J. S. Bach – Prelude no. 2 in C Minor

Wenn das Hendrix noch hören könnte!

Karl May: Der Orientzyklus

WDR: Mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar durch die Wüste – Karl Mays Orient-Romane in einer aufwändigen Hörspielproduktion. – Die Folgen der Hörspiel-Serie stehen nach den Sendungen befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Die Helfer einer Lügnerin

Udo Vetter: „Peinlich ist das Urteil vor allem für jene, die den Fall Lohfink zum Gradmesser für angebliche Lücken im deutschen Sexualstrafrecht hochgejazzt haben. Die Mitglieder des Teams Gina-Lisa, allen voran die amtierende Familienministerin, haben sich vor den Karren einer mutmaßlichen (das Urteil ist nicht rechtskräftig) Lügnerin spannen lassen.“

Ich empfehle dazu Tom Wolfes Fegefeuer der Eitelkeiten. Niemand ist an der Wahrheit interessiert, und das so genannte „Team Gina-Lisa“ schon gar nicht.

Kant zur Sache

Konkret: „Am 14. August ist Hermann Kant gestorben. Mit Hermann L. Gremliza sprach er in konkret 7/06 über die real existierende DDR und den deutschen Literaturbetrieb.“

Man muß nicht mal ein Hundertstel des Gripses von Marx haben, um das, was der im ersten Kapitel des Kommunistischen Manifests beschreibt, als auch heute zutreffend zu erkennen. Die Leute brauchten keine theoretischen Köpfe zu sein, sie mußten nur ein bißchen verstanden haben. Aber der Ehrgeiz ließ sie nicht ruhen, sie mußten immer verlautbaren, sie wüßten, wie wir es zu machen hätten. (…) Es ist eine andere Art von Bewußtsein entstanden und geblieben, nicht nur das Bewußtsein der Niederlage, sondern auch das Bewußtsein von Chancen. Ich sage nicht der Siege. Viele Siege haben sich als Pyrrhussiege erwiesen. Aber das Bewußtsein vom Vermögen, etwas ändern zu können, wenn man es wirklich will. (…) Eine der Haupteigenschaften aller Menschen scheint zu sein – ich kann es ihnen gar nicht verdenken – , daß sie immer ein Leben suchen, in dem sie es bequem haben und sich nicht mühen müssen.

Lesenswert. Ich habe Kants Bücher gern gelesen, ein paar von denen stehen auch in meiner Bibliothek.

Ich bin ohne Illusion, was die Reichweite meiner Vorstellungen angeht, merke aber zu meinem Troste, wie oft sich Übereinstimmung findet.

Ja.

Zynische Witze mit frauenverachtender Kritik

Bundesrichter Thomas Fischer nimmt sich auf Zeit online seine Kritiker vor, zerbröselt sie in kleine Stücke und trampelt elegant darauf herum. Ein bisschen zu lang, aber lesenswert. Sag „ich als Mann“, ein beleidigungsfähiges Etwas.

Highlight: „Ganz wichtig: bestimmte Substantive unbedingt immer mit bestimmten Attributen kombinieren: also Witz immer mit „zynisch“, Kritik immer mit „frauenverachtend“, Vergewaltigung nie ohne „brutal“. Sonst kommt die Leserin am Ende noch auf eigene Gedanken.“

Ein Mann geht seinen Weg

fist

Ja, man darf auch mal einen Film aus dem Jahr 1978 empfehlen, sogar wenn Silvester Stallone der Hauptdarsteller ist. Fist [UK Import] ist für mich der beste Film über Gewerkschaften überhaupt – und sehr aktuell, weil alle Charaktermasken noch heute aktiv sind.

Streiks mit Gewalt – Streikbrecher und organisierte Schlägerbanden der Kapitalisten verprügeln? Da würde jeder Gewerkschaftsfunktionär von heute gleich in Ohnmacht fallen. Meine Großväter, die beide Bergleute waren, haben mir aber davon erzählt. Kaum zu glauben – aber so etwas hat es in Deutschland gegeben!

Ein Gewerkschaftsboss (Peter Boyle alias „Max Graham“ – eine Anspielung auf den historischen Daniel J. Tobin), der vor den „Linken“ (hier: „Bolschewisten“) warnt? Auch das ist aktuell. Man muss nur eine x-beliebigen SPD-Funktionär fragen, was der von Kommunisten hält.

