Russland, backside

Alexander Petrosyan

Ich habe mir neulich eine großartige Ausstellung des Fotografen Alexander Petrosyan aus Leningrad St.Petersburg angesehen und ihn auch persönlich kennengelernt. Das obige Bild hat mir mit am besten gefallen – 100 Jahre russische Geschichte auf nur einem Foto. Ich hoffe, die Russen machen auch noch die nächste Revolution.

Mehr Fotos von ihm auf Facebook.

Keep slowly, Habakuk!

Propaganda und andere biblische Geschichten

Spiegel online hat ein interessantes Interview mit Prof. Dr. Ernst Axel Knauf über die christliche Bibel. Überraschung: “Zum historischen Kern wurde einfach hinzugedichtet”.

Ich bin insoweit interessiert, als dass ich wegen meiner Biografie die Bibel fast auswendig kann. So etwas lässt einen nicht los. Man sollte die zentralen Mythen des Juden- und Christentums auch kennen, um beurteilen zu können, welch ein bodenloser Unfug den Kindern in den Schulen im “Religionsunterricht” eingetrichtert wird – jedenfalls nicht das, was der wissenschaftlichen Erkenntnis entspricht.

Wer die Bibel nicht studieren möchte, sollte den “Der König David Bericht von Stefan Heym lesen. Ein köstliches Buch, eines seiner besten, das ganz realistisch – aber im historischen Kostüm (der Bibel) – schildert, wie die jeweils herrschende Klasse die Medien benutzt, um ihre Version der Geschichte durchzusetzen.

Das Thema ist ganz aktuell, wird doch gerade die deutsche Geschichte seit mindestens 1848 wieder umgedichtet: In der aktuellen – vom Medien-Mainstream abgesegneten – Version geht es bei Revolutionen in Deutschland nicht mehr um den Kampf für eine bessere Gesellschaft, sondern um sinnentleerte “Freiheit” im Sinne des Dampfplauderers Gauck.

Nicaragua: Pictures from a Revolution

nicaragua

Neu in meiner Bibliothek: Susan Meiselas: Nicaragua: June 1978-July 1979 Man sieht die Fotos natürlich mit ganz anderen Augen, wenn man selbst da gewesen ist. (Leider bin ich erst 1982 durch Nicaragua gereist.) Dem Buch ist eine CD beigelegt: “Pictures from a Revolution”.

Unrechtsstaat?

Liebe wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser: Verlangt nicht von mir, etwas zum “Fall der Mauer” zu schreiben. Ich durfte wegen Linksabweichung nicht in die DDR einreisen, also darf ich etwas dazu sagen.

Warum gab es die DDR eigentlich? Die DDR gab es, weil Nazi-Deutschland den zweiten Weltkrieg angezettelt hatte, weil die Sowjetunion Berlin erobert hatte, weil die wenigen antifaschistischen Deutschen eine Alternative zum Kapitalismus versuchen wollten, weil von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen sollte.

Alle guten Absichten sind aus vielerlei Gründen gescheitert. Das ist aber kein Grund zum Jubeln.

Ich fühle mich zur Zeit nur von Propaganda überschüttet und ignorere das Gesülze der Medien einfach. Natürlich war die DDR ein “Unrechtsstaat”, wie auch China, die USA mit ihrem Folter-Guantanamo, wie Saudi-Arabien, dem wir Panzer und Waffen verkaufen, wie Nordkorea, wie Ungarn… Moment? Was eigentlich ist ein “Unrechtsstaat”? Wenn die jeweils herrschende Klasse sich nicht an ihre eigenen Regeln hält? Wenn die Bürger total überwacht werden? (Ach?!)

Wenn ich an die Ossis denke, die damals dachten, es würde im Kapitalismus besser, denke ich an den Unsterblichen:

Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen
Und schrieen sich zu ihre Erfahrungen,
Wie man schneller sägen könnte, und fuhren
Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen,
Schüttelten die Köpfe beim Sägen und
Sägten weiter.

Oder:

Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.

Ich stand in der besagten Nacht übrigens auf der Mauer am Brandenburger Tor und bin auf der anderen Seite heruntergesprungen und dann durch die “Hauptstadt der DDR” bis zum ehemaligen Grenzübergang Oberbaumbrücke gegangen.

