingeflüchtet, weil ich einen meiner Anwälte aufgesucht hatte, der très chic in Berlin-Mitte residiert.
Nach dem Bloggen über Heine fiel mir unangenehm auf, dass ich dessen gesammelte Werke gar nicht besitze, sondern nur das, was eindeutig politische Titel trägt. (Dafür aber alles von Ernst Bloch, Tucholsky, Brecht, Thomas Mann, Hermann Hesse, Lessing, Shakespeare, Oskar Maria Graf, Stefan Heym, Schiller und Goethe. Nur falls jemand nicht weiß, was zu lesen wäre.) Vor rund 35 Jahren, als ich Heine zum ersten Mal las, legte ich noch Lyrik unbesehen beiseite. Im Alter wird man weiser.
Zugegeben: Mir fällt es leicht, mich in Buchhandlungen unbeliebt zu machen. “Ich bin’s gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen, mein Sinn ist auch ein bischen starr und zähe; wenn selbst der König mir ins Antlitz sähe, ich würde nicht die Augen niederschlagen.” Ich weiß meistens mehr über Bücher als die, die sie verkaufen. “So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen.” Manchmal haben Verkäuferinnen auch einfach Pech mit mir: “Warum wir hemmungslos verblöden” schrie es mir am Eingang des Kulturkaufhauses entgegen. Gute Stimmung garantiert. Stimme prophylaktisch “vollinhaltlich” zu.
Ich suchte also zwischen “Bestsellern”, Büchern wie “Frauen atmen selbst” und gefühlt drei Milliarden Schundromanen nach Heine. Sehr dünn, das Sortiment – das “Wintermärchen” gab es nicht oder es war ausverkauft. “Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.” Nein, Harry, das muss jetzt nicht sein.
Heine gekauft: “Romanzero“, “Neue Gedichte” und “Buch der Lieder“. (An die Nachgeborenen: Heinrich Heine liest man nicht als pdf. Tori Udon isst man auch nicht mit Messer und Gabel.)
Dann wollte ich noch eine literarische Sättigungsbeilage erstehen: “Inspektor Saitos kleine Erleuchtung” von Janwillem van de Wetering. (Natürlich besaß ich das schon, ich hatte es aber offenbar verliehen und nicht wiederbekommen.) Ich fand ihn nicht, fragte also nach. “Er sprach mit jener stillen, impertinenten Zurückhaltung, die noch unerträglicher ist als die vollauteste Aufschneiderei.” Fünf Verkäuferinnen bei Dussmann, und keine kannte van de Wetering. Nun gut, er ist erst seinem einem Jahr tot, aber nach Chandler der beste Kriminalschriftsteller der Neuzeit. “Gott wird mir verzeihen, das ist sein Beruf,” murmelte ich vermutlich, “aber nicht euch.” Ich bin nicht Gott, und selbstverschuldete Dummheit und mangelnde Bildung verzeihe ich selten. “Ja, man muß seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden.” Sie sahen nach: “Den führen wir nicht, und der wird auch nicht mehr aufgelegt.” Kann denn das wahr sein? Gut, dass wenigstens Heine noch gedruckt wird, obwohl sich die Düsseldorfer zwei Jahrzehnte stritten, ob denn ihre Universität seinen Namen tragen dürfe. Muss ich jetzt van de Wetering bei ebay ersteigern?
By the way: Die Tasse auf dem Foto ist kein Stilbruch, sondern ein eklektizistisches Einzelstück mit der Aufschrift “Gesundheitswesen”, die mir eine liebe Freundin aus einem Krankenhaus …äh.. mitgebracht hat.
