Nebelkerzen zur Online-Durchsuchung

Der Kaiser ist bekanntlich nackt und Online-Durchsuchungen hat es nie gegeben und wird es nie geben. Jedenfalls nicht so, wie sie der Volksmund und Klein Wolfgang verstehen: Da sitzt ein Ermittler irgendwo in einer Behörde und sucht und findet die IP-Adresse des Computers eines Verdächtigen, spielt dem dann “online” und unbemerkt ein Spionageprogramm auf und liest dann mit? Vergesst es. Keep on dreaming. Die real gar nicht existierende Online-Durchsuchung ist der einflussreichste Medien-Hoax, den ich kenne, ein hübsches urbanes Märchen, das vom Wünschen und Wollen ahnungsloser internet-Ausdrucker und noch mehr vom ahnungslosen Geraune der Medien am Leben erhalten wird. Nicht ich muss beweisen, dass es bisher keine “Online-Durchsuchung gab, sondern diejenigem, die behaupten, so etwas würde gemacht, müssen Fakten, Fakten, Fakten liefern – wer, wie und womit. Eine Presseerklärung irgendeines Innenministeriums gilt nicht als Beweis.

Der Deutschlandfunk hat jetzt eine schöne Nebelkerze geworfen: Man interviewte Peter Welchering, den FDP-Stadtverbandsvorsitzender und Kreisvorsitzender des DJV zum Thema. (Für Insider: Welchering und Karl Geibel sind in demselben DJV-Verband.) Ach ja, Journalist ist Welchering auch noch und Erfinder des Tron-Netzes.

Sorry, aber ich vergesse nie etwas – Originalton Welchering in einem Artikel vor zwei Jahren: “Wird eine verschlüsselte Datei einmal auf die Festplatte eines Internet-Rechners kopiert, ist sie – auch wenn sie sofort danach wieder gelöscht wird – mit einigem Aufwand mittels Online-Durchsuchung für Datenspione sichtbar.” Der gute Mann hat also keinen blassen Schimmer.

[Irrelevanter Einschub: Und deshalb war Welchering vermutlich der einzige Journalist, der versuchte, im MediumMagazin die PrivacyBox zu diskreditieren. Er meinte mich, prügelte aber auf die Privacybox ein. So funktioniert Mobbing im DJV. Ich habe ja seinen geliebten Großen Vorsitzenden Charly Geibel ständig angegriffen und der Unfähgkeit bezichtigt. Das tut man nicht unter Journalistenfunktionären. Und ausserdem war ich Chefredakteur von Berliner Journalisten, dem einzig ernst zu nehmenden Konkurrenten des MediumMagazins. Aber ich schweife ab...]

Irgendwie haben sie es ja gemerkt, dass es mit der Online-Durchsuchung nicht so weit her ist. Ja, wo durchsuchen sie denn? Manfred Kloiber fragt: “Welche technischen Probleme machen denn den BKA-Beamten das Leben schwer, Peter Welchering?” Man muss sich die Anwort auf der Zunge zergehen lassen: “Denn diese Firewall, die verhindert, dass der sogenannte Infiltrationsschädling eindringen kann, das ist im wesentlichen ein Downloader, ein Trojaner, der sich ins System schleicht, um das eigentliche Überwachungsmodul, auf die es ja den Ermittlern ankommt, das dann auch die eigentliche Durchsuchungssoftware von einem BKA-Server herunterladen soll. Das ist insofern etwas verwunderlich, als die von den Geheimdiensten eingesetzten Bundestrojaner dieses Problem eigentlich schon gelöst hatten, und das schon vor einigen Jahren.”Ja, sie hatten “das Problem” schon gelöst? Gibt es dazu vielleicht irgendeine winzige Tatsache, die aus einer unabhängigen Quelle stammt? Nein, gar nicht. Null. Es ist nur vages Gefasel. Und: Woher will Welchering das wissen? “Nach allem, was man aus den so schüchternen Sicherheitskreisen so hört” – das ist. mit Verlaub und meiner Meinung nach pure Aufschneiderei. Mit “Sicherheitskreisen” meinen Journalisten in der Regel die Presseabteilungen der Verfassungsschützer. Und die sind so seriös wie der ehemalige irakische Informationsminister.

Welchering behauptet allen Ernstes, der Bundesnachrichtendienst habe “solche Angriffsprogramme aus mehr oder weniger gut getarnten Quellen beschafft.” Woher weiß er das? Das weiß ich wiederum: Von Focus Online, die das ständig mit wachsender Begeisterung, aber faktenfrei behaupten. Oder von Spiegel Online vom Frühjahr 2009: “Nach Informationen des SPIEGEL hat der Geheimdienst BND in den vergangenen Jahren in mindestens 2500 Fällen PCs im Ausland durchsucht”. Aber nicht “online”, sondern Keylogger physikalisch installiert und/oder schlicht die E-Mail-Accounts abgerufen wie beim afghanischen Handelsminister. Welchering weiß nicht mehr, als das, was in der Zeitung steht.

