Litauen und die jüdischen Partisanen, reloaded

Jüdische Partisanen

In meinem Telepolis-Artikel über den jüdischen Widerstand in Litauen in den 40-er Jahren habe ich einen sehr interessanten Link vergessen – den Jäger-Bericht im Original. „Der „Jäger-Bericht“ wurde von dem SS-Standartenführer Karl Jäger verfasst. Jäger war Befehlshaber des Einsatzkommando 3, einer Untereinheit der Einsatzgruppe A. Der Bericht enthält eine Aufstellung aller von Juli bis November 1941 ermordeten Juden, Kommunisten und politischen Kommissare in Litauen und Weißrussland. Innerhalb dieser fünf Monate ermordeten allein die Angehörigen des Einsatzkommandos 3 laut dieser detaillierten Aufstellung 137.346 Menschen.“

Mein Ekel, wenn ich heute irgendwo das Unwort „Durchführung“ höre, bestätigt sich wieder, wenn ich den SS-Standartenführer Karl Jäger im Original lese:

„Die Durchführung solcher Aktionen ist in erster Linie eine Organisationsfrage. Der Entschluss, jeden Kreis systematisch judenfrei zu machen, erforderte eine gründliche Vorbereitung jeder einzelnen Aktion und Erkundung der herrschenden Verhältnisse in dem betreffenden Kreis. Die Juden mussten an einem Ort oder an mehreren Orten gesammelt werden. An Hand der Anzahl musste der Platz für die erforderlichen Gruben ausgesucht und ausgehoben werden. Der Anmarschweg von der Sammelstelle zu den Gruben betrug durchschnittlich 4 bis 5 km. Die Juden wurden in Abteilungen zu 500, in Abständen von mindestens 2 km, an den Exekutionsplatz transportiert. Welche Schwierigkeiten und nervenaufreibende Arbeit dabei zu leisten war, zeigt ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel: In Rokiskis waren 3208 Menschen 4 1/2 km zu transportieren, bevor sie liquidiert werden konnten. Um diese Arbeit in 24 Stunden bewältigen zu können, mussten von 80 zur Verfügung stehenden litauischen Partisanen über 60 zum Transport, bezw.bezw. zur Absperrung eingeteilt werden. Der verbleibende Rest, der immer wieder abgelöst wurde, hat zusammen mit meinen Männern die Arbeit verrichtet.“

Im deutschen Wikipedia-Eintrag zu Rokikis fehlt jeder Hinweis zum Massenmord an der jüdischen Bevölkerung.

Sehr interessant und zu empfehlen ist übrigens die Website „Until Our Last Breath“ speziell zu den jüdischen Partisanen im Forst von Rudniki. Die habe ich zwar verlinkt, aber nur auf das Foto von Shmuel Kaplinsky. Auch einige andere der im Artikel erwähnten Partisanen sind dort abgebildet (vgl. Foto von untilourlastbreath.com).

„The Russian partisans received drop shipments of goods into the forest from Moscow. The Jewish partisans hoped for Russian cooperation since they had plenty of weapons to go around, but they refused to arm them. In many instances the Russian partisans, like the Polish, and Lithuanian partisans were anti-Semitic, and the Jews had to watch their backs“. – „The Germans never followed them back into the forests. Instead the Germans gave weapons to the locals to shoot, and hunt down the partisans.“

Kommentare

One Kommentar zu “Litauen und die jüdischen Partisanen, reloaded”

  1. trueten.de - Willkommen in unserem Blog! am September 14th, 2008 12:44 pm

    Was mir heute wichtig erscheint #6…

    Abstimmungsbedarf: Bis zum 11. September um 10 Uhr hatte Rechtsanwalt Frank Jasenski dem EsslingerOberbürgermeister Jürgen Zieger Zeit gegeben, die undemokratische Verweigerung der Halle im Zentrum Zell für eine landesweite Großveranstaltung der ML…

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