Revolution usw.

Oruro

Fotografiert in der Bergarbeiterstadt Oruro, Bolivien 1984

La Paz

la paz

La Paz, Bolivien 1980

Faustinos Ort oder: Aguirre lässt grüßen

Puerto MaldonadoRio Madre de Dios

Mitte Mai 1984 reisten wir von La Paz aus in die bolivianischen Yungas, ein paar Wochen später flogen wir mit einer Militärmaschine nach Riberalta im Nordosten, im Pando-Dschungel, nahe der brasilianischen Grenze. Von dort aus wollten wir per Schiff wieder nach Westen nach Peru.

Aus meinem Reisetagebuch: 13. Juni: Wir schwimmen auf dem Rio Madre de Dios. Eine Angelegenheit, die einen eigentlich inspirieren müsste, einen Abenteuerroman zu schreiben, wenn man nicht gerade an die vielen kleinen Unannehmlichkeiten denkt, die schnell vergessen sind, aber das Gefühl in der Gegenwart beeinflussen. Der Schiffsmotor ist so laut, dass die Zähne und die Zunge vibrieren. Der Kaffeetopf starrt vor Ruß, der sowohl in unsere Tassen fällt als auch auf den Fingern kleben bleibt. Ein Klo gibt es nicht. Die Moskitos lassen sich von dem leichten Lüftchen, was anderen Ortes Fahrtwind heißt, nicht beeindrucken. Ich sitze am Bug. (…) Wir fahren ganz dicht am Ufer, um der Hauptströmung des Flusses möglichst wenig Widerstand zu bieten. Angesichts des Ufers scheint es mit, dass wir ungefähr Fahrradtempo fahren.

Gestern wagte ich es, in der Schlammbrühe ein Bad zu nehmen. Die pasajeros beobachteten mich, als wenn sie vermuteten, ich müsste im nächsten Augenblick untergehen. Aber der Fluss erfrischt.

14. Juni. Der zweite Tag auf dem Rio Madre de Dios. Wir haben unsere Reisepläne geändert. Heute Morgen erfuhren wir zufällig im Gespräch, dass dieses Schiff wohl das letzte ist, was noch flussaufwärts fährt, weil der Flusspegel so niedrig ist, dass zwischen Chivé bzw. Puerto Heath [an der Grenze zu Peru] und Puerto Maldonado wegen irgendwelcher Stromschnellen keiner mehr durchkommt. (…) [Zu Chive vgl. Der Katschuksammler, revisited und Tag der Arbeit, Goma in Riberalta ] (…)

Puerto Maldonado, Freitag, 28. Juni: Wir haben es geschafft! Unter schier unbeschreiblichen Umständen und den sie begleitenden Gefühlen und Eindrücken. Natürlich mussten wir in Chive tagelang warten, als wir von den Kautschuksammlern zurückgekehrt waren, und selbst dann war es noch lange Zeit fraglich, ob wir wegkommen würden, weil der „Sur“ [kalter Südwind] wieder losbrach mit einem Sturm sondergleichen und starken Regengüssen. Die Temperatur sank in zwei Stunden ca. 15 Grad. (…) Wir schlafen auf Säcken mit Paranüssen.

B. hat Schüttelfrost und schwankt zwischen totaler Verzweiflung und Thomapyrin-Hochstimmung, die später wieder umschlägt, weil die Tabletten das Fieber nur unterdrücken. Ich kann auch kaum schlafen, weil die „Unterlage“ überall zwickt, die Moskito-Stiche verteufelt jucken und der Schweinwerfer der Papillon [so hieß das Schiff] genau in meine Augen leuchten, wenn sie schwenken. Unsere Schlafsäcke stinken widerlich nach Schweiß. B. hat eine dicke Beule von einem Mückenstich unter dem Knie, die noch zusätzlich schmerzt, und eine hinterm Ohr. Es reicht. Am Morgen fühlen wir uns etwas besser, aber wie durch den Kakao oder etwas Schlimmeres gezogen.

Die Strömung ist so stark, dass das Schiff zeitweise auf der Stelle „tritt“ oder rückwärts treibt. Außerdem liegt es so tief im Wasser, dass die Spritzer der Bugwellen bedenklich ins Schiff schlagen. (…) Mitten in der Nacht machen wir fest, ein paar peruanische Grenzer kommen verschlafen an Bord. Ich versuche Smalltalk. Sind hier öfter Touristen gewesen? Sie überlegen: „In diesem Jahr erst ein Ausländer…“ (…)

Endlich taucht Puerto Maldonado auf – Faustinos Ort – ein hoher Hang mit Holzhäusern und dem unübersehbaren Wasserturm. Rechts davon eine rote Lehmküste, die aussieht wie in Helgoland. (…) Wir nehmen ein Fahrradtaxi; der Fahrer ist so schüchtern, dass er kaum ein Wort herausbringt, als hätte er noch nie Fremde gesehen.