Stilleben mit Wikipedia, Drogen, Laptop und Humboldt
Weiß überhaupt jemand unter fünfzig, was ein Stilleben ist? Früher nahm man für diese Kunstform zum Beispiel Totenköpfe oder Blumen und fügte bildlich zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört. Wäre ich Lehrer, würde ich die Schüler mit meinem Foto quälen: “Verfassen Sie (Oberstufe!) eine Bildinterpretation, eine Erörterung oder einen Erlebnisbericht” (sorry, “Bildinterpretation” und “Erlebnisbericht” hat Wikipedia gelöscht, “Erörterung” jedoch nicht. Nicht relevant. Gut zu wissen, dass Wikipedia jetzt auch Curricula vereinfacht – an die Lehrer weitersagen!).
Ich stand nur zu lange vor dem Getränkeregal im Supermarkt meines Vertrauens. Haben die Wessis auch so leckeres Bier, das so preiswert ist? Wir sind hier nur 100 Kilometer von Polen entfernt, und das osteuropäische Bier erobert die Kneipen wie Attila die Steppe. Tyskie (ich kann deren Website nicht öffnen) ist ohnehin hier im südlichen Richard-Kiez schon Standard. Danach kommt gleich Lech. (Vorurteil erhärtet: Polen können keine Websites bauen.)
Das böhmische Březňák (ja, gibt es in meiner Stammkneipe! Ich lebe in Böhmisch-Rixdorf!) kostet nur 59 Cent pro Flasche. Das tschechische Staropramen (ja, ich bin 19 Jahre alt und darf Bier ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten ansehen! Tschechen können auch keine Websites bauen…) kenne ich noch nicht.
Da steht doch noch eine Flasche? Ja, die kostete nur 1,99 Euro und enthält Nüwáng-Pflaumenwein. Lecker, besonders mit Kaffee und wenn man gerade die Bachelor-Arbeit eines Freundes Korrektur liest.
Was ist auf dem Laptop zu sehen? Darauf kommt ihr nie: ein Foto, das ich vor rund zehn Jahren geschossen habe. Dämmert es? Wo war ich damals? Richtig. Um welchen großen Fluss könnte es sich also handeln? Immer an Humboldt denken! Richtig: Auf meinem Laptop sind die berühmten (bei Gringos und Humboldt-Kennern) Raudales (”Wasserfälle”) des Orinoco als Hintergrundbild, und das Bild habe ich hier in südwestlicher Richtung gemacht. Ich stand ganz allein auf dem Berg, umgeben von ärmlichen Hütten, und war schier überwältigt von der Schönheit des Anblicks. Die Sonne brannte aber so unbarmherzig, dass ich mich auf den Boden setzen musste, weil ich dachte, ich würde gleich ohnmächtig werden.
Die Kaffeetasse? Die gehörte meinem verstorbene Großvater, ist extra groß und mehrere Jahrzehnte alt und hat alle Spülmaschinen ohne Blessuren überstanden. Jetzt wird sie nur noch per Hand gewaschen.
Das alles war jetzt total unwichtig und ist ein tpisches Wochenend-Blog. Vergesst nicht den URL des ausgedruckten Textes unter dem Bier zu finden.
Gebt die Drogen frei! Oder: Arbeit macht drogenfrei
Zeit Online, Ihr habt jetzt zehn linkfreie “online”-Artikel frei, ohne dass ich meckere! Warum? Wegen dieses Artikels: “Gebt die Drogen frei! – Eine kühle Kalkulation von Kosten und Nutzen zeigt, dass der Kampf gegen das Rauschgift gescheitert ist. Weil er scheitern musste”. (Ein kausaler Nebensatz als Hauptsatz? Gut, man kann nicht alles haben, aber das ist Asthma-Stil).
Zentrale Botschaft: “Der ‘Krieg gegen die Drogen’ ist eine gescheiterte Strategie, die weit mehr Schaden als Nutzen gebracht hat. (…) Der Kreuzzug gegen die Drogen wird als eine der größten Torheiten der Neuzeit in die Geschichte eingehen.”
