Ein Reaktionär mit guter Frisur

Portal america21.de: “In der Europäischen Union wächst der Widerstand gegen die aggressive Haltung deutscher Diplomaten gegen die linksgerichtete Regierung von Venezuela. Nach vertraulichen EU-Dokumenten, die amerika21.de vorliegen, sind deutsche Diplomaten in Fachgremien des Europäischen Rates mit dem Versuch gescheitert, politische Sanktionen gegen das südamerikanische Land zu erlassen.”

Das dortige Außenministerium hatte sich laut diplomatischen Quellen bereits vor Wochen bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier über den deutschen Botschafter Walter Lindner beschwert. Nach Ansicht des venezolanischen Außenamtes hatte der gebürtige Münchner in Interviews mit den regierungskritischen Tageszeitungen El Nacional und El Universal Vergleiche zwischen der aktuellen Lage in Venezuela und dem NSDAP-Regime gezogen.

Bei solchem diplomatischen Personal muss man sich im Ausland manchmal schämen, ein Deutscher zu sein. Man sieht: Auch Menschen mit guter Frisur können Reaktionäre sein.


Tungurahua, revisited

tungurahua

Der Vulkan Tungurahua in Ecuador ist wieder ausgebrochen. Ich darf an mein Posting vom 08.05.2011 erinnern: “Aufstieg zum Tungurahua”. Ich hatte mir damals aus dem Krater ein “Souvenir” mitgenommen.

Ferrocarriles del Ecuador, revisited

ferrocarril

Das Foto habe ich 1979 irgendwo an der Bahnstrecke zwischen Guayaquil und Quito gemacht. (vgl. das Posting 14.05.2012)

Der ärmste linksradikale Präsident der Welt

Die Huffington Post über den Präsidenten Uruguays: “José Mujica verdient mit seinem Präsidenten-Gehalt umgerechnet etwa 12.500 Dollar im Monat – und spendet 90 Prozent davon an wohltätige Zwecke. Der spanischen Zeitung ‘El Mundo’ erklärte er diese Entscheidung: ‘Ich finde diesen Betrag in Ordnung. Der Großteil der Einwohner Uruguays verdient sogar weniger, also sollte das auch für mich ausreichend sein.’ Eine Einstellung, die im starken Kontrast steht zu Wirtschaftsbossen mit millionenschweren Boni-Zahlungen und Politikern mit Rentengehältern von beispielsweise 217.000 Euro im Jahr im Fall von Ex-Bundespräsident Wulff.”

Die Meldung ist aber schon in zahllosen Zeitungen weltweit erschienen. Übrigens war José Mujica einer der Gründer der kommunistischen Stadtguerilla Tupamaros (was in deutschen Medien gern verschwiegen wird).

Und welches politisches Personal mit welchen Biografien haben wir hierzulande? Es ist zum Kotzen.

Die Sekretärin des Präsidenten ist auch sehenswert.

San Andrés

san Adres

Die Insel San Andrés, Kolumbien (kein deutscher Wikipedia-Eintrag?), liegt auf der Höhe der Küste Nicaraguas, noch nördlich von Bluefields, und war 1979, als ich das Foto gemacht habe, ein verschlafenes Eiland, auf dem nur einige reiche Kolumbianer Urlaub machten. Ich war auch zum Baden auf dem Inselchen, das zwischen den Palmen zu sehen ist.

Das Foto poste ich hier völlig sinn-und zwecklos, die Zeitläufte ignorierend. Ich habe auch seit ca. drei Wochen den Fernseher auch nicht mehr eingeschaltet und vermisse nichts. Ich muss mir übrigens noch überlegen, ob man einen reaktionären Putsch gegen ein reaktionäres Regime “Revolution” nenen sollte (falls sich jemand für die Ukraine interessiert).

Tschernobyl des Amazonas

brunnen

Credits: Moveglobal e.V.

Der Ekuadorianer Pablo Fajardo erzielte einen weltweit einmaligen juristischen Sieg gegen Texaco-Chevron. Der amerikanische Ölkonzern Texaco-Chevron hatte in Ecuador hochgiftige Schlämme in die Umwelt gepumpt und wild entsorgt.

Die Schäden, die am Amazonas im ecuadorianischen Amazonabecken zwischen 1964 und 1990 angerichtet wurden, gehen als das ‘Tschernobyl des Amazonas’ in die Geschichte ein.