Jetzt fragt Kloiber: “Letztlich handelt es sich ja auch beim Bundestrojaner um ein Computervirus. Und deren Ausbreitung ist ja nicht völlig unter Kontrolle zu halten.” Nonsens und Schwachfug, wie Wau Holland es funktioniert hätte. Jetzt ist der “Trojaner” also ein “Virus”? Eine Lokomoive ist also irgendwie ein Auto, und das Usenet ist dasselbe wie das Word Wide Web, und ein Kamel ist auch irgendwie in Pferd? Wenn man etwas nicht kontrollieren kann, dann ist es ermittlungstechnisch -und taktisch ohnehin Quatsch, von der Beweiskraft vor Gericht ganz zu schweigen.

Welcherung: “Offenbar war man in Wiesbaden mit den Parameterermittlungen, die es ja auch kommerziell zu kaufen gibt, nicht so übermäßig zufrieden. Und man hat deshalb einen anderen Weg eingeschlagen, solche Systemparameter auszuspähen, aber der ist auch nicht erfolgreich gewesen, der ist von den Betriebssystemherstellern dichtgemacht worden. Das funktioniert recht elegant. Die Ermittler haben einfach ein Sicherheitsupdate eines Betriebssystemherstellers genommen und dem einen Trojaner angehängt. Weil Sicherheitsupdates ja automatisch heruntergeladen werden, bemerken die Überwachten PC-Besitzer das gar nicht.” Ach ja? Gibt es dafür Quellen? Nein, gibt es nicht. Welcherung ist der einzige Mensch auf der Welt, der davon weiß. Er weiß mehr als der Chaos Computer Club und die c’t zusammen. Vielleicht ist das der Grund, warum er in der FDP ist… Da sind ausschließlich solche klugen Menschen. “Kloiber: Welche Strategien werden denn derzeit im BKA favorisiert, um die technischen Schwierigkeiten beim Einsatz des Bundestrojaners zu überwinden?
Welchering: Das ist schwierig zu ermitteln. Auf solche Fragen schweigt das BKA natürlich”.

Eben. Nichts Genaues weiß man nicht. Man weiß überhaupt nichts, auch nichts über Exploits, mit denen das laut Welchering angeblich gemacht wird. Um so lauter tönen diejenigen, die die magische Online-Durchsuchung herbeifantasieren wollen. irgendwie erinnert mich das geheimisvolle Getöne an Voodoo und Regenzauber. Irgendwelche obskuren Männer stehen im Kreis oder im Viereck und murmeln etwas gemeinsam, auf das die Welt so sei, wie sie es wünschen.

By the way: Wenn ihr das Buch nicht lesen wollt, dann lest die Artikel, die ich 2007 zum Thema gebloggt habe. Har har.

spiggel.de (07.02.2007): “Der Staats-Trojaner-Hoax”
spiggel.de (08.02.2007): “Der Staats-Trojaner-Hoax, update”
spiggel.de (09.02.2007): “Wie schütze ich mich vor dem Bundestrojaner?”
spiggel.de (11.02.2007): “Der SPIEGEL heizt den Hoax an”
spiggel.de (13.02.2007): “Jetzt ganz neu: Social Engineering”
spiggel.de (12.03.2007): “Online-Durchsuchungen, die 234te”
spiggel.de (18.03.2007): “Online-Kriminelle immer onliner und immer krimineller”
spiggel.de (07.04.2007): “Online-Durchsuchungen: Die Farce geht weiter”
spiggel.de (28.04.2007): “Schäuble ist nackt”
spiggel.de (06.05.2007): “Auch du, meine Christiane?”
spiggel.de (10.05.2007): “Der Koran, geile Titten und der Quelle-Katalog”
spiggel.de (10.05.2007): “Heimlicher Zugriff auf IT-Systeme”
spiggel.de (19.05.2007): “Online-Duchsuchung in Second Life!”
spiggel.de (30.06.2007): “Wie tötet man eine Online-Ente?”
spiggel.de (01.07.2007): “Digitale Spaltung?”
spiggel.de (08.07.2007): “Sex-Verbot für Terroristen?”
spiggel.de (12.07.2007): “Wie Enten geklont werden”
spiggel.de (15.07.2007): “Richter erklärt die Online-Durchsuchung zur Ente”
spiggel.de (19.07.2007): “Heise Hoax-verseucht”
spiggel.de (31.07.2007): “Hurra, so funktionieren Online-Durchsuchungen!”
spiggel.de (25.08.2007): “Sie haben ein Attachment bekommen”
spiggel.de (28.08.2007): “Blauäugige Keylogger”
spiggel.de (30.08.2007): “Gefälschte Behörden-E-Mails?”
spiggel.de (03.10.2007): “Keine Chance für Online-Durchsuchung”
spiggel.de (07.10.2007): “Das Märchen vom Datenstrom”
spiggel.de (22.10.2007): “Technische Details offen”
spiggel.de (10.11.2007): “Neues vom Tron-Netz”
spiggel.de (13.11.2007): “Eintagstrojaner mit Verfallsdatum”
spiggel.de (10.11.2007): “Zierckes Traum”
spiggel.de (19.11.2007): “Terroristen nutzen Windows”
spiggel.de (16.12.2007): “HTTP 909 – Bundestrojaner-Online-Durchsuchung”