Ja, jedes Wort wahr. Jetzt aber verrate ich euch was. Seit meinem Buch “Heroin” (erschienen 1993) und auch schon vorher hat es immer wieder einzelne vernünftige Menschen gegeben, die genau das sagten, was man jetzt bei Zeit online liest. Ich empfehle die Artikel des Nobelpreisträgers Milton Friedman, ganz besonders: “The War We Are Losing“.
Aber das alles ist vergebliche Mühe. Es geht nicht um Argumente. Damals schrieb ich (in alter Rechtsschreibung):
“Was der Gesellschaft gerade an der Heroinsucht so aufstößt, hat wenig mit der Droge selbst, um so mehr mit der damit zusammenhängenden Subkultur zu tun. Kompliziert formuliert: ‘Die strukturelle Anfälligkeit westlicher Gesellschaften für Konflikte über die moralische und rechtliche Bewertung des Drogenkonsums ergibt sich aus der delikat ausbalancierten Stellung des Drogenkonsums in einer sowohl am Leistungs- wie auch am hedonistischen Prinzip orientierten Gesellschaft.’
Einfacher: Wer etwas leistet, erfreut sich in Gesellschaften, die im weitesten Sinne auf den moralischen Prinzipien der protestantischen Arbeitsethik fußen, eines hohen Ansehens – und darf sich dann auch mal was Schönes gönnen. Wer freiwillig faul ist, gilt, je nach Rigidität der Norm, als sozialer Abweichler. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, hieß es im alten Preußen. Wer dem Rausch frönt und süchtig ist, genauer: nach oder von illegalen Drogen süchtig ist, sei arbeitsunfähig und damit auch moralisch verwerflich – so jedenfalls das Klischee der öffentlichen Meinung. Man darf dem individuellen Lustprinzip huldigen, wenn man vorher etwas geleistet hat, nur dann. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
Die Frage ist nur: Wie viele Arbeitsunwillige kann unsere Gesellschaft vertragen? Nicht ihre reale Zahl ist wichtig, sondern ihre symbolische Ausstrahlungskraft, die Faszination einer Drogen-Subkultur, die den normal arbeitenden Bürger zutiefst verunsichert. Die ‘Sucht’, die gleichzeitig das Lustprinzip auf die Spitze treibt, ist ein Angriff auf die Moral. Sucht ist nur in der Freizeit gestattet, als Ausgleich zum Streß des Arbeitslebens, als verschämt genossenes Privatvergnügen oder im Rahmen akzeptierter Rituale wie beim Fußball oder im Vereinswesen.
Das Klischee der ‘Sucht’ als Verweigerung der Leistung ist so in den Köpfen etabliert, daß die Realität kaum eine Chance hat: Heroinabhängige, die problemlos mit ihrer Droge versorgt würden oder werden – was wegen der Illegalisierung des Heroins kaum der Fall ist -, sind genauso arbeitswillig und -fähig wie jemand, der jeden Tag drei Schachteln Zigaretten raucht. Ihre Leistungsfähigkeit ist nicht wesentlich beeinträchtigt, noch nicht einmal, im Gegensatz zu Alkoholikern, die Fahrtüchtigkeit. Sie richten also keinen Schaden an, jedenfalls nicht mehr als diejenigen, die ohne Drogen auskommen Warum sollte also die Heroin-Sucht überhaupt behandelt oder gar therapiert werden?”
Der “Kampf gegen Drogen” ist ein zentrales Element der protestantisch-asketischen Alltagskultur, die Mitteleuropa seit dem Mittelalter und vor allem die puritanische USA geprägt haben. Das “Sich-gehen-Lassen” im Rausch ist das Gegenteil der Arbeit, also verboten. Und Arbeit (oder Sport) machen angeblich “drogenfrei”, wenn man der moraltheologischen Werbung und den Leitsätzen der “Therapien” glauben will. Das aber ist Unfug.
