Illimani

Illimani

Der Illimani (6.439 Meter), das Wahrzeichen von La Paz, Bolivien. Das Foto habe ich 1984 von meinem Hotelzimmer aus gemacht.

Uru Chipaya

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Eine Ansichtskarte aus Boliven (1984) von Chipaya. Die Dorfbewohner wollten nicht fotografiert werden; diesen Wunsch habe ich respektiert.

Der exotischste und auch abgelegenste Ort, den ich in meinem Leben jemals besucht habe, ist zweifellos Chipaya in der Salzwüste im Westen Bolivens. Nur in diesem kleinen Dorf wohnen die letzten Ureinwohner Boliviens, also diejenigen, die vor der Eroberung Boliviens durch die Inka die Wüste besiedelten. Über die Uro Chipaya findet man im Netz nur wenige Informationen, und das was es gibt, stammt oft von christlichen Missionaren, die bald den letzten Rest dieser ursprünglichen Sprache und Kultur ausgerottet haben werden, wie an so vielen Orten der Welt.

Die Urus am Titicaca-See werden den Touristen oft als “Ureinwohner” verkauft Das ist aber mitnichten so; sie sind meistens Aymara. “Die ursprüngliche Sprache der Urus (Urukilla bzw. Uruquilla) war mit der Chipaya-Sprache eng verwandt bzw. wird mit dieser als Uru-Chipaya zusammengefasst. Die Urus selbst bezeichneten ihre Sprache bisweilen als ‘Pukina'; dieses darf jedoch nicht mit dem historischen Puquina (Pukina) derselben Region verwechselt werden, das eine völlig andere Sprache war.”

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Chullpas und Getreidespeicher in der Salzwüste in der Nähe von Sabaya. Im Hintergrund kann man die schneebedeckte chilenische Kordillere erkennen.

The Uru Chipaya is one of the most ancient people of South America, originating from 1500-2000 B.C. In the 16th century, the Uru Chipaya represented a quarter of the Altiplano Andean population. Nowadays, their territory represents a mere 920 km2, and the Uru Chipaya population counts little more than 2 000 individuals. The Uru Chipaya live in the Bolivian Altiplano bordering the salt desert of Coipasa, chipayaat an altitude of 3640 m. Their territory is organized in 4 ayllus (or communities): Unión Barras, Aranzaya, Manazaya and Wistrullani. The traditional habitat consists of a group of circular houses built with mud and straw. One house serves as kitchen, another one as room, and so on and so forth.

Wie ich dort hingekommen bin – von der Bergarbeiterstadt Oruro in die Salzwüste in der Nähe der chilenischen Grenze -, habe ich hier schon am 08.04.2013 (“In der Salzwüste: Un poco mas Atletismo”) beschrieben.

Von Escara aus waren es noch rund 20 Kilometer Fußmarsch. Meine damalige Freundin und ich ließen das schwere Gepäck in Escara und nahmen nur einen leichten Rucksack mit Lebensmitteln für ein paar Tage und das Nötigste mit – wie einen Schlafsack, weil es trotz der brüllenden Hitze tagsüber in der Nacht schneidend kalt sein kann. Immerhin liegt die Salar de Coipasa 3500 Meter hoch. Es gibt weder Bäume noch Büsche.

Wir kamen vollig erschöpft am späten Nachmittag an; man hatte uns den “Weg” beschrieben, aber die Beschreibung war nicht viel mehr als ein Fingerzeig in die richtige Himmelsrichtung. Wir waren doch froh, dass wir irgendwann am Horizont die Rundhütten sahen. Eine Frau in der Tracht der Chipaya verkaufte uns für einen Pfennigbetrag frisch im Backofen gebackenes Brot – ich denke, das war das leckerste Brot meines Lebens.

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Die traditionellen Rundhäuser der Poquina aka Uro Chipaya sind am besten für die extremen Temperaturunterschiede geeignet. Leider werden sie immer mehr, auch durch den schlechten Einfluss der Missionare, durch Wellblech ersetzt.

Da zwei Clans das Dorf regierten, gab es auch zwei “Bürgermeister” (Alcalden), die unterschiedlicher Meinung waren, wie wir zu behandeln seien. Der eine begrüßte uns freundlich und wies und den einzigen Raum der winzigen Dorfschule als Schlafplatz. Der andere bedeutete uns mehr oder weniger höflich, das wir unerwünscht seien. Die Fotos habe ich daher auch nur heimlich gemacht.

