Terror, in Israel neu definiert oder so ähnlich

audiatur online

Propaganda, auch für die gute Sache, muss gut und einprägsam sein. Sonst wirkt sie nicht oder das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war, tritt ein. Tarnt sich Propaganda als Journalismus und wird dann enttarnt, ist es um so schlimmer. Das Thema heute: Audiatur online*, ein Portal, das Israel unterstützen will. „Israel verabschiedet nach hitziger Debatte neues Anti-Terror-Gesetz“, heißt es am 17. Juni.

Ein starkes und kontroverses neues Anti-Terror-Gesetz, verfochten von Justizminister Ayelet Shaked, wurde nach einer hitzigen Parlamentsdebatte am Mittwoch durch ein Mehrheitsvotum mit 57 gegen 16 Stimmen in der Knesset verabschiedet.
Wenn die Gedanken nicht klar sind, wird die Sprache wirr – und umgekehrt. Warum ist das Gesetz „stark“? Finger weg von den Adjektiven! lautet einer der Grundsätze guten Stils. Jeder versteht unter einem Eigenschaftswort etwas anderes. Dass ein Gesetz zu diesem Thema „kontrovers“ sein soll und eine Debatte „hitzig“, ist ein sehr weißer Schimmel. Es riecht außerdem nach Suggestion – ich will selbst entscheiden, was ich von dem Gesetz halte. (Die „linken“ Mitglieder der Knesset kommen ganz unten bei Audiatur online vor, und ich glaube nicht, dass die das Gesetz für „stark“ halten.)

Drei Fakten will man uns mitteilen. Ein Gesetz wurde (vom Parlament, der Knesset – vom wem sonst?) verabschiedet. Die Justizministerin hatte es eingebracht. Das Gesetz fand eine Mehrheit (was aber der erste Satz schon sagt – sonst wäre es nicht verabschiedet worden).

Übrigens: Mehr als neun Wörter können viele Rezipienten nicht verstehen, 20 Wörter ist das Maximum – und dann muss der Satz wie aus einem Guss und elegant gebaut sein. Hauptsätze! Hauptsätze! Hauptsätze! Und kurze! Der Anfang ist also schlecht.

Das Gesetz weitet die Definition von Handlungen mit terroristischem Hintergrund aus und soll die Macht der israelischen Sicherheitskräfte und des Rechtssystems im Kampf gegen die Terrorbedrohung verstärken.
Das sind zwei Sätze! Was spricht dagegen, es kurz und knapp zu sagen? Das Gesetz definiert Terror neu. (Wörter mit ung sind schlechtes Deutsch und verboten. Wenn schon, dann „Taten“. „Mit Hintergrund“ ist so elegant wie „Menschen mit Menstruationshintergrund“.) Die „Macht“ der Sicherheitkräfte? Das ist garantiert nicht gemeint. Merke: Den Text hat niemand geschrieben, dessen Muttersprache Deutsch ist, und niemand hat ihn gegengelesen. Geht es um die israelische Armee? Den Mossad? Die Polizei? Oder alle? Ein Artikel, der aufklären will, muss es auch tun. Bei einem Gesetz kommt es genau darauf an, was wem neu erlaubt oder verboten ist. Was unterscheidet den „Kampf gegen die Terrorbedrohung“ vom „Kampf gegen den Terror“? Nichts, nur kann man es besser verstehen, und das ung ist auch weg.

„Nur durch angemessene Bestrafung und Abschreckung kann er bekämpft werden“,
(sagt irgendjemand). Das ist eine These, die nicht wahr sein muss. Im Journalismus gilt: Audiatur et altera pars. Alles anderen ist Propaganda. Die Leser sind doch nicht alle total meschugge. Wenn ich überzeugen will, dann nicht die, die eh schon meiner Meinung sind, sondern die anderen. Und für die muss ich mich anstrengen. Verständlich zu schreiben ist ein Handwerk. Das kann man lernen – es kommt nicht automatisch aus dem Bauch. Terroristen muss man bestrafen (wer hätte das gedacht), und härtere Strafen bedeuten weniger Terroristen? Das bezweifele ich.

Der 51-seitige Gesetzentwurf mit der Bezeichnung “Anti-Terror-Gesetz” führt im Detail bestimmte Straftaten auf, die neuerlich als terroristische Aktivität definiert werden,
Also nee. Muss ich wirklich wissen, dass das Gesetz 51 Seiten umfasst? Und gilt in Israel auch Din A4 oder sowas? Wieviele Anschläge (sic) pro Seite? Das Gesetz (nachdem es verabschiedet wurde, ist es kein Entwurf mehr) heisst “Anti-Terror-Gesetz”? Hätten Sie es gewusst? Ich schlage vor: Das “Anti-Terror-Gesetz” listet (jaja, ziemlich detailliert vermutlich) Straftaten auf, die jetzt als „Terrorismus“ gelten. („Terroristische Aktivität“ ist so etwas wie „schulischer Bereich“ – also Gefasel und Furzdeutsch.)