“Im neuzeitlichen Mitteleuropa ist der Konsum von Drogen nicht, wie im Orient, in das soziale Leben integriert, er wird vom herrschenden Tugendkanon als abschreckendes Beispiel definiert, wie man es nicht machen soll. Selbstkontrolle und -disziplin gelten als unabdingbar für die Stabilität der sozialen Ordnung. Wer sich gehenläßt und dem Rausch frönt, kann seine Arbeitskraft nicht mehr eigenverantwortlich auf dem Arbeitsmarkt verkaufen. Der französische Philosoph Michel Foucault hat die These aufgestellt, die Irrenanstalten – Vorläufer der heutigen psychiatrischen und Nervenkliniken -, die es erst in der modernen Gesellschaft gibt, hätten zur Wiederherstellung der ‘kollektiven Selbstdisziplin’ gedient. Die Gesellschaft erklärt einige Verhaltensweisen für «normal» und «nützlich», andere für verwerflich und krank. Vor diesen muß man sich schützen, indem man die Betreffenden, die sich uneinsichtig verweigern, wegsperrt”.
“‘Sucht’ als Phänomen, das sowohl repressive staatliche Maßnahmen nach sich ziehen muß als auch nach therapeutischem Bemühen verlangt, taucht erst dann auf, wenn sich die Süchtigen als soziale Randgruppe und/oder als subversive Subkultur im Bild der Öffentlichkeit etabliert haben. Das hat mit der Realität wenig zu tun, sondern dient den jeweiligen Interessen, das Verhältnis des Bürgers zum Staat zu definieren. Die Vorstellung von ‘Sucht’ als Krankheit ist untrennbar verbunden mit der Unterdrückung von unerwünschtem Verhalten und von Minderheiten.”
Womit wir bei der Drogenpolitik wären. “Der SS- und Polizeichef Heinrich Himmler schreibt am 5.12.1937: ‘Kein Deutscher hat daher das Recht, die Kraft seines Körpers und Geistes durch Alkoholmißbrauch zu schwächen. Er schädigt damit nicht nur sich, sondern seine Familie und vor allem sein Volk’.” [Ersetze "Alkohol" heute durch "Heroin" oder "Marihuana".]
Ceterum censeo: Wer beim Thema Drogen auf Vernunft und Argumente baut, hat verloren und kann auch gleich Perlen vor die Säue werfen. Es geht viel mehr um Vorurteile und Moraltheologie. Und dagegen ist kein Kraut gewachsen.
Die Fotos stammen aus einem Wahlwerbespot der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands (APPD), der vom WDR 2005 abgelehnt wurde. Begründung des WDR: “Als offensichtlich schwer jugendgefährdende Trägermedien und daher als unzulässige Angebote im Sinne der genannten Norm hat die Rechtsprechung insbesondere solche angesehen, die die Darstellung sexueller Erniedrigungen auch unterhalb der Pornographiegrenze (vor allem sog. “Sado-Maso” und “Bondage”-Inhalte), die Verherrlichung des sexuellen Auslebens, wahlloser Partnerwechsel oder sexueller Lust oder die Verherrlichung oder Anpreisung des Alkohol- und Drogenkonsums sowie von Gewalt beinhalten.”
Mehr Links und mehr Porn, verdammt noch mal!
Jemand hat netzpolitik.org anonym Listen von zahlreichen SchülerVZ-Nutzern zugeschickt. (Anonym? Wie hat dieser Jemand das gemacht? Wir haben die Antwort!)
“Ein Datensatz umfasst mehr als eine Million Datensätze mit den Feldern Profil-ID, Name und dazugehörige Schule samt ID. Ein kleinerer Datensatz zeigt detailliertere Informationen mit den Feldern Profil-ID, Name, Schule samt ID, Geschlecht, Alter und Profil-Bild (Plus dazu gehörigem Link auf Bild) an.” Zum Thema steht im Heise-Forum ein hübscher Link: svz-captcha – “a captcha solver for studivz/schülervz/meinvz”. Nachmachen.