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Der Friedhof von Chipaya ist auch via Google Maps noch gut zu erkennen. Am Fuße der Berge im Hintergrund liegt der winzige Ort Escara, vom dem aus wir losmarschiert waren.

Ich erinnere mich noch an die Nacht. Ich musste austreten, aber natürlich gab es in ganz Chipaya nichts, was auch nur annähern nach einer Toilette aussah, noch nicht einmal einen “Donnerbalken”. Man geht einfach an den Dorfrand und verrichtet sein Geschäft dort. Es war klirrend kalt und eine sternenklare Nacht, einige Hunde bellten halb im Schlaf. Sonst hörte man rein gar nichts. Das kann sich ein Mensch, der in der Stadt wohnt, nicht vorstellen. Es war unglaublich intensiv.

Wer einmal den südlichen Sternenhimmel gesehen hat, mit dem Kreuz des Südens, das man mit bloßem Auge wandern sieht, der wird das nie vergessen. Der große Wagen, den man hier gut sehen kann, verschwindet in Südamerika fast am Horizont. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie weit man von Europa weg ist.

Wir blieben einen Tag in Chipaya. Man sagte uns, am nächsten Tag käme ein Lastwagen, der wieder nach Norden führe, der würde uns mitnehmen – was auch geschah. Der Fahrer, selbst Aymara-Indio, machte sich über die Dorfbewohner lustig und nannte sie “pielroja” (“Rothäute”), wieder ein Beweis, dass “indianisch” nichts mit der Haut oder der Abstammung zu tun hat, sondern eine Lebensweise im Verhältnis zum Mainstream meint.

Wamanqa aka Mamitas

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Das Foto habe ich 1984 irgendwo in Bolivien gemacht. “Wamanqa” ist Quechua aka runa simi und bedeutet eigentlich “Mütterchen”. Im südamerikanischen Spanisch ist das Diminutiv von “mamá” (madre, Mutter) “mamitas” (Plural).

Immerhin habe ich in der Überschrift mit drei Wörtern drei Sprachen untergebracht (wenn man das Akronymaka” für ein “Wort” nimmt).

Caranavi oder : Run through the Jungle, revisited

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Das Foto zeigt die bolivianische Kleinstadt Caranavi in den Yungas. Caranavi – damals rund 5000 Einwohner – ist das Tor zum Dschungel und war voller Siedler und Glücksritter. Von dort aus ging es per LKW zum Alto Beni. Im April 2012 hatte ich schon etwa hierzu gepostet (“Run through the Jungle”). Das Foto habe ich im Mai 1984 gemacht.

Cesar Lora, Isaac Camacha und die permanente Revolution

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Wer ein Herz hat und für die kleinen Leute ist, die man früher hierzulande Arbeiter nannte (sogar dieses Wort ist aus den Kapitalismus-affinen Mainstream-Medien verschwunden), der sollte nach Bolivien fahren. Oder dieses Video ansehen – auch wenn es in Spanisch ist: Der Rhythmus und die Gefühle, die vermittelt werden, reichen aus, um sich vorstellen zu können, wie ein kämpferischer Arbeiterführer (Frauen inbegriffen) oder Gewerkschaftler sein könnten. Nicht wie diese zahnlosen und die Obrigkeit anschleimenden Gestalten hierzulande, die sich “Tarifpartner” des Kapitals schimpfen.

Ein halbes Jahrhundert nach der Ermordnung Cesar Loras und Isaac Camachas wird ihrer immer noch gedacht – aber nur von den Bergarbeitern Boliviens. Das Bild habe ich 1984 in Llallagua in Bolivien gemacht in der Nähe der Zinnmine Catavi-Siglo XX, die meine damalige Freundin und ich besichtigt hatten. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas.

Auf Wikipedia gibt es nur eine portugiesische Seite über Cesar Lora. (Ich habe bei archive.org noch etwas gefunden).

In Deutschland würde so ein Mann natürlich nie ein Denkmal bekommen: Cesar Lora war ein militanter trotzkistischer und unabhängiger Gewerkschaftsführer. Solche Leute wären in Deutschland vor 1945 ermordet worden, nach 1945 wären sie ins Gefängnis gegangen und hätten Berufsverbot bekommen. In Bolivien ist das anders. Ein Buchtitel, der mir beim Recherchieren auffiel, sagt schon genug: “Bolivia’s Radical Tradition: Permanent Revolution in the Andes”.

