Der Garten der Lüste

Garten der Lüste

Die Schöpfung, das Paradies der Liebenden, das musikalische Fegefeuer und die Verdammnis: „Ein rätselhaftes Gemälde wird gelesen und entschlüsselt“ (Lustauflesen). Wahlweise kann Hieronymus Boschs meisterhaftes und vielschichtiges Renaissencegemälde auf eigene Faust erkundet werden oder in einer geführten Tour über 15 Stationen. (Via Schockwellenreiter)

Mannomann!

krav maga

Adam Soboczynski („mit sieben Jahren aus Polen ausgewandert, schlimmer Migrationshintergrund“) auf Zeit online über Feminismus, Splatterfilme, deutsche Männer und warum am Schluss immer die Russen vorkommen.

Ich habe den Artikel beim Frühstück angefangen zu lesen und dachte zuerst: Bei dem Thema kann es nur langweilig werden. Dann habe ich mich kringelig gelacht.

Ich muss zugeben, dass ich mir genau die Fragen zur Kölner Silversternacht auch heimlich gestellt hatte: „Weshalb hat es eigentlich keine Rangelei unter Männern gegeben? Warum haben die Partner der angegriffenen Frauen diese nicht mit all ihrer Kraft zu schützen versucht?“ Vermutlich hätte ich „russisch“ bzw. israelisch reagiert und wäre deshalb den Heldentod gestorben. „Wer nur einen flüchtigen Blick in die Kulturgeschichte wirft, liest dauernd von Männern, die Frauen retten.“ Muahahahaha.

Im Übrigen steht alles zum Thema „Männerrolle“ schon im äußerst lesenswerten Buch von Barbara Ehrenreich: Die Herzen der Männer (1989).

The best drum solo in the entire world

Society of Rock: „Shifting from the drum kit to the bongos, not a peep can be heard during this performance as Bonzo demanded full attention without even requesting it. Like a moth to a flame, we are just mesmerized by Bonzo’s ability to improv and carry out what is known as the best drum solo in the entire world.“

Der ultimative Shakespeare-Film

macbeth

Alle Links gehen zu Amazon. Just saying.

Es gibt Filme, die möchte man immer wieder sehen, einmal im Jahr oder so. „Avatar“ gehört für mich dazu, obwohl ich auch das Spiel besitze und schon jede Szene auswenig kenne (von „Dialogen“ kann man bei „Avatar“ nicht reden, die sind auch unwichtig).

Ich habe in den letzten Jahren nur rund ein Dutzend Filme gekauft, und ich bin mir bewusst, dass mein Geschmack weder massen- oder mainstreamkompatibel ist noch den den hier mitlesenden Publikums treffen wird. Outland – Planet der Verdammten gehört zum Beispiel dazu, Der 13te Krieger und Der Adler der neunten Legion, natürlich The Hours (wenn man Frauen verstehen will, har har), Und dann der Regen. Verschämt mus sich auch zugeben, dass ich Der letzte Mohikaner besitze (nur wegen Madeleine Stove), Spartacus: Blood and Sand und 300.

Sehr selten ist aber, dass man einen Film vierzig Jahre lang ansehen kann und der immer noch so frisch und aktuell wie am ersten Tag ist. Seit 1971 wollte ich mir immer Macbeth von Roman Polanski aus dem Jahr 1971 kaufen – was ich jetzt getan habe. Es gab und gibt immer noch keine bessere Shakespeare-Verfilmung, auch wenn Kenneth Branagh das sicher anders sehen würde.

Wer traute sich heute noch, einen Film über das 17. Jahrhundert zu drehen, in dem die Schauspieler in Versen reden? Das wäre ja so, als redete Brad Pitt in Troja in Hexametern, oder als verfilmte man das „Nibelungenlied“ in Mittelhochdeutsch. „One of the most fascinating of Shakespearean adaptations“, schreibt die Kritik.