Vor einem ecuadorianischen Gericht war Chevron dafür bereits zu einer Geldstrafe in Höhe von 8,6 Milliarden Dollar verurteilt worden. Das Geld soll für ihre Entschädigung verwendet werden. Zudem, so befand das Gericht in seiner Urteilsverkündung, müsse sich der Konzern bei den geschädigten Einwohnern der Region entschuldigen. Die Pipeline durch das Gebiet der indigenen Bewohner/innen gehört übrigens der WestLB.

Argentinien beschlagnahmt zwei Milliarden Dollar des US-Konzerns Chevron wegen Umweltschäden in Ecuador.

Klasse!

Qusqu – der Nabel der Welt

cusco

Cusco, Peru. Das Foto habe ich 1984 gemacht. Zum ersten Mal war ich 1980 dort. Die Kathedrale wurde von 1560 bis 1654 auf den Grundmauern des Palastes des 8. Inka Viracocha erbaut.

Guten Rutsch!

panama

Ich wünsche allen wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014!

Das Foto habe ich in der Altstadt von Panama am Jahreswechsel 1981/1982 gemacht. In der Pension Panama habe ich gewohnt.

Zipaquirá

Zipaquirá

Straßenszene in Zipaquirá, Kolumbien (1982).

Gringa linda

Gringa

Da die geneigten Leser und die wohlwollenden Leserinnen sich gern ereifern, wenn junge und hübsche Frauen abgebildet werden, muss ich natürlich nachlegen. Hier der Blick aus dem Fenster einer sehr einfachen Pension in Bogota, Kolumbien, mit Blick auf den Monserrate. Das Mädel (har har) hatte ich 1979 in Mexiko kennengelernt, wie hier schon erwähnt, und bin mit ihr dann 1981/82 kreuz und quer ein halbes Jahr durch Mittelamerika, Kolumbien, Brasilien und die Karibik gereist.

Pisac aka Q’allaqasa

pisac

Das Foto habe ich 1980 im peruanischen Pisac gemacht, einer Bergfeste der Inka, gut 30 Kilometer von Cuzco entfernt – ungefähr hier, im “heiligen Tal der Inka” am Rio Urubamba. In der Mitte ist der Tempel, dort “liegt der Intihuatana, ein mächtiger Felsbrocken, von dem die Inka glaubten, an ihm sei die Sonne angebunden”. Man kann erkennen, dass der Felsen zur astronomischen Beobachtung diente. 1984 war ich zum zweiten Mal in Pisac, auf dem Berg hatte sich nichts verändert.

Kommunisten regieren jetzt auch in Chile

Camila Vallejo

Foto: Die chilenische Kommunistin Camila Vallejo verlässt den Präsidentenpalast La Moneda in Santiago de Chile (2017). Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” veröffentlicht eine Anzeige: “Chile – jetzt investieren.” Ein CSU-Politiker schreibt im Bayernkurier: “Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang.” Der US-Botschafter in Chile sagt: “Ich sehe nicht ein, warum wir Nichts tun und zusehen sollten, wie ein Land durch die Unverantwortlichkeit seines eigenen Volkes kommunistisch wird. Die Angelegenheiten sind viel zu wichtig, als dass sie den chilenischen Wählern zur Entscheidung überlassen werden könnten.”

Reuters: “Bachelet easily wins Chile election, plans reforms”.

Zur Erinnerung: “Camila Vallejo “tritt für die Kommunistische Partei an, die erstmals bei einer Wahl unter den Mantel der großen Mitte-links-Koalition ‘Nueva Mayoria‘ um Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet geschlüpft ist.”

Wann organisieren die US-Amerikaner jetzt den nächsten Putsch?

Amigos

amigos

Manaus (1982) – vor einem Postgebäude.

Am Solimões

solimoes

Der Oberlauf des Amazonas wird von den Brasilianern Solimões genannt. Das Foto habe ich 1982 gemacht, ein paar hundert Kilometer westlich von Manaus. Dort wäre ich jetzt gern…

Grumpy Girl

grumpy girl

Das Foto habe ich 1984 auf Amantani gemacht, einer peruanischen Insel im Titcaca-See. Das Mädchen hatte noch nie eine Kamera gesehen und wollte nicht fotografiert werden, aber ihre älteren Geschwister haben ihr gut zugeredet. Ihr Gesichtsausdruck änderte sich trotzdem nicht….

Cesar Lora, Isaac Camacha und die permanente Revolution

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Wer ein Herz hat und für die kleinen Leute ist, die man früher hierzulande Arbeiter nannte (sogar dieses Wort ist aus den Kapitalismus-affinen Mainstream-Medien verschwunden), der sollte nach Bolivien fahren. Oder dieses Video ansehen – auch wenn es in Spanisch ist: Der Rhythmus und die Gefühle, die vermittelt werden, reichen aus, um sich vorstellen zu können, wie ein kämpferischer Arbeiterführer (Frauen inbegriffen) oder Gewerkschaftler sein könnten. Nicht wie diese zahnlosen und die Obrigkeit anschleimenden Gestalten hierzulande, die sich “Tarifpartner” des Kapitals schimpfen.