Das Gesetz gewährt dem Gericht auch die Macht, beschuldigte Terroristen ohne Zeugenaussage zu verurteilen, wenn beispielsweise ein Zeuge in ein Gebiet flüchtet, das von der palästinensischen Führung beherrscht wird.
Darüber wüsste ich gern mehr. Woher weiß ich denn, dass der Zeuge irgendwohin geflüchtet ist? Und Wer ist die „palästinensischen Führung„? Die Hamas oder die PLO? (Das wissen die meisten Leser garantiert nicht.) Ich wüsste auch zu gern, wie das für die „Sicherheitskräfte“ unerreichbare Gebiet, in das Zeugen flüchten könnten, im Original bezeichnet wird. Die Drohne sei mit dir in Gaza!

„Wenn es um Terrorismus geht, dann wird nicht unterschieden, wer an diesem Tisch sitzt und wer an dem anderen. Das ist Ihnen aus der Erfahrung heraus bekannt. Es handelt sich nicht um ein antiarabisches Gesetz oder um ein Gesetz gegen arabische Bürger. Es handelt sich um ein Gesetz zugunsten der Bürger des Staates Israel“, argumentierte Hasson.
Nein, er argumentiert nicht, er behauptet es nur. Argumentieren geht anders. Und welche Überraschung! Das Gesetz ist zugunsten der Bürger des Staates Israel. Echt jetzt?

Als Bestandteil des Gesetzes muss Justizminister Ayelet Shaked einen jährlichen Bericht über die Implementierung des Gesetzes einreichen.
Implementierung: Um das Wort zu verstehen, sind vier Semester Soziologie nötig und ein freiwilliges Zusatzstudium in elaboriertem, also arrogantem Jargon.

Schaut dem Volk auf’s Maul, und faselt nicht herum, liebe Autoren von Audiatur online. So überzeugt Ihr niemanden. (Ich war eh ungefähr Eurer Meinung, ich muss den Artikel also gar nicht lesen. Ich rezipiere Medien nicht, um meine schon vorhandenen Ideen zu verstärken. Die sind allein schon stark genug.) Ihr solltet jemanden einstellen, der gutes Deutsch kann, sonst klingt das so wie bei RT Deutsch.

* Eingetragener Firmenname: Audiatur-Stiftung – ob es eine Stiftung ist, weiß ich nicht, „Stiftung“ ist ein Teil des Namens, Der gemeinnützige Vreein „German Privacy Fund ist auch kein „Fund„.

Wie die Philosophie „weißgewaschen“ wurde

Strasse

Berliner Strassen ohne Autos sehen viel schöner aus und laden zum Philosophieren ein.

Da das hiesige Stammpublikum umfassend gebildet ist und über ein außergewöhnliches historisches, ökonomisches, sozilogisches und philsophisches Wsisen verfügt (wie man an den Kommentaren unschwer erkennen kann), empfehle ich von science.orf.at zur Lektüre:
Vor 200 Jahren wurde am Wiener Kongress der Sklavenhandel abgeschafft. Das lag weniger an der Philosophie der Aufklärung und mehr an politisch-ökonomischem Kalkül. Denn die „großen, weißen Aufklärer“ kümmerten sich wenig um die Versklavung Schwarzer Menschen. Das hat Folgen bis heute: Der Kanon der Philosophie wurde „weißgewaschen“.

Toussaint Louverture allerdings muss man sowieso kennen.

By the way, Österreicher: Im Deutschen schreibe man Adjektive klein. „Schwarz“ ist auch kein Markenname (wenn man einfach alle Regeln aus dem Englisch übernähme). Also muss es heißen: „Versklavung schwarzer Menschen“. Addendum: Im Deutschen hieße es korrekt: „Nicht alle berliner Straßen führen geradeaus, noch nicht einmal die Berliner Straße.

Prüfung Befassung Thematik

Rationalgalerie (via >b’s weblog): „NDR-Rundfunk-Rat: Völlig befasst. Eine unendliche Geschichte aus dem Land Bürokratien“.

Da hat mal jemand versucht herauszufinden, warum die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ von den Mainstream-Medien gern kritiklos als Quelle benutzt wird. In schönstem Bürokraten-Deutsch des Grauens antwortet der NDR-Rundfunkrat auf wiederholte Nachfragen: „Ergebnis der Prüfung war, dass insgesamt nicht festgestellt werden konnte, dass ein Verstoß gegen die Programmanforderungen des NDR gegeben ist. Da die Thematik daher bereits unter allen Gesichtspunkten geprüft ist, war eine erneute Befassung nicht geboten.“

Wikipedia: „Die SOHR wird von Rami Abdulrahman (auch „Rami Abdul Rahman“ oder „Rami Abdelrahman“ geschrieben), einem syrischstämmigen sunnitischen Muslim, der ein Bekleidungsgeschäft betreibt, von seinem Reihenhaus in Coventry in England aus betrieben.“ Die Russen zweifelten übrigens schon immer. Die müssen es ja wissen.

Man könnte sich die Mühe machen, das Schreiben des NDR-Rundfunkrates ins Deutsche zu übersetzen.

Wir haben ihre Beschwerde geprüft. Wir konnten nicht feststellen, dass wir gegen das, was das Programm des NDR fordert, verstoßen haben. Das Thema wurde schon mehrfach diskutiert. Daher werden wir uns nicht noch einmal damit befassen.

