Trolle und deren Tun

troll

Der Kiezneurotiker scheibt über Stalking, Trolle und andere kranken Online-Seelen.

Wikipedia: Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche die Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen. In darauf bezogenen Bildern wird oft auf den aus der Mythologie bekannten Troll verwiesen. Ein gelegentlich gebrauchtes Synonym ist Twit (engl: Dummkopf). Die zugehörige Tätigkeit wird “trollen” genannt.

Deutsch des Grauens: “Die zugehörige Tätigkeit”. Deutsch: Das (ihnen eigene) Tun.

Verunfallt, aber nicht vertodt

Tagesspiegel: “Der Flughafensprecher und Aufsichtsratskreise hatten kurz nach dem Unfall erste Augenzeugeneindrücke, dass Mehdorn verunfallt war, bestätigt.”

Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, wie dieses Deutsch des Grauens entstanden ist. Es war einmal das Substantiv “Unfall”. Wie könnte man daraus ein Verb zaubern? “Einen Unfall haben” ist schlechtes Deutsch, weil man das Tun durch das Hilfsverb “haben” beschreibt. Geht also gar nicht.

Wenn man zum Beispiel “Tod” nähme, hieße es im Deutsch des Grauens “vertodt”. Von “Tod” gibt es auch kein Verb, sondern nur das selbständige “sterben”. (Kennt noch jemand das korrekte “wenn du stürbest”?)

Wenn ich Chef vom Dienst bei einer Zeitung wäre, die sich selbst erst nähme, würde ich einen Redakteur, der “verunfallt” schriebe, öffentlich auspeitschen lassen und ihm anschließend nahelegen, Pressesprecher aka Sprachblasenfacharbeiter bei der Partei “Die Linke” zu werden.

Schweige und arbeite, Katja Kipping!

Lesen wir gemeinsam Katja Kipping (Die Linke): EinschätzUNG. FinanzmarktstabilisierUNGsfonds. BuchUNGstrick. HerausforderUNG. BeteiligUNG. LösUNG. HaftUNGsfonds. GegenüberstellUNG. ÜberschwemmUNG. KlimaerwärmUNG. BrandstiftUNG. IndustriesubventionierUNG. FörderUNG. RichtUNG. EntwicklUNG. ArbeitsverweigerUNG. MitwirkUNGspflichten. RegelUNGen. VollsanktionierUNG. PendelbeziehUNG. Sachgrundlose (!) BefristUNGen. AbschaffUNG. SpaltUNG. Sozialen VerwerfUNGen. HaftUNG. KürzUNGsdiktat. HilfeleistUNG. ZusammenfassUNG.

Martin Luther, Marx und Bertolt Brecht hätten geantwortet: Schau dem Volks auf’s Maul und benutze verdammt noch mal Tuwörter und nicht dieses furzige Bläh- und Bürokratendeutsch!

“Aus meiner sozialistischen Jugendzeit habe ich viele Ideen und Ideale ins Alter gerettet. Insbesondere: Jeder Intellektuelle hat eine ganz besondere Verantwortung. Er hatte das Privileg und die Gelegenheit, zu studieren; dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder “der Gesellschaft”), die Ergebnisse seiner Studien in der einfachsten und klarsten und verständlichsten Form darzustellen. Das Schlimmste – die Sünde gegen den heiligen Geist – ist, wenn die Intellektuellen versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken. Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.” (Karl Popper: Auf der Suche nach einer besseren Welt, München 1984)

Sprachferne Journalisten

Spiegel online: “Andererseits wählen bildungsferne Jugendliche oft den direkten Weg in das sogenannte Übergangssystem”.

Ich hatte nicht geglaubt, dass dieses schreckliche Wort “bildungsfern” tatsächlich von Leuten benutzt wird, die vorgeben, mit der deutschen Sprache umgehen zu können. Von der Bundeszentrale für politische Bildung [sic!] erwarte ich ohnehin nur Deutsch des Grauens: “Politische Bildung für bildungsferne Milieus”.

O mein höheres Wesen, das klingt schon fast wie eine “Pressemeldung” aka Sprechblasenfacharbeiter*I_nnen-Textbaustein der Partei “Die Linke”… Ungebildete Jugendliche wählen oder tun was? Das weiß man immer noch nicht, wenn man diese verkasematuckelten Sätze mühsam gelesen hat.

Wer bildet wie die Dummen? würden Luther, Goethe, Freud und Marx fragen. Aber da wäre ja verständliches Deutsch.

Dunkle Materie entdeckt oder: Allah ist wie Jahwe

Wenn ich mich morgens durch die Nachrichten wühle, die zu lesen ich für wert erachte, finde ich meistens zahllose Gründe, mich zu ärgern: Ich werde nicht wirklich informiert, obwohl das Gegenteil behauptet wird, es handelt sich nicht um Journalismus, sondern um Propaganda, um Lautsprecher des Kapitals oder um getarnte Pressemeitteilungen, die darauf verzichten, auch unabhängige Quellen zu befragen, Deutsch des Grauens ist an der Tagesordnung.