Film-Lexikon schreibt: „Wer Sylvester Stallone nur aus seinen Action-Filmen der 1980er und 1990er Jahre kennt, wird von diesem Film überrascht sein – nicht, dass er hier durch eine schauspielerische Glanzleistung auffällt, drehbuchbedingt – das Buch schrieb Stallone übrigens zusammen mit Joe Eszterhas – muss er sich meistens wortkarg halten. Allerdings spielt er seinen Charakter mit der notwendigen Entschlossenheit und trotzdem in einigen Szenen weich und fast angreifbar.“

Die New York Times 1978: „Of all the stories of organized labor, the most fascinating—perhaps because it seems the most American—has been the rise to power and affluence of the corruption-riddled International Brotherhood of American Teamsters, whose one-time president, James Hoffa, disappeared in 1975 and is now presumed to have been the victim of a one-way ride ordered by his sometime gangland associates.“

F.I.S.T. gehört für mich zur Allgemeinbildung. Norma Rae muss ich mir noch ansehen.

Böse, verrückt und Silikonbrüste oder: Im Maschinenpark der Güllezerstäuber

Thomas Fischer läuft in seiner Kolumne „Böse, verrückt oder ein Würstchen?“ zur Hochform auf.

„Das Model Gina-Lisa Lohfink als eine „Frau mit dicken Silikonbrüsten“ zu bezeichnen heißt, wenn Sprache noch einen Sinn haben soll, Holz in den Wald tragen.“

Muhahahaha.

Das hier verdient einen Ehrenplatz (das Ministerium für Wahrheit ist einverstanden):
Also heißt ein Gesetz, das die Förderung von Arbeitslosen einschränkt, „Gesetz zur Beschleunigung der Integration in den Arbeitsmarkt“, ein Gesetz, das das Streikrecht beschränkt, „Gesetz zur Modernisierung der Arbeitnehmervertretung“, ein Gesetz, das den Bürgern jede denkbare Möglichkeit nimmt, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden, „Gesetz zur Sicherstellung der Lebensfreude“.

Hush!

Ab 2.38, schon mal vormerken für die Party zu meinem 80-sten Geburtstag! Und das hier.

Scripted Reality oder: Pommesbude und Muskelbank

Pommesbude und MuskelbankNeulich las ich Britta Steinwachs‘ Zwischen Pommesbude und Muskelbank: Die mediale Inszenierung der „Unterschicht“..

Die schlechte Nachricht zuerst: Das Buch ist in einem schrecklichem Wissenschafts-Jargon verfasst (vgl. Ausriss unten), dazu auch noch – völlig überflüssig! – in Gendersprech geschrieben (vgl. das Interview: Steinwachs kann nicht so geredet haben, weil Gender-Unterstriche in Gesprochenem nicht vorkommen), womit sich die Verfasserin als Teil eines ganz bestimmten sprachesoterischen Milieus outet.

Für Menschen, die das nicht gewohnt sind, ist das Buch unleserlich und nicht verständlich. „Wenn wir etwas mit Mühe lesen, so ist der Autor gescheitert“. (Jorge Luis Borges) Es kann mir niemand erzählen, dass es nicht auch anders ginge. Nur macht es dann Mühe; gut, das heißt verständlich zu schreiben, ist ein Handwerk, das man erlernen sollte.

Die gute Nachricht: Der Plot ist spannend und interessant; man lernt auch etwas, wenn man sich bis zum Schluss durchkämpft – Kaufempfehlung jedoch leider nur für Medienwissenschaftler und einschlägige Berufsgruppen und Leute, die sehr schnell lesen können. (Das hätte die Autorin anders haben können.) Der Inhalt umfasst nur rund 100 Seiten, der Rest sind Anmerkungen, Anhang usw..

Pommesbude und Muskelbank

Die Moral von der Geschicht‘: Die „neue Unterschicht“ (also das deklassierte Proletariat und/oder die industrielle Reserverarmee) wird in den Medien als Milieu inszeniert, das verwahrlost und passiv ist. Wer nicht arbeiten will, ist böse. („Im Original: „moralisierende Delegitimierung nicht-werwerbstätoger Lebensformen“.)

