Wörter, die ich nie mehr lesen oder hören möchte

Fachseminar. Hochrangig. Hochkarätig. Schulischer Bereich. Durchführen. Abmahnen. Kreativ. Gestaltung. Verunfallt. Bildungsfern. Migrationshintergrund. Wahrung. Die Märkte. Aktivitäten. Zivilgesellschaft. Lohnfindungsstrukturen. Vollumfänglich. Nachbörslich.

Wir sind im Krieg

Rudolph Bauer auf einer Klausurtagung des Bremer Friedensforums am 3. Oktober 2013 (via >b’s weblog) über die Rolle der Bertelsmann-Stiftung:

Flankiert von den Verlagen, den Print- und den elektronischen Medien des Bertelsmann-Konzerns sowie mit Hilfe von “Sicherheitsexperten” wie der Venusberg-Gruppe betreibt der in Gütersloh ansässige “Think Tank” zielstrebig und ohne den Schimmer einer demokratischen Legitimation die Militarisierung der Gesellschaft in Deutschland und Europa.

Das ist jedoch nicht so neu – vgl. Telepolis (26.07.2007): “Lobbyarbeit für die Militärmacht Europa – Die sicherheitspolitische Agenda der Bertelsmann-Stiftung”.

Die außenpolitische Agenda der Stiftung hat einen eindeutigen Fokus: Europa soll innerhalb der globalen Wirtschafts- und Machtblöcke seine Interessen wahrnehmen, sich als Weltmacht definieren und zum globalen Militärakteur entwickeln, der bei Bedarf jeden Punkt der Welt kontrollieren kann. Damit sollen die sogenannten sicherheitspolitischen Interessen gewahrt werden, die Hand in Hand gehen mit wirtschaftlichen Interessen: sicherer Zufluss von Rohstoffen, ungehemmte Kapitalflüsse sowie reibungslos funktionierende globale Liefer- und Absatzketten.

By the way: Wir befinden uns nicht irgendwo, sondern wird sind. “Wo ist mein Essen?” – “Die Suppe befindet sich im Topf.” So redet niemand. Warum sollte man also so geschwurbelt schreiben?

Hart zu Gericht

Heise (Krempl): “Hart zu Gericht mit dem Kurs der Urheberrechtsgesetzgebung auf deutscher und europäischer Ebene in den vergangenen Jahren gingen am Mittwoch Juristen und Wirtschaftsvertreter bei einem Fachgespräch im Ausschuss Digitale Agenda des Bundestags.”

Preisfrage: Wann tritt das handelnde Subjekt des Satzes auf, und ab wann bekommen Simultanübersetzer suizidale Gedanken?

Hart zu Gericht mit der dämlichen Unsitte, die gefühlt wichtigsten Wörter in einem Satz krampfhaft nach vorn zu beamen eingedenk der empirisch gar nicht verifizierbaren Tatsache, dass die Rezipienten nur den Anfang läsen und dann gleich wegzappten, ging Burks während des Kaffeetrinkens beim Frühstück.

Nachbörslich blutrünstig

nachbörslich

Beinhaltet teils kreative Aufenthaltsqualitäten für den Kirchplatz in Unna

kirchplatz unna

Die WAZ formulierte am 26.06.2013 in schönstem Deutsch des Grauens über den Platz vor der Evangelischen Stadtkirche Unna:
Nächste Woche soll der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehrsplanung die Ausbauplanung absegnen. Sie beinhaltet teils kreative Lösungen, die Stadt und Kirche gemeinsam mit Anwohnern gefunden haben. So steht bislang am nördlichen Rand des Kirchplatzes eine rund 30 Meter lange private Mauer aus Klinkerziegeln. Sie würde die Gestaltung dieses Aufenthaltsbereichs mit Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel stören.

Entwicklung, Planung, kreativ, Lösung, Gestaltung, Aufenthatsbereich, Sitzgelegenheit – alles diese Wörter sind Bürokratenfurzdeutsch und würden von einem Chefredakteur, dem noch an Stil und gutem Deutsch gelegen ist, verboten oder mit Peitschenhieben bestraft. Und welches Bein hält denn die Lösung? Darf die das überhaupt?

Auf Lokalkompass.de [Funke-Mediengruppe, Whois] geht es ähnlich gruselig verschwurbelt weiter:
In zwei Wochen wird die Politik eine Ortsbesichtigung vornehmen, in der Ratssitzung am 17. April steht die Kirchplatz-Sanierung auf der Tagesordnung. (…) Nach der Sanierung soll der Bereich um die Stadtkirche neue Aufenthaltsqualität bieten.