Verschieben sie dieses Feld in nur zwei Schritten!

diskursives Feld

„In einem ersten Schritt muss es gelingen, das diskursive Feld zu verschieben.“ (Katja Kipping, Vorsitzende der Linkspartei, in der aktuellen konkret)

Da weiß man, weiß man hat und warum die Linke nicht vorankommt. Wer so redet, ist meilenweit entfernt von der Arbeiterklasse und schert sich auch einen Dreck darum, was die redet und wie die denkt. Das ist geschwurbelter Soziologen-Jargon, der kaschiert, dass nur heiße Luft verbreitet wird. „Ihr müsst dem Volk aufs Maul schauen“, sagte Martin Luther.

Kein Geschäftsmodell, nirgends

Franz Sommerfeld fasst auf meedia.de noch einmal zusammen, was zusammengefasst gehört: „Es ist die Frage, die nach wie vor alle in der Tageszeitungsbranche umtreibt: Wie umgehen mit der Digitalisierung? In einem Gastbeitrag beschreibt Franz Sommerfeld, der frühere Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und ehemalige Vorstand bei DuMont, die existenziellen Probleme der Gattung Tageszeitung mit dem Digitalen. Und zeigt auf, was die News-Branche von der Industrie lernen kann.“

In gutem Deutsch lautete das:
Wie geht man mit der Digitalisierung um? Das fragt sich die Tageszeitungsbranche. Franz Sommerfeld hat Antworten. Er war Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und Vorstand bei Dumont und kennt die Probleme der Tageszeitungen mit dem Digitalen. Er erklärt in einem Gastbeitrag, was die News-Branche von der Industrie lernen kann.

Hommage an Sodom und Gomorrah

Lesenswert in der taz: „Kotti, mon amour“.

„When yo u ’re alone and life is making you lonely. You can always go – downtown“ – so besang Petula Clark den Reiz des Urbanen, 1964 war das, und der Song kann auch als eine Antiode an die Ödniss der Vorstädte verstanden werden. Etwa zur gleichen Zeit entstand nun in Berlin eine Städtelandschaft, die man auch als eine Hommage an Sodom und Gomorrah interpretieren kann: die Gegend um das Kottbusser Tor im Stadtteil Kreuzberg.

Diskurs (!) der neuen und gebildeten Mittelschichten („Hommage“, „Antiode“): Der Autor setzt voraus, dass die Leser Englisch und Französisch („mon amour“) können, dass popkulturelles Wissen existiert (Wer zum Teufel ist Petula Clark?) und mischt das mit dem gefühlten Jargon der Unterschichten: „Die kleinen Ärsche werden zuerst gefickt“. Als rhetorisches Stillmittel ist das alles gut und erlaubt. In Boulevard-Medien wäre das verboten, weil ein großer Teil der Leserschaft ausgeschlossen würde. Für die sozial homogene Leserschaft der taz passt es. („Loblied auf Sodom und Gomorrah“ gefällt mir besser als Titel – und das versteht auch jeder.)

„Wer nicht eine Million Leser erwartet, sollte keine Zeile schreiben.“ (Goethe) Der Artikel der taz kommt in meine Sammlung pädagogisch wertvoller Beispiele zum Thema „Deutsche Sprache und Stil“; die Studenten werden es mir hoffentlich danken.

Gendersprech jetzt auch bei Möbeln!

gendersprech

Katka Kipping und die erbärmlichen deutschen Universitäten

Katja Kipping auf Facebook:
Die Bundesregierung hat gestern eine weitere Verschärfung des Rechts auf Asyl angekündigt. Ich bin sehr froh, dass sowohl der geschäftsführende Parteivorstand als auch die Fraktion der LINKEN im Bundestag in Beschlüssen deutlich gemacht haben, dass das Asylrecht ein Menschenrecht ist, dass keine Obergrenzen kennt. Die sexuellen Übergriffe und Eigentumsdelikte in Köln müssen konsequent verfolgt werden. Das Asylrecht ist und bleibt ein Menschenrecht, kein Gast- oder Gnadenrecht. Dieses Menschenrecht darf nicht als Sanktionsrecht missbraucht werden. Eine weitere Verschärfung des Asylrechts wird es mit der LINKEN nicht geben.

Ich frage mich, warum die immer so gestelzt einherkommen. So redet doch niemand? Es lehrt sie niemand, gutes Deutsch zu schreiben und zu reden und den Lautsprechermodus auszuschalten. Bevor die mitlesenden Linken wieder jammern, hier ein Zitat von Wilhelm Liebknecht, das meine Absichts auf’s Trefflichste bestätigt:
Marx legte außerordentlichen Wert auf reinen, korrekten Ausdruck. (…) Mit Bezug auf Reinheit und Korrektheit der Sprache war er von peinlichster Gewissenhaftigkeit. Ich erinnerte mich noch, daß der mich einmal in meiner ersten Londoner Zeit mit einer Standrede bedachte, weil ich in einem Schriftstück gesagt hatte: „die stattgehabte Versammlung“. Ich wollte mich mit mit dem Sprachgebrauch entschuldigen, aber da brach Marx los: „Die erbärmlichen deutschen Gymnasien, aufr denen man kein Deutsch lernt, die erbärmlichen deutschen Universitäten“ – und so weiter. (…) Marx war ein strenger Purist – er suchte oft mühsam nach dem richtigen Ausdruck. (…) Er war Purist bis zur Pedanterie. (aus: Hans-Magnus Enzensberger (Hg.) Gespräche mit Marx und Engels, 1. Band))

Die obigen Sätze Kippings könnte man, wenn man sich Mühe gäbe, so verbessern, dass man sie mit Vergnügen läse – und nicht mit Mühe.
Die Bundesregierung hat gestern angekündigt, das Asylrecht zu verschärfen. Ja, ich weiß, die „ungs“ sind bei der „Linken“ eingebaut, sie können nicht anders als Nominalstil. Und belehrungsresistent sind die alle. Reaktion auf Kritik ist immer sofort der Beleidigte-Leberwurst-Modus.

