Machu Picchu

Machu Picchu

Machu Picchu in den Anden Perus – sicher die geheimnisvollste Ruinenstadt der Welt. Wer einmal da wird, wird das nie vergessen. Ich hatte das Glück, 1979 und 1984 bei Morgengrauen fast allein durch die Stadt streifen zu können. Das wird heute nicht mehr möglich sein. Das Foto habe ich 1984 gemacht.

Kürbisse aus Huancayo

Huancayo

Das Foto habe ich 1979 in Huancayo im Hochland von Peru gemacht.

Guckst du hier: “Der Kürbis Ist ein Naturprodukt aus der peruanischen Andenregion. Die Werkstätten die diese Kürbisse verarbeiten sind in Huancayo. Von hier stammt die Tradition aus der Vorinkazeit, die Kürbisse für den Gebrauch (Geschirr) zu benutzen. Heute werden Kürbisse immer noch genutzt und finden für viele andere Zwecke Verwendung: Taschen, Schmuckdosen, Masken, Musikinstrumente, sowie auch Geschirr.”

Ein paar dieser wunderbaren Kunstwerke habe ich damals unversehrt mitgebracht. Sie stehen in meinem Bücherregal.

Atrevido

Amazonas Naseweis

Das Foto wurde 1982 auf dem Amazonas in Brasilien gemacht. “Atrevido” heisst Naseweis.

Termiten in der Rupununi

rupununi

Das Foto wurde 1982 in der Rupununi-Savanne in Guyana (Südamerika) gemacht. Wer in Biologie gefehlt hat: Ich stehe da vor einem Termitenhügel (Manari-Ranch, östlich von Lethem).

Choc Quib Town

Aus ausdrücklichen Wunsch der Leserschaft…. kolumbianischer HipHop …der Rhythmus, wo jeder mit muss

La Paz, hoch und herrlich

La PazLa PazLa PazLa PazLa PazLa PazLa PazLa PazLa Paz

Was kostet die Welt? Was ist das für eine Frage!

Ich kann mir gut vorstellen, wie es im Reise-Teil von Spiegel Online zugeht: “Sag doch mal den Volontären oder einem Studenten, sie sollen einen netten Artikel über Bolivien schreiben; wir habe da noch ein paar Fotos und die Website muss voll werden.”

Gut, geschenkt, die heutige Jugend heutigen Studenten sind oft naiv und/oder unpolitisch. “…in La Paz gibt es viel zu erleben und zu entdecken, es ist eine lebendige und liebenswürdige Stadt. Geschäftsleute im Anzug sind hier genauso unterwegs wie Frauen in traditioneller Tracht.” Wer hätte das gedacht. Mein schönstes Ferienerlebnis. Auf dem Foto sehen Sie links unten. Die Eingeboreren lachen oft. Hier steht ein Indio vor einer Hütte.

Burks.de zeigt den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Stammleserinnen, wie La Paz, die größte Stadt Boliviens (nicht die Hauptstadt) auch sein kann (1984): voller Demonstrationen militanter Bergarbeiter-Gewerkschaften (die Frauen marschieren oft getrennt von den Männern), Straßensperren und “linksextremstischer” Transparente. (Da zuckt der hier mitlesende Jugendschutzwart wieder zusammen!).

Auf dem Foto der Regierungsgebäudes (mit dem Balkon) ist der damalige linke Präsident Hernán Siles Zuazo zu sehen. Die Bauern und Arbeiter demonstrierten, um ihn zu unterstützen. Der Dorfbürgermeister, der seinen traditionellen Amtsstab in meine Kamera hält, hatte mich vorher barsch angeschnauzt, was ich Gringo wollte… Erst als er merkte, dass ich kein US-Amerikaner war, sondern Deutscher, dessen Vorfahren auch Bergleute gewesen waren, wurde er freundlich.

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Durch die Wüste

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Nein, das ist nicht irgendwo in Arabien, sondern Peru. Ich bin 1984 die Panamericana nach Süden getrampt, von Ica südlich von Lima bis nach Camana an der Pazifik-Küste westlich von Arequipa. Es werden um die 1000 Kilometer gewesen sein.

Wer Peru nicht kennt, weiß nicht, dass der Küstenstreifen am Pazifik eine Wüste ist, die sich in nichts unterscheidet von den großen Wüsten in Afrika. Die Stadt Ica liegt wie eine Oase inmitten riesiger Dünen. Das Büro der Kuomintang, das ich in Ica gesehen habe, ist nur ein folkloristisches Relikt der zahlreichen chinesischen Einwanderer in Peru.

Berühmt und tourisch beliebt ist die Oase Huacachina mit Dünen, die über 100 Meter hoch sind (vgl. Foto ganz oben und in der Mitte).

