Ung Schaft Keit

Katja Kipping in Welt online: “Bei der Frage der Umverteilung von Reich zu Arm und von privat zu öffentlich gibt es bei SPD und Grünen nicht die erhoffte Bereitschaft zu handeln.”

Ja, sicher. Ack. Aber wieso kriegt es die Kipping nicht hin, einen einzigen deutschen Satz zu sagen, ohne ein Wort mit -ung zu benutzen? “-schaft” ist auch nicht besser. Man will handeln. Oder ist willens zu handeln. Oder sie sind nicht bereit, etwas zu tun.

Übersetzen wir’s in Deutsche:

“SPD und Grüne sind nicht bereit, von Reich zu Arm umzuverteilen und von privat zu öffentlich.”

Man merkt, dass nicht klar ist, um was es geht. Das ist aber nicht das Problem der Rezipienten, sondern dessen, der etwas sagt oder mitteilen wollte.

Vanillepudding, Trotzki und ein Schachtelsatz

vanillepudding

Jetzt habe ich mit einem Trotzki-Zitat schon die Gelegenheitsleser dieses kleinen Blogs verprellt, aber eingedenk dessen, dass die wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser vermutlich alles rezipieren und konsumieren, was ich aus zahllosen Themengebieten und zum Schrecken der Statistiker, Datensammler und Werbeagenturen hier anbiete, um auch ja kein klares Profil aufkommen zu lassen wie die so genannte deutsche Netzgemeinde, die, wenn sie sich “politisch” gibt, sich strikt an ihre Corporate Identity daran hält und weder virtuelle Welten noch die geschlechtliche Vermehrung in ästhetischer oder lustvoller Form noch Körperertüchtigung noch anderweitig abseitige Topoi thematisiert, sondern immer nur “Netzpolitik” oder eben das jeweils gewählte Thema, wage ich heute auch zu verkünden, dass ich liebend gern warmen oder heißen Vanillepudding mit Erdbeeren esse, wahlweise Johannisbeeren, um, was – psychologisch gesehen – eine Art Regression sein könnte, meinen Ärger über die allgemeine Weltlage zu kompensieren, wozu zuckerhaltige Nahrung mit ihrer unstrittig antidepressiven Wirkung gehört, und um auch, wie man so sagt, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und zu demonstrieren, dass die deutsche Sprache, wie auch das Lateinische, die außergewöhnliche Fähigkeit besitzt – wenn man sie beherrscht und nur dann! -, kunstvolle, aber in sich logische Schachtelsätze aufzutürmen, die Simultanübersetzer in den Wahnsinn treiben, aber für den Alltagsgebrauch nicht sehr nützlich sind, wenn man sich vorstellt, welchen Eindruck man hinterließe, orderte man in der Apotheke oder Drogerie des Vertrauens etwa Präservative, begänne aber gleichzeitig, nicht nur diese, sondern auch Karl Marx, Kohlrouladen, das Internet und das Falkbeer-Gegengambit zu thematisieren, was den “Empfänger” der Botschaft, der erst am Ende des Schachtelsatzes begreifen würde, was man will, schon nach den ersten Minuten der im Sinne der Wortes langatmigen Bestellung – während man noch verbal schwungvoll auf die Pointe zusteuerte – nach einem Arzt rufen ließe oder den Leuten, die sich gut mit langärmeligen Jacken auskennen.

SPD möchte auch für den Profit des Kapitals zuständig sein

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der Berliner Zeitung: “Die SPD muss deutlicher als bisher machen, dass es uns nicht nur darum geht, für eine gerechte Verteilung dessen zu sorgen, was erwirtschaftet worden ist, sondern dass wir uns auch zuständig fühlen für die Erwirtschaftung. Das ist in den letzten Jahren zugunsten eines starken Profils bei der sozialen Gerechtigkeit in den Hintergrund getreten.”

Für die Erwirtschaftung. Übersetzen wir das ins Deutsche. Ein Wort, das mit ung endet, dokumentiert immer, dass derjenige, der es gebraucht, etwas nicht genau überdacht hat oder mit Bläh- und Furzdeutsch aka Nominalstil etwas verschleiern will. Oder beides.

