Miscellanouser Spaziergang

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Nach vier 12-Stunden-Nachtschichten in meinem anstrengenden Dritt|zweit|erstWie-auch-immer-Job fühlte ich mich beim Frühstück ein wenig platt. Aber es ist gut, die Realität immer wieder kennenzulernen, das einfache und auch weniger einfache Volk, das sich für viele Themen, die die abgehobene “Netzgemeinde” permanent abhandelt, nicht wirklich interessiert, weil man andere und oft existenzielle Sorgen hat. Its the economy, stupid, as usual. Nothing else. Der Rest ist nur Feuilleton.

Freie Zeit ist ein Privileg, das man erst wirklich zu schätzen weiß, wenn man sie oft nicht hat.

Ich arbeite rund 180 Stunden monatlich als Security und mindestens noch mal genausoviel in meinem anderen Beruf, auch und vor allem an den Wochenenden. Ein Monat hat rund 720 Stunden, 240 Stunden Schlaf plus 360 Stunden Arbeit, da bleiben durchschnittlich vier Stunden am Tag für Einkaufen, Essen, Nichtstun, meine Hobbies pflegen wie Bloggen, Kampfsport, Joggen (zur Zeit leider sporadisch), Second Life, lesen (was andere schreiben), Kultur, Freunde, Online-Schach, Weiterbildung (das fucking manual von Calibre zum Beispiel). Zum Glück bin ich Single, ich wüßte gar nicht, wie ich das managen sollte (obwohl ich aus Prinzip ohnehin keine “Beziehungsgespräche” führe).

Auch ein Spaziergang bei denkbar bescheidenem (Regen, Wind, Kälte) Wetter über den Richardplatz kann angenehm sein. Man sieht hie und da Details, die zum Denken anregen.

Warum zum Teufel sollte ich übrigens in eine Buchhandlung gehen, die im Schaufenster “Gendermedizin” und “Vegan to go” anbietet? Da krieg ich ja spontan die Krätze. Dann doch lieber Amazon, obwohl ich natürlich weiß, dass dort ein heftiger Klassenkampf tobt, bei dem meine Sympathien eindeutig sind. (Sehr geehrte Gewerkschafts-FunktionärInn*%&§$en: Wer das Kapital auffordert, “fair” zu sein, kann auch gleich “faire” Löhne und Preise fordern oder “faire” Folter oder sonst irgendeinen hanebüchenen Quatsch. Marx hätte euch ordentlich und zu Recht durchgeprügelt.)

Jetzt muss ich noch eine Steuererklärung machen, Wäsche waschen, mehrere Rechnungen schreiben, eine komplizierte Oberfläche für ein Objekt in Second Life herstellen, das ich jemandem einem Avatar versprochen hatte, das Abendessen kochen (verflixt, ich bin gefühlt gerade erst aufgestanden und es ist schon wieder dunkel), nachschauen, warum auf einem meiner Rechner ein PGP-Key nicht gefunden wird, mich mit dem Android-Dateisystem so vertraut machen, dass ich EDS praktikabel benutzen und endlich ein Tutorial für E-Mail-Verschlüsselung auf Android-Smartphones und Tablets schreiben kann. Ich höre jetzt besser auf zu bloggen, sonst komme ich zu nichts mehr…

No porn please, we are British!

The Independent: “A long list of sex acts just got banned in UK porn”.

Spanking
Caning
Aggressive whipping
Penetration by any object “associated with violence”
Physical or verbal abuse (regardless of if consensual)
Urolagnia (known as “water sports”)
Role-playing as non-adults
Physical restraint
Humiliation
Female ejaculation
Strangulation
Facesitting
Fisting

Weiblicher Orgasmus darf nicht gezeigt werden. Die spinnen, die Briten.