Keine Online-Durchsuchung, nirgends

Taz: “Das Bundeskriminalamt (BKA) hat seit Inkraftreten der BKA-Novelle am 1. Januar keine einzige Online-Durchsuchung durchgeführt. Dies erklärte gestern ein BKA-Sprecher auf Anfrage der taz. Das BKA habe auch keinen entsprechenden Antrag bei Gericht gestellt. ‘In Zeiten der terroristischen Bedrohung halten wir die Online-Durchsuchung dennoch für ein unverzichtbares polizeiliches Instrument’, sagte der BKA-Sprecher. Die FDP fordert in den Koalitionsverhandlungen einen Verzicht auf Online-Durchsuchungen.”

Natürlich haben die keinen Antrag gestellt. Sie wissen ja nicht, wie sie es machen sollen. Quod erat demonstrandum.

Albert Einstein über die Online-Durchsuchung

“Jeder Blödsinn kann dadurch zu Bedeutung gelangen, dass er von Millionen Menschen geglaubt wird.” (Albert Einstein 1932)

Heimliche Wohnungsdurchsuchungen [Update]

Spiegel Online über “CDU-Planspiele zum Verfassungsschutz”: “Bei der Terrorbekämpfung wollen die Autoren das verdeckte Betreten einer Wohnung erlauben, um dort die Vorbereitungen für eine Online-Durchsuchung oder eine sogenannte Quellen-Telekommunikationsüberwachung zu treffen.”

Wer CDU wählt oder Leute, die das wollen, ist für mich ein potenzieller Faschist. Das muss mal so gesagt werden. Und die Stasi lässt sowieso schon grüßen.

Upate: mehr bei Heise.

Atomlobby plante Wahlkampf minutiös [Update]

Spiegel Online (gefällt mir, der Artikel!): “So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein”. Inklusive einer Namensliste. So muss es sein. Immer Butter bei die Fische.

So eine Liste hätte ich gern aus dem Innenministerium über Journalisten, die zum Thema “Online-Durchsuchung” berichten. Zum Beispiel erwarte ich: FOCUS: “BND-nah” oder so ähnlich. Also schickt mir diese Namensliste, aber anonym!

Update, 25.09: Jetzt habe die bei SpOn doch tatsächlich die Namen gelöscht. Ich fasse es nicht.

Hier sind sie (Quelle):

So schätzt die Atom-Lobby Deutschlands Energie-Journalisten ein

“FAZ” Andreas Mihm schwarz-gelb
“FAZ” Konrad Mrusek schwarz-gelb
“Wirtschaftswoche” Steffi Augter schwarz-gelb
“Wirtschaftswoche” Andreas Wildhagen schwarz-gelb
“Handelsblatt” Klaus Stratmann schwarz-gelb
“Handelsblatt” Daniel Delhaes schwarz-gelb
“Welt” Daniel Wetzel schwarz-grün
SPIEGEL Wolfgang J. Reuter schwarz-rot
SPIEGEL Frank Dohmen schwarz-rot
“FTD” Timm Krägenow gelb-grün
“FTD” Olaf Preuß gelb-grün
SPIEGEL ONLINE Anselm Waldermann rot-grün
“Süddeutsche Zeitung” Michael Bauchmüller rot-grün
“Süddeutsche Zeitung” Cerstin Gammelin rot-grün
“FR” Vera Gaserow grün
“taz” Nick Reimer grün
Quelle: PRGS (”Kommunikationskonzept Kernenergie”)

2. Update: Greenpeace hat das Original (pdf) publiziert.

Computerklischees im Film und die Online-Durchsuchung

Ich musste doch heftig schmunzeln beim Lesen der Postings auf Spiegel Online zum Artikel “Wer hustet, stirbt“. Wie gewohnt sind die Kommentare der LeserInnen in Online-Artikeln, die kommentiert werden können, oft besser als die Artikel selbst.

Auch die Hinweise auf Links wie tvtropes.org oder fnynf.at hätten in den Artikel gehört. Aber mit den Links ins weltweite Internet hat SpOn schon immer Probleme gehabt.

