Facebook geht an die Börse
Regentänze aus aller Welt
Fefe sagt ganz richtig (was ich auch immer predige, aber mir hört ja niemand zu): “Mir ist ja immer noch nicht klar, wieso irgendjemand diese Antiviren-Grütze einsetzt. Die hilft nicht nur nicht, die schafft enorme zusätzliche Angriffsfläche, schafft eine falsche Sicherheitseinschätzung beim Benutzer und die Malware-Branche lacht sich kaputt über Antiviren.”
Man müsste mal Völkerkundler befragen, ob der Kauf von Antiviren-Software nicht direkt unter “Voodoo” oder “Regentänze aus aller Welt” eingeordnet und analysiert werden solle.
Die Staatstrojaner-Ente, neu angebraten
Spiegel Online Vorabmeldung: “Experten des Bundeskriminalamts scheitern an der Entwicklung eines Staatstrojaners.”
Bruhahahahahahahaha.
Nun, für die Nachgeborenen: Ich hatte in meinem Buch “Die Online-Durchsuchung” behauptet, die Idee, man könnte ohne vorherigen physischen Zugriff auf einen ungesicherten (sehr ungesicherten!) Rechner eine Spionage-Software einem Verdächtigen unterjubeln, sei ein Hoax, eine Ente, völliger Quatsch usw. (Wohlgemerkt: Es geht nicht um Software, die als “Abfallprodukt” von Internet-Telefonie zusätzliche Abhör-Funktionen besitzt.)
Lauschen wir den DAUs von Spiegel Online weiter: “Ein solches Programm wird in der Regel als versteckter Anhang einer E-Mail auf den Rechner eines Verdächtigen geschmuggelt und deshalb auch Staatstrojaner genannt.”
Bruhahahahahahahaha. “Versteckter Anhang einer E-Mail”. Das ist doch zum Kringeln. Aber es ist zu befürchten, dass die das in vollem Ernst schreiben.
“Das BKA bekam den Auftrag, eine Software zur sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung zu entwickeln, die nur das kann, was zulässig ist. Vor Vertretern aus Bund und Ländern musste das BKA jetzt einräumen, dass es mit der Aufgabe offenbar überfordert ist.”
Eben. Es geht gar nicht. Quod erat demonstrandum.
Sicherheitsupdates für vollautomatische Pappnasen
“Müssen Anwender ihre Applikationen und Betriebssysteme von Hand auf den neuesten Stand bringen, verschlafen sie es regelmäßig. Die Folge: Abermillionen PC, die durch den Missbrauch längst geschlossener Sicherheitslücken vollautomatisch aus der Ferne mit Schadsoftware infiziert werden”, schreibt Spiegel Online.
Nein. Das genau nicht. “Vollautomatisch” geschieht gar nichts. Diese schwachfugigen Formulierungen ahnungsloser Journalisten sind die Basis für fromme Märchen und Legenden über Computer, die sich im öffentlichen Diskurs festgefressen haben und zum Beispiel auch den Hoax rund um die Online-Durchsuchung nährten.
Wer seinen Rechner so lässt – falls jemand Windows benutzt -, wie Microsoft ihn ab Werk ausliefert, und wer sicheinen feuchen Kehricht um Sicherheit kümmert, bei dem geht alles schief, ob voll- oder halbautomatisch. Man kann einen Computer sicher machen – auch ohne die Placebos und den Regenzauber von Anti-Voren-Programmen (ich habe so etwas nicht – wozu denn?) und dem ganzen Quatsch. Man muss sich nur dementsprechend verhalten.
The net is not a babysitter
“Die Website Rotten.com wurde im November 1999 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert (Entscheidung Nr. 5676), unter anderem wegen ‘detaildrastischer Abbildungen sexueller Handlungen wie Fellatio oder Manipulation der Geschlechtsorgane mittels Gegenständen. Diese Indizierung hat zur Folge, dass die Website in allen deutschen Suchmaschinen gesperrt ist, beispielsweise Google.de.” (via Pornoanwalt)
Deswegen benutze ich auch nicht google.de oder eine andere klostertaugliche deutsche Suchmaschine, sondern google.com. Die meisten deutschen Journalisten scheitern schon bei der einfachen Fingerübung, google.com mit dem Browser aufzurufen.
rotten.com dazu ganz richtig:
The net is not a babysitter! Children should not be roaming the Internet unsupervised any more than they should be roaming the streets of New York City unsupervised. We cannot dumb the Internet down to the level of playground. Rotten dot com serves as a beacon to demonstrate that censorship of the Internet is impractical, unethical, and wrong. To censor this site, it is necessary to censor medical texts, history texts, evidence rooms, courtrooms, art museums, libraries, and other sources of information vital to functioning of free society.
Aber das geht in die dumpfen Köpfe der Jugendschutzwarte und ihrer politischen Lautsprecher natürlich nicht hinein. Zensur im Kostüm des “Jugendschutzes” ist immun gegen Argumente, weil es sich um öffentliche kollektive Exorzismen, also um Moraltheologie handelt.