“Die Politik” nimmt eine Besichtigung vor? Wolfgang Schneider (“Deutsch für Profis”) würde vermutlich kommentieren: “Aus dem Anus der deutschen Sprache ausgeschieden.” Wen wundert es, das niemand so einen breitgetretenene Sprachquark lesen will! Sanierung, Tagesordnung, Aufenthaltsqualität. Oh mein höheres Wesen!

Übrigens sieht der Kirchplatz jetzt genau so aus wie das Deutsch, das die Lokalmedien geruhen zu gebrauchen, um darüber zu berichten.

Die Wahrheit über die Wahrheit und den Fäkalien-Dschihad

Stefan Niggemeier schreibt auf Krautreporter über Udo Ulfkotte und seinen Bestseller “Gekaufte Journalisten”.

Es gibt viele gute Gründe, dieses Buch zu ignorieren, der wichtigste ist sein Autor, der, wie es ein ehemaliger Kollege von ihm von der FAZ sagt, irgendwann zwischen Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden konnte. Es gibt aber einen entscheidenden Grund, dieses Buch nicht zu ignorieren: Es entfaltet sichtlich Wirkung. Es wird jetzt schon wie die Bibel einer Bewegung behandelt.

Man sollte zum Thema auch Florian Röpke zur Kenntnis nehmen: “Vorsicht! Achtung! Dr. Udo Ulfkotte!”

Auch bei Inrur stehen ein paar zusammengestoppelte Infos der Räuber-und-Gendarm-Antifa, die man aber benutzen kann, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

By the way: “eine Wirkung entfalten” ist ähbäh und Blähdeutsch. Es wirkt, und gut is.

Polizeiliches unbemanntes Luftfahrzeug

Polizeimeldung aus Berlin: “Bei der Tatortarbeit am heutigen Vormittag wurde neben Brandmittelspürhunden auch das polizeiliche unbemannte Luftfahrzeug für Übersichtaufnahmen eingesetzt.”

Was soll denn das sein? Vermutlich eine Drohne… Allein schon das Adjektiv (?) “polizeilich” ist Deutsch des Grauens vom Feinsten. Das rote feuerwehrliche bemannte Fahrzeug – oder wie?

Hiobspost

Hiobspost

Einige Medien der Niederlande (z. B. NRC, Amsterdam, via Youtube) berichten über Mustafa Karahasin (Vorsicht, Facebook-Link!), der so viele Briefe an die Stadt Dordrecht in der er lebt, schreibt, dass er beinahe die Verwaltung lahmlegt. Jetzt soll ihm das via Gerichtsbeschluss verboten werden.

Spiegel online: “In den Niederlanden sind Behörden verpflichtet, eine Anfrage innerhalb von vier Wochen zu beantworten. Schafft es eine Behörde nicht innerhalb dieser Frist, muss sie den Bürger für jeden Tag Verspätung entschädigen und bis zu 1260 Euro zahlen.”

Ein wunderbares Recht, an dem man sich hierzulande orientieren sollte (das wird aber nicht geschehen). Dieses Recht gab es schon mal im 18. Jahrhundert in Preußen: “Außerdem war es im Preußen Friedrichs II. für alle Bürger möglich, sich brieflich oder sogar persönlich an den König zu wenden. Er versuchte, zu große Auswüchse des Feudalsystems zu unterbinden. Dabei war er insbesondere misstrauisch gegenüber seinen eigenen Beamten, denen er im Zweifelsfall einen ausgeprägten Standesdünkel zum Nachteil der ärmeren Schichten unterstellte.”

Da fällt mir ein: Ich habe neulich in der Gesamtausgabe eines deutschen Schriftstellers – in meiner Bibliothek – geblättert, weil ich nach einer bestimmten Stelle suchte, die die wunderbare Dynamik der deutschen Sprache, wenn man diese beherrscht, illustriert, und dahte bein mit beine (das Zitat eins ganz anderen Dichters sollte man kennen und übersetzen können): Diesen patriotischen Unfug muss man nicht lesen, der Mann gehört nicht in den Bildungskanon.