Wer arbeitslos ist, ist selbst schuld und kann das nur ändern, indem das Verhalten der Norm der Mittelschicht angepasst wird. In der Serie „Familien im Brennpunkt“ interveniert und korrigiert letzlich und oft der Staat (Jugendamt, Polizei usw.). Ungleiche Chancen auf Bildung seien kein „strukturelles“ Problem, sondern Resultat individuellen Fehlverhaltens.

Die Mitglieder der so genannten „Unterschicht“ werden moralisch diskreditiert – das wiederum ist typisch für Journalisten und Medienarbeiter, die zur übergroßen Mehrheit aus eben dieser Mittelschicht stammen, somit (vermutlich unbewusst) ihren „Klassenauftrag“ erfüllen: Nach oben buckeln und nach unten treten. (Letzteres sage ich, die Autorin suggeriert das nur, spricht es aber mit wenigen Ausnahmen – weder aus noch gebraucht sie marxistische Begriffe, was für das reaktionäre Gendersprech-Milieu, auch bekannt als neue wohlhabende und konservativ grün-wählende Mittelschichten, natürlich passt.)

Im Original: „Diese massenmediale Inszenierung der Unterschichtkultur als Barriere gesellschaftlicher Integration (…) birgt die Gefahr, dass allein schon die körperliche Disposition, die der Unterschicht im Sinne eines Klassengeschmacks zugeschrieben wird, stigmatisierend auf der gesamte Gruppe des unteren Klassenlagen als vermeintlicher Ausdruck ihrer leistungsverweigernden Haltung der Passivität zurückfällt.“

Birgt die Gefahr? Nein, it’s not a bug, it’s a feature! Das genau ist die Aufgabe der Medien. Das richtige Verhalten garantiere den sozialen Status oder gar den Aufstieg, deswegen steht „Erziehung“ ganz oben auf der Agenda der „mittleren Klassenlagen“, aus denen sich die Journalisten fast ausnahmslos rekrutieren. Das ist natürlich eine Illusion und eine große Lüge, und die herrschende Klasse würde sich darüber kaputtlachen, wenn sie das interessierte.

Spannend war für mich vor allem das dritte Kapitel: „Der Körper als zentraler Ort der Vergesellschaftung“ (daraus stammt der Ausriss). Das Individuum muss in der Krise, die traditionelle Mileus zerreißt und vernichtet, sich irgendwo einordnen, sich sozusagen „tribalisieren“. Der tätowierte und gepiercte Körper (inklusive metallener Nasenpopel) ist genau das: Er wird zum Zeichen des Sozialen.

Noch ein Zitat aus dem Buch: „Die Wahrnehmung von Körpern im öffentlichen Raum ist also Teil eines im- und expliziten Sozialisationsprozesses, womit der Körper einerseits in seiner Körperdimension zum Austragungsort sozialer Deutungskämpfe wird und sich qua seiner Leibdimension tief ins Innere des Subjekts als untrennbare Mischung aus originärer Individualität und sozial erlernten Empfindungsmustern einbrennt.“

Alles klar? Puls und Atmung noch normal? Im Hintergrund murmeln Calvin und die protestantische Arbeitsethik.

Ethnologen reiben sich jetzt grinsend die Hände und verweisen zum Beispiel auf Papua-Neuguinea, Mary Douglas, Levi-Strauss usw. und dass nichts neu sei, sondern – in anderen Kostümen – schon immer da war. Ich vermisste auch einen Verweis auf Klassismus (vgl. die Literaturliste bei Wikipedia), obwohl die Autorin an anderer Stelle dokumentiert hat, dass sie weiß, worum es geht.

Merke: Auch Gendersprech ist Klassismus. (Steile These, die ich aus ethnologischer Sicht beweisen könnte, aber es hört mir ja niemand zu.)

Der famose Kerl Spartacus

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Szene aus Spartacus: War of the Damned.

Neulich habe ich mal einfach so herumrecherchiert. Der Anlass waren die Spartacus-Serien, die ich allesamt besitze und auch angesehen habe. Softporn, jede Menge nackte Ärsche und Brüste, zahllose Hauereien in Slow Motion, gefühlt 1000 Hektoliter Kunstblut und Charaktere wie im Comic Strip – trotzdem unterhaltsam. Man darf nur kein gelernter Historiker sein, und schon gar kein linker Historiker: Man ärgert sich. Was für eine Verschwendung eines unglaublich spannenden Plots! Was wirklich geschehen ist und warum, kommt nicht vor.