Bei Spiegel Offline geht es um die Taliban und Al Kaida: “Bei der Pressekonferenz brachte einer der Journalisten den neuen TTP-Chef dazu, ein paar autobiografische Notizen handschriftlich zu verfassen. Die New Yorker Nefa-Foundation, ein Think Tank mit dem Arbeitsschwerpunkt Terrorismus, veröffentlichte die Blätter und eine Übersetzung.” Faules und arrogantes Pack, uns den Link zur Nefa-Foundation und zu den Quellen vorzuenthalten! Ja, faul und arrogant seid ihr. Keine Ahnung vom Online-Journalismus.
Gleich noch mal, weil Sex sells: Feministischer Pornopreis – “Wir wollen die Jungs aus der Schmuddelecke holen” Spiegel Offline geht erst gar nicht hinein: “…spricht die Initiatorin Laura Méritt über faire Pornos, farbige Sexspielzeuge und genretypischen Schmalspursex.” Nachdem wir uns jetzt voyeuristisch aufgegeilt haben, wollen wir einen Link, oder? Nicht bei Spiegel offline, aber hier. Twitter findet PorYesEurope, dort ist auch der Link zur Website. “Mit dem Label PorYes werden zukünftig eingereichte Filme zertifiziert, die feministischen Kriterien entsprechen und den Reichtum sexueller Ausdrucksweisen einbeziehen.”
Die Webmistress braucht noch ein wenig Nachhilfe in HTM, und Laura Méritt ein paar Tipps, wie frau gutes Deutsch schreibt. Auf keinen Fall, mit Verlaub: “Wenn Sie bei der Vorfreude und Entscheidungsfindung eine fröhlich kompetente Unterstützung brauchen”. Mit dem Deutsch ist es wie mit dem Sex: Immer locker bleiben bei der Orgasmusfindung!
New in the Blogroll: Más de una (idea)
Neu in der Blogroll: Lucía Schaffer aus Montevideo in Uruguay mit dem Blog “Más de una (idea)” ["mehr (als) eine Idee", in spanischer Sprache]
I had a dream…
Ein sehr stimmungsvolles Bild – erinnert mich irgendwie an Edward Hopper. [Via Erotica Curiosa]
Krass billisch lecker Paprika
Vielleicht wollen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser etwas selbst kochen, vegatarisch (ich esse aber alles, was nicht mehr als vier Beine hat) und super lecker und billig (Neuköllner Preise sind wie üblich unschlagbar)?
Man und frau nehme drei rote Paprika (88 Cent bei Aldi), zwei Zwiebeln, dazu Lauchzwiebeln (ein Bund 25 Cent) oder drei Porreestangen (Lauch gibt’s bei bei Aldi zur Zeit nicht einzeln, 89 Cent), Knoblauch auf Vorrat (49 Cent drei große Zwiebeln), eine Tube Tomatenmark (55 Cent, für eine Mahlzeit verbraucht man rund ein Drittel der Tube), eine Tüte Spaghetti (49 Cent), eine große Dose passierte oder Schältomaten (69 Cent), ein halbes Dutzend Peperoni (rund 50 Cent), Chilischoten oder Pulverchili oder beides und Käse zum Reiben (weniger als ein Euro). Alles zusammen kostet rund fünf Euro. Eine Flasche Breznak-Bier (habe ich nur bei Edeka gefunden) kostet 59 Cent.
Öl in die Pfanne, kleingehackte Zwiebeln anbraten, Knoblauch klein häckselnoder mit der Knoblauchpresse zerquetschen. Auch rein. Paprika und Lauch/Lauchzwiebeln und Peperoni klein schneiden, dann in die Pfanne. Deckel drauf und ein wenig dünsten lassen, bis alles weich ist. Dann die passierten Tomaten rein und das Tomatenmark (je nach Geschmack), Salz, Pfeffer und Chili. Wenn’ fertig ist, Käse drüber raspeln.