Seine Sprache ist jedoch brilliant, und man lernt einige Wörter und Ausdrücke, die veraltet sind – wie “Schwerenot”, “dergestalt” oder das Wort “Mensch” als Neutrum (Hallo Genderpolizei! Ist “das Mensch” für eine Frau diskriminierend?), die jedoch immer noch verstanden werden und die, benutzte man sie, Eindruck schinden könnten bei denen, die auf Wissen und den darauf fußenden ausgewogenen Urteilen Wert legen, obwohl die Eitelkeit, wie aus dem moraltheologischen Schriftum bekannt, keine Tugend ist, die zu praktizieren von den einschlägigen Experten empfohlen wird.

Mein Urteil muss ich revidieren (das letzte Wort würde beim oben Genannten direkt vor dem Komma stehen, was der älteren Wortstellung im Deutschen entspräche, jedoch das “die” des Relativsatzes etwas vage herumschweben ließe) wegen einer literarischen Figur aus der Feder des Schriftstellers, die dem Briefeschreiber aus den Niederlanden und der Attitude älterer Männer ähnelt, die als Welle auch von Partei zu Partei schwappen, weil das Nörgeln zu ihren Vorlieben gehört, die aber im Falle einer Revolution der Guten nur zeitweise zu gebrauchen wären, weil sie letztlich für nichts einstehen außer ihre eigenen Interessen (ja, “einstehen” verlangt den Akkusativ!)

Wie heißt diese literarische Figur?

Wandern gegen die Bösen [Update]

“Neue Überwachungsgesetze und Kontrolltechnologien zerstören unsere Freiheit und Selbstbestimmung. Demokratie lebt durch angstfreie Meinungsäußerung und überwachungsfreie Rückzugsräume. Diese zu verteidigen liegt in der Verantwortung von uns allen!

Das kann man auch ins Deutsche übersetzen.

Fünf Mal ung bei 27 Wörtern – das sind fast 20 Prozent des Satzes. Kein Wunder, dass das gemeine Volk sich weder dafür interessiert noch die Aussage versteht. So redet niemand. Oder kann man sich ein Kneipengespräch vorstellen, beim Bier, das so beginnt: “Neue Überwachungsgesetze und Kontrolltechnologien zerstören unsere Freiheit und Selbstbestimmung”?

Wer so faselt, hat nicht nachgedacht. Außerdem erscheinen mir auch die Inhalte fragwürdig, wenn man da genauer hinsieht.

Wer überwacht wen? Gesetze fallen nicht vom Himmel, sie werden gemacht. Dahinter stehen Interessen. Ross und Reiter müssen benannt werden. Das Parlament verabschiedet Gesetze, sonst niemand. Ich wüsste auch gern, warum die Regierung das Volk überwacht? Weil sie boshaft ist? Es bestünde doch gar kein Grund, da die Deutschen doch selbst dann nicht aufbegehren, wenn ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt, obwohl die so genannte “freie Marktwirtschaft” doch durch ständiges Wachstum(TM) alle reich und glücklich macht?

“Kontrolltechnologien”? Auch wieder falsch. Das deutsche Wort “Technik” heißt im Englischen “technology”; es besteht kein hinreichender Grund, ein englisches Wort unübersetzt ins Deutsche zu übernehmen, zumal “Technik” vom griechischen τεχνικός (technikós) stammt und sich von téchne (Kunst, Handwerk, Kunstfertigkeit) ableitet. Wer “Technologie” sagt, spricht eitles und gespreiztes Furzdeutsch und schaut dem Volk nicht aus Maul.

“Unsere Freiheit”? Welche eigentlich? Der Untertan ist im Kapitalismus total frei und möchte auch so bleiben? Das ist doch Schwachsinn. Ich kann nur dringend einen Blick in Jürgen Habermas “Strukturwandel der Öffentlichkeit” (1972) empfehlen:

Die entfaltete bürgerliche Öffentlichkeit beruht auf der fiktiven Identität der zum Publikum versammelten Privatleute in ihren beiden Rollen als Eigentümer und Menschen schlechthin.

“Fiktiv” deshalb, weil die Mehrheit des Publikums auf dem Markt nichts mehr zu verkaufen hat als denn die eigene Arbeitskraft, die von den Eigentümern der Produktionsmittel genommen und benötigt wird, um damit Profit zu erwirtschaften. Der Proletarier ist zwar frei und darf selbst bestimmen, wem er seine Ware Arbeitskraft verkauft; verweigert er sich aber dem Markt, muss er verhungern oder ist heute in Deutschland Hartz-IV-Empfänger. Diese Art, frei zu sein, zu bejubeln, ist zynisch.