Was mich interessiert, sind meistens Reportagen, mit denen ich mich ausführlich beschäftigen möchte, wozu mir aber die Zeit fehlt, oder verstörende Geschichten (Javascript erforderlich), die mich aber ratlos zurücklassen.

Fefe prägte heute den wunderbaren Begriff von der “Echokammer der Gleichgesinnten”, was auf große Teile der deutschen Medien ebenso zutrifft wie auf das Sekten-Milieu der Veganer, Esoteriker oder Binnen-I-Talibanesinnen.

Wenn ich mich wirklich erholen will, gehe ich zu den Wissenschaftlern. Die wissen wenigstens, wovon sie reden, und deren Aprilscherze (Javascript erforderlich) sind intellektuell anspruchsvoll und auch komisch.

Fazit: Ich brauche keine Zeitung mehr. Die konkret sollte ich endlich mal abonnieren, weil ich sie eh immer kaufe. Aber ohne Gremliza (geb. 1940) wäre die konkret vermutlich schnell tot und unlesbar. Ein ebenbürtiger Nachfolger ist nicht in Sicht. “Ich bestehe auf dem Recht, ja der Pflicht des Aufklärers, Allah so wenig zu achten und nach Kräften zu verspotten, wie irgendwelche anderen Götter, von Jesus C. bis L. Ron Hubbard. Die Religionsfreiheit, die ich meine, ist die Freiheit von Religion. Damit das klar ist.” Wer sagt so etwas sonst noch?

Die Jungle World könnte ich online lesen, vergesse es aber immer, und außerdem nervt mich bei derJungle World, dass sie sich dem E-Mai-Verschlüsseln konsequent verweigern und stattdessen auf Facebook herumtrollen. Was soll an dieser Attitude “links” sein? Nicht mit mir.

Ich weiß gar nicht, ob ich mein eigenes Blog lesen würde, wenn ich nicht ich wäre. Gute Frage, die nur die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser beantworten können.

Kreativer Umgang mit kalkülorientierten Routineberechnungen

“Durch eine Entlastung von kalkülorientierten Routineberechnungen und eine schnelle Visualisierung von Graphen wird ein kreativer Umgang mit mathematischen Fragestellungen ermöglicht”. So etwas formuliert laut “Der Westen” die grüne Schulministerin Sylvia Löhrmann in Nordrhein-Westfalen. Hintergrund: Eltern von Gymnasiasten sollten gezwungen werden, einen teuren Taschenrechner für ihre Kinder zu kaufen, obwohl es günstigere Alternativen gibt.

Immer, wenn ich das Wort “kreativ” lese, stellen sich bei mir ohnehin die Rückenhaare hoch. Ich denke an Volkshochschul-Töpferkurse und an genderpolitisch korrekte EsoterikerInnen. “Schöpferisch” heißt das im Deutschen, und zwar mit und ohne Eigenhöhe. Gebrauch: pseudo-elitärer aufstiegsorientierter-Mittelschichts-Slang “bildungssprachlich”. “Dieses Wort stand 1973 erstmals im Rechtschreibduden.”

“GEW-Landeschefin Dorothea Schäfer hält die Geräte, die auf einen Erlass vom Juni 2012 zurückgehen, nach dem langen Vorlauf für überholt. Erschwerend komme hinzu, dass der Rechner später im Mathematik-Studium nicht mehr genutzt werden dürfe.”

Na super. Schilda ist überall.

Unter Sprechblasenfacharbeitern, revisited

[Reminder] “Fazit: Betrachtet man den Präsidentschaftswechsel in der Ukraine “rein juristisch”, hat Putin recht.”

Die “Linke“: “das völkerrechtswidrige Vorgehen der Russischen Föderation auf der Krim”.

By the way: Welches völkerrechtswidrige Vorgehen?

Im übrigen hat sich die “Linke” mit diesem Text in der Kategorie “Deutsch des Grauens” selbst übertroffen. Jemand, der so gequirt daherfaselt, kann keinen klaren Gedanken gehabt haben. Da war die kommunistische “Rote Fahne” in den zwanziger Jahren um ein Vielfaches eleganter und verständlicher geschrieben. Kurz und knackig eben.

Beispiele gefällig?

Katja Kipping, Bernd Riexinger: “Wir verfolgen mit Besorgnis die Entwicklungen in der Ukraine und auf der Krim.

“Mit Besorgnis”? Ich schaue gern im Deutschen Wortschatz nach: “Synonyme: Ahnung, Annahme, Befürchtung, Gefühl, Vermutung, Vorgefühl. ist Synonym von: Ahnung, Annahme, Bedenken, Beengung, Befürchtung, Behutsamkeit, Betrübnis, Beunruhigung, Fürsorglichkeit, Kümmernis, Panik, Rücksichtnahme, Sorge, Vorahnung, Vorbedacht, Vorgefühl”.