Gone Girl

Ich empfehle aufs Wärmste Gone Girl, ein Thriller mit Ben Affleck (grandios) und Rosamund Pike (brilliant). Ich habe den Film in deutscher Sprache gesehen, würde ihn mir aber noch mal in Englisch ansehen.

gone girlDer zynische Titel der Rezension in der Süddeutschen trifft punktgenau: “Idealer Film für frisch Verliebte …eine ziemlich gnadenlose Abrechnung mit der naiven Vorstellung von der Möglichkeit romantischer Liebe.” Deswegen finde ich ihn vermutlich so außerordentlich gut.

Spanned bis zum Zerreißen ist er auch noch. Nicht zuletzt die gnadenlose Medienkritik, die hier aber nur beiläufig vorkommt, toppt die handzahmen deutschen Versuche, so etwas darzustellen, unschlagbar. “Ihr seid das kaputteste Paar, das ich kenne, ihr solltet eine Fernsehshow daraus machen”, sagt jemand. Well said, dude.

“David Fincher gilt (…) als talentiertester von Hollywoods Plot-Zauberern. Einer, der die Zuschauer stundenlang an der Nase herumführen und ihnen dann ein Ende hinknallen kann, dass ihnen der Mund offen stehen bleibt.”

Ich mag das, wenn ich denke, ich durchschaute, was jetzt kommen wird, und der Regisseur dreht mir ein paar Mal eine Nase. Und erst der Schluss… aber den verrate ich nicht. Ihr werdet es nicht bereuen, den Film angesehen zu haben.

Alter Westfriedhof Unna oder: Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, erläutert anhand zweier Grabmäler

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Den Alten Westfriedhof in Unna kannte ich gar nicht, owbohl ich in der Stadt großgeworden bin. Rein zufällig stolperte ich über den Eingang.

Kurz gesagt: Der Friedhof ist einen Besuch wert, seine Grabmäler sind allemal interessanter als “Lichtinstallationen” und, wenn nicht der lärmende Verkehrsring direkt daneben läge (und offenbar quer durch den Friedhof gebaut wurde), ein Park zum Relaxen und Sinnieren. (Der Architekt, der in der Massener Straße auf der südlichen Seite ultrahässliche Parkhäuser gebaut hat, deren Rückseite den Friedhof verschandeln, sollte öffentlich ausgepeitscht werden. Ich nenne ihn, auch in Gegenwart seines Anwalts, ein kulturloses profitgeiles Arschloch einen Kulturbanausen.)

Der deutsche Friedhof ist eigentlich ein Wald oder so gedacht. Der “Deutsche Wald” wurde als Metapher und Sehnsuchtslandschaft seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Gedichten, Märchen und Sagen der Romantik beschrieben und überhöht. Historische und volkskundliche Abhandlungen erklärten ihn zum Sinnbild germanisch-deutscher Art und Kultur oder wie bei Heinrich Heine oder Madame de Staël als Gegenbild zur französischen Urbanität. (Hallo? Heinrich Heine muss man kennen, auch ohne einen Link, oder man muss dieses Blog verlassen!)

“Gedenk- und Trauerarten in Form von Waldfriedhöfen und Baumbestattungen” lesen wir im einschlägigen Wikipedia-Eintrag. Auf dem Unnaer Friedhof kann man sogar steinernen (!) Grabsteine in Baum- oder Wurzelform entdecken. Quod erat demonstrandum.

Spannender finde ich immer die politischen Aussagen: Es starben als Soldaten Leutnant d. R. Albrecht Herdieckerhoff, geb. 7.5.1886, gefallen 18.9.1915 bei Brodno, Oberleutnant d. R. Otto Herdieckerhoff, geb. 3.6.1894, gefallen 11.9.1939 bei Radom. Sie schlafen dort, wo sie ihr Leben gaben für Deutschland.
Oder: Zum Gedächnis an Karl-Theodor von von Velsen-Zerweck, Fahnenjunker im Inf. Regiment 16 Hacke Tau*, geb. am 16. Juli 1895, vermisst in der Schlacht bei Langemarck Sept. 1914 (Auf dem Grabstein steht “Karl”. “Ein deutscher Angriff fand am 10. November [1914] bei dem Dorf Langemarck statt. Die daran beteiligten Regimenter bestanden zum Teil aus jungen Kriegsfreiwilligen.”).