“Demokratie lebt durch angstfreie Meinungsäußerung”. Allein schon das holperige “Meinungsäußerung” lässt sich mir die Rückenhaare sträuben. Ich meine etwas, aber ich “außere” nicht eine Ung. Kann ich auch eine Ung verinneren? Was ist das für eine verquaste Sprache? Ich darf etwas sagen, ohne befürchten zu müssen, dafür bestraft zu werden. Das ist aber in Deutschland nicht unbedingt so. Wir sind Zensurweltmeister. Ein Hartz-IV-Empfänger dürfte sogar meinen, dass der Sozialismus eine bemerkenswerte Idee sei, aber niemand würde das drucken, noch nicht mal als Leserbrief.

“Rückzugsräume” – auch ein Wort, das niemand so sagt, höchstens in einem Soziologie-Seminar. Ist damit mein Schlafzimmer gemeint? Meine Truecrypt-Container? Was meinen Einwanderer aus Bangladesh oder Rumänien dazu? Oder ist das ein Zauberwort für einen bestimmten Teil der Kleinbourgeoisie und der “alternativen” neuen Mittelschichten und nur für die, weil alle anderen nur Bahnhof verstehen? Kann man sich die Luther-Bibel oder das Kommunistische Manifest mit dem Wort “Rückzugsraum” vorstellen?

“In der Verantwortung von uns allen”. O mein höheres Wesen – das hat garantiert ein Pfaffe formuliert. Wir verantworten was? Wir müssen [bitte selbst ausfüllen] etwas verteidigen. Und das veranworten wir – wem gegenüber? Wie meinen?

Burks’ Rat: Wer die Leute aufhetzen will, das Gute zu tun und das Böse zu lassen (der Sinn einer Demonstration), der benutze Tuwörter!

[Update] “Ungefähr 5000 Demonstranten waren dabei, die Veranstalter sprechen von 6500. Die Mitte der Gesellschaft hatte offenbar etwas anderes vor.” (Spiegel online)

Ung Schaft Keit

Katja Kipping in Welt online: “Bei der Frage der Umverteilung von Reich zu Arm und von privat zu öffentlich gibt es bei SPD und Grünen nicht die erhoffte Bereitschaft zu handeln.”

Ja, sicher. Ack. Aber wieso kriegt es die Kipping nicht hin, einen einzigen deutschen Satz zu sagen, ohne ein Wort mit -ung zu benutzen? “-schaft” ist auch nicht besser. Man will handeln. Oder ist willens zu handeln. Oder sie sind nicht bereit, etwas zu tun.

Übersetzen wir’s in Deutsche:

“SPD und Grüne sind nicht bereit, von Reich zu Arm umzuverteilen und von privat zu öffentlich.”

Man merkt, dass nicht klar ist, um was es geht. Das ist aber nicht das Problem der Rezipienten, sondern dessen, der etwas sagt oder mitteilen wollte.

Vanillepudding, Trotzki und ein Schachtelsatz

vanillepudding

Jetzt habe ich mit einem Trotzki-Zitat schon die Gelegenheitsleser dieses kleinen Blogs verprellt, aber eingedenk dessen, dass die wohlwollenden Stammleserinnen und geneigten Stammleser vermutlich alles rezipieren und konsumieren, was ich aus zahllosen Themengebieten und zum Schrecken der Statistiker, Datensammler und Werbeagenturen hier anbiete, um auch ja kein klares Profil aufkommen zu lassen wie die so genannte deutsche Netzgemeinde, die, wenn sie sich “politisch” gibt, sich strikt an ihre Corporate Identity daran hält und weder virtuelle Welten noch die geschlechtliche Vermehrung in ästhetischer oder lustvoller Form noch Körperertüchtigung noch anderweitig abseitige Topoi thematisiert, sondern immer nur “Netzpolitik” oder eben das jeweils gewählte Thema, wage ich heute auch zu verkünden, dass ich liebend gern warmen oder heißen Vanillepudding mit Erdbeeren esse, wahlweise Johannisbeeren, um, was – psychologisch gesehen – eine Art Regression sein könnte, meinen Ärger über die allgemeine Weltlage zu kompensieren, wozu zuckerhaltige Nahrung mit ihrer unstrittig antidepressiven Wirkung gehört, und um auch, wie man so sagt, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und zu demonstrieren, dass die deutsche Sprache, wie auch das Lateinische, die außergewöhnliche Fähigkeit besitzt – wenn man sie beherrscht und nur dann! -, kunstvolle, aber in sich logische Schachtelsätze aufzutürmen, die Simultanübersetzer in den Wahnsinn treiben, aber für den Alltagsgebrauch nicht sehr nützlich sind, wenn man sich vorstellt, welchen Eindruck man hinterließe, orderte man in der Apotheke oder Drogerie des Vertrauens etwa Präservative, begänne aber gleichzeitig, nicht nur diese, sondern auch Karl Marx, Kohlrouladen, das Internet und das Falkbeer-Gegengambit zu thematisieren, was den “Empfänger” der Botschaft, der erst am Ende des Schachtelsatzes begreifen würde, was man will, schon nach den ersten Minuten der im Sinne der Wortes langatmigen Bestellung – während man noch verbal schwungvoll auf die Pointe zusteuerte – nach einem Arzt rufen ließe oder den Leuten, die sich gut mit langärmeligen Jacken auskennen.