Wie also kann man etwas fühlen, befürchten oder ahnen und gleichzeitig etwas verfolgen? Was meinen die Sprechblasenfacharbeiter der “Linken”? Sie verfolgen gar nichts, denn eine “Entwicklung” läuft nicht davon. Irgendetwas (die Weltläufte?) entwickelt sich – und die “Linke” galoppiert hinterher, um nichts zu verpassen? Der Satz sagt rein gar nichts aus. Karl Marx verfolgte den tendenziellen Fall der Profitrate ohne Besorgnis? Wer sorgt sich um wen – und tut noch etwas parallel dazu?

Die Antwort auf das völkerrechtswidrige Vorgehen der Russischen Föderation auf der Krim, welches wir verurteilen…

Haben die das aus dem Suahelischen übersetzt – oder via Google aus dem Ukrainischen in Mandingo, welches schwierig zu sprechen ist, und dann zurück mit einem Umweg über das Türkische, welches wir nicht verstehen können? Das kommt davon, wenn man den halbgaren Wust von Gedankenfetzen unbedingt komplett auskotzen möchte, ohne zu wissen, was man meint. Wenn ein “Vorgehen”, welches ein schwaches Wort ist und das Tun und die Täter nicht benennt, was dem weisen Rat Lenins, immer nur die schlichte Frage “Wer wen?” zu beantworten, krass widerspricht, völkerrechtswidrig wäre, was ich aus rein sportlichen Gründen bestreite, wenn also die Russen gegen das Völkerrecht verstößen* (indem sie was genau tun?), verurteilt die “Linke” das – mit exakt welchen Folgen? Bekommt der Russe dann Sorgenfalten auf der Stirn?

Der Kosovo und andere völkerrechtswidrige Vorgehen fallen dem Westen nun auf die Füße…

Aua! Das täte natürlich weh, falls der Westen Füße hätte, welches ich zu seinen Gunsten nicht annehme. Und wie muss ich mir das vorstellen, wenn jemandem ein Vorgehen auf die Füße fällt?

Jetzt bitte alle anschnallen und nicht rauchen (es hagelt Ungs):

Die innenpolitische Situation der Ukraine ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Spaltung, die mit der langen Geschichte des jungen Nationalstaats beginnt und sich vor dem Hintergrund des Versagens der politischen Eliten aller Couleur, des gewaltigen Einfluss der Oligarchen und der extremen sozialen Polarisierung im Land weiter verschärfte.

Die Situation ist Ausdruck einer Spaltung. Wie sagt man das mit Tuwörtern? Ach, es tut niemand etwas? Dann sollte man vielleicht doch besser das Maul halten. Ich hätte gern mehr gewusst über den Klassenkampf in der Ukraine, über die unterschiedlichen Interessen des Kapitals, und welche Farbe die “politischen Eliten” (so etwas wie Pofalla auf ukrainisch?) haben.

Alexander Fischer hat diesen unsäglichen Text verfasst, der Pressesprecher der Partei. Der Mann mag ja irgendetwas können, welches sich mir nicht auf Anhieb erschließt, mit der deutschen Sprache steht er jedoch auf Kriegsfuß.

Eine Partei, die derart unerträgliches und sinnfreies Geschwurbel verlautbart, kann ich auch nicht wählen.

*Der Irrealis von “verstießen”, welches die indirekte Rede erzwänge.

Talibaninnen der Humboldt-Universtität wollen Karl Marx verbieten

Marx

Karl Marx an Friedrich Engels vom 30. Juli 1862, MEW 30, S. 259

Wie Fefe berichtet, wollen Studenten der Berliner Humboldt-Universität Hegel, Rousseau und Kant nicht mehr behandeln.

Schon in den ersten Sitzungen kam die Frage auf, wieso wir denn Texte aus der Antike lesen sollten, also aus einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und Menschen versklavt wurden.

Das Deutsch des Grauens spricht schon für sich: “…die Kolonialisierung unterstützte die Versklavung, Ausbeutung, Unterdrückung, Misshandlung und Ermordung von Menschen”. Ung, ung ung ung.

Ökonomisch höchst schädlich

Der Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” geht heute an ein “vorbildliches” SchreiberInnenkollektiv im gedruckten “Spiegel” im Artikel “Europa oder Demokratie?”. Dort heißt es:

Das genau ist es, was nicht nur zwei Richter in ihren abweichenden Voten, sondern auch Ökonomen für gerichtliche Hybris halten: der Versuch, das Krisenhandwerk von Notenbankern mit dem Mitteln des Rechts zu gängeln. (…) Die Inflationsrate ist derzeit niedrig, dass einige Ökonomen schon einer einer Deflation warnen, einer ökonomisch höchst schädlichen Absenkung des allgemeinen Preisniveaus also.

Für wen “höchst schädlich”? Wer senkt was ab und warum und wie? Welche Lobbyisten sagen das?

Ja, wo kämen wir denn hin, wenn das “Krisenmanagement” von Bankern sich an die Gesetze halten müsste!?