Die SPD möchte sich nicht nur für das Proletariat, sondern auch für das Kapital einsetzen, auch wenn es auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit (was ist das?) geht? Ach so. Die Sozialdemokraten sollen sich auf für den Profit zuständig fühlen. Übersetzt: Wenn es den Bossen gut geht, geht es auch den Arbeitern gut?

Dazu passt auch der Justizminister Heiko Maas (SPD), der Neubauten von der Mietpreisbremse ausnehmen will: “Wir wissen, dass zurzeit viel in den Wohnungsbau investiert wird. Diese Investitionsbereitschaft wollen wir erhalten”.

Sozialdemokraten waren und sind eben Büttel des Kapitals.

La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís

santa fe

Das Foto habe ich 1979 in Santa Fe, New Mexico (USA), gemacht. Santa Fe ist die älteste Hauptstadt in den USA.

Wikipedia: “Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Stadtväter erkannt, wie wichtig die Bewahrung und Verschönerung des Stadtbilds für ihre Stadt ist. So wurde es zur Pflicht gemacht, dass jeder Neubau im traditionellen Pueblo-Baustil zu errichten ist (Adobe-Bauweise).”

Auf deutsch: “Die Stadtväter (und -mütter?) erkannten (der Perfekt ist hier nicht richtig – der Imperfekt ist angebracht) Mitte des 20. Jahrhunderts (“bereits” ist ein überflüssiges Füllwort), wie wichtig es ist, das Stadtbild zu bewahren und verschönern. Es ist seitdem Pflicht, jeden Neubau im traditionellen Pueblo-Baustil zu errichten (Adobe-Bauweise).”

Per Zufall habe ich via Google Maps sogar wiedergefunden, wo ich damals stand: auf der Al Alameidea Street mit Blick auf die Loretto Chapel (hinten links zu erkennen). Das Gebäude vorn ist das Inn and Spa at Loretto.

Tempelhofer Feld wird vorerst nicht bebaut

tempelhofer Feld

Welt online: “Beim Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes deutet sich eine Mehrheit gegen eine Bebauung an. Auch die Wahlbeteiligung ist nach einem Zwischenergebnis hoch genug für einen Erfolg der Bürgerinitiative, wie die Landeswahlleitung am Sonntag nach Auszählung von 75 Prozent der Stimmen mitteilte.”

Das könnte man ins Deutsche übersetzen.

Die Mehrheit der Berliner ist dagegen, das Tempelhofer Feld bebauen zu lassen. Die Bürgerinitiative gegen die Pläne von CDU und SPD hatte Erfolg. Es haben sich auch genug Wahlberechtigte beteiligt. Das teilte die Landeswahleiterin am Sonntag mit, nachdem 75 Prozent der Stimmen ausgezählt worden waren.

Themenfeld: Social Keynotes atmen

Sascha Lobo 2013:
Das Netz atmet social. Selbst Seiten, die sonst nichts haben (und das sind nicht wenige), haben einen Like-Button (…) Die Strategie hinter Facebook Home ist wegweisend.

Sascha Lobo 2014:
Auch die Enthüllungen des NSA-Skandals hätten an dieser Unterfinanzierung der deutschen Lobby für das Internet nichts geändert. Dabei habe die aufgedeckte Totalüberwachung ein Ausmaß, das sich noch vor einem Jahr die wenigsten hätten vorstellen können.

Blockierte Elemente auf saschalobo.com
platform.twitter.com
connect.facebook.net
googleapis.com

By the way, liebe wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser: Gern halte ich Vorträge, Reden, Keynotes, Dinner Speeches zu allen passenden Anlässen.

Was war übrigens der Unterschied zwischen einem “Thema” und einem “Themenfeld“? Vielleicht der zwischen der “Schule” und dem “schulischen Bereich”? Oder der zwischen einer “Veranstaltung” und einer “Fachveranstaltung”?

Gästin und das Sprachgendern

Kristin Rose-Möhring – Gleichstellungsbeauftragte im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ):
Übrigens ist Deutsch (…) überwiegend weiblich geprägt, was sich daran zeigt, dass 46 % der Substantive ein grammatikalisch weibliches Geschlecht haben, 34% sind maskulin und 20 % neutral. Und Substantive machen immerhin 74,3% der Wörter im Duden aus. (…) Das von Gegnern des Sprachgenderns und der übertriebenen sprachlichen Gleichstellerei vielgeschmähte Wort ‘Gästin‘ ist keine Erfindung durchgeknallter Emanzen. Es stand bereits im Wörterbuch der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die immerhin Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebten.