Die Panamericana führt an Ica vorbei. Ich wurde von einem Mann in einem Volkswagen mitgenommen, der nicht wusste, wozu die Gänge gut sind – er fuhr mit heulendem Motor im dritten Gang neunzig und mit Stottern im vierten Gang Hügel hinauf, solange, bis es mir zu bunt wurde und ihn überredete, mich als Steuer zu lassen, zumal er schon schweißüberströmt war und sich jedes Mal beim Anblick eines anderen Autos bekreuzigte und irgendetwas Frommes murmelte. Ich darf also behaupten, dass ich die Panamericana selbst befahren habe.

Camana, das wir nach zwei Tagen an der Küste entlang (wir passierten Nazca) erreichten, was damals ein verschlafenes Nest. Die historischen Häuser der Fischer werden heute alle abgerissen sein. Der Strand war fast leer und ohne einen einzigen Touristen. Ich kann mich erinnern, dass ich damals in einem einfachen Restaurant zum ersten mal Ceviche gegessen habe, rohen Fisch – das peruanische Sushi. Von Camana aus ging es nach Osten nach Arequipa und hinauf in die Anden auf über 3000 Meter…

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Aufstieg zum Tungurahua

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Nur zwei Mal im Leben habe ich einen Fünftausender bestiegen, einer davon ist der Vulkan Tunguarahu (5,023 m) in Ecuador. Auf rund 3500 Meter Höhe stand damals eine kleine Berghütte, in der wir übernachteten – für den Auf- und Abstieg bracht man mindestens drei Tage.

Auf den Gipfel und in den damals noch erloschenen Krater bin ich allein gestiegen, mein Begleiter war zu erschöpft. Die Besteigung dieses Vulkans ist, was die Klettertechnik angeht, nicht sehr anspruchsvoll, jedoch waren die letzten 500 Meter Höhenunterschied qualvoll: Wenn der Boden aus Vulkanasche besteht, geht man zwei Schritte vorwärts und rutscht dann wieder einen Schritt zurück. Und auf knapp 5000 Meter Höhe wird die Luft schon mal knapp; zum Glück war ich damals ziemlich durchtrainiert.

Die Aussicht war natürlich grandios, kaum mit Worten zu beschreiben, auch die Vegetation an der Baumgrenze. Ringsum konnte ich die Gipfel einiger anderer Vulkane sehen, unter anderem den Chimborazo (6.267 m), den vom Erdmittelpunkt aus gesehen höchsten Berg der Welt, sowie den El Altar (5,319 m, Bild vorletzte Reihe).

Ich verrate den Namen des Ortes nicht, der dem Tungurahua m nächsten liegt. In meinen Internet-Seminaren stelle ich immer die Frage: “Der Vulkan Tungurahua ist ausgebrochen. Finden Sie in fünf Minuten die Telefonnummer eines Interview-Partners in dem Ort, der dem Vulkan am nächsten liegt!”

Wenn ich gewusst hätte, dass der Tungurahua einige Jahre später ausbrechen würde, wäre mir, als ich im Krater stand, ganz schön mulmig geworden. Auch damals wurden mir schon die Schuhsohlen heiß. Heute kann man ihn vermutlich nicht mehr bestiegen – zu gefährlich.

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Sie webt kein Leichentuch

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Fotografiert 1979 im Hochland von Peru. By the way – für die nachgeborene Jugend: Auf welches literarische Werk, dass man kennen muss, spielt der Titel an?

Mariachi und Fisch am Lago Chapala

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Fotografiert 1981 in Ajijic am Lago Chapala, Mexico.

Mexico ist erstens Nordamerika und zweitens so groß wie Europa. Der Chapalasee ist das größte Binnengewässer Mexikos, ungefähr drei Mal so groß wieder Bodensee.

Ajijic war damals – 1981 – noch ein verträumtes Fischerdorf; nur einige reiche alte US-Amerikaner hatten sich in den Villen niedergelassen. Abends versammelte sich die Dorfjugend auf der Plaza, die Mädchen schlenderten links herum, die jungen Männer rechts herum, und man beäugte sich gegenseitig. So werden dann Ehen gestiftet.

Wer ein Paar ist, setzt sich auf eine Bank und wird im Nu umzingelt von unzähligen Marichi-Kapellen, die hier im Bundesstaat Jalisco, ihren Ursprung haben. “Es gibt keinen Anlass, zu dem Mariachi nicht aufspielen.” Eben. Kein Anlass ist immer Anlass genug. Man kann das mögen oder nicht mögen, aber Mexico ohne Mariachi ist wie ein Fisch ohne Wasser.

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Valle de Colca

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Vielleicht erinnern sich die wohlwollenenden Leserinnen und geneigten Leser noch an das Foto von der Bauernhochzeit in den peruanischen Anden, genauer: im Dorf Cabanaconde im Valle (“Tal”) Colca rund 100 Kilometer nördlich von Arequipa.