Remember: Der Wanderpokal “Lautsprecher des Kapitals” geht an Journalisten, die nichts davon beherzigen, die sich die Propaganda der Kapitalisten unkritisch zu eigen machen, die deren Neusprech und und Propaganda-Worthülsen übernehmen, die in Populär-Okonomie dilettieren, ohne jemals ein Buch über den tenzenziellen Fall der Profitrate oder die Theorie des Wert gelesen zu haben. Kurzum: die ihren Beruf nicht nur verfehlt haben, sondern auch noch dummschwätzen und sich als Lobbyist missbrauchen lassen, freiwillig oder aus Dummheit und/oder Ignoranz.

Terroristisches Material und Pornografie in versteckten Containern glaubhaft abstreiten

truecrypt

Heise: “Die Regierung dürfe Laptops, Kameras und ähnliche Geräte von Reisenden durchsuchen. (…) Richter Korman begründete seine Entscheidung (PDF) damit, dass im 21. Jahrhundert die gefährlichste Schmuggelware oft in Laptops und anderen elektronischen Geräten enthalten sei – zum Beispiel terroristisches Material und Pornografie.”

Im Original: “”In the 21st century, the most dangerous contraband is often contained in laptop computers or other electronic devices, not on paper. This includes terrorist materials and despicable images of child pornography.”

Ein Grund mehr, dass sich auch Nicht-Geeks und Nicht-Nerds mit dem Feature “Hidden Volume” von Truecrypt beschäftigen.

Deutsche Anleitungen gibt es bei Christian Sickendieck, bei Wikipedia kann man etwas über das “Konzept der glaubhaften Abstreitbarkeit” (der Begriff ist natürlich Deutsch des Grauens) lesen, und bei bei Truecrypt gibt es alles auch in Englisch. Über die Details hatten wir uns auch schon hier am 15.07.2013 (vgl. auch die Links in den Kommentaren) unterhalten.

Wir basteln uns eine Pressemeldung über die Revolution oder: Die Möglichkeit sittlicher Entschlossenheit, ohne die Systemfrage zu stellen

“Der Aufstand in [bitte selbst ausfüllen] gerät ins Stocken, die Opposition um [bitte selbst ausfüllen] kämpft gegen viele Widerstände. Denn das Regime [bitte selbst ausfüllen] ist eng verbandelt mit den wirklich Mächtigen im Land: den einflussreichen Industriebaronen.”

So schreibt das ehemalige Nachrichtenmagazin und hat selbst die betreffenden Wörter eingefügt, die für die Ukraine gelten. Das ist natürlich sowohl falsch, weil es nur die halbe Wahrheit ist, als auch Deutsch des Grauens.

Denn der Mann trug etwas vor den Eiern: einen Tiefschutz. Diese Art und Weise, verkasematuckelt zu schwadronieren, ist das Gegenteil der Unsitte, in Nachrichten das scheinarbar Wichtigste nach vorn zu zerren, weil die Leserinnen und Leser sowieso gefühlt zu blöd sind, einen ganzen Satz zu rezipieren. Jetzt schieben sie das, was gesagt werden soll, an das Ende des Satzes, sie verstecken es sogar, damit die Leser möglichst lange auf der Seite bleiben.

Wenn schon, denn schon. Dann macht es wie Thomas Mann:
Der Autor der klaren und mächtigen Prosa-Epopöe vom Leben Friedrichs von Preußen; der geduldige Künstler, der in langem Fleiß den figurenreichen, so vielerlei Menschenschicksal im Schatten einer Idee versammelnden Romanteppich, “Maja” mit Namen, wob; der Schöpfer jener starken Erzählung, die “Ein Elender” überschrieben ist und einer ganzen dankbaren Jugend die Möglichkeit sittlicher Entschlossenheit jenseits der tiefsten Erkenntnis zeigte; der Verfasser endlich (und damit sind die Werke seiner Reifezeit kurz bezeichnet) der leidenschaftlichen Abhandlung über “Geist und Kunst”, deren ordnende Kraft und antithetische Beredsamkeit ernste Beurteiler vermochte, sie unmittelbar neben Schillers Raisonnement über naive und sentimentalische Dichtung zu stellen: Gustav Aschenbach also war zu L., einer Kreisstadt der Provinz Schlesien, als Sohn eines höheren Justizbeamten geboren.

Wir waren aber in bei der Ukraine. Ich könnte jetzt sogar noch ein weiteres Fass aufmachen und den Blog-Tag “Das Ministerium für Wahrheit informiert” bedienen: “Kapitalist” heißt jetzt “Industriebaron”, weil adlig schön und angenehm und guttenbergisch ist und klingt. Und man hat es geschafft, das kommunistische Wort “Kapitalist” zu umgehen. Kai Dieckmann ist ab jetzt ein Boulevard-Baron.

Zeit online klärt übrigens einigermaßen auf, wer warum in der Ukraine für oder gegen was ist. Das Proletariat ist gegen “den Westen”, weil dann die meisten Kohlenbergwerke im Osten des Landes geschlossen würden. Es geht also gar nicht um eine “Revolution” in der Ukraine, sondern um einen Kampf, wer etwas vom zukünftig Kuchen abbekommt. Klitschko ist auch ein Reaktionär und zudem ein Steigbügelhalter des EU-Imperialismus. (Schöner und sehr altertümlich klingender Satz.) Die Systemfrage stellt niemand. Das wäre eine Revolution.