Roger Ebert: „Polanski has imposed this vision on the film so effectively that even the banquet looks like a gang of highwaymen ready to wolf down stolen sheep. Everyone in the film seems to be pushed by circumstances; there is small feeling that the characters are motivated by ideas. They seem so ignorant at times that you wonder if they understand the wonderful dialogue Shakespeare has written for them. It’s as if the play has been inhabited by Hell’s Angels who are quick studies. All of this, of course, makes Polanski’s ‚Macbeth‘ more interesting than if he had done your ordinary, respectable, awe-stricken tiptoe around Shakespeare. This is an original film by an original film artist, and not an ‚interpretation.'“

Gehört also zum Bildungskanon wie „Faust“, Homer oder „Parzival“ (das Original in Mittelhochdeutsch).

Triumph des Willens oder: The Revenant is meaningless pain porn

Revenant

Carole Cadwalladr schreibt im Guardian gnadenlos gut über „The Revenant“: „The Revenant is meaningless pain porn.“ Lesenswert, amüsant, sophisticated und ein Leckerbessen für Liebhaber des englischen Feuilleton.
So the landscape is chilling and the violence is pointless and the whole thing is meaningless. A vacuous revenge tale that is simply pain as spectacle. (…) ask ourselves why pain and suffering and brutalising women and pointless, fetishistic violence – when it’s done by Hollywood – wins awards. Or why we’re so keen for it to look „real“. What neurotransmitters are we releasing?

Nach der Lektüre hatte ich mich eigentlich entschieden, den Film nicht anzusehen, aber meine Firma hat mir zu Weihnachten zwei Kino-Freikarten geschenkt, die ich noch verbrauchen muss. Porn ist sowieso ok, und ich habe schon öfter sinnlose Filme gesehen und mich trotzdem amüsiert.

Hunger Games, revisited

hunger games

Jacobin hat eine kluge und ausreichende Interpretation der letzten Folge der „Hunger Games“. Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass ich sie mir angesehen habe. Der letzte reaktionäre Quatsch. Nicht reingehen.

The solution that the movies propose is a romantic, even regressive one in which utopia is not a collective project of establishing a more just society, but a complete retreat from politics into the private sphere. The question of exploitation is never broached; instead the answer to oppression, as the saga imagines it, is to establish capitalism rather than to move beyond it.

Bullfrog Blues

Als man noch gute Musik hörte und gute Frisuren trug… Ich habe ihn live gesehen!

Nieder mit dem Sapirismus-Whorfismus!

Liebe Heinrich-Böll-Stiftung: Genderismus ist mitnichten fortschrittlich, sondern eine reaktionäre Sprach-Esoterik von kleinbourgeoisen Mittelschichts-Tanten, die dem Sapirismus-Whorfismus huldigen, der wissenschaftlich fragwürdig, wenn nicht ohnehin schon widerlegt ist.

Zum Mitschreiben: Ich rede und schreibe kein Gendersprech. Ich glaube auch nicht an Astrologie und Homöopathie und bin auch sonstwie keineswegs religiös.

Neu in meiner Bibliothek

flächenbrandstreiks

Ist das Kitsch?

Ich liebe es (ab Minute 3.00, so laut wie möglich).

Außergewöhnliche Schlacht bei den Parlamentswahlen, wo auch immer

raul castro

Die Konquistadoren, reloaded

konquistadorenZur Zeit arbeite ich daran, meinen Roman „Die Konquistadoren„, der 2011 bei Rowohlt erschienen ist, als E-Book herauszugeben (vorerst nur als Kindle bei Amazon).

Ich habe die Rechte zurückbekommen, aber nur am Text, nicht am Titelbild oder der Karte im Buch. Das muss ich also selbst machen. Hier der erste Entwurf für das Cover.

Es tauchen ganz unerwartete Probleme auf. Ich hatte das Manuskript nur auf Diskette, aber natürlich kein Diskettenlaufwerk mehr. Zum Glück hat mir ein Freund geholfen. Ich habe auch nur mein Original, das ca. 600 Druckseiten umfasst – ich musste aber den Roman auf Geheiß des Verlages um rund 100 Seiten kürzen. Das E-Book wird also Passagen enthalten, die nicht im Buch erschienen sind. Ich muss aber auch alles noch einmal Korrektur lesen und auf die neuen Rechtschreibregeln updaten. Ich werde auch noch zusätzliche Karten anbieten und ein umfangreicheres Glossar.