Mercado

mercado

Straßenmarkt in La Paz, Bolivien (1984)

Behelmt, revisited

tarabuco

Das Foto habe ich 1984 in Tarabuco in den bolivianischen Anden gemacht.

Tag der Arbeit

chive

Ein Nachtrag zu meinem Posting vom 04.04.2011: Der Kautschuksammler, revisited. Waschtag an einem kleinen Fluss im Urwald, wo wir bei Kautschuksammlern zu Gast waren. Es ist nicht mehr herauszufinden, wo das genau war – wir sind von Chive ein paar Stunden über einen kleinen Trampelpfad noch Nordwesten gegangen. Auf der Karte ist ein Flusslauf zu erkennen, eine Siedlung gab es damals nicht, nur zwei Hütten. Die werden natürlich nicht mehr da sein, aber der Mann hatte den Urwald ein wenig gerodet. (Es könnte hier gewesen sein.)

Besuch beim Herrn der Unterwelt

mine san jose Oruro

Aus meinem Reisetagebuch vom 31.1.1980 Oruro, Bolivien:

Ein Microbus fährt zur Mine San José. Wir werden von einem Büro zum anderen geschickt. Der subgerente verweist uns zum gerente [Manager], der wieder zurück. Wir haben den Eindruck, dass sie Ausländer nicht gern da unten sehen.

Erst nach stundenlangem Palaver, als ich erkläre, dass mein Vater und meine Großväter auch Bergleute waren, bricht das Eis. Sie treiben einen ingeniero auf. Der rüstet uns mit Stiefeln, Lampe und Helm aus und begleitet uns in die Mine. Es arbeiten dort rund 700 Leute. Die Mine sei 400 Jahre alt. Gefördert werden Kupfer, Silber, Blei und Zinn.

Die Mine sieht teilweise aus wie eine Mischung aus Korallenriff und Tropfsteinhöhle. Das oxidierte Kupfer fühlt sich ganz weich an. Es gibt erstaunlich wenig Stempel. obwohl Flöze bis 80 cm abgebaut werden.

In einer Grotte sitzt el Tío, der „Heilige“ der mineros oder auch der Herr der Unterwelt. Ihm muss man etwas opfern, sagen sie.

Wir fahren mit zwei Aufzügen abwärts. Die Konstruktion ist recht wackelig, nur für fünf Personen, bis auf über 300 Meter Tiefe.

Die Bergleute sind bei somos Alemanes („wir sind Deutsche“) recht freundlich und schnorren erst einmal Zigaretten.

Man benutzt verschiedene Abbaumethoden, verbunden mit Sprengungen. Sie bauen die Erze meistens horizontal ab, teilweise maschinell, manchmal auch vertikal. Luftzirkulation fühlen wir, obwohl unser Ingenieur zwei Mal Gasalarm gibt.

Die Arbeitsbedingungen der mineros, die mit dem Presslufthammer arbeiten, sind schlecht. Es herrscht ein wahnsinniger Krach. Sie benutzen keinen Staubschutz, weil sie so schwitzen und auch noch Koka kauen. Ich werde aber trotzdem zum Fotografieren eingeladen.

Wir sind beeindruckt. Im Gästebuch sind wir die ersten überhaupt seit einem halben Jahr.

Cementerio de trenes

cementerio de trenes Pulacayo

Da bin ich im Führerhaus einer ausrangierten Dampflok (Potosi 1980). Ich habe lange gesucht, wo genau das ist. Fast alle Links gehen zum Cementerio de Trenes (Eisenbahnfriedhof) von Uyuni – da bin ich aber nie gewesen. Die obige Lok steht im Cementerio de trenes de Pulacayo.

Sucre aka Charcas aka Chuquisaca

sucre

Blick auf Sucre, die Hauptstadt (!) Boliviens. Das Foto habe ich am 6. Februar 1980 gemacht – von einer Mauer des Klosters La Recoleta. Damals waren wir die einzigen Touristen in der Stadt.

Ich freue mich jedesmal, wenn ich heutige Fotos suche und feststellen muss, dass die üblichen Verdächtigen Geld dafür haben wollen (und deshalb die Aufnahmen mit digitalen Wasserzeichen versehen). Remember: Photos are licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Germany License.