Ein halbes Jahrhundert nach der Ermordnung Cesar Loras und Isaac Camachas wird ihrer immer noch gedacht – aber nur von den Bergarbeitern Boliviens. Das Bild habe ich 1984 in Llallagua in Bolivien gemacht in der Nähe der Zinnmine Catavi-Siglo XX, die meine damalige Freundin und ich besichtigt hatten. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas.

Auf Wikipedia gibt es nur eine portugiesische Seite über Cesar Lora. (Ich habe bei archive.org noch etwas gefunden).

In Deutschland würde so ein Mann natürlich nie ein Denkmal bekommen: Cesar Lora war ein militanter trotzkistischer und unabhängiger Gewerkschaftsführer. Solche Leute wären in Deutschland vor 1945 ermordet worden, nach 1945 wären sie ins Gefängnis gegangen und hätten Berufsverbot bekommen. In Bolivien ist das anders. Ein Buchtitel, der mir beim Recherchieren auffiel, sagt schon genug: “Bolivia’s Radical Tradition: Permanent Revolution in the Andes”.

Das Denkmal zeigt auch, was solche Monumente bewirken können. Wir haben ja nur die steinernden Figuren der herrschenden Klasse überall herumstehen. Im Beitrittgebiet ist das noch anders, aber ich befürchte, dass in den Schulbüchern sorgsam ausgelassen wird, was sie bedeuten. Ernst Thälmann . den im KZ Buchenwald von den Nazis ermordeten Vorsitzenden der KPD – meine ich nicht; der hat der deutschen Arbeiterklasse vermutlich letztlich mehr geschadet als genutzt und was außerdem eine Marionette der Komintern und Moskaus.

Aber ich wollte nur ein Foto posten und keine Grundsatzdiskussion anfangen… Ja, übrigens hatte Trotzki recht.

Quilapayun

Die deutsche Linke (nicht nur die gleichnamige Partei) bietet ein desaströses Bild. Vielleicht sollte ich im Alter doch nach Lateinamerika auswandern. Da kann die Jugend die Texte dieser Lieder noch auswendig. Die Musik ist eh besser – und die linken Frauen schöner (ja, ein doofer Spruch, aber die Wahrheit).

Hier singt Victor Jara.

Amantani

Amantani

Das Foto habe ich 1984 auf Amantani gemacht, einer peruanischen Insel im Titcaca-See. Dort habe ich eine Woche bei Quechua-Bauern verbracht, die schlechter Spanisch sprachen als ich. Wenn ich mich beruhigen will, muss ich mir nur meine Fotos von Amantani ansehen.

“Im Gegenteil, es klingt sogar merkwürdig und mutet fast ein bisschen witzig an, wenn man nach Monaten der Abstinenz mal wieder die Nachrichten hört. Oder an einem Kiosk die Schlagzeilen liest. Es ist, als würde man sich in eine bekannte Endlosschleife einklinken.” (Marc Bielefeld in SpOn)

Nachrichten aus dem Hinterhof der USA: Soldaten als Auftragsmörder

Diese Nachrichten werden wohl kaum in den deutschen Mainstream-Medien vorkommen, sind aber dennoch – oder gerade deswegen – interessant:

Klassenkampf (der Begriff ist in deutschen Zeitungen untersagt) in Venezuela: Die Regierung will einen Manager einsetzen und die Belegschaft wehrt sich dagegen.
Diana ist ein Unternehmen mit jahrzehntelanger Geschichte und wurde im Jahr 2008 von der Bolivarischen Regierung übernommen. Seitdem wurde der Betrieb unter Kontrolle eines Rats der Arbeiter und Arbeiterinnen geführt. Die Belegschaft unterhält ein eigenes Radioprogramm und eine Arbeiteruniversität. Der Betrieb gilt als gelungenes Beispiel für eine von der Belegschaft übernommene Leitung.

Das ist natürlich ein Grund dafür, dass dieses Unternehmen nicht in deutschen Wirtschaftsnachrichten erwähnt werden darf. Die Glaubensgemeinschaft Freie Marktwirtschaft(TM) würde das missbilligen.