Das Denkmal zeigt auch, was solche Monumente bewirken können. Wir haben ja nur die steinernden Figuren der herrschenden Klasse überall herumstehen. Im Beitrittgebiet ist das noch anders, aber ich befürchte, dass in den Schulbüchern sorgsam ausgelassen wird, was sie bedeuten. Ernst Thälmann . den im KZ Buchenwald von den Nazis ermordeten Vorsitzenden der KPD – meine ich nicht; der hat der deutschen Arbeiterklasse vermutlich letztlich mehr geschadet als genutzt und was außerdem eine Marionette der Komintern und Moskaus.

Aber ich wollte nur ein Foto posten und keine Grundsatzdiskussion anfangen… Ja, übrigens hatte Trotzki recht.

In der Salzwüste: Un poco mas Atletismo

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Heute morgen kam mir beim Joggen auf der Brücke zum Görlitzer Park ein Rudel Fahrradfahrer entgegen. Ich rief ihnen ein fröhliches “ein bisschen sportlicher! Tempo!” zu, aber an ihren Reaktionen sah ich, dass sie mich nicht verstanden. Vermutlich hätte “more speed please!” oder “un poco mas atletismo” weitergeholfen.

Das erinnerte mich an eine urkomische Situation mitten in der Salzwüste von Bolivien (südestlich von Oruro, nordwestlich von Uyuni, deswegen heißt sie auch Salar de Uyuni) – einer der abenteuerlichsten Trips, den ich jemals unternommen habe (1984): Drei Tage mit dem LKW und anschließend 40 Kilometer zu Fuß, mit Rucksack, und nach drei Tagen wieder zurück. Mehr zum eigentlichen Reiseziel ein anderes Mal.

Auf der ersten Etappe sollte es nach Sabaya gehen. Wir starteten von Oruro aus (auf dem oberen Bild bin ich mit Rucksack zu sehen), ab Opoqueri, das damals nur aus einigen Häusern bestand (2. Bild von oben) gab es nicht wirklich eine Strasse, sondern eher eine Art “Landschaftsmerkmal”, das von den Reisenden – wir waren rund 40 Leute auf dem LKW – oft in Eigenarbeit zu einer “Straße” gebaut werden musste.

Bei langen, gefährlichen und anstrengen Reisen per LKW sind auf dem südamerikanischen Altiplano (die Salzwüste liegt 3500 Meter hoch) immer zwei Fahrer dabei. Wir haben für die rund 150 Kilometer übrigens zweieinhalb Tage gebraucht.

Es ist üblich, dass der LKW einige Kilometer, bevor das Ziel erreicht ist, anhält und man bezahlen muss. Der Fahrer möchte nicht, dass sich die Fahrgäste bei der Ankunft in alle Winde zerstreuen und die Zeche prellen. Sabaya ist ein elendes Nest, das sich gut als Kulisse für einen Film mit der Fremdenlegion eignen würde, aber die meisten der Reisenden wohnten da.

Als wir die Häuser Sabayas am Horizont erblickten, hielt der LKW an, die meisten sprangen ab und vertraten sich die Beine, während der zweite Fahrer kassierte. Danach setzte sich uralte Ford wieder in Bewegung, obwohl noch nicht wieder alle auf die Ladefläche geklettert waren. Die rundlichen Bäuerinnen und einige ältere Männer konnten auch nicht schnell laufen. Der Fahrer feixte und fuhr grad so schnell, dass die Zurückgebliebenen nicht zurückfielen, aber auch nicht hinaufklettern konnten. Der zweite Fahrer stand breit grinsend auf der Ladefläche und rief den Rennenden einen Satz zu, mit dem er sich bei mir unsterblich gemacht hat: “Un poco mas Atletismo!” (“ein bisschen mehr Athletik”). Nach wenigen Minuten hielt der LKW dann wieder an, und alle lachten sich kaputt.

Bolivien brüskiert die Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM)

Bolivien verstaatlicht Flughäfen. Das berichten die taz, Portal america21.de und bolivianische Medien. “Präsident Evo Morales begründete den Schritt damit, dass Sabsa seine Investitionsverpflichtungen über zwei Jahrzehnte nicht erfüllt habe. (…) Morales kündigte an, Abertis werde eine Entschädigung gezahlt. Die Höhe werde nach Berechnung der Firmenschulden von unabhängigen Prüfern festgelegt.”