Schläfrig und heiss

reyes

Die Hauptstraße von Reyes im Departamento Beni in Bolivien (1984).

Damals war Reyes ein winziges, staubiges und brüllend heißes Nest. Hier habe ich eine Woche lang absolut nichts gemacht, ausser auf ein Flugzeug der Bolivianischen „Luftwaffe“ zu warten, das mich weiter in den Norden in den Pando brachte. (vgl. Rurrenabaque – Stilleben mit Katze und Schwein)

Haus des Geldes

casa de moneda

Potosí, Bolivien (1980), Casa de Moneda. Es gibt zwar viel schönere Fotos, aber aus meiner Perspektive hat offenbar niemand ein Foto geschossen.

Cerveza Potosina

Cerveza Potosina

Auf dem Werbeschild steht: Trinke niemals Wasser oder ähnliches, trinke immer (dein) Cerveza Potosina (Bier). Fotografiert 1980 in Potosi, Boliven. Das hätte hierzulande wieder irgendwelche schmallippigen Jugendschützer und Tugendwarte auf den Plan gerufen.

Rio Mamore, revisited

rio mamore

Mit dem obigen „Seelenverkäufer“ war ich vor vierzig Jahren eine Woche unterwegs auf dem Río Mamoré, von Puerto Villaroel bis nach Trinidad. Damals war alles überschwemmt und wir brauchten vom Río Mamoré bis in die Vororte von Trinidad ein Kanu, weil die Strasse nicht mehr da war. Von Trinidad sind mein Begleiter und ich dann an die brasilianische Grenze geflogen. (Vgl. mein Posting aus dem Jahr 2011)

Auf der Werft

puerto villaroel

Puerto Villaroel am Rio Mamoré, Boliven 1980. Die „Marschall“ ist schon ein wenig heruntergekommen. (Vgl. auch mein Posting vom 04.01.2011)

Huelga General!

huelga general

Generalstreik! Huelga general! (Bolivien 1984) Militante Bergarbeiter demonstrieren in La Paz vor dem Präsidentenpalast gegen den Präsidenten Siles Zuazo. Die Regierung hatte den Generalstreik für illegal erklärt. (Vgl. mein Posting vom 07. Juni 2011 – das obige Foto hatte ich noch nicht veröffentlicht.)

Copacabana

copacabana

Das Foto habe ich in Copacabana in Bolivien (1984) gemacht. Hinter dem Cerro Calvario und der Stadt liegt der Titicaca-See. Auf Aymara heisst Titicaca „grauner Puma“. Der Ort Copacabana war damals ein verschlafenes Nest, nur zu Ostern trafen zahllose Pilger ein.

Nimm besser den Bus!

Tarabuco

Manchmal ist es angenehm, wenn man schon einen Sitzplatz im Bus hat…(bei Tarabuco in den bolivianischen Anden, 1984).

Goma in Riberalta

roberalta

Riberalta, der Ausgangspunkt für den Pando-Dschungel Boliviens (1984). Es gibt auch heute noch keine Straße nach Riberalta, die durchgehend befahrbar ist, man bewegt sich auf Booten fort. Der Rio Madre de Dios ist der größte Fluss. Im Pando gibt es nur Paranüsse und Naturkautschuk, die sich ökonomisch verwerten lassen. Auf den Booten sieht man große Rollen Kautschuk, der im Dschungel gesammelt und vorgefertigt wurde.

Sabaya oder: Durch die Wüste

Sabaya

Hier ein bisher unveröffentliches Foto aus Bolivien (1984). Im Hintergrund liegt die Kleinstadt Sabaya (auf Google Maps ganz links), am Rand der großen Salzwüste, nicht weit von der chilenischen Grenze, damals ein gottverlassenes Nest, zu dem man zwei Tage mit dem LKW über eine halsbrecherische „Straße“ brauchte. Von dort aus machten wir uns mit den schweren Rucksäcken zu Fuß auf (auf dem Foto ist meine damalige Freundin zu sehen), um Chipaya weiter im Osten zu erreichen (auf Google Maps ganz rechts). Wir sind den ganzen Tag in glühender Sonne marschiert und mussten auch noch durch Flüsse waten. Damals habe ich die Grenzen meines Körpers kennengelernt…. Ich wüsste gern, ob ich das heute noch könnte.

Hexen und Lama-Föten

lama-föten

Lama-Embryos auf dem so genannten „Hexenmarkt“ in La Paz (Bolivien 1984). Die Föten werden zum Beispiel als Glücksbringer in die Fundamente von Häusern eingebaut.

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