Tabatinga am Solimões

tabatinga

Tabatinga (Brasilien) im Dreiländereck Kolumbien-Brasilien-Peru. In Leticia (Kolumbien) und Tabatinga war ich 1982 mehrere Tage und habe hier schon mehrfach darüber geschrieben: “Am Solimões (18.01.2011), “Die Mutter aller Flüsse” (02.02.2004) und “Am Amazonas” (14.12.2004).

Manaus

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Die Fotos von Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, habe ich 1982 gemacht. Ich bin damals per Schiff von Kolumbien den Amazonas hinunter (vgl. “Am Solimões“, 18.01.2011) gereist und von per Bus dort nach Norden nach Guyana. Ich war auch schon 1980 in Manaus: Damals bin ich aber an der Grenze zu Guyana in einen Fluss gefallen, was den Film und die Bilder aus Manaus ruinierte.

1980 gab es nur wenige Hochhäuser in Manaus, und fast alle Autos waren Volkswagen. Die Brasilianer sind ähnlich dumm und gnadenlos wie US-Amerikaner, wenn es um ihre eigene Geschichte geht, und reißen architektonische Zeugnisse einfach ab, um Platz für das “Moderne” zu schaffen. Ich glaube nicht, dass von der Kolonialarchitektur heute noch etwas übrig ist – außer von der weltberühmten Oper.

Das oberste Foto zeigt den Hafen, das dritte von oben eine alte Markthalle ebendort (also nicht den Mercado Municipal Manaus). In den Bars dort habe ich Stunden verbracht – bei Mittags 45 Grad im Schatten.

Amigos

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Manaus (1982) – vor einem Postgebäude.

Am Solimões

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Der Oberlauf des Amazonas wird von den Brasilianern Solimões genannt. Das Foto habe ich 1982 gemacht, ein paar hundert Kilometer westlich von Manaus. Dort wäre ich jetzt gern…

Transamazônica

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Die Fotos habe ich 1980 auf der Transamazonica in Brasilien zwischen Manaus und Porto Velho gemacht.

Damals war die Straße gerade fertiggestellt worden. Auf dem Foto Mitte links sieht man noch die Spuren der Brandrodung, auf dem Bild daneben erobern sich die ersten Pflanzen ihr Terrain wieder zurück.

Wikipedia: “Ein wichtiges Teilstück der im weiteren Sinne zur Transamazônica gerechneten Straße BR-319 von Porto Velho (Bundesstaat Rondônia) an der bolivianisch-brasilianischen Grenze entlang nach Manaus (Bundesstaat Amazonas) im Herzen Amazoniens wurde bereits in den 1980er Jahren fertiggestellt, ist inzwischen jedoch schon wieder weitgehend überwuchert und verfallen.”

Und das ist auch gut so.

Dois Rios

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Wo habe ich dieses Foto (1981) gemacht? Das ist nicht so schwer herauszufinden… (Google-Maps-Link auf 20 Kilometer genau – bitte mit tinyurl.com)

Solimôes

Solimoes

Das Foto habe 1982 auf dem Amazonas (Solimôes) in Brasilien gemacht.

Atrevido

Amazonas Naseweis

Das Foto wurde 1982 auf dem Amazonas in Brasilien gemacht. “Atrevido” heisst Naseweis.

Am Solimões

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Solimões wird der Amazonas von den Brasilianern zwischen dem Dreiländereck Peru-Kolumbien-Brasilien und dem Zusammenfluss mit dem Rio Negro genannt. Die Fotos habe ich 1982 in Leticia (Kolumbien, 1,2) gemacht und am gegenüber liegenden Ufer des Amazonas bzw. Solimões im brasilianischen Tabatinga (3,4,8). Die Fotos auf dem Schiff stammen von meiner anschließenden 10-tägigen Reise auf dem Amazonas nach Manaus. Seltenes Foto: meine Füße in meiner Hängematte. (Privatsphäre sieht anders aus, immerhin schliefen Männer und Frauen getrennt.)

Zehn Tage auf dem Amazonas (1982)

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Estrada de Ferro Madeira-Mamoré

Madeira-Mamoré-EisenbahnMadeira-Mamoré-Eisenbahn

Zum Jahresende noch ein Leckerbissen für den verschrobenen Eisenbahnfreund – zwei brasilianische Loks der Madeira-Mamoré-Eisenbahn, fotografiert 1980 in Porto Velho: “Die Stadt profitierte in ihren frühen Jahren vom Kautschukboom, denn sowohl die Madeira-Mamoré-Eisenbahn (EFMM) als auch verschiedene Schiffsrouten für den Kautschuk-Abbau im nahegelegenen Urwald führten durch Porto Velho, wodurch die Stadt zu bescheidenem Reichtum gelangte. Die Eisenbahnlinie ist jedoch inzwischen stillgelegt.”