Das hört sich nicht weit an, aber wir haben 1984 für die Stecke hoch in die Anden mit einem klapprigen Bus rund acht Stunden gebraucht. Dafür war das Ambiente dann auch wild romantisch und von einer atemberaubenden Schönheit. Der Canyon “nahe” des Ortes (einen halbenTag Fußmarsch) ist immerhin der zweittiefste Canyon der Welt. Touristen wird es auch heute in Cabanaconde kaum geben; wer den Canyon erforschen will, wird auf der “Talsohle” (unterstes Foto mit einer Brücke aus der spanischen Kolonialzeit) von Chivay aus anreisen. Ja, und ich habe einen Kondor fliegen sehen…

Die Fotos sprechen für sich un dmüssen eigentlich nicht kommentiert werden. Cabanaconde ist bitter arm. In der Regenzeit, in der ich auch die Aufnahmen gemacht habt, muss man ab dem späten Nachmittag einen Unterschlupf suchen, weil es ununterbrochen schüttet. Also beim ersten Morgerndämmern raus aus dem Schlafsack (es gab weder ein Hotel noch eine Pension dort, die Dörfler wiesen uns einen leeren Raum in einem Haus zu) und Kaffee gekocht. Kurz nach Sonnenaufgang hingen noch die Wolken im Tal – eine spektakuläre Aussicht.

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Der Kautschuksammler, revisited

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Über den gebratene nAffen hatte ich neulich schon etwas geschrieben. Heute geht es wieder um die völlig abgelegene und fast unerforschte Gegend nördlich des Rio Madre de Dios, genauer gesagt: um den Weiler Chive und zwei Familien von Kautschuksammlern, die rund zehn Kilometer Fußmarsch nördlich davon im Dschungel leben.

Die jüngere Generation der wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser werden mein Posting vom 10. Mai 2005 vermutlich nicht kennen, auch waren damals die Fotos kaum zu erkennen.

Reisetagebuch, 23. Juni 1984.

“Chivé, im Pando-Dschungel, rund 50 Kilometer vor der peruanischen Grenze. Ich sitze auf einem Baumstamm hoch über dem Rio Madre de Dios. Wir hoffen immer noch oder schon wieder auf ein Schiff, das uns nach Puerto Maldonado bringt. Am Nachmittag wird alles still, der Fluss strömt träge dahin, im Wasser Kringel, als ob es Blasen würfe, leise Musikfetzen aus einem Radio. Sogar die Moskitos wirken schläfrig. Der Urwald gegenüber steht still, nur ab und zu Vogelzwitschern.”pandoEin Weg führt nach Norden, ein Tagesmarsch weit. Ein Kautschuk-Sammler lädt uns ein. Das zwiespältige Gefühl, zu zweit im Urwald zu sein, ringsum keine Menschenseele, und der Pfad überwuchert und machmal kaum zu finden. Nur zehn Meter weiter im undurchdringlichen Dickicht, und man wäre verloren und ohne Orientierung. Palmenwedel neigen sich herab, als wollten sie die Wanderer begrüßen. Ein Spinnennetz, groß wie ein Wagenrad und geformt wie ein Trichter, glitzert im Morgentau.

Die Familie des Kautschuksammlers, Ehefrau, Kinder, und ein “Mädchen” für alles, wohnen in drei Hütten am Fluss. Eine ist für uns und unsere Hängematten freigeräumt worden. Don Arturo zeigt uns stolz sein “Feld”, auf dem alle tropichen Früchte wachsen, das aber das ungeübte Auge kaum vom Urwahl unterscheiden kann, nur dass die Bäume weniger engstehen.

Der Pando, obzwar Urwald, war früher dichter besiedelt. Alle Welt suchte und brauchte Kautschuk. Während des Kautschuk-Boom Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der kostbare Saft des Kautschuk-Baums (Hevea brasiliensis) gewonnen und das Rohgummi nach Manaus in Brasilien verschifft. Als die Planze auch in Südostasien angebaut wurde, verflog der Reichtum des Pando in wenigen Jahren. Der berühmteste Kautschuksammler der letzten Jahrzehnte war Chico Mendes.

Alle Siedlungen im Umkreis gehören einem Großgundbesitzer. Die Bewohner der Dörfer wie Chivé dürfen nichts selbst anbauen, sondern müssen alle Lebensmittel in den wenigen Läden kaufen – die gehören auch dem Grundherrn. Um überhaupt am Rio Madre de Dios leben zu dürfen, sind die Siedler – sie stammen meistens aus dem bolivianischen Hochland – gezwungen, sich hoch zu verschulden. Drei Monate sammeln sie Paranüsse, drei Monate dauert die Saison für das wenige Kautschuk, das hier noch gesammelt wird. Nur particulares, unabhängige Sammler wie Don Arturo, haben es durchgesetzt, dass sie auf eigene Rechnung arbeiten.