Ich bin sehr froh – das wollen wir gar nicht wissen. Ich hin glücklich, bloggen zu dürfen, dass ich froh bin, den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern mitteilen zu können, dass Gefühle in der Politik irrelevant sind und somit auch die Unsitte, das Publikum damit zu belästigen.

Dass sowohl der geschäftsführende Parteivorstand als auch die Fraktion der LINKEN im Bundestag – warum müssen die gleichfalls völlig irrelevanten sperrigen Titel, die sowieso niemand kapiert, immer erwähnt werden? Erster Generalsekretär der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Vorsitzender der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrats der DDR. Ist es das, was immer noch mitschwingt? Und was ist ein „geschäftsführender Parteivorstand“ in Gegensatz zu einem Vorstand, der die Geschäfte nicht führt, was dieser und jener verhüten möge? Übrigens gibt es im Deutschen auch keine Wörter, die aus Majuskeln zusammengesetzt sind. Es heist also „Linke“ und nicht „LINKE“.

Sie haben also etwas deutlich gemacht? Was ist denn das für ein Geschwurbel? Sie verdeutlichten, dass Asyl ein Menschenrecht sei (!)? Nein, das taten sie nicht? Sie sagten es nur?

Die Partei und die „Linke“ im Bundestag (ist doch klar und deutlich, oder?) betonten (oder haben beschlossen, was aber unsinnig ist, da das schon vorher ihre Position war): Asyl ist ein Menschenrecht, das keine Obergrenzen kennt. Oder, in besserem Deutsch: Asyl sei ein Menschenrecht, das keine Obergrenzen kenne.

Die „Linke“ wehrt sich dagegen, das Asylrecht noch weiter zu verschärfen. (Wieder ein „ung“ weniger.)

Die Bundesregierung hat gestern angekündigt, das Asylrecht zu verschärfen. Die Partei und die „Linke“ im Bundestag betonten gestern noch einmal: Asyl ist ein Menschenrecht, das keine Obergrenzen kennt. Das Asylrecht ist und bleibt ein Menschenrecht, kein Gast- oder Gnadenrecht. Dieses Menschenrecht darf nicht als Sanktionsrecht missbraucht werden. Die „Linke“ wehrt sich dagegen, das Asylrecht noch weiter zu verschärfen.

Postscriptum: Das Volk versteht nicht, was „darf nicht als Sanktionsrecht missbraucht werden“ heißen soll. Ich bin jetzt nur zu faul, darüber nachzudenken.

Nieder mit dem Sapirismus-Whorfismus!

Liebe Heinrich-Böll-Stiftung: Genderismus ist mitnichten fortschrittlich, sondern eine reaktionäre Sprach-Esoterik von kleinbourgeoisen Mittelschichts-Tanten, die dem Sapirismus-Whorfismus huldigen, der wissenschaftlich fragwürdig, wenn nicht ohnehin schon widerlegt ist.

Zum Mitschreiben: Ich rede und schreibe kein Gendersprech. Ich glaube auch nicht an Astrologie und Homöopathie und bin auch sonstwie keineswegs religiös.

Das muss ich leider immer wieder sagen

Katja Kipping schreibt:
Man muss es angesichts dieser erschreckenden Schilderung der brutalen Lage am Berliner ‪#‎Lageso‬ leider immer wieder sagen: die vermeintliche Flüchtlingskrise ist das Ergebnis eines inszenierten Notstandes. Eines Notstandes, der dazu dienen soll, Geflüchtete Menschen abzuschrecken und eine logistische Überforderung dort zu suggerieren, wo tatsächlich ein Problem der Verteilungsgerechtigkeit vorliegt. Die Rede von der „Flüchtlingskrise“ soll davon ablenken, dass es selbst in diesem reichen Land längst eine Krise der sozialen Gerechtigkeit und eine finanzielle Austrocknung der öffentlichen Infrastruktur gibt. Aber nicht weil, wie Rechtspopulisten aller Couleur nun zu suggerieren versuchen, zu wenig Geld oder Wohnraum da wäre, sondern weil der Reichtum ungerecht verteilt ist. Um es daher ganz klar zu sagen: Wenn Menschen am Lageso erfrieren, trägt der Berliner Senat die Verantwortung.

Das kann man in gutes, also verständliches Deutsch übersetzen.

Was muss man „leider“ sagen? Und wieso „leider“? Wäre doch nett, wenn man das am Beginn erführe und nicht erst damit belästigt würde, was später zu sagen wäre, um es dann erst zu lesen. Die Krise ist ein Ergebnis eines Notstands? Wer sich „links“ gibt, muss doch Ross und Reiter nennen wollen und können. Wer inszeniert und verantwortet was? Aha: Das erfahren wir erst im Schlusssatz.