Wir hatten die Grenze zwischen Bolivien und Brasilien in Guajará-Mirim überquert und waren auf dem Weg nach Norden zum Amazonas.

Mythos “Neu entdeckte Indianerstämme”

Indios

Mit großem Interesse las ich einen Bericht in Spiegel online: “Neuentdeckter Indianerstamm”. Mitarbeiter der brasilianischen “Indianerbehörde” Funai haben ein zurückgezogen lebendes Volk entdeckt, das offenbar keinen Kontakt zur so genannten Zivilisation hat. Ich verstand zwar nicht, was “neu entdeckt” heißt, da ich kein “alt entdeckt” kenne, aber vermutlich ist das die normale Sprachschluderei wie “neu renoviert”.

In Deutschland gibt es keinen Online-Journalismus, der diesen Namen verdient, daher musste ich mir die meisten Links zunächst selbst zusammensuchen. Zuerst suchte ich nach Jose Carlos Meirelles und las ein paar internationale Berichte, um das mitzubekommen, das deutsche Medien beim Abschreiben vergessen haben oder nicht erwähnen, weil Links auf andere Websites als Teufelswerk gelten.

Wenn man sich zum Beispiel über die Kayapó informieren will, ist einer der ersten Links von SIL International, “Partners in Language Development”, aka “Summer Institut of Linguistcs“. Mit denen hatte ich schon persönlichen Kontakt – das ist eine ultrareaktionäre evangelikale Missionarsvereinigung, die unter dem Vorwand der Sprachforschung in der ganzen Welt Bibeln in der jeweiligen Sprache verbreitet. Wehe, die kämen zu den “neuentdeckten” Indios – in kurzer Zeit würden diese Hosen und Büstenhalter tragen, wie die Kayapó (mittleres Bild) und vermutlich bals europäischen Touristen als “Naturvolk” vorgeführt. “Natürlich” ist ohnehin eine Fiktion und politisch ungefähr so herablassend wie “frei laufende Indianer und Hühner”.

Indios

Die Fotos wurden von Survival International publiziert, dort steht auch die Original-Geschichte, und dort erfährt man auch mehr über die Gründe, warum zahlreiche Völker nichts mit dem Rest der Welt zu tun haben wollen: “Over one hundred tribes around the world choose to reject contact with outsiders. They are the most vulnerable peoples on the planet. Many of them are living on the run, fleeing invasions of their land by colonists, loggers, oil crews and cattle ranchers. They have often seen their friends and families die at the hands of outsiders, in unreported massacres or epidemics.”

Völker, die noch nie mit anderen Kontakt hatten, gibt es nicht. Wer das behauptete, könnte das auch nicht beweisen. Ich war vor zehn Jahren bei den venezolanischen Guahibo, die auch in meinem historischen Roman Die Konquistadoren auftauchen. Die ersten Weißen, die den Guahibo begegneten, waren die spanischen und deutschen Eroberer im 15. Jahrhundert. Alexander von Humboldt hat ebenfalls über sie berichtet (unten die kursiven Zitate).

Aus meiner Reportage vom 19.9.97 im Berliner Tagesspiegel: “Der gottverlassene Landstrich” über das Grenzgebiet Venezuela-Kolumbien nördlich des Rio Meta (vgl. unteres Foto)

“Am Ortsrand leben knapp hundert Guahibos, eng zusammengedrängt unter einem Wellblechdach und umgeben von Müllbergen. Die Guahibos sind Nomaden, die Mehrzahl stammt aus Kolumbien. Sie nennen ihre Wohnstätte garpón, “großes Haus”, und erhalten Sozialhilfe; einige Männer sprechen spanisch und verdingen sich für ein Almosen als Gelegenheitsarbeiter auf den umliegenden Farmen. Das gibt böses Blut: der Wahlkampf steht vor der Tür, und Lokalpolitiker haben Parolen ausgegeben, die frei übersetzt lauten: “Guahibos raus!” und: “Arbeitsplätze zuerst für Einheimische!” Pater Christobal ist Pole und aus Ostpreußen gebürtig. Sein klimatisierter Amtssitz nimmt die ganze Breite der Plaza Bolivar von Elorza ein. Als öffentliche Person könne er zwar nicht immer laut sagen, was er denke, aber seine kirchliche Autorität geltend machen. “Vor fünfzehn Jahren haben Viehzüchter und ihre Handlanger ein Massaker an den Guahibos verübt”, erzählt er, “es gab siebzehn Tote, auch Frauen und Kinder. Einige Überlebende hausen im garpón. Sie haben heute noch Angst. Die Schuldigen waren bekannt, wurden aber nicht bestraft.”