Auf dem Weg in die Altersarmut

Newsroom.de: “Gabriele Riedle ist langjährige Geo-Redakteurin. Wie andere Journalisten bei Gruner und Jahr wird auch sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Newsroom.de dokumentiert den bewegenden Brief von Gabriele Riedle an Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende des Hamburger Großverlags Gruner und Jahr, im vollen Wortlaut.” (Die taz hat auch was dazu.)

Und wie es überhaupt ist, in meinem Alter plötzlich vor dem Nichts zu stehen? Ohne Vermögen, ohne auch nur die allergeringsten Strukturen, Sicherheiten und Perspektiven, vollkommen auf sich alleine gestellt.

Don Alphonso schreibt ganz richtig: “Wer im Journalismus reich werden will, muss darin entweder reich heiraten, reich erben oder auf einen Managerposten kommen. Alle anderen sollten sich eben überlegen, ob sie sich diese Arbeit, verbunden mit den Privilegien, die man dort hat, wirklich leisten können.”

Unter bärtigen offenen Kragenträgern

bart

“Im Grunde gibt es zwei Leute, die die heutige Männermode geprägt haben. Der eine ist Arafat mit seinem Bart – es muss ja jeder heute mit so einem Bart rumlaufen. Der andere ist Ben Gurion, der trug diesen offenen Kragen.” (Peter Scholl-Latour in einem sehr lesenswerten Interview)

Sniper oder: Kill for tolerance!

snipersnipersniper

So etwas kann auch nur US-Amerikanern einfallen. Ich habe mir einen netten Ego-Shooter für Android-Tablets besorgt: Sniper 3D Assassin (empfehlenswert und kostenlos).

Die Geschäftsidee des Spiels: Wenn man eine Weile herumgeballert hat, was mit einem Tablet gar nicht so einfach ist, hat man “keine Energie” mehr und muss ein paar Minuten warten, bis man weiterspielen kann – oder soll für richtiges Geld “Energie” kaufen (oder bessere Waffen usw.) Man kann es aber auch lassen und schlicht geduldig sein. Nur Süchtige oder Doofe müssen Geld ausgeben.

Ich kann mir vorstellen, dass die Programmierer bei den einzelnen Szenarien sich gefühlt haben müssen wie die Titanic-Redaktion: “Xenophobia: Skinheads are on the rise and now are trying to kill all foreigners. One of them is chasing a group of tourists on the street. Protect them!”

Mach ich doch gern, obwohl mir die Theorie, was “Xenophobia” sei und wie diese sich subkulturell kostümieren mag, nicht gefällt. Den “Skinhead” habe ich gleich mit dem ersten Schuss umgenietet. “Missions accomplished. One for tolerance!” Muahahahaha.

Sehr schön ist auch: “After frustrated bank hacking attempts, TOm KOd3R is trying to brute-force a cash-withdrawal! Kill him before he calls and triggers the explosives!”

Ein Leckerbissen für Soziologen und Ethnologen: Versatzstücke der “Hacker”-Subkultur und deren – auch verbaler – Ikonografie, wie sie Klein Fritzchen und Richterin Barbara Salesch rezipieren würden, werden aufgenommen und sinnlos miteinander kombiniert, aber dennoch vom Publikum wiedererkannt. Omg that stuff is rly kewl, lol. Yolo!

Male Escorts oder: Wie geht es deiner Seele?

Aeon: “Is the growing market for male escorts a sign of female sexual liberation or just a re-run of the same old stereotypes?”

The high cost means most customers are women with disposable incomes. At Aphrodisiac, 41 per cent of clients are in their 30s, and just 10 per cent in their 20s. The majority are single (36 per cent) or divorced (20 per cent); 18 per cent are married. At the upmarket agency Platinum X, in Sydney, most female patrons are 35‑50 years old. (…) Western women today have more freedom, money and power than at any point in history. Yet for many, like Louise, the decision to buy sex goes beyond financial independence: it marks a brave new world of go-getting female sexuality, in which women can be as assertive as men in pursuing what they want.