Sehr nett sind die Computer-Klischees, die zum Teil schon in meinem Buch über die so genannte “Online-Durchsuchung erwähnt habe: (…) “ueber einen Computer hat man mit 3 Eingaben immer Zugriff auf Spionagesatelliten, die auf den Boesewicht zoomen, 5. Es gibt immer Akten ueber gesuchte Personen mit boesem Bild 6. Informationen ueber Gebaeude sind im Detail verfuegbar und zeigen in der Regel die fahrenden Aufzuege an 7. Mit einem Tastendruck ist der Bildschirm schwarz 8. Genausoschnell faehrt ein Computer hoch, naemlich mit einen Tastendruck (und gleich wird wird drauf herumgehackt) 10. Wenn eine neue Email kommt, kuendigt das eine Stimmme an” (…)

Oder: (…) “Nicht jedoch, dass es in jeder Abteilung einen Nerd gibt, der mal schnell einen Filter programmiert, mit dem man mehr Informationenen aus dem Überwachungsvideo herausholen kann als eigentlich drin ist. Zum Beispiel Wechsel der Kameraperspektive.
Beim Programmieren werden die grünen Zahlenfolgen immer auf des Gesicht des des Programmierers projeziert.
Ach ja, und wenn man einen Virus programmieren will, muss man auf dem Bildschirm die Würfel richtig zusammenstecken. ” (…)

Oder: “Computerprofis, die Daten aus jedem Rechner kitzeln können, tragen immer eine Brille.”

Das hier ist besonders hübsch: “Selbst die geheimsten Geheimdaten sind auf dem Computer immer mit einem nachvollziehbaren Passwort geschützt.”

Ich warte darauf, dass der erste “Tatort” produziert wird, in dem der Nerd unter den Ermittlern den Rechner eines Verdächtigen “online” durchsucht. Das wird bestimmt kommen und sehr lustig werden. Wie moderne Märchen so sind.

By the way: Zum Thema Online-Durchsuchung habe ich einen sehr informativen Artikel von Alexander Heidenreich (Hallo, Alex!) gefunden, den ich noch aus Mailbox-Zeiten kenne. Die Argumente beweisen schlagend, dass es eine “Online-Durchsuchung”, wie Klein Fritzchen oder Wolfgang sich das vorstellt, nicht geben kann und auch nie geben wird. Quod erat demonstrandum.

WLAN in Summer

Ich sitze hier in Berlin-Mitte in einen Café, weil ich die Hausnummer eines Gebäudes suchte, die ich vergessen hatte. Schön, dass es in manchen Cafés gratis WLAN gibt. Neben mir sitzt eine wunderschöne Frau und surft auch, sie guckt aber nicht rüber.

Übrigens denke ich gerade an Schäuble. Wie will der meinen Rechner gerade finden und “online-durchsuchen”? Und was wäre, wenn ich nicht ein friedlicher Bürger, sondern ein gar pöhser Islamist wäre? Also dann: Freies WLAN in allen Cafés melden, durchführen und verbieten!

Keinen Bedarf für des Kaisers neue Kleider

Wolfgang Bosbach hat sich zur Entenfrage wieder einmal geäußert. Es ist ihm gelungen, die Flughöhe zu halten – also so dicht wie möglich über dem Wasser, das niedrigstmögliche Niveau. Ein Satz jedoch ist geradezu genial, wenn nicht sogar wahr: “gab es wohl bis zur Stunde in der polizeilichen Praxis keinen Anwendungsfall, sodass wir zunächst einmal Erfahrungen mit diesem neuen Ermittlungsinstrument abwarten sollten”.

Wie meinen? Sollte er dieses Buch gelesen haben? Bosbach wollte ja sogar das Grundgesetz ändern…By the way: lest Ramelsberger in der Süddeutschen! ich lasse es mir immr wieder auf der Zunge zergehen: “Den meisten Computernutzern ist es nicht klar: Aber wenn sie im Internet surfen, können Verfassungsschützer oder Polizei online bei ihnen zu Hause auf die Festplatte zugreifen und nachschauen, ob sie strafbare Inhalte dort lagern – zum Beispiel Kinderpornographie oder auch Anleitungen zum Bombenbau.” SIE sind schon drin!

Zur Erinerung: Bosbach sprach vor zwei Jahren in der Sendung “People and Politics” (09.07.2007, ab Min. 6.00) über Online-Durchsuchungen. Die Pointe kommt am Schluss. Bosbach lästerte über die, die behaupten, so etwas gebe es gar nicht oder es sei technisch unmöglich. Bosbach, lächelnd: “Aber das wird schon gemacht.”". So. So ein tolles Ermittlungsinstrument, da alle dringend brauchten – und jetzt nutzt es die Polizei nicht?

Um es kurz zu machen: Die Erde ist eine Kugel, keine Scheibe. Die Amerikaner sind auf dem Mond gelandet. Der Terroranschlag am 11. September ging auf das Konto von Al Kaida. Den Hufeisenplan gibt es aber schon weniger, und eine real existierende Online-Durchsuchung hat es nicht gegeben und wird es so, wie es sich Klein Wolf..äh….Fritzchen das vorstellt, auch nie geben..

Trojaner im Auftrag der Computer BILD

Ein Teilnehmer meines Seminars zeigte mir einen aktuellen Artikel der “Computer BILD”: “Tronaer im Auftrag des FBI” – “Jetzt kommt raus: Nicht nur die CIA, sondern auch das FBI nutzt schon seit Langem zweifelhafte Schnüffelmethoden.”