Die Wahrung

Ab und zu gibt es auch gute Nachrichten: “Erklärung der Rechtsanwaltskammer Berlin, des Berliner Anwaltsvereins und der Steuerberaterkammer Berlin vom 02.12.2013″:

Als Berliner berufsständige Selbstverwaltungsorganisationen und Interessenvertretungen der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Steuerberaterinnen und Steuerberater fordern wir von der Bundesregierung sowie von allen politisch tätigen Kräften: (…)
Die Vertraulichkeit der elektronischen Kommunikation im Rechtsverkehr durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu gewährleisten und unsichere, weil potenziell beobachtbare und sogar veränderbare Kommunikationsverfahren (z.B. De-Mail) zu verhindern.

Geht doch. Die wissen, wovon sie reden.

Die schlechte Nachricht: Ohne Deutsch des Grauens kommen Anwälte nicht aus. “Die Wahrung und der Schutz des Berufsgeheimnisses”. Grusel.

Die Wahrung. Was soll denn das heißen? Ich denke gleich an “die Falschung”. Ist das ein deutsches Wort?

Die Wahrung der Hitze meiner Pizza in der Mikrowelle (die ich gar nicht besitze)? Die Wahrung der Integrität und Sicherheit des skelettösen Systems meines Körpers beim Kampfsport? Die Wahrung der Standhaftigkeit bestimmter männlicher Körperteile bei mechanischen Bewegungen, die der Fortpflanzung der Art dienen oder der Simulation derselben?

Das kommt vom Denglischen

“Von diesen 40 schafften es 10 in die Top Ten”. (Quelle: Heise)

Hm. Warum eigentlich nicht elf?

Quantitative Easing

Geld

“Ärgerlich” oder “nicht informativ” gilt für fast alle Artikel, die in deutschen Medien die Ökonomie im weiteren Sinn zum Thema haben. Aktuelle Beispiele: Welt online: “Südeuropa verlangt von der EZB eine neue Bazooka”. Von diesem Artikel schreibt Spiegel online ab: “Schuldenkrise: Südeuropa fordert drastische Maßnahmen der EZB”. Jedes Wort trieft vor Suggestion, nichts wird erklärt. Natürlich fehlt auch die abgedroschenste aller Phrasen nicht: “Konjunktur ankurbeln”. (Wie kurbeln die eigentlich und womit und was ist gemeint?)

Schuldenkrise? Welche Schuldenkrise? Hatten wir nicht eine “Eurokrise”? Und war nicht die Immbobilienblase in den USA der Domino-Stein, der zuerst umkippte, bis einige Leute merkten, dass zahlreiche Banken sich verzockt hatten mit real nicht existierenden Werten? Ich frage mich ernsthaft, ob Journalisten, die einen derartigen Quark breittreten, überhaupt noch nachdenken oder ob sie den Anspruch erheben, Fakten und Hintergründe zu erläutern oder ob sie schlicht die Textbausteine der AgitProp-Abteilung des Kapitals und dessen Lobbyisten übernehmen, um das Artikelhonorar leicht einzustreichen. Es kann doch nicht ernsthaft jemand meinen, es sei “Journalismus”, wenn man alle “Ökonomen”, die sich “Volkswirtschaftler” schimpfen, befragt, die nicht bei drei auf dem nächsten Marktbaum sind?!

Es lohnt sich, ins Detail zu gehen. Das Thema scheint hier offenbar um den Preis des Geldes zu sein, das Banken verleihen. Wieviel Geld da ist, hat nichts mit den realen Werten zu tun, die das Geld representieren sollte. Man merkt schon beim ersten flüchtigen Hinsehen, dass es hier nicht um antropologische Konstanten oder Variablen wie das Wetter geht, sondern dass man eine Werttheorie haben müsste, um bestimmte Dinge wissenschaftlich, also theoretisch und empirisch darstellen zu können. Florian Eder und Sebastian Jost hingegen tun so, als sei das alles völlig wurscht: “Die Notenbank würde damit zusätzliche Milliarden in den Wirtschaftskreislauf pumpen, was das Wachstum beflügeln sollte. Tendenziell steigen damit auch die Preise.” Ach? So einfach ist das also.

Und was genau war noch mal “Wachstum”? Der quantitive Ausstoß an Produkten? Der Anstieg der Profitrate des Kapitals? Die Schere zwischen Betriebskosten und Gewinn? Wann warum steigen Preise um wieviel und was hat das mit der Geldmenge zu tun? Es wäre doch nett, wenn uns verraten würde, auf welche der zahllosen “Schulen” der so genannten “Volkswirtschafts”lehre man sich hier beruft. Die widersprechen sich nicht nur untereinander, sondern erheben auch nicht den Anspruch, etwas mit Wissenschaft zu tun zu haben. Motto ist, wie gehabt und wie bei den Angehörigen der Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) so üblich: “Wir haben zwar keine Ahnung, wovon wir reden, das aber volle Pulle.”