Umsetzung der Vertiefung bei Verhinderung und Bekämpfung

BT-Drucksache 18/1037

Kleine Anfrage der Partei “Die Linke” über den Datenaustausch zwischen Deutschland und den USA. Grusel.

Mehr dazu auf der Website des Bundestages (BT-Drucksache 18/1037: “Umsetzung des deutsch-amerikanischen Abkommens zur Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Verhinderung und Bekämpfung schwerwiegender Kriminalität”) und bei Netzpolitik.org: “Schäubles Erbe: BKA bald startklar zum automatisierten Abgleich von Fingerabdrücken und DNA-Profilen mit den USA”.

Umsetzung der Vertiefung bei Verhinderung und Bekämpfung. Das hätte die “Linke” nicht besser formulieren können.

Gleichung

gleichung

In der Mathematik lässt sich der Begriff Gleichung, der ansonsten unter “Deutsch des Grauens” subsummiert werden würde, kaum vermeiden. Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser erkennen sicher sofort, um welche Gleichung es sich handelt und wer sie aufgestellt hat und was sie beschreibt.

Trolle und deren Tun

troll

Der Kiezneurotiker scheibt über Stalking, Trolle und andere kranken Online-Seelen.

Wikipedia: Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche die Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen. In darauf bezogenen Bildern wird oft auf den aus der Mythologie bekannten Troll verwiesen. Ein gelegentlich gebrauchtes Synonym ist Twit (engl: Dummkopf). Die zugehörige Tätigkeit wird “trollen” genannt.

Deutsch des Grauens: “Die zugehörige Tätigkeit”. Deutsch: Das (ihnen eigene) Tun.

Verunfallt, aber nicht vertodt

Tagesspiegel: “Der Flughafensprecher und Aufsichtsratskreise hatten kurz nach dem Unfall erste Augenzeugeneindrücke, dass Mehdorn verunfallt war, bestätigt.”

Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, wie dieses Deutsch des Grauens entstanden ist. Es war einmal das Substantiv “Unfall”. Wie könnte man daraus ein Verb zaubern? “Einen Unfall haben” ist schlechtes Deutsch, weil man das Tun durch das Hilfsverb “haben” beschreibt. Geht also gar nicht.

Wenn man zum Beispiel “Tod” nähme, hieße es im Deutsch des Grauens “vertodt”. Von “Tod” gibt es auch kein Verb, sondern nur das selbständige “sterben”. (Kennt noch jemand das korrekte “wenn du stürbest”?)

Wenn ich Chef vom Dienst bei einer Zeitung wäre, die sich selbst erst nähme, würde ich einen Redakteur, der “verunfallt” schriebe, öffentlich auspeitschen lassen und ihm anschließend nahelegen, Pressesprecher aka Sprachblasenfacharbeiter bei der Partei “Die Linke” zu werden.

Schweige und arbeite, Katja Kipping!

Lesen wir gemeinsam Katja Kipping (Die Linke): EinschätzUNG. FinanzmarktstabilisierUNGsfonds. BuchUNGstrick. HerausforderUNG. BeteiligUNG. LösUNG. HaftUNGsfonds. GegenüberstellUNG. ÜberschwemmUNG. KlimaerwärmUNG. BrandstiftUNG. IndustriesubventionierUNG. FörderUNG. RichtUNG. EntwicklUNG. ArbeitsverweigerUNG. MitwirkUNGspflichten. RegelUNGen. VollsanktionierUNG. PendelbeziehUNG. Sachgrundlose (!) BefristUNGen. AbschaffUNG. SpaltUNG. Sozialen VerwerfUNGen. HaftUNG. KürzUNGsdiktat. HilfeleistUNG. ZusammenfassUNG.

Martin Luther, Marx und Bertolt Brecht hätten geantwortet: Schau dem Volks auf’s Maul und benutze verdammt noch mal Tuwörter und nicht dieses furzige Bläh- und Bürokratendeutsch!