Immerhin ist das historische Kostüm – Namen, Waffen, Architektur, Frisuren usw. – einigermaßen korrekt. Aber warum macht sich ein Filmemacher solche Mühe und endet dann mit einem Plot, der aus Psycho-Kitsch besteht? Die Elite der Gladiatoren hat entweder die große Liebe verloren oder sucht sie noch. Wie langweilig. Daily Soap als Sandalenfilm. Von Politik keine Spur – als wäre das Absicht.

Historisch korrekt ist vermutlich, dass schwule Paare selbstverständlich waren, auch bei den aufständischen Sklaven. Waffenstarrende Amazonen im Pseudo-Bikini im Gefolge des historischen Spartacus – wie in den Filmen – halte ich für unwahrscheinlich, lasse mich aber gern belehren.

Wussten die gelehrten Leserinnen und gebildeten Leser, dass das bekannte Marx’sche Zitat über Spartacus gar nicht so gemeint ist? Welt online: „‚Spartacus erscheint als der famoseste Kerl, den die ganze antike Geschichte aufzuweisen hat. Großer General … nobler Charakter, real representative des antiken Proletariats.‘ Das erkannte kein Geringerer als Karl Marx.“ Gar nicht wahr. Marx las natürlich seine Quellen im Original (im Gegensatz zu heutigen Journalisten), und hier war es der römische Historiker Appian, dessen Sicht auf Spartacus Marx referiert (in einem Brief an Engels vom 27. Februar 1861). Was Marx selbst darüber dachte, wissen wir nicht.

Was mich am meisten erstaunte während der Recherche, ist die Tatsache, dass es fast gar keine ernst zu nehmenden aktuellen wissenschaftlichen Publikationen über Spartacus gibt. Auch in meiner nicht kleinen Bibliothek über römische Geschichte ist nichts Relevantes zum Thema. Quod erat demonstrandum. Interessiert offenbar niemanden.

Der Untergang der DDR hat für uns einen großen Vorteil: Die historischen Bücher der DDR waren fast alle um Klassen besser als die aus dem Westen, und man kann heute sich preiswert eindecken. Während die bürgerliche Geschichtswissenschaft immer noch fast ausschließlich auf die Sicht der jeweiligen herrschenden Klassen rekurriert und diese sich zu eigen macht, interessieren mich eher die Klassenkämpfe, soziale Konflikte, Aufstände und die Ökonomie, die für alles den Rahmen bestimmt. Ich habe mich erst einmal einschlägig eingedeckt, werde aber auch die deutschen Übersetzungen der römischen Quellen studieren (auch die sind nicht einfach zu finden).

spartacusspartacus

Die Links gegen zu Amazon.

Ich werde mehr zu dem Thema schreiben (vgl. die neue Kategorie „Spartacus“). Und wäre das nicht ein wunderbares Thema für ein Buch?

Typeset in the Future

bladerunner

Dave Addey schreibt einen grandiosen Artikel über „Blade Runner“ and „Typeset in the Future“.
After studying Alien in intimate detail, it’s time to look at the typography and design of Ridley Scott’s other classic sci-fi movie, Blade Runner. Based on Philip K. Dick’s novel Do Androids Dream of Electric Sheep?, Blade Runner cements Scott’s reputation for beautiful, gritty, tech noir science fiction.

Was ist Glück?

chess

Uhrzeit: 4.54 Uhr, nach 12 Stunden Arbeit als Bodyguard. Getränk: Glen Grant. Musik: The Rolling Stones feat. Lisa Fischer (Gimme Shelter, oder die ältere Version). Chess: Fast höchste Stufe gegen Hal (vgl. Screenshot).

Im nationalen Zwangskollektiv, revisited

Zwangskollektiv

(via Katzenshizzl für Mädchen)

Building a Better Miscellaneous News Feed for You

Brille

Der Optiker meines Vertrauens hat mir gratis ein Detail meiner Brille repariert, wofür ich ihn hiermit ausdrücklich lobend erwähne. Andere Optiker in Laufnähe meiner Wohnung weigerten sich. Also weiß ich, wo ich eine neue kaufen würde, wenn es nötig wäre.

And now for something completely different.