Portal america21.de: “Die Verstaatlichung der Flughäfen reiht sich ein in die Strategie der Regierung zur Rückgewinnung der staatlichen Souveränität in zentralen Fragen der bolivianischen Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung.”

Wer bereibt eigentlich die deutschen Flughäfen (falls vorhanden)? Da werden ja sowieso die Schulden verstaatlicht.

Bolivien boomt

America21.de: ” Boliviens Wirtschaft boomt trotz der internationalen Finanz- uund Wirtschaftskrise, “während es den reichen Ländern und einigen Nationen Lateinamerikas schlecht geht”.

Eine der Gründe ist das El Nuevo Modelo Económico, Social, Comunitario y Productivo (in spanischer Sprache, September 2011), das sich explizit gegen die Neoliberalisten in den USA und die Glaubensgemeinschaft Freier Markt(TM) richtet.

Bolivien wird von der linken Partei MAS (Movimiento al Socialismo) unter Präsident Evo Morales regiert.

Alle Macht kommt aus den Gewehrläufen

Potosi

Das Denkmal für die revolutionären Minenarbeiter Boliviens habe ich 1984 in einem Barrio (Vorort) von Potosi, Bolivien, fotografiert. Im Hintergrund der berühmte Cerro Rico, der “Silberberg” (4000 m). Auf dem Mercado de los Mineros (Markt der Minenarbeiter) kann jeder legal Dynamit kaufen.

Dorfstrasse im Abendlicht

Macha

Die Dorfstraße von Macha im zentralbolivianischen Hochland. Die habe ich gesehen, als ich hier 1984 saß.

Burks unter Indianern

Tarabuco

Marktszene in Tarabuco in den bolivianischen Anden (1984). Der Mann links mit dem grauen Hut (halb verdeckt) bin ich.

Behelmt

TarabucoTarabuco

Die Fotos habe ich 1984 in Tarabuco in den bolivianischen Anden gemacht.

Unter Drogenschmugglern

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Das Foto habe 1984 ungefähr hier auf dem Rio Mamore in Bolivien gemacht. Die Leute waren Drogenschmuggler. Das war eine der zahlreichen Situationen, die wieder mal bewiesen, dass man die Sprache des Landes, das man intensiv bereist, kennen sollte. Ich musste jedenfalls stundenlang verhandeln, bevor sie mich mitnahmen. Man konnte sich denken, was sie mitführten, aber ich habe nicht nachgefragt.

Der Fluss war teilweise so flach, dass wir alle mit anpacken mussten, um das schwer beladene Boot über die Sandbänke zu bekommen. Für die Strecke von Santa Ana de Alto Beni im Boot bis nach Rurrenabaque brauchten wir zweieinhalb Tage.

Catavi-Siglo XX

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Die Bilder wurden 1984 in Llallagua in Bolivien gemacht. Das obige Foto zeigt den Eingang der Zinnmine Catavi-Siglo XX, die meine damalige Freundin und ich besichtigt hatten. Catavi war das größte Bergwerk Lateinamerikas. Die Mine war für Touristen geschlossen, wir hatten uns aber eine Sondergenehimgung der Comibol in La Paz geholt. Der Grund, warum man uns nach stundenlangen Verhandlungen den Besuch erlaubte, war einfach: Ich stamme aus eine Bergarbeiterfamilie und konnte das glaubhaft machen.

Sweet Dreams

sweet dreams

Das Bild habe ich 1984 am Rio Madre de Dios in Bolivien gemacht.

Run through the Jungle

jungle

Das Foto habe ich 1984 im Dschungel von Bolivien gemacht.

Mehr Details habe ich schon am 21.04.2005 hier publiziert: “In den Yungas”.

“Unser erstes Ziel war Caranavi, ein staubiger Ort wie im Wilden Westen, mit nur einer Hauptstraße. Aus meinem Reisetagebuch: ‘Vor Caranavi klettert ein Mann auf unseren LKW, der kontrolliert, ob der Fahrer nicht zuviel Fahrgeld von uns verlangt hat. Caranavi besteht nur aus einer Hauptstraße und einem hübschen Platz in einer Seitengasse. Es gibt jede Menge Läden und alojamentos, billige Unterkünfte. Wir handeln stundenlang um Moskitonetze und versorgen uns mit Benzin für den Kocher. Abends am Fluss, den Sonnenuntergang zu genießen.’