Darüber könnte man ein ganzes historisches Seminar halten – die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, erläutert anhand zweier Grabmäler. (Ich setze hier nur die Links, und die geneigten Leserinnen und wohlwollenden Leser denken sich ihren Teil.)

Noch einmal zustimmend Wikipedia: Die im 19. Jahrhundert vermittelten kulturellen Bilder vom “deutschen” Wald waren in erster Linie Ergebnis eines städtischen, elitären Denkens. Diese Vorstellungen wurden aber bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in der Industriearbeiterschaft übernommen. Das romantische Waldbewusstsein der Deutschen hat sich seitdem schicht- und generationenübergreifend bis ins 21. Jahrhundert gehalten, was in Anbetracht der politischen und sozialen Umwälzungen eine bemerkenswerte Kontinuität darstellt. (By the way: Der Wikipedia-Artikel zum “Symbol der nationalen Identität” ist richtig interessant; man beachte auch die Links darauf.

Ein Grabstein trägt den Titel: “Rittergutsbesitzer”. Was, liebe Nachgeborenen, sind ein Rittergut, ein nobilitas realis und ein Patronatsrecht? (“Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Patronate rechtlich nicht zwingend abgeschafft worden sind…”) Das gibt schon ein weiteres Seminar für Studenten der Geschichtswissenschaft. (Huhu, Genderpolizei!)

Morgen früh fahre ich wieder nach Berlin. Ein paar Fotos über meine alte Heimat wird es aber noch geben. (Warum zum Teufel machen hier selbst Kneipen der neuen Mittelschichten und von Studenten schon um 23 Uhr zu? Das ist ja wie zu Zeiten, als ich noch Schüler hier war. Franzi wird aber hoffentlich in ein, zwei Jahren noch Bier ausschenken.)

* Wikipedia: “Durch anhaltende Regenfälle, während der Schlacht von Groß-Beeren 1813, versagten damals die Gewehre der Soldaten, so dass sie im Nahkampf den Gewehrkolben einsetzten und dabei riefen “HACKE TAU …” (Schlag zu) “… es geit fort Vaterland” riefen. Als Folge erhielten die Angehörigen des Infanterie-Regiments den Beinamen: Hacketäuer.”

Bücher, die Strom brauchen

kindle

Nun, gut, da ich meistens politisch völlig inkorrekt per Amazon meine Bücher kaufe, habe ich mich vorerst auf das Kindle festgelegt.

Ich war doch sehr überrascht, dass mir Dieter Nolls Abenteuer des Werner Holt angeboten wurden, ein in der DDR in den frühen 60-er Jahren erschienenes Buch. Als ich für mein Buch “Im Griff der rechten Szene” recherchierte, erzählen mir viele junge DDR-Nazis, dass dieses Buch ihre Lieblingslektüre gewesen sei. Offenbar ist das ein Longseller.

Wikipedia: “Die Abenteuer des Werner Holt ist ein zweibändiger, in den Jahren 1960 und 1963 erschienener Entwicklungsroman des DDR-Schriftstellers Dieter Noll. Die Popularität des ersten Bandes ‘Roman einer Jugend’ zog eine Fortsetzung mit dem Titel „Roman einer Heimkehr“ nach sich. Basierend auf dem ersten Teil entstand 1965 der 165-minütige Schwarzweiß-Film Die Abenteuer des Werner Holt mit Klaus-Peter Thiele in der Hauptrolle. In der Polytechnischen Oberschule in der DDR gehörte der erste Band dieses Buches zum Lehrplan.”

Vielleicht sollt eich auch ein Buch über Flakhelfer schreiben. Wir ziehen ja jetzt wieder in die Ukraine in den Krieg, ungefähr an derselben Stelle, wo die Wehrmacht schon mal war. Ich hoffe, sie kommen bis nach Stalingrad – mit demgleichen Ergebnis wie damals.