“Der konjunkturelle Effekt ist jedoch nur der erste Teil des Spiels.” Wenn man das Gefasel auf den Punkt bringt: Soll die Europäische Zentralbank mehr Staatsanleihen derjenigen Länder kaufen, deren Produktion den Bach runtergeht und/oder deren Banken sich selbst ruiniert haben? Über das System der Staatsanleihen ist hier schon alles, was nötig ist, geschrieben worden (“Unter Schnellballsystemikern und Couponschneidern”, 03.08.2012) Ich habe keine Lust, das zu wiederholen.

Mein Lieblingssatz im Artikel von Welt online ist dieser hier – und er ist auch bezeichnend für das intellektuelle Niveau unserer Klippschulen-Volkswirtschaftler, deren vernebelten Gehirne nur genauso neblige Sätze und sprachgeschluderte Phrasen erlauben: Mit der Ankündigung aus dem vergangenen Sommer, im Bedarfsfall und gegen Auflagen Staatsanleihen kriselnder Länder auf dem Sekundärmarkt aufzukaufen, brachte die Zentralbank Ruhe in die aufgeschreckten Finanzmärkte.

Die aufgeschreckten Finanzmärkte. Wieso denke ich jetzt an den Genossen Wolf Schneider: Deutsch für Profis Lenin: Wer wen? Wer tut eigentlich was? Das zu beschreiben, ist die wesentliche Aufgabe von Journalisten. Wie kann man “Märkte” erschrecken? Und was will uns der Künstler damit sagen?

Ich gewann beim Lesen den Eindruck, den Autoren kommt es nur darauf an, ihr Pseudo-Insider-Wissen zur Schau zur stellen: In den Krisenländern schielt man jedoch noch weiter, auf eine Maßnahme, die unter “quantitativer Lockerung” firmiert, im Fachjargon “quantitative easing” oder QE genannt.

Fachjargon? Das wäre so, als nennte man “Halleluja” und “Amen” den “Fachjargon” der Verehrer höhere Wesen, was – zugegeben! – nicht ganz fern liegt. Bei Wikipedia wird das noch einmal hübsch verschwurbelt dargelegt:
Quantitative Lockerung, auch monetäre Lockerung englisch quantitative easing, ist die Geldpolitik einer Zentralbank, die zum Einsatz kommt, wenn der Zinssatz der Zentralbank bereits auf null oder fast auf null gesetzt wurde und weiterhin eine expansive Geldpolitik angesagt ist. In diesem Fall kauft die Zentralbank Anleihen, private oder Staatsanleihen, um weiterhin die Wirtschaft und den jeweiligen Staat mit mehr Geld zu versorgen. Im Ergebnis nehmen die Aktiva der Zentralbanken zu.

Haaaaaalt! Um was genau geht es? Hütchenspieler, aufgemerkt: Finanzkapitalismus at its best! Die jeweilige Zentralbank kauft also Staatsanleihen über den staatlich festgelegten Prozentsatz hinaus. Das bedeutet: Man tut so, als würde in der Zukunt produziert und als würden Werte geschaffen, für die es dann ein papiernes Äquivalent (Geld) geben sollte. Jetzt fragt man sich: Und was ist, wenn nicht? Wenn die Wirtschaft, wie in Südosteuropa, immer weniger produziert, die Anleihen also so wertlos sind wie die des zypriotischen Staates, in denen die Beamtenpensionen von Brandenburg angelegt wurden? Die Antwort lautet: Das wissen wir doch nicht! Und es ist uns auch egal! So sind sie, unsere Volkswirtschaftler – die ökonomische Welt als Wille und Vorstellung. Und weiter geht’s:

Ziel der quantitativen Lockerung ist es, die Reserven in der Bankbilanz zu erhöhen. Darunter wird auch Geldschöpfung (bzw. Schaffung von Zentralbankgeld) verstanden. Die Geldmenge wird also erhöht (Buchgeld), indem die Zentralbank Gutschrift bucht. Gemeinhin wird damit ein Ansteigen der Inflation sowie eine Gefährdung der Finanzmarktstabilität durch die Bildung von Spekulationsblasen auf Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten vermutet. [By the way: Etwas anderes als "Zentralbankgeld" gibt es gar nicht, der Rest ist nur Poker.]

Hört! Hört! Ich buche mir etwas gut, was es gar nicht gibt, weil ich hoffe, dass es das doch irgendwann geben wird. Hurra! Damit wären ja alle Probleme gelöst, und “die Märkte” können sich entspannt zurücklehnen.

Lohnfindungsstrukturen

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Lohnfindungsstrukturen in Minnesota/USA 1934 – gern auch mal ohne korrupte Gewerkschaftsfunktionäre

Eine Vertreterin des Finanzkapitals – hier: die Deutsche Bank – meint laut Handelsblatt: “Die gesetzliche Vorgabe einer allgemeinen Lohnuntergrenze stellt einen beträchtlichen Eingriff in die seit Jahrzehnten bestehenden Lohnfindungsstrukturen dar.”