Die Russen führen die Vorratsdatenspeicherung ein. (Gespräch mit Joerg Heidrich vom Computermagazin „c’t“)

Tilman Tarach: „Verantwortlich für den Mord an den drei israelischen Jugendlichen sind nicht nur die Mordbrenner der palästinensischen Hamas, sondern auch die westlichen Regierungen, auch die deutsche. Denn sie zahlen Hunderte von Millionen Euro jährlich an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), obwohl sie wissen (oder wissen sollten), dass ein Teil dieser Gelder gemäß dem palästinensischen Gefangenengesetz als Belohnung für Judenmord verwendet wird.“

Don Alphonso: „Aber ich kenne da ein paar Leute, so wie Berliner Autorinnen, die ihren Lebensunterhalt vor allem durch öffentliche Förderungen und mässig besuchte Lesungen staatlich finanzierter Institutionen bestreiten, weil ihre Bücher sich allein zu schlecht verkaufen – so wie diese Autorinnen auch Leute in London, Paris und Budapest kennen.“ (Hey, Don, ich mag sowas, und bitte die Namen gleich dazu!)

Einer der Attentäter von Istanbul stand auf der russischen Fahndungsliste, wurde aber 2012 von Österreich nicht ausgeliefert.

In Berlin gibt es jetzt eine Blockwart-App. Die wird sicher sehr beliebt werden.

Warum die Präsidentenwahl in Österreich wiederholt werden muss, analysiert die Fachpresse.

Ich schrieb im März: „Man kann auch sagen: Erdogan (auch nur eine Charaktermaske) hat sich in die Scheiße geritten. Das internationale Kapital ist bei Öl und Gas tendenziell gegen ihn.“. Ich hatte recht. Welt online: „Die Touristen bleiben aus, der IS wird aktiver. Der türkische Präsident gerät in die Defensive – und kann sich internationale Isolation nicht mehr leisten.“

Das Wichtigste zuletzt: Facebook kündigt an: „To help make sure you don’t miss the friends and family posts you are likely to care about, we put those posts toward the top of your News Feed.“ (Ein deutscher Kommentar: „Schlecht für Publisher: Neuer Facebook-Algorithmus stellt Posts von Freunden in den Fokus“.

Telepolis zu demselben Thema: „Für den News Feed werden neue Selektionsprinzipien [sic] eingeführt, der Nutzer soll nur sehen, was er angeblich wirklich will – und dabei auf Facebook bleiben“. Steht übrigens – ausführlich erläutert – schon bei Stefan Schulz: Redaktionsschluss: Die Zeit nach der Zeitung. (Rezension in Arbeit)

Warum sind Hexen nackt?

witch

Bild: Luis Ricardo Falero (für das deutsche Wikipedia irrelevant): „Hexensabbat“ (1880, via Wikimedia)

Atlas Obscura: „Sex, Drugs, and Broomsticks: The Origins of the Iconic Witch – Witches were almost always portrayed naked until the 1900s.“

A Man in Full

ein ganzer Kerl„Tom Wolfe macht süchtig“, heißt es auf dem Buchcover. Für mich stimmt es. Ich lese gerade begeistert „Ein ganzer Kerl“ und kann das Buch kaum aus der Hand legen.

Der Plot steht bei Perlentaucher: Der erfolgsverwöhnte, megareiche Tycoon Charlie Croker hat sich verspekuliert: Bei der Planners Banc steht er mit einer halben Milliarde Dollar in der Kreide. Neben Charlie Croker kämpft der elegante Anwalt Roger Too White aus dem schwarzen Atlanta ums Überleben. Er muß einen beliebten Footballspieler, der eine Frau vergewaltigt haben soll, vor dem drohenden Skandal schützen. Und dann ist da noch Conrad Hensley, ein junger Familienvater mit bescheideneren Lebenszielen, der in die brutale Welt eines Männergefängnisses gerät.

Ich verstehe die drögen Rezensionen nicht: Niemand scheint Wolfes Idee begriffen zu haben. (Wieso wurde der Roman in Deutschland nur so selten rezensiert?) Vielleicht muss man auch sein letzten Buch „Ich bin Charlotte Simmons“ dazunehmen, in dem das Thema zynisch und detailversessen abgehandelt wird: Wann gehört man wie dazu – und um welchen Preis?