Hihihi. Ich habe mich mal umgesehen, ob es so etwas in Berlin für Frauen gibt. Sex darf in der deutschen Netzgemeinde bekanntlich nicht vorkommen, deshalb springe ich hier in die Bresche.

Die meisten “male escorts” sind natürlich für schwule Männer, aber es scheint auch welche für Frauen zu geben. Lustig ist Premiumgigolo: “Premiumgigolo.com does not sell sex. We are a Gigolo listing service.” WTF? Zum Kringeln ist auch Escortservice4ladies: “Angebote an unseren Service, können Sie uns auch postalisch senden, Infopost senden Sie mir bitte an meine Adresse, diese finden im Impressum. Bitte, haben Sie dafür Verständnis das wir nur ernstgemeinte Anfragen beantworten.” Das hört sich an, als müsse eine Frau erst Geld nach Nigeria überweisen, bevor es dann weitergeht. Immerhin gibt es dort eine Telefonnumer, ein Impressum und sogar eine App, aber das sagt ja gar nichts.

Dazu passt das Interview (zwei Teile, grandios!) mit einer ehemaligen Prositutierten auf Krautreporter: “es gibt so viele Prostitutionen wie es Prostituierte gibt. Es ist vollkommen unmöglich, eine saubere Grenze zwischen Prostitution und Nicht-Prostitution festzuziehen… Mein liebstes Zitat kommt von Simone de Beauvoir, und sie sagte sinngemäß: Der einzige Unterschied zwischen einer Prostituierten und einer Ehefrau besteht in der Dauer und der Art eines Vertrags.”

Well said.

Essen und Trinken für arme Leute

Lebensmittel

Fehlt eigentlich noch Graupensuppe.

In einem Internet-Entwicklungsland

hauptbahnhofconnection resethauptbahnhof

Fahn, fahn, fahn, mit der deutschen Bahn. Kein Internet, man könnte ja ein gutes Buch lesen. Aus Trotz lese ich via Kindle ein schlechtes, dafür aber in Englisch.

Im Café in Weimar. Es gibt keine Soljanka, dafür aber “Chicken Nuggets”, aus was die auch immer bestehen – nein, ich esse so etwas nicht. Hier gibt es kein Internet. Irgendwo vielleicht ein Hotspot? Ein … äh … was, bitte?

Im Hotel: Per Firefox: Your “connection was reset because of security options”. Klar, ich erlaube weder Cookies noch Javascript. Und die sind vermutlich nötig, um die Störerhaftung durchzusetzen – man braucht für das real gar nicht existierende Zwangs-Internet Nutzername und Passwort. Browser SWareIron: Verbindung kann nicht hergestellt werden (Bitte laden Sie sich Ihren Akustikkoppler woanders herunter.)

Ein Kongress von knapp 300 Journalisten: Siehe Foto. “Da streamen offenbar einige von Euch, bitte tut das nicht, sonst kommen alle anderen nicht online.” 35 Verbindungsabbrüche in 36 Minuten. Immerhin habe ich ja immer mein eigenes Internet dabei, aber der Stick erlaubt nur Surfen auf dem Niveau von 1995.

Elektronische Wahlen per Fernbedienung, aber niemand weiß, wie und ob die Teile personalisiert werden können. Und deutsche Journalisten diskutieren miteinander via Facebook. OMG. Edward Snowden? DA war doch noch was?

Immerhin gibt es was zu Essen, aber gläubige Juden und Muslime würden hier verhungern. (Draußen röhrt ein Laubbläser stundenlang.)

Nieder mit dem Veganismus-Asketismus!

eingemachtes

Ich habe mich neulich bei Familie Lategahn in Unna-Mühlhausen mit dem Nötigsten eingedeckt, was es in Berlin nicht gibt und was ein Angehöriger der Glaubensgemeinschaft Veganismus-Asketismus das kulinarische Prekariat gar nicht essen will. Die Auswahl war aber schwer.