Ich hoffte, vor Weihnachten damit fertig zu werden, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das hinkriege. Ich arbeite auch noch an einem E-Book zum Fall Lammel (Arbeitstitel: „Ein Lehrstück über investigative Recherche, Intrigen und Moral“).

Wieviel würden die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser für ein digitales Update eines historischen Romans zahlen, den es für einen Cent gebraucht auf Papier gibt (zuzüglich Versandkosten)?

Hatufim – Prisoners of War

Hatufim

Ich schalte den Fernseher so selten an, dass ich auch die wenigen guten Sendungen verpasse. Vor einiger Zeit hatt eich zufällig bei Arte einige Episoden von Hatufim – Prisoners of War gesehen. Jetzt habe ich mir gleich beide Staffeln besorgt.

Dummerweise habe ich den Fehler begangen, die erste DVD spät am Abend einzuwerfen, mit dem Ergebnis, das ich noch vor der Glotze hing, als es schon wieder hell wurde. Das will etwas heißen, da ich – wenn überhaupt – Filme im Fernsehen anschaue, trotzdem zwischendurch noch herumzappe, weil ich selten etwas spannend finde. „Hatufim“ ist einfach atemberaubend und in jeder Hinsicht empfehlenswert. So etwas sollte man im Schulunterricht durchnehmen, wenn da nicht die Jugendschützer aufheulen würden, wegen Gewaltszenen und so.

Die Serie erinnert mich an wenig an Exodus von Leon Uris, ein Roman, den ich schon als Junge gelesen habe und der mein Israel-Bild nachhaltig geprägt hat.

Unbedingt sehenswert. Pflichtprogramm für Todenhöfer und andere „Palästina“-Versteher.

Rückfall in die Barbarei

Telepolis: „Damit erleben wir derzeit einen in Deutschland nach 1945 nie gekannten Vorfall. So schnell kann man gar nicht schauen, wie Deutschlands wichtigste Buchhändler in voraufklärerische Verdammungspraktiken zurückfallen. Selbst die katholische Inquisition hat es sich immer zur Devise gemacht, klar zwischen einem konkreten Werk und den anderen Äußerungen des Autors zu unterscheiden. (…) Was jetzt in Deutschland mit dem neuesten Werk Pirinçcis passiert, zeigt nicht nur, wie wenig ernst die Mehrheit der deutschen Buchhändler das Selbstentscheidungsrecht der Leser nimmt. Es ist ein Abschied von jenem Denken, für das Voltaire und die anderen großen Philosophen Europas stehen.“

Full ack.

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

marsianer

Es gibt einen Roman, der so heißt. Vielleicht hätte ich den lesen sollen. Und wenn die Deutsche Film- und Medienbewertung etwas als „besonders wertvoll“ erachtet und die Obersten Landesjugendbehörden von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft eine „Freigabebescheinigung“ erstellen (muss man sich auf der Zunge zergehen lassen), dann ist der Film vermutlich langweilig oder grottenschlecht oder beides. Ich war also gewarnt.

Kurz gesagt: „Der Marsianer“ ist ein Propaganda-Film für die NASA und deren Programm, mit Musik von Abba unterlegt („Waterloo“, 1974) und Schauspielern, die nicht schauspielern, weil sie keinen Charakter haben müssen, außer Matt Demon, der so vielschichtig agiert wie Asterix, weil der Plot es so will. Also alles ganz großartig und besonders wertvoll.

Noch etwas: Das Gute siegt, weil die Chinesen mit den US-Amerikanern zusammenarbeiten und alle Wissenschaftler mindestens so klug sind wie MacGyver. Putin aka die Russen dürfen nicht mitspielen.