Das schwulstige Gefasel ist überflüssig. Fünf mal UNG, zwei mal KEIT. Das muss ohnehin weg. „Eine logische Überforderung suggerieren“ versteht auch keiner, zumal wieder das handelnde Subjekt fehlt. Wer ist überfordert – und womit? „Ein Problem der Verteilungsgerechtigkeit“ – was muss man rauchen, um so herumzuschwurbeln? Zwei mal suggerieren – auch das ist unnötig.

Der Reichtum ist nur ungereicht verteilt? Aber nein! Die Linke muss seit Karl Marx die Systemfrage stellen und nicht nur anders verteilen. Das ist sozialdemokratisch gedacht, also nicht links.

Hier mein Vorschlag:
Wenn Menschen am LAGeSo erfrieren, verantwortet das der Senat. Die angebliche Flüchtlingskrise ist in Wahrheit ein inszenierter Notstand. Die katastrophale Situation ist so gewollt und soll Flüchtlinge abschrecken. Deutschland ist nicht logistisch überfordert, es ist genug Geld da: Der Reichtum und die Ressourcen sind nur falsch verteilt. Das Gerede von einer Flüchtlingskrise soll davon ablenken, dass kein Geld mehr da ist für die Infrastruktur und dass es im Kapitalismus keine soziale Gerechtigkeit gibt.

Habe ich etwas vergessen? Kein mal UNG, ein mal KEIT.

Forderung der Durchsetzung der Erhöhung der Unterstützung

Die Morgenpost schreibt: „Viele Arbeitslose können sich kein Essen mehr leisten“.

Was forderte die Partei „Die Linke“? Ratet mal! Arbeitslose brauchten mehr Geld? Arme müssten mehr unterstützt werden? Der Hartz-IV-Regelsatz müsse erhöht werden? Nein, sie fordern „eine Erhöhung der Unterstützung“.

Ich glaube, ich muss mal Ethnologen fragen, warum das so ist.

Beweglicher Schwerpunkt

Heike Hänsel: „Als neugewählte stellvertretende Fraktionsvorsitzende werde ich meinen Schwerpunkt auf die sozialen Bewegungen richten.“

„Meinen Schwerpunkt auf die sozialen Bewegungen richten“ – wie darf ich mir das physikalisch vorstellen?

Gutes Deutsch ist sexy

Warum Rechtschreibung verdammt sexy ist: „Wer sich darauf einlässt, wird sie irgendwann alle dressieren können: den Schrägstrich, der sich träumerisch auflehnt gegen das Chaos dieser Welt. Die Kommata, die durch Sätze fliegen wie schwirrende Ordnungshüter. Aufgewühlte Ausrufe- und ratlose Fragezeichen. Bindestriche, die beziehungsscheuen Satzgliedern ein bisschen Raum geben, anhängliche Klammern und kompromissbereite Semikola; den immer ein bisschen versnobten Apostrophen und all die Lücken und Leerzeichen.“

alt.sexy.sprache.FAQ

kipping

„Good spelling, punctuation, and formatting are essentially the on-line equivalent of bathing.“ (Elf Sternberg, via Fefe)

Man kann es gar nicht schlimmer machen. Sie meint es gut, aber es geht total in die Hose sie macht es falsch. (Ich glaube nicht, dass die Kipping das selbst schreibt, also schlage ich auf die lohnabhängigen Schreiber der linken Parteivorsitzenden ein).

„Wird konfrontiert“ – erstens beginnt man ein politische Statement oder eine gute Rede mit einem Paukenschlag und nicht mit einem Passiv (außer es geht in der Tag um etwas Erlittenes). Zweitens sollten Linke immer Ross und Reiter nennen, also known as für: Die, die etwas verantworten oder tun. Europa leidet aber nicht, und schon gar nicht durch eine Frage. Fragen tun nichts, noch nicht einmal fragen.

Der zweite Satz hat vierzehn Wörter, ist also für die Mehrzahl der Leser kaum noch verständlich. Und warum dieser unnötige Relativsatz, der es noch komplizierter macht, das Gelesene aus dem Kopf zu wiederholen? Ja, politische Thesen sind dazu da, die Masse zu erreichen! Wenn man das nicht will, sollte man besser schweigen.

Jetzt zu uns, Begrenztheit der kapitalistischen Ordnung! Hast Du denn noch alle Tassen im Schrank, Genossin Katja? Ich empfehle erstens, den Kapitalismus nicht „Ordnung“ zu nennen, weil die Unordnung sein bekanntestes Feature ist. „Kapitalismus“ and period, wie der Engländer sagt. Außerdem entfiele das in ostlinken Textbausteinen unvermeidliche „ung“, was gut und angenehm wäre.

Zweitens: die Begrenztheit. Was fällt mir da ein? Heidegger, Blumenberg, Hegel, also irgendetwas Geschwurbeltes: Die Begrenztheit des menschlichen Strebens und wo das alles im ontologischen Sinn eschatologisch enden könnte. Dem Volk hingegen, dem man aufs Maul schauen sollte, fällt gar nichts dazu ein oder: Det vasteh ick nich. Hat der Kapitalismus eine Grenze, und wenn ja, wo? War das die Frage? Der Fall der Profitrate endlich am Limit?