Was zum Teufel ist eine Lohnfindungsstruktur? Lesen wir die Propaganda-Sprechblasen weiter: “Bei einer generellen Anhebung dieser Niedrigentgelte entstünde ein beträchtlicher Lohnkostendruck, der sich zum Teil in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen wird.”

Wieso sollte ein höherer Mindestlohn (nicht “Niedrigentgelt”) höhere Preise nach sich ziehen? Vielleicht senken höhere Löhne – bei gleichbleibenden Preisen – ja nur die Profite? Was wäre daran so schlimm?

Der Gedanke, auf Profite zu verzichten, ist den Lautsprechern des Kapitals und ihren unkritischen Helfershelfern in den Medien aber so ungeheuer fremd und unvorstellbar wie für den Papst die Idee, dass es keine Götter gibt.

Postscriptum: Es ist schon sehr interessant, dass kein deutsches Medium diese verschwurbelte Agitprop auseinandernimmt und kritisiert; stattdessen wird das suggestive Neusprech einfach und ohne ein Wort der Kritik übernommen. Noch nicht einmal das Prizip audiatur et altera pars gilt – aber wen wollte man schon fragen…

Neue Mehrheiten und das Wilde am Kapitalismus

Camila Valejo

Spiegel online Die Mainstream-Medien erklären uns Politik und den Kapitalismus, hier in Chile:
Vieles, was in anderen Ländern selbstverständlich ist, gilt in dem südamerikanischen Land noch immer als linksradikal und verdächtig. Ein regulierender Staat zum Beispiel, die Begrenzung des wilden Kapitalismus, Arbeitnehmerrechte, würdige Löhne und Gehälter oder eben ein Bildungs- und Gesundheitssystem, das bezahlbar ist.

Da haben wir doch alle Textbausteine und Sprechblasen für die Lautsprecher des Kapitals zusammen. Vieles, was in anderen westeuropäischen Ländern selbstverständlich ist, gilt in Deutschland noch immer als linksradikal und verdächtig, zum Beipiel, eine Alternative zum Kapitalismus zu suchen, das K-Wort in den Mund zu nehmen oder Antifaschismus.

Camila Vallejo “tritt für die Kommunistische Partei an, die erstmals bei einer Wahl unter den Mantel der großen Mitte-links-Koalition ‘Nueva Mayoria‘ um Präsidentschaftskandidatin Michelle Bachelet geschlüpft ist.”

Wie meinen? Eine Präsidentschaftskandidatin erlaubt (vade retro, Satanas!) Kommunisten, mit ihr zusammenarbeiten? Wo bleibt der Exorzismus? In Deutschland gehen die “Sozialdemokraten” sogar lieber mit der bürgerlichen Rechten und den Handlangern des Kapitals zusammen als dass sie mit der harmlosen “Linken” koalieren würden, die mit kommunistischer Politik so viel zu tun hat wie Alice Schwarzer mit einem Puff.

Sogar als es zeitweilige rechnerische Mehrheit im Bundestag für einen Mindestlohn von zehn Euro gab, hat die SPD gekniffen – und nur, weil der Vorschlag von der “Linken” kam. Ekelhafte heuchlerische und moralisch verkommene Bande! Lasalle würde euch zum Duell fordern. Ihr seid sogar zu dumm, um euch zu schämen.

Lassen wir uns jetzt auf der Zunge zergehen, was deutsche Journalisten als Gesellschaftsmodell nicht schlecht finden: “ein regulierender Staat”? Ach was? Was soll denn das heißen? Rückkauf der Energiekonzerne? Ist in Berlin, wo auch die “Linke” mitregiert, gerade gescheitert. Soll die heilige Kuh angetastet werden und der Staat in den “freien Markt” eingreifen? Die Bahn nicht mehr an die Börse gehen?

Am Schönsten ist ohne Zweifel “die Begrenzung des wilden Kapitalismus”. Das ist nicht nur Deutsch des Grauens, sondern auch grober nichtssagender Unfug, also ein Paradebeispiel für deutsche Medienberichte über ökonomische Fragen. Das wundert mich nicht, denn Klaus Ehrenfeld, der Autor des Artikels bei Spiegel online, schreibt auch für das Handelsblatt. Und in dem Lobbyisten-Blatt für die so genannte freie Marktwirtschaft das Kapital darf die Systemfrage noch nicht einmal gedacht werden.

Was ist denn “wild” am Kapitalismus und welcher Teil soll von wem wie gezähmt werden? Und wann sind Löhne “würdig” – würdig wessen? Und darf Hartz IV auch würdig sein?