Da wir beim Thema Religion sind: Manchmal machen Pfaffen erstaunlicherweise auch etwas Gutes, zum Beispiel die “Pastors for Peace” aus den USA. Das ist natürlich auch eine Ausnahme, weil dort alles religiös ist. Vermutlich könnte man in den USA sogar mit einer linksradikalen Organisation Erfolg haben, wenn sie als Kirche organisiert wäre.

Portal america21.de berichtet: “US-Aktivisten brechen Kuba-Blockade Washingtons”. “Die US-Bürger unter ihnen reisten ohne die eigentlich erforderlichen Genehmigungen ihrer Behörden”.

Aha. Und ich dachte immer, im Kapitalismus in Ländern, in denen der freie Markt bekanntlich alle Menschen glücklich und reicht macht, herrschte Reisefreiheit und Verbote, irgendwo hinzureisen, gäbe es nur in Unrechtsregimes wie damals in der DDR?

Spannend finde ich die Rolle Chinas in Lateinamerika: “Auch andere Staaten wie Chile, Panama und Peru erleben eine wirtschaftliche Verlangsamung. Eine der Hauptursachen für das verringerte Wachstum sei die hohe Abhängigkeit von Rohstoffexporten in die EU und in die Volksrepublik China.”

“Wirtschaftliche Verlangsamung” – das ist natürlich nicht nur Deutsch des Grauens, sondern auch ein pseudereligiöses Mem unserer “Volks”wirtschaftler, die meinen, es müsse bis zur Apokalypse zum Ende aller Tage immer mehr und mehr und mehr produziert werden. Was bedeutete das Gegenteil? “Wirtschaftliche Beschleunigung”? In Deutschland würden die Medien, die vorgeben, Ökonomie erklären zu wollen, vermutlich schreiben: “Die Konjunktur belebt sich” oder “die Gottheit Märkte sind in guter Stimmung“. (O je, ich wollte nur scherzen und übertreiben, aber die schreiben das wirklich so!)

Im obigen Artikel heisst es: “Schätzungen gingen zuletzt davon aus, dass China die USA als den wichtigsten Handelspartner des lateinamerikanischen und karibischen Raumes bereits 2015 ablösen könnte.” Das wäre natürlich für Lateinamerika eine Revolution. China wird aber an den den Problemen nicht viel ändern, abgesehen davon, dass die Staaten mit einer Regierung, die die USA nicht wollen oder in die die USA früher ziemlich schnell einmarschiert wären, nicht länger erpressbar sind. (Zitat aus dem Film “Avatar”: “Venezuela – that was a mean bush”.) Venezuela etwa lebt von der Substanz aka Öl, und auch die linke Regierung macht nicht viel mehr als die Einnahmen zu verteilen – nur bekommen mehr Leute davon etwas ab, nicht nur die nationale kapitalistische Oligarchie.

Hübsch ist auch diese Meldung:
Wie aus einem vertraulichen Bericht des FBI vom April diesen Jahres hervorgeht, kommt es immer häufiger zu gezielten Anwerbungen US-amerikanischer Soldaten durch mexikanische Drogenkartelle. Für eine Bezahlung von mehreren Tausend Dollar führten die professionell geschulten Soldaten Auftragsmorde durch oder trainierten die Mitglieder der Organisationen, so Sicherheitsexperten laut Fox News.

Natürlich geben russische Medien diese Nachrichten genüsslich wieder; aber sogar in britischen Medien wird berichtet, inklusive der Steckbriefe: “Mexican drug cartels are using U.S. military personnel as guns-for-hire”.

Gute Nachricht aus Bolivien: “Bolivien für Koka-Anbau zu medizinischen Zwecken”. Präsident Morales hat bereits mehrmals vor den Vereinten Nationen die Legalisierung der Koka-Pflanze gefordert und deren Kriminalisierung als “historischen Fehler” bezeichnet.

Man müsste sich mal vorstellen, ein deutscher Politiker forderte, “Drogen” müssten zu medizinischen Zwecken angebaut werden – und nicht nur das harmlose Hanf. Wer das forderte, würde gesellschaftlich geächtet und würde zu Mainstream-Talkshows, die “Politik” in Deutschland weitgehend ersetzen, nicht mehr eingeladen.

Ich denke manchmal ernsthaft darüber nach, im Alter, falls es mir noch gelänge, eine Art Bestseller zu schreiben, nach Lateinamerika auszuwanden. Aber der politische Wind dort kann sich auch sehr schnell wieder drehen.