“Aus meiner sozialistischen Jugendzeit habe ich viele Ideen und Ideale ins Alter gerettet. Insbesondere: Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder “der Gesellschaft”), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.” (Karl Popper: Auf der Suche nach einer besseren Welt, München 1984)

Sprachferne Journalisten

Spiegel online: “Andererseits wählen bildungsferne Jugendliche oft den direkten Weg in das sogenannte Übergangssystem”.

Ich hatte nicht geglaubt, dass dieses schreckliche Wort “bildungsfern” tatsächlich von Leuten benutzt wird, die vorgeben, mit der deutschen Sprache umgehen zu können. Von der Bundeszentrale für politische Bildung [sic!] erwarte ich ohnehin nur Deutsch des Grauens: “Politische Bildung für bildungsferne Milieus”.

O mein höheres Wesen, das klingt schon fast wie eine “Pressemeldung” aka Sprechblasenfacharbeiter*I_nnen-Textbaustein der Partei “Die Linke”… Ungebildete Jugendliche wählen oder tun was? Das weiß man immer noch nicht, wenn man diese verkasematuckelten Sätze mühsam gelesen hat.

Wer bildet wie die Dummen? würden Luther, Goethe, Freud und Marx fragen. Aber da wäre ja verständliches Deutsch.

Dunkle Materie entdeckt oder: Allah ist wie Jahwe

Wenn ich mich morgens durch die Nachrichten wühle, die zu lesen ich für wert erachte, finde ich meistens zahllose Gründe, mich zu ärgern: Ich werde nicht wirklich informiert, obwohl das Gegenteil behauptet wird, es handelt sich nicht um Journalismus, sondern um Propaganda, um Lautsprecher des Kapitals oder um getarnte Pressemeitteilungen, die darauf verzichten, auch unabhängige Quellen zu befragen, Deutsch des Grauens ist an der Tagesordnung.

Was mich interessiert, sind meistens Reportagen, mit denen ich mich ausführlich beschäftigen möchte, wozu mir aber die Zeit fehlt, oder verstörende Geschichten (Javascript erforderlich), die mich aber ratlos zurücklassen.

Fefe prägte heute den wunderbaren Begriff von der “Echokammer der Gleichgesinnten”, was auf große Teile der deutschen Medien ebenso zutrifft wie auf das Sekten-Milieu der Veganer, Esoteriker oder Binnen-I-Talibanesinnen.

Wenn ich mich wirklich erholen will, gehe ich zu den Wissenschaftlern. Die wissen wenigstens, wovon sie reden, und deren Aprilscherze (Javascript erforderlich) sind intellektuell anspruchsvoll und auch komisch.

Fazit: Ich brauche keine Zeitung mehr. Die konkret sollte ich endlich mal abonnieren, weil ich sie eh immer kaufe. Aber ohne Gremliza (geb. 1940) wäre die konkret vermutlich schnell tot und unlesbar. Ein ebenbürtiger Nachfolger ist nicht in Sicht. “Ich bestehe auf dem Recht, ja der Pflicht des Aufklärers, Allah so wenig zu achten und nach Kräften zu verspotten, wie irgendwelche anderen Götter, von Jesus C. bis L. Ron Hubbard. Die Religionsfreiheit, die ich meine, ist die Freiheit von Religion. Damit das klar ist.” Wer sagt so etwas sonst noch?

Die Jungle World könnte ich online lesen, vergesse es aber immer, und außerdem nervt mich bei derJungle World, dass sie sich dem E-Mai-Verschlüsseln konsequent verweigern und stattdessen auf Facebook herumtrollen. Was soll an dieser Attitude “links” sein? Nicht mit mir.

Ich weiß gar nicht, ob ich mein eigenes Blog lesen würde, wenn ich nicht ich wäre. Gute Frage, die nur die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser beantworten können.

Kreativer Umgang mit kalkülorientierten Routineberechnungen

“Durch eine Entlastung von kalkülorientierten Routineberechnungen und eine schnelle Visualisierung von Graphen wird ein kreativer Umgang mit mathematischen Fragestellungen ermöglicht”. So etwas formuliert laut “Der Westen” die grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann in Nordrhein-Westfalen. Hintergrund: Eltern von Gymnasiasten sollten gezwungen werden, einen teuren Taschenrechner für ihre Kinder zu kaufen, obwohl es günstigere Alternativen gibt.