Presseverbindungsführer oder: Wir sind die Guten

Ich habe das Buch gekauft, aber noch nicht ausgelesen. Dennoch kann ich es jetzt schon uneingeschränkt empfehlen: “Wir sind die Guten.: Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren” von Mathias Broeckers und Paul Schreyer.

Der Co-Autor Paul Schreyer hatte in Telepolis im Februar schon einen gleichlautenden Artikel veröffentlicht: “Wir sind die Guten – Zur Debatte um die deutsche Verantwortung in der Welt”. Mathias Broeckers und Schreyer stellten ihr Buch im August ebendort vor.

Das heißt nun nicht, dass der Nicht-Hitler Wladimir Putin ein Waisenknabe, sein Regierungsstil der eines “lupenreinen Demokraten”, wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder ihn einmal nannte, und Russland ein freiheitlicher Rechtsstaat ohne Fehl und Tadel sei. Das ist nicht der Fall, und Kritik an der Amtsführung des russischen Präsidenten ist in mancher Hinsicht berechtigt. Dass jedoch der Versuch, die Motive Russlands in der Ukraine-Krise zu verstehen und Einsicht in die Beweggründe und Ursachen von Putins Handeln zu gewinnen, diskreditiert und “Putinversteher” (oder “Russlandversteher”) als Schimpfwort gebraucht wird, kommt einer Diffamierung jeder Art von Analyse gleich. Wo jedoch nicht mehr analysiert werden darf, da herrscht Ideologie, wo Verstehen verboten wird, regieren Glaubensbekenntnisse.

Deshalb bekennen die Autoren sich neuerdings und ausdrücklich als “Putinversteher”. Denn je boshafter, hitlerartiger Putin in den Medien porträtiert wird, desto wichtiger wird ein nüchternes und realistisches Verstehen – nicht durch psychologisierende Spekulation über eine Person, sondern durch politische Analyse, nicht durch einseitige Ideologie, sondern durch ein möglichst objektives Erkennen der Lage.

Von einem solchen möglichst neutralen Erkenntnisgewinn haben sich die westlichen Medien während der gesamten Krise in der Ukraine weitgehend – und seit der Zuspitzung der Lage im November 2013 nahezu vollständig – verabschiedet.

Und genau das erschreckt mich – diese freiwillige Gleichschaltung der deutschen Medien. Wie kommt das? Es wäre doch gar nicht nötig – die Leserinnen und Leser würden doch durchaus eine “durchwachsende” Berichterstattung honorieren, und das deutsche Kapital und dessen Lohnschreiber und Lautsprecher stehen nicht unbedingt einhellig hinter der Politik des Neo-Imperialismus und der NATO, die am liebsten Raketen so in der Ukraine installieren würden, dass man Stalingrad damit erreichen könnte.

Immerhin hat Garbor Steingart ausgerechnet im Handelsblatt geschrieben, die Politik “des Westens” in der Ukraine sei ein Irrweg und das Meinungsspektrum “wurde auf Schießschartengröße verengt.” Dem Handelsblatt Kapitalismus-Kritik zu bescheinigen, wäre so, als testierte man Stalin, er habe christliche Nächstenliebe praktiziert.

Nehmen wir einmal folgendes Szenario an: In Deutschland findet ein von einer äußeren Macht geförderter Putsch statt, bei dem die demokratisch gewählte Regierung mit Waffengewalt abgesetzt und durch ein Regime ersetzt wird, in dem die NPD und ihre bewaffneten Kameradschaften einen bedeutenden Einfluss haben. Daraufhin besetzen in Nordrhein- Westfalen aufgebrachte Bürger Rathäuser und Verwaltungsgebäude und errichten Straßensperren, weil sie die Junta in Berlin nicht als legitime Regierung ansehen. Sie fordern Autonomie für ihre Region, wollen dazu ein Referendum abhalten, doch Berlin schickt Panzer und Soldaten, um diese “Separatisten” und “Terroristen” zu eliminieren.