Noche triste in Sumbay

sumbaysumbay

Vermutlich kann man heute von den Nachgeborenen nicht mehr verlangen, dass ihnen bei “Noche triste” spontan etwas einfällt, und schon gar nicht bei “Maria de Estrada“, an der sogar Alice Schwarzer ihre wahre Freunde hätte. Was für eine Romanheldin wäre diese Maria! Absolut grandios. Wer des Spanischen mächtig ist, sollte unbedingt Juan Francisco Maura (pdf, 300 S.) lesen: “Mujeres de armas en las letras y en la historia”. Españolas de Ultramar en la Historia y en la Literatura (siglos XV a XVII), Valencia 2005.

Aber ich wollte eigentlich über die besch…eidenste Nacht berichten, die ich auf meinen vielen Riesen je durchlebt habe. Sumbay ist eine winzige Bahnstation auf der Strecke zwischen Arequipa im Südwesten Perus und Juliaca, das fast am Titicacasee im Osten liegt. In Sumbay ist rein gar nichts, außer ein paar Werkstätten und Häusern für Bahnarbeiter, ein gottverlassenes Nest, das man noch nicht einmal per Google Earth findet, außer man weiß, wo man suchen muss.

Wir kamen (1984) mit einem klapprigen Bus aus Chivay nördlich von Arequipa – am östlichen Ende des Valle de Colca – in den Anden und hatten lange mit dem Busfahrer diskutiert, wo man uns absetzen sollte, damit wir den Zug nach Juliaca abpassten. Es reichte ja nicht, die Bahnstrecke zu finden, sondern der Zug sollte dort auch halten. Man muss wissen, dass die Straße, wenn man sie so nennen will, manchmal über 5000 Meter hoch liegt (vgl. Foto). Der Bus keuchte und spotzte vor sich hin. Dementsprechend kann es dort schweinekalt werden, und man sollte dort überhaupt nur reisen, wenn man die Höhe gewohnt ist und genügend Zeit hatte, um sich zu akklimatisieren. (Das ist eine ernst gemeinte Warnung! Mit der Soroche ist nicht zu spaßen, und es gibt dort auch keinen Rettungshubschauber des ADAC.)

Wenn man auf der Karte ein wenig nach links (nach Westen) schwenkt, erkennt man eine Straße und eine scharfe Kurve: Das war die Stelle, an der man uns aus dem Bus komplimentiert hat, nicht ohne uns zu erklären, dass der “Weg” nach Sumbay nicht lang und auch leicht zu finden sei. Meine damalige Begleiterin und ich trugen übrigens beide Rücksäcke, die um die 15 bzw. 20 Kilo wogen.

Dummerweise war es grad schweinekalt, aber nicht so kalt, dass es geschneit hätte. Dafür fing es an zu schütten dergestalt, dass wir nicht nur bis auf die Knochen nass wurden, sondern auch rechts und links von uns schlammige Sturzbäche ins Tal strömten, sodass wir knöcheltief durch Wasser, Geröll und Schlamm stapfen mussten. Wer die Regenzeit in den Anden kennt, der weiß, dass das richtig gefährlich werden kann. Der Weg war ohnehin nicht mehr zu sehen, es ging nur steil hinab ins Tal. Vermutlich sahen wir aus wie Höhlenforscher, die in ein Schlammloch gefallen waren, als wir endlich unten ankamen.

Wir hatten gehofft, Sumbay sei eine Ortschaft, womöglich mit einer Art Restaurant. Pustekuchen. Da war rein gar nichts, und die Bahnarbeiter sagten uns, der Zug käme mitten in der Nacht – wir hatten also noch sieben oder acht Stunden Zeit. Und das in unserem Zustand.

Ich habe fast jedes Gebäude in Sumbay betreten. In der Gasse auf dem Foto war ein Haus (links, die blaue Tür) mit einem trockenen Raum, und eine alte Frau versprach uns, eine Suppe zu kochen, die aber nur lauwarm war, so dass sie uns nicht wärmte. Noch nicht mal Kaffee hatten sie. Immerhin durften wir dort bibbernd im Trockenen sitzen.

Traurig war auch, dass ich Durchfall bekam und in der Dunkelheit im Regen alle 15 Minuten einen Platz suchen musste, um das zu verrichten, was bei Durchfall angesagt ist. Eine Toilette oder fließendes Wasser gab es im ganzen Ort nicht. Das war nicht wirklich lustig.

Ich glaube, ich habe mich nie im Leben so auf die Ankunft eines Zuges gefreut wie in Sumbay. Der kam nach Mitternacht und war für peruanische Verhältnisse luxuriös. Man konnte sich sogar waschen und hinlegen. Der Schaffner, der uns freundlich hineinbat, grinste sich eins. Vermutlich dachte er: Wer so bescheuert ist, nach Sumbay zu reisen, der sollte auch nicht jammern.

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