Noch etwas, reloaded: Gewalt, Sex, Olga Kurylenko und Jessica Alba kommen auch nicht vor, und alle Frauen haben was an, trotz 3D-Brillen für die Zuschauer. Ich habe ihn dennoch bis zu Ende gesehen, weil ich gerade nichts anderes zu tun hatte und er ja besondert wertvoll ist.

Unter radikalsensiblen Mikroaggressiven

Ein wunderbarer Beitrag Barbara Höflers in der Neuen Zürcher Zeitung über Gendersprech und political correctness: „Bitte nicht schütteln“.

Flickr: Bigottes Calvinistenpack

Es gibt doch immer wieder irgendwelche Ignoranten, die mir Foto-Links auf Flickr schicken oder wollen, dass ich dort etwas ansehe. Zu Flickr hatte ich schon 2007 hier alles gesagt, und ich gedenke nicht, meine Meinung zu ändern. Ich boykottiere Flickr weiterhin.

#Negergate, Update

negergate

Update: „Antirassistische Aktivisten wollen verhindern, dass aus einer Rede, dass aus der Rede von Martin Luther King zitiert wird. Sie kreischen den Moderator (immer mich) an: ‚Sag das Wort nicht! Sag das Wort nicht!'“ (Deniz Yücel in der taz über Zwangsneurotiker und inquisitorischen Furor):
Nur haben die Critical-Whiteness-Spinner an einigen Fachbereichen die Nachfolge des trotzkistischen ‚Linksrucks‘ oder der K-Gruppen noch früherer Tage angetreten: geschlossenes Weltbild, Auftritte in Rudelform, uniforme Redebeiträge und die totalitäre Unfähigkeit, etwas zu ertragen, das nicht der eigenen Weltanschauung entspricht.

Full ack.

También la lluvia

und dann der Regen ‚Die Filme, die ich mir auf DVD gekauft habe, kann man an zwei Händen abzählen: „Avatar“, „Bladerunner“, „Der 13. Krieger„, „Der Adler der neunten Legion„, und – ich muss es verschämt zugeben: „300„.

Irgendwann muss ich noch Roman Polański „Macbeth“ und Werner Herzogs „Aguirre“ erwerben – den Konquistadorenfilm schlechthin. Ich meinte Filme, die ein Thema so abhandeln, dass man mehr nicht mehr dazu wissen muss, epochale Werke eben. „Odysee im Weltraum“ und „Shining“ habe ich so oft gesehen, die kann ich auswenig und muss sie nur ein mal pro Jahrzehnt sehen – Kubrick ist ohnehin ein Genre für sich. Das gilt auch für „Einer flog über das Kuckucksnest“ und die „Alien“-Trilogie. „Solaris“ fehlt noch, aber natürlich in der Version Andrei Tarkowskis. Vielleicht noch „Outland“ – einen besseren Weltraum-Western kenne ich nicht. Auf jeden Fall kaufe ich irgendwann noch die komplette „Spartacus: Blood and Sand„-Serie.

jetzt habe ich mir „Und dann der Regen“ von Icíar Bollaín zugelegt (den ich schon kannte). Wenn es die Kategorie „mit-auf-eine-einsame-Insel-nehmen“ gäbe, gehörte „Und dann der Regen“ auf jedenfall dazu. Der Film behandelt das Thema „Revolution in Lateinamerika und wie wir sie sehen und darstellen können oder auch nicht“. Halt: So sehe ich das, die meisten sehen das anders. (Die deutschen Kritiken sind ein Witz, ich empfehle Rotten Tomatoes.)

Ich war mehrfach in Cochabamba (Bolivien 1980 und 1982), wo der Film spielt, und bin natürlich auch positiv befangen, weil ich das Ambiente ein bisschen kenne. Man müsste noch einen Film mit ähnlichem Plot drehen, der die Revolution in Nicaragua zeigen will, aber der dann zu einem Film über die Filmemacher wird (wie „Und dann der Regen“ auch).

World Elephant Day

elefanten

Über das Foto könnte ich fast genauso lange räsonnieren wie über das meistdiskutierte Gemälde in der Geschichte der Malerei.

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