Pädagogisch ist der Text ein hervorragendes Beispiel für die typisch deutsche Mischung aus unbewiesenen Gerüchten, mangelnder Recherche und Verschwörungstheorien, wie sie beim beliebten Hoax “Online-Durchsuchungen” die Regel sind.

“Ein vor kurzem im Internet aufgetauchtes Dokument” – wirklich wahr? Nein. Es handelt sich um eine Angelegenheit, die zuerst vor acht Jahren diskutiert wurde und die die Computer BILD als “brandaktuell” abheftet – die so genannte “magic lantern“. Ganz einfach: Das FBI jubelte einem Verdächtigen einen Computer unter, auf dem man vorher Schnüffelprogramme installiert hate, diesen also fernsteuern konnte. Bei Wikipedia kann man auch mehr nachlesen:

“CIPAV (Computer and Internet Protocol Address Verifier) ist eine Windows-basierte Spionagesoftware, welche vom FBI verwendet wird, um PCs von Verdächtigen zu durchsuchen. Im Gegensatz zum sog. Bundestrojaner wird es vom FBI nur mit einem richterlichen Durchsuchungsbefehl eingesetzt. Nach der Installation sendet die Software Daten über Festplatteninhalte, benutzte und installierte Programme, Informationen über den Browser und Betriebssystem, sowohl Seriennummer, als auch sämtlichen Benutzerinformationen aus der Windows-Registry. Die übermittelten Aktivitäten im Internet setzen sich aus den besuchten URL und sämtlichen angesteuerten IP-Adressen zusammen.”

Aber genau hingucken! Die Computer BILD orakelt: “Unklar bleibt, die es der FBI-Trojaner schafft, sich an Sicherheitsprogrammen vorbeizuschleusen.” Da bleibt noch viel mehr unklar, wenn man das “online” versuchte: Wie schafft es der “Trojaner”, den Verdächtigen zu finden – und seine IP-Adresse? Und was, wenn der einen Router hat? Und was, wenn wenn er in einem Cafe sitzt und per WLAN surft? Was, wenn er keine E-Mail-Attachments öffnet? Was, wenn er Linux benutzt und mit executable-Attachments nichts anfangen kann? Was, wenn der Verdächtige kein ahnungsloser Schuljunge der, der mit heruntergelassenen Hosen im Internet unterwegs ist und sich jeden Dreck ungeprüft unterjubeln lässt?

Was soll dieser Quatsch? Computer BILD antwortet: “Da stelle sich die Frage, ob die Ermittlungsbehörde den Bundestrojaner schon seit geraumer Zeit in verdächtigen PCs rumschnüffeln lässt.” Ja, aber nur bei den DAUs und Verschwörungstheoretikern bei Computer BILD. By the way: Welchen Bundestrojaner? Vielleicht sollte man als Journalist nicht nur dumme Fragen stellen und Gerüchte verbreiten (”Angeblich (!) soll sich das FBI-Spionage-Programm auch hinterrücks…”), sondern Antworten geben. Das wäre seriös.

BKA: Bislang noch keinen PC online durchsucht

Online-DurchsuchungNatürlich musste ich beim Lesen der netten Heise-Meldung schmunzeln.”Das Bundeskriminalamt (BKA) hat seit der Erweiterung des BKA-Gesetzes zu Jahresbeginn noch keinen Computer online durchsucht. “Ich setze die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes, diese Durchsuchungen nur als ultima ratio, also als letztes Mittel einzusetzen, konsequent um”, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke laut dpa dem Westfalen-Blatt. ” (Das kann man besser verlinken, Heise!)

“Hat das BKA inzwischen die Software, um das zu tun?
Jörg Ziercke: Ja. Wir waren zum 1. Januar, als das geänderte BKA-Gesetz in Kraft trat, startklar.
Hat Ihre Behörde seitdem Computer online durchsucht?
Jörg Ziercke: Nein.”

Natürlich lügt Ziercke. Aber das fällt niemandem auf, weil dem Westfalenkäseblatt niemand nachfragt, wie man etwa meinen Linux-Rechner hinter meinem Router mal so eben online durchsuchen könnte. Das BKA hat diese Software nicht, weil es sie nicht gibt (vorausgesetzt, sie brechen nicht unbemerkt in meine Wohnung ein, und das gleich mehrfach.) Der Verschwörungsthereoretiker, die sich bei diesem Thema durch einen starken Mitteilungsdrang auszeichnen, glauben das nicht. SIE können gar nicht so dämlich sein. SIE sind natürlich schon drin. Nein, SIE sind nicht drin, SIE sind einfach nur dämlich.