Wer führt uns was vor Augen? Wenn etwas vor den Augen herumgeführt wird, denke ich entweder an einen Viehmarkt und brüllende Rinder in Holland oder an eine Domina mit ihrem Sexsklaven an der Kette. Wie kann man nur so verkasematuckelt herumfaseln? Etwa, weil man nicht oder wenig zu sagen oder mit dem Denken noch nicht zu einem Ende gekommen ist, was das Schreiben und Reden erst erlaubte?

Die Kriegsflüchtlinge aus Syrien beweisen, dass der Kapitalimus nicht mehr weiter weiß oder gar, was lebhaft zu begrüßen wäre, am Ende ist? War das gemeint? Nein? Was denn?

Wenn ich nach sechs Zeilen eine politische Botschaft nicht verstanden habe, lese ich sowieso nicht weiter. Schlechtes Deutsch ist entweder Arroganz oder Schlamperei, meistens aber beides.

Spartanerdeutsch oder: Unsozialer griechischer Sozialstaat

Ich wollte etwas zu Griechenland schreiben, aber Oskar Lafontaine hat das eigentlich schon ausgesprochen: „Die Wahlbeteiligung war erschreckend niedrig. Fast jeder zweite Grieche blieb zuhause, es ging nur darum, welche Partei und Regierung das Troika-Diktat umsetzen wird. Die Wahl hat gezeigt: Obwohl Tsipras vor Merkel, Schäuble und Co auf die Knie ging, vertrauen ihm die Menschen immer noch mehr, als den korrupten Vertreter der Altparteien. Die Griechen geben die Hoffnung nicht auf, dass sich doch noch eine Möglichkeit eröffnet, die Zerstörung der Demokratie und des Sozialstaates aufzuhalten.“ (73 Wörter)

Man kann das besser und prägnanter sagen. Mir gefällt die Logik nicht. Lafontaine sagt etwas darüber, dass viele Griechen nicht wählen gingen – das sagt er gleich doppelt: Wenn jeder zweite (das klingt natürlich besser als „fünfzig Prozent“) nicht zur Wahl ging, weiß man, wenn man eine Millisekunde nachdenkt, dass die Wahlbeteiligung niedrig war. In einer Rede sollte man immer alles Wichtige wiederholen, nicht aber beim Schreiben.

Nur jeder zweite Grieche wählte. (Punkt!) Und „wählen“ ist dasselbe wie „wählen gehen“, nur aufgeblähter. Es ging nur darum, welche Partei und Regierung das Troika-Diktat umsetzen wird.

„Die Wahl hat gezeigt“ ist überflüssig. (Nicht aber, wenn es eine Rede vor Publikum wäre.)

Die Menschen vertrauen Tsipras mehr als den korrupten Vertretern der Altparteien, obwohl er vor Merkel, Schäuble und Co auf die Knie ging,

Oskar, man sollte keinen Satz mit „obwohl“ anfangen (Konzessivsatz), wenn die eigentlich wichtige Aussage erst danach kommt. „Sie vertrauen, obwohl“ – so ist es logisch und richtig. (Wer ist übrigens „und Co“? Man sollte es sagen und das Publikum nicht raten lassen – oder das Maul halten.)

„Eine Möglichkeit eröffnen“ ist Furz- und Blähdeutsch. Eine Möglichkeit öffnet sich nicht wie eine Fleisch fressende Pflanze, sie tut gar nichts. „Hoffen“ (aktiv) ist besser als „die Hoffnung nicht aufgeben“ (ung ung ung).

Die Griechen höffen immer noch, dass die Zerstörung der Demokratie und des Sozialstaates aufzuhalten ist. Krieg man das Ung noch weg? Wer zerstört was? Was hoffen die Griechen? Dass die Demokratie und der Sozialstaat erhalten bleiben möge? Welcher Sozialstaat? Wenn man Floskeln zerschlägt, zerplatzt oft der Ballon und es bleibt nichts übrig als heiße Luft.

Die Griechen höffen immer noch, dass die Demokratie und der Sozialstaat erhalten werden können.

Aha, Oskar stellt die Systemfrage auch nicht und suggeriert, im Kapitalismus gäbe es einen Sozialstaat, was auch immer das sein möge. Ich sag ja nur.

Nur jeder zweite Grieche wählte. Es ging nur darum, welche Partei und Regierung das Troika-Diktat umsetzen wird. Die Menschen vertrauen Tsipras mehr als den korrupten Vertretern der Altparteien, obwohl er vor Merkel und, Schäuble auf die Knie ging. Die Griechen hoffen immer noch, dass die Demokratie und der Sozialstaates erhalten werden können.

52 Wörter – habe ich weniger gesagt als Oskar?

CIA-Agenturen und brandneue Aktivitäten in den asozialen Netzwerken

RT Deutsch berichtet über die Folter der CIA. Ich habe das holperige Deutsch des Grauens übersetzt (gratis und auf Fratzenbuch).

In den USA sind die Foltermethoden der CIA seit Jahren heftig umstritten.
[Besser als das umständliche „Gegenstand heftiger Debatten“ – der Genitiv mit „von“ ist übrigens schlechtes Deutsch. | Es fehlt: Der US-Senat hat mehrheitlich dafür gestimmt, Folter zu verbieten.]