„Was die Urväter Balzac und Zola in jeweils hundert Büchern kaum zuwege brachten, will Enkel Tom in zwei Anläufen erledigen: die Menschliche Komödie hier und heute, das Epochenporträt, den großen Gesang“, schreibt Andreas Kilb in der „Zeit“. Ja, und nicht nur das: Im Gegensatz zu allen deutschen Autoren stellt Wolfe uns die gesamte US-amerikanische Gesellschaft vor: Ein Mitglied der herrschenden Klasse, einen waschechten Proletarier, Prototypen der schwarzen Mittelschicht und deren politischen Charaktermasken. Man möchte sich hierzulande umsehen und auf die Leute mit dem Finger zeigen und rufen: „Ja, ihr seid gemeint, und ihr kommt nicht gut dabei weg!“

Grandios an Wolfe finde ich, dass er seine Charaktere nicht denunziert – auch nicht die Frauen. Auf die moralischen Kategorien „gut“ und „böse“ kann er mit leichter Hand verzichten, muss doch jeder auf seine Weise in der (jeweiligen) Krise sehen, wo er bleibt. Der Immobilien-Tycoon hat sich verspekuliert und die Aasgeier der Banken umkreisen ihn schon. Der Arbeiter wird gefeuert, weil „gespart“ werden muss (wie dessen Job geschildert wird, ist hochaktuell) und landet mehr oder minder zufällig im Knast. Einem schwarzen Superhelden aka Sportler droht eine Anklage wegen Vergewaltigung. Und alle Schicksale sind miteinander verwoben. Ich kenne keinen deutschen Autor, der das auch nur annähernd so hinbekommt – in der deutschsprachigen Literatur geht es fast immer um die Wehwehchen der Mittelschicht.

Manchmal musste ich losprusten, vor allem dann, wenn Wolfe seine Protagonisten erzählen lässt, wie Politik funktioniert. Es geht nie um die Sache, niemand will die Wahrheit wissen (wie schon in „Fegefeuer der Eitelkeiten“), alle versuchen nur, sich gegenseitig zu benutzen und auszuspielen: Das ist realistisch, recht böse, bis in das kleinste Detail korrekt und ziemlich komisch.

„Ein ganzer Kerl“ kann ich uneingeschränkt empfehlen: Mehr als tausend Seiten uneingeschränktes Lesevergnügen. (Außerdem gefallen mir seine flotten Sprüche über Kollegen und was er über das Schreiben sagt.)

Sackdoof, feige und verklemmt [Update]

presseerklärung

Screenshot (Ausriss): Anhang der Presseerklärung des Landgerichts Hamburg: Was darf gesagt werden und was nicht?

Telepolis: „Mit einer einstweiligen Verfügung hat das Landgericht Hamburg – nicht ganz unerwartet – die Teile des Böhmerman-Gedichts verboten, die einen Sexualbezug aufweisen. Erlaubt ist jedoch:
„Sackdoof, feige und verklemmt, ist Erdogan der Präsident“
„Er ist der Mann der Mädchen schlägt und dabei Gummimasken trägt“.

Diese 18 Songs musst Du am 1. Mai hören, Genosse!

Aus dem letzten Jahr, weil es so schön war: „Der 1. Mai ist zu einem Festspiel mit schwarzem Block und bunten Bürgern verkommen. Früher war das anders. Eine Erinnerung an die schönsten Arbeiterhymnen – von Ernst Busch bis Oasis.“

Bella ciau!

Für alle die, die an höhere Wesen glauben: so geht es auch zu Ostern! (Mehr zu Bella Ciau)

Ohmygod Bodies in Motion

tom wolfe

Wenn ich in den letzten Tagen wenig geschrieben habe, liegt es auch daran, dass ich in jeder freien Minute Tom Wolfes: Ich bin Charlotte Simmons angefangen habe zu lesen, knapp tausend Seiten; ich muss mich immer bremsen, zu schnell voranzukommen. Jede Zeile ein Hochgenuss. Wolfe muss man ja kennen, aber ich werde jetzt jedes Buch lesen, was er je geschrieben hat, am besten in Englisch. Einfach grandios.

Sehr hübsch sind die Rezensionen von The New Atlantis: „Love in the Age of Neuroscience“ und vom Guardian: „Ohmygod it’s a caricature“.

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