Ich verstehe es nicht. Vielleicht hilft eine Verschwörungstheorie weiter. Die Zeit schrieb am 20.09.2013: “Aus Sicht mancher Mitarbeiter in den Sicherheitsbehörden ist die Verbindung von journalistischer Arbeit und einer Tätigkeit für einen Geheimdienst nichts Ehrenrühriges. Ein früherer BND-Präsident hat solche Kumpanei einmal als ‘patriotische Verhaltensweise’ gerühmt.”

Oder Horst Ehmke müsst ein Update seiner Liste derjenigen Journalisten machen, die auf der Payroll der Geheimdienste stehen.

Horst Ehmke, Kanzleramtsminister der sozialliberalen Regierung, bekam im März 1970 eine Liste zu sehen, “mit Namen und Summen, die mein Erstaunen hervorriefen.” Erstellt hatte sie die BND-Dienststelle 923, die pro Jahr circa 250.000 Mark für Honorare, Prämien und Spesen für die journalistischen Quellen aufwandte (…) 230 Journalisten waren mit Deckname und “Presseverbindungsführern” auf der BND-Liste registriert.

Das war 1970. Ich kann mir vorstellen, dass es heute nicht anders ist. Warum auch…

Gangsterläufer

Empfehlenswerter Film: Gangsterläufer von Christian Stahl über Yehya El-Ahmad, den Sohn palästinensischer Flüchtlinge aus dem Libanon und “Intensivtäter” aus Berlin-Neukölln. (Leider, wie üblich, mit nerviger Zwangswerbung.)

Natürlich die Juden

Marco Tosatti im Vatican Insider (ein Ableger der “La Stampa”): (vgl. auch Latin Times) über die jetzt entdeckte 1500 Jahre alte Bibel, in der Jesus nicht der “Sohn” Gottes ist und in der Barnabas Judas an seiner statt ans Kreuz geschlagen wird:

“But alas, this extraordinary discovery is probably a hoax, the work of a forger who, according to some, could have been a European Jewish scholar from the Middle Ages.”

Wollt ihr das totale Urheberrecht?

Sueddeutsche.de: Wer Zitate von Joseph Goebbels benutzt, muss an die Nachlassverwalterin – Cordula Schacht, die Tochter von Hitlers Wirtschaftsminister -, Geld bezahlen.

Predicting the future

future

Kasra – Fayeen [Update]

kasra

Die deutschsprachige Gor-Sim Kasra – Fayheen in Suedland.

Der Fluss wird “Fayeen” geschrieben in der englischen Ausgabe von John NormansTribesmen of Gor“.

Most salt at Klima is white, but certain of the mines deliver red salt, red from ferrous oxide in its composition, which is called the Red Salt of Kasra, after its port of embarkation, at the juncture of the Upper and Lower Fayeen. (…)

At its northwestern corner lay Tor, West of Tor, on the Lower Fayeen, a sluggish, meandering tributary, like the Upper Fayeen, to the Cartius, lay the river Port of Kasra, known for its export of salt.

Da viele deutsche Gor-Spieler die mittlerweile 33 Bücher Normans über “Gor” im Original nie gelesen haben, sondern nur die um zwei Drittel (!) gekürzten zensierten älteren deutschen Ausgaben (von sieben gibt es überhaupt keine deutsche Übersetzung), darf man von wenigen Spielern, die nur Deutsch sprechen und nicht auf den englischsprachigen Sims spielen, nicht allzu viel Kenntnisse erwarten (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Ich finde es irgendwie witzig, dass ein Autor, der in den USA ein Millionenpublikum erreicht und seit vierzig Jahren an seinem “Gor”-Zyklus schreibt, in Deutschland genauso lange vom Feuilleton konsequent ignoriert wird. Auch im Mainstream-Buchhandel findet man ihn hierzulande nicht; aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich sogar weigert (z.B. in Dussmanns “English Bookshop”), Bücher Normans zu bestellen. (Ich habe es versucht; Zeugin war eine Frau aus Neuseeland, die in Irland lebt und auch Gor spielt – die hat nur mit dem Kopf geschüttelt.)