Warum gibt es hier in Rixdorf veganische Pizzerien, aber kein Restaurant, das Steckrübeneintopf, Wirsingeintopf mit und ohne Bratwurst, Schwarzwurzeln, Klopse im Kohlrabinest, Eisbein mit Sauerkraut, Bigos, Spitzkohl mit Bratwurst oder Hackbällchen anbietet? Das schmeckte doch garantiert besser als linksdrehender Bio-Tofu oder anderer Veganer-Fraß?

RAL 5010, repainted again, revisited

RAL 5010

Das hatten wir hier schon mal: 2012, 2011, 2009, 2008 (noch mit anderem Mobiliar).

Da die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser sich bei Lifestyle-Problemen immer bemüßigt fühlten, kluge Ratschläge zu geben, die – obzwar von großem Sachverstand – zu befolgen aus Gründen bestimmter charakterlicher Defizite, die ich mich nicht scheue zu benennen: Trotz, Widerwillen per default gegen alles, was andere meinen, anordnen oder raten zu müssen, im Englischen elegant, ja fast onomatopoetisch zusammengefasst im Adjektiv stubborn, mir schwer fällt, befleissigte ich mich dennoch in den letzten Tagen, dieselben teilweise zu befolgen, eingedenk dessen, dass die Schwarmintelligenz bei handwerklichen Topoi* – volkstümlich auch “Publikumsjoker” – dem eigenen, oft laienhaften Wissen, das man als solches oft überschätzt, überlegen sein könnte, kaufte also das wohlbekannte RAL 5010, besserte den alten Anstrich, der schon – weil er stark beansprucht wird – abgeblättert und löcherig war, obwohl ich nicht in Schlittschuhen meine Mahlzeiten zubereite, wie ein Leser dieses Blogs sachlich korrekt gemahnt hatte, eben dieses nicht zu tun, und strich mit Verve die neue Farbe darüber, ließ diese eine Woche trocknen, weil ich – wie hier bekannt – in meiner alten Heimat herumwanderte und dem Müßiggang frönte, und überstrich das Blau nicht mit Bootslack, wie empfohlen, aber mit Klarlack, der heute trocken ist, was auch bedeutet, dass der Tisch, der Stuhl und die Mülltonne wieder dahin gestellt werden können, wo sie ihrem Zwecke gemäß besser aufgehoben sind als in meinem Salon.

*Ja, das Publikum vermutet zu recht eine, wenn nicht gar mehrere Hypotaxen, eine der rhetorischen Figuren, die ich zu verinnerlichen ich allen empfehle, da ja die Nachgeborenen des Bildungsbürgertums ohnehin mit Latein als Stilmittel traktiert werden.

Eulenschnitzel an spätgotischer Hallenkirche

CurrywurstRegenfrontGasthof Schürmann UnnaHopper-Style in UnnaeulenschnitzelUnna Markt WebcamUnnaer Stadtkirche

Anhand der Fotos können die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser selbst erschließen, was ich heute getan habe. Auf dem zweiten Foto von unten bin ich auch zu sehen.

By the way eins: Das Eulenschnitzel war nicht von einer Eule, sondern wurde vermutlich nach dem hiesigen Turm benannt.

By the way zwei: Das Internet ist dort, wo ich gerade bin, grottenmäßig langsam, sozusagen eine kleinstädtische Unverschämtheit, aber das ist hierzulande normal.

Alt und deftig

GeburtstagGeburtstag

Mein Vater wurde heute 87 Jahre alt. Zur Familienfeier gab es als Hauptgericht etwas zu essen, das am besten schmeckt, wenn man es wieder aufwärmt, und das gleich mehrfach. Die kulinarisch gebildeten Leserinnen und des Kochens kundigen Leser werden gleich wissen, um was was sich handelt. (Es ist nicht Veganismus-Asketismus-kompatibel.) Die Torte unten haben ich vorher gegessen bzw. Teile davon.

Das Ende ist nah!