Online-Durchsuchungsenten und E-Mail-Überwachungen

Das Stammpublikum weiß es schon. Bei den hübschen PR-Meldungen für des Kaisers neue Kleider aka “Online-Durchsuchungen”, die regelmäßig Focus online publiziert und die mit von den sattsam bekannen Textbausteinen aus dem Hause Bosbach garniert werden (”Es darf nicht sein, dass Tatverdächtige sich durch moderne Verschlüsselungstechnik der Strafverfolgung entziehen können), kann ich immer wieder schmunzeln. Man muss nur genau hinschauen, und schon wird alles Comedy. Laut Heise habe “der BND in 90 Fällen mittels Bundestrojaner auf Computer zugegriffen und Festplatteninhalte ausgespäht habe. (…) Auch Rechner von Einzelpersonen seien in 10 Prozent von vom BND durchgeführten Online-Durchsuchungen betroffen gewesen.” Und nun zue iner völlig unwichtigen Frage, die von einigen Foren-Lesern nörgelnd gestellt wurden: Und wie soll das funktionieren? Ganze Festplatten online verschicken? Undsoweiter? Nein? Weiß niemand? Richtig. Weil es gar nicht wahr ist und nur Propaganda. Aber so funktioniert es. Man muss es nur oft geneug wiederholen, und irgendwann glauben es alle. Nicht alle. Einige haben den Kopf noch zum Denken auf dem Hals sitzen.

Rezension: Die Online-Durchsuchung

Eine sehr ausführliche Rezension des Buches “Die Online-Durchsuchung” findet man auf solon-online.de. Patrick Grete schreibt: “Beim Lesen dieses Teils des Buches kommt man aus dem Staunen über diese Vorgänge nicht heraus. Steht es so schlecht um den Journalismus in Deutschland? ”

Die Ente ist quietschfidel

Online-DurchsuchungDas Thema hatten wir schon tausendundeine Nacht lang. “BND infiltrierte Tausende Computer im Ausland”, schreibt Spiegel online, suggeriert dem Geheimdienst magische Fähigkeiten und unterstellt damit auch den Inland-Schnüfflern, dass die das könnten – “online” durchsuchen. Wahr wird es dadurch nicht, zumal das Nachrichtenmagazin keine zwei unabhängigen Quellen vorweisen kann, sondern offenbar nur von den üblichen Verdächtigen gebrieft worden ist.

Im Detail sieht es dann ganz anders aus. “Computer im Ausland” wurden “infiltiert”. Wie denn? “Dabei seien zum Teil Festplatteninhalte heimlich kopiert und nach Pullach übermittelt worden.” Aber nicht online. Behauptet auch niemand. Von Keyloggern ist die Rede. So etws funktioniert natürlich, wenn ein Agent einen physischen Zugriff auf einen ungeschützten Rechner hat. Oder ein Spitzel eiin V-Mann und ein anderes fieses Subjekt.

Damit ist die Quellenlage bei Spiegel online aber auchsc hon erschöpft. Die Kurzmeldung – die PR-Nachricht des BND- wird nur deshalb zu einem Artikel, weil man noch willkürlich alle anderen möglich Fälle nachschiebt wie den Farhangs (Vgl. “Bundestrojaner beim Afghanen?” Burks’ Blog, 25.05.2008)

Das alles, Herrschaften, sind keine “Online-Durchsuchungen”, wie sie der Volksmund versteht. Das ist einfach nur Agitprop und Meinungsmache für den Überwachungsstaat..

Der Staat bei dir zu Hause

Rezension unseres Buches in der taz (03.01.: “(…) Was den Glauben an den “Bundestrojaner” am Leben erhalte, sei nichts anderes als Ignoranz in Sachen Computertechnik und der Mythos von der Allmacht des “Hackers”. Die etablierten Medien hätten allesamt in der Berichterstattung über die Onlinedurchsuchung regelmäßig versagt, so die Kritik der Autoren. Praktisch durchgehend sei nach dem System “Stille Post” verfahren worden: Einer schreibt vom anderen ab, und am Ende bestätigen sich Halb- oder Unwahrheiten von selbst. Schröder belegt diese These mit umfangreichem Quellenmaterial und Fußnoten. Das macht die Lektüre des Buchs nicht elegant, war aber in diesem Fall wohl unvermeidlich – schließlich will, wer solch einen Vorwurf äußert, am Ende nicht selbst bezichtigt werden, unsauber recherchiert zu haben. (…)”

Remote Forensic BOSS bereit zum Regenzauber

Laut Heise hat BKA-Chef Jörg Zierke hehauptet, “dass die für heimliche Online-Durchsuchungen erforderliche Spionagesoftware fertig gestellt sei. Sie müsse jedoch dann an den jeweiligen Fall angepasst werden, betonte der SPD-Mann gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.”

Ja, natürlich! Bruhahaha. Das Bundesinnenministerium hat vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vermutlich eine CD mit BOSS (BSI OSS Security Suite) bekommen, weil sie das Gejammere leid waren, mit dem Hinweis, man könnte vielleicht, wenn man die IP-Adresse des Zielobjekts kennte und wenn das blöd sei und wenn man heimlich in die Wohnung des Verdächtigen eindringen könnte und der seine Rechner auch in Abwesenheit und ohne Passwortschutz immer laufen ließe und auch nicht abseitige Betriebsssyteme benutzte und und und.

