Jubelsperre
“Ich habe eine eingebaute Jubelsperre, und Fußball geht mir sowieso am Arsch vorbei.” (Henryk M. Broder bei Illner)
Wir erleben ein Phänomen der Massenhysterie
Ein Interview der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine Zeitung mit Henryk M. Broder über Sarrazin: “Wir erleben ein Phänomen der Massenhysterie. Ich beobachte das mit Entsetzen.”
Broder hat es richtig erkannt. Ich hatte hier (“Hysterie, Cyberporn, Deutsch des Grauens und die Psychologie der Massen”, 07.03.) und hier (“Terror-Hysterie”, 25.01.) schon etwas zum Krankheitsbild der medial geschürten Massenhysterie geschrieben:
Wer mir nicht glaubt, sollte schnell Elias Canettis “Masse und Macht” lesen. Und am besten noch Max Weber: “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus”.
Haben wir das? Gut. Damit haben wir die Prohibition, den “Krieg gegen die Drogen” und den öffentlichen antikommunistischen Exorzismus der McCarthy-Ära erklärt. Sehr kühn wäre jetzt die These, das Exorzismus heute “Massenhysterie” heißt – und in ihrer allerschwächsten Form das Lichterketten-Tragen gegen das jeweils Böse.
Wikipedia zum Thema: “Massenhysterie ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine starke emotionale Erregung in großen Menschenmengen,… (…) Auch der Hexenwahn des Mittelalters und andere massenhaft auftretende Ängste (etwa die Kommunistenangst im McCarthyismus) werden häufig als Massenhysterie bezeichnet.”
Broder sagt: “An Thilo Sarrazin arbeiten sich jetzt alle Leute ab, um sich auf eine sehr billige Weise ein paar moralische Punkte zu holen.” und: “Ich glaube, eine Gesellschaft ist dann reif, wenn sie keine Regierung braucht. Wenn sie die Regierung outsourcen würden und das Land an Disneyland vermieten, dann würde hier doch im Prinzip alles so weiterlaufen wie jetzt. (…) Die Reaktionen auf Sarrazin zeigen für mich vor allem, dass die Politiker vergessen haben, dass eine Demokratie nicht von richtigen, sondern von falschen Meinungen lebt. Über richtige Meinungen gibt es immer einen Konsens. Da ist sofort Ruhe. Falsche Meinungen dagegen provozieren immer eine Debatte. Es gibt natürlich auch falsche Meinungen, die nicht mal einen Widerspruch wert sind. Aber das, was Sarrazin schreibt, liegt innerhalb des demokratischen Spektrums. Die Folge ist, dass darüber debattiert wird. Der Versuch, Sarrazin zum Schweigen zu bringen oder ihn zu diskreditieren, wird nur neue Sarrazins hervorrufen.”
Alles auf den Punkt gebracht. Mehr muss man nicht sagen.















