Die Arroganz des Wissens

Christian Wulff beklagt im Deutschlandfunk, dass er wegen des Internets keinen Wissensvorsprung mehr habe vor dem Rest der Welt.

“Früher war es so, da erfuhren sie nachmittags, dass morgen irgendwas in der Zeitung steht. Da konnten Sie schon richtig stellen, da konnten Sie schon gegenarbeiten. Heute erfahren Sie, dass etwas im Internet steht und Millionen anderer haben gleichen Zugriff auf die gleiche Information. Man hat damit keinen Vorlauf mehr, um Dinge richtigzustellen.”

Dirk Gehlen schreibt: “Nicht nur im Stil sagt dieser Satz einiges über den neuen Präsidenten, auch inhaltlich ist diese Aussage bemerkenswert. Wulff findet es also schwer, gelassen zu bleiben, wenn eine Information ihm nicht vorab zugespielt wird.”

Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant Messer, mit Schatulle

Unbedingte Kaufempfehlung für das Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant Messer, mit Schatulle! Beeilen, bevor bei Amazon dieser Filter eingebaut wird!

Ein zufriedener Kunde schreibt: “Wirklich ein fantastisches und handliches Allzweckgerät. Was mich nur ein bisschen stört, ist die Tatsache, daß grundlegende Alltagsfunktionen doch teilweise etwas schwer zu erreichen, bzw. zu bedienen sind. So ist z.B. der integrierte Teilchenbeschleuniger nur dann korrekt in Betrieb zu nehmen, wenn die Nagelfeile und der Korkenzieher in einem Winkel von exakt 107,2 Grad ausgeklappt sind. Nervig ist auch das unangenehme Summen, das der Schutzschild-Generator von sich gibt, wenn der Schild von Luft-Boden-Rakten getroffen wird. Außerdem ist die Notfall-Rettungskapsel mit einer Kapazität von 6 Personen eindeutig unterdimensoniert und kann nur dann abgesprengt werden, wenn das Messer sich in waagerechter Lage befindet. Hier sollte der Hersteller eindeutig nachbessern. Wer aber mit diesen kleinen Einschränkungen leben kann, der bekommt ein Multitool an die Hand, welches man schon nach kurzer Zeit im Alltagsgebrauch nicht mehr missen möchte. Mein persönlicher Favourit ist jedenfalls neben der sauber integrierten Schlafcouch ganz eindeutig die Antigrav-Funktion, mit der sich Lasten bis 300 Tonnen in einem Meter Höhe frei schwebend spielend leicht transportieren lassen, eine unerlässliche Funktion für jeden Familieneinkauf.”

Medialer Charaktermangel

Lesebefehl: Interview mit Tom Schimmeck über “Macht und Ohnmacht der Medien” in Telepolis, Teil 1: “Worunter wir gerade in den Chefetagen am meisten leiden, ist Charaktermangel” und den zweiten Teil “Recherche wird bestraft”, der alsbald erscheinen wird.

“Verdummung ist nicht immer nur ein Kollateralschaden des kommerziellen Kalküls.” Sehr schöner Satz.

Abscheuliche Freitagsblogger

Zeig Mal

Ich habe mich auf der Website des Freitag umgesehen. Das ist die Wochenzeitung mit Ost-Wurzeln, die Jakob Augstein gehört. Beim Freitag kann man sich als Blogger registrieren und dann unter deren Logo gleich loslegen. Man hofft wohl auf eine Art Schwarmverhalten, wofür der Deutsche ohnehin empfänglich ist.

Das gewohnt linkfreie Holzmedium FAZ hat sich darüber ironisch geäußert: “Auch über Politik wird beim ‘Freitag’ diskutiert. Sogar versprengte Liberale schreiben mit”. Man riecht den Willen der bezahlten FAZ-Schreiberlinge, ein Schild aufstellen zu wollen: “Ab hier Qualitätsjournalsismus – wir werden schließlich dafür bezahlt!”

Dumm für den Freitag, dass ich “Allgemeine Geschäftbedingungen” lese. Im Kleingedruckten finden man oft die wahren Absichten, die sich hinter dem einlullenden Werbe-Gefasel verbergen. Der Deutsche kann seinen Hang zur unkontrollierten Zensur natürlich nicht ablegen, auch wenn er ein “versprenger Liberaler” ist oder gar ein nicht versprenger Linker. Was lesen wir also beim Freitag? “3.2 Insbesondere verpflichtet sich der Nutzer, keine Inhalte zu verfassen oder zu verbreiten, die rassistisch, beleidigend, obszön, vulgär, sexuell orientiert, abscheulich oder bedrohlich sind oder sonst gegen ein Gesetz verstoßen würden.”

“Sexuell orientiert, abscheulich oder bedrohlich”. Aha. No sex please, we are Ossis and Protestants? Abscheulich hat etwas mit “Scheu” zu tun und kann auch “verwerflich” bedeuten. Da haben wir wieder den deutschen Tugendwächter und Jugenschutzblockwart, der überall mit zusammengekniffenen Lippen lauert, wo es etwas zu melden, denunzieren, durchführen und verbieten gäbe, der aber beim Freitag vermutlich genau so wenig Honorar bekommt wie die Blogger. Bedrohlich? Ein Journalist, der keine Artikel schreibt, die für irgendwelche Schelme oder Bösewichter bedrohlich sind, hat seinen Beruf verfehlt.

Ich habe mich natürlich sofort auf die Suche nach etwas sexuell Orientiertem, Abscheulichen und Bedrohlichem gemacht. Der obige Screenshot zeigt die antiquarische Ausgabe des Aufklärungsbuches “Zeig mal”, das 1974 erschienen ist. Bei Wikipedia heisst es: “In dem Buch wird durch anschauliche Bilder die neugierige erwachende kindliche Sexualität gezeigt. Als Begleittexte dienen die Kommentare der fotografierten Kinder. Das Buch erlangte bei seinem Erscheinen hohe Anerkennung, wurde mehrfach von den Art Directors Clubs Deutschlands und der USA ausgezeichnet und unter anderem von Pro Familia und Organen der evangelischen Kirche empfohlen. Bis 1995 erschienen mehrere zum Teil erweiterte Auflagen, von 1988 an unter dem Titel Zeig mal mehr! Das Buch wurde in sieben Sprachen übersetzt und weltweit in nahezu einer Million Exemplaren verkauft.”

Nach der geistig-moralisichen Wende Helmut Kohl sah das plötzlich anders aus: “Nachdem 1996 die Junge Union Wuppertal und das Jugendamt Frankfurt am Main voneinander unabhängig erneute Indizierungsanträge gestellt hatten und die Zeit in einem Artikel Will McBride der Förderung von Kindersexualität bezichtigte, ließ der Autor selbst sein Werk vom Markt nehmen.” O tempora o mores!

Heute würden Zensursula und Konsorten gleich von Kinderpornografie reden. Und wer über den Fall bloggt, darf das keineswegs beim Freitag tun, denn das Thema ist “sexuell orientiert, abscheulich und bedrohlich” – weil man für Aufklärung heute schnell in den Knast kommen kann.