Währenddessen die Nudeln al dente kochen, abschrecken und mit Butter anrichten. Es reicht für zwei Personen. Oder für eine zwei Tage. Am nächsten Tag kocht man Kartoffekn (am besten Pellkartoffeln), schneidet sie klein und legt sie in einen Bräter (Römertopf geht auch, dauert aber länger). Die Reste vom Vortag (inklusive Nudeln) schüttet man darüber, raspelt wieder Käse darüber (oder legt einfach Scheiben darauf), stellt den Bräter in den Backofen und macht einen Auflauf.
Pop Life: Art in A Material World [Update]
Zunächst: Kopf ab zum Gebet! Es geht wieder um das, was die “Kinderschützer” und schmallippigen Jugendschutzwarte für KiPo halten. Rationales Denken ist also in den Mainstream-Medien verboten.
Und nach einer Gedenkminute jetzt wieder zurück in die Realität. Spiegel offline schreibt gewohnt linkfrei: “Brooke Shields war gerade mal zehn Jahre alt, als sie halbnackt für den Fotografen Gary Gross posierte. Das Londoner Museum Tate Modern zeigt eines der Motive nun in einer Ausstellung. Kinderschützer sind empört: Das Bild sei ein ‘Magnet für Pädophile’.”
Ja, die dreckige Fantasie einen “Kinderschützers” müsste man haben, dann dächte man an alles Un- und Mögliche, nur nicht an eine unschuldiges und nackes zehnjähriges Mädchen. Die Leute, deren psychischer Zustand die calvinistische und bigotte Empörung in Permanenz ist, scheinen an einer Art Obsession zu leiden. Überall Kipo. Man kann nur mit dem Volksmund antworten: Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.
Zum Foto schrieben Daniel Girardin und Christian Pirker im April 2008 auf einer kanadischen Design-Website: “The picture comes from a series taken by Garry Gross, an advertising photographer from New York who was regularly employed by Brooke’s mother to photograph her daughter, then a model with the Ford agency. At the time, Gross was working on a project for publication entitled The Woman in the Child, in which he wanted to reveal the femininity of prepubescent girls by comparing them to adult women. Brooke Shields therefore posed for him both as a normal young girl and in the nude, her body heavily made up and oiled. She received a fee of $450 from Playboy Press, Gross’s partner in the project. Her mother signed a contract giving Gross full rights to exploit the images of her daughter. The series was first published in Little Women, and then in Sugar and Spice, a Playboy Press publication. Large prints were also exhibited by Charles Jourdan on 5th Avenue in New York.”
Auch das Foto bekommen wir bei Spiegel Offline nicht zu Gesicht. Wo kämen wir den hin, wenn die Rezipienten erführen, um was es geht?! Die Redakteure sind selbstredend auch zu blöd, einen Link auf das Museum und dessen Ausstellung zu setzen. Dazu müsste man fünf Sekunden recherchieren. Dafür verraten sie uns freundlicherweise, wo sie abgeschrieben haben: “Wie die Tageszeitung ‘Daily Telegraph‘ berichtet” (natürlich ohne den Link). Und da erfahren wir, was Spiegel Offline verschweigt: “Tate Modern gallery has withdrawn a controversial photograph of Brooke Shields following a visit by police, amid concerns it could be in breach of child pornography laws.”
Das Foto ist übrigens aus dem Jahr 1975. Und es ist große Kunst, weil es das hervorlockt, was im jeweiligen Gehirn oder Rückenmark schlummert. Das Foto an sich ist so “unschuldig” wie das Model auch.
Update: SpOn: “Museum entfernt Nackt-Kinderfoto von Brooke Shields”
Steampunk mal anders
Via Erotica Curiosa
Froh zu sein bedarf es wenig
Ich sag Euch jetzt, was Luxus ist. Ich sitze hier auf meinem kleinen Balkon, surfe und blogge, die letzten Strahlen der Herbstsonne huschen über die Dächer, ich trinke grünen Tee, höre via Headset fetzigen Merengue und Cumbia aus Kolumbien (das rockt!).