Der ganze nächste Tag vergeht mit der Suche nach einem LKW oder Pickup, der uns weiter zum Rio Beni bringen soll. Niemand weiß etwas Genaues, aber wir lernen den halben Ort kennen. Hier ist der Ausgangspunkt für zahllose Siedler aus den Anden, die im Urwald ihr Glück suchen wollen. Wir sind die einzigen Ausländer, und natürlich sagt uns irgendwann jemand Bescheid, jetzt sei ein Jeep da, der genau dorthin fahre, wo wir hin wollten. Wir fahren in die Nacht hinein. Ein Dutzend Reisende kauert auf der Ladefläche. Alle diskutieren, wo wir beiden Gringos aussteigen müssten. Leider werden sie sich nicht einig, weil sich niemand so recht auskennt, und mir schwant nichts Gutes. Morgens kurz vor Sonnenaufgang meint der Fahrer, wir sollten absteigen. Es gibt nur eine Hütte, offenbar ein Polizeiposten. Hier sei Santa Ana de Alto Beni. Aber die zwei Männer sind freundlich und genauso verschlafen wie wir. Dann klettert die Sonne über den Horizont, und wir stehen auf einer Bücke über den Rio Beni (vgl. Bild oben), mitten im Dschungel. ‘Ihr müsst nur noch rund zehn Kilometer laufen bis zum Hafen, wo die Schiffe nach Norden in den Pando ablegen’, sagt der Polizist. Unsere Rucksäcke wiegen 20 Kilo, und tagsüber wird er rund 40 Grad heiß im Tiefland. Also einfach los, bevor die Sonne unerträglich wird. Und wir kommen noch vor Mittag nach Puerto Linares, einem Straßendorf mit ein paar Dutzend Holzhäusern. Eine Hütte direkt am Fluss ist leer, dort schlagen wir unser Lager auf. Ohne Hängematte ist man hier verloren und würde vermutlich von den Ameisen aufgefressen.'”

Heute weiss ich, dass ich im Pilon Lajas Indigebous Territory Park unterwegs war und dass die Männer, die uns damals von Santa Ana de Alto Beni im Boot bis nach Rurrenabaque im Norden mitnahmen und mit Dynamit fischten, Schmuggler waren.

Legalize it!

Portal america21.de: “Boliviens Präsident Evo Morales hat in Wien erneut für die Legalisierung des Koka-Blattes geworben”.(…)

In Bolivien gibt es keine freie Kultivierung von Koka, aber es kann auch nicht keine Kultivierung geben”, sagte Morales mit Bezug auf den Versuch seines Landes, das Kokakauen wieder zu legalisieren. Es sei ein historischer Irrtum gewesen, dass Bolivien im Jahr 1976 unter einer De-facto-Regierung das UNO-Betäubungsmittelabkommen von 1961 unterzeichnet habe. Er stehe vor den Delegierten mit einem Mandat des bolivianischen Volkes, um die Verfassung und das Recht auf Kokakauen zu verteidigen. Morales stellte zudem einige Koka-Produkte vor (Tee, Marmelade, Koka-Likör). Das Blatt sei “Teil unseres nationalen Erbes und in seiner natürlichen Form nicht gefährlich”. Deswegen habe sein Land die Unterzeichnung unter dem Abkommen vorrübergehend widerrufen.

Das müsste man mal einem hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten unter die Nase reiben. Aber dafür reicht deren Intelligenz nicht aus. Rationale Argumente zählen im Drogen-Diskurs nicht. Historische Irrtümer wie etwa das Cannabis-Verbot werden in Deutschland nie widerrufen.

Und dann der Regen

lluviaGestern war ich im Kino, zusammen mit meiner Lieblingsfreundin, und hatte mit der Auswahl wieder Glück: “Und dann der Regen” ist (neben Avatar – Aufbruch nach Pandora) einer der besten Filme, den ich jemals gesehen habe.

Ich war auch deshalb gespannt, weil ich mehrere Male im bolivianischen Cochabamba gewesen bin (1980 und 1984), und dort spielt der Film. Ausserdem werden Personen erwähnt und zitiert, die in meinem Roman “Die Konquistadoren” vorkommen – Anton de Montesinos zum Beispiel.