Der Grund ist natürlich, dass Norman der Großmeister der genderpolitischen Unkorrektheit ist. Man könnte an seinem Beispiel auf’s pädagogisch Wertvollste demonstrieren, wie freiwillige Selbstkontrolle Zensur hierzulande wirkt. Normans Bücher sind auch nicht pornografisch, dennoch wurde einige erst in den letzten Jahren in Deutschland von der Zensur freigegeben. Du darfst keine Fantasy(!)-Bücher schreiben, in denen Frauen manchmal gern Sklavinnen sind und in denen es meistens um Sex und Gewalt geht. Oder so ähnlich.

Eigentlich kann man bei dem Thema aus jedem Wort einen Link machen. Wer weder Secondlife noch Gor kennt, versteht eh nur Bahnhof.

[Update] Dazu passt dieses animierte GIF: “Whenever I meet someone who is new to Gor …”

Hiobspost

Hiobspost

Einige Medien der Niederlande (z. B. NRC, Amsterdam, via Youtube) berichten über Mustafa Karahasin (Vorsicht, Facebook-Link!), der so viele Briefe an die Stadt Dordrecht in der er lebt, schreibt, dass er beinahe die Verwaltung lahmlegt. Jetzt soll ihm das via Gerichtsbeschluss verboten werden.

Spiegel online: “In den Niederlanden sind Behörden verpflichtet, eine Anfrage innerhalb von vier Wochen zu beantworten. Schafft es eine Behörde nicht innerhalb dieser Frist, muss sie den Bürger für jeden Tag Verspätung entschädigen und bis zu 1260 Euro zahlen.”

Ein wunderbares Recht, an dem man sich hierzulande orientieren sollte (das wird aber nicht geschehen). Dieses Recht gab es schon mal im 18. Jahrhundert in Preußen: “Außerdem war es im Preußen Friedrichs II. für alle Bürger möglich, sich brieflich oder sogar persönlich an den König zu wenden. Er versuchte, zu große Auswüchse des Feudalsystems zu unterbinden. Dabei war er insbesondere misstrauisch gegenüber seinen eigenen Beamten, denen er im Zweifelsfall einen ausgeprägten Standesdünkel zum Nachteil der ärmeren Schichten unterstellte.”

Da fällt mir ein: Ich habe neulich in der Gesamtausgabe eines deutschen Schriftstellers – in meiner Bibliothek – geblättert, weil ich nach einer bestimmten Stelle suchte, die die wunderbare Dynamik der deutschen Sprache, wenn man diese beherrscht, illustriert, und dahte bein mit beine (das Zitat eins ganz anderen Dichters sollte man kennen und übersetzen können): Diesen patriotischen Unfug muss man nicht lesen, der Mann gehört nicht in den Bildungskanon.

Seine Sprache ist jedoch brilliant, und man lernt einige Wörter und Ausdrücke, die veraltet sind – wie “Schwerenot”, “dergestalt” oder das Wort “Mensch” als Neutrum (Hallo Genderpolizei! Ist “das Mensch” für eine Frau diskriminierend?), die jedoch immer noch verstanden werden und die, benutzte man sie, Eindruck schinden könnten bei denen, die auf Wissen und den darauf fußenden ausgewogenen Urteilen Wert legen, obwohl die Eitelkeit, wie aus dem moraltheologischen Schriftum bekannt, keine Tugend ist, die zu praktizieren von den einschlägigen Experten empfohlen wird.

Mein Urteil muss ich revidieren (das letzte Wort würde beim oben Genannten direkt vor dem Komma stehen, was der älteren Wortstellung im Deutschen entspräche, jedoch das “die” des Relativsatzes etwas vage herumschweben ließe) wegen einer literarischen Figur aus der Feder des Schriftstellers, die dem Briefeschreiber aus den Niederlanden und der Attitude älterer Männer ähnelt, die als Welle auch von Partei zu Partei schwappen, weil das Nörgeln zu ihren Vorlieben gehört, die aber im Falle einer Revolution der Guten nur zeitweise zu gebrauchen wären, weil sie letztlich für nichts einstehen außer ihre eigenen Interessen (ja, “einstehen” verlangt den Akkusativ!)

Wie heißt diese literarische Figur?