Immer, wenn ich das Wort “kreativ” lese, stellen sich bei mir ohnehin die Rückenhaare hoch. Ich denke an Volkshochschul-Töpferkurse und an genderpolitisch korrekte EsoterikerInnen. “Schöpferisch” heißt das im Deutschen, und zwar mit und ohne Eigenhöhe. Gebrauch: pseudo-elitärer aufstiegsorientierter-Mittelschichts-Slang “bildungssprachlich”. “Dieses Wort stand 1973 erstmals im Rechtschreibduden.”

“GEW-Landeschefin Dorothea Schäfer hält die Geräte, die auf einen Erlass vom Juni 2012 zurückgehen, nach dem langen Vorlauf für überholt. Erschwerend komme hinzu, dass der Rechner später im Mathematik-Studium nicht mehr genutzt werden dürfe.”

Na super. Schilda ist überall.

Unter Sprechblasenfacharbeitern, revisited

[Reminder] “Fazit: Betrachtet man den Präsidentschaftswechsel in der Ukraine “rein juristisch”, hat Putin recht.”

Die “Linke“: “das völkerrechtswidrige Vorgehen der Russischen Föderation auf der Krim”.

By the way: Welches völkerrechtswidrige Vorgehen?

Im übrigen hat sich die “Linke” mit diesem Text in der Kategorie “Deutsch des Grauens” selbst übertroffen. Jemand, der so gequirt daherfaselt, kann keinen klaren Gedanken gehabt haben. Da war die kommunistische “Rote Fahne” in den zwanziger Jahren um ein Vielfaches eleganter und verständlicher geschrieben. Kurz und knackig eben.

Beispiele gefällig?

Katja Kipping, Bernd Riexinger: “Wir verfolgen mit Besorgnis die Entwicklungen in der Ukraine und auf der Krim.

“Mit Besorgnis”? Ich schaue gern im Deutschen Wortschatz nach: “Synonyme: Ahnung, Annahme, Befürchtung, Gefühl, Vermutung, Vorgefühl. ist Synonym von: Ahnung, Annahme, Bedenken, Beengung, Befürchtung, Behutsamkeit, Betrübnis, Beunruhigung, Fürsorglichkeit, Kümmernis, Panik, Rücksichtnahme, Sorge, Vorahnung, Vorbedacht, Vorgefühl”.

Wie also kann man etwas fühlen, befürchten oder ahnen und gleichzeitig etwas verfolgen? Was meinen die Sprechblasenfacharbeiter der “Linken”? Sie verfolgen gar nichts, denn eine “Entwicklung” läuft nicht davon. Irgendetwas (die Weltläufte?) entwickelt sich – und die “Linke” galoppiert hinterher, um nichts zu verpassen? Der Satz sagt rein gar nichts aus. Karl Marx verfolgte den tendenziellen Fall der Profitrate ohne Besorgnis? Wer sorgt sich um wen – und tut noch etwas parallel dazu?

Die Antwort auf das völkerrechtswidrige Vorgehen der Russischen Föderation auf der Krim, welches wir verurteilen…

Haben die das aus dem Suahelischen übersetzt – oder via Google aus dem Ukrainischen in Mandingo, welches schwierig zu sprechen ist, und dann zurück mit einem Umweg über das Türkische, welches wir nicht verstehen können? Das kommt davon, wenn man den halbgaren Wust von Gedankenfetzen unbedingt komplett auskotzen möchte, ohne zu wissen, was man meint. Wenn ein “Vorgehen”, welches ein schwaches Wort ist und das Tun und die Täter nicht benennt, was dem weisen Rat Lenins, immer nur die schlichte Frage “Wer wen?” zu beantworten, krass widerspricht, völkerrechtswidrig wäre, was ich aus rein sportlichen Gründen bestreite, wenn also die Russen gegen das Völkerrecht verstößen* (indem sie was genau tun?), verurteilt die “Linke” das – mit exakt welchen Folgen? Bekommt der Russe dann Sorgenfalten auf der Stirn?

Der Kosovo und andere völkerrechtswidrige Vorgehen fallen dem Westen nun auf die Füße…

Aua! Das täte natürlich weh, falls der Westen Füße hätte, welches ich zu seinen Gunsten nicht annehme. Und wie muss ich mir das vorstellen, wenn jemandem ein Vorgehen auf die Füße fällt?