Sie werden offiziell „erweiterte Befragungsmethoden“ genannt. Die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama haben eingestanden, dass die CIA immer noch viel und oft foltert.
[„Aktivität“ schon immer die Summe mehrerer Taten oder Aktionen, deswegen gibt in gutem Deutsch für „Aktivität“ keinen Plural. Das gilt auch für „Praxis“.]

Der Geheimdienst verteidigt seine menschenverachtende Praxis. Ehemalige CIA-Chefs rechtfertigen in einem neuen Buch die Folter – trotz scharfer Kritik von Menschenrechtsorganisationen.
[[Laut Video sind es mehrere Ex-CIA-Chefs. | Die Satzstellung ist so logischer.| Im Deutschen übersetzt man „Agency“ nicht mit „Agentur“, wenn es sich um einen Geheimdienst handelt. | „Brandneu“ ist ein Anglizismus aus „brandnew“. Ein Komparativ von „neu“ ist immer albern – außer im Namen eines Münchener Torwarts.]

Sie publizierten das Buch als Antwort auf den CIA-Folterbericht aus dem letzten Jahr, den der Geheimdienstausschuss des US-Senats veröffentlicht hatte.
[Man sollte im Teaser erklären, von wem der Folterbericht stammt.]

Vgl. Committee Study of the Central Intelligence Agency’s Detention and Interrogation Program

Und nun zu uns, Moralgemeinde!

Bundesrichter Thomas Fischer schreibt auf Zeit online über die Moralgemeinde, die sich darüber mokiert, dass Amnesty International fordert, Prostitution zu legalisieren. (Ja, man kann auch auf Ungs verzichten – ist natürlich für Juristen fast unmöglich. „Erlaubtheit von Prostitution“ geht aber gar nicht.)

Ein Kessel Buntes

panama

Foto: Panama 1982

Man kann dem so genannten „Sozialismus“ der DDR vieles vorwerfen, aber wer zweifelt, dass das heutige Beitrittsgebiet genauso oder noch viel mehr typisch deutsch gewesen sei, alle Versuche, die breite Masse des Volks von Befehlsempfängern, Untertanen, Hobby-Blockwarten und grauslichen Spießern zu aufrecht gehenden und mündigen Citoyen zu machen, demgemäßg zwangsläufig scheitern mussten, dem muss man nur die Zeichenkette „Ein Kessel Buntes“ zum feuilletonistischen Fraße vorwerden und abwarten, ob dieser Zweifler dann das Würgen begönne, was gemeinhin ein eindeutiger Hinweis darauf ist, die Sinne noch einigermaßen beisammen zu haben. Das erklärt auch den Titel dieses Postings. Mir fiel keiner ein, und „miscellaneous“ wollte ich nicht schon wieder schreiben.

Ungefähr ein Mal im Jahr ändert ein journalistischer Artikel meine Meinung zu diesem und jenen – oder meinen Blickwinkel auf ein Thema. Heute geschehen mit Deniz Yücels Kommentar in der „Welt“: „Es geht nicht um Kurden, sondern um den Islam“. Lesenswert.

Der tschechische Präsident Milosh Zeman sagt ganz richtig: Die Flüchtlingswellen nach Europa seien das Ergebnis der westlicher Militärinterventionen im Irak, Libyen und Syrien, die dazu beigetragen hätten, dass sich Terrororganisation im Nahen Osten ausbreiten haben ausbreiten können (Grammatik und Satzbau auf burks.de sind korrekter als bei RT Deutsch; es ist aber – zugegeben! – im Deutschen nicht ganz einfach, den Konjunktiv der indirekten Rede zu unterscheiden vom Konjunktiv irrealis, geschweige denn, dessen Formen zu kennen und korrekt zu verwenden).

By the way: Meine Verschwörungstheorien zum Fall netzpolitik.org bestätigen sich schon wieder. Alle wussten vorher Bescheid, also auch der Justizminister. „Das Justizministerium will von dem Verfahren eindringlich abgeraten haben.“ Pofalla-Syndrom, ich sag’s ja.

Unsere bekannteste Expertin für die Brechung des Zinsknechtschaft das raffende Kapital, welches sie angreift, weil sie das eigentliche Kapital nicht attackieren möchte, verkasematuckelt die deutsche Sprache: „Die Bundesregierung führt ihre Aktivitäten zur Beschaffung von Kampfdrohnen trotz deutlich ablehnender Meinung in der Bevölkerung fort.“

Aktivitäten fortführen“ – das stärkste Verb, seit Schiller die „Glocke“ schrieb. (Ja, verdammt noch mal, die „Glocke“ gdehört immer noch zum Bildungskanon, allein wegen der dortigen Tuwörter und wie man sie verwenden sollte.)

Es wäre so einfach: Äten und Ungs und Keits verbieten. Was bliebe übrig? Die Bundesregierung beschafft weiterhin Kampfdrohnen, (wer tat was und tut es immer noch?) obwohl die Bevölkerung das mehrheitlich ablehnt. Da wäre ein verständlicher deutscher Satz ohne Geschwurbel. Damit kriegte man aber eine Pressemeldung nicht voll.