Winfuture: “Fast gar keine Rolle spielt die klassische E-Mail für den persönlichen Austausch unter Jugendlichen. Nur 7 Prozent halten E-Mails für ein wichtiges Kommunikationsmittel.”

Sexfotos und Fortbildung des Rechts

strandfoto

Eine Frau verlangte von ihrem ehemaligen Liebhaber – einem Fotografen – , alle intimen Fotos zu löschen, die der von ihr gemacht hatte. Das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen: 3 U 1288/13) bemühte zahllose Paragrafen und ließ eine Revision gemäß § 543 Abs. 2 Nr. 2 ZPO zu – zur “Fortbildung des Rechts”. (via Pornoanwalt)

Armschmuck für den eleganten Herrn

soljanka

Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!

soljanka

Julia Prosinger im Tagesspiegel: “Können wir nicht einfach wieder essen, was auf den Tisch kommt? (…) Einer meiner Gäste lehnt Lauchgewächse ab, Zwiebeln oder Knoblauch, weil er schlechten Atem befürchtet. Der nächste ekelt sich vor dem Inneren von Gurken, wegen der glitschigen Konsistenz, noch schlimmer findet er nur das Innere von Tomaten. Pilze gehen gar nicht, und Koriander schmeckt nach Seife. Eine macht immer Diät. Eine andere ernährt sich jetzt Low Carb, sie lässt Kohlenhydrate weg und isst stattdessen Eiweiß, aber nur bio und regional.”

No One Is Going to Pay for Porn

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Lesenswerter Beitrag auf sunflower22a: Wie das Internet die Porno-Industrie revolutioniert und ruiniert.
Die Branche steht vor weiteren tiefgehenden Veränderungen, und wie immer gibt es dabei Gewinner und Verlierer. Vor einer düsteren Zukunft steht wohl die Pornoindustrie. Die Filme und Bilder erleiden genau dasselbe Schicksal wie die Musikindustrie: warum bezahlen, wenn ich es auch umsonst haben kann, denkt sich der Kunde. So brechen den Produzenten nicht nur die Profite weg, sondern mittlerweile geht es schon an die Existenzgrundlagen.

Das ist nicht ganz korrekt. Die Musikindustrie wird durch kostenkose Angebote mitnichten automatisch ruiniert, das behauptet sie nur.* Dann würde youtube ein Kapitalismus-kritisches Angebot sein. Es ist aber eher so, dass die Nutzer ein Produkt eher dann kaufen, wenn sie eben das vorher “getestet” haben. Bei Musik gibt es eine “Schöpfungshöhe”; es macht einen Unterschied, ob ich Ensiferum auf CD höre oder in minderer Qualität online, geschweige denn von Spielfilmen auf Stremaing-Portalen.

Sehr interessant auch die Links, wie etwa das Interview mit Christopher Daniel Zeischegg (aka Danny Wylde) auf nerve.com: “Why One Porn Star Thinks the Industry Is Destroying Itself”. Der empfiehlt genau das Richtige: dass die Sexarbeiter beiderlei Geschlechts, wie schon in der “normalen” Arbeitswelt”, eine starke Organisation brauchen, die sie beim Kampf gegen die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen unterstützt. Zeischegg erwähnt die Gewerkschaft APAC, die sich für die Rechte dser Pornodarsteller einsetzt: “The Adult Performer Advocacy Committee advocates to maintain and improve safety and working conditions in the adult film industry by giving adult performers organized representation in matters that affect our health, safety, and community.”

Lux Alptraum (hahaha) sagt ebenso auf nerve.com: “Sorry, Adult Industry, but No One Is Going to Pay for Porn”:
Last week, porn publishers Adult Empire, along with a number of adult stars, announced the launch of “Pay For Your Porn“, an online (and mostly Twitter-based) campaign intended to shame consumers into abandoning pirated porn. It’s the same message that members of the industry have been trumpeting for years online, in interviews, and in pre-roll PSAs on porn DVDs. Piracy hurts the people who make porn, and anyone who enjoys consuming the product should pay for it.