SPD möchte auch für den Profit des Kapitals zuständig sein

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der Berliner Zeitung: “Die SPD muss deutlicher als bisher machen, dass es uns nicht nur darum geht, für eine gerechte Verteilung dessen zu sorgen, was erwirtschaftet worden ist, sondern dass wir uns auch zuständig fühlen für die Erwirtschaftung. Das ist in den letzten Jahren zugunsten eines starken Profils bei der sozialen Gerechtigkeit in den Hintergrund getreten.”

Für die Erwirtschaftung. Übersetzen wir das ins Deutsche. Ein Wort, das mit ung endet, dokumentiert immer, dass derjenige, der es gebraucht, etwas nicht genau überdacht hat oder mit Bläh- und Furzdeutsch aka Nominalstil etwas verschleiern will. Oder beides.

Die SPD möchte sich nicht nur für das Proletariat, sondern auch für das Kapital einsetzen, auch wenn es auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit (was ist das?) geht? Ach so. Die Sozialdemokraten sollen sich auf für den Profit zuständig fühlen. Übersetzt: Wenn es den Bossen gut geht, geht es auch den Arbeitern gut?

Dazu passt auch der Justizminister Heiko Maas (SPD), der Neubauten von der Mietpreisbremse ausnehmen will: “Wir wissen, dass zurzeit viel in den Wohnungsbau investiert wird. Diese Investitionsbereitschaft wollen wir erhalten”.

Sozialdemokraten waren und sind eben Büttel des Kapitals.

La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís

santa fe

Das Foto habe ich 1979 in Santa Fe, New Mexico (USA), gemacht. Santa Fe ist die älteste Hauptstadt in den USA.

Wikipedia: “Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Stadtväter erkannt, wie wichtig die Bewahrung und Verschönerung des Stadtbilds für ihre Stadt ist. So wurde es zur Pflicht gemacht, dass jeder Neubau im traditionellen Pueblo-Baustil zu errichten ist (Adobe-Bauweise).”

Auf deutsch: “Die Stadtväter (und -mütter?) erkannten (der Perfekt ist hier nicht richtig – der Imperfekt ist angebracht) Mitte des 20. Jahrhunderts (“bereits” ist ein überflüssiges Füllwort), wie wichtig es ist, das Stadtbild zu bewahren und verschönern. Es ist seitdem Pflicht, jeden Neubau im traditionellen Pueblo-Baustil zu errichten (Adobe-Bauweise).”

Per Zufall habe ich via Google Maps sogar wiedergefunden, wo ich damals stand: auf der Al Alameidea Street mit Blick auf die Loretto Chapel (hinten links zu erkennen). Das Gebäude vorn ist das Inn and Spa at Loretto.

Tempelhofer Feld wird vorerst nicht bebaut

tempelhofer Feld

Welt online: “Beim Volksentscheid zur Zukunft des Tempelhofer Feldes deutet sich eine Mehrheit gegen eine Bebauung an. Auch die Wahlbeteiligung ist nach einem Zwischenergebnis hoch genug für einen Erfolg der Bürgerinitiative, wie die Landeswahlleitung am Sonntag nach Auszählung von 75 Prozent der Stimmen mitteilte.”

Das könnte man ins Deutsche übersetzen.

Die Mehrheit der Berliner ist dagegen, das Tempelhofer Feld bebauen zu lassen. Die Bürgerinitiative gegen die Pläne von CDU und SPD hatte Erfolg. Es haben sich auch genug Wahlberechtigte beteiligt. Das teilte die Landeswahleiterin am Sonntag mit, nachdem 75 Prozent der Stimmen ausgezählt worden waren.