Natürlich wäre ein Ausblick auf den Orinoco, die Cordillera Blanca in Peru, die spanischen Pyrenäen, die Bucht von Georgetown auf Grenada oder den Ozean vor Cartagena hübscher. Auch könnte ich jetzt sehr gut 10 000 Euro gebrauchen, um wieder ruhig schlafen zu können. Aber das Ambiente hier ist wahrer Neuköllner Luxus.
Eric Dane, Rebecca Gayheart, And Kari Ann Peniche’s Uncensored Sex Tape
Manchmal ist es nur noch lächerlich und man fragt sich, ob deutsche Journalisten gar kein Gespür mehr dafür haben, wie albern sie sind. Spiegel Online: “‘Grey’s Anatomy’-Star verklagt Blog auf eine Million Dollar”. Anlass: “Seit Montag wird ein Sex-Video des US-Schauspielers Eric Dane im Internet verbreitet, das den 36-Jährigen “Grey’s Anatomy”-Star zusammen mit seiner Ehefrau Rebecca Gayheart, 37, und dem Hollywood-Sternchen Kari Ann Peniche, 25, nackt zeigt”.
“Danes Anwalt Marty Singer argumentiert einem Bericht des ‘People’-Magazins zufolge, ‘Gawker”‘ sei informiert gewesen, dass eine Veröffentlichung des Privatvideos rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen werde und habe es dennoch in seiner ‘Defamer’-Kolumne gezeigt. ‘Gawker’-Herausgeber Nick Dention reagierte betont gelassen – und zitiert eine frühere Äußerung des Anwalts Singer: “Wenn du nicht willst, dass ein Nacktvideo ins Internet gelangt, dann dreh keins!’”
Wie kann man nur so bescheuert sein, und derartige Sätze linkfrei lassen und sich dann noch “online” schimpfen? Ich verstehe es einfach nicht. Dummheit, Ignoranz, Faulheit, Feigheit?
Hier sind das Video, das gawker.com-Blog, Infos zu Eric Dane, Rebecca Gayhear, Kari Ann Peniche (süß!), Marty Singer ( Rechtsanwalt), Grey’s Anatomy (Fersehserie). Diese Links hätten in einen Artikel gehört, der den Anspruch erhebt, Online-Journalismus zu sein. Spiegel “online” erfüllt diesen Anspruch definitiv nicht.
Weiter heißt es: “Wie das Online-Portal people.com berichtet, gebe es zudem eine weitere Version des Films, auf dem der spätere Geschlechtsverkehr zu sehen sein soll.” Soll. Gerüchte. Den Rest des Videos suche ich jetzt nicht. Das sollen die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser selbst tun. Oder fragen Sie Spiegel offline.
Burks goes Gor
Dumm gelaufen. Jetzt habe ich eine Woche gebraucht, um eine zweite Fotoserie über Second Life zu produzieren – und niemand will sie kaufen. Allzu lange biete ich die auch nicht an. Der Kundenkreis ist ohnehin extrem überschaubar. Standardargument: “Wir haben kein Geld dafür und produzieren unsere Bilder selbst.” Ja, so sehen die über Second Life dann aber auch aus – irgendwelche grinsende Avatarinnen auf zwei Jahre alten Screenshots und sonst nichts. Ich werde die Story – Bilder und Text – in Kürze als Serie hier veröffentlichen und garantiere gute Unterhaltung und “Fotos”, die auch die Second-Life-Abstinenzler mit Vergnügen ansehen werden.