Am zweiten Tag hat Don Arturo ein Tier geschossen, ein Festmahl kündigt sich an.Pando Ein Affe hängt an einem Haken in der Freiluft-”Küche”. Mir ist, als müsse ich ein Kind verspeisen. Aber es wäre vermutlich äusserst unhöflich, die Gastgeber zu beleidigen und nichts zu essen. Die Kinder ernten Maniok und buddeln Yucca-Wurzeln aus dem Boden, die für die “Sättigungsbeilage” gedacht sind. Das Affen-Geschnetzelte schmeckt wie Wildschwein.

Don Arturo führt uns zu den Bautschuk-Bäumen. Es sind Dutzende, die er alle wiederfindet. Es dauert einen ganzen Tag, bis er alle abgegangen ist – wie ein Fallensteller seine Fallen. An jedem Baum ist ein kleines Gefäß in die Rinde gesteckt. Mit einem speziellen Messer ritzt der Kautschuksammler die Rinde alle drei Tage so schräg an, dass das Harz – eben der Rohstoff für Kautschuk – in das Gefäß tropft. An einigen Bäumen, erklärt Don Arturo, kann man noch die Kerben sehen, die vor mehr als 100 Jahren eingechnitten wurden.

In seinem Arbeitsschuppen liegen zahllose Scheite einer besonderen Holzart, die mit Seife eingefettet werden. Auch das Feuer darf nur von unten geschürt werden, dazu gehört ein bestimmte Frucht, die, wenn sie verbrennt, genau den Rauch erzeugt, der den weißen Rohgummisaft härtet. Die Angelegenheit sieht ein wenig aus wie ein Bonsai-Meiler.

Der Kautschuksammler hält während der Prozedur einen starken Stock über das Feuer und träufelt den Saft vorsichtig darüber, bis das Rohgummi sich wie ein fettes Schwein ohne Glieder über dem Feuer dreht. Die fertigen Rollen wiegen so viel, dass sie ein einzelner Mann kaum heben kann. Sie werden mit Schiffen nach Riberalta geschafft.

Aus dem Reisetagebuch:

Die aufgehende Sonne, deren Strahlen durch die Bäume auf den Fluss fallen, ein toter Flussarm mit braunem Wasser, den Hunderte von Wurzeln überspannen, umrahmt von gewundenen Lianen, Bäume, die von Schlingpflanzen so eingepresst werden, dass sie Knoten bilden, um wachsen zu können. Der dunkelblaue und wolkenlose Himmel. Die Kautschuk-Hütte und der beißende Rauch, der aus ihr quillt, dahinter die dunkle Wand des Dschungels. Die Grillen, die abends an den Wänden sitzen und zirpen, was das Zeug hält, die zahllosen unbekannten Vogelstimmen, das ferne Gekreische von Affen. Schwärme blutdürstiger Moskitos. Und überall Ameisen, die wahren Herren des Urwalds.

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SAIS Túpac Amaru

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Die fetten peruanischen Schafe auf dem untersten Foto haben im Jahr 1979 mein komplettes Weltbild über den Haufen geworfen – mit weitreichenden Konsequenzen; sogar der große Vorsitzende Mao Zedong musste in die Mülltonne. Aber der Reihe nach.

Ich stieg in Lima, der peruanischen Hauptstadt, in den Zug nach Huancayo, hoch in den Anden. Von einem Deutschen hatten wir gehört, es gebe dort irgendwo in der Bergen eine landwirtschaftliche Kooperative, die SAIS Túpac Amaru (La Sociedad Agrícola de Interés Social “Tùpac Amaru” Ltda.. Nº 1). Die Bahn war damals noch die höchste der Welt. “Im September 1892 konnte der erste Zug der Ferrocarril Central Andino von Lima nach Oroya befahren. Diese Bahnlinie war bis 2005 die höchste normalspurige Eisenbahnstrecke der Welt mit einem Scheitelpunkt bei 4781 m ü. NN bei La Galera.” (Wikipedia). (Video)

Ich habe die Kooperative auf der Karte zunächst nicht wiedergefunden; der Name der Bahnstation mit der beeinduckenden geologischen Formation war mir entfallen. Nach einer kleinen Suche bin ich mir sicher, dass es Canchayllo war, in dessen Nähe die SAIS liegt, und die Bahnstation heisst Pachacayo (4. Bild von oben).