Man erfährt, daß der örtliche Automechaniker Roberto Para vor einigen Jahren eine Anthropologin aus Paris zu den nomadisierenden Guahibos gefahren hat, die irgendwo in der Savanne leben. Bis zum Rio Meta, der Grenze zu Kolumbien, sind es rund 200 Kilometer, aber es gibt in diesem gottverlassenen Landstrich nur zwei aufgegebene Gehöfte. Die kolumbianische Guerilla macht das Gebiet unsicher, attackiert die venezolanischen Grenzposten und erhebt bei nächtlichen Überfällen von den Viehzüchtern “Kriegssteuern”.

Fünf Stunden mit dem rüttelnden Jeep durch die Savanne. Der Boden zeigte überall, wo er von der Vegetation entbößt war, eine Temperatur von 48 bis 50 Grad. Die Ebenen ringsum schienen zum Himmel anzusteigen, und die weite unermeßliche Einöde stellte sich unseren Blicken als eine mit Tang und Meeralgen bedeckte See dar. Im Norden stehen Rauchsäulen am Himmel – die Rancher nennen das “Flurbereinigung”.

Indios

Ein schlammiger Fluß: der Rio Capanaparo. Ein alter Mann rudert den Reisenden schweigend an das andere Ufer. Wieder ein garpón. Aller Augen richten sich auf den chefe. Der erklärt in stockendem Spanisch: Das Feuer und die Viehzucht engen den Lebensraum der Guahibos immer mehr ein. Sie litten Hunger, weil sie nicht mehr jagen könnten. Die Regierung lobt sich im Ausland für ihre gut gemeinte, das heißt paternalistische Indianerpolitik. Sie bietet den Nomaden an, gratis in Reihenhaussiedlungen wohnen zu können wie die katholischen und assimilierten Indianer am Orinoco. Dort wären sie geschützt vor Übergriffen sowohl der kolumbianischen Guerilla als auch der Viehzüchter. Doch sie wollen nicht.

Kein Stamm ist schwerer seßhaft zu machen als die Guahibos. Lieber leben sie von faulen Fischen, Tausendfüßen und Würmern, als daß sie ein kleines Stück Land bebauen. Wir fanden daselbst sechs von noch nicht katechisierten Guahibos bewohnte Häuser. Sie unterschieden sich in nichts von den wilden Indianern. Ihre ziemlich großen schwarzen Augen verrieten mehr Lebendigkeit als die der Indianer in den übrigen Missionen…Mehrere hatten einen Bart; sie schienen stolz darauf, faßten uns am Kinn und gaben uns durch Zeichen zu verstehen, sie seien wie wir.

Die ersten Weißen, die die Guahibos kennenlernten, waren Deutsche – im 16. Jahrhundert. Die Konquistadoren Georg Hohermuth von Speyer und Friedrich von Hutten zogen 1535 im Auftrag der Welser von Coro an der Küste nach Süden, bis in das Quellgebiet des Guaviare im heutigen Kolumbien. Mehrere hundert deutsche und spanische Landsknechte durchstreiften monatelang die Savanne, ausgemergelt vor Hunger und vergeblich auf der Suche nach einem Paß in die Anden, in das Land der Muisca, zum legendären El Dorado. Die Muisca zahlten mit Gold für die Kinder der Guahibos, erfuhren sie.

“Fiengent ain Cassicquen oder Obersten, ßo sagt, er wer auff der andern Seitten des Birgs gewest, gab uns groß Zeittung von Reichtumb. Vermochten aber mit den Pfferden nit hynuber…” berichtet der fränkische Edelmann Philipp von Hutten am 30. Oktober 1538 aus Coro an den kaiserlichen Rat Matthias Zimmermann in einem der ersten Briefe, den ein Deutscher aus Südamerika geschrieben hat.”