Man sieht, dass die Content Mafia auch im Porno-Business ähnliche “Argumente” vorbringt (“trumpeting” hihihi) wie immer und überall. Hier klingt das natürlich nur lächerlich: “Porn is worth paying for”? Bruhahahaha. Sehr hübsch auch die Sätze:
Some porn producers will still attract a paying audience for their hyper niche content, while others will find ways to make a buck without charging consumers. But whatever strategies porn producers develop to survive – and in some cases, thrive – chances are good that they won’t involve shaming porn fans to whip their wallet out of their pants before anything else.
(Whip their wallet out of their pants before anything else – so elegant und pointiert geht das nur im Englischen. LMAO)

Mich kann auch MakeLoveNotPorn.tv nicht als neues Geschäftsmodell überzeugen. “Is of the people, by the people, and for the people who believe that the sex we have in our everyday life is the hottest sex there is.” Sorry, aber dieses “Amateur”-Segment hat die Pornoindustrie schon längst aufgegiffen und produziert Streifen, die vermeintlich “realistische” Szenen von Leuten zeigen, die ihre eigenen Pornos produzieren. Das ist ja auch unter anderem das Geschäftmodell von Youporn. Der Unterschied zwischen “Profi” und “Amateur” liegt primär darin, dass professionelle Porno-Darstellerinnen aus den USA mittlerweile alle wie Zombies aussehen, weil nichts an ihrem Körper mehr echt ist.

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* Interessant, hierzu alte Artikel zu lesen, wie die Musikindustrie nach neuen Einnahmequellen suchte, etwa “Alte Werte“, der in der c’t 2001 (!) erschienen ist. Damals war etwa von einer Kulturflatrate keine Rede. Die Kulturflatrate ist wie die Kirchensteuer: Der Staat zieht von den Nutzern Geld ein, damit der Umsatzeinbruch der Unterhaltungsindustrie auf bestehenden Märkten kompensiert werde. Kein Wunder, dass der Vorschlag von den Grünen unterstützt wird, die immer für Paternalismus zu haben sind. Innerhalb der Piratenpartei ist die Kulturflatrate umstritten. (Ich bin auch dagegen.)

Google Home view aus Daffke

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Nur so aus Daffke. (Herkunft: seit dem 20. Jahrhundert bezeugt; Entlehnung aus dem Rotwelschen dafko “durchaus, absolut”, das seinerseits dem Westjiddischen דװקא‎ (YIVO: dafke(s), davke(s)) “nun gerade, erst recht” entstammt, welches wiederum auf das Hebräische דַוקָ(א)‎ (CHA: daṿḳā(ʾ)) ‚ nur so (und nicht anders), durchaus‘ zurückgeht; die deutsche Wendung beruht auf der Hypostasierung einer satzwertigen Partikel.)

Why Girls Went So Crazy

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Die weinenen Frauen, die den Führer Nordkoreas umklammern, finde ich gar nicht komisch (via Nina Tabai). Ich versuche eher zu verstehen, warum das für uns so seltsam aussieht – weil wir es nicht gewohnt sind, dass Groupies von Popstars Uniformen tragen? (Andere Version)

Gehen wir die Sache rational und wissenschaftlich an. The Conversation schreibt:
Lots of tears and lots of screaming. But what can neuroscience tell us about what might have been happening in their brains? (..) Typically, we equate crying with sadness and fainting with illness. The truth is, our brains are actually pretty dumb, and any sudden, strong emotion – from happiness to relief to stress – can elicit these vulnerable physical reactions.

Nun gut, auf “pretty dumb” wäre ich auch selbst gekommen. SCNR.