Jetzt bitte alle anschnallen und nicht rauchen (es hagelt Ungs):

Die innenpolitische Situation der Ukraine ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Spaltung, die mit der langen Geschichte des jungen Nationalstaats beginnt und sich vor dem Hintergrund des Versagens der politischen Eliten aller Couleur, des gewaltigen Einfluss der Oligarchen und der extremen sozialen Polarisierung im Land weiter verschärfte.

Die Situation ist Ausdruck einer Spaltung. Wie sagt man das mit Tuwörtern? Ach, es tut niemand etwas? Dann sollte man vielleicht doch besser das Maul halten. Ich hätte gern mehr gewusst über den Klassenkampf in der Ukraine, über die unterschiedlichen Interessen des Kapitals, und welche Farbe die “politischen Eliten” (so etwas wie Pofalla auf ukrainisch?) haben.

Alexander Fischer hat diesen unsäglichen Text verfasst, der Pressesprecher der Partei. Der Mann mag ja irgendetwas können, welches sich mir nicht auf Anhieb erschließt, mit der deutschen Sprache steht er jedoch auf Kriegsfuß.

Eine Partei, die derart unerträgliches und sinnfreies Geschwurbel verlautbart, kann ich auch nicht wählen.

*Der Irrealis von “verstießen”, welches die indirekte Rede erzwänge.

Talibaninnen der Humboldt-Universtität wollen Karl Marx verbieten

Marx

Karl Marx an Friedrich Engels vom 30. Juli 1862, MEW 30, S. 259

Wie Fefe berichtet, wollen Studenten der Berliner Humboldt-Universität Hegel, Rousseau und Kant nicht mehr behandeln.

Schon in den ersten Sitzungen kam die Frage auf, wieso wir denn Texte aus der Antike lesen sollten, also aus einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und Menschen versklavt wurden.

Das Deutsch des Grauens spricht schon für sich: “…die Kolonialisierung unterstützte die Versklavung, Ausbeutung, Unterdrückung, Misshandlung und Ermordung von Menschen”. Ung, ung ung ung.

Ökonomisch höchst schädlich

Der Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” geht heute an ein “vorbildliches” SchreiberInnenkollektiv im gedruckten “Spiegel” im Artikel “Europa oder Demokratie?”. Dort heißt es:

Das genau ist es, was nicht nur zwei Richter in ihren abweichenden Voten, sondern auch Ökonomen für gerichtliche Hybris halten: der Versuch, das Krisenhandwerk von Notenbankern mit dem Mitteln des Rechts zu gängeln. (…) Die Inflationsrate ist derzeit niedrig, dass einige Ökonomen schon einer einer Deflation warnen, einer ökonomisch höchst schädlichen Absenkung des allgemeinen Preisniveaus also.

Für wen “höchst schädlich”? Wer senkt was ab und warum und wie? Welche Lobbyisten sagen das?

Ja, wo kämen wir denn hin, wenn das “Krisenmanagement” von Bankern sich an die Gesetze halten müsste!?

Remember: Der Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” geht an Journalisten, die nichts davon beherzigen, die sich die Propaganda der Kapitalisten unkritisch zu eigen machen, die deren Neusprech und und Propaganda-Worthülsen übernehmen, die in Populär-Okonomie dilettieren, ohne jemals ein Buch über den tenzenziellen Fall der Profitrate oder die Theorie des Wert gelesen zu haben. Kurzum: die ihren Beruf nicht nur verfehlt haben, sondern auch noch dummschwätzen und sich als Lobbyist missbrauchen lassen, freiwillig oder aus Dummheit und/oder Ignoranz.

Terroristisches Material und Pornografie in versteckten Containern glaubhaft abstreiten

truecrypt

Heise: “Die Regierung dürfe Laptops, Kameras und ähnliche Geräte von Reisenden durchsuchen. (…) Richter Korman begründete seine Entscheidung (PDF) damit, dass im 21. Jahrhundert die gefährlichste Schmuggelware oft in Laptops und anderen elektronischen Geräten enthalten sei – zum Beispiel terroristisches Material und Pornografie.”