Großbrüstige Blondinen und der Koran

Welt online: “Im türkischen Sender A9 TV widerlegen großbrüstige Blondinen Darwin auf Deutsch mit Koransuren. Dahinter steht der (…) Sekten-Guru Adnan Oktar.”

Liebe Welt online! Was hat der Verfassungsschutz in seriösen Nachrichten zu suchen? Und was sagt uns das, wenn der irgendetwas “beobachtet”?

Warum ich die Petition gegen Amazon nicht unterschreibe

Stefan Weidner auf sueddeutsche.de: “Der Deutsche Buchmarkt geht an der eigenen Arroganz zugrunde. Das System Buchmarkt hat seinen Zenit überschritten und den Kontakt zur Außenwelt verloren. Es gibt Gründe, den Wandel zu begrüßen. Warum ich die Petition gegen Amazon nicht unterschreibe.”

Full ack.

Das Mädchen und der Soldat

mädchen

Illustration (Ausschnitt): Heinz Kruschel: Das Mädchen Ann und der Soldat, Militärverlag Berlin 1964 (Illustrationen von Rudolf Grapentin; auch auf russisch) (Kleine Erzählerreihe Nr. 63)

Nein, ich hatte nicht erwartet, gleich zu Beginn eines Buches, das im Militärverlag der DDR erschienen ist, eine nackte Frau zu sehen, und dazu noch eine so hübsch gezeichnete, die eine Sex-Szene illustriert. Die Heldin ist eine selbstbewusste, politisch denkende und emanzipierte junge Frau, die einen Alt-Nazi zum Vater hat, der ihr verbieten will, einen Soldaten der Nationalen Volksarmee als Freund und Mann zu nehmen, der wiederum sozialistisch bis zur Schablone im Sinne der DDR denkt und meint.

Das hört sich langweilig an, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil: Ich habe das Buch mit Vergnügen gelesen, obwohl es irgendwie “trivial” ist. Man hat das Gefühl, ein eingeschlossenes Insekt in einem Bernstein zu betrachten. So etwas wird es nie wieder geben, aber man muss das als Linker kennen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ich würde Lehrern das Buch auch für den Deutschunterricht empfehlen. Man kann damit wunderbar die DDR erklären – und die Hoffnungen, die mit ihr verbunden waren. Aber vermutlich würde man heute Probleme mit der Schulaufsicht, den Kollegen und den Eltern bekommen, wenn man derartige Bücher durchnähme. So “frei” sind wir im wiedervereinigten Deutschland.

Nach dem Sex sagt das Mädchen: “Kommt jetzt der übliche Schmus? Ich liebe dich, ach Gott. Laß dir doch was anderes einfallen. Lieben ist eine Erfindung der Alten. Die Insel, der Mond, das Mädchen, was? Und schon steckte der Soldat eine neue Eroberung in die Brusttasche seines Ehrenkleides, pipapo… eine Zigarette könnte ich jetzt rauchen.”

Ganz schon abgebrüht. Solche Dialoge muss man im Jahr 1975, als das Buch in der DDR erschien, in der Literatur der West-BRD erst einmal suchen. (Damals durfte man im Westen noch nicht einmal “BRD” schreiben – das war verboten, es musste “Bundesrepublik” heißen.) Das Buch hat mir eine Freundin geliehen, weil ich als Wessie die Schriftsteller der DDR, die nicht zu den im Westen gefeierten “Kritikern” gehörten, gar nicht kannte und kenne. Als DDR-Schriftsteller wurde man im Westen nicht bekannt, wenn man gut schrieb, sondern wenn man etwas gegen den “Sozialismus” und seine typisch deutschen Risiken und Nebenwirkungen hatte (ausufernde und lähmende Bürokratie, Zensur, “verkirchte” Parteidisziplin, Gewalt gegen Reformenansätze usw.), oder wenn man – wie Stefan Heym und Christa Wolf – in einer eigenen Liga spielte.

Die Volksstimme schrieb am 16.12.2011 zu Heinz Kruschels Tod:
“Er förderte junge Poeten und schreibende Arbeiter, kümmerte sich um Schaffensprobleme und um Wohnungsnöte der Kollegen, setzte sich für sie ein und bezog einen klaren Standpunkt im Verband der Schriftsteller, in den Verlagen und später auch in den Vereinen.”