Das Neue Deutschland schreibt über den aktuellen Stand des Klassenkampfs in Griechenland. Man sollte dort zur Zeit nicht mit der Bahn fahren, sondern stattdessen immer ein Ersatzfahrrad mitführen – oder ein Ersatz-Schiff, falls die Griechen mal dort streikten, wo es wirklich weh täte.

Und nun zum Feuilleton: National Geographic zeigt wieder mal „most popular“ Reisefotos. Da kann ich aber mithalten (vgl. oben). Alternative dortselbst: Katzenfotos oder Gürteltiere, die zurückschießen.

„Kassieren und blamieren“ – Der Freitag berichtet, dass das Bundesarchiv „historisches Filmmaterial laufend und in großem Stil“ vernichte.

Ich muss heute arbeiten. Der Guardian kommentiert das.

Mach’s besser, Katja, reloaded

Katja Kipping (Vorsicht, Facebook!): „Die deutsche Regierung trägt die Hauptverantwortung für die Erpressung der griechischen Regierung in den letzten Wochen. Finanzminister Schäuble tritt hier als besonderer Hardliner ins Rampenlicht. Er war es auch, der den Treuhandfonds für Griechenland durchgesetzt hat und wird damit zum Wiederholungstäter. Hat die Erfahrung mit der Treuhand in Ostdeutschland nicht schon auf schlimmste Weise gezeigt, dass das kein Weg sein kann?“

Sechs Mal ung, 59 Wörter

Mein Vorschlag:
Griechenland wurde in den letzen Wochen erpresst. Dafür ist vor allem die deutsche Regierung verantwortlich. Insbesondere Finanzminister Schäuble hat sich als Hardliner hervorgetan. Er setzte auch den Treuhandfonds für Griechenland durch. Er wird damit zum Wiederholungstäter: Die Treuhand in Ostdeutschland hat bewiesen, dass das kein gangbarer Weg ist.

Drei ungs, 48 Wörter

Robin Hood und die Austerity

class struggle

Democracy Now: Noam Chomsky erklärt, dass „Austerity“ nur ein anderes Wort für Klassenkampf sei.
What’s going on with the austerity is really class war. As an economic program, austerity, under recession, makes no sense. It just makes the situation worse.

Ich hatte mich hier schon über die dämliche (weil völlig unverständliche) Parole „Gegen Austerität und gegen Abschottung“ echauffiert. „Austerity“ heißt im Englischen „Strenge“, „austerity measures“ sind „Sparmaßnahmen“. „In economics, austerity is a set of policies with the aim of reducing government budget deficits.“

Das genau ist aber strittig. „Sparen“ heißt im Kapitalismus-affinen Neusprech, also im Jargon der so genannten „Volkswirtschaftler“: Den Armen nehmen und den Reichen geben. Sollte etwa Robin Hood auch eine „Austeritätspolitik“ verfochten haben? Er „sparte“ auch – nur gab er den Armen, was er den Reichen genommem hatte. Unter dem Strich ist in beiden Fällen nicht mehr da, das, woran gespart wird, ist nur anders verteilt.

Wer also das Geld der Steuerzahler den Banken hinterherwirft (wie im Falle Griechenlands) und das als „sparen“ bezeichnet, ist ein Trottel – oder ein Lautsprecher des Kapitals.

Das pseudo-deutsche „Austeriät“ ist also eine falsche und gedankenlose Rückübersetzung, wie zum Beispiel auch „Administrator“ für „Regierung“ („administration“ im Englischen heisst mitnichten „Verwaltung“) oder „Netzwerk“ („network“ im Englischen ist schlicht das deutsche „Netz“ – und umgekehrt. Wir warten auf: „Die Spinne lauert in ihrem Netzwerk auf Opfer“).

Gegen die „Sparpolitik“ zu wettern verkennt, dass es nicht um „Sparen“ geht. „Sparen“ ist positiv besetzt – im Gegenteil zu „das Geld sinnlos verprassen“. Die Propaganda-Agenturen der herrschenden Klasse hatten vollen Erfolg: Sogar die Opposition übernahm ihre Sprachregelung. Alle sagen „sparen“, obwohl es in Wahrheit darum geht, den tendenziellen Fall der Profitrate und die Nebenwirkungen der „normalen“ Überproduktionskrise dadurch zu kompensieren, indem die Verluste der Konzerne vergesellschaftet und die Profite noch mehr privatisiert werden – durch weniger Steuern für die ohnehin schon Reichen. Das nennt man in Neusprech Marktkonformität. Auch der Putsch gegen Allende in Chile war marktkonform, oder die Unterstützung der ukrainischen Faschisten durch „den Westen“.

Deutsche Medien könnten die obigen Sätze Chomskys nicht wortgetreu wiedergeben. Nein, das ist verboten (frewillige politische Selbstkontrolle). Der Begriff „Klassenkampf“ darf nicht erwähnt werden , auch wenn „class struggle“ nichts anderes heißt. Ich finde es amüsant zu beobachten, wie diese politische „Gleichschaltung“ über die Sprache sich auch hinter dem Rücken der Handelnden durchsetzt.

Chomsky sagt, die so genannte „Sparpolitik“ sei nichts anderes als ein Synonym für den Klassenkampf von oben.

Older entries