Die Kooperative bestand damals aus 17 Dörfern, die sich zusammengeschlossen hatten, vergleichbar der chinesischen Volkskommune. (Wie überall in den Anden war auch die Kooperative umzingelt von Ruinen aus der Inka-Zeit. Ich bin da auf dem Foto zu sehen.) Die linke Militärregierung Perus unter General Juan Velasco Alvarado startete 1069 eine Agrarreform. Der US-amerikanische Besitzer der großen Hazienda auf dem Gebiet der heutigen Genossenschaft war enteignet worden. (Vor dem Dorf standen noch einige kleine konfortable Häuser, in denen deutsche “Entwicklungshelfer” gewohnt hatten, denen die Wohnungen der Bauern “zu primitiv” gewesen waren und die sich zunächste eigene Häuser bauen ließen, die heute als Gästehäuser dienen.)

Die Agraringenieure der SAIS erzählen die Geschichte, und ich war selbstredend zunächst von dem Konzept begeistert, zumal die Schafe der Kooperative fetter als die der privaten Bauern (2. Bild von unten) waren, das Gras grüner, und auch landwirtschaftliche Maschinen gab es, die sich ein Kleinbauer im Hochland nie hätte leisten können. Die Bauern, rund 1000, die sich der Kooperative angeschlossen hatten, wurden zu Landarbeitern, die bezahlt wurden. In meinem Reisetagebuch habe ich notiert, dass ich eine Broschüre zu lesen bekam: “SAIS – Creation de la Revolution Peruana”. Eine linke Revolution, der Erfolge vorzeigen könnte – und alles schien ähnlich revolutionär wie in China – mein Weltbild wurde bestätigt. Was konnte also noch schiefgehen?
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Irgendwann merke ich, dass die Ingenieure und offenbar auch die Bauern in zwei Lager gespalten waren – die einen gaben bereitwillig Auskunft, die anderen verweigerten jegliches Gespräch. Dann erzählte uns jemand, es habe vor kurzem eine Dorfbesetzung gegeben – von Bauern, die noch Besitztitel auf ihr Land hatten und das offenbar von der Kooperative zurückwollten. Hinter dieser Kampagne standen einige linke Organisationen und offenbar auch, so wurde gemunkelt, die Guerilla Sendero Luminoso. (Deren Anführer gingen erst 1980 in den Untergrund. Ich konnte zum Jahreswechsel 1979/80 noch offen mit deren Sympathisanten in Aycucho, der späteren Hochburg der Guerilla, diskutieren.)

Also wie war das jetzt? Eine linke Militärregierung enteignet die Gringos, macht eine Agrarreform und produziert besser und mehr und kollektiver – und die Revolutionäre sind dagegen?

Je mehr ich darüber nachdachte, um so komplizierter wurde das. Die Kooperative zahlte viel Steuern an den Staat; es war eigentlich ein kapitalistisches Unternehmen, das Profit machen musste. Den Bauern ging es ähnlich wie den vielen armen und landlosen preussischen Bauern, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Berlin zogen und dort Proletarier wurden. Sie hatten nichts mehr, ausser ihrer Arbeitskraft, und die mussten sie auf dem Markt verkaufen, “geben”. (Der Arbeiter ist eigentlich der Arbeit”geber”, nicht der Kapitalist, der nimmt die Ware Arbeitskraft.)

Langer Rede kurzer Sinn: Später in Bolivien bekam ich noch mehr Informationen, wie man es auch hätte machen können. Dort griff die Linke auf kollektive Konzepte der landwirtschaftlichen Arbeit zurück, die eigentlich von den Inkas stammen, unter anderem etwas, das in Deutschland als Allmende bekannt ist. (“Die Allmende ist jener Teil des Gemeindevermögens, der nicht unmittelbar im Interesse der ganzen Gemeinde zur Bestreitung derer Ausgaben verwandt wird, sondern an dem alle Gemeindemitglieder das Recht zur Nutzung haben.”)

“Links” bedeutete also nicht, der Landbevölkerung irgendwelche superklugen Konzepte überzustülpen, ihnen gar zu “helfen”, weil Bauern bekanntlich blöd sind, oder zwangweise den gut gemeinten Staatskapitalismus einzuführen, der sich auch als “Sozialismus” kostümieren kann wie in der DDR, sondern den Bauern zuerst einmal zuzuhören, was die eigentlich wollen. Die sind nämlich gar nicht blöd.

Jedenfalls waren die Schafe der peruanischen Kooperative der erste Schritt, der mich aus dem Politsektentum herausbrachte.

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In der Serranía de la Macarena

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Dschungelcamp? Nein, danke, darüber kann ich nur lachen. Der Dschungel ist wunderschön, wenn auch nicht für den so genannten zivilisierten Menschen ganz ungefährlich.