Bei einem anderen Thema, für das ich schon einen Abnehmer habe, komme ich ebenfalls nicht voran, weil die Recherche sich als sehr kompliziert gestaltet (mehr dazu demnächst). Daher habe ich mir gleich etwas ganz anderes in Second Life vorgenommen, über das auch noch nie jemand etwas geschrieben hat. (By the way, liebe KollegInnen: Ihr habe kaum Chancen, mir das Thema zu klauen – dazu ist es zu aufwändig zu recherchieren.) Eine der größten Communities in Second Life und gleichzeitig eine, die sich hermetisch von gewöhnlichen Nutzern abschottet, sind die “Goreaner“. In “Gor” findet ein kompliziertes und oft sexuell konnotiertes Rollenspiel statt: “Gor, the Counter-Earth, is the alternate-world setting for John Norman’s Chronicles of Gor, a series of twenty six novels that combine philosophy, erotica and science fiction.” Wer mehr Informationen will, lese zum Beispiel den Wikipedia-Eintrag über Kajira (”The phrase “la kajira” is said to mean “I am a slave-girl” in the Gorean language”) oder über “Male domination“. (”Male dominance, or maledom, refers to BDSM activities where the dominant partner is male.”)
Es handelt sich also auf den ersten Blick um ein pseudo-mittelalterliches Fantasy-Rollenspiel anhand vorgebener Trivialromane (deren Inhalt als bekannt vorausgesetzt wird, um überhaupt teilnehmen zu können). Auf den zweiten Blick geht es um zum Teil abseitige sexuelle Praktiken, die in geschlossen Online-Communities in bestimmten Kostümen exzessiv ausgelebt werden. (Ja, ich verspreche Screenshots!) Ich habe genug Kontakt zu Frauen online, die mir Tipps geben werden. Die Ausstattung meines Avatars ist abgeschlossen (kostete eine Menge Lindendollar – einige reale Euro), auch ist mein Avatar bis an die Zähne bewaffnet (Langbogen, Schwert, Messer, vgl. Screenshots). In Gor in Second Life wird man gewzungen, den Avatar “sterblich” zu machen – wer sich dem verweigert, ist zwangweise als “Beobachter” zu erkennen, wird nicht beachtet und kann die interessanten Orte nicht erkunden. Man kann dort gekidnappt, versklavt und verkauft werden. Natürlich darf man sich dem entziehen, indem man sich ausloggt – aber man darf dann die virtuellen Terrotorien auch nicht mehr betreten – außer man akzeptiert den Status quo ante des Avatars. Im Unterschied zu Computerspielen muss man das Ambiente erkunden, sich die Regeln, die zum Teil erheblich variieren, selbst zusammensuchen – es gibt keine Handbücher, die diesen Namen verdienten.
Ich habe einigen Kontaktpersonen, die in “goreanischen” Second-Lfe-Territorien fleißig mitspielen, schon angekündigt, dass ich mich als zu Beginn als “heimatloser” einsamer Krieger einer Gruppe anschließen werde, die auf Raub- und Kriegszüge geht. Kriege (”raids”) müssen 48 Stunden vorher angekündigt werden, damit die “Betroffenen” vorher alle ihre Avatare, die Waffen tragen können, herbeitrommeln, um zu verhindern, dass die Frauen geraubt und das Territorium erobert wird.
Das verspricht richtig spannend zu werden, weil die “Goreaner” das alles richtig ernst nehmen. Ich geriet bei meinem ersten Ausflug gleich in eine “verschneite” Sim, die weiblichen Avataren vorbehalten war, die halb nackt herumliefen, aber ebenso wie ich gut bewaffnet waren und die – hinter einer Burgmauer verschanzt – mich aufforderten, wieder zu verschwinden, weil ihre “Herren” ihnen den Kontakt zu “fremden Männern” nicht erlaubten.
Risiko: Es gibt auch “Amazonen” in Gor, die insbesondere Jagd auf alleinstehende – bzw. -reisende Männer machen. Ich habe noch nicht herausgefunden, woran man die erkennt, werde mich aber im Falle der Fälle so teuer wie möglich verkaufen….





