Der Beitrag bei AFP ist ein “Gespräch”, also reine Propaganda für das BKA und hat mit der Realität selbstredend nur wenig zu tun. Aber der eigentliche Witz ist doch, dass Ziercke gar nicht lügt. Er lässt nur das Wesentliche weg. Und: Ziecke kann sich dessen gewiss sein, das ausnahmslos alle deutsche Medien ohne weitere Recherche und ohne ein Wort der Kritik genau das verbreiten, was er will: Wir könnten, wenn wir wollten. Auch bei Heise findet man nur das Wörtchen “angeblich”. Das ist zuwenig, meine Damen und Herren!

Der ewig nörgelnde und hyperkritische Journalist Burkhard Schröder erwartet überhaupt keine Online-Durchsuchungen, weder in dieser noch in jener Welt noch in Bielefeld. Druckt das jemand? Nein, ich bin kein Beamter und deshalb für deutsche Medien nicht ab Werk automatisch glaubwürdig.

Die Onlinedurchsuchung als urbanes Märchen

Eine Rezension unseres Buches “Die Online-Durchsuchung” in ZEIT Online: “Schröder hält die Onlinedurchsuchung für ein urbanes Märchen, eine Ente, auf die die Medien hereingefallen sind. (…) Für Schröder ist die Geschichte des Bundestrojaners vor allem eine des Versagens der Presse.”

Dr. Herbert Schlangemann

By the way: War Dr. Herbert Schlangemann nicht auch kurzzeitig Berater von Schäuble und Bosbach und hat denen bewiesen, dass die Online-Durchsuchung schon längst praktiziert wird und überhaupt leicht zu machen ist und unverzichtbar, um den Terrorismus mit Stumpf und Stil auszurotten?

Sind Terroristen Idioten?

Ein wohlwollender Leser schickte mir anonym heute folgendes:

Lieber Herr Burks, die Online-Überwachung wird funktionieren! Was sie rechtlich und technisch sagen, ist absolut richtig. Im Ergebnis wird sie dennoch funktionieren, weil Terroristen Idioten sind. Nur einer soll da sein, auf den aber keiner hört.
Es grüßt freundlich ein Kriminaler

Darauf mus sich antworten. Das einzige ernst zu nehmende Argument gegen meine These, die politisch herbeigewünschte “Online-Überwachung” würde schon aus technischen Gründen nicht funktionieren, ist das: Eine Bank brauchte keine Überwachungskameras, weil kein Bankräuber so blöd wäre, sich nicht zu maskieren. Falsch, Kriminelle sind oft dümmer, als man vermutet. Insofern muss der Einwand des “Kriminalen” durchaus ernst genommen werden.

Gegenargument: Natürlich hat jemand, der andere Leute in die Luft sprengen will oder sich selbst, ohnehin einen Dachschaden. Aber das hindert sie oder ihn nicht daran, intelligent zu sein. Beispiel. Bobby Fischer war unstrittig hyperintelligent und ein Genie, aber eben eine “Inselbegabung”: Er “brach er mit 15 Jahren seine von ihm als nutzlos empfundene Schulausbildung an der Erasmus High School in Brooklyn ab, um sich ganz dem Schach zu widmen.”

Leute, die – volkstümlich gesprochen – bekloppt sind, können trotzdem höchst intelligent und damit gefährlich sein. Und die würde man mit E-Mail-Attachments für Windows (Remote Forensic Software inside) bestimmt nicht kriegen. Und das größte Problem wäre auch bei Idioten, bei einer “Online-Durchsuchung” gerichtsfeste Beweise zu kriegen. Wie das möglich sein soll, hat auch noch niemand realistisch beschrieben.

Nimm dies, Schirra!

Wie ich auf Heise lese, soll der Journalist Bruno Schirra in einem Interview mit dem Deutschlandfunk gesagt haben,. mit dem gerade verabschiedenten BKA-Gesetz werde “der investigative Journalismus zu Grabe getragen”. Man kann natürlich darüber streiten, ob es jemals einen investigativen Journalismus in Deutschland gegeben habe, der diesen Namen – im Vergleich etwa zur angelsächsischen Tradition – verdient hätte und ob überhaupt etwas zu Grabe getragen werde könnte, das über den Inhalt einer Streichholzschachtel hinausragte.

Schirra sagte laut Heise: “Seine Informanten müssten ‘wahnsinnig sein’, wenn sie sich mit ihm auf den herkömmlichen Kommunikationswegen wie E-Mail oder Telefon noch mit ihm in Verbindung setzen würden. Sie müssten immer die Angst haben, dass sie von der neu geschaffenen ‘Superbehörde’ Bundeskriminalamt “abgeschöpft” werden.” Nicht Schirras Informanten sind wahnsinnig, sonderm Schirra selbst, der sich mit der typischen Attitude alter Männer konkett weigert, mit Verschlüsselung von E-Mails und anderen hübschen Dingen zu beschäftigen und für den das offene Fax das konspirativste aller Kommunikationsmittel ist. Nein, Kollege schirra, man kann die Vorratsdatenspeicherung und auch die einschlägigen Passagen im BKA.Gesetz (”Online-Durchschung”) mit einfachen Maßnahmen unterlaufen verhindern, sabotieren, durchkreuzen und unmöglich machen. Man darf nur nicht geistig vernagelt oder begriffsstutzig oder beides sein.