Die Serranía de la Macarena im Osten Kolumbiens ist heute Nationalpark und zudem Rückzugsgebiet der Guerilla FARC. Ich hatte das Glück, im Jahr 1982 das Gebiet ein wenig erforschen zu können. Ausgangspunkt war der winzige Ort Vistahermosa (vgl. unteres Bild), eine Tagesreise südlich von Villavicencio. Um den Wasserfall zu erreichen, mussten wir zwei Tage marschieren und uns den Weg mit der Machete zum Teil freischlagen. Mehr dazu auf spiggel.de: “Dschungelfieber” (27.01.2004) und “Das Cucaracha-Massaker” (28.01.2004)

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Der Weg zum Strand

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Lassen wir die Revolution in Libyen mal kurz beiseite. Ich bin den blöden Winter satt. Ich hasse es, wenn es kalt ist und ich friere.

Da fielen mir die Kleinen Antillen ein – genauer gesagt Barbados. Nach einer halbjährigen Reise kreuz und quer durch Mittel- und Südamerika habe ich hier 1984 eine Woche relaxt, um mich mental wieder auf Deutschland vorzubereiten. Der Hafen der damals verschlafenen Hauptstadt Bridgetown wird heute sicher anders aussehen, als ich ihn in Erinnerung habe.

Das Youth Hostel bei Oistins an der Südküste habe ich nicht mehr gefunden, aber es ist auch schon eine Weile her. Ich kann es, wenn es noch existiert, nur empfehlen (wenn man noch zur Jugend gehört). Ich hatte nur zwei Minuten Fußweg zum Strand (2. Bild von unten)….

Genau das brauchte ich jetzt.


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Ecuador: Am Rio Napo

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Mit großem Vergnügen und mit Schadenfreude las ich Berichte diverser Holzmedien, u.a. der FAZ: “Ein Gericht in Ecuador hat den amerikanischen Ölkonzern Chevron zu einer Milliardenstrafe wegen starker Umweltverschmutzung im Amazonasgebiet verurteilt. Dort sickern seit Jahren große Mengen Öl aus einer alten Förderstätte in den Boden und verseuchen die Region.”

Das Womblog – “Nachrichten aus Lateinamerika” – ist informativer als deutsche Zeitungen, die eh aus dem Wall Street Journal abgeschrieben oder ohne eigene Recherchen von der Nachrichtenagentur dpa übernommen haben: “Das Provinzialgericht von Sucumbíos hatte nach 17 Jahren Rechtsstreit über den Fall entschieden. Indigene Gemeinschaften hatten zunächst ihre Klage gegen das Unternehmen Texaco vor US-amerikanische Gerichten gebracht: Texaco habe zwischen 1964 und 1990 giftige Abwässer in den Boden sickern lassen, die der Umwelt und den dort lebenden Menschen großen Schaden zugefügt hätten. 2001 übernahm Chevron Texaco und der Fall wurde nach Ecuador übertragen.”

Leute, könnt ihr nicht verständlich reden? Indigene Gemeinschaften? Indianische Völker – das ist gemeint, und vor allem die Auca, eine kriegerische und passporttapfere Nation, auch Huaorani genannt, die schon die Inkas nicht unterwerfen konnten und die mir vor allen deshalb sympathisch sind, weil sie mit den modernen Konquistadoren, den christlichen Sekten mit ihrem missionarischen Eifer, kurzen Prozess machten.

Im Dezember 1979 war ich im Gebiet der Auca in Ecuador, im östlichen Dschungel des Landes. Von der Hauptstadt Quito aus ging es per Bus und Lkw – mit einigen Problemen (vgl. Fotos oben – die Brücke war eingestürzt) nach Misahualli (unteres Foto, damals noch ein winziger Ort mit echtem Dschungel-Flair).

Wer übrigens glaubt, man könnte im echten Dschungel einfach so herumwandern, der täuscht sich. Dieser kleine Pfad zum Beispiel ließ mich fast knietief im Schlamm waten. (Die Schlange, die ich auf dem Foto halte, ist eine junge Anaconda, eine Würgeschlange, die hier zwar klein ist, aber beissen kann wie ein Hund – mir war recht mulmig.) Ja, in Misuahalli habe ich ein paar Auca gesehen, die mit Pfeil und Bogen und Speeren bewaffnet waren und lange durchbohrte Ohrläppchen hatten, aber ich habe mich damals nicht getraut, die zu fotografieren.

Von dort per Boot nach Puerto Francisco de Orellana, das damals der zentrale Ausgangsort für die nach Erdöl bohrenden Firmen im Dschungel von Ecuador war (vgl. den Stempel in meinem Pass). Es gab keine Pension – wir durften freundlicherweise im örtlichen Bordell übernachten.

By the way: Wer über Orellana weiterlesen will, nach dem der Ort benannt ist: Der Bruder Pizarros ist am Mythos der Amazonen schuld; seine “Expedition” hat die Filme Aguirre, der Zorn Gottes” und “Indiana Jones” inspiriert.

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Chicas

Ajijic

Fotografiert 1981 in Ajijic am Lago Chapala, Mexico.

