Geheimes Kaffeetrinken

Ja, ich gebe es zu: Ein starkes Motiv für meine Mitgliedschaft im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) ist das Amusement. Man kann sich ständig totlachen. Welcher Verein bietet noch diesen Service? Außerdem sehe ich als gelernter Altgermanist gern altdeutsche Weisheiten live bestätigt, etwa: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“. Oder: „Wer sich selbst eine Grube gräbt, fällt auch hinein.“ Da es sich um einen Journalisten-Verband handelt, trifft noch eine weiterer Lehrsatz zu, den man auf der Journalisten-Universität schon im ersten Semester auswenig lernen muss: „Einer quatscht immer“. Aber das werden die Apparatschiks beim DJV nie kapieren. Kein Wunder: Die sind eben keine Journalisten.

Der DJV lud also vor einiger Zeit alle Geschäftsführer der Landesverbände zum 12. März zu einer offiziellen Geschäftsführertagung nach Hannover in ein schickes Hotel ein. Dann wurde das Treffen offiziell wieder abgesagt.

Da man seine Pappenheimer kennt, glaubt man natürlich prophylaktisch kein Wort. Und siehe da: Die Geschäftsführer der Landesverbände reisten – trotz der Absage – dennoch nach Hannover, einige schon am Vorabend. Alle – außer dem DJV Brandenburg. Den wollte man nicht dabeihaben und hatte ihn auch nicht von dem Event informiert. Warum? Darüber kann man nur spekulieren: Es ging um Geld. Da der DJV eine inoffizielle Schattenwirtschaft betreibt, eine Art „Reptilienfonds„, und sogar versucht, Gerichte damit hinter’s Licht zu führen, soll alles geheim bleiben. Das funktioniert natürlich nicht, aber die Apparatschiks hätten es so gern. Wie schon erwähnt: Einer quatscht immer.

Die Damen und Herren trafen sich am Vorabend in einem anderen Hotel, um in trauter Runde zu mauscheln. Vermutlich fürchteten sie, dass irgendein Vertreter der Brandenburger im ursprünglich vorgesehenen Hotel anrufen würde, um herauszufinden, ob die Geschäftsführertagung dennoch stattfände. Diese gute alte Recherchemethode nennt man bekanntlich Social Engineering.

Am 12. März in der Frühe sprang man dann wohlgemut in Taxis und begab sich in die Geschäftsstelle des DJV Niedersachsen. Aber, welch‘ Wunder: Dort tauchte der gar nicht vorgesehene Geschäftsführer des DJV Brandenburg auf und setzte sich frech zu den Herrschaften, als sei nichts geschehen. Potztausend! Alle schwiegen betreten. Was tun? Wie kann man Gelder hin- und herschieben, wenn jemand zuhört, der das gar nicht wissen soll? Der Vertreter des DJV Brandenburg wurde also wieder hinausgebeten, Hausrecht und so. Es handele sich bei dem Treffen mitnichten um eine Geschäftsführertagung, obwohl ein rundes Dutzend GeschäftsführerInnen anwesend waren. Vermutlich waren die auf Kosten der Mitglieder nur zu einem geheimen Kaffeetrinken versammelt.

Ich habe offiziell nachgefragt. Frage: „Warum wurde dem vom DJV Brandenberg benannten Geschäftsführer die Teilnahme an der Sitzung versagt?“ Antwort: „Da die Geschäftsführertagung abgesagt wurde, konnte dem Geschäftsführer des DJV Brandenburg auch nicht die Teilnahme verweigert werden.“ Eine bestechende Logik, auf die selbst die Scholastiker des Mittelalters nicht gekommen wären!

Was soll man zu diesem Kindergarten noch sagen? Deutscher Jux-Verband? Ich könnte mich immer wieder kringeln über die Gurkentruppe, die da das Sagen hat.

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