Hinter derartigen hohlen Phrasen verbirgt sich nichts anderes als suggestives Volkswirtschaftssprech und die quasi-religiöse Idee der “sozialen Marktwirtschaft” – als gäbe es auch eine “asoziale” Marktwirtschaft. “Sozialer” Kapitalismus oder “asozialer” Kapitalismus – das ist hier nicht die Frage. Der “gezähmte” Kapitalismus macht und auch nicht alle reich und glücklich. Was wolltest Du uns denn eigentlich über die Ökonomie mitteilen, Kollege Ehrenfeld?

Das ist – mit Verlaub – kein Journalismus, sondern ziemlich dämliche Propaganda. Y viva commandante Camila.

Gut zu wissen

JuristenhargonJuristenhargonJuristenhargon

Gut zu wissen auch, ob die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser wissen, wozu man das wissen muss.

Focus online: Erziehung zur Dummheit und Radebrechen in Furzdeutsch

pirelli

Über diesen Screenshot von Focus online kann man stundenlang philosophieren – ob das Magazin bewusst oder unbewusst Männer Menschen zur Dummheit erziehe, und das gleich in vielfacher Hinsicht.

Ich habe nichts gegen nackte Frauen. Nackte Frauen sind wie Beton – es kommt drauf an, was man daraus macht. “Die schönsten Frauen der Welt zogen sich schon für ihn aus: den Pirelli-Kalender.” Was sagt uns das jetzt? Das man schöne Frauen bestechen kann? Dass Schönheit zwingend verlangt, High Heels zu tragen? Dass Pirelli bestimmt, was “Schönheit” ist? “Sexy Reifengöttinnen”? Sorry, Leute, aber wer solche Sätze verbricht, der ist dumm wie Brot und lebt intellektuell noch in den fünfziger Jahren (was heutzutage offenbar wieder verlangt wird, um Mainstream zu sein.)

“Deutsch des Grauens” ist außerdem stark untertrieben: Was ist denn das für ein Satz? “Die dümmsten Journalisten schrieben schon für ihn: den Focus.” Das nennt ihr Grammatik? Ich nenne das Radebrechen in Furzdeutsch.

Gut, bei Javascript habe ich jede Hoffnung fahren lassen, dass Argumente noch irgendetwas nützen könnten. Der Chefredakteur von Sueddeutsche.de hat mir sogar per elektronischer Postkarte bestätigt, dass der Einsatz von Javascript auf deren Website quasi unverzichtbar und Standard sei, auf den man nicht verzichten werde. (Unausgesprochen: Menschen mit Sehschwächen oder gar Blinde sind denen scheißegal – das ist eben keine werberelevante Zielgruppe.) Ich könnte mich jetzt auf das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik berufen, das vor den Risiken beim Einsatz von Javascript warnt. Aber seit wann interessieren sich deutsche “Online”-Journalisten für Sicherheit? Wo kämen wir denn da hin?

Damit nicht genug: Ein deutsches Magazin fordert die Rezipienten dazu auf, Malware zu installieren, um die “Inhalte” anzeigen lassen zu können: “Wenn Sie den Internet Explorer nutzen, wird ‘Yahoo! Toolbar’ automatisch mitinstalliert.” Geht’s noch? Wie bescheuert muss man sein, um so etwas zu tun? “Wenn Sie dieses Möbelstück kaufen, erhalten unbekannte Einbrecher eine Kopie ihres Wohnungsschlüssels – wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie ein neues Schloss installieren.” Im normalen Leben würde man in einem solchen Fall nach einenm Arzt rufen oder nach einer Jacke mit ganz langen Ärmeln. In Deutschland wird man “Online”-Redakteur und darf bei Focus online zu genderpolitischen Themen (“Pirelli”-Kalender) schreiben.

Das freut die Märkte

“Das freut die Märkte, weckt aber auch Sorgen.” (Gerald Braunberger, FAZ) “Das freut die Märkte.” (Martin Schulz, Hedgefonds-Gruppe PNC Capital Advisors, Spiegel 55/2013)

Einige Fragen und ein Hinweis an linke Parteifunktionäre

Wer gutes Deutsch lernen will, kann auch Bertold Brecht lesen. Hier ein Auszug aus “Fragen eines lesenden Arbeiters”. Hinweis für Parteifunktionäre der “Linken”: Es taucht kein Wort auf, dass mit -ung endet. Auch wenn ihr das für unmöglich haltet – aber so redet und schreibt man, wenn man dem Volk auf’s Maul schaut.

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon -
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häusern
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?
Wohin gingen an dem Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war
Die Maurer?
Das große Rom
Ist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie?
Über wen triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis
Brüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer siegte außer ihm?

Was lese ich hingegen im Parteiprogramm der “Linken”? “Aushöhlung der Demokratie – Die Möglichkeit demokratischer Einflussnahme und Mitgestaltung”.

Unfassbar. Wer redet so? Ja, Parteifunktionäre eben.

Man stelle sich vor, das Kommunistische Manifest hätte so begonnen: “Die Kommunisten sind gegen die Aushöhlung der Demokratie und für die Möglichkeit demokratischer Einflussnahme und Mitgestaltung” – hätte das auch nur ein Mensch gelesen?

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