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Die Küste der Miskito

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Bei einem Blick in einen meiner uralten Reisepässe stellte ich fest, dass ich 1981 in Nicaragua war, nicht 1982, also ein knappes Jahr nach dem Sieg der Revolution (das ist das Stichwort). Im November und im Dezember 2003 habe ich hier schon etwa dazu gebloggt – die ältere Generation des Stammpublikums kann jetzt also wegzappen.

…Nach einer Woche Schiffsreise erreichen wir den winzigen Hafen von Puerto Lempira (Bild oben) im Nordosten von Honduras. Der Ort liegt sozusagen am Gesäß der Welt (das gilt immer noch). Auf dem Dach unserer Hospedaje (“Herberge”, 2.Bild) versammeln sich die Aasgeier. Eine rostige Tonne schmückt den Vorhof. Wir treiben uns in den wenigen Spelunken des Ortes herum. Endlich gute Musik: Radio Cayman sendet beschwingte karibische Rhtyhmen. Wir knüpfen Kontakt mit einem Chinesen, der mit allem und jedem handelt. Er will in den nächsten Tagen mit seinem Jeep nach Leimus in Nicaragua, was zufälligerweise auch genau unser Ziel ist.

Wir starten mitten in der Nacht. Die Strasse führt durch endlose Kiefernwälder und würde in Deutschland als Waldweg der unteren Kategorie durchgehen. Am Nachmittag erreichen wir den Rio Coco, den Grenzfluss zwischen Honduras und Nicaragua. Die Situation ist brenzlig. Noch vor wenigen Monaten (1981) gab es hier bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen den Sandinistas, der Armee aus Honduras, Miskito-Milizen und irgendwelchen Banden, die auf eigene Rechnung morden und plündern. Ein Mann der honduranischen Geheimpolizei (steht auf seinem T-Shirt, und er hat eine Pistole) taucht auf und fragt, ob wir eine Erlaubnis der Immigracion in Puerto Lempira hätten. Haben wir nicht, aber ich erzähle ihm was vom Pferd, und er lässt sich zum Glück beeindrucken.

Eine halbe Stunde sitzen (3. Bild) wir im Gebüsch und spähen über den Fluss. Der Chinese ist verschwunden, und wir warten, ob sich auf der anderen Seite etwas regt. Dann steigen drüben zwei Mädchen in einen Einbaum und paddeln zu uns herüber.

Endlich – wir sind in Nicaragua, im Jahr zwei der Revolution. Überall bis an die Zähne bewaffnete Männer und Frauen im Che-Guevara-Look. Es gibt ein oficina de imigration. Dort ist man uns nicht wohlgesonnen. Offenbar sehen wir wie Spione der USA aus, und die würden die Sandinistas vermutlich gleich standrechtlich erschiessen. Erst das Visum des Konsulats von Nicaragua in Deutschland (vgl. Foto) hellt die Mienen auf. Unsere Rucksäcke werden bis auf die letzte Wäscheklammer auseinandergenommen. Die Karte von Nicaragua erregt wieder Argwohn, so eine haben sie selbst nicht. Der comandante will sie konfiszieren, ich bitte um eine Quittung. Dann muss der Vorgesetzte entscheiden. Und am Schluss kriege ich sie doch zurück und schenke dem comandante eine Zigarre, die ich noch in Mexico gekauft hatte und die ohnehin schon ramponiert ist. Das bricht das Eis völlig. Wir werden sofort eingeladen zu einem comida international (“internationales Essen”), das sich als Spaghetti mit Tomatensoße entpuppt, und sitzen am Tisch der jungen revolutionären Garde Nicaraguas. Niemand trennt sich von seiner Waffe. Es ist wie im Western. Wir plaudern ein paar Stunden über die allgemeine und besondere Weltlage. Was dazu führt, dass der comandante von Leimus uns einen Militärjeep samt Fahrer und Soldaten zu unserem Schutz zur Verfügung stellt, der uns bis zur Küste nach Puerto Cabezas bringt. In den Miskito-Dörfern halten wir an, aber die Leute machen einen verschüchterten Eindruck. Eine Frau lädt uns dann doch zum Tee ein. (vgl. die beiden Kinder oben)

Am Abend treffen wir in Puerto Cabezas ein. Zum ersten Mal sehe ich revolutionäre Propaganda in der Sprache der Miskito (Bild links unten). “Taski lulkapra” heisst auf spanisch “no botas basura” und auf deutsch: Keinen Müll herumwerfen. map

Puerto Cabezas alias Bragmar Bluff [hehe, es gibt keinen Treffer bei Google zu "Bragmar Bluff"!], la Mosquitia (Mosquito Küste), Nicaragua, 29.11.1981. Hotel Costena, very basic. Drei Mahlzeiten, alle bestehen aus Reis, Bohnen, Fleisch, papas fritas. Zum Frühstück gibt es Würstchen. Über uns ein Bild von Arafat, Sandino und der Jungfrau Maria. Eine merkwürdige Dreieinigkeit. Oder die Absicht, sich mit keiner Weltanschauung anzulegen und es allen recht machen zu wollen. Aber es ist das Jahr zwei der Revolution. Niemand weiß, wie alles enden wird. Revolution à la Sandinismus in Mittelamerika heisst, wie überall, mehr Bürokratie: zwei Stunden Warten im oficina de imigracion. Umständlicher Geldumtausch in Begleitung eines bewaffneten Soldaten.