Im Original: “”In the 21st century, the most dangerous contraband is often contained in laptop computers or other electronic devices, not on paper. This includes terrorist materials and despicable images of child pornography.”

Ein Grund mehr, dass sich auch Nicht-Geeks und Nicht-Nerds mit dem Feature “Hidden Volume” von Truecrypt beschäftigen.

Deutsche Anleitungen gibt es bei Christian Sickendieck, bei Wikipedia kann man etwas über das “Konzept der glaubhaften Abstreitbarkeit” (der Begriff ist natürlich Deutsch des Grauens) lesen, und bei bei Truecrypt gibt es alles auch in Englisch. Über die Details hatten wir uns auch schon hier am 15.07.2013 (vgl. auch die Links in den Kommentaren) unterhalten.

Wir basteln uns eine Pressemeldung über die Revolution oder: Die Möglichkeit sittlicher Entschlossenheit, ohne die Systemfrage zu stellen

“Der Aufstand in [bitte selbst ausfüllen] gerät ins Stocken, die Opposition um [bitte selbst ausfüllen] kämpft gegen viele Widerstände. Denn das Regime [bitte selbst ausfüllen] ist eng verbandelt mit den wirklich Mächtigen im Land: den einflussreichen Industriebaronen.”

So schreibt das ehemalige Nachrichtenmagazin und hat selbst die betreffenden Wörter eingefügt, die für die Ukraine gelten. Das ist natürlich sowohl falsch, weil es nur die halbe Wahrheit ist, als auch Deutsch des Grauens.

Denn der Mann trug etwas vor den Eiern: einen Tiefschutz. Diese Art und Weise, verkasematuckelt zu schwadronieren, ist das Gegenteil der Unsitte, in Nachrichten das scheinarbar Wichtigste nach vorn zu zerren, weil die Leserinnen und Leser sowieso gefühlt zu blöd sind, einen ganzen Satz zu rezipieren. Jetzt schieben sie das, was gesagt werden soll, an das Ende des Satzes, sie verstecken es sogar, damit die Leser möglichst lange auf der Seite bleiben.

Wenn schon, denn schon. Dann macht es wie Thomas Mann:
Der Autor der klaren und mächtigen Prosa-Epopöe vom Leben Friedrichs von Preußen; der geduldige Künstler, der in langem Fleiß den figurenreichen, so vielerlei Menschenschicksal im Schatten einer Idee versammelnden Romanteppich, “Maja” mit Namen, wob; der Schöpfer jener starken Erzählung, die “Ein Elender” überschrieben ist und einer ganzen dankbaren Jugend die Möglichkeit sittlicher Entschlossenheit jenseits der tiefsten Erkenntnis zeigte; der Verfasser endlich (und damit sind die Werke seiner Reifezeit kurz bezeichnet) der leidenschaftlichen Abhandlung über “Geist und Kunst”, deren ordnende Kraft und antithetische Beredsamkeit ernste Beurteiler vermochte, sie unmittelbar neben Schillers Raisonnement über naive und sentimentalische Dichtung zu stellen: Gustav Aschenbach also war zu L., einer Kreisstadt der Provinz Schlesien, als Sohn eines höheren Justizbeamten geboren.

Wir waren aber in bei der Ukraine. Ich könnte jetzt sogar noch ein weiteres Fass aufmachen und den Blog-Tag “Das Ministerium für Wahrheit informiert” bedienen: “Kapitalist” heißt jetzt “Industriebaron”, weil adlig schön und angenehm und guttenbergisch ist und klingt. Und man hat es geschafft, das kommunistische Wort “Kapitalist” zu umgehen. Kai Dieckmann ist ab jetzt ein Boulevard-Baron.

Zeit online klärt übrigens einigermaßen auf, wer warum in der Ukraine für oder gegen was ist. Das Proletariat ist gegen “den Westen”, weil dann die meisten Kohlenbergwerke im Osten des Landes geschlossen würden. Es geht also gar nicht um eine “Revolution” in der Ukraine, sondern um einen Kampf, wer etwas vom zukünftig Kuchen abbekommt. Klitschko ist auch ein Reaktionär und zudem ein Steigbügelhalter des EU-Imperialismus. (Schöner und sehr altertümlich klingender Satz.) Die Systemfrage stellt niemand. Das wäre eine Revolution.

Older entries