Themenfeld: Social Keynotes atmen

Sascha Lobo 2013:
Das Netz atmet social. Selbst Seiten, die sonst nichts haben (und das sind nicht wenige), haben einen Like-Button (…) Die Strategie hinter Facebook Home ist wegweisend.

Sascha Lobo 2014:
Auch die Enthüllungen des NSA-Skandals hätten an dieser Unterfinanzierung der deutschen Lobby für das Internet nichts geändert. Dabei habe die aufgedeckte Totalüberwachung ein Ausmaß, das sich noch vor einem Jahr die wenigsten hätten vorstellen können.

Blockierte Elemente auf saschalobo.com
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By the way, liebe wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser: Gern halte ich Vorträge, Reden, Keynotes, Dinner Speeches zu allen passenden Anlässen.

Was war übrigens der Unterschied zwischen einem “Thema” und einem “Themenfeld“? Vielleicht der zwischen der “Schule” und dem “schulischen Bereich”? Oder der zwischen einer “Veranstaltung” und einer “Fachveranstaltung”?

Gästin und das Sprachgendern

Kristin Rose-Möhring – Gleichstellungsbeauftragte im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ):
Übrigens ist Deutsch (…) überwiegend weiblich geprägt, was sich daran zeigt, dass 46 % der Substantive ein grammatikalisch weibliches Geschlecht haben, 34% sind maskulin und 20 % neutral. Und Substantive machen immerhin 74,3% der Wörter im Duden aus. (…) Das von Gegnern des Sprachgenderns und der übertriebenen sprachlichen Gleichstellerei vielgeschmähte Wort ‘Gästin‘ ist keine Erfindung durchgeknallter Emanzen. Es stand bereits im Wörterbuch der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die immerhin Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebten.

Umsetzung der Vertiefung bei Verhinderung und Bekämpfung

BT-Drucksache 18/1037

Kleine Anfrage der Partei “Die Linke” über den Datenaustausch zwischen Deutschland und den USA. Grusel.

Mehr dazu auf der Website des Bundestages (BT-Drucksache 18/1037: “Umsetzung des deutsch-amerikanischen Abkommens zur Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Verhinderung und Bekämpfung schwerwiegender Kriminalität”) und bei Netzpolitik.org: “Schäubles Erbe: BKA bald startklar zum automatisierten Abgleich von Fingerabdrücken und DNA-Profilen mit den USA”.

Umsetzung der Vertiefung bei Verhinderung und Bekämpfung. Das hätte die “Linke” nicht besser formulieren können.

Gleichung

gleichung

In der Mathematik lässt sich der Begriff Gleichung, der ansonsten unter “Deutsch des Grauens” subsummiert werden würde, kaum vermeiden. Die wohlwollenden Leserinnen und geneigten Leser erkennen sicher sofort, um welche Gleichung es sich handelt und wer sie aufgestellt hat und was sie beschreibt.

Trolle und deren Tun

troll

Der Kiezneurotiker scheibt über Stalking, Trolle und andere kranken Online-Seelen.

Wikipedia: Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche die Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen. In darauf bezogenen Bildern wird oft auf den aus der Mythologie bekannten Troll verwiesen. Ein gelegentlich gebrauchtes Synonym ist Twit (engl: Dummkopf). Die zugehörige Tätigkeit wird “trollen” genannt.

Deutsch des Grauens: “Die zugehörige Tätigkeit”. Deutsch: Das (ihnen eigene) Tun.

Verunfallt, aber nicht vertodt

Tagesspiegel: “Der Flughafensprecher und Aufsichtsratskreise hatten kurz nach dem Unfall erste Augenzeugeneindrücke, dass Mehdorn verunfallt war, bestätigt.”

Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, wie dieses Deutsch des Grauens entstanden ist. Es war einmal das Substantiv “Unfall”. Wie könnte man daraus ein Verb zaubern? “Einen Unfall haben” ist schlechtes Deutsch, weil man das Tun durch das Hilfsverb “haben” beschreibt. Geht also gar nicht.

Wenn man zum Beispiel “Tod” nähme, hieße es im Deutsch des Grauens “vertodt”. Von “Tod” gibt es auch kein Verb, sondern nur das selbständige “sterben”. (Kennt noch jemand das korrekte “wenn du stürbest”?)

Wenn ich Chef vom Dienst bei einer Zeitung wäre, die sich selbst erst nähme, würde ich einen Redakteur, der “verunfallt” schriebe, öffentlich auspeitschen lassen und ihm anschließend nahelegen, Pressesprecher aka Sprachblasenfacharbeiter bei der Partei “Die Linke” zu werden.

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