Der erste Abend an der Atlantikküste seit langem ohne Stress. Das heisst für mich immer: Chinesisch essen gehen, ganz gleich wo. Also auch in Puerto Cabezas. Es gibt einen Chinesen, neun Mark das Menü, also sündhaft teuer. Aber das Etablissement ist es wert: rund vier Dutzend bis an die Zähne bewaffnete Männer und Frauen. Überall lehnen Gewehre an der Wand. Der Che-Guevara-Look ist hier mainstream. Alle schauen uns an wie Marsmenschen. Dos gringos, und die Frau ist auch noch blond.

Chop suey mit Gemüse, da kann nichts schief gehen. Aber die Frage nach palitos (Stäbchen) erregt Aufsehen, als hätten wir den Wunsch geäussert, mit den Füssen essen zu wollen. Die Küchenmann- und frauschaft glotzt komplett herein, ein eifriger alter Chinese wieselt an uns vorbei, gestikuliert unterwürfig mit den Händen, huscht hinaus und kehrt nach fünf Minuten mit zwei Paar Stäbchen zurück und überreicht sie uns mit breitem Grinsen. Alle starren auf unsere Hände, als würden wir uns gleich gegenseitig erstechen wollen. Ein kosmopolitischer Flair weht durch den Raum, und alle Gäste amüsieren sich köstlich.passportDie Stadt – oder sollte man besser “Dorf” sagen, ist voller Kirchen, die meisten aus Holz. Hier haben die mährischen Brüder missioniert. Die Miskito sind evangelisch, sprechen eben miskito, suma oder englisch. Die Gottesdienst sind auch in miskito und englisch. Und wenn katholische Revolutionäre über die Berge kommen und erklären, jetzt seien sie befreit, wissen sie nicht, was das soll. Die Stimmung ist “konterrevolutionär”, trotz der gut gemeinten Alfabetisierungs- und anderer Kampagnen der Sandinistas. Am Sonntag stellt sich die träge karibische Lebensart ein, mit einer Spur der Melancholie, wenn es regnet. Die alten Leute versammeln sich zum Glücksspiel auf offener Strasse in dem Wissen, dass das verboten ist.

Die Menschen auf dem schmuddeligen Markt (vgl. Foto) sprechen ausnahmlos englisch und sind sehr freundlich. Ein riesiger Schwarzer warnt uns ständig vor den “Spionen der Kommunisten”. Der Markt ist für Autos und Betrunkene verboten. Man verkauft Schildkröten, auch am Strand . Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch verboten ist: die Miskito-Küste ist bis hinauf nach Honduras zwar reich an den Tieren, die stehen aber vor der Ausrottung, wenn sie nicht geschützt werden.

Der Hafen ist traurig: Holzbohlen, ein verrosteter Schienenstrang, ein paar Güterwagen. Ein Schiff, das ähnlich aussieht wie die Schienen. Fotografieren verboten, warum auch immer. Wer will das kontrollieren? Es soll angeblich ein Schiff kommen, dass die Küste nach Süden entlang schippert, bis nach Bluefields, unserem nächsten Reiseziel. Das geschieht auch, drei Tage später. Wir reden mit dem capitan. Er weiß nicht genau, wann er ablegen wird. Wir knüpfen die Hängematten auf und schlafen in der Tropennacht auf dem sanft schaukelnden Schiff. Schwere Regenwolken ziehen von Norden heran, als wollten sie uns forttreiben.

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Vergesst das nie!

mnri

Auf dem Plakat steht: “Volk, vergiss nicht: Zwischen dem 1. und 7. November 1979 wurden 400 unschuldige Bolivianer getötet!” Der Aufruf stammt vom Movimiento Nacionalista Revolucionario de Izquierda (MNRI) (1984 in La Paz fotografiert). Erinnert mich irgendwie an das heutige Ägypten….

Abajo la Dictatura

HuancayoHuancayo

Tut mit leid, ich war noch nie in Ägypten und habe keine passenden Bilder zur gegenwärtigen Revolution. Vielleicht sind diese hier ein Ersatz: Auf dem obigen erkennt man das Sgraffito “Abajo la dictatura” (“nieder mit der Diktatur”) auf einer Mauer. Beide Fotos habe ich in 1979 Huancayo im Hochland von Peru gemacht.

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