Gefällt mir immer noch
Ich muss aus gegebenem Anlass noch einmal mein schickes Laptop loben. Auch wenn mein Balkon nur klein ist: Ich kann dort arbeiten, Musik hören, Glotze gucken, via Internet telefonieren – was will der Mensch mehr. Eine knackige Dame fehlt noch, die mir… nein, das lassen wir mal. Ich bin schon von Berufs wegen diskret.
Terrorbotschaften aus dem /dev/random
Wo überall verstecken Terroristen geheime Botschaften? Fragen wir CNN (via Fefe): “Documents reveal al Qaeda’s plans for seizing cruise ships, carnage in Europe”. Noch mal ganz langsam zum Mitschreiben: In Pornos auf Datenträgern in der Unterwäsche eines in Berlin verhafteten Terroristen.”
Urheber der Verschwörungstheorie ist Yassin Musharbash, der als “islamismus-Experte” bei Spiegel Online dafür berüchtigt war, seine Quellen nicht zu nennen bzw. zu verlinken (“auf einer islamistischen Website”).
Telepolis vor elf Jahren darf man jetzt nicht lesen: “Benutzen Terroristen versteckte Botschaften? (…) Doch die versteckte Botschaft über Bin Ladins Vorgehen ist, dass es keine versteckte Botschaft gibt”.
In Wahrheit stammt dieser Hoax von USA Today aus dem Jahr 2001. Sogar die Wired beschäftigte sich damals mit dem Blödsinn.
Burks.de macht es den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern leicht – wir basteln uns unsere eigene Terror-Verschwörungstheorie:
- Osama bin Ladens Sohn eröffnet Schnellimbiss auf dem Mars
- Terroristen verstecken Botschaften in Angela Merkel
- wie Terroristen eine Botschaft im IP-Header verstecken wollten
- Hexcodes, mit denen in HTML die Hintergrundfarben von Webseiten angegeben werden, enthalten versteckte Botschaften. Jede zu bunt gestaltete Seite ist verdächtig.
- Terroristen verstecken Botschaften angeblich in Pizza
- bin ‘im’ laden versteckt botschaften in ebay auktionen
- Terroristen verstecken Botschaften angeblich in der Zahl PI
- Terrorbotschaften aus dem /dev/random
- Rollendes Biowaffenlabor endlich entdeckt: Schäuble wurde verhaftet!
- Michale Drosnin entdeckte nach Kryptoanalyse der Bibel Tonnen von terroristischen Botschaften. U.a. sind das Attentat auf Kennedy in der Bibel verschlüsselt.
- ein Bruder Osama bin Ladens versteckt geheime Botschaften in Parfum
- Osamas Nachfolger spielt wohl auch Quake3
- Mafiosi verstecken Botschaften angeblich in Weißwürsten
Nur bedingt wissend
Hahaha, sehr schöner Artikel von Kristian Köhntopp über das Anti-Viren-Programme-Voodoo (“über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit von Antivirenprogrammen”). Lesebefehl!
Köhntopp bezieht sich auf einen Artikel in der FAZ, den er nach allen Regeln der Kunst auseinandernimmt. Das FAZ-Gefasel ist von Peter Welchering.
Welchering? Den hatten wir hier schon einnmal vor fünf Jahren durchgenommen unter dem Titel “Neues vom Tron-Netz”.
Ein Rezept für Journalisten soll angeblich sein: “Vertrauliche Daten sollten auf gar keinen Fall auf Rechnern gespeichert werden, die einen Zugang zum Internet haben.” (…) “Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass jede verschlüsselte Information prinzipiell entschlüsselt werden kann.” Falsch. Der Autor Peter Welchering hat schlicht keine Ahnung von Verschlüsselung. (…) Kein Angst, der Blödsinn lässt sich sogar noch steigern: “Völlige Sicherheit kann man übrigens auch nicht von Anonymisierungsrechnern, wie sie innerhalb des TRON-Netzes verwendet werden, erwarten.” Sehr witzig. Ich wusste gar nicht, dass wir einen Tron-Server betreiben.
Heute bin ich irgendwie guter Laune und mache mir ständig neue Freunde.
Jetzt Ticket sichern?
Vergesst es. Ausserdem bin ich zu arrogant, zu elitär, zu massenfeindlich, zu wenig Mainstream und hasse zu viele Arschgesichter um mich herum. Was soll ich da? Ich blogge seit 2003 – was wollen die mir darüber erzählen?
Tor-Button und Tor Browser Bundle
“Now that the Tor Browser Bundle includes a patched version of Firefox, and because we don’t have enough developer resources to keep up with the accelerated Firefox release schedule, the toggle model of Torbutton is no longer recommended. Users should be using Tor Browser Bundle, not installing Torbutton themselves.”
