Zulus und Sorben
Aus dem aktuellen Spiegel (Print) über “Südafrikas WM-Star Siphiwe Tshabalala über den Stolz seiner Landsleute auf das Bafana-Team”:
“Spiegel: Wie viel der Landessprachen sprechen sie?
Tshabalala: Drei. Zulu, Englisch und Sotho. Dann spreche ich noch drei andere, aber nicht fließend, und Afrikaans kann ich einigermaßen verstehen. Wie viele Sprachen haben Sie?
Spiegel: In Deutschland haben wir eine.”
Das ist natürlich grober Unfug. Jörg Kramer und Cathrin Gilbert sollten sich mal mit dem Thema “nationale Minderheiten” in Deutschland beschäftgen – nur die, die vom Europarat als solche anerkannt wurden. Wir haben Sorben, Sinti und Roma, Friesen und Dänen. Diese dürfen ihre eigene Sprache sprechen, auch in den so genannten “Amtsstuben”, und dürfen eigene Schulen in ihrer Sprache haben.
Wir haben also fünf “offizielle” Sprachen in Deutschland.
Kommentare
5 Kommentare zu “Zulus und Sorben”
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Es sind sechs Sprachen, niederdeutsch fehlt in der Aufzählung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#Sprachen_und_Dialekte
*klugscheissmodus off*
“Neben der deutschen Sprache sind regional seit langem auch Sprachen in Deutschland ansässiger Sprachminderheiten offiziell als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt. Im Einzelnen sind das: Dänisch (sowohl Reichsdänisch, überwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch Sønderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romani (Minderheitensprache der Sinti und Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).”
Niederdeutsch ist eine Regionalsprache, aber nicht die Sprache eine nationalen Minderheit.
Hat denn auch irgendwer gesagt dass die Leute die im Spiegel ihren Senf von sich geben auch nur ungefähr wissen wovon sie dort schreiben? ^^
ganz vergessen.. eine hätten wir noch:
Natürlich kann man da eher schlecht von “sprechen” reden, aber wenn das Ding schonmal Sprache heist…
Minderheiten-Schutzgesetze für ethnische Gruppierunge sind keine Erfindung der EU, es gab sie im Grunde genommen schon immer. Das gilt für zugewanderte Juden, auch für deutsche Minderheiten in nach 1918 von den Siegermächten geschaffenen neuen Nationalstaaten wie Polen, Tschechosloakei etc.
Die jeweilige Gesetzeslage ist die eine, die praktizierte Umsetzung eine andere. Da wurde allen Minderheiten in allen Nationalstaaten oft großes Unrecht zugefügt. Vor dem 2. Weltkrieg wurde die deutsche Minderheit in Polen bis zum Tod des Militärdiktators Pilsudski Mitte der 30er Jahre mehr oder weniger wohlwollend behandelt. Das änderte sich nach dessen Tod 1936(?) dramatisch. Die deutsche Sprache wurde verboten, Deutsche durften keine höheren Schulen besuchen etc.
Die genannten Gruppen in Deutschland, also z.B. die Friesen, bekannten sich dagegen doch immer zu ihrem Deutschtum. Und die Dänen wurden meines Wissens nach immer akzeptiert.
Daß auch die Zigeuner dazugehören, wußte ich nicht. Ich dachte immer, sie gälten als staatenlos.
Daß die Sprachen dieser Minderheiten weiterhin gefördert werden, ist eine gute Sache. Es ist doch wichtig, die zu erhalten.
Sehr interessant, das Thema.