Acting via the hypothalamus, the sympathetic nervous system is designed to mobilise the body during times of stress. It’s why our heart rate quickens, why we sweat, why we feel ready to run. The parasympathetic nervous system, on the other hand, essentially calms us back down. The parasympathetic nervous system does something funny, too. Connected to our lacrimal glands (better known as tear ducts), activation of parasympathetic receptors by the neurotransmitter acetylcholine results in tear production. So for those fans relieved to finally see their Fab Four, tears were commonplace. (“Viele kognitive Prozesse sind an Acetylcholin als Botenstoff gebunden.”)

Das “Wall Street Journal” befasst sich (“Inside the Brains of Bieber Fans”) ebenfalls mit dem Phänomen und résumiert: “Neuroscience Offers Explanation; a ‘Safe’ Infatuation”. Also eine Art “geschütztes” Ausflippen, um in pubertärem Alter die eigenen Grenzen zu erfahren. “It primarily affects preteen and teen girls”.

Hearing familiar, favorite music stimulates the release of dopamine, the neurotransmitter involved in pleasure and addiction, providing the same rush as eating chocolate or that winning does for a compulsive gambler

Nur dass es nicht Musik sein muss, sondern jedweder Reiz, der in der jeweiligen Kultur als Auslöser definiert worden ist, also zum Beispiel auch der Anblick eines “geliebten und größten anzunehmenden Führers”.

…adolescent girls are far more likely to become infatuated with pop stars, experts say, because they are awakening to romantic and sexual feelings that are both intoxicating and scary.

Well said. Intoxicating and scary. Ich vermute auch, dass die abgebildeten Frauen ziemlich jung sind und nicht viel Gelegenheit finden, “romantic and sexual feelings” auszuleben.

Vanillepudding, Trotzki und ein Schachtelsatz

vanillepudding

Jetzt habe ich mit einem Trotzki-Zitat schon die Gelegenheitsleser dieses kleinen Blogs verprellt, aber eingedenk dessen, dass die wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser vermutlich alles rezipieren und konsumieren, was ich aus zahllosen Themengebieten und zum Schrecken der Statistiker, Datensammler und Werbeagenturen hier anbiete, um auch ja kein klares Profil aufkommen zu lassen wie die so genannte deutsche Netzgemeinde, die, wenn sie sich “politisch” gibt, sich strikt an ihre Corporate Identity daran hält und weder virtuelle Welten noch die geschlechtliche Vermehrung in ästhetischer oder lustvoller Form noch Körperertüchtigung noch anderweitig abseitige Topoi thematisiert, sondern immer nur “Netzpolitik” oder eben das jeweils gewählte Thema, wage ich heute auch zu verkünden, dass ich liebend gern warmen oder heißen Vanillepudding mit Erdbeeren esse, wahlweise Johannisbeeren, um, was – psychologisch gesehen – eine Art Regression sein könnte, meinen Ärger über die allgemeine Weltlage zu kompensieren, wozu zuckerhaltige Nahrung mit ihrer unstrittig antidepressiven Wirkung gehört, und um auch, wie man so sagt, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und zu demonstrieren, dass die deutsche Sprache, wie auch das Lateinische, die außergewöhnliche Fähigkeit besitzt – wenn man sie beherrscht und nur dann! -, kunstvolle, aber in sich logische Schachtelsätze aufzutürmen, die Simultanübersetzer in den Wahnsinn treiben, aber für den Alltagsgebrauch nicht sehr nützlich sind, wenn man sich vorstellt, welchen Eindruck man hinterließe, orderte man in der Apotheke oder Drogerie des Vertrauens etwa Präservative, begänne aber gleichzeitig, nicht nur diese, sondern auch Karl Marx, Kohlrouladen, das Internet und das Falkbeer-Gegengambit zu thematisieren, was den “Empfänger” der Botschaft, der erst am Ende des Schachtelsatzes begreifen würde, was man will, schon nach den ersten Minuten der im Sinne der Wortes langatmigen Bestellung – während man noch verbal schwungvoll auf die Pointe zusteuerte – nach einem Arzt rufen ließe oder den Leuten, die sich gut mit langärmeligen Jacken auskennen.

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