(Quelle: https://blog.torproject.org/blog/toggle-or-not-toggle-end-torbutton)
Der Internet-Point beim Magendoktor
Resources Development Administration heisst jetzt Planetary Resources
“Seltene Metalle wie Platin will Andersons Team auf den Asteroiden gewinnen und dann zur Erde schaffen, wo sie extrem knapp und teuer sind. Nach Angaben von Planetary Resources kann ein 30 Meter großer Asteroid Platin im Wert von 25 bis 50 Milliarden Dollar enthalten, berechnet nach heutigen Preisen,” berichtet SpOn.
Irgendwie kam mir das bekannt vor. Aber war das seltene Metall nicht Unobtainium?
Auf dem Bild beobachtet ein Einheimischer die Angestellten der Firma Planetary Resources, wie diese auf fremden Asterioden nach seltenen Metallen schürfen.
Die Vorratsdatenspeicherung kommt
AK Vorratsdatenspeicherung: “Nach einem internen Gesetzentwurf, der uns zugespielt worden ist, will das Bundesjustizministerium künftig jede Internetverbindung in Deutschland erfassen lassen. Damit wäre im Regelfall sieben Tage lang nachvollziehbar, wer wann eine Internetseite gelesen, einen Kommentar veröffentlicht, eine Datei ins Internet geladen oder aus dem Internet heruntergeladen hat. Außerdem würden bislang anonyme E-Mail- und Benutzerkonten (z.B. bei Twitter oder Facebook) identifizierbar, was die Erstellung von Interessens- und Bewegungsprofilen (bei mobiler Internetnutzung) zulassen würde. Ausgenommen von der Internet-Vorratsdatenspeicherung sollen kleine Internet-Zugangsanbieter mit weniger als 100.000 Kunden sein.”
Stell Dir vor: Wir kriegen den totalen Überwachungsstaat und keiner merkt es.
Symbolpreis von rund 1000 Billionen Dollar
“Facebook wird noch dieses Jahr ebenso überraschend das gesamte Internet aufkaufen. Für den Symbolpreis von rund 1000 Billionen Dollar soll es zu haben sein. Merkwürdigerweise entspricht dies genau der Hebelsumme des europäischen Rettungsschirms…” (Quelle: Spam)
Wo zapfen sie denn?
“Branchen-Newsletter IT-Professionals
Sehr geehrter Herr Schröder,
sind Ihre Unternehmensrechner Bestandteil eines Botnetzes? Die Wahrscheinlichkeit ist gegeben, denn in Deutschland gibt es 470.000 solcher Netze, die Ihre Rechnerkapazitäten für illegale Zwecke anzapfen können. Wissen Sie, dass Sie im laufenden Jahr noch bis zu 40 Prozent Ihrer IT-Kosten senken können – auch bei laufenden Projekten? Wie steht es in Ihrem Unternehmen mit der privaten Internetnutzung oder mit der Erlaubnis, eigene Endgeräte mitzubringen?
Antworten darauf und auf die Frage, wie Unternehmen ihre Arbeitsplätze derzeit modernisieren, finden Sie in unserem aktuellen Newsletter..”
[bla bla bla]
Waren es doch nicht eher 480.000 solcher Netze, die die armen Rechner von Burks anzapfen? Wo zapfen sie denn?
Anonymität verlockt
Schneider sagte der Münsterschen Zeitung (Samstagsausgabe): “Die Anonymität des Internets ist eine Verlockung, Hemmungen aufzugeben. Sie verleitet dazu, dem destruktiven Potenzial, das in uns allen steckt, völlig freien Lauf zu lassen.”
Burks sagte dem Blog burks.de (Samstagsausgabe): “Das Wegschauen und Verdrängen und die Heuchelei der Kirchen ist eine Verlockung, Hemmungen aufzugeben. Sie verleitet dazu, dem destruktiven Potenzial, das in den Pfaffen steckt, völlig freien Lauf zu lassen.”
Sachsen! FDP!
Was erwartet man denn von dieser Kombination? Ich bin keineswegs überrascht vom “gesunden Volksempfinden” der homophoben FDP-Dame in Bad Lausick. Die wird bestimmt bald in die NPD eintreten.
BKA möchte auch Linux trojanisieren
Fefe beschäftigt sich mit einer Stellenanzeige des Bundeskriminalamts: “Dem BKA ist aufgefallen, dass es noch andere Betriebssysteme als Windows gibt, und die möchten sie jetzt auch trojanisieren”.
Leitfaden der Content-Mafia
Lesebefehl: Markus Kompa schreibt in Telepolis über den so genannten “Leitfaden für Eltern und Lehrer“, “der Halbwahrheiten über das Urheberrecht propagiert. Das ominöse Pamphlet, das Schüler zu botmäßigem Umgang mit Urheberrechten im Internet disziplinieren soll, verkörpert stellenweise Realsatire, so dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, es handele sich um ein von Hackern untergeschobenes Kuckucksei.”
Ja, wo lauern sie denn?
Ja, mein Avatar lauert da kampfbereit im Gebüsch, um RDA-Soldaten mit der Keule eins überzubraten.




















