Freimaurer – Die Söhne der Witwe

Weiß noch jemand, dass ich vor mehr als zwei Jahrzehnten inkognito bei den Freimaurern war? Aus aktuellem Anlass hier ein Lesetipp, den die Freimaurer den Journalisten garantiert nicht weitererzählen. Sie können auch davon ausgehen, dass deutsche Journalisten meistens nicht recherchieren, sondern sich mit dem zufriedengeben, was ihnen die PR-Abteilung jeweils hinwirft (wie gerade eben die Tagesschau). [Ich habe die Reportage 2003 in meinem alten Blog spiggel.de veröffentlicht; die Links werden vermutlich nicht mehr alle funktionieren.]

Freimaurer: Die Söhne der Witwe [Aus meinem Buch: „Unter Männern“, Reinbek 1988]
[Freimaurer 1] In der Kammer der verlorenen Schritte 1
[Freimaurer 2] In der Kammer der verlorenen Schritte 2
[Freimaurer 3] In der Kammer der verlorenen Schritte 3
[Freimaurer 4] Vor dem Tempeltor
[Freimaurer 5] Geheime Obere und staatsfreundliche Verschwörer 1
[Freimaurer 6] Geheime Obere und staatsfreundliche Verschwörer 2
[Freimaurer 7] Die Reise ins Licht 1
[Freimaurer 8] Die Reise ins Licht 2
[Freimaurer 9] Die Herren der Tafelrunde

Dionysus, die Schlange und orgiastische Feten mit dem Stier

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Credits: Prof saxx [Public domain], via Wikimedia Commons

Und den stierförmigen Gott bracht
Er zur Welt, als er gereift war
Von der Zeit, kränzte mit Schlangen
Ihm die Stirn, daß die Mänaden
In die Haarlocken sich flechten
Dies gefangene Tier.

(Euripides: Die Bakchen)

Mythen haben mich immer fasziniert – kryptische, ja geheimnisvolle Erzählungen, deren wahren Kern man vielleicht entschlüsseln kann. Heute weiß ich, dass es immer um Astronomie geht, dass diese Tatsache aber nicht immer im Bewusstsein derer, die Mythen tradieren, präsent ist. (Ich sage nur: Hertha von Dechend und Die Mühle des Hamlet!)

Vor und parallel zum Mythos existiert der Ritus mit seiner Teilmenge „Tanz“. Bei Marija Gimbutas: Göttinnen und Götter des Alten Europa: Mythen und Kultbilder fand ich eine interessante Passage über stiergestaltige Gottheiten (schon im 5. Jahrtausend v. Chr. auf dem Balkan präsent), die den gebildeten Europäer natürlich sofort an Dionysus erinnern. Die alten Griechen machten dazu voll die Party. Gimbutas schreibt:

… bei diesen Feuerlichkeiten, in die Elemente hohen Alters eingegangen sind, erscheint Dionysos als Jahresgott. Bei den Winter- und Frühjahrsfeiern herrscht die Idee der Erneuerung vor; in dem Fest wird ein orgiastisches Szenario von ackerbäuerlicher Kultur mit Phallen, phallusförmigen Krügen, Schöpflöffeln und Kultschalen wiederbelebt, und der Stiermann (Dionysos) heiratet die Königin (Göttin).

Den im Januar angehaltenen Lenaia gingen die ländlichen Dionysia voran, bei denen Phalli in Prozessionen unter allgemeiner Lustbarkeit herumgetragen wurden, um die Fruchtbarkeit der Herbstsaat sowie der im Winter ruhenden Scholle zu befördern. Dem Bildnis des Dionysos wurden Opfergaben dargeboten (…); es wurden Priapuslieder und solche über Ziegen gesungen.

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Credits: Sailko, via Wikimedia Commons.

Der Sinn der Lenäen bestand darin, die schlummernde Natur zu erwecken (Deubner, 1956; James 1968: 142f.). Die Stadtdionysien im März dienten ebenfalls dazu, Fruchtbarkeit zu fördern; zu diesem Fest sandten alle Städte des athenischen Herrschaftsbereichs das vornehmliche Fruchtbarkeitssymbol, den Phallus, als einen Teil ihres schuldigen Tributes (Webster 1959: 59). Die Anthesteria schließlich waren ein Blumenfest zu Ehren des Dionysos, schlossen Trinkgelage ein und waren von ausgelassener Fröhlichkeit beherrscht. Der zweite Tag wurde Choes genannt, der Tag der Weinbecher. Der Wein wurde den Krügen entnommen und zum Heiligtum des Dionysos in den Sumpfgebieten gebracht; dort wurde er in kleinen Krügen schweigend an alle Bürger verteilt, die älter waren als vier Jahre. Nachdem jeder getrunken hatte, wurde die Frau des Stadtvorstehers im Bukoleion (Rinderstall), assistiert von Frauen, die dem Dionysos zugunsten ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatte, mit dem Gott vermählt. (…)

Ein Heiligtum des Dionysos, dessen Gebrauch bis ins fünfzehnte Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden kann, wurde auf der Insel Keos entdeckt (Caskey 1964: 326).

Man muss sich das alles bildlich vorstellen! Es gibt gefühlt drei Fatastillionen Filme und Dokumentationen über das antike Griechenland, aber das Thema bleibt immer ausgespart.

Apropos Stiergott und Astronomie: Das wird kompliziert.

Warum rufen die Frauen von Elis [ein Heiligtum des Dionysos] mit ihren Liedern Dionysos an, auf daß er mit seinem Stierfuß zu ihnen komme? (…) Weil in alten Zeiten der Sakralkönig des Mysteriendramas, der auf die Anrufung der Drei Grazien hin erschien, tatsächlich einen Stierfuß hatte. (Robert von Ranke-Graves: Die Weiße Göttin)

Die gesamte antike Welt kennt die Hochzeit des (stierköpfigen) Sonnenkönigs mit der Erdkönigin (oft: die Schlange). Man kennt das: Die zweite Jahreshälfte bringt die erste um, abgeschwächt: Der Sonnenkönig wird sakral gelämht und hat eine Hinkefuß wie Hephaistos.

So ein Ritual (im Bonsai-Format) habe ich selbst mitgemacht, als ich inkognito bei den Freimaurern war: Der Hinkende will immer von einer Welt in die andere.

Wenn wir das aber jetzt anfangen würden zu diskutieren, müssten wir vorher Ranke-Graves auch noch noch einmal studieren (639 Seiten). Oder wir lesen einfach die Bibel, Offenbarung des Johannes – aka Apokalypse (damit wurde ich schon in meiner Kindheit traktiert, aber mittlerweile gilt alles nicht mehr):

Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache [Schlange], groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab.

Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.

Nun könnte ihr versuchen, diesen biblischen Mythos astronomisch zu entschlüsseln!

Ritter, Maurer und wirkliche geheime Räte

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Der Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte: Deutsche Geschichte vom Feinsten. Ich empfehle den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern, selbst die einschlägigen Quellen aka Wikipedia zu studieren. (By the way: „Maurer“ meint Freimaurer.)

Nguyen Ai Quoc aka Ho Ho Ho

Mein Neffe hat mir ein wunderbares Andenken von einer Vietnam-Reise mitgebracht, das einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek einnehmen wird und das ich den wohlwollenden Leserinnen und geneigten Lesern nicht vorenthalten will… Wäre eine nette Quizfrage: Welche asiatische Präsident war zeitweise Mitglied einer Freimaurer-Loge in Paris?