Die Filmkritik der Berliner Zeitung trifft es: Man könnte meinen, dies interessiere nur eine Minderheit: Ein spanisches Filmteam will von Kolumbus und den finsteren Begleitumständen der Entdeckung Amerikas erzählen. Ja, es scheint, als wäre “Und dann kam der Regen” ein Beitrag fürs Minderheitenprogramm, ein ausländischer Film für speziell Gebildete. (…)

Doch da hat die Regisseurin Icíar Bollaín dem Betrachter bloß eine Falle gestellt. Denn dies ist zwar eine Geschichte über den Versuch, politisch korrekt über die Vergangenheit zu berichten, doch sie wird von der Gegenwart eingeholt. Es ist die Geschichte von Leuten, deren gute Absichten einer strengen Prüfung durch die Realität unterworfen werden. Und es ist eine Geschichte über uns selbst, die Zuschauer. Denn auch der Betrachter wird sich fragen, was seine Werte wert sind.

Man kann Vor Wut weinen oder vor Rührung – der Film ist unglaublich mitreissend. Winzige Gesten und Momente füllen jede Sekunde aus und schaffen mehrere Ebenen gleichzeitig. Aus dem Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung (“Prädikat besonders wertvoll”):
Der Film ist in vieler Hinsicht hervorragend konstruiert in seinem Wechsel der Ebenen, die wie selbstverständlich ineinander übergehen, ohne den Eindruck einer sprunghaften Beliebigkeit zu vermitteln. Die Musik ist äußerst zurückhaltend und sparsam eingesetzt und nie überzogen. Der Zuschauer wird auch bei den dramatischsten Momenten des Films nie bewusstlos in einen Sog der emotionalen Identifikation hineingezogen, es kommt durch den Wechsel der Ebenen immer zu einer Distanz wahrenden Haltung des Betrachters zum Ablauf der Ereignisse. Der Film nimmt auf diese Weise den politisch ungeschulten Zuschauer mit, verweist auf die Konflikte in unserer am Kapital orientierten Welt, und zeigt beispielhaft, ohne den didaktischen Zeigefinger zu bemühen, dass sich die Geschichte der Ausbeutung und Erniedrigung immer noch und überall wiederholt.

Witziges Detail am Rande: Der Regisseur des Films im Film lässt die Indianer, auf die Kolumbus trifft, Ketschua (Quechua oder auch Runasimi) sprechen, die Sprache im Inka-Reich der Anden. Das ist natürlich Blödsinn, weil die Ureinwohner der Nordküste Südamerikas Arawakbzw. Taino sprachen. Im Film wird der Regisseur auf diese Ungenauigkeit hingewiesen, aber das interessiert ihn natürlich nicht nicht nach dem Motto – für den Zuschauer sind Indianer halt Indianer, ganz egal, was sie sprechen. Leider macht die Regisseurin auch einen Fehler, und mittlerweille bin ich mir gar nicht sicher, ob sie den nicht bewusst eingebaut hat, um die Zuschauer wieder zu verunsichern: Die Darsteller des Kolumbus-Films im Film sprechen in ihrem “realen” Leben Ketschua; in Bolivien sprechen aber die meisten Leute Aymara. Wer das verwechselt, müsste auch den Unterschied zwischen Deutsch und Holländisch ignnorieren.

Liebe wohlwollende Leserin und lieber geneigter Leser: “Und dann der Regen” ist außerdem ein unglaublich guter Revolutionsfilm, obwohl das gar nicht sein Thema ist. Und deshalb empfiehlt ihn Burks ganz besonders. Auf jeden Fall ansehen!

Esst mehr Fisch!

pando

Das Foto wurde 1984 in Rurrenabaque am Rio Mamore in Bolivien gemacht. Ich entschuppe einen frischen Fisch für den Kochtopf.

Mucha Plata

dinero

Nein, das sind umgerechnet nur rund 100 US Dollar, aber das kommt davon, wenn man in Bolivien zu Zeiten einer Hyperinflation herumreist. In Lateinamerika benutzt man übrigens statt des spanischen Wortes “dinero” für “Geld” plata (“Silber”).

Aufgenommen 1984 in La Paz, Bolivien

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