Wie wäre es mit der PrivacyBox, Schirra? Hier können Sie mich gern anonym beschimpfen und einen arroganten Schnösel nennen. Dann lernen Sie endlich, wie man modern und ohne Big Brother kommuniziert.

Focus Online: Lügen durch Weglassen

Online-Durchsuchung

Das BKA-Gesetz passierte in seiner kosmetisch veränderten Form den Vermittlungsausschuss des Bundestags. (Heise) Etwas Anderes war nicht zu erwarten. On die Zitterpartie im Bundesrat zugunsten der Befürworter ausgeht, weiß man nicht – aber im Zweifel fällt die SPD um. Da ich die Anhörung der Experten im Bundestag verfolgt habe, kann ich angesichts der dortigen Vorträge ziemlich viel darauf wetten, dass die Verfassungsklagen gegen das Gesetz zahlreich in Karlsruhe einschlagen werden.

Einen – aus journalistischer Sicht – geradezu unglaublichen Artikel findet man aktuell bei Focus online: “Cyber-Cops: Wie die Polizei im Internet fahndet”. Alle Stammtischparolen der Law-and-Order-Fraktion treten gehäuft auf: Kinderpornografie, Neonazis, “jugendgefährdende Gewaltvideos”. Man fragt sich, ob den Autoren bei Focus Online ein Beamter der Sicherheitsbehörden beigeordnet worden ist oder ein Politoffizier von Markworts Gnaden, der ständig über die Schulter schaut, ob das Geschreibene auch Schäuble-kompatibel ist. Natürlich werden auch die Jugendschutzwarte abgefeiert – ohne auch nur den Hauch eines Nachfragens, ob deren Interessen wirklich dem “Schutz” der Jugend gelten.

Focus online macht sich zum völlig unkritschen Sprachrohr und zur indirekten PR-Agentur der Befürworter der Vorratsdatenspeichung und der Online-Durchsuchung. Vom Prinzip audiatur et altera pars – also auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen – nicht die geringste Spur. Das Nachrichtenmagazin scheut sogar vor Lügen durch Weglassen nicht zurück.

Beispiel: “Technisch stehen den Fahndern zahlreiche Mittel zur Verfügung. Sie dürfen die E-Mails von Verdächtigen lesen, können sehen, welche Web-Seiten diese besucht haben oder hören Internettelefonate mit.” Das ist nicht nur teilweise Blödsinn, weil man nicht nachvollziehen kann, wer welche Website ansurft, sondern schon deshalb falsch, weil jeder Verdächtige sich mit einfachen Mitteln davor schützen kann, indem er seine E-Mail-Kommunikation verschlüsselt oder anonym surft oder seinen Browser vernünftig konfiguriert. Welchen Sinn hat die Botschaft, wenn man die doch nicht unwesentliche Tatsache, dass die aufgezählten “Methoden” nicht besonders effektiv oder schlicht gar nicht möglich sind, einfach verschweigt? Oder welchen journalistischen Wert haben boße Gerüchte wie “auch in der virtuellen Welt von ‘Second Life’ sollen sich hinter einigen Avataren LKA-Beamte verbergen.”? Mehr als eine unabhängige Quelle? Gar keine – nur Hörensagen oder woanders Abschreiben. Auch bei Focus online sollen sich hinter einigen Autorennamen Praktikanten verbergen.

Beispiel: “Anhand der IP-Adressen kann die Polizei dann beim Provider erfahren, wer eine bestimmte Internetseite besucht oder wer eine Datei ins Netz gestellt hat.” Grober Unfug. Basta. Wer hat denn die “Praktikantin” Claudia Frickel gebrieft, dass die einen derartigen Quatsch schreibt, als hätte Schäuble persönlich das verfasst?

Beispiel: “Mit der Online-Durchsuchung kann die Polizei einen Schritt weitergehen: Sie darf mit Genehmigung eines Richters und bei Verdacht heimlich auf private Computer zugreifen.” Das ist schlicht ein urbanes Märchen. Focus Online hat sich schon in der Vergangenheit als absolut unkritisches Sprachrohr derjenigen geriert, die suggerieren wollen, das ginge so einfach. Mittlerweile kann ich kaum noch an einen Zufall oder schlicht mangelnde Qualität glauben oder daran, dass man dort bei dem Thema ernsthaften Journalismus auch nur ansatzweise versucht.

Mit diesem Artiikel hat man das niedrigstmögliche Niveau noch unterschritten: Keine kritische Stimme, kein Nachfrage, keine Recherche, ob auch nur eine der kühnen Thesen technisch korrekt ist. “Journalismus”, der zum Sprachrohr der Hardliner-Fraktion in der Innenpolitik verkommen ist – einfach nur ekelhaft und politisch ohnehin widerwärtig.

Nächste Einträge →