Ein klarer Standpunkt an sich ist nicht unbedingt etwas Gutes. Jehovas Zeugen haben auch einen klaren Standpunkt. Ich hätte doch zu gern gewusst, um welchen es sich bei Kruschel handelte. Vielleicht wissen ja die wohlwollenden Leser und geneigten Leser aus dem Beitrittsgebiet mehr.

A general all-round arggghhh

arggghhh

Ich mag generell keine “lustigen” Filme oder gar “Komödien”. Ausser vielleicht “One Flew Over the Cuckoo’s Nest” (den ich für einen der besten Filme – wenn nicht den besten – aller Zeiten halte und bei dem das “Lustige” nicht primär ist) oder Groundhog Day (auch nicht).

Elias Canetti schreibt in “Masse und Macht” (eines der besten Bücher, das jemals geschrieben wurde):
Es scheint, daß die Bewegungen, die vom Zwerchfell ausgehen und fürs Lachen charakteristisch sind, eine Reihe von inneren Schlingbewegungen des Leibes zusammenfassend ersetzen. Unter Tieren gibt allein die Hyäne einen Laut von sich, der unserem Lachen wirlich nahekommt. Man kann ihn künstlich erzeugen, indem man einer gefangenen Hyäne etwas zum Fressen vorsetzt und dann rasch entzieht, bevor sie Zeit zum Zupacken hatte.

Lachen oder Lächeln können also auch eine unbewusste Agression sein oder eine Variante derselben. Deswegen traue ich auch keiner erwachsenen Person über den Weg, die mich ständig anlächelt, obwohl es keinen Grund dafür gibt. (Irgendwie schweife ich ab.)

Über Robin Williams, der gerade gestorben ist (“einer der beliebtesten Schauspieler bei Kindern”), schreibt der Guardian: “What was he afraid of? ‘Everything. It’s just a general all-round arggghhh. It’s fearfulness and anxiety.'”

Das kann ich sehr gut verstehen. Keine Sorge: Ich trinke und rauche nicht. Und ich würde mich auch nicht – wie der von mir sehr verehrte Hemingway – wegen Schreibstörungen und sonstiger Depressionen erschießen. (Ich hätte nur gern eine Finca auf Kuba wie dieser.)

And Now for Something Completely Different. Wieso gelingt es mir nicht, die stille Schönheit des Rixdorfer Richardplatzes nachts um kurz nach drei Uhr fotografisch festzuhalten? Das Foto sieht doch arggghhh aus.

Nach mehreren Stunden angeregter Diskussion im Linus mit einem guten Freund über: den Islam und die Türkei, Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS, burks.de demnächst darüber erreichbar), all die Irren in der Rettungsstelle eines Krankenhauses, in der ich manchmal als “Security” arbeite, Frauen an sich, insbesondere die Begehrenswerten (nein, kein Link), die Kommentatorinnen meines Blogs und ob sich dahinter Männer verbürgen? verbergen, gemeinsame Freunde und deren Probleme, wann demnächst zu Grillen sei sowie die allgemeinen Weltläufte. Jetzt ist es gleich vier Uhr, und ich bin kein bisschen müde. Für Sex fehlt die Partnerin. Arggghhh. Vielleicht noch ein bisschen in Secondlife herumballern Rollenspielen? Ich fürchte, für den Schwertkampf 2.0 bin ich jetzt schon zu langsam…

Google Home view aus Daffke

home viewhome viewhome view

Nur so aus Daffke. (Herkunft: seit dem 20. Jahrhundert bezeugt; Entlehnung aus dem Rotwelschen dafko “durchaus, absolut”, das seinerseits dem Westjiddischen דװקא‎ (YIVO: dafke(s), davke(s)) “nun gerade, erst recht” entstammt, welches wiederum auf das Hebräische דַוקָ(א)‎ (CHA: daṿḳā(ʾ)) ‚ nur so (und nicht anders), durchaus‘ zurückgeht; die deutsche Wendung beruht auf der Hypostasierung einer satzwertigen Partikel.)

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